Götter
Götter bzw. Gottheiten sind in vielen Mythologien, in polytheistischen Religionen und im Volksglauben meist übersinnliche und übernatürliche Geistwesen. Jede Religion, welche auf Götter basiert, wird als Theismus bezeichnet. Andere Religionen, welche ohne Götter auskommen, werden als Atheismus zusammengefasst.
Innerhalb des Theismus unterscheidet man zwischen Polytheismus und Monotheismus. Letztere setzt auf die Macht eines absoluten Gottes, während der Polytheismus viele Götter kennt. In Mythologien und polytheistischen Religionen werden zudem die Beziehungen der Götter untereinander, sowie deren Abstammung und Rang in einem Götterbild (Pantheon) zusammengefasst.
Die Zusammensetzung einer herausragenden Göttergruppe, wie bspw. den olympischen Göttern im griechischen Pantheon, wird als Götterkanon bezeichnet.
Die großen Weltreligionen sind meist monotheistisch. Ausnahmen unter den Weltreligionen bilden der Hinduismus und der Buddhismus. Letzterer ist im Kern atheistisch, kennt aber regionale Götter. Im Hinduismus gibt es wiederum Hauptgötter und zahlreiche Nebengötter.
Am Ende der Bronzezeit bzw. zu Beginn der Eisenzeit entstand im Nahen Osten erstmalig eine dauerhafte Religion mit nur einem Gott. Wohlmöglich verschmolzen die Eigenschaften verschiedener regionalen Gottheiten in diesem Konzept. Aus dem Glauben an einen wahrhaften Gott entstanden das Judentum, das Christentum und der Islam. Während der Antike stieg das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich auf und wurde, nach dem Untergang des Weströmischen Reiches, zur Einheitsreligion im europäischen Mittelalter.
Steckbrief
| Übersetzungen: | Allah (arabisch), Deus (lateinisch), Ishvara (indisch), Khuda (persisch), Ngai (Massai), Theos (griechisch) |
| Bezeichnungen: | JHWH bzw. Jahwe oder Jehova als Name für den Gott Israels im Jahwismus, Judentum und Samaritanismus |
| ägyptisch: | kleine Auswahl: Aati, Achti, Aker, Am-hehu, Amun, Amaunet, Anath, Anhor, Anubis, Anukis, Apis, Aton, Atum, Bastet, Bat, Benu, Bes, Chepre, Chnum, Chons, Geb, Hathor, Heqet, Hesat, Horus, Imentet, Imhotep, Isis, Maat, Mahes, Menhit, Min, Montu, Mout, Nechbet, Nefertem, Nephthys, Nut, Osiris, Pachet, Ptah, Ra, Renenutet, Sachmet, Satis, Selket, Schu, Seth, Sobek, Taweret, Tefnut, Thot, Wadjet, Wosret |
| aztekisch: | Atlaua, Centzonuitznaua, Centzonmimixcoah, Chalchiuhtlicue, Chicomecoatl, Cinteotl, Coatlicue, Coyolxauhqui, Ehecatl, Huitzilopochtli, Huixtocihuatl, Mictlancihuatl, Mixcoatl, Opochtli, Quetzalcoatl, Tezcatlipoca, Tlahuizcalpantecuhtli, Tlaloc, Tlaltecuhtli, Tlazolteotl, Tonatiuh, Tzitzimitl, Xipe Totec, Xiuhtecuhtli, Xolotl, |
| baltisch: | Auseklis, Ausrine, Dievs, Dieva deli, Gabija, Laima, Menulis, Patollos, Perkons, Saule, Saules meita, Zemes mate, |
| Buddhismus: | Buddhas: Kakusandha Buddha, Konagama Buddha, Kassapa Buddha, Gautama Buddha, Maitreya Buddha Bodhisattvas: Manjushri, Avalokiteshvara, Vajrapani, Maitreya, Ksitigarbha, Samantabhadra Weitere: Yidam, Devas, Asuras, Mara, Yakshas |
| griechisch: | Olympier: Athene, Aphrodite, Ares, Hera, Hestia, Apollon, Artemis, Demeter, Hephaistos, Hermes, Poseidon, Zeus Weitere (Auswahl): Acheloos, Aletheia, Anemoi, Asklepios, Apate, Charon, Dryaden, Efris, Hekate, Giganten, Hesperiden, Himeros, Horen, Hyaden, Hymenaios, Hypnos, Iris, Moiren, Morpheus, Musen, Najaden, Napaien, Nereiden, Nymphen, Oreaden, Oneiroi, Pan, Plejaden, Plutos, Pothos, Thanatos, Titanen, Tyche, Zelos |
| germanisch: | siehe nordische Götter, außerdem Alcis, Baduhenna, Tuisto, Mannus, Tamfana |
| Hinduismus: | Vishnu, Lakshmi, Shiva, Parvati, Brahma, Saraswati und sehr viele weitere (tausende) |
| Inka: | Apocatequil, Axomamma, Awqakuq, Hawcha, Inti, Kukamama, Mama Killa, Pachamama, Saramama, Pacha Kamaq, Qupaqati, Supay, Viracocha, Wamani, Wiraqucha |
| kanaanäisch: | El, Baal, Aschera, Astarte, Schamasch, Anat |
| keltisch: | Belenus, Belisama, Bormo, Brigantia, Cathubodua, Cicollus, Cernunnos, Cobannus, Coventina, Cromm Cruach, Gwydyon, Madrun, Matronae, Nemetona, Epana, Grannus, Lleu Llaw Gyffes, Lugh, Lugus, Maponos, Mabon, Neit, Ogmios, Ogma, Rigani, Rosmerta, Senuna, Sequana, Sirona, Sucellus, Sulis, Suleviae, Taranis, Tuirenn, Nodons, Teutates, |
| finnisch: | Ahti, Akka, Ilmatar, Jumala, Kalma, Kave, Kuu, Mielikki, Nyyrikki, Otso, Päivätär, Pekko, Sampsa, Tapio, Tuonetar, Ukko, |
| Maya: | Kukulkan, Chaac, Ix Chel, |
| mesopotamisch: | Dumuzi, Geštinanna, Gugalanna, An, Enlil, Enki, Ninḫursanga, Nannar, Utu, Ninanna, Apsu, Tiamat, Anshar, Kishar, Marduk, Adad, Nabu, Tammuz, Nergal |
| nordisch: | Asen und Wanen: Balder, Donar (Thor), Heimdall, Hermodr, Hödur, Hönir, Freyja (Frigg), Freyr, Frigg, Kvasir, Loki, Njörd, Odin (Wodan), Sif, Skadi, Tyr Weitere: Ägir, Audhumla, Bergelmir, Bragi, Börr, Forseti, Gefion, Hel, Idun, Ilmatar, Jumala, Mani, Magni, Mars Thincsus, Modi, Nerthus, Nornen, Ran, Rígr, Riesen, Sleipnir, Sunna, Thrud, Urd, Ullar, Ve, Vili, Wali, Walküren, Widar, Ymir |
| römisch: | Dei consentes: Jupiter, Juno, Minerva, Vesta, Ceres, Diana, Venus, Mars, Mercurius, Neptun, Vulcanus, Apollo Weitere (Auswahl): Acca Larentia, Aiolus, Aesculapius, Amor, Anna Perenna, Aurora, Bellona, Bonna Dea, Bubona, Cardea, Carmenta, Carna, Consus, Dea Dia, Epona, Faunus, Feronia, Flora, Fons, Fortuna, Furien, Furrina, Hercules, Janus, Laverna, Levana, Liber, Luna, Maia, Moneta, Mutunus Tutunus, Ops, Pales, Picus, Pluto, Plutus, Pomona, Portunus, Proserpina, Quirinus, Robigus, Saturnus, Silvanus, Sol, Strenia, Tellus, Terminus, Veiovis, Vertumnus, Volturnus |
| slawisch: | Chors, Mokosch, Perun, Rusalka, Simargl, Stribog, Svarog, Svantovit, Svarozic, Triglaw, Veles |
| Zarathustrismus: | Ahura Mazda und Angra Mainyu im Sinne des Dualismus, aber mit polytheistische Tendenzen (Amescha Spenta) |
| Donnergötter: | Adad (babylonisch), Baal (westsemitisch), Donnar (germanisch), Thor (nordisch), Quzah (arabisch), Ninurta (assyrisch), Pērkons (baltisch), Lei Gong (chinesisch), Zeus (griechisch), Raijin (japanisch), Taranis (keltisch), Jupiter (römisch), Perun (slawisch), Indra (vedisch), Athtar (westsemitisch) |
| Erdgötter: | Coatlicue (aztekisch), Ceres (römisch), Demeter (griechisch), Gaia (griechisch), Geb (ägyptisch), Ix Chel (Maya), Mokosch (slawisch), Pachamama (Inka), Papa bzw. Papahanaumoku (Maori), Prithivi (indisch), Tellus (römisch), Žemyna (litauisch), |
| Fruchtbarkeitsgötter: | Demeter (griechisch), Osiris und Renenutet (ägyptisch), Chicomecoatl (Maisgöttin, aztekisch), |
| Feuergötter: | H |
| Geburtsgötter: | Heket und Taweret (ägyptisch), |
| Handwerk: | Ptah (ägyptisch), |
| Heilungsgötter: | Sachmet und Selket (ägyptisch), Patecatl und Chalchiuhtotolin (aztekisch), |
| Herdgötter: | Chantico (aztekisch), |
| Himmelsgötter: | Uranos (griechisch), Nut (ägyptisch) |
| Jagdgötter: | Artemis (griechisch), Diana (römisch), Anhor und Neith (ägyptisch), Camaxtli (aztekisch), |
| Lichtgötter: | Apollo, Apollon, |
| Liebesgötter: | Aphrodite (griechisch), Astarte, Amor, Eros (griechisch), Hathor (ägyptisch), Venus (römisch), |
| Kriegsgötter: | Onuris und Neith (ägyptisch), Ares (griechisch), Mars (römisch) |
| Meeresgötter: | Ägir (nordisch), Neptun (römisch), Poseidon (griechisch), Atlaua (aztekisch), |
| Mondgötter: | Chons (ägyptisch) |
| Muttergöttinnen: | Hesat, Neith und Isis (ägyptisch), Hera (griechisch) |
| Ordnungsgötter: | Maat (ägyptisch), |
| Regengötter: | Baal, Chaac, Donnar, Thor, Qun |
| Schöpfungsgötter: | Enneade von Heliopolis (ägyptischer Schöpfungsmythos): Atum, Schu, Tefnut, Geb, Nut, Osiris, Isis, Nephthys, Seth Achtheit von Hermopolis (ägyptischer Schöpfungsmythos): Nun, Naunet, Heh, Hehet, Kek, Keket, Tenem und Tenemu Griechischer Schöpfungsmythos: Chaos, Nyx, Gaia, Erebos, Eros, Tartarus |
| Schutzgötter: | Nechbet (Schutzgöttin von Oberägypten), Wadjet (Schutzgöttin von Unterägypten) Sachmet (Schutz vor Krankheiten, ägyptisch), Selket (Schutzgöttin der Heiler, ägyptisch), Taweret (Schutzgöttin der Schwangeren bei der Geburt, ägyptisch), Atlaua (Schutzpatron der Fischer, aztekisch), Patecatl (Schutzgott der Heiler, aztekisch), Chicomexochtli (Schutzgott der Künstler, aztekisch) |
| Sonnengötter: | Aton und Re (beide ägyptisch), |
| Wassergötter: | Chalmecatl, Chalchiuhtlatonal und Chalchiuhtlicue (aztekisch), |
| Weingötter: | |
| Wettergötter: | |
| Windgötter: | Schu (ägyptisch) |
| Wissensgötter: | Athene (griechisch) |
| Urgötter: | Atum (ägyptisch), Kek und Kauket (ägyptisch), Audhumla und Ymir (nordisch), Chaos und Gaia (griechisch) |
| Totengötter: | Amentet, Anubis, Isis, Osiris (ägyptisch), Chalmecateuctli (aztekisch), Hades (griechisch) |
Was sind Götter?
Götter sind übernatürliche Wesen, welche anbetungswürdig sind. Die Anbetungswürdigkeit ergibt sich aus den Fähigkeiten, welche man den Göttern zuschreibt. Denn Götter gelten als höchste Autorität über Teile des Universums, der Natur und können das menschliche Leben beeinflussen.
Im Polytheismus sind Götter dem Schicksal unterworfen und demnach nicht die allerhöchste Macht im Kosmos. In anderen Religionen, welche nur einen Gott ins Zentrum stellen (Monotheismus), tritt dieser als absolute Macht auf. Dieser vermag auch das Schicksal zu lenken und zu bestimmen.
Was ist der Unterschied zwischen Götter-Mythologie und Götter-Religionen?
Die Götter-Mythologien stützen ihr Wissen auf Erzähltraditionen, welche nur mündlich überliefert sind. Eine Götter-Religion hat dagegen ein Schriftwerk, in welchem die Gesetze und Allmacht des Gottes schriftlich fixiert sind. Jenes Schriftwerk wird als Heiliges Buch oder Heilige Schrift bezeichnet und steht im Zentrum des Götterkultes.
Polytheistische Religionen im Altertum hatten oftmals dieses Schriftwerk nicht, da die Schrift noch nicht erfunden war. Deshalb werden diese in die Ecke der Mythologie gestellt, während die frühen monotheistischen Weltanschauungen mit ihrer schriftlichen Bezeugung als Religion verstanden werden.
Woran glaubten die Menschen vor den Göttern?
Die Erfindung der Religion wird dem modernen Menschen (Homo sapiens) zugesprochen. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Wissenschaftlern, welche dem Neandertaler ebenfalls eine Spiritualität und Religion zusprechen.
Abgeleitet wird die Erfindung der Religion durch die Erkenntnis eines Jenseits. Wenn sich Menschen in der Steinzeit mit dem Jenseits auseinandergesetzt haben, hatten sie auch eine Vorstellung davon – dass es nach dem Tod irgendwie weitergehen müsste. Dass sowohl Homo sapiens als auch Neandertaler ihre Toten begraben haben, wird als Indiz jener Jenseitsmythologie gewertet.
Obwohl die prähistorische Religion wohlmöglich ein Jenseits kannte, geht man nicht davon aus, dass die Menschen der Altsteinzeit einen Gott kannten. Denn in Jäger und Sammler Kulturen sind alle Mitglieder des Clans gleichberechtigt. Dass die damalige Menschheit eine Hierarchie erfunden hatte, in welcher sie sich unterordnet – wird weitestgehend bestritten. Stattdessen geht man davon aus, dass die ursprüngliche Religion der Animismus war.
In einem animistischen System besitzen alle Objekte eine Seele. Der Steinzeitmensch lebte als Naturmensch inmitten der Natur, sah sich selbst nicht als über- oder untergeordnetes Geschöpf. Dass der Animismus tatsächlich die Urreligion war, gilt weiterhin als ungeklärt. Jedoch praktizieren heutige Naturvölker eine ähnliche Religiosität.
Wie entstand der Glaube an Götter?
Während der Jungsteinzeit trat die Menschheit zu Ackerbau und Viehzucht über. Dadurch kam Sesshaftigkeit, Vorratshaltung und Besitzdenken auf. Die Menschen waren nun – anders als ihre Vorfahren (Jäger und Sammler) – an einen Ort gebunden. Demnach wurden sie abhängig von Jahreszeiten, von Niederschlägen und der Produktivität ihrer Ackerflächen.
Die Geister, welche bei den Jäger und Sammlern noch jeden Baum und jeden Bach beseelten, wurden durch mächtigere Götter ersetzt – welche nun Regenzeiten und ertragreiche Ernten garantieren sollten.
Sesshaftigkeit bedeutete gegenüber Jägern und Sammlern mehr Sicherheit. Aber im Gegenzug büßte die Menschheit ihre Freiheit ein und wurde abhängig von der Region, in welcher sie sich niederließ.
Welchen Zweck hatten die Götter?
Sesshaftigkeit bedeutete gegenüber den Jägern und Sammlern mehr Sicherheit. Aber im Gegenzug büßte die Menschheit ihre Freiheit ein und wurde abhängig von der Region, in welcher sie sich niederließ. Und wenn sie bei den Göttern bezüglich günstigen Regenzeiten, Schutz und Ernte anriefen – waren sie von deren Gunst genauso abhängig.
Weiterhin musste Besitz an Ackerfläche geregelt werden. Und dies geschah ebenfalls über die Götter. Mythen und Geschichten wurden erfunden darüber, wie die Götter den Besitz eines Mannes ehren und was sie mit demjenigen tun, der dagegen verstößt. Sprache und Mythen waren Antreiber einer kulturellen Revolution, die bis heute fortbesteht. Doch schon in der Jungsteinzeit waren die Götter nicht nur Gönnern und Schutzmacht, sondern auch Ordnungsmacht. Die Gottesgesetze galten.
Warum brauchte man eine Vereinheitlichung der Götter?
Die Überproduktion an Nahrungsmitteln bewirkte bereits in der Jungsteinzeit, dass die Bevölkerung sprunghaft anstieg. Und die Völker, welche in der Steinzeit noch isoliert voneinander lebten, rückten immer näher zusammen.
In der Folge entstanden erste (Groß)reiche. Und in einem Reich, welches auf gleiche Gesetze pocht, kann es keine unterschiedlichen Götter als zusätzliche Ordnungsmacht geben. Der Flussgeist müsste demnach für das Flussvolk genauso eine Bedeutung haben, wie für die Bergvölker. Und da dies nicht funktionierte, brauchte man übergeordnete Wesen – welche allgemein gültig sein könnten. Und diese Wesen waren einheitliche Götter.
Die Geschichten und Mythen, welche man über die Götter erzählte – fungierten demnach als ein Ordnungsprinzip. Es galt das Recht der Götter, an welches sich die Menschen im ganzen Reich halten mussten. Die Missachtung dieser Gesetze zog die Strafe der Götter nach sich. Und selbst Diebe hielten sich an die Gesetze der Götter und zweifelten nicht an deren Ordnung, da es auch einen Schutzgott für Diebe gab, den sie nicht verärgern wollten.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ahnenverehrung und Göttern?
Erste Ideen von Göttern entstanden wohlmöglich in Anatolien (heutige Türkei). Die Region gehörte zum Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes, in welchem der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht viel früher stattfand. Dort befindet sich eine Kultstätte, namens Göbekli Tepe, welche ab etwa 9.600 v. Chr. als Bergheiligtum genutzt wurde.
Die Erforschung des Heiligtums wirft aber neue Fragen auf. Denn die riesigen Steinsäulen mussten von mehreren hundert Arbeitern errichtet und aufgestellt worden sein. Dazu haben sie wohlmöglich Jahre gebraucht.
Die Arbeiter mussten also irgendwie versorgt werden. Aber Archäologen fanden weder Feuerstellen noch Herdplätze, welche eine dauerhafte Besiedlung plausibel erscheinen lassen würden. An umliegenden Knochenresten lässt sich erkennen, dass die Menschen damals noch Jäger waren und keine Nutztiere hatten. Demnach könnte nicht die Neolithische Revolution den Götterglauben bewirkt haben, sondern umgekehrt.
Der deutsche Prähistoriker Klaus Schmidt hielt den Jenseitsglauben und die Totenverehrung für die Triebfeder der Neolithischen Wende. Demnach waren Menschen erst gläubig und wurden dann sesshaft. Laut Schmidt war zuerst der Tempel da und dann entstand die Stadt.
Wie wurde die Weltordnung im Altertum durch Götter repräsentiert?
Das alte Ägypten hatte ein Konzept für die Weltordnung, welches als Maat bezeichnet wird. Die Maat wurde durch eine ägyptische Göttin personifiziert. Das Konzept von Maat schloss Gerechtigkeit, Wahrheit, Rechtschaffenheit und Staatsführung ein. Ein ägyptischer König oder Pharao war der Maat verpflichtet. Sowohl die Könige, als auch die Menschen und die Götter leben von der Maat.
Die Ägypter glaubten, dass nur aufgrund der Maat die Sonne aufgeht und dass Leben ohne die Maat nicht möglich sei. Die irdische Weltordnung war für die Ägypter ein Abbild der göttlichen Gemeinschaft, welches sich in der Maat ausdrückte. Der König (Pharao) hatte den Auftrag das kosmologische Prinzip durch sein Königsamt auf Erden umzusetzen.
Die Maat ist allerdings veränderlich. Und die Waagschalen können in Chaos (Isfet) und Verderben ausschlagen. Deshalb ist es umso wichtiger, dem Konzept der Maat zu folgen. Dabei war für die Ägypter die Maat keineswegs ein Gesetzestext, sondern eine Handlungsmaxime oder ein Ideal. Es war demnach ein Gedankenkonzept, an welchem festzuhalten war. Jeder Ägypter glaubte daran, dass seine Handlungen die Maat beeinflussen und die Waagschale entweder ausgleicht oder ins Verderben stürzt.
Im polytheistischen System des Alten Ägyptens wird eines deutlich. Der Mensch begreift sich als Teil der göttlichen Weltordnung. Seine Handlungen haben Einfluss auf die Götter und können sogar die ganze Welt beeinflussen. Der Gedanke der menschlichen Einflussnahme findet sich in sämtlichen polytheistischen Religionen, weshalb nicht nur die Götter aufstiegen – sondern auch der Mensch. Und durch die Götter konnte der Mensch seinen Einfluss auf die Natur geltend machen.
Wie repräsentierten die Götter den Staat in der Antike?
Im antiken Griechenland wurden die Gesetze der Götter zum höchsten Maßstab und Ideal erhoben. Man huldigte den Göttern, baute ihnen Tempel und glaubte, dass man deren Gunst für Ackerbau, Kriege oder sonstige Unternehmungen bräuchte. Deshalb wurden den Göttern diverse Opfer gebracht.
Da das antike Griechenland kein Einheitsstaat war, sondern mehr ein Kulturraum mit vielen Stadtstaaten (Polis), war die Bedeutung einzelner Götter lokal unterschiedlich. Dennoch entwarfen die Griechen einen Götterkanon mit zwölf Gottheiten, welche sie als die wichtigsten ansahen. Diese Götter wohnten, laut Vorstellung der Griechen, auf dem Olymp und wurden deshalb als Olympier bezeichnet.
Jede dieser Gottheiten hatte die Kontrolle über einen bestimmten Aufgabenbereich bzw. Lebensbereich der Menschen. Demnach wurde jeder Gottheit ganz bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Attribute zugeschrieben. Es gab bspw. den Kriegsgott Ares, den Lichtgott Apollon und die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter.
Im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand in Athen ein System von neun Archonten (hohe Beamte), welche in drei Zuständigkeitsbereiche unterteilt waren. Diese drei Zuständigkeitsbereiche wurden wohlmöglich von den Göttern repräsentiert.
Der Archon eponymos war oberster Beamter, welcher für die Staatsführung zuständig war. Die Götter Zeus, Apollon, Poseidon und Hades repräsentierten diesen Bereich. Denn Zeus war Herrscher über den Himmel, Hades regierte das Totenreich, Apollon regierte den Kulturbereich und Poseidon das Meer.
Der zweite hohe Beamte im griechischen Stadtstaat war der Archon polemarchos. Dieser war fürs Militär zuständig. Kriegerische Götter im griechischen Pantheon waren Athene, Ares und Hephaistos. Sie könnten diesen Lebensbereich der Menschen und den Funktionsbereich des Staates widergespielt haben.
Und Aphrodite, Demeter, Artemis, Hera und Hestia dienten der Familie, der Liebe, der Natur und der Fruchtbarkeit. Diese repräsentierten sämtliche Aspekte der griechischen Zivilgesellschaft. Eine ähnliche Stellung kam dem obersten Priester (Archon basileus) zu.
Wie entstand der allmächtige Gott?
Bereits in der Eisenzeit entstand auf dem Gebiet des heutigen Israels ein dauerhafter Monotheismus. Der Gott der Israeliten war allmächtig und konnte, anders als die polytheistischen Götter zuvor, auch das Schicksal beeinflussen.
Diese neue Komponente war notwendig für die Mythenwelt der Israeliten. Denn diese Gottheit soll ihnen das Gelobte Land versprochen haben, wenn sie sich zu ihm als absoluten Gott bekennen würden. Geschlossen wurde dieses Bündnis während des Exodus, als Moses die Sklaven aus Ägypten befreite, über den Sinai ins verheißene Land führte (Kanaan).
Der Gott der Israeliten war JHWH. Dieser stellt sich zu Beginn der Zehn Gebote als gnädiger Befreier und als Bündnispartner der Israeliten vor. Im Judentum wird traditionell auf das Aussprechen des Namens verzichtet. Stattdessen wird Gott im Tanach als Adonai („mein Heer“) oder HaSchem („sein Name“) angesprochen.
Bibelwissenschaftler rekonstruierten die Aussprache von JHWH seit dem frühen 18. Jahrhundert. Bereits um 1800 legte man sich auf Jahwe als wahrscheinlichste Aussprache von JHWH fest.
Wohlmöglich identifizierten die Israeliten ihren Gott mit El, der höchsten Gottheit im kanaanäischen Pantheon. Weitere Götter der Kanaanäer waren Aschera und Baal. Deren Merkmale wurden selektiv in die Vorstellung von Jahwe aufgenommen.
Der Jahwismus war zunächst ebenfalls ein Polytheismus, entwickelte sich dann aber zum Monotheismus. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Existenz anderer Götter kategorisch geleugnet. Und Jahwe wurde zum Schöpfergott und zur einzigen Gottheit ausgerufen.
Da die Israeliten sich von Gott auserwählt begriffen, entstand der Mythos vom auserwählten Volk. Dieses Bündnis zwischen Gott und den Menschen blieb aber höchst exklusiv. Denn der Gott der Israeliten beschränkte sich lediglich auf ein Volk und zudem auf ein kleines Fleckchen Erde, welches wir heute als Palästina oder Israel kennen.
Fremde Menschen konnten nicht einfach diesem Bündnis beitreten. Man musste zwingend auserwählt sein. Demnach blieb der Monotheismus in Palästina äußerst klein.
Welche Stellung hatten die Götter im Mittelalter?
Aus der Religion der Israeliten entstanden das Judentum, der Islam und das Christentum als weitere monotheistische Religionen. Alle drei Religionen beziehen sich auf Abraham als ihren Stammvater, weshalb man diese als abrahamitische Religionen zusammenfasst.
Das Christentum begriff sich als Bekehrungsreligion. Denn der christliche Gott schloss niemanden aus und dessen Antworten waren überall und jederzeit wahr. Schnell begangen Missionierungen, weshalb sich das Christentum am Ende der Antike stark verbreitete. Eine ähnliche Expansion vollzog der Islam, welcher sich ab 632 von Saudi Arabien ausgehend ausbreiten sollte.
Sowohl Christentum als auch der Islam sind zwei Bekehrungsreligionen, welche stets bestrebt sind, neue Anhänger zu finden. Gleichzeitig sind beide Religionen äußerst radikal bei der Frage, ob es noch andere Götter gibt. Denn der dort gelebte Monotheismus kennt nur einen allmächtigen Gott und somit nur eine bestehende Wahrheit. Würde man einen zweiten Gott akzeptieren, würde dies den eigenen Gott in Frage stellen.
Demnach war die Islamische Expansion (ab 632) eher ein Islamischer Krieg gegen die Ungläubigen, welcher mit Zwangsislamisierungen und Eroberungen einherging. Und auch die Christianisierung Europas war keineswegs eine freudige Angelegenheit für Heiden und Ungläubige. In den Kreuzzügen wollten beide Religionen ihren Einfluss auf den Nahen Osten geltend machen, was zu zahlreichen Kriegen führte.
Letztlich hatte der allmächtige Gott im Mittelalter eine herausragende Stellung. Der jeweilige Gott und dessen Priester definierten die einzige Wahrheit. Alle anderen Götter wurden zurückgedrängt.
Welche Bedeutung hatten die Götter in der Moderne?
Seit der Renaissance stieg der absolute Gott als übergeordnetes Ordnungsprinzip der Menschheit immer weiter ab. An dessen Stelle trat eine neue Religion, welche wir als Humanismus kennen.
Humanisten glauben daran, dass der Mensch über allen anderen Lebewesen steht und im Kosmos eine gottähnliche Stellung einnimmt. Wo früher Gott für bestimmte Aspekte des Lebens zuständig war, ist seit der humanistischen Wende der Mensch verantwortlich.
Lediglich einzelne Konzepte, wie das ewige Leben und die Erlösung, blieben Gott vorbehalten. Aber auch an deren Umsetzbarkeit forscht die Menschheit. Möglich ist dies nur, da der Mensch sich seit der humanistischen Wende als Wesen mit unbegrenzten Möglichkeiten begreift.
Aus der Religion des Humanismus entstand im 17. und 18. Jahrhundert die Aufklärung, welche die menschliche Vernunft als oberstes Ideal ausgab. Aber auch sämtliche Ideologien des 20. Jahrhunderts sind aus dem Humanismus heraus entstanden. Anstelle eines Gottes bzw. eines gottähnlichen Menschen steht in Ideologien ein ganz bestimmtes Menschenbild im Zentrum der Weltanschauung.
Der Liberalismus ist eine humanistische Religion bzw. Ideologie, welche die menschliche Freiheit als oberste Ideal begreift. Die Freiheit als höchstes Ideal der Menschen ist eine Weiterentwicklung des aufklärerischen Vernunftkonzeptes gewesen, welches die Bildungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Konfessionsfreiheit als Grundlage für das menschliche Vernunftstreben hervortaten.
Auch der Kommunismus ist eine humanistische Weltanschauung. Diese zielt darauf ab, dass alle Menschen gleich sein sollen. Auch hier steht der Mensch als anbetungswürdiges Wesen im Zentrum der Weltanschauung.
Der Faschismus, der Nationalismus und der Nationalsozialismus waren zwei weitere Ideologien des 20. Jahrhunderts mit sehr viel Zulauf. Deren Anhänger wollte die Menschheit dadurch retten, indem sie eine bestimmte Menschenrasse näher zu Gott stellten als andere.
So waren die Arier bei den Nationalsozialisten durchaus gottähnlich. Aber diese Herrenrasse war durch die Vermischung mit anderen Menschenrassen in Gefahr. In der nationalistischen Humanismus-Ideologie konnte die gottähnliche Menschheit nur gerettet werden, indem sämtliche Untermenschen ausgerottet werden.
Götterkanon in den verschiedenen Religionen und Mythologien
Ägyptische Götter
Das alte Ägypten war polytheistisch und kannte mehr als 1400 Götter. Allein in den Pyramidentexten tauchen etwa 200 Götter auf. Das alte Ägypten mit den ersten wirklichen Dynastien (Altes Reich) entstand etwa 2.700 v. Chr. . In Asien und Europa verordnet man die Bronzezeit in diese Zeitspanne.
Aus dem animistischen System der Urgeschichte formte sich der Polytheismus in Ägypten und anderswo. Das erklärt auch, weshalb ein Großteil der ägyptischen Götter zoomorph (tierisch) waren. Zu diesen Tiergöttern gehörten bspw. Anubis (Schakal), Horus (Falke) oder Atum (verschiedene Tiergestalten). Der Animismus, welcher tierische Schutzgeister kannte, überlebte demnach im frühen Polytheismus.
Die ägyptischen Götter waren auch deshalb so zahlreich, weil es regional unterschiedliche Götter gab. So verehrte man in Theben ganz andere Götter als in Thinis oder Memphis. Denn man konnte nicht von heute auf morgen die zahlreichen Religionen – welche auch im urgeschichtlichen Ägypten unterschiedlich ausgeprägt waren – vereinen.
Neben den Tierwesen kannte die ägyptische Götterwelt auch zahlreiche Personifizierungen von Naturphänomenen, welche ebenfalls ein Überbleibsel des animistischen Systems waren. So repräsentierte der Gott Schu die Luft und die Göttin Meretseger verkörperte Teile der Erde.
Große Götter hatten bald mehrere Aufgaben. So wurde Osiris vom Fruchtbarkeitsgott zum Totengott erklärt. Dazu kamen später weitere Repräsentationen, wie Gott des Nils oder Gott der Wiedergeburt.
Den Versuch einen Monotheismus zu etablieren, unternahm Pharao Echnaton im 14. Jahrhundert v. Chr.. Dazu erhob er den Gott Aton über alle anderen Götter und erklärte diesen als Weiterentwicklung des Re (Sonnengott). Aber der Versuch scheiterte. Denn nach Echnatons Ableben wurde der Polytheismus ganz schnell wieder zum gängigen System.
Mesopotamische Götter der Sumerer, Akkader und Babylonier
In Sumer bezeichnet man die Götter als Dingir oder Digir. Anders als in Ägypten waren die meisten sumerischen Götter anthropomorph (Menschengestalt). Dennoch schrieb man ihnen außergewöhnliche Kräfte zu und sie waren übermenschlich groß. Weiterhin galten die Götter als unsterblich, wobei einige doch gestorben sind oder die Unterwelt besucht haben sollen (z.B. Dumuzi, Geštinanna, Gugalanna).
Die Gottheit An war Stadtgott des Stadtstaates Uruk und wurde zum Ahnherr aller Götter des sumerischen Pantheons. Sowohl die Babylonier als auch die Akkadier adaptierten An in ihr Pantheon als höchste Gottheit.
Die wichtigsten Götter des sumerischen Pantheons wurden als Anunnaki bezeichnet. Zu ihnen gehörten: An, Enlil, Enki, Ninḫursanga, Nannar, Utu und Ninanna.
In Mesopotamien waren zudem Urgötter bekannt, von denen An abstammen sollte. Diese waren Apsu (Gott des Urwassers), Tiamat (Göttin des Salzwassers), Anshar (Gott des Himmels) und Kishar (Muttergöttin der Erde).
Die Babylonier verehrten Marduk zuerst als Stadtgott von Babylon, später als Hauptgott von Babylonien. Dieser verdrängte An und wurde zum Nationalgott von Babylonien. Anders als viele andere Götter der mesopotamischen Mythologie war Marduk zoomorph. Er verschmolz mit der Mardukschlange bzw. dem Mardukdrachen (Mušḫuššu) zu einem Mischwesen.
Der Donnergott der Babylonier war Adad. Nabu war Gott der Weisheit und fungierte als Götterbote. Tammuz ist Hirten- und Fruchtbarkeitsgott der Babylonier. Als Kriegsgott wird Nergal erwähnt.
Götter der Kanaaniter
Das Land Kanaan ist jenes Gebiet, welches den Israeliten in der Bibel versprochen wird. Demnach ist es das Gelobte Land und befand sich dort, wo sich heute Israel und Palästina befinden. Die Kanaaniter praktizierten einen Polytheismus mit der Gottheit El an der Spitze. In der Bibel wird El als Götterkönig oder Himmelsgott beschrieben.
Baal ist eine zweite Gottheit der Kanaaniter. Er war Sturm-, Regen- und Donnergott. Eine dritte Gottheit ist Aschera, die Meeresgöttin. Als Liebesgöttin der Kanaaniter wird Astarte genannt. Der Sonnengott hieß Schamasch und der Kriegsgott wird als Anat bezeichnet.
Griechische Götter
Die Griechen verehrten sowohl männliche als auch weibliche Götter. Da in der Antike das antike Griechenland als Kulturideal verstanden wurde, übernahmen die Römer zahlreiche griechische Gottheiten in ihr Pantheon. Oftmals wurden die Namen verändert und latinisiert. Ähnlich wie in Ägypten wurden die Götter mit Naturphänomenen in Verbindung gebracht und entsprechend personifiziert.
Da die Griechen bereits ein Großreich erobert und zu verwalten hatten, wurden auch ausländische Götter adaptiert. Das Pantheon der griechischen Mythologie bestand aus zwölf Hauptgöttern und ganz vielen Neben- und Halbgöttern.
Doch die zwölf Götter wurden sowohl in Sparta als auch in Athen verehrt. Das ist ein Unterschied zu anderen Reichen der Antike, wo regionale Götter durchaus wichtiger waren. Die Griechen legten sich auf zwölf Hauptgötter fest, ließen aber regionale Nebengötter zu. Das gemeinsame Götterbild war ein Identitätsmerkmal der griechischen Stadtstaaten-Welt.
Die Griechen glaubten, dass die Heimat der zwölf Hauptgötter der Olymp wäre. Dies ist ein Berg an der Ostküste Griechenlands. Dort sollen die zwölf Hauptgötter leben, welche deshalb auch als Olympier bezeichnet wurden.
An der Spitze der zwölf olympischen Götter standen der Göttervater Zeus und dessen Ehefrau Hera. Zur Zwölfergruppe zählte auch der Meeresgott Poseidon, die Schutzgöttin Athene, der Lichtgott Apollon, die Jagdgöttin Artemis, die Liebesgöttin Aphrodite, der Götterbote Hermes, die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, der Schmiedegott Hephaistos, die Herdgöttin Hestia und der Kriegsgott Ares.
Die griechischen Götter waren ein Spiegelbild der griechischen Gesellschaft. So diskutierten sie untereinander, machten Politik und hatten einzigartiges Fachwissen auf bestimmten Gebieten. Für die Griechen waren die Götter keine Ideen oder Abstraktionen, sondern Personen mit einzigartigen Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen.
Die zwölf Hauptgötter waren zudem anthropomorph (Menschengestalt), hatten Makel und konnten verletzt werden. Über den Göttern standen die Moiren als Schicksalsgöttinnen. Auch die Olympier unterlagen dem Schicksal und waren demnach keine absoluten Machtwesen.
Nordische Götter der Germanen und Wikinger
Die nordische Mythologie ist ein Überbegriff für die germanische Mythologie, die Mythologie der Wikinger und die slawische Mythologie. In dieser Mythologie gab es zwei Gruppen von Göttern, die Asen und die Wanen. Letztere waren hauptsächlich Fruchtbarkeitsgötter.
Als höchster Wanengott wird Njörd genannt. Die Asengötter waren kriegerischere Götter – an deren Spitze Odin (Wikinger) oder Wodan (Germanen) stand. Zwischen Asen und Wanen soll es einen Krieg gegeben haben, welche die Asen gewannen.
Um zukünftige Kriege zu vermeiden, wurden Geiseln ausgetauscht. So gelangten die Fruchtbarkeitsgötter Freyr oder Freyja zu den Asen. Zu den Hauptgöttern der nordischen Mythologie gehören: Odin bzw. Wodan, Freyja bzw. Frigg, Thor bzw. Donar, Balder, Hödur und Loki.
Ähnlich wie die griechischen Götter waren die Asen- und Wanengötter verletzbar, sogar sterblich. Das Schicksal konnten sie genauso wenig beeinflussen, wie ihre griechischen Pendants.
Als Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie werden Nornen genannt. Diese saßen an einen Webstuhl und webten das Schicksal jedes einzelnen Wesens.
Ein Schicksal war Ragnarök, die Götterdämmerung, welchem sich die Götter nicht entziehen können. Bei diesem Kampf kämpfen die Asen gegen die Abtrünnigen Götter, angeführt von Loki und seinen Kindern.
Um Ragnarök irgendwie gewinnen zu können, versucht Odin möglichst viele menschliche Krieger in Walhall aufzunehmen. Deshalb schickt er seine Walküren auf das Schlachtfeld, welche dort gefallene Krieger aufsammeln und nach Valhall führen.
In der Halle von Walhall essen sie dann mit Odin, trinken, erzählen von ihren Ruhmestaten, trainieren tagsüber und warten auf Ragnarök.
Römische Götter
Die römischen Hauptgötter wurden von den griechischen Göttern übernommen. Auch deren Anzahl wurde übernommen, weshalb es auch zwölf Hauptgötter gab. Mitunter war die Zwölfergruppe auch schon bei den Etruskern vorhanden und die Römer übernahmen die Anzahl im Götterkanon von ihnen.
Zum römischen Götterkanon (Dei consentes) gehörte die Liebesgöttin Venus, der Lichtgott Apollo, der Kriegsgott Mars, die Jagdgöttin Diana, die Schutzgöttin Minerva, die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, der Schmiedegott Vulcanos, die Göttermutter Juno, der Götterbote Mercurius, die Herdgöttin Vesta, der Meeresgott Neptun und der Göttervater Jupiter.
Auch im römischen Pantheon hatten die Götter übermenschliche Fähigkeiten, waren aber keineswegs allmächtig. Die Parzen waren Schicksalsgöttinnen, welche das Leben der Menschen und der Götter gleichermaßen beeinflussen konnten.
Inka-Götter
Die höchste Gottheit der Inka war Viracocha, ein Schöpfungsgott in menschlicher Gestalt. In der Mythologie der Inka ist Viracocha die einzige Gottheit, welche keinem Naturphänomen entspricht und somit etwas Abstraktes verkörperte.
Andere Götter sind Inti (Sonnengott) und Mama Killa (Mondgöttin). Laut Inka-Mythologie soll der erste Inka-Herrscher Manco Cápac ein Sohn von Inti (Sonne) und Mama Killa (Mond) gewesen sein.
Weitere Inkagötter waren Kukamama (Göttin der Gesundheit), Pachamama (Fruchtbarkeitsgöttin), Saramama (Göttin des Mais und des Getreides), Apocatequil (Donnergott), Axomamma (Göttin der Kartoffel), Awqakuq (Kriegsgott), Hawcha (Gott der Gerechtigkeit und Vergeltung), Qun (Gott des Regens), Qupaqati (Gott der Seen und Gewässer), Supay (Todesgott und Herrscher der Unterwelt).
Nachdem das Inkareich 1572 durch die Spanier erobert wurde, etablierten die Eroberer das Christentum. Die Spanier empfanden diesen Akt als humanistisch und glaubten, dass die Seelen der Ureinwohner zu retten seien. Die Inka nahmen die christliche Religion an. Im Zuge des Synkretismus wurde aus der Sonnengottheit Inti der christliche Gott, aber die Inka-Rituale blieben bestehen. Diese wurden bis in die Neuzeit transportiert.
Maya-Götter
Die höchste Gottheit der Mayas war Kukulkan, welcher als eine gefiederte Schlange auftritt. Er wird mit Reinkarnation und den vier Elementen in Verbindung gebracht.
Der Maya-Kalender kennt eine Weltuntergangsprophezeiung. In dieser Prophezeiung soll Kukulkan zum Weltuntergang auf die Erde zurückkehren.
Weitere wichtige Maya-Götter waren Chaac (Regengott) und Ix Chel (Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin).
Der Maya-Kalender hatte achtzehn Monate. Und jeder Monat war einem Gott oder Göttin gewidmet, weshalb man in der Forschung davon ausgeht, dass es achtzehn Hauptgötter gab.
Azteken-Götter
Viele der Azteken-Götter entsprachen den Maya-Göttern. So war Quetzalcoatl, die höchste Gottheit der Azteken, ebenfalls eine gefiederte Schlange. Der Donnergott Chaac entsprach dem Azteken-Gott Tlaloc. Dennoch kannte die Azteken-Mythologie hunderte Götter. Viele waren eine Reinkarnation eines vergangenes Gottes (Henotheismus). Eine weitere Besonderheit der Azteken-Götter ist, dass diese als Mischwesen (Tier-Mensch) verehrt wurden.
Götter im Christentum
Das Christentum ist eine monotheistische Religion, welche aus dem Judentum hervorging. Dennoch hat der Polytheismus im Christentum überlebt und seinen Platz gefunden. Und zwar in Darstellung von Heiligen, Schutzpatronen und anderen Wesen. Diese haben zwar nicht die Macht eines absoluten Gottes, welcher das Schicksal lenken kann, aber können in ihren Bereichen durchaus mächtig sein.
Solche Schutzheilige sind Gottes Vertretung für einzelne Bevölkerungsgruppen, einzelne Städte oder Regionen. Und so erfanden sämtliche Handwerksgruppen ihre Schutzheiligen, einige Hafenstädte stellten sich unter den Schutz eines Heiligen und für sämtliche Krankheiten wurden Schutzheilige erfunden.
Franziska von Rom ist die Schutzheilige der Frauen und Monika von Tagaste ist Schutzheilige aller Mütter.
Die polytheistische Tendenz im Christentum ist grenzenlos. Denn jede noch so kleine Bevölkerungsgruppe, jeder Wirtschaftszweig, sehr viele Städte und fast alle Krankheiten haben einen Schutzheiligen – welcher den einzigen Gott in diesem Bereich vertritt.
In den Berufsfeldern ist Johannes von Damaskus ein Schutzheiliger der Apotheker oder Bernhard von Menthon ist Schutzheiliger der Bergsteiger. Die heilige Dorothea ist Schutzheilige der Blumenhändler. Der heilige Ludwig ist Schutzheiliger der Buchbinder und Vinzenz von Valencia ist Schutzheiliger der Dachdecker.
Nahezu jeder Beruf hat seinen eigenen Heiligen. Bei den Krankheiten ist es ähnlich. So ist Johannes der Täufer ein Schutzheiliger der Alkoholiker und der Menschen mit Angststörung. Bei Angina betet man zum Heiligen Suitbert. Einfaches Fieber kennt mindestens zwanzig Schutzheilige, darunter Simon Petrus. Bei Bauchschmerzen bittet man Wolfgang von Regensburg um Linderung.
Jede größere Stadt hat ebenfalls mindestens einen Schutzheiligen. So ist für Berlin der Heilige Benno von Meißen zuständig. Aber auch Otto von Bamberg oder Ludwig IX. sind Schutzheilige von Berlin. Ansgar von Bremen ist Schutzheiliger von Hamburg.
Buddhistische Götter
Der Buddhismus ist eine atheistische Religion, welche aus dem Brahmanismus hervorging. Demnach steht kein Gott im Mittelpunkt der Weltanschauung. Aber wie bei anderen Religionen auch wurden irgendwann Gottheiten adaptiert und integriert. So kennt der Buddhismus zahlreiche Buddhas, angefangen bei Siddharta Gautama dem ersten Buddha.
Des Weiteren gibt es im Buddhismus sogenannte Bodhisattvas, welche als Erleuchtungswesen verehrt werden. Diese Wesen sind entweder aus dem Nirvana wiedergekehrt oder noch nicht vollständig ins Nirvana eingegangen. Bekannte Bodhisattvas sind Manjushri, Avalokiteshvara, Vajrapani, Maitreya, Ksitigarbha und Samantabhadra.
Devas sind gottähnliche Wesen, welche sehr lange leben und weniger Leid als Menschen erfahren. Auch diese werden im Buddhismus verehrt. Im tantrischen Buddhismus existiert zudem eine Gottheit, namens Yidam. Hinzu kommen zahlreiche andere Wesen, wie die Asuras, die Mara, die Yakshas und verschiedene Geisterwesen, die in der buddhistischen Mythologie durchaus Anerkennung finden.
Götter im Hinduismus
Die wichtigsten Gottheiten im Hinduismus sind: Vishnu, Lakshmi, Shiva, Parvati, Brahma und Saraswati. Von diesen Gottheiten werden auch die einzelnen Richtungen des Hinduismus abgeleitet. So ist der Vishnuismus eine Strömung des Hinduismus, bei der Vishnu als Hauptgott verehrt wird. Anhänger des Shivaismus stellen Shiva an höchste Stelle usw.
Das ganze Denksystem, was Gott ist oder sein könnte, variiert im Hinduismus. Demnach kann ein gläubige Hindu entweder polytheistisch oder monotheistisch denken. Er kann glauben, dass sich Gott in jedem Element des Universums (Pantheismus) befindet und komplett in seiner Schöpfung aufgegangen ist. Selbst Humanismus, Agnostizismus oder Atheismus sind im Hinduismus verhandelbar.
Der Hinduismus kennt tausende Gottheiten, vielleicht sogar zehntausende. Denn das Glaubensprinzip besagt, dass die Götter in anderer Gestalt wiedergeboren werden können (Henotheismus). Demnach besteht die Verehrung eines Gottes nur für eine bestimmte Zeit und geht dann auf einen anderen Gott oder dessen Reinkarnation über.
Die Götter des Hinduismus werden als Deva bezeichnet. Das weibliche Pendants ist Devi (Göttin). Genauso wie in anderen indische Religionen ist die Götterwelt des Hinduismus in den Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) und im Karma eingefasst.
Götter im Jainismus
Der Jainismus lehnt die Vorstellung von einem Schöpfergott ab. Dennoch glauben die Anhänger an göttliche Wesen, welche als Deva bezeichnet werden.
Lebt ein Mensch, im Sinne der Lehre des Jainismus, kann er als Deva wiedergeboren werden. Eines der höchsten Ideale im Jainismus ist die Nichtverletzung von Lebewesen. So ernähren sich Jainas so, dass keine Tiere oder Pflanzen durch ihre Ernährungsweise leiden müssen. Führt man eine solche Lebensweise, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, als Deva wiedergeboren zu werden.
Götter im Zarathustrismus
Der Zarathustrismus kennt nur einen Schöpfergott, namens Ahura Mazda. Er wird begleitet von sechs Unsterblichen, welche als Amescha Spenta zusammengefasst werden. Der Gegenspieler des Schöpfergottes ist Angra Mainyu, ein böser Geist.
Laut den Zarathustriern ist die Welt ein Schlachtfeld zwischen Gut und Böse. Dieser Dualismus wirkt sich auf die Menschheit aus, welche sich für eine Seite entscheiden müssen und entweder Gott oder des bösen Gegenspieler unterstützen.
Der Zarathustrismus begann als Versuch einer monotheistischen Religion. Der Religionsstifter Zarathustra lebte um 600. v. Chr. im Perserreich. Er lehnte die iranische Religion und deren Gesellschaftssystem (Klassengesellschaft) ab.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. stieg der Zarathustrismus zur Weltreligion auf und hatte etwa 1 Mio. Anhänger. Doch der monotheistische Dualismus veränderte sich. So begannen einige Zarathustriern damit, die sechs unsterblichen Wohltäter (Amescha Spenta) anzubeten, wodurch polytheistische Tendenzen einkehrten.