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Nationalsozialismus


Der Nationalsozialismus ist eine Ideologie, welche aus dem Nationalen Sozialismus hervorging und von 1933 bis 1945 praktiziert wurde. Merkmale des Nationalsozialismus waren Antisemitismus (Judenfeindlichkeit), Rassismus, Nationalismus, Antikommunismus, Sozialdarwinismus, Antiliberalismus, sowie die Ablehnung der Demokratie. Anhänger des Nationalsozialismus werden als Nationalsozialisten oder als Nazis bezeichnet.

Die Nazis glaubten an eine Weltanschauung, wonach sie die Zivilisation von sogenannten Untermenschen befreien müssten, um so die Menschheit zu retten. In diesem Glauben unterscheidet sich der Nationalsozialismus vom Faschismus.

In der Geschichte tauchte der Nationalsozialismus als Herrschaftsform nur zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich auf. Die Narrative und Kernbotschaften des Nationalsozialismus blieben nach 1945 erhalten und finden sich heute im Neonazismus wieder. Heutige Neonazis versuchen die NS-Ideologie zu imitieren bzw. wieder zu beleben, verfügen aber bisher über keinen Staat – um dies auszuleben.

Was bedeutet Nationalsozialismus?

Nationalsozialismus ist eine Ideologie bzw. Ideenlehre, welche im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945 praktiziert und gelebt wurde. Kernbotschaft der Nationalsozialisten war, dass es verschiedene menschliche Rassen gäbe, welche gegeneinander kämpfen würden.

Schauplätze dieses Rassenkampfes waren Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und andere öffentliche Räume. In genau diesen Räumen setzten sich bisher immer die Juden gegen die Deutschen durch – so die Nationalsozialisten. Aber die Juden waren, laut Nationalsozialisten, eine niedere Rasse – ohne echte Kultur. Die einzig höhere Rasse bezeichneten die Nationalsozialisten als Arier. Und diese Rasse müsse den Kultur- und Rassenkampf gegen sämtliche niederen Rassen bestreiten und gewinnen.

Für die Nazis war der Sieg im Rassenkampf ein zutiefst humanitärer Akt. Es war ein Beitrag für die ganze Menschheit und sollte das Überleben der menschlichen Spezies sichern. (siehe Abschnitt: Humanismus und Nationalsozialismus).

Das deutsche Volk befand sich, laut Nationalsozialisten, bereits vor 1933 in einem Rassenkampf. Denn insbesondere die Juden wurden, laut den Nationalsozialisten, kulturell, wirtschaftlich und gesellschaftlich bevorzugt.

Aber die Nationalsozialisten versprachen der deutschen Bevölkerung, dass sie die arische Rasse wiederbeleben, befreien und zum Sieg gegen die niederen Rassen führen würden. Um den Kampf effektiv austragen zu können, wurde Adolf Hitler zu einer Führungsfigur erhoben. Dieser Führer wurde mit mehr Privilegien und Sonderrechten ausgestattet. Und so schafften die Nationalsozialisten mit Hilfe der deutschen Bevölkerung, dass die Demokratie der Weimarer Republik abgeschafft und durch die NS-Diktatur ersetzt wurde.

Warum darf man den Nationalsozialismus mit nichts Anderen vergleichen?

Der Nationalsozialismus kann mit keiner anderen Herrschaftsform und Ideologie verglichen werden, da diese Ideologie eine systematische Ausrottung der Juden zum Ziel hatte. Und jener Ausrottungsphantasie wurden sämtliche staatliche und gesellschaftliche Ressourcen untergeordnet. So wurden bspw. staatliche Fabriken und politische Programme – allein für die Ausrottungsidee – errichtet. Es war eine zielgerichtete Ausrottung, für welche sämtliche gesellschaftliche Ressourcen bereitgestellt wurden.

Der NS-Staat hatte die Judenausrottung zielgerichtet geplant, bürokratisch organisiert und industriell vollzogen. Man kann den NS-Staat deshalb als Juden-Ausrottungsstaat bezeichnen. Die Vernichtung einer ganzen Bevölkerungsgruppe war Staatsauftrag, für welchen man an andere Stelle diverse Einsparungen machte. Somit war der Holocaust das zentrale Thema des Staates und der Vernichtungsauftrag die alleinige Daseinsberechtigung der ganzen Ideologie.

Anders als andere Staaten und Regierungen, welche vorher und nachher ebenfalls Völkermorde begangen hatten, war das Dritte Reich für den Holocaust entworfen worden. Das macht den NS-Staat einzigartig in der Menschheitsgeschichte und somit unvergleichbar. Deshalb bezeichnen Historiker den Holocaust auch nicht als Genozid unter vielen Völkermorden, sondern als Zivilisationsbruch. Eine ganze Zivilisation, nämlich das deutsche Volk, hat sich diesem Ziel verschrien.

Wenn man also den Nationalsozialismus mit dem Sklavenhandel in der Frühen Neuzeit vergleicht und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Gesellschaftsformen herausstellt, relativiert man unweigerlich den Nationalsozialismus. Man stellt den Holocaust und den transatlantischen Sklavenhandel auf eine Stufe, was der Sache keineswegs gerecht wird. Der Nationalsozialismus bleibt einzigartig in der Menschheitsgeschichte und beschreibt den tiefsten moralischen Abgrund der Menschheit.

Was hat Nationalsozialismus mit Sozialismus zu tun?

siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Sozialismus

Der Sozialismus ist eine Ideologie, welche das Ziel verfolgt – dass alle Menschen gleich gestellt werden müssen. Demnach sind Kernbotschaften des Sozialismus: Chancengleichheit, Bildungsgleichheit, Lohngleichheit und andere Gleichstellungsideen.

In einem „echten Sozialismus“ würde es keine Menschenrassen geben, welche sich untereinander unterscheiden lassen. Denn alle Menschen sollen gleichwertig sein und gleichberechtigt behandelt werden.

Der Nationalsozialismus behandelte aber nicht alle Menschen gleich und war demnach auch kein „echter Sozialismus“. Denn die sozialistische Idee galt in der NS-Zeit nicht für alle Menschen, sondern nur für Mitglieder der arischen Rasse. Sämtliche Juden, Sinti und Roma oder andere Nichtdeutsche gehörten nicht zur arischen Rasse und waren somit auch nicht Teil des Sozialismusprogramms der Nazis.

Die Nazis machten diese Unterscheidung, da die Juden und andere Menschen für sie keine echten Menschen waren. Stattdessen bedrohte ihre Kultur, ihre Genmaterial und ihr ganzes Wesen die menschliche Zivilisation (siehe Humanismus-Abschnitt). Der Sozialismus der Nazis war demnach eine Gleichmacherei für alle Wesen, welche sie als Menschen betrachteten.

Was bedeutet Relativierung des Nationalsozialismus?

Relativierung des Nationalsozialismus ist eine Strategie, um die Verbrechen der Nazis zu verharmlosen, umzudeuten und in Frage zu stellen. Dies geschieht häufig durch Vergleiche und Gleichsetzungen, indem man bspw. heutige Autokraten oder Napoleon mit Hitler vergleicht.

Durch solche Vergleiche werden zwar die Verbrechen eines Napoleons oder eines heutigen Autokraten erhöht. Gleichzeitig wird aber Adolf Hitler in seiner Bedeutung herabgestuft und gleichgesetzt. Irgendwann würden x-beliebig viele Hitlers herumlaufen, wodurch die Einzigartigkeit des NS-Verbrechens verloren würde. Und dies würde es dann für Neonazis viel leichter machen, wieder ein ganzes Volk hinter sich zu bringen.

Auch das Abwerten von Gedenkstätten als Schuldkult oder Schuldkultur soll die tatsächliche Erinnerungskultur schwächen. Wenn man diverse Völkermorde mit dem Holocaust vergleicht, werden beide Verbrechen auf eine Stufe gestellt – was der Ideologie des Nationalsozialismus immer nützt, da dessen Einzigartigkeit und Boshaftigkeit dann herabgestuft wird.

Von wem wird der Nationalsozialismus gezielt relativiert?

Die Relativierung des Nationalsozialismus geschieht von der politischen Rechten, aber auch von der politisch Linken. Letztere greifen schnell zur sogenannten Nazikeule, bezichtigen jemanden als Nazi, um so die Kontrolle über die politische Debatte zu gewinnen. Die Nazibezeichnung dient dann als Totschlagsargument, wodurch der Gegenüber seine Glaubwürdigkeit verlieren soll.

Tatsächlich funktioniert die Nazibezeichnung in zahlreichen Debatten, wenn jemand bspw. Zuwanderung kritisch sieht oder sich rassistisch äußert und deshalb als Nazi hingestellt wird. Aber indem, jeder Rassist oder Kritiker von Zuwanderung gleich als Nazi hingestellt wird, werden die historischen Verbrechen der Nazis relativiert und herabgestuft. Dies nützt dann mittelfristig der politisch Rechten, um sämtliche NS-Verbrechen irgendwann als „normale Verbrechen“ abzutun.

Wenn man Rassisten als Nazis beschimpft, verklärt man unweigerlich die Verbrechen der historischen Nationalsozialisten. Zwar wird der Rassist für den Moment mundtot gemacht, aber die Verbrechen werden verharmlost. Gleiches geschieht mit Ausdrücken, wie Faschos oder Faschisten – welche die wahren Verbrechen des Faschismus relativieren.

Was hat Nationalsozialismus mit Humanismus zu tun?

siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Humanismus

Der Humanismus ist eine Ideologie bzw. Religion, welche den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Mensch wird dadurch zum anbetungswürdigen Wesen, ersetzt die Götter anderer Religionen und wird dadurch gottgleich gemacht. Man kann sagen, dass ein Menschenleben bedeutender und wichtiger wird, als das Leben anderer Lebewesen.

Humanistisches Menschenbild

Bereits in der Antike gab es frühe Formen des Humanismus. Denn die antiken Philosophen riefen dazu auf, dass sich der Mensch verwirklichen solle. Im Mittelalter wurde diese menschenzentrierte Weltanschauung durch die monotheistischen Religionen (Islam, Christentum) zurückgedrängt, kam jedoch im 15. Jahrhundert wieder zurück.

Die Renaissance war demnach die Wiederbelebung der Antike. Aber insbesondere wurde der antike Humanismus als zentrale Weltanschauung wiederbelebt. Der Mensch rückte fortan in den Mittelpunkt des Interesses. Deshalb malten die Renaissancekünstler ihre Menschenbilder in gottähnlicher Gestalt bzw. verknüpften in ihren Porträts die Porträtierten mit göttlichen Symbolen.

Dieser neuzeitliche Humanismus (Renaissance-Humanismus) verknüpfte also ein gottähnliches Menschenbild mit dem Monotheismus des Mittelalters. Die daraus entstandene Humanismus-Religion der Neuzeit kennt drei Formen: liberal, sozial und evolutionär.

Im liberalen Humanismus geht es um die Freiheit des Einzelnen. Ideologien, wie der Liberalismus, entstanden daraus. Das Individuum solle nach größtmöglicher Freiheit streben und sämtliche Restriktionen überwinden.

Das Gleichheitsgebot, wie es der soziale Humanismus vorsieht, behindert die individuelle Freiheit des Einzelnen und wird deshalb von Liberalisten strikt abgelehnt. In den USA wird deshalb sämtliche Gleichmacherei immer als persönlicher Angriff auf die individuelle Freiheit gewertet, da die Ideologie der Vereinigten Staaten zutiefst vom liberalen Humanismus geprägt worden ist.

Der soziale Humanismus strebt nach Gleichheit – anstelle von individueller Freiheit. In asiatischen Ländern, in den Ländern des Ostblocks und der Sowjetunion war der soziale Humanismus die Kernlehre, wonach die Gesellschaft aufgestellt wurde.

Evolutionäre Humanismus

Doch im 18. und 19. Jahrhundert etablierte sich noch eine dritte Form des Humanismus: der evolutionäre Humanismus – wonach alle Menschen einer bestimmten Rasse gleich und gottähnlich sind. Zu diesen Menschen gehörten, laut den Nationalsozialisten, die Mitglieder der arischen Rasse. Alle anderen Rassen waren keineswegs gottähnlich, sondern wurden zu Untermenschen erklärt.

Humanistisch-evolutionäres Glaubenssystem

Das Glaubenssystem des Humanismus kennt keine Götter. Stattdessen werden Narrative erzählt, welche den Menschen ins Zentrum der Weltanschauung rücken. Laut Humanisten ist der Mensch das einzige Geschöpf, welches auf gottähnliche Weise agieren kann, zu großen Emotionen imstande ist und eine überragende Kultur hervorbringen kann.

Der evolutionäre Humanismus, welchen die Nationalsozialisten, propagierten – entwarf den Untermenschen. Laut ihren Narrativen sind Untermenschen nicht zu einer überragenden Kultur fähig. Sie können auch keine großen Emotionen erzeugen und sind keineswegs gottesgleich. Stattdessen vergiften sie den Volkskörper, indem sie sich mit Mitgliedern der arischen Rasse paaren und Kinder zeugen, welche dann unreines Blut haben.

Letztlich sorgen die Untermenschen dann dafür, dass die arische Rasse allmählich geschwächt wird und letztlich ausstirbt. Im Glaubenssystem der Nationalsozialisten war die Ausrottung des Untermenschen deshalb ein Akt der Menschlichkeit, zur Bewahrung des Menschen und somit zutiefst humanistisch. Moralisch sahen sich die Nazis auf der richtigen Seite der Geschichte. Unterstützung für Juden, Mischehen mit arisch-jüdischen Nachwuchs waren für sie zutiefst unmoralisch und unmenschlich.

Juden-Ausrottung als humanistischer Akt

Die Nazis sahen sich nicht als schlechte Menschen und taten auch nicht bewusst etwas Böses. Sie waren einfach von einer falschen und zutiefst unmenschlichen Ideologie (Religion) verblendet, glaubten aber – dass ihre Religion zutiefst menschlich sei und dass sie als Speerspitze zur Rettung der Menschheit auftraten. Denn indem sie die Juden ausrotten würden, würden sie die menschliche Spezies von diesem Übel befreien – so die Nazis.

Begründet wurde diese Glaubenshaltung im Humanismus des 15. Jahrhundert. Denn auch die Seefahrer des 15. und 16. Jahrhunderts errichteten Kolonien in Afrika und in der Neuen Welt, um dort die Seelen der Ureinwohner zu retten. In Afrika nahmen die Kolonisten die Einheimischen gefangen, verschifften diese nach Amerika – wo sie dann als Sklaven eingesetzt werden konnten.

So ermöglichten die Europäer den Afrikaner ein Leben in der Zivilisation, im Bund mit Gott. Die Sklaverei war für die Europäer reine Vorherbestimmung und der Weg, den Gott auswählte, um die Seelen der Afrikaner zu retten. Die Sklavenhändler betrachteten ihre Arbeit als Gotteswerk und die Sklavenhalter verstanden sich als Seelenretter. Auf ähnlich unmenschliche Weise betrachteten sich die Nazis als Retter der Menschheit, indem sie die menschliche Zivilisation vor dem kulturellen und genetischen Einfluss der Untermenschen bewahrten.

Warum muss an den Nationalsozialismus immer wieder erinnert werden?

Winston Churchill sagte einmal:

„Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Der Nationalsozialismus markiert den Tiefpunkt der deutschen Geschichte, aber auch den Tiefpunkt der gesamten Menschheitsgeschichte. Erstmalig war ein ganzes Volk dazu bereit, bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt zu vernichten und dafür auch Entbehrungen in Kauf zu nehmen. So stark war diese Ideologie im Glaubens- und Weltbild eines ganzen Volkes moralisch verankert. Die Deutschen betrachteten es als moralische Notwendigkeit, die Juden zu verfolgen, einzusperren und letztlich systematisch auszurotten.

Die starke Führungsfigur Adolf Hitler trat als Retter und Erlöser auf, welcher das Übel des Judentums ausmerzen sollte. Jene Verblendung könnte zu jeder Zeit wieder erreicht werden, wenn nur die richtigen Argumente zur richtigen Zeit hervorgebracht werden.

In Zeiten von Unsicherheit, wirtschaftlichen Abstiegs und Existenzängsten wenden sich die Menschen immer Führungspersönlichkeiten zu, welche schnelle und einfache Antworten liefern.

Erinnerung als Mahnung

Von heutigen Neonazis wird immer wieder das Narrativ erzählt, dass Oma und Opa keine Verbrecher waren. Und auch das Argument, dass heutige Jugendliche nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun haben, wird immer wieder hervorgebracht. Beide Argumente sind grundlegend falsch. Denn Adolf Hitler kam durch eine demokratische Mehrheit an die Macht. Es gab keinen Putsch und auch keine Gefangennahme der deutschen Bevölkerung.

Stattdessen gab es eine ordentlichen Wahl, bei der Hitler mit seinen Ausrottungsphantasien antrat und gewann. So etwas ist in einer Demokratie jederzeit wieder möglich.

1933 haben die Deutschen genau diese Argumente gewählt und als dann im März 1933 das Ermächtigungsgesetz auf den Weg gebracht wurde, haben die Deutschen auch dafür gestimmt. Fortan konnte die Demokratie beseitigt und eine Diktatur errichtet werden. Somit waren die Deutschen bereit ihre Demokratie durch eine Diktatur ersetzen zu lassen, nur damit sich Hitlers Argumente besser durchsetzen lassen ließen.

Der Nationalsozialismus kann jederzeit zurückkehren. Dazu muss die Ideologie in einer Demokratie nur mehrheitsfähig werden. Der Nationalsozialismus ist keine Meinung, sondern war ein Verbrechen. Das Narrativ, welches Neonazis erzählen, ist – dass man dazu eine Meinung haben darf. Die Meinungsfreiheit wird hochgehalten, um so den Nationalsozialismus stückchenweise zu relativieren und allmählich das Erinnern zu verwässern.

Ein Werkzeug, um immer wieder auf die Verbrechen des Nationalsozialismus hinzuweisen, ist das Erinnern. In Deutschland gibt es deshalb eine Erinnerungskultur in Form von Gedenkstätten, Museen, Ausstellung und Dokumentationsfilmen. Jenes kollektive Erinnern dient einzig und allein dazu, aus der Vergangenheit zu lernen, um nicht verdammt zu sein, diese wiederholen zu müssen.

Erinnern als Warnung

Letztlich könnten, auf demokratischen Weg, irgendwann wieder Nationalsozialisten an die Macht kommen. Die Wähler dieser Parteien können sich dann vielleicht später damit rausreden, dass man von den Verbrechen nichts ahnen konnte und dass niemand davon gewusst hatte. Genauso haben sich die Deutschen nach 1945 auch herausgeredet. Auch vom Zweiten Weltkrieg konnten die Deutschen nichts ahnen, da Hitler und Stalin ebenfalls Verbündete waren und sogar Polen unter sich aufgeteilt haben.

Aber Bündnissysteme ändern sich ganz schnell, insbesondere dann, wenn Ideologien vorherrschen, welche nationalistisch geprägt sind. Und wenn sich irgendwann einmal wieder in Deutschland eine nationalistische Partei durchsetzt, welche Kriege verabscheut, heißt das nicht, dass diese Parteien keine Kriege begingen würden. Der Nationalismus fördert Kriege, Abschottung und Ähnliches.

Die einzige Institution, welche bisher erfolgreich Kriege in Europa verhindert hatte, war die Europäische Union. Denn diese Werteunion schaffte es, dass sich alle Europäer auf gemeinsame Werte konzentrierten und nicht in nationalen Interessen verfielen, welche Ursache für sämtliche Kriege waren.

Die Erinnerungskultur in Deutschland soll uns eine Warnung sein, wie schnell ein Rechtsstaat abgeschafft und durch eine Diktatur ersetzt werden kann. Für die meisten Menschen in Deutschland ist dies überhaupt nicht vorstellbar, weshalb es für zukünftige Nationalsozialisten besonders einfach ist, harmlos zu wirken. Aber auch die historischen Nationalsozialisten wirkten harmlos, bevölkerungsbewusst, demokratiebewahrend und hatten scheinbar nur Gutes im Sinn.

Das Erinnern an die NS-Zeit dient deshalb auch als Warnung, damit nicht wieder deutsche Wähler auf Versprechen nationalsozialistischer Ideologien hereinfallen bzw. sich blenden lassen.


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