Skip to main content

Donnergott


Donnergötter, Blitzgötter und Gewittergötter sind in verschiedenen Mythologien und Religionen übernatürliche Wesen, welche mit dem Zustandekommen von Gewittern verknüpft sind. Oftmals sind diese Gottheiten eine Unterkategorie der Wettergötter.

Bei den Ureinwohnern Nordamerikas war der Donnervogel ein Zeichen für ein aufziehendes Gewitter. Diese Assoziierung kam zustande, da die Völker den Vogelzug vor einem Gewitter beobachteten.

Zu den bekanntesten Gottheiten, welche mit Blitz und Donner assoziiert werden, zählt Thor aus der nordischen Mythologie. In der griechischen Mythologie war Zeus der Donnergott, welcher Blitz und Donner gegen die Titanen einsetzte.

Die mythische Vorstellung über das gewaltige Ausmaß eines Gewitters führte dazu, dass man dem Gott des Donners sehr viel Macht zusprach. In vielen Mythologien waren deshalb die Donnergötter zugleich auch Hauptgottheiten bzw. Götterväter des Pantheons.

Wie entstanden die Mythen zu den Donnergöttern?

Ein Teilaspekt aller Mythologien ist die Kosmogonie. Dies sind die Schöpfungserzählungen und Erklärungen, wie die Welt auf mythische Art und Weise entstanden sein soll.

In vielen Schöpfungsmythen beginnt die Entstehung der Welt mit einer Erdmutter und einem Himmelsvater. Die Donnergötter sind entweder Sohn des Himmelsvaters, ein Teilaspekt von diesem oder eine Gottheit, welche dem Himmelsgott untersteht.

Donner und Blitze wirkten bedrohlich auf die Menschen in früheren Epochen, weshalb sie dieses als Groll der Götter empfanden. In einigen Mythologien Zentralasiens waren Donner und Blitze ein personifizierter Drache, welche beim Donnergrollen mit seinem Schwanz zuschlägt.

Bei den Mongolen hatte der Donnerdrache einen Leib aus Fischschuppen und riesige Flügel. In einigen chinesischen Regionen wurde das Wort für „Donner“ und „Drache“ gleichermaßen gebraucht.

In vielen Teilen in Zentralasiens gab es deshalb einen Donnerkult. Die Menschen brachten, beim Aufziehen eines Gewitters, dem Donnerdrachen diverse Opfergaben.

In der Steinzeit waren Blitz und Donner zwei Aspekte der Natur, welche als beseelt oder belebt galten. Der Animismus, welcher als steinzeitliche Religion diskutiert wird, könnte die Grundlage für das Entstehen des Götterglaubens gewesen sein.

Denn als die Menschen sich dauerhaft niederließen, also zu Ackerbau und Viehzucht übergingen, brauchten sie übermächtige Wesen, die ihnen Regenzeiten und Ernten garantierten. Schon im Animismus wurden Naturereignisse personifiziert und später vergöttlicht. Aus diesen Umständen heraus entstand wohlmöglich ein Götterglauben mit Opferkult.

Das Donnergrollen könnte demnach ein Zeichen dafür gewesen sein, dass man dem Himmelsgott ein Opfer darbringen muss. Nach der Opferung kommt der Regen, was wiederum die Aussaat und Ernte begünstigt.

Was sind Donnerkeile?

Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass steinzeitliche Artefakte aus Feuerstein von Gott stammen müssten. Fanden sie beim Pflügen des Feldes irgendwelche Pfeilspitzen oder Steinbeile aus Feuerstein, hoben sie diese auf und legten sie unter ihr Haus.

Diese Donnerkeile sollten das Unglück fernhalten. Obwohl im europäischen Mittelalter das Christentum nahezu überall verbreitet war, überlebten die animistischen Aspekte in Form eines Aberglaubens weiter.

Was glaubten die Tartaren über den Donnergott?

Die Tartaren waren eine Sammelbezeichnung für Turkvölker in Zentralasien, welche meist islamisch geprägt waren. Vor der Islamisierung hingen die Turkvölker dem altaische Animismus an. In dieser Religion waren Schamanen ganz spezielle Spirituelle, welche Geisterbeschwörung betrieben.

Im Zentrum stand ein Ahnenkult. Aus dem altaische Animismus entstand der Tengrismus als polytheistische Religion. Viele Glaubensvorstellungen wurden übernommen und verschmolzen mit der Vorstellung einer Götterwelt.

Blitz und Donner wurden im Tengrismus als Zeichen von Unzufriedenheit gedeutet. Mitunter wurden Blitze aber auch als besonders starke spirituelle Energie gedeutet. Die Schamanen vollzogen am Gewitterpunkt den Yohor-Tanz, um die dort entladene Energie wieder zurück ins Himmelreich zu schicken.

Den Blitz bezeichneten die Schamanen als Haar der Götter, welches eine Verbindung zur Erde herstellt. Gesteine, welche vom Blitz getroffen wurden, galten als mit göttlicher Energie versetzt und wurden für Zauberrituale gebraucht.

Im Russischen Kaiserreich wurden die Tartaren im 16. Jahrhundert zwangschristianisiert. Dennoch hielten sich Mythen aus dem polytheistischen Weltbild und wurden im christlichen Monotheismus verankert. So gab es einen Donnergott, welcher den Teufel (schaitan) über den Himmel verfolgt. Dabei sitzt der Donnergott in einem Streitwagen und die Wagenräder erzeugen den Donner.

Wohlmöglich entstand dieser Mythos aus einer Erzählung des Elija, einem Propheten im Tanach bzw. Alten Testament der Bibel. Denn im 2. Buch der Könige wird erzählt, wie der Prophet einen feurigen Wagen über den Himmel lenkt.

Was glaubten die Chinesen über den Donner?

In der chinesischen Mythologie gilt Pangu als erstes Lebewesen. Das Urwesen entstand aus einem Weltenei. Das Kosmisches Ei galt als oberstes göttliches Prinzi, als Urzustand des Universums und wurde im Daoismus und Konfuzianismus als Taiji übernommen.

Im Urwesen Pangu waren Yin und Yang, als Ursprungs- und Wesenspol aller Dinge, vereint. Als das Pangu aus dem Ei herausbrach, wurden Yin und Yang geteilt. Aus Yin entstand die Erde und aus Yang der Himmel.

Pangu beschloss sein Leben, durch Selbstopferung aufzugeben. In der Kosmogonie bildete sich aus Pangus Körper das Universum. Seine Stimme war der Donner, sein Atem war der Wind. Sein linkes Auge wurde zur Sonne und das rechte Auge wurde der Mond.

Was glaubten die nordamerikanischen Ureinwohner über Blitz und Donner?

Die nordamerikanischen Ureinwohner behielten das animistische System bis zur Kolonialisierung durch die Europäer bei. In ihrer Vorstellung waren alle Naturerscheinungen beseelt und lebendig. So hatte der Wind einen Geist, genauso wie Blitz und Donner.

Bei einigen nordamerikanischen Stämmen wurde der Donnervogel als Zeichen von Gewitter identifiziert und verehrt. Die Schamanen der Indianer schnitzen den Vogel aus Holz und stellten die Holzfigur auf. So sollte die Holzfigur ein mögliches Unheil fernhalten, wenn die Schamanen sich auf ihre zeremoniellen Reise in den Himmel begaben.

Was erzählt die mesopotamische Religion über Donnergötter?

Die Babylonier, Sumerer und Akkader verehrten die Göttin Ischtar. Sie war Kriegsgöttin, Fruchtbarkeitsgöttin und Sturmgöttin. Als letztere brachte sie Regen, Blitz und Donner hervor.

In der Rolle als Sturmgöttin wird Ischtar häufig mit einem Löwen an ihrer Seite dargestellt. Wahrscheinlich glaubten die Menschen in Mesopotamien, dass das Löwengebrüll den Donner verursachte.

Im Akkadischen Reich wurde Adad zu einem Wettergott erhoben. Sein Symboltier war ein Stier. Zu seinen Attributen gehörte der Blitz, welchen er in der Hand hielt. Meist steht Adad auf einen Streitwagen, welcher von Löwendrachen gezogen wird. Laut akkadischen Mythen soll die Peitsche das Donnergrollen verursacht haben.

Was erzählten die Griechen und Römer über den Donnergott?

Die griechische Mythenwelt erwähnt Zeus als Göttervater, welcher einen Blitz in der Hand hält. Diesen Blitz hatte er von den Kyklopen bekommen, nachdem er diese aus der Unterwelt (Tartarus) befreit hatte. Eingesperrt wurden die Kyklopen dort vom Zeusvater Kronos, welcher auch die Geschwister von Zeus verschlungen haben soll.

Das letztgeborene Kind von Kronos war Zeus, welcher durch eine List dem Verschlingen entkommen konnte. Auf der Insel Kreta wuchs Zeus heran, befreite seine Geschwister aus dem Schlund seines Vaters und mit ihnen zusammen die Kyklopen.

Im anschließenden Titanenkrieg besiegten Zeus und seine Anhänger die Titanen rundum Kronos. Dabei nutzte er Blitz und Donner als mächtige Waffen gegen die Titanen. Laut den griechischen Mythen sollen Zeus und seine Geschwister sich auf dem Olymp verschanzt haben. Von dort aus kämpften sie gegen die Titanen, welche im Othrys-Gebirge lebten.

Nach der Titanenschlacht wurden Blitz und Donner zwei mächtige Waffen des Zeus, mit denen er den Olymp und das Himmelsreich beherrschte.

In der römischen Mythologie wird Zeus mit Jupiter identifiziert. Der Sukzessionsmythos um den Kampf der Götter gegen die Titanen wurde von den Römern übernommen.

Wer war Gott des Donners bei den Germanen und Wikinger?

Bei den Wikingern war Thor der Gott des Donners. Diese Gottheit wird dem germanischen Donar gleichgesetzt. Das lateinische Wort für donnern ist tonare, wonach der Name für Donar abgeleitet wurde. Nach Donar ist der deutsche Donnerstag benannt. Und nach Thor ist die englische Bezeichnung für Donnerstag benannt (Thursday).

Laut Mythenwelt der Wikinger und Germanen fuhr Thor mit seinem Streitwagen über den Himmel, was zum Donnergrollen führte. Gezogen wurde der Wagen von zwei Ziegenböcken, die als Tanngnióstr (Zähneknirscher) und Tanngrisnir (Zähneblecker) benannt werden.

Der Blitz wurde von Thor durch das Schwingen eines Hammers verursacht. Thors Hammer war der Mjölnir, welchen die Zwerge Sindri und Brokkr geschmiedet haben. Laut nordischen Mythen war der Hammer nicht nur zum Blitze erzeugen gedacht, sondern primär als Wurfwaffe gegen die Riesen geschmiedet wurden.

Welche Dönnergötter werden in der Bibel erwähnt?

Baal ist eine Gottheit, welche während des Altertums in vielen westsemitischen Kulturen verehrt wurde. Bei den Westsemiten im Nahen Osten galt Baal als Fruchtbarkeits- und Wettergott. In der Bibel wird Baal als Gegenspieler von Jahwe, dem Gott Israels, erwähnt.

Die Propheten des Alten Testaments bekämpfen Baals Kult, weshalb die Gottheit auch als falscher Gott bezeichnet wird. Bei den Israeliten wird der Baalkult als Götzenkult gesehen, dessen Anbetung verhindert werden soll.

Astarte war bei den Phöniziern eine Himmelsgöttin. In der Bibel wird sie als weibliche Entsprechung des Baal identifiziert. Opfer an Astarte werden verboten.

Marduk war der höchste Gott im babylonischen Pantheon. Er herrschte über Himmel und wurde als Schöpfergott verehrt. In der Bibel entlarvt der Prophet Daniel, dass die Opfergaben von den Priestern des Marduk selbst gegessen werden. Außerdem besiegt er das Drachenungeheuer Mušḫuššu, welches das Symboltier des Marduk war.

Der Gott des Donners bei den Phöniziern war Hadad, welcher dem akkadischen Gott Adad gleichkam. Beide galten als Wind-, Sturm- und Wettergötter. Im zweiten Buch der Könige bittet Naaman den israelitischen Gott Jahwe darum, im Tempel des Rimmon vor diesen Gott knien zu dürfen.

Zeus wird als Olympios und Zeus Xenios in der Bibel erwähnt. Laut dem zweiten Makkabäerbuch sollen die heiligen Stätten in Jerusalem ihm geweiht werden. Veranlasst hatte die Weihung der Seleukidenkönig Antiochos IV. Epiphanes.

Liste der Donnergötter in verschiedenen Mythologien

Donnergötter
akkadisch:Adad
arabisch:Quzah
assyrisch:Ninurta
babylonisch:Adad
baltisch:Pērkons,
chinesisch:Lei Gong
germanisch:Donar
griechisch:Zeus (auch Göttervater und Herrscher über den Himmel im griechischen Pantheon)
japanisch:Raijin
keltisch:Taranis
nordisch:Thor
römisch:Jupiter (entspricht dem griechischen Zeus)
slawisch:Perun
vedisc:hIndra
westsemitisch:Baal (Gegenspieler von Gott im Alten Testament der Bibel), Athtar,

Ähnliche Beiträge