Sumerer
Die Sumerer waren ein Volk in Südmesopotamien, welche dort ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. lebten und denen die Erfindung der Keilschrift zugeschrieben wird.
Das Kerngebiet der Sumerer in Mesopotamien wird als Sumer beschrieben. Dort bildeten die Sumerer erste Stadtstaaten und Hochkulturen. Deshalb gilt die Landschaft Sumer – neben dem Alten Ägypten, dem Industal und dem Alten China – als Wiege der Zivilisation.
Die Geschichte der Sumerer endet spätestens mit der Gründung des Altbabylonisches Reiches (~1894 v. Chr.). Fortan dominierte die sumerische Stadt Babylon sämtliche andere Stadtstaaten der Region.
Ein früherer Versuch, die sumerischen Stadtstaaten zu unterwerfen, gelang schon Sargon dem Großen – welcher um 2340 v. Chr. das Akkadische Reich gründete und die Stadt Akkad zum Machtzentrum über Sumer machte. Fortan vermischte sich die sumerische mit der akkadischen Kultur. Doch die Sumerer wehrten sich und schließlich konnten die Gutäer das Akkadische Reich erobern.
Nach der Akkadzeit wurde eine sumerische Renaissance initiiert. Doch letztlich führte der Kampf um die Vorherrschaft in Sumer zum Aufstieg Babylons und des Babylonischen Reiches als Hegemonialmacht über Sumer. Doch die sumerische Kultur überdauerte in sämtlichen Folgereichen in Mesopotamien.
Inhalt
- 1 Wer waren die Sumerer?
- 2 Wann lebten die Sumerer?
- 3 Wie nennt man die Epochen von Sumer?
- 4 Wo lebten die Sumerer?
- 5 Wie sahen die Sumerer aus?
- 6 Wer sind die Nachfahren der Sumerer?
- 7 Waren die Sumerer Kurden?
- 8 Welche Religion und Götter hatten die Sumerer?
- 9 Welche Besonderheit hatte die Schrift der Sumerer?
- 10 Welche Sprache sprachen die Sumerer?
- 11 Warum sind die Sumerer untergegangen?
- 12 Was haben die Sumerer erfunden?
- 13 Welche Bedeutung haben die Sumerer in der Bibel?
Wer waren die Sumerer?
Die Sumerer waren ein antikes Volk, das als Erstes eine Hochkultur erschuf. Ihre Eigenbezeichnung war „Saggiga“, was „die Schwarzköpfigen“ bedeutet. Sie waren für ihre Erfindungen und Weiterentwicklungen bekannt. So erfanden sie die Schrift und führten als erste bürokratische Strukturen ein, um ihre Städte zu verwalten.
Die Sumerer waren etwa 3000 Jahre das vorherrschende Volk in Mesopotamien. Dann wurden sie durch die Akkader abgelöst. Bekannt sind sie uns heute durch überlieferte Schriftstücke und Erwähnungen in anderen Kulturen. So nannte sich der altbabylonische Herrscher selbst „König von Sumer und Akkad“.
Die Erforschung der Sumerer nahm durch die Entzifferung der Behistun-Inschrift 1802 Fahrt auf. Schwierig ist sie dennoch bis heute. Zur Zeit der Sumerer und darüber hinaus war es in Mesopotamien üblich, eroberte Städte einzuebnen. Anschließend errichtete man eine neue Stadt auf darüber. Um die Ruinen sumerischer Städte zu finden, muss man also möglicherweise mehrere Ebenen anderer Kulturen durchdringen, die darüber erbaut worden sind.
Bekannte Städte der Sumerer sind beispielsweise Uruk, Ur, Eridu, Lagasch und Nippur.
Wann lebten die Sumerer?
Das Volk der Sumerer lebte von etwa 5000 v. Chr. bis 2000 v. Chr. Die Blütezeit begann um 3500 v. Chr.
In dieser Zeit siedelten sie vor allem an den Ufern von Flüssen und bildeten große Städte. Bis zu 10.000 Menschen lebten in diesen Stadtstaaten. Für die damalige Zeit ist das eine unfassbar große Anzahl an Menschen. Möglich war das nur durch die fruchtbaren Ufer. Ansonsten hätte man so viele Menschen auf einem Fleck nicht ernähren können.
Wie nennt man die Epochen von Sumer?
Die Zeit des Landes Sumer, bzw. der Sumerer, wird in sieben Epochen unterteilt. Sie unterscheiden sich kulturell voneinander und/oder werden anhand historischer Entwicklungen voneinander abgetrennt.
Obed-Zeit
Die Obed-Zeit dauerte von 5500 bis 3500 v. Chr. an. Benannt ist diese Epoche nach der Obed-Kultur in Mesopotamien. Erkennungsmerkmal für diese Zeit ist ihre Keramik. Die Verzierungen bestanden aus dunklen Bändern, die die Gefäße horizontal umlaufen. Zwischen den Bändern finden sich manchmal weitere Verzierungen in Form von anderen Mustern.
Die Menschen der Obed-Zeit kannten in Mesopotamien bereits künstliche Bewässerungssysteme für ihre Felder. Die Häuser bestanden meist aus einem großen Hauptraum, von dem weitere Räume abgingen. Diese Hausform nennt man auch Mittelsaalhaus.
Die Menschen der Obed-Zeit waren offenbar bereits erfolgreiche Händler. Man fand Stempelsiegel und Zählmarken, die auf florierenden Handel schließen lassen. Dieser fand höchstwahrscheinlich über den Seeweg statt. So kam die Keramik der Obed-Zeit bis auf die arabische Halbinsel.
Im sozialen Bereich machten sich bereits Unterschiede in der Bevölkerung bemerkbar. Gleichzeitig zeichneten sich soziale Zentren in Form von großen Bauten ab. Diese dienten, vermutlich auch aber nicht nur, der Ausübung der Religion.
Uruk-Zeit
Die Uruk-Zeit umfasst die Jahre zwischen 3500 und 3000 v. Chr. Sie ist nach der Uruk-Kultur benannt.
In diese Epoche fällt die Erfindung der Schrift und die Bildung erster Stadtstaaten. Das soziale Leben wurde nun deutlich komplexer. Es fand eine Urbanisierung statt, wodurch Monumentalbauwerke entstanden und ein Verwaltungsapparat nötig wurde.
Die Töpferei wurde durch die Erfindung der Töpferscheibe verfeinert. Lehmziegel wurden nun zu Backsteinen gebrannt. In der Kunst setzten sich realistische Darstellungen durch, die auch immer häufiger Menschen zeigten.
Dschemdet Nasr oder Uruk III
Dschemdet Nasr bezeichnet einen archäologischen Fundplatz und gleichzeitig eine sehr kurze Periode der Sumerer. Sie dauerte nur bis etwa 2800 v. Chr. an und zeichnet sich durch ihre Keramik aus.
Diese ist glockenförmig und nach außen deutlich größer. Farbreste deuten auf Bemalungen in rot, gelb und schwarz hin.
Frühdynastische Zeit
Die Frühdynastische Zeit schließt an die Uruk-Zeit, bzw., Dschemdet Nasr, an. Sie endet mit der Gründung des Reiches von Akkad durch Sargon I. 2340 v. Chr. Durch überlieferte Schriftstücke wissen wir über diese Epoche mehr als über die vorherigen.
So gibt es eine Königsliste, die Namen sumerischer Könige enthält. Andere Texte enthalten Informationen über kriegerische Auseinandersetzungen und Wirtschaft. Auch juristische, religiöse und schlicht literarische Texte sind erhalten geblieben.
Bezeichnend für diese Epoche ist die Landflucht. Dafür verantwortlich waren Trockenperioden und die Versalzung des Bodens, was zu kargen Ernten führte.
Kriege waren in dieser Zeit häufig. Die Stadtstaaten wurden autonom von Fürsten regiert. Diese Fürsten stritten sich ständig mit Nachbarn, was auch daran lag, dass das Gebiet durch die Flüsse stark begrenzt war. Jeder war daran interessiert, seine eigene Stadt zu sichern und auszuweiten.
Die Arbeit auf den Feldern wurde durch den Herrscher und die Priester kontrolliert. Das führte immer häufiger zu Machtmissbrauch, worunter die arme und ohnehin benachteiligte Bevölkerung litt.
Akkadzeit
Die Akkadzeit schließt an die Frühdynastische Zeit an und endet um 2200 v. Chr. Benannt ist sie nach dem Reich von Akkad, welches diese Zeit dominierte.
Unter Sargon I. begannen sich die Akkader in Sumer auszubreiten. Am Ende hatten sie, der Überlieferung nach, das ganze Land eingenommen. Sie führten ihre Expansionspolitik fort und sollen bis zum Mittelmeer und ins iranische Hochland gekommen sein.
Sargon I. folgten sechs Nachfolger, bevor diese Epoche endete.
Gutäer Zeit
Die Gutäer übernahmen um 2200 v. Chr. die Herrschaft über Akkad. Sie kamen aus dem iranischen Hochland und passten sich der mesopotamischen Kultur weitestgehend an.
Die Guti werden in den meisten Quellen als besonders negativ dargestellt. Vermutlich stimmt das auch zumindest zum Teil. In dieser Zeit litt die Versorgung der Stadtbevölkerung, weil die Guti mit der Verteilung der Güter nicht vertraut waren.
2048 v. Chr. ist ihre Herrschaft schon wieder vorbei. Der sumerische König Utu-Hengal von Uruk schlägt den Gutäer-König und dieser flüchtet zurück in den nordöstlichen Irak.
Ur-III-Zeit
Die Ur-III-Zeit ist die letzte Epoche der sumerischen Geschichte. Sie beginnt 2048 und endet 1940 v. Chr. In dieser Zeit war Sumer vermehrt durch Angriffe von nomadischen Stämmen aus dem Norden bedroht. Die Könige befestigten daher ihre Städte stärker.
Die 3. Dynastie von Ur, wie die Epoche auch heißt, endete aufgrund von schlechten Ernten und damit verbundenen Nahrungsengpässen. Am Ende wurde der letzte König namens Ibbi-Sin durch aus dem Iran eingefallene Soldaten entführt und kam nicht mehr wieder. Das war das Ende der Geschichte von Sumer.
Für die Ur-III-Zeit war die Zentralisierung von Grundbesitz typisch. Die Landarbeiter bestellten Felder, die nicht ihnen gehörten. Als Gegenleistung erhielten sie Anteile davon, sie sie ebenfalls bewirtschafteten und den Ertrag für die Selbstversorgung behalten konnten.
Wo lebten die Sumerer?
Die Sumerer lebten in einem Gebiet namens Sumer. Sumer liegt im südlichen Mesopotamien, genauer den südlichen Teil des unteren Schwemmlandes der Flüsse Euphrat und Tigris in Mesopotamien. Heute befindet sich dort der südliche Irak.
Wo die Sumerer herkamen, wissen wir nicht genau. Manche Forscher gehen davon aus, dass sie in das Gebiet eingewandert sein müssen. Sie stützen diese These auf Ähnlichkeiten in der sumerischen Sprache mit Türkisch, aber auch Ungarisch und Finnisch. Demnach müssten die Sumerer ursprünglich aus den Uralsteppen in Russland stammen.
Dem gegenüber steht die Tatsache, dass die Sumerer keine kulturellen Gemeinsamkeiten mit anderen Völkern aus dieser Gegend zeigen. Zudem beschränken sich die Gemeinsamkeiten in der Sprache auch auf die Wortbildung. Andere Überschneidungen fehlen.
Es ist daher eher wahrscheinlich, dass die Sumerer bereits bevor sie eine Hochkultur entwickelten, in Sumer ansässig waren.
Wie sahen die Sumerer aus?
Die Sumerer hatten vermutlich dunkles Haar, was sie jedoch rasierten. Stattdessen trugen sie Perücken. Der König führte diesen Stil weiter und trug außerdem eine Bartperücke. Teilweise war diese aus oder mit Edelsteinen gefertigt. Ihre Augen waren möglicherweise häufiger blau, als es für diese Region üblich war.
Über die Kleidung der Sumerer geben uns überlieferte Kunstwerke Auskunft. Diese stellen die Männer häufig mit einem Zottenrock bekleidet dar. Ein Zottenrock ist ein Rock, der aus dachziegelartig übereinander gewebten Stücken besteht. Dadurch entsteht ein ähnliches Bild wie bei einem Schaffell.
Der Stoff war dabei höchstwahrscheinlich Wolle und bei hochrangigen Personen eingefärbt. Farben waren teuer und selten. Außerdem konnten die Sumerer nur aus einer geringen Auswahl wählen. Neben natürlichen Wollfarben wie weiß, braun, grau und schwarz, konnten die Menschen die Fasern gelb, rot und blau färben.
Rot war so weit wir wissen dem Adel vorbehalten. Blaue Kleidungsstücke sind bisher kaum überliefert. Eventuell wurden blaue Röcke nur von Priestern zu besonderen Anlässen getragen.
Frauen trugen ebenfalls Zottenröcke, allerdings als Mantel um den Körper gewickelt, nicht um die Hüfte. Unterwäsche war nicht sehr verbreitet, aber bei Frauen wohl häufiger zu finden als bei Männern. Allgemein besaßen die Menschen dieser Zeit wenig Kleidung, sodass auch kaum Kleidung bei archäologischen Funden dabei ist.
Es könnte außerdem sein, dass die Zottenröcke allgemein nur zu speziellen religiösen Ritualen getragen wurden. Das würde erklären, warum sie so selten sind.
Wer sind die Nachfahren der Sumerer?
Nach den Sumerern kamen die Akkader nach Sumer. Sie übernahmen nicht nur die Schrift, sondern auch Sprache und Kultur in Großteilen. Diese Übernahme geschah jedoch zumindest in Teilen gewaltsam. Dennoch lebte das, was die Sumerer geschaffen haben, durch die Akkader weiter.
Eine ethnische Gruppe, die als Nachfahren der Sumerer gilt, gibt es heute nicht. Vermutlich sind aber mehrere Völker mit den Sumerern verwandt. Dazu gehören Assyrer, Griechen, Perser, Babylonier und Araber.
Waren die Sumerer Kurden?
Die alten Sumerer waren keine Kurden. Die Kurden sind eine jüngere Volksgruppe, die hauptsächlich in der Türkei, im Irak, Iran und in Syrien leben. Es gibt Quellen, die behaupten, die Kurden würden von den Sumerern abstammen.
Tatsächlich gibt es überlieferte Schriften, in denen die Kurden von den Sumerern erwähnt werden. Allerdings fehlen die Belege, dass beide Bevölkerungsgruppen so eng miteinander verwandt sind.
Welche Religion und Götter hatten die Sumerer?
Die sumerische Religion ist vermutlich die älteste Religion, die schriftlich festgehalten wurde. Es handelt sich um eine polytheistische Religion.
Die Schöpfung
Die Sumerer glaubten, dass die Götter in einem Schöpfungsakt vor den Menschen erschaffen worden waren. Demnach entsprang der Göttin Nammu (das Urmeer) die Göttin Uraš (Erde) und den Gott An (Himmel). Danach kam das Ehepaar Enlil (Vegetation und Luft) und Ninlil (Getreidegöttin) hinzu.
Weitere in diesem Akt geschaffene Götter sind Nergal (Krieg), Ereškigal (Unterwelt), Ningal (Schilf) und Nanna (Mond). Die letzten beiden gelten als Eltern von Utu (Sonne), Inanna (Fruchtbarkeit) und Nusku (Feuer).
Anschließend wurden die Menschen erschaffen. Ihnen gaben die Götter die Weltordnung mit. Diese enthielt Gesetze und Regeln, an die sich alle Menschen halten sollten.
Der Blick auf die Welt
Die wichtigsten Götter waren die Schöpfergottheiten sowie die drei Himmelsgottheiten Nanna, Utu und Inanna. Die Sumerer teilten das Universum in drei Teile: die Erde als flache Basis, ein abgeschlossenes Himmelsgewölbe und die Unterwelt.
Die Götter selbst, zumindest die Anunna, lebten auf dem heiligen Berg Du-Ku. Die Anunna waren ältere Götter, die den anderen Göttern der Sumerer beratend zur Seite standen.
Totenkult
Die Sumerer begruben ihre Toten und brachten ihnen Opfer dar. Am Vorabend von religiösen Festen bekamen die Toten Getränke. Ihre Grabstätten tragen daher auch den Namen „Kianag“, was sich mit „Ort, an dem man die Toten trinken lässt“ übersetzen lässt.
Die Gräber der Könige waren dafür extra mit Röhren versehen. Über diese Verbindungen gossen die Sumerer Trankopfer, die für gewöhnlich aus Wasser oder Bier bestanden, ins Innere.
Bekannte sumerische Mythen
Die bekannteste mythische Geschichte der Sumerer ist das Gilgamesch-Epos. Es ist nicht mehr vollständig erhalten, sondern nur fragmentarisch überliefert. Teile dieser Fragmente fand man auf Sumerisch.
Ein anderer überlieferter Mythos ist die Erschaffung des Menschen. Den Sumerern nach beauftragte der Gott Enki die Göttinnen Nammu und Ninmach mit der Erschaffung des Menschen. Sie sollten sich dabei am Abbild der Götter orientieren. Die Göttinnen benutzten dafür Lehm und das heilige Wasser des Urozeans.
Welche Besonderheit hatte die Schrift der Sumerer?
Die Keilschrift der Sumerer gilt als erste Schrift der Menschheit. Zunächst handelte es sich um Piktogramme, also Bilder, die Wörter darstellten. Setzte man mehrere davon zusammen, konnte sich ihre Bedeutung verändern. Beispielsweise ergaben die Piktogramme für „Auge“ und „Wasser“ gemeinsam „Weinen“.
Später veränderte sich die Schrift der Sumerer und an die Stelle der Piktogramme traten Ideogramme, die einzelne Wörter darstellten. Diese Ideogramme und Piktogramme zeigten nicht mehr unbedingt das, was sie meinten. So konnte das Piktogramm für „Heuschrecke“ nun auch als Ideogramm „Vernichtung“ bedeuten.
Ein späteres Beispiel ist das Zeichen eines Flusses. Als Piktogramm meint es „Wasser“. Gleichzeitig hatte es eine Lautbedeutung. Es konnte also auch nur der Laut gemeint sein, der zusätzlich andere Bedeutungen hatte. In diesem Fall bedeutete das sumerische Wort für „Wasser“ gleichzeitig „in“. Wollte ein Sumerer also das Wort „in“ schreiben, schrieb er einfach das Wort für „Wasser“.
Diese Verwendung setzte sich durch. Die Wortbedeutung rückte in den Hintergrund und die Lautbedeutung gewann an Wichtigkeit.
Welche Sprache sprachen die Sumerer?
Die sumerische Sprache ist nur für eine kurze Zeit durch Nachweise belegt. Für das 3. Jahrtausend v. Chr. wissen wir, dass die Sumerer in Mesopotamien diese Sprache sprachen. Wir bezeichnen sie heute als „sumerisch“. Die Eigenbezeichnung war „eme ĝir“.
Sumerisch gilt als isolierte Sprache. Sie ist mit keiner anderen bekannten Sprache verwandt.
Ab 2000 v. Chr. wurde das Sumerische immer weiter vom Akkadischen verdrängt. Die Sprache blieb aber als Zweitsprache einige Jahrhunderte erhalten, bevor sie um 1700 v. Chr. ausstarb. Allerdings sprachen Gelehrte noch bis ins 1. Jh. n. Chr. sumerisch. Die Sprache hatte damit einen ähnlichen Status wie Latein im Mittelalter.
Einige Merkmale der sumerischen Sprache sind die Agglutination und Ergativität. Agglutination bedeutet, dass Wörter durch unterschiedliche Endungen verändert werden, um sie ihrer Rolle in einem Satz anzupassen. Sumerer sagten also nicht „mein Haus“ sondern „Hausmein“.
Eine Ergativsprache benutzt unterschiedliche Kasus für das Subjekt eines transitiven und intransitiven Verbs. „Transitiv“ bedeutet, dass das Verb ein direktes Objekt verlangt. Ein solches Verb ist beispielsweise „beobachten“. Im Satz „Der Mann beobachtet das Schiff“ ist „der Mann“ das Subjekt, „beobachtet“ das transitive Verb und „das Schiff“ das Objekt. Letzteres wird durch das transitive Verb nötig. Im Deutschen verändert sich das Subjekt nicht, wenn es in einem Satz mit einem intransitiven Verb verwendet wird. Im Sumerischen, als Ergativsprache, ist das sehr wohl der Fall.
Warum sind die Sumerer untergegangen?
Für den Untergang der Sumerer waren unter anderem sie selbst verantwortlich. Die Stadtstaaten waren untereinander nicht friedlich. Sie waren ständig in kriegerische Konflikte verwickelt und schwächten sich gegenseitig.
Die Zentren versuchten sich vor Invasionen zu schützen, indem sie starke Befestigungsanlagen bauten. Allerdings kam es zusätzlich zu Angriffen von Außerhalb. Babylonier und Akkadier hatten es auf die Reichtümer Sumers abgesehen. Auch gegen ihre Armeen mussten die Stadtstaaten also bestehen. Umgeben von Feinden hatten die einzelnen Stadtstaaten keine Hilfe zu erwarten. Dadurch fiel einer nach dem anderen den Nachbarn zum Opfer.
Besonders an diesem Untergang mitgewirkt hat außerdem Sargon von Akkad. Sargon war von 2356 bis 2300 v. Chr. König von Akkad. Er eroberte mehrere sumerische Städte und machte seine eigene Stadt Akkad zum wirtschaftlichen Zentrum. Die anderen mesopotamischen Städte litten darunter, weil sie so weniger Waren auf dem Seeweg erhielten.
Das Zusammenspiel führte letztendlich zum Untergang der Sumerer um 2000 v. Chr.
Was haben die Sumerer erfunden?
Die Sumerer waren ein innovatives Volk. Sie erfanden diverse Hilfsmittel, die ihren Alltag erleichterten und dafür sorgten, dass wir sie bis heute kennen.
Stempel und Siegel
Die Sumerer waren erfolgreiche Händler. Ihre Waren schafften es bis auf den indischen Subkontinent. Sie mussten gut versiegelt sein, um die weite Reise unbeschadet zu überstehen. Die Sumerer verschlossen die Gefäße daher mit Ton. Das führte jedoch dazu, dass man weder den Inhalt von außen erkennen konnte noch die Menge bekannt war.
Daher pressten sie einen Stempel oder Siegel in den Ton, der Aufschluss über den Inhalt gab. Später benutzten sie dafür auch ein Rollsiegel. Darauf waren meist domestizierte Tiere oder Fabelwesen abgebildet.
Die Siegel dienten auch der Bestätigung von Verträgen und schützen vor unrechtmäßigem Zugriff. Rollsiegel traten erstmals um 3400 v. Chr. auf.
Kalender
Die Sumerer erschufen einen Jahreskalender, den sogenannten Astrolab B. Dabei hielten sie auf Keilschrifttafeln die Positionen von Planeten, Sternen und Sternenbildern fest. Dieser Kalender teilte den Himmel in drei Abschnitte. Jeder Abschnitt unterstand einem Gott: Anu, Enlil und Enki. Diese Götter erhielten zwölf Monate, die in drei Wochen mit jeweils zehn Tagen unterteilt wurde.
Der Kalender regelte Zeitpunkte für Feste, Aussaat und Ernte. Auffällig ist, dass neun der zwölf Tierkreissternbilder in Astrolab B enthalten sind. Schon zur Zeit der Sumerer hatten sie ihren Namen bekommen.
Keilschrift
Die Sumerer gelten als Erfinder der Keilschrift. Neben den ägyptischen Hieroglyphen ist ihre Keilschrift die älteste bekannte Schrift der Welt. Sie entstand etwa um 3300 v. Chr. und bestand zu Beginn aus Bildern. Möglicherweise ist sie sogar älter als die Hieroglyphen, welche demnach aus ihr entstanden.
Stadtstaaten
Die Sumerer waren die ersten Menschen, die große Stadtstaaten errichteten. Einige Namen dieser, Ur, Uruk und Lagasch, sind bis heute überliefert.
Diese Stadtstaaten waren das Zentrum des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Man handelte, tauschte sich durch die Seefahrt mit anderen Kulturen aus und errichtete prachtvolle Bauten und Statuen.
Die Stadtstaaten waren in der Zeit der Sumerer mal mehr und mal weniger wichtig. Es kam in dieser Zeit einerseits zu einer Landflucht, sodass die Zentren deutlich wuchsen. In anderen Zeiten zogen sich die Menschen hingegen aufs Land zurück.
Stufentempel
Ein Stufentempel oder Zikkurat, ist ein gestufter Tempel, ähnlich wie eine Stufenpyramide. Diese Bauten stammen höchstwahrscheinlich aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. aus Mesopotamien. Das würde bedeuten, dass die Sumerer die Urheber dieser Bauweise sind.
Stufentempel entstanden vermutlich aus einer Terrasse, auf der ein einfacher Tempel stand. Mit der Zeit fügte man diesem weitere Stufen hinzu. Auf diese Weise entstand ein hoch aufgetürmter Tempel aus mehreren Ebenen. Das Wort „Zikkurat“ lässt sich auch mit „Götterberg“ übersetzen. Die religiöse Verbindung ist also quasi bewiesen.
Die Stufentempel bestanden aus zwei bis sieben Stufen. Erbaut wurden sie aus Backsteinen und ungebrannten, luftgetrockneten Lehmziegeln. Nach oben gelangte man entweder über eine Wendelrampe, die außen den Tempel emporführte. Oder es waren Stufen oder eine Rampe gerade in die Stufenelemente eingelassen. So gelangte man auf direktem Weg bis auf die oberste Ebene.
Landwirtschaft
Die Sumerer modernisierten ihre Landwirtschaft durch ausgeklügelte Bewässerungssysteme. Das wurde zum Ende des 4. Jahrtausends nötig, weil der Pegel des Persischen Golfes sank. Gleichzeitig nahm die Fließgeschwindigkeit der Flüsse Euphrat und Tigris zu. Dadurch blieb weniger fruchtbarer Schlamm an den Ufern zurück.
Die Sumerer lösten das Problem durch Rückhaltebecken und Kanäle, die sich öffnen und schließen ließen. Sie speicherten Wasser und ließen es bei Bedarf auf ihre Felder fließen. Felder, die diese Bewässerung aktuell nicht brauchten, weil sie beispielsweise direkt am Fluss lagen, ließen sie aus. Das eingesparte Wasser konnten sie später verbrauchen.
Daneben führten die Sumerer die sogenannte Tempelwirtschaft ein. Dabei bewirtschafteten die Menschen die Felder nicht für sich, sondern für die Allgemeinheit. Der Ertrag wurde vom Tempel verwaltet und an die Menschen verteilt. Das beugte Hungersnöten vor und verstärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gerade in den großen Städten der Sumerer, in denen man ansonsten quasi anonym war, war das wichtig.
In diese Zeit fällt möglicherweise auch das Aufkommen der Schrift. Das Wasser war kostbar. Man musste es also gut verwalten. Dafür war ein Stab an Personen nötig, die die Becken bewachten und wussten, an welchen Tagen welche Schleusen geöffnet werden sollten.
Auch die Verwaltung der Felder war aufwendig. Durch die Schrift war immer ersichtlich, wer welchen Dienst zu verrichten hatte.
Mathematik
Die Sumerer entwickelten das Sexagesimalsystem. Das ist das Zahlensystem, das wir heute für die Zeitrechnung und die Berechnung von Winkeln benutzen. Auf diese Idee kamen sie vermutlich durch die Unterteilung des Jahres in zwölf Monate.
Welche Bedeutung haben die Sumerer in der Bibel?
Die Sumerer werden in der Bibel nicht direkt erwähnt. Es gibt aber viele Parallelen, die darauf deuten, dass den damaligen Menschen die Sumerer noch bekannt waren.
So ähneln sich beispielsweise die biblische Schöpfungsgeschichte und die aus der Religion der Sumerer in einigen Punkten. Die Sumerer kennen auch eine Sintflut, bzw., eine Flutgeschichte. Der Turmbau zu Babel könnte auf ein unvollendetes, sumerisches Bauprojekt hinweisen. In die Zeit der Zerstörung von Sodom und Gomorra fällt auch die Zerstörung sumerischer Städte.
Es ist also nicht bewiesen, dass mit diesen Erwähnungen die Sumerer gemeint sind. Möglich erscheint es aber auf jeden Fall.