Aphrodite (griechische Mythologie)
Aphrodite ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Schönheit, der Liebe und sie zählt zu den zwölf olympischen Göttern. In der Kunst wurde Aphrodite schon in der Antike meistens nackt dargestellt. Im antiken Griechenland war die Aphrodisia das bedeutendste Fest zu Ehren der Aphrodite. Das römische Pendant zur griechischen Aphrodite ist die Venus.
Als eine bedeutende Göttin des griechischen Pantheons spielte Aphrodite eine bedeutende Rolle in der Literatur. Bei Homer ist sie die Tochter von Zeus und Dione, genauso bei Sappho. In Hesiods Theogonie wird Aphrodite an der Küste von Cythera aus Schaum geboren, welchen Uranos dort hinterließ. Deshalb unterschied Platon zwischen der Aphrodite Urania und der Aphrodite Pandemos.
In der Ilias von Homer spielt Aphrodite eine bedeutende Rolle im Trojanischen Krieg. Neben Athene und Hera war Aphrodite eine der Göttinnen, deren Streit zum Urteil des Paris führte – woraufhin der Raub der Helena folgte, was letztlich der Auslöser des Trojanischen Krieges war.
Steckbrief
| Bedeutung: | griechische Liebesgöttin und Göttin der Scheinheit |
| Status: | Mitglied der Zwölf Olympioniken |
| Wohnsitz: | Olymp |
| Hauptkultorte: | Kythera, Zypern, Korinth und Athen |
| Beinamen: | Aphrodite Areia, Aphrodite Urania, Aphrodite Pandemos, Aphrodite Dionea, Aphrodite Paphian, Aphrodite Philomeides, Aphrodite Cythereia, Aphrodite Cypris, Aphrodite der Gärten, Aphrodite Hera |
| Vater: | Zeus bei Homer und Sappho, Uranos bei Hesiod |
| Mutter: | Dione |
| Ehepartner: | Hephaistos, Ares |
| Kinder: | Eros, Phobos, Deimos, Harmonia, Pothos, Anteros, Himeros, Hermaphroditus, Rhodos, Eryx, Peitho, Die Gnaden, Beroe, Golgos, Priapos, Aeneas |
| Begleittiere: | Delfin, Spatz, Taube, Schwan, Hase, Gans, Biene, Fisch, Schmetterling |
| Symbole: | Rose, Muschel, Perle, Spiegel, Gürtel, Anemone |
| Römisch: | Venus |
| Ägyptisch: | Hathor, Isis |
![]() Der Felsen der Aphrodite (heute: Petra tou Romiou) vor der Küste Zyperns ist der mythologische Geburtsort der Aphrodite |
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Wer war Aphrodite?
Aphrodite war die griechische Göttin der Liebe, der Leidenschaft und Schönheit. Bei Homer wird sie als lächelnd und leichtsinnig beschrieben. Sie gewann den Schönheitswettbewerb unter den Göttinnen, weshalb der trojanische Prinz Paris ihr den Erisapfel überreichte, auf welchem stand: „Für die Schönste“.
In Laconia wurde Aphrodite außerdem als Kriegergöttin verehrt. Sie galt zudem als Schutzgöttin der Prostituierten. Seit der Renaissance wird Aphrodite in der westlichen Welt als Symbol der weiblichen Schönheit gezeigt.
In modernen heidnischen Religionen – wie in der Wicca oder dem Hellenismos – steht Aphrodite im Mittelpunkt. Und die Kirche der Aphrodite ist eine religiöse Bewegung innerhalb des Neuheidentums, welche 1938 in den USA gegründet wurde.
Wer waren die Eltern von Aphrodite?
Bei Homer sind Zeus und Dione die Eltern von Aphrodite. In der Bibliotheke des Apollodor ist Dione eine der dreizehn Titanen, ein Kind von Gaia (Erde) und Uranos (Himmel). Über die Beziehung zwischen Dione und Zeus erwähnt Homer nichts. In der Ilias flüchtet Aphrodite zu ihrer Mutter, nachdem Diomedes sie verwundet hatte.
Was ist der Felsen der Aphrodite?
Der Felsen der Aphrodite befindet sich an der Küste Zyperns, in der Nähe des Örtchens Kouklia. Laut einer Version ihrer Geburtsgeschichte soll Aphrodite dort aus Meeresschaum geboren worden sein. Diesen Geburtsmythos erzählt die Theogonie, ein Gedicht von Hesiod aus dem 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr..
Laut dieser Version war Aphrodite nicht die Tochter von Zeus und Dione, sondern entstand aus den abgetrennten Geschlechtsteil von Uranus. Zuvor hatte der Urgott Uranus seine Kinder (zwölf Titanen, drei Kyklopen, drei Hekatoncheiren) in den Tartaros gesperrt. Doch der Titan Kronos erhob sich gegen den Vater und entmannte ihn mit einer Sichel, welche seine Mutter Gaia hervorbrachte.
Das abgetrennte Geschlechtsteil des Uranus fiel ins Meer. Aus dem Samen des Geschlechtsteils entstand Aphrodite. Nachdem Aphrodite aus dem Meeresschaum geboren wurde, wird sie an Anwesenheit der anderen Götter ans Land gespült. Sie stieg dann vor der Insel Zypern aus dem Meer. In einer anderen Version stieg Aphrodite zuerst vor der Küste der Insel Kythira aus dem Meer.
Die Vorlage von Hesiods Geburtsmythos stammt wahrscheinlich aus dem Lied von Kumarbi. Dies ist ein Epos der Hethiter, bei dem Kumarbi seinen Vater Anum stürzt und ihm die Genitalien abbeißt. Durch die abgebissenen Genitalien wird Kumarbi schwanger und bringt mehrere Kinder hervor. Eines der Kinder war Tessub, einer der Hauptgötter der Hethiter und Hurriter.
Was bedeutet der Name Aphrodite?
Hesiod leitete den Namen Aphrodite von aphros (Meeresschaum) ab. Er interpretierte den Namen als „die aus Schaum entstandene“.
Seit dem 19. Jahrhundert wird diese Herleitung von vielen Indogermanisten angezweifelt, welche die Namensherkunft aus dem Orientalischen vermuten. Laut diesen Sprachwissenschaftler ist der Name Aphrodite eine Ableitung der semitischen Liebesgöttin Astarte, welche weitaus älter war und aus welcher der Götterkult um Aphrodite entstanden sein könnte.
Der britische Philologe Martin West lehnt diese Herleitung ab und rekonstruiert eine zyprianische Form des Namens als Aprodît. Dies bedeutet übersetzt „Sie der Dörfer“.
Gelehrte, welche der Hesiod-Schaum-Etymologie folgen, leiten den zweiten Teil ihres Namens (odite) vom Griechischen ab – wodurch dieser Teil als „Wanderer“ (odite) oder „hell“ bzw. „strahlend“ (dite) übersetzt wird. Demnach würde der Name der Göttin „die im Schaum des Meeres erstrahlende“ bedeuten.
Wie entstand der Aphrodite-Kult?
Aphrodite wurde wahrscheinlich vom Kult der Astarte, einer semitischen Liebesgöttin, hergeleitet. Diese wurde in Phönizien verehrt und hatte wiederum ihren Ursprung in der sumerischen Religion. Die Sumerer in Mesopotamien verehrten die Göttin Inanna bzw. Ishtar, aus welcher dann wohlmöglich Astarte und schließlich auch Aphrodite hergeleitet wurden.
Laut dem griechischen Reiseschriftsteller Pausanias (2. Jhd. n. Chr.) gründeten die Assyrer den Kult der Aphrodite zuerst. In Paphos auf Zypern wurde dieser Kult übernommen und dann von den Phöniziern in Askalon weitergeführt.
Die Phönizier lehrten diesen Kult wiederum dem Volk auf der griechischen Insel Kythira. Im Nahen Osten war die Göttin als Aphrodite Urania bekannt, was zwar von Uranus (Himmelgott) hergeleitet ist – aber den himmlischen Aspekt der sumerischen Göttin Inanna widerspiegelt.
Laut Pausanias wurde Aphrodite in Sparta als Aphrodite Areia verehrt, was einen kriegerischen Aspekt widerspiegelt – der ebenfalls von Inanna übernommen sein könnte. Er erwähnte auch, dass die ältesten Aphrodite-Statuen in Sparta und auf Cythera die Göttin mit Waffen zeigen.
Moderne Wissenschaftler stellten fest, dass die ältesten Aphrodite-Verehrung den kriegerischen Aspekt hervorheben und schließen daraus, dass der Ursprung der griechischen Liebesgöttin im Nahen Osten bzw. Mesopotamien liegt. Die Entstehung des Aphrodite Kultes wird auch geografisch erklärt. Denn das archaische Griechenland im 8. Jahrhundert v. Chr. lag Rand des Neuassyrischen Reiches.
Welche Beinamen hatte Aphrodite?
Aphrodite Urania
Aphrodite Urania ist der herkömmliche Beiname der Göttin. In dieser Version ist Aphrodite die Tochter von Uranus (Himmelsgott) und wurde unter diesen Beinamen in Athen verehrt. Sie verkörpert den himmlischen Aspekt der griechischen Göttin.
Der Kult um Aphrodite Urania entstand laut dem Reiseschriftsteller Pausanias zuerst bei den Assyrern in Nordmesopotamien. Von dort verbreitete sich der Kult bis nach Paphos auf der Insel Zypern und nach Askalon in Palästina (Phönizier). Letztere lehrten den Kult den Bewohnern der Insel Kythera.
Aphrodite Pandemos
Aphrodite Pandemos ist das Gegenstück zur Aphrodite Urania. Laut Pausanias Dialog in Platons Symposion gab es zwei Göttinnen mit dem Namen Aphrodite.
Die ältere Göttin war Aphrodite Urania, welche ohne Mutter zur Welt kam und deshalb als himmlisch oder spirituell galt. Aphrodite Pandemos war die jüngere der Beiden. Sie war die Tochter des Zeus und der Dione, weshalb hier der irdische oder gewöhnliche Aspekt zur Geltung kommt.
Laut Pausanias wurde Aphrodite Pandemos mit sexuellen Begierden geboren, während Urania mit einer edleren Anziehung zur Seele und Geist assoziiert wurde.
Die Neuplatoniker und auch spätere christliche Interpreten brachten Aphrodite Urania mit geistlicher Liebe und Aphrodite Pandemos mit körperlicher Liebe in Verbindung.
Aphrodite Dionea
In der Moderne wurde Aphrodite Urania das Symbol der eingeschlechtlichen Liebe ohne Mutter. Karl Heinrich Ulrichs, ein Vorreiter der Sexualwissenschaft, bezeichnete homosexuelle Männer als Urninge – welche ohne Frau auskommen und eingeschlechtliche Liebe praktizieren. Der Begriff „Urning“ ist von Aphrodite Urania abgeleitet.
In diesem Zusammenhang bezeichnete Ulrichs alle heterosexuellen Männer als Dioninge, abgeleitet von Aphrodite Dionea (Tochter von Zeus und Dione). Die Aphrodite Dionea war demnach eine Weiterentwicklung der Aphrodite Pandemos, welche mit allen sexuellen Begierden (Heterosexualität und Homosexualität) ausgestattet war.
Aphrodite Areia
Aphrodite Areia ist eine Version der griechischen Göttin Aphrodite, welche mit Waffen ausgestattet ist. Jene Darstellung fand sich in Sparta und in Tarent im italienischen Apulien.
Areia bedeutet übersetzt „kriegerisch“. Wohlmöglich ist dieser Beiname von Ares, dem Kriegsgott abgeleitet. Dieser Aspekt der Göttin steht im klaren Widerspruch zur sonstigen Rolle als Liebesgöttin oder Schönheitsgöttin.
In Homers Ilias wird Aphrodite als kampfunfähig dargestellt, welche bei der Rettung ihres Sohnes Aeneas von Diomedes an der Hand verletzt wird. Anstatt sich zu wehren, flüchtet sie zu ihrer Mutter Dione und lässt sich trösten. Dennoch gab es Kulte in Kythira, Zypern, Argos, Taras und vor allem in Sparta, welche den kriegerischen Aspekt von Aphrodite erwähnen.
Ähnliche Attribute gab es auch bei anderen Göttinnen, wie der Athena (Athene) – welche als Pallas Athena (Kriegerisch), als Athena Polias (Schutzgöttin der Polis) oder als Athena Areia verehrt wurde.
Aphrodite Hera
In Sparta wurde Aphrodite Hera verehrt. Der Beiname deutet an, dass es zu einer Verschmelzung zwischen Aphrodite und Hera – der Schutzgöttin der Ehe – kam. Zu Hochzeiten opferten Mütter der Göttin, um für das Wohl ihrer Töchter zu sorgen.
Aphrodite Paphian
Aphrodite Paphian war der Beiname der Aphrodite Pandemos in Paphos auf Zypern. Laut dem Gründungsmythos der Stadt war die namensgebende Paphos eine Tochter des Pygmalions, einem Bildhauer – der sich in eine Elfenbein-Statue der Aphrodite verliebte.
Mit der leblosen Statue zeugte Pygmalion eine Tochter, namens Paphos, welche dann zur Gründerin der zyprianischen Stadt wurde.
Aphrodite Philomeides
Aphrodite Philomeides bedeutet „die lächelnde Aphrodite“. Mit diesem Beinamen wird die Göttin in den homerischen Epen erwähnt, aber auch bei Hesiod. Doch in Hesiods Theogonie wird dieser Beinamen auf Aphrodite’s Geburt bezogen, wodurch dieser dort als „genitalliebend“ anstelle von „lächelnd“ übersetzt wird.
Aphrodite Cythereia
Aphrodite Cythereia ist der Beiname von Aphrodite, welche deren Ursprung und Verbindung zur Insel Cythera widerspiegeln soll. Laut einer Version des Geburtsmythos um Aphrodite ging die Göttin zuerst auf der Insel Cythera an Land.
Aphrodite Cypris
Aphrodite Cypris ist der Beiname von Aphrodite auf Zypern. Laut einer Version des Geburtsmythos um Aphrodite verließ die Göttin zuerst bei Zypern das Meer.
Aphrodite der Gärten
Aphrodite der Gärten (Aphrodíte en kepois) war ein Beiname der Göttin in Athen. Hier wird ihre Gunst zur Vegetation und zur Fruchtbarkeit der Athener Gärten hervorgehoben.
Mit wem war Aphrodite verheiratet?
Aphrodite war mit Hephaistos, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst, verheiratet. Auch dieser gehörte zu den Olympischen Göttern und war ein Sohn von Zeus und Hera.
Laut einem Mythos sollen Zeus und Hephaistos gestritten haben, woraufhin ihn der Göttervater packte und vom Olymp warf. Hephaistos landete bei der Insel Lemnos im Meer. Die Sintoi, ein thrakischer Volksstamm, pflegte ihn gesund – doch ein Hinken blieb.
Zur Versöhnung gab Zeus ihm Aphrodite zur Frau. Doch Aphrodite soll Hephaistos mehrfach betrogen haben. Einer ihrer Liebhaber war Ares.
Um sich an seiner Frau zu rächen, fertigte Hephaistos ein Netzapparat an, welchen er am Bett befestigte. Als Ares und Aphrodite miteinander schliefen, wurden sie in diesem Netz gefangen. Hephaistos rief die anderen Götter herbei, welche in Gelächter ausbrachen.
Jenes Lachen der Götter wird als homerisches Gelächter bezeichnet. Danach trennten sich Aphrodite und Hephaistos.



