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Humanismus


Humanismus (lateinisch: humanitas = Menschlichkeit) ist, im weitesten Sinn, als Bemühung nach einem menschenwürdigen Leben und dessen Ausgestaltung zu verstehen. Im Zentrum dieser Ausgestaltung steht Bildung und Erziehung. Durch das Bildungs- und Erziehungsideal soll jeder Mensch dazu fähig sein, seine Persönlichkeitsentfaltung voranzutreiben und bestmöglich umzusetzen. Die Epoche des Humanismus bestand seit dem 15. Jahrhundert in Italien, begann mit dem Fall des byzantinischen Reiches (1453) – als viele Gelehrte aus Konstantinopel nach Rom und Umgebung flohen. Die Humanisten sahen sich dort Verhältnissen ausgesetzt, welche die Entfaltung des Menschen und seinem Bildungsideal entgegenstanden, wodurch Gesellschaftskritiken entstanden. Die einzelnen Konzepte und Modelle der Humanisten stehen teilweise im Gegensatz, weshalb der Begriff „humanistisch“ unpräzise und unscharf verwendet wird.

Steckbrief

Name:Humanismus
Bedeutung:Menschlichkeit, Menschsein im Sinne von "Mensch mit außerordentlichen Fähigkeiten"
Entstehung:Antike: humanitas als Fähigkeiten, Normen und Verhaltensweisen, welche den Menschen ausmachen

Renaissance: Wiederentdeckung und Wiederbelebung des antiken humanitas, um den Mensch in den Mittelpunkt der Weltanschauung zu stellen
Konzepte:-Mensch im Mittelpunkt der Weltanschauung
-Mensch verfügt über Fähigkeiten sein Schicksal selbst zu gestalten
-Mensch kann seine Existenzform verbessern und sollte danach streben
-Verknüpfung von Tugend und Wissen
Beginn:etwa 1350 in Italien
Ende: kein Ende, da das Gedankengut ein wesentlicher Bestandteil des Menschenbildes heute ist
Vertreter:Antike: Cicero
Renaissance: Coluccio Salutati, Erasmus von Rotterdam, Leonardo Bruni, Francesco Petrarca (Mitbegründer), Dante Alighieri (Mitbegründer), Giovanni Boccaccio (Mitbegründer)

Epochen:Renaissance-Humanismus: 1350-1550
Niederländischer Späthumanismus: bis 1600
Neuhumanismus: ab 1750 in Deutschland geprägt durch Goethe, Schiller
Dritter Humanismus: ab 1920-er Jahre

Realer Humanismus: ab 1950-er Jahre in der DDR geprägt durch das Gesellschaftsbild von Karl Marx

Was ist Humanismus

Der Humanismus ist eine Zusammenfassung verschiedener geistiger Strömungen, welche den Menschen in den Mittelpunkt stellen und so ein neues Menschenbild definieren. Im alten Menschenbild des Mittelalters war der Mensch ein Wesen, welches von Gott gelenkt und geprägt wurde. Die Humanisten verständigten sich darauf, dass der Mensch gewisse Fähigkeiten besitzt, um seine Umwelt zu formen und seine Existenzform zu verbessern.

Humanismus kann demnach als ein Menschenbild bezeichnet werden, in welchem der Mensch seine Fähigkeiten zur Selbstbestimmung, Selbstkontrolle und Selbstentfaltung wahrnimmt. Innerhalb der einzelnen humanistischen Bewegungen wurden verschiedene Gedankenkonzepte entworfen, in deren Mittelpunkt immer der Mensch steht. So ist bspw. die Aufklärung nur eine Strömung des Humanismus – in deren Mittelpunkt das rationale Denken des Menschen stand. Anstelle von Gefühlen und Kirchenlogik sollte, für die Aufklärer, die Vernunft als oberste Urteilsinstanz einsetzen.

Eine weitere Strömung des Humanismus setzte in der Renaissance ein. Die Humanisten traten dafür ein, dass die Menschheit ihre geistige Fähigkeiten entfalten sollte, um Tugend mit Wissen zu verbinden. Sowohl Renaissance-Humanismus als auch Aufklärung zielten auf eine bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung des Menschen ab, nahmen aber verschiedene Konzepte (Konzept vs. Tugend) auf.

Wie entstand Humanismus

Die Wurzeln des Humanismus reichen bis in die Antike zurück. In dieser Geschichtsepoche entstand der Begriff „humanitas“, welcher als menschlich übersetzt wurde. Gemeint war damit ein geistiges Konzept des Menschen, welches auf Mitgefühl, Erbarmen und Mitleid beruhte. Die humanistischen Vordenker grenzen den Menschen von den Tieren ab, indem sie der Tierwelt ein Mitgefühl absprachen. Laut den antiken Humanisten sei nur der Mensch dazu fähig, Mitgefühl zu empfinden – weshalb das Adjektiv „human“ als mitfühlend oder menschlich übersetzt wird.

Der Begriff des Humanismus wurde allerdings erst am Ende des Mittelalters eingeführt, als Gelehrte und andere geistige Eliten zurück in die Antike schauten, Bewunderung für die Philosophen und Vordenker empfanden und dieses geistige Gut wiederbeleben wollten. Sie bezeichneten ihre Gegenwartsepoche als Renaissance – was Wiederbelebung der Antike bedeutete.

Im Zuge der Rückschau auf der Antike sollte auch der Menschlichkeitsbegriff neu definiert werden. Das Mitgefühl, welches zentrales Element der antiken Vordenker war, wurde um den Verstand erweitert. Demnach war der Mensch – für die Renaissance-Humanisten – ein tugendhaftes Wesen, welches nach Güte und Wissen gleichermaßen strebt.

Woher kam der Humanismus

Die antike Vorleistung des Humanismus findet sich bereits in der römischen Komödie. Bereits der römische Redner, Anwalt und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero (106 v.Chr. – 43 v.Chr.) verwendete den Begriff „humanitas“ als Menschsein. So lobte er in Briefen bspw. den Staatsmann Julius Caesar als humanitas. Die Briefe des Cicero wurden zwischen 1345 und 1389 durch den römischen Politiker Coluccio Salutati (1331 – 1406) wiederentdeckt und das Gedankengut des antiken Gelehrten neu bewertet. Im Zuge der Renaissance (in Italien ab 1350) erblühte auch der Humanismus neu.


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