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Pantheon, Götterwelt & Götterbild


Ein Pantheon oder lateinisch Pantheum war in der Antike ein Heiligtum, welches allen Göttern gewidmet war. Das bekannteste dieser Bauwerke war das Pantheon in Rom, dessen Bau im Jahr 114 n. Chr. von Kaiser Trajan initiiert und dessen Fertigstellung im Jahr 128 n. Chr. von Kaiser Hadrian vollbracht wurde.

Von diesem Bauwerk abgeleitet, ist das Pantheon auch die Bezeichnung für ein Götterbild bzw. eine Götterwelt – welche die Beziehungen der Götter untereinander abbilden soll.

Aber auch moderne Begräbnisstätten und Tempelanlagen, welche nach Vorbild des Pantheons in Rom erbaut wurden, werden als Pantheon bezeichnet. So ist das Pantheon in Paris die nationale Ruhmeshalle Frankreichs, welche als Grabstätte französischer Berühmtheiten dient. Auch die Ruhmeshalle an der Theresienwiese in München ist nach Vorbild des römischen Pantheons erbaut wurden.

Letztlich werden die Berühmtheiten einer Nation ebenfalls als Pantheon zusammengefasst. Diese Tendenz ist seit dem 16. Jahrhundert erkennbar. Doch zunächst nur Heldenfiguren in einem Pantheon zusammengefasst. Jedoch wurde dies später auf andere Berühmtheiten übertragen (z.B. Pantheon der Rockmusiker). Dadurch erhielt die Moderne den Antlitz von etwas Göttlichen.

Was bedeutet Pantheon?

Das Pantheon ist das Götterbild in polytheistischen Systemen. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus pān (=alle) und theós (= Gott). Zu diesem Götterbild gehören alle Geschichten, Hierarchien und die Beziehungen der Götter untereinander, wodurch sich ein Gesamtbild aller Verflechtungen ergibt. In diesem Sinne wird das Pantheon gleichgesetzt mit der Götterwelt.

Gibt es dennoch einen Unterschied zwischen Pantheon und Götterwelt?

Innerhalb eines Pantheons gibt es eine Hierarchie, also eine Rangordnung der Götter. Aber nicht alle Mythologien oder Religionen bieten solche hierarchischen Strukturen, weshalb das Götterbild als Begriff anstelle eines Pantheons eigentlich zutreffender ist. Gemeint ist dann die Götterwelt eines bestimmten Kulturraumes, wie bspw. das griechische Pantheon bzw. das griechische Götterbild.

Außerdem kann bspw. das griechische Götterbild weitereingeschränkt werden, indem es eine literarische oder künstlerische Dimension gibt. So ist das homerische Pantheon nur die Götterwelt, welche Homer in seiner Ilias oder Odyssee beschreibt. Das orphische Pantheon ist die Götterwelt, welche dem mythischen Sänger Orpheus zugeschrieben wird.

Diese Sets enthalten dann zwar die wichtigsten Götter der Griechen, aber ihre Zusammenstellung kann gegenüber dem griechischen Standard-Pantheon-Modell der zwölf Götter des Olymps variieren.

Was ist der Unterschied zwischen Pantheon und Mythologie?

Die Mythologie ist der Erzählstoff, welcher das Götterbild (Pantheon) erschafft, belegt und untermauert. Geschildert werden in Mythen die verschiedenen Geschehnisse der Götter, woraus sich ein Gesamtbild, ein Konfliktstoff oder ein Beziehungsgeflecht ergibt. Dadurch ergibt sich dann ein Gesamtbild von den Göttern, welches als Pantheon bezeichnet wird.

Wie entstanden die Götterwelten?

Die Geschichte der Religion reicht bis in die Steinzeit zurück. Denn bereits Neandertaler und Cro Magnon Menschen haben ihre Toten bestattet, woraus sich ein Ahnenkult ableiten lässt. Auch Schamanismus gab es möglicherweise bereits in der Steinzeit, worauf menschengemachte Skulpturen von Mischwesen hindeuten.

Außerdem ist davon auszugehen, dass Jäger und Sammler über eine Religion verfügten, welche als Animismus bezeichnet wird. In diesen religiösen Systemen glaubten die Menschen, dass jegliche Erscheinungsformen in der Natur beseelt und lebendig seien. So war der Wind genauso lebend, wie der Stein oder das Tier.

Während der Jungsteinzeit ging die Menschheit zu Ackerbau und Viehzucht über. Dies änderte sämtliche Glaubensvorstellung grundlegend. Denn die Menschheit wurde sesshaft, legte Vorräte an und hatte eine Überproduktion an Lebensmitteln.

Die Sesshaftwerdung ermöglichte ein Besitzdenken über Land und Hof, welches bei Jäger und Sammlern nicht vorkam. Und die Überproduktion an Lebensmitteln ermöglichte eine Arbeitsteilung mit spezialisierten Berufen, da nicht jeder mehr ein Bauer sein musste und stattdessen bspw. Kleidung gegen Nahrung tauschen konnte.

Mit der Überproduktion an Lebensmitteln kam es zudem zu einem Bevölkerungsanstieg, welcher dazu führte, dass sich die Ackerbauern immer weiter ausbreiten mussten und auch die letzten Jäger und Sammler aus ihren Jagdgebieten verdrängten.

Aber anders als Jäger und Sammler waren Ackerbauern abhängig von Ernten, von fruchtbaren Böden und von Niederschlägen. Deshalb wurden die animistischen Vorstellungen der Steinzeit durch mächtige Wesen ersetzt, welche den Bauern beistehen sollten. Dies waren die Götter, vornehmlich Fruchtbarkeitsgötter, Jagdgötter und Götter, die mit dem Weidevieh verbunden waren.

Wie veränderte sich das Pantheon bis zur Bronzezeit?

Bereits zur Jungsteinzeit kam es zu Überproduktionen an Lebensmitteln. Dies hatte zur Folge, dass die Bevölkerung drastisch anstieg. Gleichzeitig kam ein Tauschhandel auf, da nicht jeder Mensch ein Nahrungsproduzent mehr sein musste und stattdessen Kleidung oder Waffen gegen Nahrung tauschen konnte.

Die Spezialisierung in den Berufen ließ auch zu, dass eine Priesterschaft entstehen konnte – welche sich ausschließlich der Dienerschaft der Götter verpflichten konnte und durch welche die Menschheit den Willen der Götter erfahren sollte (Orakel, Prophezeiung usw.). Da die Gottesdiener den Willen der Götter aussprachen, gewannen diese an Macht. So entstanden erste soziale Gefälle in den Gesellschaften.

Auf die Jungsteinzeit folgte die Kupferzeit, wodurch die Menschheit begann, Erze abzubauen und Metalle zu schmieden. Es entstand die Vorstellung von Schmiedegöttern, welche neben den Fruchtbarkeitsgöttern und Erdgöttern einen Platz erhielten.

Gleichzeitig stieg der Handel mit Metallen und Metallwaren, wodurch es Schutzgötter für Händler bedürfte. Es entstanden die ersten Hochkulturen und Stadtstaaten, welche ihre persönlichen Schutzgötter kannten und verehrten.

In der Bronzezeit nahm der Fernhandel weiter zu und auch die Bereitschaft zu Kriegen nahm zu. Denn, neben den Ackerflächen war der Zugang zu Erzmienen eine weitere knappe Ressource, weshalb die Legitimation zu kollektiver Gewalt stieg.

Neben den Schutzgöttern opferten die Menschen nun auch den Kriegsgöttern, um einen Kriegsverlauf zu ihren Gunsten entscheiden lassen zu können. Mit der Zunahme von weiteren Bevölkerungsteilen stieg auch die Komplexität in den Gesellschaften an, wodurch die jeweiligen Pantheons immer mehr Götter einschlossen.

Was sagte das Pantheon über die Gesellschaft aus?

Das Götterpantheon kann als angestrebtes Selbstbild einer Gesellschaft betrachtet werden. Insbesondere die Hauptgötter wurden als Manifestation der jeweiligen Kultur betrachtet und traten demnach sinnstiftend auf.

So sagte ein blitzeschwingender Zeus, welcher seine Ehefrau mehrfach betrog und den Olymp als Alleinherrscher regierte, etwas über das Selbstbild der alten Griechen aus. Genauso gut sagte ein Pantheon, welches von einer Großen Mutter geführt wurde, etwas über die Lebensweise der anderen Kultur aus. Und genauso deutlich sagte das ägyptische Pantheon mit seinen Totenrichtern etwas darüber aus, wie die alten Ägypter die Welt begriffen.

Welche Bedeutung hatte das Götterbild im religiösen Alltag der Menschen?

Für die Menschen in der Antike war das Götterbild nicht nur eine Ansammlung ihrer Gottheiten. Stattdessen waren die wichtigsten Wesen vertreten, an welche man sich wenden konnte, um in bestimmten Teilbereichen des Alltags unterstützt zu werden. Wollte ein Bauer bspw. eine ertragreiche Ernte, bat er im römischen Reich bei Ceres um Hilfe. Der griechische Bauer bat bei Demeter um Unterstützung.

Die Krieger opferten für Ares oder Mars, die Ehefrauen opferten für Hera oder Juno, während sich schwangere Frauen an Carmenta, Eileithyia, Artemis oder Diana wandten. Somit gab das Pantheon den Menschen eine Vorstellung davon, wie die Welt und das menschliche Leben von göttlichen Mächten beeinflusst wurde.

Ein einheitliches Götterbild bei den Römer, Griechen und anderen Kulturen sorgte zudem für eine gewisse Ordnung und Stabilität. Diese Einheitlichkeit des Götterbildes machte es für die jeweilige Kultur einfach, sich mit ihren Göttern zu identifizieren. Gleichzeitig konnten die Menschen erkennen, wie sich ihre Götter von anderen Göttern unterschieden, wodurch sie sich kulturell abgrenzen konnten. Ähnlich wie heute Religionen sinnstiftend für die Kulturen sind, war es damals ein Vielgötterbild.

Welche Bedeutung hatten Symbole bei der Gestaltung des Götterbildes?

Die meisten Menschen konnten in der Antike oder in der Zeit davor nicht lesen. Deshalb waren Symbole für Götter extrem wichtig, da die Menschen ihre Gottheiten dadurch identifizieren und unterscheiden konnten. So hatte Poseidon den Dreizack als Symbol, während Athene mit Helm und Speer gezeigt wurde. Das Symbol verriet etwas über die Zuständigkeit des Gottes, war ein klares Erkennungsmerkmal und visualisierte die Macht des Gottes in einer Bildsprache.

Warum war ein einheitliches Götterbild für die antiken Kulturen wichtig?

Während der Bronzezeit entstanden die Hochkulturen, welche eine Vielzahl von Menschen in einem Reich oder Großreich integrieren mussten. Der Animismus der Steinzeit, welcher sich von Tal zu Tal unterschied, war unbrauchbar.

Die Menschen in seinem solchen Großreich mussten sich auf die gleichen Mythen und Glaubensvorstellungen einigen, damit eine Arbeitsteilung möglich wurde. Denn der Schmied eines Dorfes musste daran glauben, dass der Landwirt sich dem gleichen Götterwillen unterordnet, damit einem möglichen Tauschhandel vertraut werden konnte. Denn wenn der Schmied betrogen wurde, konnte er nicht mit Hephaistos Rache argumentieren, wenn der Landwirt nicht auf die Stärke dieses Gottes vertraute.

Es brauchte demnach ein klares Bekenntnis zu einem bestimmten Götterkanon, weshalb die Geistwesen des Animismus verschwinden mussten. Da Menschen höchst soziale Wesen sind, wirkt auch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Götterbild höchst ansteckend auf das Umfeld. Und diejenigen, welche sich nicht anpassen wollten, wurden gesellschaftlich ausgegrenzt und deren Sippe war im Nachteil beim Tauschhandel, weshalb sich eine abweisende Geisteshaltung nicht langfristig durchsetzen konnte.

Mit dem gemeinsamen Götterbild konnte ein gemeinsames Wir-Gefühl entstehen, wodurch sich die Kultur von anderen Kulturen abgrenzen ließ. Durch die Erzählung von Mythen, welche das Götterbild immer wieder bestätigten, ließ sich eine gemeinsame Glaubensgrundlage finden – welche ein gemeinsames Handeln einschloss und die Unterordnung des Individuums in eine Gesellschaft ertragbar machte. Denn schließlich gab der Einzelne ein Stück seiner Freiheit auf, nur um dazu gehören zu dürfen.

So konnten Staaten entstehen, welche eine Großzahl von Menschen beherbergen konnten, ohne dass diese Gesellschaften auseinanderdrifteten. Am Ende dieser Prozesse entstand das, was wir heute als Zivilisation bezeichnen.

Welche Bedeutung hatten Halbgötter und Naturgeister innerhalb der Götterwelt?

Naturgeister, wie Nymphen oder Quellgeister, waren ein Relikt aus dem animistischen System. Demnach haben Teile des Animismus im Polytheismus überlebt bzw. wurden innerhalb der Götterwelt umgedeutet. So glaubten die Menschen, dass die Geister eine Personifizierung der Naturerscheinungen seien, durch welche die Götter weiterhin agieren würden.

Ein Fluss, ein Wald oder ein Berg konnte somit durch ein übernatürliches Wesen bewohnt werden, welches als Gottheit oder gottähnlich gesehen wurde. Wichtig für die antiken Gesellschaften war nur der Umstand, dass man sich mehrheitlich auf ein konkretes Götterbild einigen konnte.

An seine persönlichen Hausgeister und Naturgeister konnte jeder weiterhin glauben, da diese ein Verbindungsstück zwischen der Menschen- und Götterwelt waren. Sie bestätigten demnach die Existenz der Götter und agierten als deren Vertreter. So ähnlich überlebte der Polytheismus auch im Monotheismus, wo Schutzpatrone eine ähnliche Aufgabe erfüllen.

Auch die Halbgötter waren für die Menschheit eine Verbindung zur Götterwelt. Laut den Mythen waren Halbgötter von einer männlichen oder weiblichen Gottheit beim Geschlechtsakt mit einem Menschen gezeugt wurden. Sie waren somit weder menschlich noch göttlich. Aber im Reich der Menschen vollbrachten die Halbgötter diverse Heldentaten, wodurch sie ähnlich wie Götter verehrt wurden.

In vielen Orten wurden Halbgötter sogar so stark verehrt, dass sie den eigentlichen Götterkult verdrängten. Laut den griechischen Mythen war dies den Göttern nicht genehm, weshalb sie ihre Sprösslinge wieder auslöschen wollten. So beschloss bspw. Zeus, dass sämtliche Heroen in einem großen Konflikt sterben sollten. Dies war der Trojanische Krieg, welcher das griechische Heldenzeitalter beendete.

Warum wurden die Götter menschlich dargestellt?

In einer polytheistischen Religion mit vielen Göttern hat jede Gottheit seine Aufgabe und Funktion. Gleichzeitig werden diese Götter menschlich dargestellt, wodurch auch menschliche Eigenschaften – wie Gefühle oder Gelüste – mit den Göttern verknüpft werden. So floss menschliches Streben nach Liebe, aber auch Eifersucht, Hass oder Rachsucht in die Götterwelt ein.

Doch die Glaubensvorstellung von menschenähnlichen Göttern machte durchaus Sinn, da den Menschen die Identifikation mit ihren Gottheiten viel leichter fiel. Gleichzeitig war klar, dass die Götter auch Bedürfnisse hatten, welche durch Opfergaben gestillt werden mussten.

Warum waren die Götter so unmoralisch?

Weil es viele Götter gab, lässt sich kaum eine einheitliche Moralvorstellung ableiten. Die Vielfältigkeit im Götterbild ließ einfach keine einheitliche Moralvorstellung zu. Dies erklärt, warum die Götter sich gegenseitig betrogen, die Menschen zu Untaten anstifteten oder auf einen Irrweg schickten. Die Taten der Götter fanden auf eine Art und Weise statt, welche wir heute als unmoralisch bezeichnen würden.

Aber das jeweilige Götterbild einer Kultur war nur ein Spiegelbild dieser Gesellschaft. Und die Menschen in der Antike wussten nicht, was recht und unrecht war – zumindest nicht so, wie wir es heute definieren würden. Stattdessen handelten sie so, wie es dem Willen der Götter entsprach. Demnach hatten auch die Götter keine Vorstellung davon, was moralisch richtig und moralisch falsch war.

Worin unterscheidet sich das polytheistische Götterbild vom Monotheismus?

Der Monotheismus wandelte die Glaubensvorstellung von Recht und Moral. Denn fortan musste sich die Menschheit auf einen Kodex einigen, welcher von einem Gott vorgegeben wurde. So entstand eine Vorstellung davon, was wir heute als Moral bezeichnen würden.

Der Ausdruck „liebe Gott“ unterstreicht, dass der absolute Gott im Monotheismus immer moralisch einwandfrei handeln soll. Da die monotheistische Gottesvorstellung ebenfalls ein Spiegelbild der Gesellschaft ist und war, strahlte die Gottesmoral auf die Gemeinschaft ab – wodurch sich diese wandelte.

Da aber im Judentum, Christentum und Islam eine andere Vorstellung von Moral existiert, schon deshalb – weil sich ein anderer Gotteskodex ableiten lässt, entstanden auch unterschiedliche Moralvorstellungen, selbst innerhalb der abrahamitischen Religionen.

Die polytheistische Götterwelt war auch ein politisches Abbild der Gesellschaft. Das antike Griechenland war demokratisch. Zwar war die Athener Demokratie auf Einzelne beschränkt, ließ aber Mitsprache bei privilegierten Bürgern zu. Im Römischen Reich gab es ähnliche Strukturen, wie Senate und Parlamente. Und die Götterwelt war genauso aufgebaut.

Es gab keinen absolutistischen Gott. Stattdessen gab es einen Göttervater, welcher versuchte, die anderen Götter zu lenken. Meist war der Hauptgott ein Herrscher über den Himmel oder ein Sonnengott. In Gesellschaften mit Regenfeldanbau waren es Regengötter, Wettergötter oder Donnergötter an der Spitze des Pantheons.

Aber auch die höchsten Götter waren in ihrer Macht beschränkt. So regierte Poseidon über das Meer, während Zeus der Herrscher des Himmels war und Hades im Totenreich das Kommando hatte. Odin musste sich die gefallenen Krieger mit Freya teilen. So fuhr eine Hälfte der Gefallen nach Valhall und die andere Hälfte wurde nach Folkwang entrückt.

Im Monotheismus wurde der Machtbereich des einen Gottes auf alle irdischen und überirdischen Belange ausgedehnt. Somit haben polytheistische Götterbilder immer die Macht eines absolutistischen Gottes beschränkt.

Welchen Einfluss hatte der Staatskult auf das Götterbild?

Der Götterkult wurde im römischen Kaiserreich zum Staatskult. So wurden die Götter als Beschützer, Bewahrer und Repräsentanten des Reiches verstanden. Außerdem wurden die römischen Kaiser als Vertreter der göttlichen Macht auf Erden inszeniert. So entstand ein Kaiserkult, welcher die kaiserliche Herrschaft mit göttlicher Ordnung verband.

Im alten Ägypten war der Pharao ebenfalls ein Vertreter der Götter auf Erden, welcher die kosmische Ordnung der Maat durchsetzen sollte. Er verstand sich als erster Diener der Maat und deren Ordnungsprinzipien. Im antiken Griechenland gab es die Gottesvertretung auf Erden nicht, da jede Poleis ihr eigenes Herrschaftssystem hatte und die Monarchie strikt abgelehnt wurde.

Genauso wie in Ägypten war im römischen Kaiserreich der Götter- und Kaiserkult keine reine Privatangelegenheit. Die Menschen waren religiös verpflichtet und die Kaiser inszenierten sich als Bewahrer von Sitte und Moral. Anders als im griechischen Pantheon, wo die Götter oft sittenlos, lüstern und unmoralisch erscheinen – wurden ihre römischen Varianten (Dei consentes) tugendhafter inszeniert – da diese den gesamten römischen Machtapparat demonstrieren sollten.

Wie wurde der römische Staatskult ins Götterbild integriert?

Bereits Octavian (Kaiser Augustus) übernahm ab 19 v. Chr. die Sittenaufsicht (cura morum). Seine ganze Innenpolitik zielte darauf ab, aus der römischen Gesellschaft eine Einheit zu formen. Zu dieser Einheit sollten sich auch die Menschen in den äußeren Provinzen bekennen.

Mit dem Augustus-Titel, welchen alle römischen Kaiser innehatten, konnte sich Octavian zum Monarch aufschwingen, ohne sich so nennen zu müssen. Denn auch die Römer lehnten eine Diktatur (Monarchie) ab, weshalb die offizielle Bezeichnung nicht Kaiser sondern Princeps (erster und gleichen) war. Das Prinzipat war aber eine verschleierte Monarchie.

Gleichzeitig konnte sich Augustus als Auserwählter der Götter darstellen und seine Herrschaft religiös-ideologisch untermauern. Als Repräsentant der Götter auf Erden waren mit dem Princeps auch die römischen Tugenden verknüpft, welche durch traditionelle Gebräuche (mos maiorum) gefördert wurden. Und so sollte ein Gemeinschaftsgefühl in allen Provinzen des Römischen Reiches entstehen.

Der Schutzgeist des Kaisers (Genius Augusti) wurde zur lokalen Gottheit in sämtlichen Provinzen, wodurch sich ein Kaiserkult mit dem römischen Staatskult verbinden ließ. Die römischen Bürger schworen auf den Schutzgeist des Princeps, hielten Feste für ihn ab und etablierten Kulte um ihn. Dadurch erhielt der Princeps eine religiös-ideologische Erhöhung – ohne ihn als Diktator nennen bzw. feiern zu müssen.

Wieso ist das Pantheon in Rom ein Abbild des Götterhimmels?

Die Architektur des Pantheons in Rom war so gedacht, dass sie eine Verbindung mit den Göttern im Himmel und den Menschen auf der Erde symbolisieren sollte. Um dies zu erreichen, wurde eine große Kuppel auf dem Gebäude gespannt.

Diese Kuppel symbolisierte den Himmel bzw. das Himmelsgewölbe, welches die Erde umspannt. Inmitten des Gewölbe befindet sich eine Öffnung, das sogenannte Auge (Opaion). Durch diese Öffnung fällt das Sonnenlicht und wandert tagsüber durch den Innenraum des Pantheons. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Sonne und der Himmel im Raum wandert.

Symbolisch soll der Eindruck vermittelt werden, dass die Menschen unter dem Götterhimmel stehen. Die runde Form des Gebäude symbolisierte Unendlichkeit, also eine Wand ohne Anfang und Ende. Dies ist ein Ausdruck von der Unendlichkeit der Götter und deren Vollkommenheit.

Warum wollte Kaiser Trajan ein Pantheon in Rom erbauen?

Vermutlich gab es vor dem Bau des Pantheons im 2. Jahrhundert n. Chr. schon ein anderes Gebäude an diesen Ort. Dieses war die Basilika des Neptuns, erbaut von Marcus Vipsanius Agrippa im 1. Jahrhundert v. Chr.. Eine Inschrift am Pantheon in Rom bezeugt diesen Vorgängerbau.

Dennoch ließ Trajan den alten Tempel abreißen und einen neuen Tempel für alle Götter auf diesen Ort erbauen. Und dieser Bau war ein Prachtbau. Denn die mächtige Kuppel war 1.700 Jahre lang die größte Kuppel der Welt.

Mit dieser Götterkuppel sollten nicht nur die römischen Götter außerordentlich geehrt werden, sondern auch der römische Staat in all seiner Pracht dargestellt werden. Drei Jahre nach Baubeginn erreichte das Römische Reich im Jahr 117 n. Chr. noch unter Kaiser Trajan seine größte territoriale Ausdehnung. Der Kuppelbau war ein Ausdruck dieses Expansionsstrebens.

Gleichzeitig versuchten die Römer sämtliche eroberten Gebiete in die Pax Romana einzugliedern. Demnach sollten alle Völker der damals bekannten Welt unter der Götterkuppel symbolisch ihren Platz finden. Das Bauwerk demonstrierte demnach die Macht, den Reichtum und die Leistungsfähigkeit des Römischen Reiches.

Gleichzeitig gaben die Römer ein Versprechen in den römischen Vielvölkerstaat ab. Und dieses Versprechen war, dass Rom für Wohlstand und Fortschritt sorgen wird. Der Kuppelbau demonstrierte eindrucksvoll das Leistungsversprechen nach innen und symbolisierte die Stärke Roms nach außen.

Wie sah das Götterbild des einfachen Volkes aus?

Homer formte das Götterbild im 8. Jahrhundert v. Chr. durch die Epen Ilias und Odyssee. in beiden Epen waren die Götter menschenähnlich im Handeln und Denken, hatten also Sehnsüchte, Gefühle und Bestrebungen. Sie griffen aktiv in die Geschehnisse der Welt ein und versuchten die Geschicke der Menschheit zu lenken. Dieses Götterbild war das Weltbild, welche das einfache Volk vertrat.

Über den griechischen Göttern standen die Moiren, Schicksalsgöttinnen – denen sich auch die Götter unterwerfen mussten. Homers Kernidee war, dass die Götter zwar übermenschlich mächtig waren, aber dennoch menschlich handelten. Und der Mensch war dem Handeln der Götter ausgeliefert.

Hesiod entwarf das Standardmodell der griechischen Schöpfungsmythen, wonach die Götter aus dem Chaos entstanden sind. Seine Theogonie gab die Abstammung und Stammbäume der Götter wieder. Hesiods Kernidee war, dass die Götterwelt eine geordnete kosmische Hierarchie sei. Sowohl Homer als auch Hesiod lebten vermutlich im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr..

Wie veränderte sich das Götterbild durch die Philosophie?

Die Vorsokratiker des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. versuchten die Welt anhand von Logos, Natur und Vernunft zu erklären. Viele von ihnen glaubten zwar an die Götter, aber auch an ein Prinzip, welches auf Vernunft basierte. Demnach entstand der Glaube daran, dass man nicht den Göttern ausgeliefert sein muss – da andere Prinzipien (z. B. Logos) gelten würden.

Insbesondere das Prinzip von Logos wurde bei Heraklit zur Deutungshoheit. Gemeint war damit, dass der Sinn oder geistige Gehalt einer bestehenden Ordnung (Götterordnung) gesucht werden solle. So glaubte Heraklit, dass das Göttliche für eine vernünftige Ordnung des Kosmos stand.

Platon kritisierte die Götter deutlich, indem er ihr Verhalten als nicht göttlich maßregelte. Für Platon war die göttliche Idee etwas zwingend Gutes, Vernünftiges, Wahrhaftiges und Ordnungsbasierendes. Deshalb konnte für ihn ein göttliches Wesen nicht mit menschlichen Makeln gedacht werden.

Für Platon waren die Götter demnach niemals menschenähnlich, sondern ein Baumeister des Kosmos – welcher in Verbindung mit Gutheit, Wahrheit, Vernunft und Ordnung steht. Im Timaios beschreibt Platon den Demiurgen, einen göttlichen Schöpfer bzw. Weltordner.

Laut Epikur greifen die Götter nicht in die Welt der Menschen ein. Denn ein göttliches Wesen ist vollkommen, muss sich nicht mit menschlichen Schwächen befassen und lebt in völliger Glückseligkeit.

Laut den Stoikern war die Welt durch eine göttliche und vernunftbasierte Kraft durchdrungen. Und jene göttliche Vernunft dringt durch die gesamte Natur, sorgt für Ordnung im kosmologischen Chaos und bestimmt Zusammenhänge des Lebens.

Für die Menschheit leiteten die Stoiker deshalb, dass der Mensch im Einklang mit der Natur und der Vernunft leben soll. Er soll demnach vernünftig mit Geschehnissen umgehen, die er selbst nicht lenken kann.

Wieso konnten fremde Götter ins Götterbild einer Kultur gelangen?

Der Polytheismus kennt keine absolute Gottheit. Denn auch die Götter im polytheistischen Systemen unterliegen einer höheren Macht, welche als Schicksal bekannt ist. Die Götter können das Schicksal weder lenken noch beeinflussen. Dies können nur Schicksalsgöttinnen, wie die Nornen, Moiren, Zorya oder Parzen.

Erst der Monotheismus formulierte die Idee von einem absoluten Gott, welcher auch das Schicksal kennt. Und diese neue Idee hatte Auswirkungen auf das gesamte Götterbild. Denn der Polytheismus behauptet nicht von sich, die alleinige Wahrheit zu kennen. Der Monotheismus behauptet dies schon, da er das Schicksal des Einzelnen kennt. Somit kennt der monotheistische Gott die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – was die polytheistischen Götter nicht vermochten.

Aus diesem Grund beanspruchen alle monotheistischen Religionen für sich, die alleinige und allumfassende Wahrheit zu kennen, was sämtliche polytheistischen Systeme niemals behauptet haben oder versucht haben.

Und da der Polytheismus eine zweite Wahrheit bzw. eine alternative Zukunftssicht akzeptiert, ist er weltoffener gegenüber anderen Göttern. Im griechischen Götterbild flossen mehrfach neue Götter ein. So wurde Kybele aus Anatolien übernommen, genauso wie Aphrodite – welche aus der ugaritischen Astarte übernommen wurde.

Genauso machten es die Römer, welche fremde Götter schon deshalb übernahmen, um einen Feind zu zeigen, dass ihre Gottheit jetzt auf Seiten der Römer stehe. So wurden die keltischen Götter von den Römern übernommen, genauso die etruskischen und letztlich haben die Römer auch die griechischen Götter mit ihren eigenen identifiziert.

Wie wurden fremde Götter ins Pantheon eingeladen?

Um eine fremde Gottheit in ihren Tempel einzuladen, riefen die Römer diesen rituell an bzw. aus dem alten Tempel heraus. Diesen Ritus bezeichneten die Römer als Evocatio. Dann präsentierten sie diesen Tempel ihren Feinden, wodurch deren Kampfesstärke sank.

Auch die Griechen machten ähnliche Rituale, indem sie die Heiligtümer einer Gottheit stahlen. Bspw. haben die Griechen im Trojanischen Krieg das Heiligtum der Athene aus Troja gestohlen. Mit Raub des Palladions (Palladium) verloren die Trojaner ihre Schutzheiligtum.

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