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Nordische Götter


Die nordischen Götter sind Gottheiten der Wikinger und Nordgermanen. Innerhalb des Pantheons existieren mehrere Göttergeschlechter, welche in einem mythologischen Götterkrieg um ihre Stellung in der Welt kämpften. Diese Göttergruppen sind die Aesir (Asen), die Wanen (Vanir) und Riesen (Thursen).

Da die nordischen Mythologie eine Variante der germanischen Mythologie ist, existieren die Götter der Wikinger auch im Pantheon anderer germanischer Stämme. Dort existieren sie mit anderen Namen, haben aber ähnliche Funktionen und eine ähnliche Stellung im Götterbild. So existierte bspw. bei den Südgermanen die Gottheit Wodan, welcher bei den Nordgermanen als Odin verehrt wurde.

Beschrieben wird das Götterbild des Nordens in der Lieder-Edda und in der Snorra-Edda. Beide Eddas entstanden erst im Hochmittelalter als Skandinavien bereits christianisiert war. Doch die Götterwelt der Nordgermanen existierte bereits in der Antike und wohlmöglich sogar schon in der späten Bronzezeit oder der frühen Eisenzeit.

Bis zur Verschriftlichung in den Eddas wurden die Göttermythen lediglich mündlich tradiert und erst im 13. Jahrhundert schriftlich fixiert. Varietäten der nordischen Gottheiten erwähnt auch der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus, welcher ebenfalls im 13. Jahrhundert lebte. Doch Saxo beschreibt die Götter als sterbliche Helden, ähnlich wie die Heroen in der griechischen Mythologie.

Götter aus verschiedenen Mythologien wurden seit der Renaissance wiederbelebt. Im Neuheidentum finden diese Gottheiten neue Rollen und Funktionen. Für Anhänger des Neuheidentums dienen sie als Schutz- oder Machtwesen.

Auch in der völkischen Bewegung des 20. Jahrhunderts wurde das nordische Götterbild wiederbelebt und sollte die Grundlage für eine arteigenen Religion werden. Daraus entstanden verschiedene religiöse Entwürfe und Organisationen, wie die Ariosophie, der Germanenorden, der Neutempler-Orden oder die Deutsche Glaubensbewegung.

Steckbrief

Nordische Götter
Quellen:Snorra-Edda und Liederedda (beide aus dem 13. Jahrhundert), Geschichtsschreibung des Saxo Grammaticus (13. Jahrhundert)
Geschlechter:Asen, Wanen, Jötunn
Göttersitz:Asgard (Asen), Vanaheimr (Wanen), Jötunheimr (Jötunn)
Götternamen:Aurvandill, Balder, Bragi, Eggthér, Fjölnir, Fjörgyn, Forseti, Freya, Freyr, Frigg, Fulla, Gautr, Gefjon, Gerda, Gna, Heimdall, Hel, Hermodr, Hödur, Hönir, Idun, Jörd, Lofn, Loki, Magni und Modi, Mani, Mimir, Nanna, Njörd, Nótt, Odin, Rán, Rindr, Sif, Sigyn, Skadi, Snotra, Sol, Surt, Tyr, Thor, Uller, Urd, Wali, Vé, Vidar, Vili, Yngvi, Ägir
Darstellung der wichtigsten nordischen Götter

Darstellung der wichtigsten nordischen Götter

Götter nach Rollen und Funktionen
Dichtergott:Bragi, Odin
Donnergott:Thor
Erdgöttin:Jörd
Ehegöttin:Sigyn, Frigg
Familiengöttin:Frigg, Gefion,
Feuergott:Surt
Fruchtbarkeitsgott:Odin, Thor, Njörd, Freyr, Uller
Fruchtbarkeitsgöttin:Freya, Fulla
Götterbote:Hermodr
Götterbotin:Gna, Nanna
Göttermutter:Frigg
Göttervater:Odin
Hauptgott:Thor, davor Odin, davor Tyr
Jagdgott:Uller
Jagdgöttin:Skadi
Jugendgöttin:Idun
Kriegsgott:Odin, davor Tyr
Liebesgöttin:Freya, Lofn
Meeresgott:Ägir, Njörd
Meeresgöttin:Ran, Wogen
Mondgott:Mani
Nachtgöttin:Nott
Rachegott:Wali, Vidar
Rachegöttin:Rind
Rechtsgott:Forseti, Tyr
Schmiedegott:Mime (bei Saxo Grammaticus), Zwerge bei Snorri
Schicksalgöttin:Urd, Skuld, Verdandi
Schönheitsgöttin:Sif, Freya
Schöpfergott:Odin, Vili, Ve
Schutzgott:Heimdall (Wächtergott), Thor
Sehergott:Heimdall
Sonnengott:Sol, Balder
Totengott:Odin
Totengöttin:Hel, Freya, Ran
Wintergott:Uller
Wintergöttin:Skadi
Weisheitsgott:Mimir, Odin
Weisheitsgöttin:Snotra
Urgott:Ymir, Audhumla, Buri

Von wem wurden die nordischen Götter verehrt?

Die nordischen Götter wurden von den Nordgermanen verehrt. Unter diesem Begriff werden germanische Stämme in Nordeuropa zusammengefasst. Allerdings wurde die Einteilung der Germanen nach Westgermanen, Ostgermanen, Südgermanen und Nordgermanen von Sprachwissenschaftlern vorgenommen.

In diesem Kontext waren die Nordgermanen alle germanischen Stämme, welche im Ostsee- und Nordseeraum lebten. Dazu gehörten die Angeln, Chauken, Friesen, Sachsen, Warnen, Jüten, Kimbern und Teutonen. Beim römischen Geschichtsschreiber Tacitus werden diese als Ingwäonen bezeichnet.

Während der Wikingerzeit wurden diese als Nordmänner, Nordmannen und deren Krieger als Wikinger bezeichnet. Als sich die Nordmänner dauerhaut im Frankenreich niederließen, entstand dort die Region Normandie (abgeleitet von Nordmannen), deren Bewohner als Normannen bezeichnet wurden. Doch die Normannen übernahmen rasch das Christentum und gaben ihre alten Götter auf.

Welche drei Ereignisse prägten das Götterbild der Wikinger und Nordgermanen?

Die drei Hauptereignisse der nordischen Mythologie sind der Schöpfungsmythos, der Wanenkrieg und Ragnarök.

Der nordische Schöpfungsmythos geht davon aus, dass die Welt aus einem Urwesen Ymir geschaffen wurde. Die ersten Götter Odin, Vili und Ve töteten den Urriesen und schufen daraus die Welt. Beschrieben wird der Schöpfungsmythos im ersten Gedicht der Poetischen Edda und in Gylfaginning.

Das zweite Großereignis ist der Wanenkrieg zwischen Asen und Wanen. Jener Wanenkrieg war ein Krieg zwischen den Asen- und Wanengöttern um die Vormachtstellung in der Welt. Eine Folge des Götterkrieges war, dass das Pantheon der Wikinger neu aufgebaut und gemischt wurde. Fortan lebten in Asgard, neben Kriegsgöttern auch Fruchtbarkeitsgötter.

In der Klassischen Mythologie sind die Titanomachie und die Gigantomachie ebenfalls zwei Götterkriege um die Vormachtstellung eines Göttergeschlechts. Doch anders als in der nordischen Mythologie, in welcher der Wanenkrieg unentschieden endet, steigen die Olympier nach der Titanomachie zu den vorherrschenden Göttern auf.

Das dritte Großereignis ist Ragnarök, welches in den Mythen als Zukunftsereignis beschrieben wird. Bei jenem Ereignis kämpfen die Götter gegen die Riesen, werden besiegt, wodurch die Götterwelt endgültig von der Menschenwelt getrennt wird. Die Götter bereiten sich deshalb akribisch auf Ragnarök vor.

Insbesondere Odin versucht den Ausgang von Ragnarök umzuwandeln, indem er einen Totenheer aus gefallenen Kriegern in Valhall erschafft. Diese Toten sollen bei der Endschlacht auf Seite der Götter stehen und die Riesen schlagen.

In der Klassischen Mythologie existieren keine Endzeitschlachten. Da die nordische Mythologie aber von Christen im 13. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben und somit schriftlich fixiert wurde, kann die christliche Vorstellung einer Apokalypse, die Endzeit und das Gottesgericht einen Einfluss gehabt haben.

Was zeichnet das nordische Götterbild aus?

Das nordische Götterbild ist geprägt von der Endzeit-Prophezeit der Seherin Völva, enthalten im Gedicht Völuspa. Demnach bereiten sich die Götter auf den Weltuntergang (Ragnarök) vor. Sie stiften Kriege unter den Menschen, um mehr gefallene Krieger nach Valhall zu führen – die dann in der Endschlacht gegen die Riesen ins Feld geführt werden sollen.

Demnach sind die Götter keine allmächtigen, unsterblichen und vollkommenen Wesen, sondern unterliegen dem Schicksal. Sie besitzen zwar Weisheit aber nicht die Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen. Sie versuchen die Weltordnung zu erhalten, obwohl sie wissen, dass diese Ordnung irgendwann untergehen wird.

Welche Göttergeschlechter unterscheidet das nordische Götterbild?

Das älteste Göttergeschlecht waren die Jötnar (Singular: Jötunn). Diese sind die Nachkommen des Urwesens Ymir. Zu den Jötnar gehören die Reifriesen (Hrimthursen), welche auch als Eisriesen bezeichnet werden und die Feuerriesen. Das Göttergeschlecht der Riesen wird allgemein als Thursen bezeichnet.

Die erste Gottheit war Buri, welchen die Urkuh Audhumbla aus einem Salzstein geleckt haben soll. Die Urkuh existierte zeitgleich zum Urriesen Ymir. Buri wird zum Stammvater der Asengötter. Denn Buris Sohn Börr zeugte mit der Riesin Bestla die ersten Götter, namens Odin, Vili und Ve. Das Brüderpaar tötete den Urriesen Ymir und erschafft aus dessen Leichenteilen die Welt.

Neben den Asen und Jötnar existierte ein weiteres Göttergeschlecht, welches als Wanen bzw. Vanir bezeichnet wird. Diese sollen noch vor den Asengöttern existiert haben. Doch anders als die kriegerischen Asen waren die Wanengötter reine Fruchtbarkeitsgottheiten.

Im Wanenkrieg kämpfen die Götter um ihre Stellung in der Welt. Der Krieg geht unentschieden aus. Und um weitere Götterkriege zu verhindern, werden Geiseln ausgetauscht. So gelangen die Wanengötter Freyja und Freyr zu den Asen. Im Gegenzug zieht Mimir von Asgard nach Wanenheim.

Wie ist das nordische Pantheon aufgebaut?

Das nordische Pantheon war vielschichtig, ähnlich wie die Götterbilder der Klassischen Mythologie. Dazu gehören die Göttergeschlechter der Asen und Wanen, die Riesen, die Zwerge, die Walküren und die Nornen. Letztere waren Schicksalsgöttinnen – die mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbunden waren.

Die Walküren waren Jungfrauen und Kinder des Zeus und der Frigg. Diese brachten die gefallenen Krieger zu Odin nach Valhall. Dort bereiteten sich die Gefallenen, welche fortan als Einherjar bezeichnet werden, auf eine mythische Endschlacht bzw. einen mythischen Weltuntergang vor. Dieser Weltuntergang wird als Ragnarök bezeichnet

Zwerge lebten unterirdisch und stellten magische Waffen und Werkzeuge her. In anderen Mythologien gab es anstelle der Zwerge die Schmiedegötter, welche als Kulturbringer auftraten.

Auch die Zwerge als Werkzeugmacher waren Kulturbringer. So stellten die Zwerge die Fessel Gleipnir her, welche den Fenriswolf (Weltenfresser) gefangen hielt. Für Thor stellten die Zwerge den Hammer Mjölnir her, mit welchem er die Riesen erschlagen kann. Das Schiff Skidbladnir, welches man zusammenfalten und in der Hosentasche transportieren konnte, wurde ebenfalls von den Zwergen hergestellt, genauso wie Sifs goldenes Haar, Odins magischer Ring Draupnir oder Freyrs goldener Eber. Für Odin stellten die Zwerge zudem den Speer Gungnir her, welcher einmal angestoßen durch nichts aufzuhalten war.

Die Riesen entsprechen den Titanen und Giganten der Klassischen Mythologie. Jene Wesen waren übergroß, besonders stark und die Nordgermanen glaubten, dass die Gebirge schlafende Riesen seien.

Aus der Vorstellung von Riesen wurden andere mythische Wesen hergeleitet, wie die Trolle – welche einem fellbedeckten übergroßen Humanoid entsprachen. Die verkleinerten Gegenstücke zu Trollen sind die Kobolde. Demnach sind Riesen versteinerte Wesen, während Trolle und Kobolde menschenähnlicher waren.

Waren die nordischen Götter unsterblich?

Die Götter lebten, laut den nordischen Mythen, ewig – waren aber nicht unsterblich. Sie konnten demnach an Verletzungen sterben. Doch durch den Verzehr der Goldenen Äpfel der Idun blieben die nordischen Götter immer jung. Demnach konnten sie ewig leben.

Ähnliche Glaubensmodelle hatten die Griechen und Römer. Laut der griechischen Mythenwelt waren auch die Olympier keineswegs unsterblich, sondern mussten Ambrosia trinken, um ewige Jugendlichkeit zu behalten. In den indischen Veden war Amrita ein Saft oder Elixier, welches das Leben verlängerte. Die iranisch-persische Mythologie erwähnt Haoma als Lebenssaft.

In der chinesischen Mythologie waren Pfirsiche als lebensspendend bekannt. Im Roman „Die Reise nach Westen“, welcher im 16. Jahrhundert zur Herrschaftszeit der Ming-Dynastie entstand, isst der Affenkönig Sun Wukong einen Pfirsich (chinesisch: Pántáo) und erlangt so das ewige Leben.

In der christlichen und jüdischen Mythologie wird der Baum des Lebens im Alten Testament (Tanach) erwähnt. Dieser Baum steht im Garten Eden, in welchem Adam und Eva leben. Dessen Früchte verleihen das ewige Leben, obwohl die Bibel keine genaue Frucht erwähnt. Dennoch steht im Garten Eden auch der Baum der Erkenntnis. Dieser trägt Äpfel als Früchte. Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis essen, erkennen sie sich selbst und werden anschließend von Gott aus dem Paradies verbannt (Sündenfall, Erbsünde).

Wer waren die wichtigsten nordischen Götter?

Eine feste Anzahl nordischer Götter gibt es nicht. Dies hat unterschiedliche Ursachen. So wurden bei den Wikingern nicht alle Götter gleichermaßen verehrt. Es gab demnach große regionale Unterschiede.

Außerdem lassen sich viele Wesen der nordischen Mythenwelt nicht eindeutig den Göttern zuordnen und werden bei manchen Autoren als Riesen und bei anderen als Gottheiten bezeichnet. Deshalb variiert die Götteranzahl zwischen zwanzig und dreißig Gottheiten. Die wichtigsten Götter waren Tyr, Odin und Thor. Alle drei wurden zeitlich unabhängig voneinander als Hauptgötter verehrt.

Balder

Balder bzw. Baldur war der Lichtgott der nordischen Mythologie. In den nordischen Mythen wird davon berichtet, dass Balder von seinem eigenen Tod träumt. Daraufhin bittet seine Mutter Frigg alle Lebewesen darum, ihrem Sohn kein Leid anzutun. Dadurch wird Balder zum unsterblichen Gott.

Nur einem jungen Mistelzweig nahm Frigg keinen Eid ab. Als die Götter den unsterblichen Balder mit Speeren bewerfen, wird Loki neidisch auf die Unsterblichkeit. Als er dann herausfindet, dass die Mistel keinen Eid ablegte, gab er den Zweig dem blinden Hödur. Dieser beschießt unwissend seinen Bruder mit dem Mistelzweig, woraufhin Balder stirbt.

Der Tod Baldurs führt zur Verbannung Lokis, zum Tod Hödurs und letztlich zum Weltenbrand Ragnarök. Baldurs Verbindung zum Totenreich entspricht den ägyptischen Mythen um Osiris. In Sumer verehrte man Dumuzi, welcher ebenfalls starb und in die Totenwelt entrückt wurde. Genau, wie Baldur und Osiris, war Dumuzi ein Sinnbild für Kreislauf von Leben und Tod bzw. Tod, Wiedergeburt und Erneuerung.

Als Licht- und Heilgott entspricht Baldur dem griechischen Apollo, dem römischen Apollon und dem keltischen Grannus.

Freyr

Freyr war eine Fruchtbarkeitsgottheit, welcher ursprünglich vom Göttergeschlecht der Wanen stammte. Doch nach dem Wanenkrieg ging er zu den Asen über.

Dieser Geiseltausch war eine Vorsichtsmaßnahme beider Seiten, um einen weiteren Götterkrieg zu verhindern. Im nordischen Pantheon war Freyr ein Frühlingsgott, ein Gott des Wohlstands und des Überflusses.

Heimdall

Heimdall gehörte zu den Asengöttern, wird aber als Sohn von neun Meeresjungfrauen erwähnt. Er gilt als Wächter von Asgard, dem Göttersitz und Bewacher der Regenbogenbrücke Bifröst. Aufgrund dieser Wächterfunktion kommt Heimdall mit wenig Schlaf aus, hat ausgezeichnete Augen und ein ausgesprochen gutes Gehör.

Hödur

Hödur war ein blinder Gott, welcher mit einem Mistelzweig-Geschoss seinen Bruder Baldur tödlich verletzte. Der gemeinsame Halbruder Wali, welchen Odin mit Rind zeugte, nahm für den Brudermord später Rache. So kommen Hödur und Baldur im Totenreich zusammen, können aus diesem entkommen und in Walhall einziehen.

Loki

Loki gilt als hinterlistiger Asengott, welcher eigentlich ein Sohn der Jötunn war. Er gilt – zusammen mit Odin – als die mannigfaltigste Götterfigur des nordischen Pantheons. Genau wie Odin mischt er sich unter die Menschen, säht dort Zwietracht und Missgunst. Aber Loki widersetzt sich auch der göttlichen Ordnung, indem er immer wieder die Asengötter austrickst. Solch gerissenen Göttergestalten, die Regeln umgehen, wären der griechische Hermes, der römische Mercurius, der Titan Prometheus oder der ägyptische Seth.

Odin

Odin bzw. Óðinn war vermutlich ursprünglich ein Skaldengott. Durch den Wodankult der Südgermanen änderte sich die Funktion des Odins im Götterbild der Nordgermanen. Allerdings sind die Hypothesen zur Wandlung Odins höchst umstritten. Dies liegt vor allem daran, dass Odin mehr als 170 Beinamen besitzt. Und die meisten dieser Beinamen zielen auf ein bestimmtes Attribut, eine konkrete Eigenschaft oder eine spezifische Funktion von Odin ab. Demnach ist seine Figur noch vielschichtiger als die Figur des Loki. Eine der bekanntesten Beinamen Odins ist Allvater.

Laut dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus, welcher im 1. Jahrhundert die Religion der germanischen Sueben beschrieb (De origine et situ Germanorum), entsprach Odin dem römischen Mercurius. Dieser war Handelsgott, Schutzgott der Reisenden oder Götterbote. Dies lässt darauf schließen, dass sich die Stellung Odins im nordischen Götterbild mehrfach wandelte.

Thor

Thor bzw. Thunaer ist der Donnergott der nordischen Mythenwelt. Seine Waffe ist der Hammer Mjölnir, den er als Schlag- aber auch als Wurfwaffe einsetzt. Er gilt als Beschützer der Asen. In dieser Rolle war er ein gefürchteter Riesentöter mit überirdischer Muskelkraft. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus entsprach Thor dem griechischen Heron Herakles.

Tyr

Tyr bzw. Teiwaz war ursprünglich der Hauptgott des nordischen Pantheons, wurde dann aber von Odin verdrängt. Er wird als einarmiger Gott beschrieben, was wohlmöglich ein Symbol seiner Herabstufung sein könne. Laut Tacitus entsprach Tyr dem römischen Kriegsgott Mars.

Gab es weibliche Göttinnen im nordischen Götterbild?

Im nordischen Götterbild gab es auch weibliche Gottheiten. Jene Göttinnen hatten ähnliche Aufgaben wie ihre männlichen Pendants. Demnach hatten Göttinnen keine Nebenrolle im Götterbild, waren teilweise sogar mit Krieg verbunden, was auf einen hohen Grad an Gleichberechtigung in der Wikingergesellschaft schließen lässt.

Frigg

Frigg war Muttergöttin, Ehefrau von Odin, Göttin der Ehe, Geburtsgöttin und Schutzgöttin der Familie. In dieser Rolle entspricht sie der griechischen Hera, der ägyptischen Isis oder der römischen Juno.

Freyja

Freyja war Zwillingsschwester von Freyr. Demnach gehörte sie ursprünglich ebenfalls zum Göttergeschlecht der Wanen, wechselte nach dem Wanenkrieg aber ins Lager der Asengötter.

Genauso wie ihr Bruder gehörte Freyja ursprünglich zu den Fruchtbarkeitsgöttern, wurde aber später auch als Totengöttin verehrt. In der Doppelfunktion einer Fruchtbarkeits- und Totengöttin entspricht Freyja der griechischen Persephone oder der römischen Proserpina.

Hel

Hel war die Totengöttin im nordischen Pantheon. Sie war eine Tochter des Loki und der Riesin Angrboda. Zusammen mit ihrem Vater und ihren Geschwistern (Fenrir, Jörmungandr) spielt Hel eine wichtige Rolle beim Ragnarök.

In der Rolle einer Totengöttin entspricht Hel dem griechischen Hades, dem römischen Pluton oder dem ägyptischen Osiris.

Idun

Idun war Göttin der Jugend und Hüterin der goldenen Äpfel, welche den Göttern die ewige Jugend verleihen. Als Hüterin der Goldenen Äpfel entspricht sie den Hesperiden im griechischen Götterbild. Der Apfel als Symbol des Lebens wird auch in der Bibel erwähnt. Dort wächst der Baum des Lebens im Garten Eden.

Ran

Ran wird als Riesin und als Gattin des Meeresriesen Ägir erwähnt. Gemeinsame Töchter der beiden waren die Wogen. Laut den nordischen Mythen existiert am Meeresgrund ein Reich der Ran, in welches die Ertrunkenen entrückt werden.

Skadi

Skadi war Jagdgöttin und stammt ursprünglich von den Frostriesen ab. Als die Asengötter ihren Vater Thiazi töten, will sie Rache nehmen und zieht nach Asgard. Als Ausgleich bieten die Asen ihr eine Ehe mit Njörd, dem Vater von Freyr und Freyja, an.

Anders als die griechische Jagdgöttin Artemis und die römische Diana, war Skadi keine jungfräuliche Göttin. Stattdessen wird sie als Göttin des Winters und demnach als Gegenstück zum Fruchtbarkeitsgott Njörd dargestellt.

Welche Aufgaben und Funktionen haben die nordischen Götter?

Allvater

Die Prosa-Edda von Snorri Sturluson erwähnt Odin als Alfodr (Allvater). Der Beiname ist höchstwahrscheinlich christlich geprägt, da Snorri selbst Christ war.

Mit diesem Beinamen schafft Snorri eine Verbindung zwischen dem nordischen Hauptgott und dem Gott der Christen (Abrahams Gott). So ist Allvater ein Versuch von Snorri, den heidnischen Kriegsgott Odin mit dem friedensstiftenden Gott der Christen zu harmonisieren. Dadurch haben auch die Gefallenen, welche an der Seite Odins im Ragnarök starben, einen Zugang zum christlichen Himmelreich.

Dichtergott

Bragi ist Gott der Dichtkunst. Er wird in den nordischen Mythen auch als Schutzgott der Skalden erwähnt. Wohlmöglich entstand die Figur als Vergöttlichung des Skaldensängers Bragi Boddason, welcher im 9. Jahrhundert in Norwegen lebte.

Auch Odin wird als Dichtergott erwähnt. Denn in der Edda von Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert wird der Mythos vom Skaldenmet erzählt. Diesen Met (Honigwein) haben die Zwerge hergestellt. Dann kam der Zaubertrank in den Besitz der Riesen und schließlich konnte Odin durch einen Trick das Elixier an sich reißen. Durch den Besitz des Skaldenmets wurde Odin zum Dichtergott der Asen.

Donnergott

Donnergott der Wikinger war Thor bzw. Þórr. Wohlmöglich war dessen Funktion ursprünglich die eines Wettergottes, eines Fruchtbarkeits- und Vegetationsgottes.

Eine weitere Funktion könnte der Herrscher über den Himmel gewesen sein, wodurch Thor mit Zeus und Jupiter gleichgesetzt werden könnte. Alle drei beherrschten den Blitz als Waffe.

Thors Blitze waren verknüpft mit Hammer Mjölnir, welcher von den Zwergen Brokkr und Sindri hergestellt wurde. In anderen Mythologien waren Baal (ugaritische Mythologie) oder Adad (babylonische Mythologie) ebenfalls Donnergötter, welche zu Hauptgöttern wurden.

Erdgöttin

Die Erdgöttin der nordischen Mythologie war Jörd. In vielen Mythologien wird die Erdgöttin mit der Mutter Erde bzw. der Großen Mutter (Magna Mater) identifiziert. Jene Göttinnen gelten in diesen Mythologien als Schöpfergöttinnen, welche mit einem himmlischen Vater die Welt erschufen. In der nordischen Mythologie übernimmt Jörd keine Rolle einer umfassenden Schöpfergottheit. Aber Jörd ist Mutter von Tuisto, dem Stammvater aller germanischen Völker.

Fruchtbarkeitsgott

Der Glaube an Götter entstand zum Zeitpunkt als die Menschheit vom Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht überging. Denn die Menschheit wurde im Zuge der Neolithischen Revolution zum ersten Mal sesshaft, schaffte Vorräte an und wurde abhängig vom Ort der Sesshaftigkeit.

Demnach brauchten die Menschen höhere Wesen, welche ihnen dabei halfen, das Wetter zu kontrollieren und Risiken der Ernte zu minimieren. Somit waren die ersten Götter in allen Mythologien entweder Wettergottheiten oder Ernte- bzw. Fruchtbarkeitsgottheiten.

In der nordischen Mythologie waren die Wanengötter jene Gottheiten, welche mit Fruchtbarkeit in Verbindung standen. Dazu gehörten Njörd – der Hauptgott der Wanen und dessen Kinder Freyr und Freya.

Auch Odin und Thor waren Fruchtbarkeitsgötter. Letzterer schon deshalb, weil er Blitze und Regen kontrollieren konnte. Bei Odin wies Jacob Grimm nach, dass bei den Angelsachsen in England und bei den Bauern in Mecklenburg ein Fruchtbarkeitskult existierte, bei dem Odin bzw. Woden angerufen wurde.

Götterbote

Götterbotin der Asen war Gna, welche auf ihrem Pferd Hofvarpnir („Hufwerfer“) durch den Himmel ritt. In der klassischer Mythologie sind Gnas Entsprechungen der griechische Hermes und der römische Mercurius. Hermodr reist als Botschafter der Götter auf dem Rücken des achtbeinigen Pferdes Sleipnir ins Totenreich der Hel, um seinen Bruder Baldur zurückzufordern.

Solche Totenreisen der Götter sind in anderen Mythologien ebenfalls belegt. Die früheste Gottheit, von welcher ein Abstieg in die Totenwelt bekannt ist, war Inanna (sumerische Mythologie).

Göttermutter, Göttervater

Göttermutter der Asen war Frigg, die Gattin von Odin. Ihre Söhne waren Balder, Hermodr, Hödur und Bragi. Weitere Kinder von Odin und Frigg waren die Walküren.

Doch Odin hatte auch außereheliche Beziehungen. So zeugte der Göttervater mit der Riesin Rindr den Asengott Vali. Mit der Erdgöttin Jörd zeugte Odin den Donnergott Thor.

Neun Meeresjungfrauen werden als Mutter des Heimdall erwähnt. Diese soll Odin geschwängert haben, als diese schlafend am Strand lagen.

Außerdem werden die ersten Könige Dänemarks (Skjöldr, Skjöldunge-Dynastie), Schwedens (Yngvi, Ynglinge-Dynastie) und Norwegens (Säming) als Söhne Odins genannt. Aus der Dynastie der Skjöldunge gingen legendäre Könige wie Hrolf Kraki und Ragnar Lothbrok hervor.

Kriegsgott

Man geht davon aus, dass die Asengötter ein kriegerisches Göttergeschlecht waren. In dieser Rolle werden die Asen den friedlicheren Wanen gegenübergestellt, welche als Fruchtbarkeitsgötter identifiziert werden.

Dennoch waren die Wanen das ältere Göttergeschlecht und der Übergang von Erntegöttern zu Kriegsgöttern war üblich in sich verändernden Gesellschaften. So geht man davon aus, dass der Ursprung eines kriegerisches Götterbildes entweder durch ausländische Invasoren oder durch inländische Stammeskonflikte gelegt worden ist.

Laut der Ynglinga-Saga und der heute verlorenen Skjöldunga-Saga kam Odin aus Asien (Skythien) und eroberte Nordeuropa. Die Skythen waren ein Reitervolk aus dem Gebiet der heutigen Ukraine und den Steppen des heutigen Russlands.

Von der litauischen Archäologin Marija Gimbutas (1921–1994) stammt eine Matriarchatstheorien, wonach in der Bronzezeit patriarchal geprägte Kurganvölker aus dem Osten in Europa einfielen und das Matriarchat der Jungsteinzeit beendeten. Laut Gimbutas führte die Ausbreitung der Kurgankultur zu Indogermanisierung Europas.

In der nordischen Mythologie war Tyr der Kriegsgott, welcher später von Odin verdrängt wurde. Laut den nordischen Mythen soll Tyr seinen Arm verloren haben, als er diesen ins Maul des Fenriswolfes steckte. Der noch friedfertige Fenriswolf wurde von den Asen in magische Ketten (Gleipnir) gelegt, forderte aber einen Pfand für die Anlegung. Deshalb steckte Tyr – als Vertrauensbeweis – seine Hand ins Maul des Wolfes. Nachdem die Asen die Ketten nicht mehr ablegen wollte, riss der Wolf den Arm des Kriegsgottes ab. Nach der Verkrüppelung wurde Odin der Kriegsgott der Asen.

Sonnengott

Sonnengott der nordischen Mythologie war Sol. Laut den nordischen Mythen soll Sol jeden Morgen über den Himmel gestreift sein und wurde dabei vom Wolf Skalli verfolgt.

Im Gedicht Völuspa wird ein Dialog zwischen Odin und der untoten Völva (Seherin) geschildert. Diese sagt den Weltuntergang (Ragnarök) voraus. Zum Ragnarök soll die Weltenesche Yggdrasil verwelken und Skalli soll die Sonne (Sol) fressen. Danach zieht Loki mit seinen Riesenkindern (Midgardschlange, Fenriswolf, Heer der Hel) gegen die Götter in den Krieg.

Totengott

In der nordischen Mythologie existieren mindestens vier Totenreiche. Im Reich der Ran werden die ertrunkenen Seefahrer entrückt. Das Reich der Hel ist das Totenreich für alle Alten und Schwachen, welche an Altersschwäche oder Krankheiten starben.

Das Totenreich für die gefallenen Krieger war zweigeteilt. Die eine Hälfte der Toten werden von den Walküren nach Valhall entrückt, wo Odin lebt. Dort sitzt der Göttervater mit den gefallenen Kriegern (Einherjar) an einer langen Tafel und speist jeden Abend. Tagsüber bereiteten sich die Krieger auf Ragnarök vor, indem sie trainieren und gegeneinander bis zum Tod kämpfen, um danach wieder aufzustehen.

Das zweite Totenreich der Gefallenen war das Reich der Freya (Folkwang). Laut Mythos soll Freya das Brisingamen von den Zwergen erhalten haben. Als Gegenleistung soll sie mit denen geschlafen haben. Und als Odin davon erfuhr, zwang er sie dazu, in der Menschenwelt für Krieg zu sorgen.

Weisheitsgott

Odin wird als einäugiger Gott dargestellt, welcher sein Auge für Weisheit hergab. Am Baum Yggdrasil soll Odin zudem neun Tage gehangen haben, um das Geheimnis der Runen zu erfahren.

Der ursprüngliche Weisheitsgott der Asen war Mimir, welcher beim Geiselaustausch nach dem Wanenkrieg zu den Wanen ging. Diese wollten aber einen Kriegsgott, da sie kluge Götter genug hatten und köpften Mimir.

Aber Odin kannte den Wert von Mimir. Deshalb nahm er dessen Kopf, balsamierte diesen mit Kräutern und schütze ihn so vor der Verwesung. Fortan diente der Kopf des Mimir den Asengöttern als Ratgeber.

Wie entstand die nordische Götterwelt?

Die nordische Mythen- und Götterwelt entstand lange vor der eigentlichen Wikingerzeit. Der Sonnenwagen von Trundholm entstand zur Bronzezeit um 1400 v. Chr.. Die Skulptur zeigt eine Pferdefigur, welche eine Sonnenscheibe zieht.

Zwischen 500 v. Chr. und dem Frühmittelalter entwickelte sich bei den Germanen eine gemeinsame Götterwelt. Der schwedische Archäologe Bernhard Salin schlug die These vor, dass die Runen während der Eisenzeit aus Südosteuropa eingeführt wurden. Andere Historiker argumentieren, dass die Runen erst zur Völkerwanderungszeit in die germanische Kultur einflossen.

Warum gab es keine einheitliche Götterwelt der Wikinger?

Eindeutig ist sich die Forschung darüber, dass die nordische Götterwelt niemals einheitlich war. Stattdessen wurde der Götterkult regional unterschiedlich ausgelebt. Denn die Germanen und Wikinger entwickelten in der Antike keine Form von Staatlichkeit in Form von Stadtstaaten.

So gab es bspw. in Griechenland die Polis, die Römer entwickelten aus dem römischen Königreich einen Flächenstaat mit einer Republik als Staatsform. Und in Mesopotamien entstanden zur Bronzezeit die sumerischen Stadtstaaten als erste Form der Staatlichkeit.

Und jene frühstaatlichen Strukturen mussten eine riesige Menschenmenge unter einer gemeinsamen Identität vereinen, weshalb Mythologien und Religionen immer auch gesellschaftliche Funktionen hatten. Durch das Vorgehen der Götter wurde eine Wertvorstellung, ein Rechtskatalog und ähnliches abgeleitet – was für ein zivilisiertes Zusammenleben unabkömmlich war.

Bei den Nordgermanen war dies anders. Diese Gesellschaften beschränkten sich auf Stämme und Clans mit Häuptlingsstrukturen. In solchen Gemeinschaften lebten weniger Menschen zusammen, weshalb die Gesellschaften weniger komplex waren und eine staatlich gelenkte Kulturideologie oder Religion unnötig blieb.

Demnach formte sich über das Götterbild der Wikinger und Nordgermanen auch lange keine gemeinsame Identität. Man konnte anhand der Götter und deren Handeln keinen verbindlichen Werte- und Moralvorstellung ableiten, welche für alle germanischen Stämme galt. Das Götterbild blieb demnach regional verschieden.

Wie veränderte sich das nordische Götterbild zur Wikingerzeit?

Die Ära zwischen 793 und 1066 n. Chr. wird in der Geschichte Europas als Wikingerzeit erwähnt. In dieser Zeit kamen die Nordmannen aus Skandinavien und eroberten bzw. plünderten weite Teile Nord- und Mitteleuropas.

Zu dieser Zeit war das Götterbild der Wikinger durchaus eindeutiger. Der Grund war, dass die Stämme der Nordgermanen sich für die Kriegszüge zusammenschlossen. Die isolierten Jarl-strukturen wurden demnach aufgebrochen, weshalb sich die Gesellschaft auf ein eindeutigeres Götterbild einigen musste. Schließlich musste man sich darauf einigen, welchem Gott man die Plünderungen und Toten opfern wollte.

Ist das nordische Götterbild eine Geschichtsdarstellung oder Mythologie?

Das nordische Pantheon wurde bis ins Mittelalter durch Skaldengesänge ausgeschmückt. Die Skalden waren Sänger, welche von Siedlung zu Siedlung zogen, um dort ihre Götterlieder vorzutragen. Demnach wurde das Götterbild bis ins Mittelalter lediglich mündlich weitergegeben und nicht schriftlich fixiert.

Die Christianisierung Skandinaviens begann bereits im 10. Jahrhundert. Laut dem sächsischen Geschichtsschreiber Widukind von Corvey ließ sich Harald Blauzahn im Jahr 960 am Poppostein taufen. Mit seiner Taufe begann die Christianisierung in Norwegen, Dänemark und Schweden – da Harald der Großkönig dieser drei Gegenden war.

Als dann im 13. Jahrhundert die Eddas niedergeschrieben wurden, war dies die erste schriftliche Fixierung der nordischen Götterwelt. Einer dieser Autoren war der Isländer Snorri Sturluson, welcher selbst ein Christ war. Seine Snorra-Edda, welche das Götterbild des Nordens erstmals schriftlich beschrieb, war demnach bereits christlich geprägt. Das Aufschreiben war demnach ein Festhalten an der Vergangenheit und ein Akt von Geschichtsdarstellung.

Das Götterbild der Griechen wurde bereits zu Beginn der Antike schriftlich fixiert. Bedeutende Autoren waren Hesiod und Homer. Durch die Verschriftlichung wurde die griechische Mythologie für die Zeit danach weitaus eindeutiger. Die Römer identifizierten die griechischen Götter mit ihren eigenen, weshalb sie auch die Fixierung des Pantheons übernehmen konnten.

Was sagt das nordische Götterbild über die Gesellschaft der Wikinger aus?

Zentrale Werte der nordischen Mythenwelt, welche von den Göttern transportiert werden, sind Tapferkeit, Mut, Kampfeswille und Ehre.

Krieg und Ehre

Als ehrbar galt derjenige, welcher sich den Willen der Götter unterordnet. Durch Ehre erhielt man sozialen Status und Anerkennung. Ein Götterwille war der Krieg und das Sterben im Krieg. Denn Odin wollte in Valhall die gefallenen Krieger für Ragnarök versammeln. Demnach waren Krieg und Kriegsfahrten etwas, wodurch Männer und Frauen gesellschaftlich aufsteigen konnten.

Rache

Ein von Ehre abgeleiteter Wert war die Rache. Auch diese Moralvorstellung wird durch die Göttermythen und Heldenlieder immer wieder aufgegriffen. Als Baldur durch den Pfeil seines Bruders Hödur stirbt, will Odin Rache für den Tod seines Sohnes nehmen. Aber er kann Hödur nicht selbst töten, da dieser ebenfalls sein Sohn ist.

Um doch Rache nehmen zu können, zeugt Odin den Wali mit der Asengöttin Rinda. Der gemeinsame Sohn wird fortan darauf vorbereitet, den Brudermord zu rächen. Letztlich tötet Wali seinen Halbbruder Hödur und befriedigt damit die Rachegelüste seines Vaters.

Gastfreundschaft

Gastfreundschaft ist ein weiterer Wert der Götter, welcher in der Gesellschaft der Wikinger ausgelebt wurde. Diese Gastfreundschaft ging so weit, dass Feinde – welche im Haus eines Gastwirtes geladen wurden – nicht getötet werden durften. In den Göttermythen wird bspw. beschrieben, dass der Meeresriese Ägir ein Gastmahl für die Götter ausrichtet.

Oder Thor und Loki reisen als Gäste des Utgardlokis ins Reich der Riesen, nehmen dort an einem Wettkampf teil und werden nicht getötet, obwohl Thor als Riesenschlächter bekannt war.

Diplomatie

Der Geiselaustausch am Ende des Wanenkrieges zeigt außerdem, dass Kriege durch Diplomatie und Geschenke gelöst werden können. Demnach war ein niemals endender Krieg kein Schicksal, sondern konnte beendet werden.

Loyalität und Schutz

Die Wikinger waren größtenteils Bauern und Viehhirten. Demnach waren Kriegsgötter für die Mehrheit der Bevölkerung auch unnütz. Stattdessen standen Loyalität, Verbundenheit und Schutz vor Invasoren im Vordergrund. Dies erklärt auch, weshalb Odin irgendwann durch Thor als Hauptgott abgelöst wurde. Denn dieser war nicht nur ein Riesenschlächter, sondern eigentlich ein Schutzgott der Asen und Menschen.

Familie und Sippe

Das Fundament der nordischen Gesellschaft war die Familie und die Abstammung. An der Spitze stand ein Familienoberhaupt oder ein Clanführer. Diese Hierarchien werden durch die Götter abgebildet, da Frigg und Odin ebenfalls die Eltern der meisten Götter waren.

Mit der Abstammung war das Erbe verknüpft. Familiengötter – wie Frigg oder Odin – transportierten die Wertvorstellung, dass ein Familienmitglied – aufgrund der Verwandtschaft – das Erbe der Eltern antreten musste. In einer Gesellschaft, welche ohne festgeschriebene Gesetze auskam, waren Familiengötter extrem wichtig, da durch sie der soziale Frieden geregelt wurde.


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