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Fruchtbarkeitsgöttin


Eine Fruchtbarkeitsgöttin ist in vielen Mythologien, Sagen und Religionen ein überirdisches Wesen (Gottheit) – welches für das Gelingen des Ackerbaus eintritt, indem es den Nährboden fruchtbar hält. Oftmals steht die Göttin der Fruchtbarkeit einer mythologischen Erdmutter bzw. Erdgöttin nah oder wird mit ihr gleichgesetzt.

In den meisten Mythologien ist die Fruchtbarkeitsgottheit weiblich. Dennoch gibt es Ausnahmen, wie in der ägyptischen Mythologie – wo Osiris, Amun oder Min als Fruchtbarkeitsgott auftritt. In der griechischen Mythologie wird Demeter als Fruchtbarkeitsgöttin genannt, welche in der römischen Mythologie als Ceres identifiziert wurde.

Bei den Sumerern und anderen Kulturen in Mesopotamien galt Dumuzi als Fruchtbarkeitsgott. Laut sumerischer Mythologie soll Dumuzi die Liebesgöttin Inanna bei einer Götterhochzeit geheiratet haben, was die Fruchtbarkeit der Felder garantierte. In traditionellen Pflanzerkulturen ist die Heilige Hochzeit und das Weltelternpaar eine zentrale Idee. Diese Vereinigung wiederholt sich jedes Jahr, wodurch Regen entsteht, was dann neues Pflanzenwachstum hervorbringt.

In vielen Mythologien wird die Fruchtbarkeitsgöttin auch als Muttergöttin verehrt. In dieser Rolle garantiert sie die Fruchtbarkeit der Frau. Sie ist dann aber auch Schutzgöttin der Frau, Geburtsgöttin und Göttin der Ehe bzw. Familie. Bei den Römern, Germanen und Kelten traten die Muttergöttinnen in einer Dreizahl (Trias) auf und wurden als Matronen dargestellt.

Da das Leben ein Kreislauf von Geburt und Tod ist, wurden in einigen polytheistischen Religionen die Fruchtbarkeitsgötter zu Totengöttern. Da die Fruchtbarkeit am Anfang jenes Kreislaufs steht, sind in vielen Mythologien die Fruchtbarkeitsgötter zugleich Schöpfergötter.

Bei den Venusfigurinen aus der Steinzeit wird vermutet, dass diese eine früheste Repräsentation einer Fruchtbarkeitsgöttin sind. Deren Aufkommen reicht bis in die Altsteinzeit zurück. Doch ob es zu dieser Zeit bereits Fruchtbarkeitsrituale zu Ehren einer Göttin oder eines Gottes gab, ist ungeklärt. Überliefert ist, dass die Menschen zu späteren Zeiten (Bronzezeit, Eisenzeit, Antike) damit begannen, Opferrituale zu praktizieren und den Nährboden mit Blut zu tränken.

Steckbrief

Fruchtbarkeitsgötter
Viele Fruchtbarkeitsgötter treten in verschiedenen Pantheons auf. Dies liegt daran, dass der Polytheismus immer dazu bereit war, fremde Gottheiten aufzunehmen. Die Römer taten dies schon Kriegsgründen vor einer Schlacht, indem sie fremde Götter anriefen und in ihre Tempel einluden (evocatio deorum = Herausrufen der Götter).
Aborigines:Anjea, Birrahgnooloo, Dilga, Julunggul, Kunapipi, Ungud, Wollunqua
ägyptisch:Amun, Bastet, Bes, Hathor, Heket, Hershef, Isis, Meskhenet, Min, Osiris, Ptah, Renenet, Sobek, Sokar, Sopedet, Tueret, Tefnut, Qadesh
akkadisch:Ama-Arhus, Ishtar, Nergal
arabisch:Al-Lat, Al-Uzza
armenisch:Ahura Mazda
Ashanti:Asase Ya
aztekisch:Tonacatecuhtli, Tonacacihuatl, Coatlicue, Cihuacoatl, Chimalman, Toci, Xipe Totec, Xochipilli, Xochiquetzal
babylonisch:Ishtar, Nergal, Tammuz
baltisch:Laima, Lakshmi, Saule
chinesisch:Nüwa, Fu Xi, Shennong, Yinglong
christlich:Phallische Heilige: Heilige Ters von Antwerpen, Kosmas und Damian, Heilige Guengalaenus, Heilige Foutin, Heilige Ägidius, Heilige Renatus, Theotókos (Gottesgebärerin)
etruskisch:Fufluns, Thesan, Turan
kanaanäisch:Astarte, Aschera, Baal, Dagan, Nikkal
keltisch:Brigid, Cernunnos, Damara, Damona, Epona, Nantosuelta, Onuava, Rosmerta
finnisch:Ägräs, Sämpsä
germanisch:Nerthus, Njörd, Freyr, Freya
griechisch:Aphaia, Aphrodite, Kybele, Demeter, Dionysos, Eileithyia, Eros, Gaia, Hera, Pan, Phanes, Priapos, Rhea, Tychon
hawaiianisch:Haumea, Kamapuaʻa, Lono
hurritisch:Astarte, Šauška, Nikkal
Inka:Mama Allpa, Mama Quilla, Mama Ocllo, Sara Mama, Pachamama
indisch:Aditi, Banka-Mundi, Bhūmi, Chandra, Lajja Gauri, Manasa, Matrikas, Parvati, Sinivali
japanisch:Kichijōten, Inari
Maya:Akna, Ixchel
nordamerikanisch:Atahensic, Kokopelli
nordisch:Freyr, Freja, Frigg, Gefion, Njörd, Wanengötter (allgemein)
ozeanisch:Makemake, Ngendi (fidschianisch), Tangaroa (auf Rarotonga), Tagroa Siria (Rotuma-Inseln)
phönizisch:Astarte, Hadad, Aschera
römisch:Bona Dea, Carmenta, Ceres, Diana, Domidicus, Domitius, Fascinus, Fecunditas, Ferionia, Flora, Inuus, Jugatinus, Juno, Liber, Libera, Lucina, Mars, Manturna, Mutuno Tutuno, Ops, Partula, Pertuda, Picumnus, Prema, Robigus, Subigus, Tellus, Ubertas, Venus, Virginiensis
samisch:Beiwe, Rana Niejta,
slawisch:Dzydzilelya, Jarilo, Kostroma, Radigost, Siebog, Siva, Svetovit, Zeme,
sumerisch:Dumuzi, Gatumdag, Inanna, Nanše, Nergal, Ningal, Ninḫursanga, Ninimma, Sharra Itu
thrakisch:Kybele
Voodoo:Ayida, Ghede
zoroastrisch:Anahita
Zulu:Mbaba Mwana Waresa

Welche Bedeutung hatten Fruchtbarkeitsgötter?

Ein Fruchtbarkeitsgott ist eine Gottheit oder Naturwesen, welchem nachgesagt wurde, dass es Naturkräfte beherrscht und demnach Wetter, Klima, Zyklen und andere Phänomene der Natur bestimmt. Die Gottheiten trugen zur Fruchtbarkeit der Menschen, des Viehs und des Ackerbodens bei.

Die gedankliche Erschaffung von Fruchtbarkeitsgöttern basiert auf einem Glaubenssystem, welches viele Götter einschließt (Polytheismus), wodurch jeder Gott eine bestimmte Stellung und Aufgabe bekam. Und da die Landwirtschaft in frühen Kulturen das Überleben der ganzen Population sicherte, erhielten diese Götter eine erhöhte Stellung innerhalb des jeweiligen Pantheons, wodurch sich Traditionen, Feste, Rituale, Bräuche und ein Großteil der menschlichen Gedankenwellt an ihnen ausrichteten.

Viele Fruchtbarkeitsgötter waren zudem Schutzgötter, welche nicht nur Kindersegen, fruchtbaren Boden bescherten, sondern auch das Vieh und das Ackerland schützen sollten. Weiter gefasst wurden sie zu Schutzgöttern der Bauern und Hirten erklärt. Durch Synkretismus (Durchmischung) der Kulturen, welche durch Expansionen und Völkerwanderungen nicht ausblieb, verloren die Götterbilder in den einzelnen Mythologien zunehmend an Schärfe und wurden durch andere Götter verdrängt oder Merkmale bzw. Aufgaben wurden vermischt.

Dadurch haben viele Fruchtbarkeitsgötter, neben der Sicherstellung von Fruchtbarkeit, oftmals eine zweite Aufgabe im jeweiligen Pantheon oder die Fruchtbarkeits- und Schutzaufgaben wurden später, aus dem gewonnenen Erfahrungen der Menschen, abgeleitet.

In vielen Religionen werden die Fruchtbarkeitsgötter oft nackt, mit üppigen Geschlechtsmerkmalen, dargestellt. Zudem besitzen diese eine besondere Ausstrahlung und verfügen über Attraktivität (Schönheit, Status).

Welche Symbolik wird mit Fruchtbarkeitsgöttern verknüpft?

Im Polytheismus sind oft die Fruchtbarkeitsgötter mit allen Lebensphasen verknüpft. Dies beinhaltet die Zeugung (Schöpfung, Besamung), die Geburt, das Leben, den Tod und die Wiedergeburt. Analog dazu symbolisieren viele Fruchtbarkeitsgötter den Jahreszeitenzyklus.

Zu den weiblichen Fruchtbarkeitssymbolen gehören breite Hüften und große Brüste. Diese Symbolik wurde schon bei den Venusfiguren der Steinzeit verwendet.

Im antiken Griechenland gehörte ein großer Penis zum männlichen Fruchtbarkeitssymbol. Solche männlichen Symbole nannte man Ithyphallos. Oftmals wurde die Nachbildung eines männlichen Penis aus Leder gefertigt und zu Phallophorie-Aufzügen der Dionysosfeste vorangetragen.

Allgemeine symbolische Fruchtbarkeitsobjekte sind der Pflanzensamen, das Ei, das Füllhorn und der Granatapfel.

Warum gilt das Füllhorn als Symbol der Fruchtbarkeitsgötter?

Das Füllhorn (lateinisch: Cornucopia) galt bei den alten Griechen als Symbol der Amaltheia (griechisch: „keras Amaltheias“ = „Horn der Amaltheia). Jene Amaltheia war eine Nymphe der griechischen Mythenwelt.

Laut dem Mythos um Zeus soll dieser mit Ziegenmilch aufgezogen wurden sein. Er trank diese Ziegenmilch aus dem Füllhorn der Nymphe Amaltheia, welche ihn auf Kreta vor Kronos versteckte. Der Titan Kronos war zwar der Vater des Zeus, hatte aber Angst davor gestürzt zu werden und deshalb bereits die Geschwister von Zeus verschlungen.

Bei den Griechen galt das Füllhorn als Symbol des Glücks, der Fruchtbarkeit, des Reichtum und Überflusses. In der griechischen Mythologie wurde das Füllhorn später auch zum Symbol der Erdmutter Gaia, der Friedensgöttin Eirene und der Schicksalsgöttin Tyche.

Die römische Mythologie übernahm das Symbol für die Glücksgöttin Fortuna und für die Frühlingsgöttin Flora.

Warum galt der Granatapfel als Symbol der Fruchtbarkeitsgötter?

In Mesopotamien, insbesondere in Assyrien, galt der Granatapfel als Symbol von Fülle und Fruchtbarkeit. Denn der Granatapfel ist dürretolerant und verträgt mäßigen Frost bis minus zwölf Grad.

Ursprünglich stammen Granatäpfel aus dem Gebiet des heutigen Iran und wurden dort vor etwa 5.000 Jahren domestiziert. Laut dem Buch der Könige (Schahnameh) des Dichters Firdausi soll der Granatapfel aus dem Blut des iranischen Helden Siyawasch entstanden sein. Im Alten Ägypten war der Granatapfel ein Symbol für Wohlstand und Ehrgeiz.

Im antiken Griechenland galt der Granatapfel als ein Attribut der Hera und wurde deshalb als Symbol der fruchtbaren Frau gesehen. In den griechischen Mythen wird außerdem erwähnt, dass Hades seinen Neuankömmlingen im Totenreich diese Frucht servierte. Essen die Toten davon, müssen sie im Totenreich verbleiben.

Demnach ist der Granatapfel die Totenfrucht, aber auch die Frucht des Wiedererwachens und des Jahreszeitenzyklus. Denn als Hades die schöne Persephone (Tochter von Zeus und Demeter) entführte, gab er ihr das Obst. Doch Persephone hatte kaum Appetit und aß deshalb nur sechs Granatapfelkerne. Dennoch reichte der Verzehr aus, dass Persephone eine bestimmte Anzahl von Monaten in der Unterwelt verbringen musste.

Aus Trauer um ihre Tochter verleiht Demeter in dieser Zeit der Erde keine Fruchtbarkeit. Demnach sind die fruchtbaren Monate (Frühling) jene Zeit, in welcher Persephone die Unterwelt verlassen darf und als Fruchtbarkeitsgöttin neben ihrer Mutter regiert. Und in den unfruchtbaren Monaten (Herbst, Winter) verweilt Persephone bei Hades als Unterweltsgöttin.

Warum sind Fruchtbarkeitsgötter manchmal männlich und manchmal weiblich?

Das Göttergeschlecht leitet sich in vielen Mythologien über real gemachte Naturerfahrungen ab. In Gebieten mit Regenfeldanbau, wie in Obermesopotamien, wurde die Ernte durch Regen erzielt. In der Vorstellung der Ackerbauern ergießt ein möglicher Himmelsvater seinen Regen über die Erdmutter, welche den Samen in ihrem Schoß trägt. Dies entspricht der biologischen Sexualität, bei dem der Mann etwas gibt und die Frau etwas nimmt, um daraus etwas gebären zu lassen.

Die Fruchtbarkeitsgottheit ist demnach etwas Weibliches, welches den Samen im Schoß der Erdmutter gedeihen lässt. Zudem sind in vielen Mythologien die Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin in einer Person verschmolzen. Jener Regenfeldanbau fand in weiten Teilen Europas und in Vorderasien statt, weshalb die Fruchtbarkeitsgötter der Griechen, Römer, Hethiter und Assyrer meist weiblich waren.

In Gebieten ohne Regenfeldanbau war man auf Bewässerungsanlagen und Fluten angewiesen. So war es bspw. in Untermesopotamien (Sumer), in Akkad, in Babylon, aber auch im Alten Ägypten. Das gebende Element ist hier nicht der Himmelsvater, sondern die Flut.

In Ägypten war es die Nilflut, welche den ertragreichen Boden garantierte. Deshalb ist Flut, verkörpert durch Osiris etwas Männliches. Genauso war es in Sumer, zwischen Euphrat und Tigris. Auch hier orientierten sich die Ackerbauern an realen Naturereignissen.

Die Flut (männlich) hat etwas Gebendes und wird mit Fruchtbarkeit assoziiert. Der Himmel nimmt am Abend die Sonne auf und gebärt diese am nächsten Tag neu. Deshalb war das Gegenstück zum Erdvater bzw. Fruchtbarkeitsgott die Himmelsmutter. Jener Flutanbau fand in Untermesopotamien und Ägypten statt, weshalb Fruchtbarkeitsgötter meist männlich waren.

Warum sind Fruchtbarkeitsgötter in Ägypten mit den Totengöttern verknüpft?

Die Verknüpfung zwischen Fruchtbarkeit und Totengöttern symbolisiert die jährliche Erneuerung bzw. den Wechsel der Jahreszeiten. Im Zentrum dieser Mythen steht der Tod und die Wiedergeburt.

Osiris ist der Fruchtbarkeitsgott der Ägypter gewesen. Er galt, neben Hapi, auch als Personifizierung des Nils und der Nilflut. Laut ägyptischen Mythen soll Osiris von seinem Bruder Seth ermordet worden sein. Danach zerstückelte der Mörder den Leichnam seines Bruders, so dass dessen Ehefrau Isis die Leichenteile zusammensuchen musste. Mit Unterstützung von Anubis und Nephthys konnte die Leiche wieder zusammengesetzt und wiederbelebt werden.

Der Tod und die Wiedergeburt wurden so zu zentralen Aspekten der ägyptischen Mythenwelt. Abgeschaut wurde dies aus real gemachten Naturerfahrungen, wie dem Wechsel der Jahreszeiten und der alljährlich einsetzenden Nilflut. Beide Ereignisse wurden mit Osiris assoziiert.

Osiris wurde so die Personifizierung der Fruchtbarkeit. Aber er wurde ganz konkret zu einem Richter über die Toten in der Unterwelt. Deshalb traten andere Fruchtbarkeitsgötter an seine Stelle, obwohl er die personifizierte Fruchtbarkeit weiterhin symbolisierte. Dadurch verschmolzen Totengott, Wiederbelebung, Jahreszeitenwechsel und Fruchtbarkeit zu einer Figur.

Im Mittleren Reich des Alten Ägyptens verschmolz Osiris mit Ptah und Sokar. Alle drei bildeten eine singuläre Einheit, wodurch der Totenkult, aber auch der Fruchtbarkeitskult auf die beiden anderen Götter abstrahlte. Außerdem verschmolz Osiris mit diversen Lokalgöttern, wie Anedjti, Chontamenti oder Sepa.

Wie wurde im antiken Griechenland der Fruchtbarkeits- und Totenkult verknüpft?

Eine ähnliche Erzählung zum ägyptischen Osiris existierte bei den Griechen in der Person der Persephone. Diese war Tochter der Demeter (Fruchtbarkeitsgöttin) und wurde von Hades ins Totenreich entführt. Dort musste sie jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Monaten verbringen. Ihre Mutter Demeter trauerte in diesen Monaten und ließ die Fruchtbarkeit auf der Erde schwinden.

Immer dann, wenn Persephone für ein paar Monate aus dem Totenreich entkam, ließ Demeter die Fruchtbarkeit zurückkehren. So wurde die Totengöttin Persephone zur Personifizierung der Fruchtbarkeit.

Bei den Römern existierte die gleiche Erzählung um Proserpina, welche als Tochter der Ceres (Fruchtbarkeitsgöttin) ebenfalls im Totenreich des Pluton entführt wurde.

In der Klassischen Mythologie werden alle griechischen Götter, welche mit Totenkult und Fruchtbarkeit identifiziert werden, als Chthonische Götter bezeichnet. Männliche Gottheiten, wie bspw. Haden, trugen den Beinamen Chthonios. Ihre weiblichen Entsprechungen trugen den Beinamen Chthonía.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Mesopotamier?

In Mesopotamien galt Dumuzi als Hirtengott, welcher nach der Agrarwende zum Vegetationsgott kultiviert wurde. Seine Ehefrau war Inanna, die bedeutendste Göttin im sumerischen Pantheon. Die Verbindung der Beiden galt als Urtyp der Götterhochzeit (Hieros gamos).

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Kanaanäer?

Im kanaanäischen Pantheon war Aschera eine Fruchtbarkeits- und Meeresgöttin. Sie war die Gattin von El, welcher wohlmöglich bei den Israeliten als ihr Gott Jahwe identifiziert wurde. Aus der Heiligen Ehe zwischen Beiden gingen siebzig Götter und Göttinnen hervor.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Phönizier?

Das phönizische Pantheon kannte Baal als Wettergott und als König der Götter. Seine Frau war Astarte, welche als Liebesgöttin und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde.

Ursprünglich waren Baal und Astarte zwei Gottheiten des Stadtstaates Ugarit im heutigen Syrien. Doch das ugaritische Pantheon verbreitete sich in der Bronzezeit im gesamten Nahen Osten und der Levante.

Laut ugaritischer Mythologie war Baals Vater ein Wettergott, namens Dagon, welcher auch als Gott der Ernte und Fruchtbarkeit verehrt wurde.

In der phönizischen Kolonie Karthago im heutigen Tunesien war Ba’al Hammon die oberste Gottheit, welcher als Vegetations- und Wettergott verehrt wurde. Von Karthago ausgehend verbreitete sich der Kult um Ba’al Hammon bis nach Malta und Sizilien.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Griechen?

Im griechischen Pantheon war Demeter die klassische Fruchtbarkeitsgöttin, welche mit Ackerbau in Verbindung gebracht wurde. Ihre Tochter Persephone war die Personifizierung dieser Fruchtbarkeit.

Immer wenn Persephone für Monate in den Hades hinabstieg, verschlechterte Demeter die Fruchtbarkeit auf Erden. In den Monaten, in welchen Persephone den Hades entkam, verbesserte Demeter die Fruchtbarkeit der Erdböden.

Dionysos war Gott des Weines, des Weinanbaus und der Weinreife. Gaia galt als personifizierte Erde und wird ebenfalls mit fruchtbarer Erde verknüpft.

Die Göttin Cybele, welche ursprünglich eine anatolische Gottheit vom Berg Ida bei Troja war, wurde als Personifizierung der wilden Natur gesehen. Die mit ihr verknüpfte Fruchtbarkeit zielte nicht auf die Agrarwirtschaft, sondern auf eine ertragreiche Jagd ab. Weitere Fruchtbarkeitsgötter des Tierreichs waren Artemis, Priapos und Pan.

Neben den Fruchtbarkeitsgötter, welche mit Nahrung verknüpft waren, kannten die Griechen noch weitere Götter der menschlichen Fruchtbarkeit und Zeugungskraft. In dieser Rolle fungierte die Liebesgöttin Aphrodite, die Urkraft Eros, die Titanide Rhea (Mutter der ersten Olympier), der Fortpflanzungsgott Phanes und Priapos (Gott der männliche Fruchtbarkeit).

Eros war einer der Urgötter der Griechen. Laut Hesiods Theogonie entstand Eros aus dem kosmologischen Chaos, genau wie seine Geschwister Gaia, Nyx (Nachtgöttin), Tartaros (Unterwelt) und Erebos (Finsternis).

Die alten Griechen glaubten, dass Sexualität und Begierden – welche in Eros personifiziert waren – die treibende Kraft im Kosmos waren. Die Götter und Menschen kämpften um Frauen gegeneinander, was zu Kriegen führte. Den Höhepunkt dieser Kriegszeiten lieferte der Trojanische Krieg um die schöne Helena, für deren Gesicht tausend Schiffe in See stachen.

Welcher Zusammenhang bestand zwischen Tempelprostitution und Fruchtbarkeit?

Zentraler Bestandteil vieler Mythenlehren war die Vereinigung zweier Urgötter, woraus die eigentlichen Götter und die Welt hervorgingen. Jene als Heilige Hochzeit bezeichnete Erzählung wurde in Sumer jährlich neu begangen, indem ein König eines sumerischen Stadtstaates mit einer Hohepriesterin der Inanna einen heiligen Geschlechtsverkehr verübte.

Diese Form der Tempelprostitution fand auch in Ägypten, Babylonien, Lydien, Numidien und auf Zypern statt.

Der Tempel beherbergte die Hohepriesterin als Personifizierung der jeweiligen Fruchtbarkeitsgöttin. Die sumerische Hohepriesterin wählte einen jungen Mann, der den Hirten Dumuziden (Gemahlin von Inanna) darstellte. Aus der sexuellen Vereinigung beider sollte Fruchtbarkeit auf Erden entstehen bzw. erhalten bleiben.

In Phönizien wurde die Heilige Prostitution dem Götterpaar Astarte und Baal gewidmet. Beide waren die phönizischen Pendants zum sumerischen Götterpaar Inanna (Ishtar) und Dumuzid. Bei den Griechen wurde die Heilige Ehe zwischen Uranos und Gaia, oder zwischen Hera und Zeus dargestellt. Ein Zentrum griechischer Tempelprostitution war Korinth.

Im Römischen Reich wurde Tempelprostitution zu Ehren von Venus und Mars oder zu Ehren von Ceres und Jupiter betrieben. Erst unter Konstantin dem Großen wurden im 4. Jahrhundert n. Chr. die Venus-Tempel geschlossen und der Ritus beendet.

Welche Bedeutung hatte die Götterhochzeit im antiken Griechenland?

Die Götterhochzeit (Hierogamie), welche bei den alten Griechen als kultische Verbindung gefeiert wurde, bezog sich ursprünglich auf die Verbindung zwischen dem Himmelsvater Uranos und der Erdmutter Gaia. Dieses Götterpaar zeugte die Titanen, welche die Vorfahren der Olympischen Götter waren.

Aber auch bei den nachfolgenden Generationen gab es die Heilige Hochzeit. Laut den griechischen Mythen vereinte sich einmal im Jahr die Göttermutter Hera mit dem Göttervater Zeus. Dieser Sexualakt fand auf der griechischen Insel Samos auf dem Berg Lygos statt. Angeblich soll Hera auf Samos unter einem Keuschbaum (Mönchspfeffer) geboren worden sein.

Nach der sexuellen Vereinigung nahm Hera ein Bad im Imbrasos und erneuerte dadurch ihre Jungfräulichkeit. Mönchspfeffer galt bei den Griechen als Symbol der keuschen Ehe. Weitere wichtige Götterhochzeiten der Griechen waren die Verbindung zwischen Hades und Persephone, Demeter Erinys und Poseidon, sowie Demeter und Iasion.

Warum war die Fruchtbarkeitsgöttin der Griechen eine Dreifachgöttin?

Ursprünglich war Demeter eine jungfräuliche Göttin. Doch dann vergewaltigte der Meeresgott Poseidon die Fruchtbarkeitsgöttin. Laut einigen Mythen wird Demeter danach als Dreifachgöttin verehrt.

Aus Wut auf Poseidon wird sie zu Demeter Erinys. Dann zieht sie sich in eine Höhle zurück und trägt schwarz. So wird sie zu Demeter Melaina.

Da die Fruchtbarkeit in dieser schwarzen Trauerphase fehlte, kam es zu einer großen Hungersnot in Griechenland. Dies rückte Demeter in die Gruppe der Chthonischen Götter (Chthonia Thea). Doch dann wusch sich Demeter ihren Zorn im Fluss Ladon weg und wurde zu Demeter Louisia (gebadete Demeter).

Der Mythos von der Vergewaltigung und der Abstieg Persephone in die Unterwelt verschmolzen hier. Beide gelten als Ursache der Hungersnöte und Ernteausfälle.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Römer?

Die Römer identifizierten ihre Götter mit den griechischen. Den Kult und die Mythen übernahmen sie ebenfalls von den Griechen. Die römische Göttin der Fruchtbarkeit war Ceres. Diese entsprach der griechischen Demeter. Die römische Erdmutter war Tellus, welcher der griechischen Gaia entsprach. Als Tochter von Ceres identifizierten die Römer die Proserpina, welche ebenfalls ins Totenreich (Pluton) entführt wurde.

Die griechische Cybele wurde bei den Römern mit gleichen Namen übernommen. Auch die griechische Jagdgöttin Artemis entsprach der römischen Diana. Den griechischen Weingott Dionysos identifizierten die Römer als ihren Gott Liber. Dieser übernahm Attribute des Priapos, der bei den Griechen für die männliche Fruchtbarkeit identifiziert wurde. Die griechische Liebesgöttin Aphrodite entsprach der römischen Venus.

Außerdem hatten die Römer einen Wohlstandsgott Ubertas, welcher ideal zum Römischen Staatswesen und zur Ideologie der Pax Romana passte. Das römische Pantheon kannte zudem ebenfalls zwölf Hauptgötter, welche den griechischen Olympiern entsprachen. Diese wurden bei den Römern als Dei consentes zusammengefasst.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Wikinger und Germanen?

Die nordischen Mythologie kennt zwei Göttergeschlechter, die Asen und die Wanen. Letztere waren Fruchtbarkeitsgötter und erstere waren kriegerischer Natur.

Nach einem Götterkrieg zwischen Asen und Wanen wurden Geiseln ausgetauscht. So kamen die Wanengötter Njörd, Freyr und Freya zu den Asen. Alle drei wurden als Fruchtbarkeitsgötter verehrt. Eine weitere Gottheit im germanischen Pantheon war Nerthus, die als Personifizierung der Erde auftrat. Bei Tacitus wurde Nerthus mit der römischen Tellus (Terra Mater) identifiziert.

Frigg war die Muttergöttin der Wikinger und Germanen. Sie war die Gemahlin von Odin, demnach auch Göttermutter der Asen und für den Schutz der Frauen, des Lebens und der Familie zuständig. Eine Dienerin der Frigg war Gefion, die Schutzgöttin der Jungfrauen. Auch diese wird mit Fruchtbarkeit assoziiert.

Der Riesenschlächter Thor wird in einigen Mythen ebenfalls als Fruchtbarkeitsgott dargestellt. Sein Hammer war der Mjölnir, welcher eigentlich zum Riesenschlachten gedacht war, aber auch für Fruchtbarkeitszwecke gebraucht wurde. Im nordischen Götterbild war Thor ein Donnergott, welcher neben Blitz und Donner, auch Regen brachte.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Kelten?

Cernunnos war im keltischen Pantheon der Hauptgott und wurde mit Fruchtbarkeit assoziiert. In Gallien, Spanien und Norditalien wurden Hinweise darauf gefunden, dass Cernunnos mit Hirschgeweih dargestellt wurde. Sein Name bedeutet daher „der Gehörnte“.

Eine weitere Fruchtbarkeitsgottheit der Kelten war Epona. Diese identifizierten die Römer als Pferdegöttin. Bei den Kelten galt sie als Göttermutter. Während des Gallischen Krieges wurde Epona zur Kriegsgöttin der Römer. Dieses Verfahren fremde Götter anzurufen und ins römische Pantheon zu integrieren, war gängige Praxis. Die Römer bezeichneten dies als evocatio.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Azteken, Maya und Inka?

Im aztekischen Pantheon war Xipe Totec ein Vegetationsgott, Frühlingsgott, Gott der aufkeimenden Saat und Ernte. Außerdem personifizierte er den Kampf der Natur.

Zwei weitere Fruchtbarkeitsgötter waren Tonacatecuhtli und seine Frau Tonacacihuatl. Ersterer teilte die Welt in Ozeane und Land ein. Seine Frau vertrat dieses göttliche Prinzip.

Coatlicue galt als Göttermutter und wurde auch als Erdmutter verehrt. Die Maisgottheit der Azteken war Cinteotl. Als Göttin des Salzes wurde Huixtocihuatl ebenfalls als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt.

Das Götterbild der Inka kannte die Erdgöttin Pachamama, die Kartoffelgöttin Axomamma, den Wettergott Apu Illapa, die Fruchtbarkeitsgöttin Mama Allpa mit einer Vielzahl von Brüsten, den Überflussgott Pirwa oder den Regengott Qun.

Ixchel war eine Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin der Maya. Im Maya-Pantheon war sie die Ehefrau von Itzamna, dem höchsten Schöpfergott der postklassischen Maya-Mythologie. Sie trat als Jaguargöttin auf. Eine weitere Fruchtbarkeitsgöttin der Maya war Akna, welche mit Mutterschaft und Geburt assoziiert wurde.

Welche Fruchtbarkeitsgötter hatten die Ureinwohner Nordamerikas?

Kokopelli war ein Wesen, welches bei den Ureinwohnern im Südwesten der heutigen USA als Fruchtbarkeitsgottheit identifiziert worden sein könnte. Felsbilder von Kokopelli zeigen die Gottheit mit ausgeprägten Phallus, einem Buckel und als Flötenspieler.

Bei den Irokesen galt Atahensic als Fruchtbarkeitsgöttin, welche auch als Himmelsfrau erwähnt wird. Sie wurde mit Ehe, Geburten und weiblichen Angelegenheiten in Verbindung gebracht.

Gab es im Christentum ebenfalls Fruchtbarkeitsgötter?

Das Christentum kennt keine Vielgötterei, sondern nur einen absoluten Gott. Dennoch überlebten polytheistische Aspekte auch im monotheistischen Christentum. Und diese Aspekte treten als Heilige oder Schutzpatrone auf.

Die Phallischen Heiligen sind eine Gruppe von Heiligen, welche ausdrücklich wegen ihrer Rolle als Fruchtbarkeitsaktivatoren angerufen werden.

Einer dieser Heiligen ist der heilige Ägidius, welcher im 7. und 8. Jahrhundert in Südfrankreich lebte. Er gilt u.A. als Schutzpatron der stillenden Mütter, wird aber auch bei Dürre und bei menschlicher Unfruchtbarkeit angerufen.

Weitere Heilige der Phallischen Gruppe sind der Heilige Ters von Antwerpen, Kosmas und Damian, der Heilige Guengalaenus, die Heilige Foutin oder der Heilige Renatus.

Sind Venusfigurinen die Darstellung steinzeitlicher Fruchtbarkeitsgöttinnen?

Von einigen Forschern wird angenommen, dass die Venusfigurinen ein Symbol menschlicher Fruchtbarkeit gewesen sein könnte. Dafür sprechen die großen Brüste und breiten Hüften.

Dass die Figuren ein Symbol für fruchtbare Äcker gewesen sein sollen, kann ausgeschlossen werden. Denn die Landwirtschaft wurde erst viel später erfunden. Der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht fand in der Jungsteinzeit statt und die Anbetung einer landwirtschaftlichen Fruchtbarkeitsgöttin in der Alt- und Mittelsteinzeit ergibt keinen Sinn.

Anzunehmen ist auch, dass die Figuren einen Begehren darstellten – wonach ein voller Bauch und Fettleibigkeit der Wunschzustand des Künstlers gewesen sein könnte. Außerdem wird darüber diskutiert, dass die Frauenstatuetten einen Einblick in die Urgesellschaft geben, welche möglicherweise matriarchalisch geprägt war.


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