Abrahamitische Religionen
Die abrahamitischen Religionen – auch als Abrahamsreligionen oder abrahamische Religionen bezeichnet – sind das Judentum, das Christentum, der Islam, das Bahaitum und der Samaritismus.
Alle genannten Religionen gehören zum Monotheismus, weshalb man diese auch als abrahamitischen Monotheismus zusammenfasst. Der Name rührt daher, dass sich alle genannten Religionen auf Abraham als ihren Stammvater berufen. Demnach haben diese Religionen die gleiche Ursprungsgeschichte und zwar das Bündnis zwischen Abraham und Gott.
Das Gegenstück zum abrahamischen Monotheismus ist der nicht-abrahamitische Monotheismus zu dem der Zoroastrismus, der Sikhismus und teilweise der Hinduismus gehört.
Die abrahamitischen Religionen sind Offenbarungsreligionen, wonach sich Gott einem Propheten offenbart hat. Dieser erhielt die Botschaft Gottes und sollte diese verkünden. Das Christentum und der Islam haben die Offenbarung so verstanden, dass es Gottes Wille sei – seine Botschaft zu verbreiten. Deshalb begangen bereits in der Antike christliche Anhänger damit, Ungläubige zu missionieren.
Im Frühmittelalter setzte die Missionierung auch im Islam ein. Beide Religionen gehören deshalb zu den Verkündungsreligionen. Während der Islamischen Expansion wurde Nordafrika, Zentralasien und der Nahe Osten islamisiert.
Das Judentum war immer höchst exklusiv gehalten, da Gott mit dem Volk der Israeliten einen Bund einging – weshalb sie sich als das Auserwählte Volk verstehen. Die Expansion und Missionierung fand deshalb im Judentum niemals statt. Dennoch gehören Christentum, Islam und Judentum seit dem Frühmittelalter zu den Weltreligionen.
Das Bahaitum entstand erst im 19. Jahrhundert, fand aber weltweit Anhänger und wird heute ebenfalls als Weltreligion gewertet. Der Samaritanismus hat etwa 1.000 Anhänger, sieht sich als Bewahrer der ursprünglich israelitischen Religion und ist keine Weltreligion.
Steckbrief
| Bedeutung: | Religionen, welche sich auf den Bund zwischen Abraham und Gott berufen |
| Zuordnung: | Theismus, monotheistisch |
| Religionen: | Judentum, Samaritismus, Christentum, Islam, Bahaitum |
| Propheten: | Moses (Judentum, Samaritismus), Jesus Christus (Christentum), Mohammed (Islam), Bahāʾullāh (Bahaitum) |
| Heilige Schrift: | Tanach (Judentum), Pentateuch (Samaritismus), Bibel (Christentum), Koran (Islam), Aqdas (Bahaitum) |
| Aufnahmeritus: | Beschneidung (Judentum, Samaritanismus, teilweise im Islam), Taufe (Christentum) |
Warum wird Abraham als Stammvater dieser Religionen bezeichnet?
Abraham ging einen Bund mit Gott ein, auf welchen sich alle abrahamitischen Religionen berufen.
Abraham kam eigentlich aus Ur in Mesopotamien im heutigen Irak. Zusammen mit seinem Vater Terach zog Abraham nach Harran in der heutigen Türkei. Nachdem sein Vater starb, wird Abraham von Gott berufen. Dieser fordert ihn auf, in ein Land zu ziehen, welches er ihm zeigen wird. Im Gegenzug wird Abraham viele Nachkommen haben und er wird zum Segen für alle Völker werden.
Abraham folgt den Anweisung und zieht nach Kanaan im heutigen Westjordanland. Fortan besteht ein Bund zwischen Abraham und Gott. Letztere macht seinem Schützling immer wieder Versprechen. Und im Gegenzug zahlt es Abraham mit bedingungslosen Gehorsam und Treue zu Gott zurück.
Dieser Bund geht dann auf Abrahams Nachkommen über. Seine Söhne sind Ismael und Isaak. Erstere wird Vater von zwölf Söhnen (Ismaeliten), welche zu Stammvätern der arabischen Welt werden. Deshalb wird Abraham als Stammvater oder Urheber im Islam genannt.
Abrahams zweiter Sohn Isaak bekommt einen Sohn, namens Jakob. Von Gott erhielt er den Namen Israel (1. Mose 32,29). Dieser ist Vater von zwölf Söhnen, welche als Israeliten bezeichnet werden. Aus den Israeliten ging das Volk der Juden und der Samaritaner hervor. Beide Völker nennen deshalb Abraham als ihren Stammvater. Da aber das Christentum als jüdische Splittergruppe entstand, wird auch dort Abraham als Stammvater genannt.
Für alle abrahamitischen Religionen gilt, der Ursprung ihrer Religion wurde durch das Bündnis zwischen Abraham und Gott geschlossen. Und dieser Gottesbund ging dann auf Abrahams Nachkommen weiter – aus denen dann die Religionen entstanden.
Welche Rolle spielt Moses in den abrahamitischen Religionen?
Moses erneuerte den Bund, der einst zwischen Gott und Abraham geschlossen wurde. Doch zunächst brach eine Hungersnot in Kanaan aus, weshalb Jakob bzw. Israel (Abrahams Enkel) und seine Söhne nach Ägypten auswanderten. Dort gerieten die Nachkommen der Söhne Israels in Gefangenschaft.
Einer dieser Nachkommen Levis (Sohn Jakobs) war Moses. Dieser führte die Israeliten wieder ins Verheißene Land zurück. Der Exodus (Auszug aus Ägypten) dauerte vierzig Jahre. Die Israeliten durchquerten die Wüste und auf dem Berg Sinai empfängt Moses die Tora mit den Zehn Geboten von Gott. Dort erneuert er den Bündnisvertrag zwischen dem Volk Israels und dem Gott, welcher einst Abraham auserwählt hatte.
Moses hatte das Land Kanaan nie erreicht. Er starb während des Exodus. Sein Nachfolger war Josua. Dieser wurde von Gott eingesetzt (4. Mose 27,18–23). Unter Josuas Führung beginnt die Landnahme Kanaans und die Vertreibung der dort lebenden Völker. Nach Josuas Tod beginnt die Richterzeit, in welchem die zwölf Stämme Israels sich das Land aufteilten.
Im Judentum gilt Moses als einer der bedeutendsten Propheten und war der Gesetzgeber für die Israeliten.
Das Christentum nennt ihn ebenfalls als bedeutenden Prophet und nutzt die Erzählung als Hinweis auf Jesus. So wird der Auszug aus Ägypten mit der Erlösung durch Christus gleichgesetzt. Die Episode als Moses die Israeliten durchs Meer führt – steht für die Taufe. Der Sinaibund steht für den neuen Bund mit Christus. Letztlich ist die Reise ins Gelobte Land auch eine Verheißung auf das ewige Leben und das Reich Gottes.
Im Islam wird Moses (Musa) als großer Prophet genannt. Und die Tora, welche Moses auf dem Berg Sinai erhielt, gilt als die ursprüngliche Offenbarung.
Welche Rolle spielt David in den abrahamitischen Religionen?
David schloss einen eigenen Bund mit Gott. Doch der Abrahambund war weiterhin gültig. Dieser betraf das ganze Volk. Der Davidbund legitimierte das Haus David (Dynastie) zur Herrschaft über Israel auf alle Zeit.
Mit König David stellt die Heilige Schrift einen idealisierten König heraus, welcher von Gott auserwählt wurde, zu herrschen. Und diese Herrschaftslegitimation geht – genau wie beim Abrahambund – auf Davids Nachkommen über.
David wurde der zweite König Israels nach Saul. Auf David folgte sein Sohn Salomon. Als dieser starb, kam es zur Teilung des Israelitischen Reiches. Fortan gab es Nordreich Israel und ein Südreich (Juda).
Das Nordreich wurde 722/721 v. Chr. durch die Assyrer erobert. Das Südreich Juda überstand weitere 150 Jahre und wurde 587 v. Chr. durch die Babylonier, unter Führung von Nebukadnezar II., erobert. Die israelitische Elite im Südreich wurde nach Babylon verschleppt, wodurch die Babylonische Exilzeit begann. Nach der Exilzeit veränderte sich die Vorstellung über den Gott Israels grundlegend, wodurch der staatlichen Monotheismus entstehen sollte (siehe weiter unten).
König David gilt im Judentum als idealisierter König. Bei den Israeliten entstand die Hoffnung, dass ein zukünftiger König aus dem Haus David beide Reiche wiedervereinen könne und die alte Monarchie wiederherstellen würde. Aus dieser Hoffnung entstand die Erwartung an einen zukünftigen Messias.
Im Christentum wurde Jesus als ein Nachkomme Davids dargestellt, welcher die Erwartung an den Messias erfüllt und demnach der König der Juden ist. Dadurch splitterten sich die Urchristen vom eigentlichen Judentum ab, da die Juden bis heute auf den Messias warten.
Im Islam wird David als Dāwūd bezeichnet und wird als Prophet genannt. Allerdings wird er nicht als Vorfahre eines zukünftigen Messias verstanden.
Warum zählen alle abrahamitischen Religionen zum Monotheismus?
Die abrahamitischen Religionen müssen monotheistisch sein, da Abraham ein Bund mit einem Gott einging und nicht mit mehreren. Aber die Vorstellung über Abrahams Gott war zu dieser Zeit noch nicht wie heute.
Jener Gott war einer unter vielen Göttern, wie es in polytheistischen Gesellschaften in Mesopotamien oder Kanaan üblich war. An einen Schöpfergott, welcher die Welt erschuf und die Regeln der Welt bestimmte, war noch nicht zu denken.
Dies änderte sich allmählich in den nachfolgenden Generationen, da verschiedene Propheten immer wieder mit Gott in Kontakt traten und Botschaften erhielten. Und diese Botschaften veränderten die Vorstellung der Israeliten über Gott allmählich.
Wie entstand der abrahamitische Monotheismus?
Anfangs war der Gott Abrahams einfach nur ein Bündnisgott und mit dem Volk verbunden. Es waren die Propheten Amos, Hosea, Jesaja und Micha – welche die Gottesvorstellung nachhaltig veränderten.
Bei Amos 9,7 wird beispielsweise gesagt: „Seid ihr nicht wie die Söhne der Kuschiter für mich, ihr Israeliten?“. Damit war der Gott Israels nicht nur der Bündnisgott der Israeliten, sondern auch Gott der Kuschiter. Allmählich wandelte sich das Bild vom exklusiven Bündnisgott zum Gott über alle Völker.
Nach dem babylonischen Exil entwickelte sich die Gottesvorstellung noch weiter, wodurch Abrahams Gott zu einer Schöpfergottheit wurde und den Universalanspruch des absoluten Gottes bekam. Denn das babylonische Exil war eine tiefe Vertrauenskrise der Israeliten an ihren Gott.
Die Frage stand im Raum, wenn der Gott Israels uns beschützt – wie konnten die Babylonier uns dann erobern und den Jerusalemer Tempel zerstören. Ist Marduk mächtiger als der Gott Israels oder existiert unser Gott vielleicht gar nicht?
Nach der Exilzeit mussten diese Fragen beantwortet werden. Aber die Israeliten gingen anders vor. Sie behaupteten, dass Marduk nicht mächtiger als ihr Gott war, sondern dass es Gottes Wille war, dass die Babylonier sie erobern konnten. Denn sie hatten Gottes Strafe verdient, weil sie die Gebote missachteten, immer noch andere Götter verehrten und auch sonstigen Frevel begingen.
Demnach haben sie den Abrahambund verletzt. Und die Babylonische Eroberung war nicht ein Beweis der Schwäche des israelitischen Gottes, sondern ein Beweis von dessen Stärke (2.Könige 24,20).
Außerdem konnte Gott sie strafen, indem er die Babylonier dazu brachte, sie zu erobern. Demnach waren die Babylonier bloß Instrumente ihres Gottes. Als dann der Perserkönig Kyros II. die Babylonier eroberte und so das Babylonische Exil beendete, glaubten die Israeliten – dass auch dies der Wille von Gott war. Denn scheinbar war auch Kyros ein Werkzeug Gottes.
Demnach bekam der israelitische Gott einen Universalanspruch als einziger Gott überhaupt und wurde so zum Herr der gesamten Schöpfung.
Wer ist Gott in den abrahamitischen Religionen?
Gott ist das höchste Wesen. Allgemein wird er als Herr angesprochen und ist daher männlich. Im Christentum wird angenommen, dass Jesus Christus der Sohn von Gott wäre. Demnach wird Gott von Christen auch mit Vater angesprochen.
Gott hat die Welt erschaffen und alle Geschöpfe darin. Mit der Schöpfung hat er auch die Regeln dieser Welt festgelegt, denen sie heute unterliegt. Weitere positive Eigenschaften von Gott sind Liebe, Güte und Zuneigung.
In allen abrahamitischen Religionen ist Gott das gleiche Wesen, nämlich jener Bündnisgott von Abraham, also Abrahams Gott. Denn laut monotheistischer Vorstellung existiert kein anderer Gott, weder im Christentum, noch im Islam oder im Judentum.
Im Christentum wird Gott auch als Gott bezeichnet, während das Judentum aus Ehrfurcht den Namen des Herrn nicht ausspricht. Stattdessen wird er als Adonai (mein Herr), Elohim (Gott) oder HaSchem (der Name) bezeichnet.
Der Name des israelitischen Gottes, welcher im Tanach steht, lautet JHWH. In deutschen Übersetzungen des Alten Testaments taucht JHWH ebenfalls auf oder wird durch HERR in Großbuchstaben übersetzt (2. Mose 3,15).
Im Islam wird Gott als Allah bezeichnet. Dies ist die arabische Übersetzung für Gott.
Im Christentum geht man davon aus, dass die Kluft zwischen Menschen und Gott dadurch überwunden wird, dass eine Inkarnation Gottes stattfindet. Demnach wird Gott als Dreifaltigkeit, also als Vater (Gottvater), Sohn (Gottessohn, Jesus) und als Heiliger Geist beschrieben. Diese Vorstellung wird im Judentum und Islam völlig abgelehnt. Stattdessen ist Gott im Islam eine geheimnisvolle Kraft hinter allen Aspekten des Universums.
Warum existiert ein Bilderverbot in den abrahamitischen Religionen?
In den abrahamitischen Religionen existiert ein Bilderverbot. Demnach dürfen keine Bilder von Gott gefertigt werden. Der Grund ist, dass man annimmt, dass der Mensch dazu neigen könne, sein eigenes Bild anzubeten. Und dies wäre ein Götzendienst. Folglich könnte es passieren, dass sich der Mensch einem falschen Gott (Götze) unterwerfen würde.
Insbesondere im Islam und im Judentum wird das Bilderverbot strikt eingehalten. Im Christentum existiert heute kein Bilderverbot mehr. Ausnahmen gibt es teilweise in der orthodoxen Kirche und in der assyrischen Kirche.
Welches Menschenbild besteht in den abrahamitischen Religionen?
Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Demnach ist Gott der Schöpfer und der Mensch dessen Schöpfung. Somit hat der Mensch eine untergeordnete Rolle gegenüber Gott.
Zudem besteht der Mensch aus zwei Teilen, einem physischen Körper – welcher als der Leib bezeichnet wird und einer Seele, welche als der Geist bezeichnet wird.
Lediglich das Christentum unterscheidet nochmals zwischen Seele und Geist. So umfasst die Seele sämtliche Gefühle, den Willen und den Verstand. Mit Geist wird die innere Haltung zu Gott, das Wahrnehmen von Gottes Gegenwart und die Fähigkeit, mit Gott eine Beziehung aufzubauen, verstanden.
Existiert in den abrahamitischen Religionen ein Leben nach dem Tod?
Reinkarnation wie das Samsara im Buddhismus, im Hinduismus oder im Manichäismus existiert in den abrahamitischen Religionen nicht. Statt einer Wiedergeburt gibt es das Konzept von der Auferstehung. Somit lebt das Individuum nur ein einziges Leben, welches einen klaren Anfang und ein Ende hat und nicht reinkarniert.
Aber nach dem Tod erfolgt – je nach Religion und Tradition – ein Gottesgericht, die Auferstehung und eine Entscheidung über das endgültige Schicksal des Menschen.
Im Judentum wird das kommende Reich als Olam Haba bezeichnet. Der Mensch tritt nach dem Tod vor ein Gericht. Dort wird darüber geurteilt, ob die Seele gereinigt werden muss. Die Seelen der Nichtgerechten werden ins Gehinnom verrückt. Dort werden sie gereinigt. Nach der Reinigung kommen die Seelen nach Olam Haba.
Im Christentum findet die Auferstehung im Himmelsreich bzw. im Reich Gottes statt. Gott verspricht das ewige Leben denjenigen, welche sich zu ihm und zu Jesus Christus als seinen Sohn bekennen. Das Bekenntnisritual ist im Christentum die Taufe. Und nach dem Tod wird der gläubige Mensch durch Gottes Gnade gerettet.
Falls jemand eine Sünde begangen hat, kann man seine Schuld eingestehen und Reue zeigen. Dann kann man sich immer noch Gott zuwenden und auf Vergebung hoffen. Denn Vergebung ist im Christentum ein zentraler Bestandteil.
Alle Menschen, welche sich von Gott abwenden, keine Reue zeigen und sich nicht zur Umkehr bewegen lassen, kommen nicht ins Himmelreich, sondern in die Hölle. Die Aufenthaltszeit in der Hölle wird meist als ewig angegeben. Aber der Himmel ist kein Ort über den Wolken und die Hölle kein Ort unter der Erde. Stattdessen ist der Himmel eine Gemeinschaft mit Gott und die Hölle eine endgültige Ferne zu Gott.
Im Islam wird ein Paradies (Dschanna) genannt, in welchem die Gläubigen nach ihrem Tod einkehren. Doch zunächst kommt die Auferstehung und das Gericht Allahs. Wer Gottes Willen folgt und Gutes tut, kann in die Dschanna gelangen. Das Gegenstück ist Dschahannam (Hölle).
Welche Bedeutung hat das Jüngste Gericht in den abrahamitischen Religionen?
Laut den abrahamitischen Religionen existiert eine Weltordnung. Diese Weltordnung mit Gott als Schöpfer und Lenker wurde zum Zeitpunkt der Schöpfung erschaffen. Diese Gottesschöpfung endet am Tag des Jüngsten Gerichts.
Im christlichen Verständnis soll dann eine endgültige Gerechtigkeit hergestellt werden und laut der Johannesoffenbarung 21,1 soll dann eine neue Schöpfung entstehen. Das Jüngste Gericht ist demnach mehr eine Erneuerung anstelle einer Vernichtung. Für das Christentum gibt es ein Problem mit dieser Weltordnung. Denn die Frage, warum Gott eine Welt erschaffen hat, die eine Erneuerung braucht, wurde nie endgültig geklärt.
Im Judentum existiert kein einheitliches Bild zum Jüngsten Gericht. Es gibt Vorstellungen über eine kommenden Welt (Olam HaBa) und über eine Auferstehung der Toten, doch kein einheitliches Bild darüber, wie das Ende der gegenwärtigen Weltordnung aussehen könne.
Im Islam ist der Tag des Gerichts (Yawm al-Qiyāma) ein bedeutender Glaubensbestandteil. Demnach geht die gegenwärtige Weltordnung zu Ende und Gott richtet über die Menschen. Danach folgt das endgültige Schicksal im Jenseits.
Welche Bedeutung haben Propheten in den abrahamitischen Religionen?
Propheten treten in allen abrahamitischen Religionen als Botschafter Gottes auf. Sie verkünden demnach Gottes Wille, erklären die Weltordnung nach Gottes Maßstab und geben die Richtung für die zukünftige Entwicklung der Menschheit vor. In den abrahamitischen Religionen existiert ein Streit darüber, welcher Prophet der letzte war und die endgültige Gottesfassung verkündete.
Im Christentum glaubt man, dass Jesus von Nazareth der letzte Prophet war und demnach die endgültige Gottesbotschaft empfangen habe. Demnach müsse die Welt so aufgebaut werden, wie Jesus es verkündete.
Im Islam ist Jesus zwar ein bedeutender Prophet aber nicht der letzte. Nach ihm kam der Prophet Mohammed, welcher die endgültige Gottesbotschaft erhielt und diese verkündete.
Im Judentum glaubt man, dass Moses mit der Tora die endgültige Offenbarung empfangen habe. Spätere Offenbarungen durch andere Propheten sind lediglich eine Erinnerung oder Mahnung an die Tora-Offenbarung.
Welche Bedeutung haben die Heilige Schriften in den abrahamitischen Religionen?
Die Heiligen Schriften enthalten die jeweiligen Offenbarungen in den Religionen. Sie geben demnach den Gotteswillen wieder, welche Propheten von Gott empfangen haben.
Im Judentum ist der Tanach die Heilige Schrift, welcher aus Tora, Nevi’im und Ketuvim besteht. Dabei bildet die Tora das Fundament des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel. Der Talmud gehört zwar nicht zum Tanach, ist aber eine bedeutende Schrift, welche erklärt, wie die Gesetze und Leitlinien im Tanach verstanden werden sollen.
Im Islam ist der Koran die Heilige Schrift. Dort wird die endgültige Fassung von Gottes Botschaft vermittelt, welche laut Muslime der Prophet Mohammed empfangen haben soll. Übermittelt wurde die endgültige Offenbarung durch den Erzengel Gabriel auf dem Berg Hira.
Im Christentum geht man davon aus, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Somit gilt er als Höhepunkt und Erfüllung der Offenbarung. Die Bibel gilt als Heilige Schrift, ist aber zweigeteilt.
Das Alte Testament entspricht weitestgehend dem Tanach, weshalb dieser Teil auch als Hebräische Bibel bezeichnet wird. Allerdings werden die Texte im Alten Testament so ausgelegt, dass diese mit Jesus Christus im Zusammenhang stehen und die Heilsgeschichte bestätigen.
Der zweite Teil der Bibel ist das Neue Testament, welches die Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe und die Offenbarung des Johannes enthält. Diese Schriften werden so ausgelegt, dass Jesus als Bestätigung des Messias verstanden wird.
Das Bahaitum entstand als letzte abrahamitische Religion. Laut deren Anhängern war der Prophet Bahāʾullāh (1817-1892) derjenige, welcher die endgültige Fassung der Gottesbotschaft empfangen habe. Demnach wird durch ihn die Offenbarung aller bisherigen Propheten erneuert. Die Heilige Schrift im Bahaitum ist die Aqdas (Heiligste Buch).