Schmiedegötter
Der Gott der Schmiedekunst bzw. Gott des Handwerks ist in vielen Mythologien und Religionen eine Gottheit, welcher als raffinierter und tüchtiger Architekt, Bildhauer und Schmied auftritt. Oftmals stellen die Handwerksgötter die Waffen, Schilde und Rüstungen für andere Götter her. In der Antike wurden sie als Schutzgötter der Schmiede, der Handwerker und Zimmerleute verehrt.
Die wichtigsten Schmiede- und Handwerksgötter der klassischen Mythologie sind Hephaistos, Vulcanos, Athene und Minerva. Während Hephaistos und Vulcanos auch Feuergötter sind, wurden Athene und Minerva eher als Erfinderinnen verehrt. In der ägyptischen Mythologie ist Ptah der Schutzherr über die Handwerker. Der hinduistische Gott des Handwerks ist Vishvakarman, welcher in dieser Rolle als Architekt der Welt verehrt wird.
In der theologischen Deutung war Jesus von Nazareth ein Zimmermann, also ein Handwerker durch den Gott die Welt geschaffen bzw. neu geschaffen hat.
Steckbrief
| ägyptisch: | Ptah |
| akkadisch: | Ea |
| aztekisch: | Xipe Totec (Schutzgott der Goldschmiede) |
| biblisch: | Tubal-Kain, |
| chinesisch: | Lu Ban |
| etruskisch: | Sethlans |
| griechisch: | Hephaistos, Athene, Idäische Daktylen, Kureten |
| gallisch: | Gobannus |
| finnisch: | Ilmarinen |
| hinduistisch: | Vishvakarman, Tvashtri |
| japanisch: | Kanayago |
| keltisch: | Goibniu |
| Maya: | Ixchel (verbunden mit weiblichen Handwerk) |
| nordisch: | keine Götter sondern Zwerge; Wieland der Schmied (Völundr) |
| römisch: | Vulcanus, Minerva |
| sumerisch: | Enki |
| ugaritisch: | Kothar |
Welchen Stellenwert hatte der Schmied in den Mythologien?
Der Beruf des Schmieds wird in vielen Mythologien als besonders herausgestellt. Denn die Schmiede bzw. Schmiedegötter galten als Kulturbringer.
Im germanischen Schöpfungsmythos richteten die Götter bereits vor der Erschaffung des Menschen die Schmieden ein, um Werkzeuge herzustellen. In vielen Mythen wird darüber berichtet, dass Schmiedehandwerker magische Fähigkeiten besitzen und eine Verbindung zur jenseitigen Welt herstellen.
In Texten der Phönizier und Westsemiten finden sich Hinweise auf göttliche Schmiedehandwerker. Im Alten Testament der Bibel werden der Schmied Tubal-Kain und sein Bruder Jubal als Erfinder der Musikinstrumente erwähnt. Auch bei König David wird in der Bibel eine Verbindung zur Eisenverarbeitung hergestellt.
Warum war der Schmied ein Kulturbringer?
Die Erfindung des Werkzeugs gilt als Geburtsstunde der Menschheit. Gemeint sind die Oldowan-Werkzeuge, welche vor etwa 2,5 Mio. Jahren durch Urmenschen entwickelt wurden. Alle Menschenaffen, welche dazu fähig waren, werden heute der Menschheit bzw. Gattung Homo zugeordnet. Dabei spielt das noch kleine Hirnvolumen eine untergeordnete Rolle.
So gelten Homo habilis und Homo rudolfensis als zwei Menschenarten mit geringen Gehirnvolumen. Aber die Fähigkeit echte Steinwerkzeuge herzustellen, rückte sie in die Gruppe der Menschen.
Demnach war die Entwicklung der Werkzeuge der entscheidende Schritt, um von einer biologisch evolutionären Entwicklung zu einer kulturellen Evolution überzugehen. Sämtliche anderen Fähigkeiten des Menschen – wie der aufrechte Gang oder die kognitive Evolution – kamen danach. Der Schmied als Werkzeughersteller war demnach ein Kulturbringer.
Schon in der Steinzeit entwickelten die Menschen erste Musikinstrumente, begannen mit Höhlenmalerei und stellten Kleidung her. Dies wäre ohne die Entwicklung von Werkzeugen nicht möglich gewesen. Denn erst als die Menschheit damit begann, Steinwerkzeuge einzusetzen, entwickelten sich feinmotorische Fähigkeiten in der Hand – welche in den darauffolgenden Jahrmillionen immer präziser wurden.
In der Jungsteinzeit erfand die Menschheit den Ackerbau. Fortan wurden Werkzeuge hergestellt, welche in der Landwirtschaft genutzt wurden. Dies waren der Pflug, aber auch Bewässerungsanlagen.
In der Kupferzeit entstanden erste Metallwerkzeuge und Waffen. Dies gelang, da die Menschheit damit begann, in Minen metallische Erze abzubauen. Und die Spitzhacken dafür wurden von Schmiedehandwerker gefertigt.
Welchen Stellenwert hatte der Schmied in Hochkulturen?
Während der Bronzezeit ging man dazu über, das Kupfer weiter zu härten, indem man Zinn hinzuführte. In dieser Zeit entstanden die Hochkulturen und mit ihnen der Götterglaube.
Während der Bronzezeit waren Schmiede vor allem für die Herstellung von Werkzeugen, aber auch für Waffen, Rüstungen und Schilde verantwortlich. Innerhalb der griechischen Mythologie spricht man vom Heldenzeitalter. Denn diese Zeit war geprägt durch Kriege und militärische Auseinandersetzungen.
Vom griechischen Heldenzeitalter berichtet Homer in seiner Ilias und der Odyssee. Es ist die Zeit des Trojanischen Krieges und die Zeit als die griechischen Götter noch die Geschicke der Menschen lenkten.
Doch Homer lebte zu Beginn der Antike (Archaik). Das bronzene Zeitalter mit den ersten Hochkulturen war somit längst vergangen. Dennoch überdauerten die Geschichten über Götter und Helden bis dahin und wurden von Homer erstmals im 8. Jahrhundert v. Chr. in Schriftform kondensiert.
Zur Bronzezeit war der Krieg äußerst sinnstiftend für die Menschen. In diesem Spannungsfeld konnten sich Helden bewähren, dadurch einen gewissen gesellschaftlichen Status erlangen und reich werden. Somit war der Krieg ein Aufstiegsversprechen der Bronzezeit und der Schmied ein Handwerker, welcher dies ermöglichte.
Wer war Stammvater der Schmiedehandwerker in der Bibel?
Stammvater der Schmiedehandwerker war laut Bibel ein Sohn des Lamech, namens Tubal-Kain. In dieser Wortverbindung wird Tubal als Eigenname gedeutet und der Zusatz (Kain) macht die Abstammungslinie bis zum Adamssohn Kain deutlich.
Die ersten Söhne von Adam und Eva waren Kain und Abel, wobei Kain der ältere war. Er wird in der Bibel als ein Ackerbauer erwähnt. Sein Bruder Abel war ein Viehhirte. Zwischen beiden entstand ein Wettstreit darüber, welche Opfergaben besser seien – Tieropfer oder Feldfrüchte.
Als Gott die Tieropfer von Abel bevorzugte, tötete Kain seinen jüngeren Bruder. Laut christlicher Mythologie war der Brudermord das erste Gewaltverbrechen der Menschheit. Spätere Kriege und andere menschliche Gewalt begründen sich darauf, dass Abel von Kain ermordet wurde.
Laut dem Buch Genesis war ein Nachkomme des Kain, in vierter oder fünfter Generation, der Lamech. Dieser hatte zwei Frauen und war somit der erste Polygamist in der Bibel.
Mit Ada zeugte Lamech den Jamal, den Stammvater aller Viehhirten und Erfinder der Zelte. Ebenfalls mit Ada zeugte Lamech einen Sohn namens Jubal. Dieser wurde zum Stammvater aller Musiker.
Mit seiner zweiten Frau Zilla zeugte Lamech einen Sohn namens Tubal-Kain, welcher der Stammvater aller Schmiede und Metallhandwerker war.
Welche Bedeutung hatten die Schmiedekunst in der Bibel?
Ein weiterer Sohn von Adam und Eva war Seth, welcher erst nach Abels Tod geboren wurde. Die Seth-Linie geht bis zu Noah, welcher mit seiner Frau und seinen Söhnen als einziger die göttliche Sintflut überlebte. Letztlich wurden die Söhne Noahs zu den Stammvätern sämtlicher Völker.
Noahs mittlerer Sohn war Sem. Dieser wurde zum Stammvater der Semiten. Eines dieser semitischen Völker waren die Israeliten, welche Abraham als ihren Stammvater anerkannten. Dieser hatte von Gott eine Verheißung auf Nachkommen und auf das Land Kanaan erhalten. Jenes Land befand sich in Besitz vieler kanaanäische Völker, welche ihre Abstammung auf Ham (jüngsten Sohn Noahs) zurückführten.
Im Kampf um Kanaan vertrieben die Israeliten die Kanaaniter, die Amoriter, die Hethiter, die Perisiter, die Hiwiter, die Jebusiter und die Girgaschiter. Dann folgte die Richterzeit ohne Königtum. Erst unter Saul wurde die Richterzeit beendet und die zwölf Stämme Israels endgültig vereint.
Auf König Saul folgte David. Laut Bibel war David kein Schmied, sondern Hirte. Aber in der Bibel wird ihm die Eisenverarbeitung nahegestellt. Denn während der Königszeit Davids waren die Philister die ärgsten Feinde der Israeliten. Und laut dem 1. Buch Samuel sollen die Philister alle Schmiede der Israeliten entführt haben, so dass sie die gesamte Region dominieren konnten.
Als David gegen den riesenhaften Goliath kämpfte, hatte letzterer einen Eisenspeer und David eine Steinschleuder. Erst als David das Gebiet Edom eroberte und dort die Erzvorkommen erschloss, brach das Eisenmonopol der Philister zusammen. Schließlich konnte König David die Philister besiegen und so das antike Israel bis an die südöstliche Mittelmeerküste ausdehnen.
Welche Bedeutung hatte die Schmiedekunst in der ugaritischen Mythologie?
Die ugaritische Mythologie umfasste die Mythenwelt der Hafenstadt Ugarit im heutigen Syrien. Von dort breitete sich diese Mythologie über Phönizien aus und wurde fester Bestandteil der Glaubenswelt westsemitischer Völker.
Einer der Hauptgötter der ugaritischen Mythologie war Baal, welcher seinen Bruder Yam besiegen und deshalb in dessen Palast einziehen konnte. Um den Kampf gegen Yam zu gewinnen, ließ sich Baal eine Rüstung und Waffen vom Schmied Kothar anfertigen.
Die höchste Autorität der ugaritischen Götterwelt war allerdings El. Vermutlich entwickelten die Israeliten aus El ihren Gott JHWH bzw. Jahwe. Der Name Israel endet auf El, was ebenfalls Gott bedeutet. In der Bibel wird Baal als Feind des israelitischen Gottes dargestellt und dessen Anbetung als Götzendienst abgelehnt.
In der ugaritischen Mythologie war Kothar weder Gott noch Mensch, sondern ein Zwischenwesen. Ihm wird die Erfindung der Ziegelbrennerei nachgesagt. Außerdem konnte Kothar das Silber schmelzen und nutzte Stemmeisen sowie Kupferkessel. Mit Gold und Silber konnte der Schmied diverse Möbelstücke verzieren und er verstand sich auf Zaubersprüche.
Laut Herennios Philon, einem phönikischen Geschichtsschreiber aus dem 2. Jahrhundert, war Kothar mit dem griechischen Hephaistos gleichzusetzen. Er gab seinen Namen in griechischer Sprache wieder und bezeichnete ihn als Chudar. So nennt er Chudar als Erfinder der Eisenbearbeitung, als Wahrsager und als Zauberkundiger. Weiterhin stellt er ihn mit Dichtkunst, Beschwörung und mit Musik in Verbindung.
Melito von Sardes (2. Jahrhundert) setzte den ugaritischen Kothar mit dem griechischen Kinyras gleich. Dieser war König von Zypern und erfand die Kinnor, ein Musikinstrument auf welchem der israelitische König David spielte. Somit wird die Kinnor (griechisch: Kithara) sprachlich in eine phönizische Tradition zu Kothar gestellt.
Plinius der Ältere räumt in seinem Werk (Naturalis historia) ein, dass Kothar auf Zypern den Erzabbau einführte und Geräte, wie Zange, Amboss, Hebel und Hammer erfand.
Wer galt als Erfinder der Metallverarbeitung in der griechischen Mythologie?
Eine bedeutende Göttin der griechischen Mythologie war die Göttermutter Kybele, deren Kult eigentlich aus Anatolien stammte. Doch durch Handel mit Phrygien (Kleinasien) kam es zum Kontakt und Austausch mit griechischen Stadtstaaten, weshalb die Griechen die anatolische Kybele in ihr Götterbild integrierten.
Mit der Kybele übernahmen die Griechen auch verschiedene Dämonengruppen, welche von der Muttergöttin begleitet wurden. Diese waren die Kureten, die Korybanten, Kabiren und die Idäischen Daktylen. Letzteren wurde die erste Bearbeitung des Eisens und Kupfers nachgesagt. Laut dem griechischen Geschichtsschreiber Diodor lernten die Dämonen das Metallhandwerk direkt von der Großen Mutter (Kybele).
Im griechischen Götterbild wurde Kybele mit Rhea identifiziert, welche die ersten Olympier mit Kronos gezeugt hatte. Doch Kronos hatte Angst davor, von seinem Nachwuchs gestürzt zu werden und verschlang seine Nachkommen. Nur Zeus konnte gerettet werden und wurde auf der Insel Kreta versteckt. Beschützt wurde er dort von den Kureten, ein schlagkräftiger Dämonentrupp der Rhea-Kybele.
Angeblich sollen die Kureten mit ihren Schwertern auf Schilde geschlagen haben, um das Schreien des neugeborenen Zeus zu übertönen. Entsprechend werden die Kureten bei Diodor auch als Erfinder der Waffen und Schilde angeführt.
Doch die Dämonengruppen um Kybele vollführten alle einen besonderen Waffentanz. Als Wohnsitz der Kybele wurde von Diodor der Berg Berekynthos auf Kreta angenommen. Sie galt als die Besitzerin der Erze im Berg und wurde deshalb auch als Berekynthische Mutter bezeichnet.
Die Daktylen, welche am Berg lebten und dort den Hammer in einem musikalischen Rhythmus schwangen, galten bei den Griechen als das musikalischste Volk. Laut Euripides erfanden die Korybanten das Tympanon, eine Rahmentrommel – welche die Kybele im Takt schlug.
Wer war Schmiedegott der Griechen?
Hephaistos ist Schmiedegott bei den alten Griechen gewesen. Die Menschen glaubten, dass sich seine Schmiede auf dem Berg Ätna befindet. Demnach war er auch Feuergott bzw. Vulkangott bei den Griechen. Als Hüter der Schmiedeflammen wurde er verkrüppelt, humpelnd und entstellt dargestellt.
Laut den griechischen Mythen soll Zeus oder Hera ihn vom Olymp geworfen haben, was zu seiner Entstellung führte. Als Wiedergutmachung bekam er von Zeus die schöne Aphrodite zur Frau. Doch die Liebesgöttin war mit dem entstellten Schmiedegott nicht zufrieden und betrog ihn mehrfach mit Ares, dem Kriegsgott.
Im Götterkanon der Griechen gehörte Hephaistos zu den zwölf Hauptgöttern, welche auf dem Olymp lebten und deshalb als Olympische Götter bezeichnet wurden.
Historiker nehmen an, dass Hephaistos das Spiegelbild vieler Handwerker im antiken Griechenland war. Seine Entstellung entsprach demnach dem Bild eines Schmieds zur damaligen Zeit. Denn um härtere Bronze herzustellen, gaben viele Schmiede Arsen zum Kupfer hinzu. Dies führte mitunter zu einer Arsenvergiftung, was zu Lähmungserscheinungen führte. Folglich war das mythische Bild eines behinderten Schmieds weit verbreitet.
Hephaistos fertigte für die griechischen Götter den Panzer des Diomedes an. Für König Menelaos von Sparta fertigte er einen Kraterbecher an. Für den Heros Achilles fertigte er eine Rüstung an, nachdem seine alte Rüstung an den spartanischen Prinzen Hektor verlorenging. Diese Rüstung ging nach Achilles Tod auf Odysseus über.
Laut Hesiod erschuf Hephaistos auch die Pandora aus Lehm und Feuer. Diese wurde Frau des Epimetheus. Verknüpft mit dem Schicksal der Frau war die Büchse der Pandora, deren Öffnen das Leid über die Menschen brachte. Für Hera schickte er einen goldenen Thron auf den Olymp, welcher sie fesseln sollte.
Und um seine Frau Aphrodite beim Liebesspiel mit Ares zu überführen, fertigte Hephaistos eine spezielle Bettvorrichtung an. Nachdem er das Liebespaar gefangen hatte, rief er die anderen Götter herbei – welche ins Homerische Gelächter verfielen.
Welche Handwerksgöttin hatten die Griechen?
Die zweite Gottheit der Griechen, welche mit Handwerk in Verbindung stand, war Athene. Als Athene Atrytone und Athene Ergane wurde sie bei den Handwerkern verehrt. In dieser Rolle war sie Schutzgöttin der Handwerker. Demnach galt sie als besonders fleißig und unermüdlich.
Ihr Erfindertalent wurde durch ihren Beinamen Athene Mechanitis herausgestellt. Denn angeblich soll sie dem Schiffsbauer Argos dabei geholfen haben, die Argo zu bauen. Die Argo war das Schiff der Argonauten, auf welchen Jason und seine Anhänger segelten, um das Goldene Vlies zu finden.
Wer war Schmiedegott in der römischen Mythologie?
Die Römer identifizierten die griechischen Götter mit ihren eigenen Göttern und übersetzten diese ins Lateinische (interpretatio Romana). So wurde der griechische Hephaistos als römischer Vulcanus identifiziert.
Und genauso wie Hephaistos ein Kind von Zeus und Hera war, war auch Vulcanos ein Kind von Juno und Jupiter (römischer Entsprechung von Hera und Zeus).
Selbst die Umstände seiner Geburt wurden von den Römern übernommen. So soll Vulcanos von Juno aus dem Fenster geworfen worden sein, ähnlich wie es Hera beim griechischen Hephaistos tat. Daraus ergab sich genau die gleiche Entstellung und die gleiche Verkrüppelung wie beim griechischen Pendant. Und auch Vulcanus war mit der Liebesgöttin Venus verheiratet, welche der griechischen Aphrodite entsprach.
Etwas anders war die mythische Vorstellung der Römer über Vulcanus. Denn anfangs war Vulcanus ein italisch-römischer Feuergott, welcher nur mit Vulkanen und Zerstörungskraft in Verbindung gesetzt wurde. Durch die Identifizierung mit Hephaistos erhielt Vulcanus eine schöpferische und kulturbringende Darstellung. Ob Vulcanus aus dem etruskischen Götterbild entstand, welches Sethlans als Feuergott kannte, bleibt eine Hypothese.
Wer war Handwerksgöttin bei den Römern?
Die griechische Athena setzten die Römer mit Minerva gleich. Erstere war Staatsgöttin und Schutzgöttin von Athen. Und die Athener benannten ihren Stadtstaat nach ihr.
Aber Athene war auch Schutzgöttin der griechischen Helden im Trojanischen Krieg, war Göttin der Weisheit und der strategischen Kriegsführung. Minerva war stärker mit Handwerk, Kunst und Wissen verbunden. Durch die Identifizierung der griechischen Athene mit der römischen Minerva verschmolzen beide Vorstellungen miteinander.
Wer war Gott der Schmiedekunst in der nordischen Mythologie?
In der nordischen Mythologie gibt es keine Handwerksgötter. Stattdessen werden die Rüstungen und Waffen der Götter durch Zwerge erschaffen. Eine Gestalt der germanischen Heldensagen ist Wieland der Schmied, welcher ebenfalls dazu fähig war, magische Artefakte herzustellen.
Die magischen Waffen der Asengötter wurden im Zuge einer Wette angefertigt. Zunächst schnitt Loki der Ehefrau von Thor die Haare ab. Daraufhin versprach Loki gegenüber Thor, dass er Sif neue Haare aus Gold beschaffen könne. Deshalb ging er zu den Söhnen des Zwerges Ivaldi, welche ihm das goldene Haar für Sif anfertigen sollten. Darüber hinaus fertigten sie Freyrs Schiff Skidbladnir sowie Odins Speer Gungnir an.
Anschließend wendete sich Loki an die Zwergenbrüder Brokkr und Sindr und wettete darum, dass sie keine ebenso guten Schätze herstellen könnten. Doch die Zwergenbrüder fertigten den goldenen Eber Gullinborsti für Freyr, den goldenen Ring Draupnir für Odin und Thors Hammer Mjölnir an. Da die Asen die Gaben von Brokkr und Sindr höher einschätzten, verloren Ivaldis Söhne den Wettstreit.
Freyas Halsschmuck (Brísingamen) wurde von den vier Zwergen Alfrigg, Dvalin, Grerr und Berlingr geschmiedet. Das Brísingamen verstärkte Freyas Zauberkräfte. Als Gegenleistung für diese Arbeit musste Freya mit jedem Zwerg eine Nacht verbringen. Dies erzürnte Odin, weshalb er die Liebesgöttin dazu zwang, in der Menschenwelt für Krieg zu sorgen. Die Hälfte der Gefallenen kamen zu Freya nach Folkwang, die andere Hälfte kam zu Odin nach Valhall.
Wer war Handwerksgott bei den alten Ägyptern?
Bei den Griechen wurde der ägyptische Handwerksgott Ptah mit ihrem Gott Hephaistos gleichgesetzt. Während der griechischen Zeit in Ägypten als die Ptolemäer regierten, verschmolzen Ptah und Hephaistos zu einem Schicksals- und Orakelgott.
Anders als der ursprüngliche Hephaistos war Ptah ein Schöpfergott. Laut diesem Konzept erschuf er Dinge durch seine Gedanken und Worte. Er war demnach kein Schmiedegott wie Hephaistos oder Vulcanus, sondern plante seine Schöpfungen im Herzen bzw. Verstand, um diese dann durch seine Zunge (Worte) hervorzubringen.
Außerdem kannten die alten Ägypter ein zwergenhaftes Wesen, namens Pataikos – welches im Alten Reich eng mit dem Handwerksgott Ptah verbunden war. Wohlmöglich war Pataikos ein kleinwüchsiges Wesen, welchen die alten Ägypter mit körperlich schwerer Arbeit identifizierten.
Herodot beschrieb Pataikos als eine Erscheinungsform des Ptah. Denn Kleinwüchsigkeit war im Alten Ägypten religiös-kultisch eingebunden. So war Bes eine Zwergengottheit, während Pataikos nur eine Erscheinungsform des Handwerks- und Schöpfergottes Ptah war.
Wer ist Schmiedegott in der Yoruba-Religion?
Die Yoruba-Religion erwähnt Ogun als Gott (Orisha) des Eisens und der Schmiedekunst. Darüber hinaus ist er Schutzpatron der Schmiede, der Mechaniker, Ingenieure und Soldaten. In der Voodoo-Religion ist Ogoun ein Geistwesen (Loa), welches über die Schmiede wacht.
Wer ist Schutzpatron der Handwerker im Christentum?
Zwar ist das Christentum eine monotheistische und keine polytheistische Religion, aber die Schutzgötter blieben dennoch erhalten. Und so für Christen der Heilige Josef von Nazaret (Vater Jesu) ein Schutzpatron der Handwerker, Arbeiter und der Zimmerleute.