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Homer


Homer war ein Dichter im antiken Griechenland, dem die Werke der Ilias und der Odyssee zugeschrieben werden. Er gilt als erster Dichter des Abendlandes und lebte vermutlich im 7. Jahrhundert v. Chr..

Allerdings ist ungeklärt, ob Homer tatsächlich existierte oder ob sich hinter dem Namen eine ganze Autorengruppe versteckt. Unbestritten ist die Wirkung Homers, die bis heute reicht. Schon in der Antike wurde Homer für seine Epen als Dichter schlechthin gefeiert. Allerdings gab es bereits in der Antike die ersten Debatten darüber, ob Homer wirklich ein Autor oder nur eine Berufsbezeichnung war. Die Homerische Frage wird heute noch diskutiert.

Seine bedeutendste literarische Erfindung ist der Held Odysseus, dessen Irrfahrten in der Odyssee beschrieben werden. In der Ilias, Homers früheres Werk, beschreibt er einen Auszug aus dem Trojanischen Krieg. Die großartigsten Helden dieses Epos sind Achilleus und Ajax der Große auf Seite der Griechen. Auf Seite der Trojaner sind es Hektor und Aeneas.

Bedeutend bis heute ist das von Homer beschriebene Lachen der Götter, welches als Homerische Gelächter bezeichnet wird.

Steckbrief

Homer
Marmor-Terminalbüste von Homer, British Museum in London, England; Bildnachweis: Roman Belogorodov / Shutterstock.com

Marmor-Terminalbüste von Homer

Bedeutung:Autor der Epen Ilias und Odyssee (beides Weltliteratur), Begründer der literarischen Tradition im westlichen Mittelmeerraum
Lebzeiten:vermutlich 8. Jahrhundert v. Chr.
Geburtsort:möglicherweise Athen, Pylos, Argos, Insel Ithaka, Insel Chios, Smyrna oder Kolophon in Ionien
Sterbeort:möglicherweise Insel Ios
Genre:Epos
Thema:Epische Zyklus (Trojanischer Krieg)
Sprache:Homerisches Griechisch (Literatursprache) als eine Verknüpfung des ionisch Griechischen mit Elementen aus dem Äolischen
Werke:Odyssee und Ilias (zugeschrieben); Homerika = viele antike Werke - die früher Homer zugeordnet waren
Homer Büste in Canakkale, Türkei; Bildnachweis: bubu.com / Shutterstock.com

Homer Büste in Canakkale, Türkei

Wer war Homer?

Homer gilt als erster Dichter des Abendlandes. Seine Werke legten den Grundstein für die europäische Literaturtradition. Seine bedeutendsten Werke sind die Ilias und die Odyssee.

In der Ilias beschreibt Homer den Trojanischen Krieg. Und die Odyssee handelt von der Heimfahrt des Odysseus nach dem Krieg. Sowohl der Krieg als auch die Irrfahrt des Odysseus dauerten jeweils zehn Jahre.

Ob Homer wirklich eine reale Person war, ist wissenschaftlich umstritten. Einige Forscher diskutieren darüber, dass Homer vielleicht kein Name ist – sondern ein Beruf oder ein Titel. Demnach könnte Homer die Berufsbezeichnung für einen Ependichter sein, aber auch der Titel oder Status eines herausragenden Dichters.

Was sind die homerischen Epen?

Homers Ilias und Odyssee stehen am Anfang der europäischen Literaturgeschichte. Alle Werke danach wurden von Homers Epen beeinflusst.

Aber nicht nur die Literatur wurde von Homer geprägt, sondern auch die abendländische Malerei. Wenn in der Renaissance ein Gemälde mit Zeus entstand, war das gemalte Aussehen und dargestellte Verhalten des Gottes eine Herleitung aus Homers Epen. Noch heute prägen beide Epen die Vorstellung davon, wie die griechischen Götter aussahen, deren Charakterzüge und wie sich verhielten.

Zu Zeiten Homers fand die Alphabetisierung Griechenlands statt. Nicht wenige behaupten, dass die Schrift einzig und allein für Homers Epen erfunden wurde. Diese These ist zwar nicht haltbar, zeigt aber deutlich, in welcher Größenordnung über Homers Epen gesprochen wird. Denn die Werke sind so bedeutend für die europäische Kulturgeschichte, dass man auf die Idee kommt, dass die Griechen die Schrift entwickelten – um diese Verse in Schriftzeichen zu speichern und für die Ewigkeit zu konservieren.

Homers Epen entstanden nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt. Stattdessen bewegt man sich an der Schwelle als aus mündlichen Überlieferungen – welche in verschiedenen Formen im ganzen griechischen Kulturraum verbreitet waren – eine einheitliche Schriftform entstand. Dies macht es auch so schwierig, Homer als einzigen Dichter der Ilias und der Odyssee auszumachen.

Die ursprünglichen Verse wurden von Sängern vorgetragen – welchen wir als Homer zusammenfassen. Die Verse blieben im Gedächtnis der Zuhörer, welche diese weitergaben und Neues hinzudichteten, einige Aspekte wegließen und dafür andere Verse mehr ausschmückten. Am Ende dieses Prozesses wurden diese Verse in eine schriftliche Form gegeben und fortan als Schriftwerke fixiert und konserviert.

Ilias

siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur Ilias

Die Ilias behandelt einen 51-tägigen Ausschnitt aus dem Trojanischen Krieg. Im Zentrum steht der griechische Krieger Achilles, welcher beschließt nicht mehr an den Kämpfen um Troja teilzunehmen. Denn der mykenische König Agamemnon beanspruche Achills Sklavin Briseis. Diese Schmach löst in Achill einen Zorn aus, weshalb er sich dazu entschließt, nicht weiter gegen Troja bzw. für Agamemnon zu kämpfen.

Achills Mutter ist die Meeresgöttin Thetis. Diese bittet nun Zeus darum, die Trojaner solange siegen zu lassen, bis die Griechen das Wegbleiben ihres Sohnes bitter vermissen würden. Dies geschieht auch, doch ändert es nichts an Achilles Entschluss.

Doch nachdem Achills bester Freund Patroklos vom trojanischen Prinzen und Heerführer Hektor getötet wurde, richtet sich Achills Groll gegen den Freundesmörder. Vor den Toren Trojas besiegt Achill seinen Widersacher, nahm seine Leiche in sein Lager, um diese dort zu schänden. Dies erzürnte die Götter, weshalb diese eingriffen. So wird Hektors Leiche den Hunden vorgeworfen, doch die Liebesgöttin Aphrodite hält diese fern.

Nachdem Achills Versuche, den Leichnams zu schänden, allesamt fehlschlugen – lässt er sich darauf ein, die Leiche an den trojanischen König auszuhändigen. Gegen Lösegeld bekommt König Priamos den Leichnam seines Sohnes und kehrt nach Troja zurück. Die Ilias endet mit der Verbrennung von Hektors Leichnam und der anschließenden Beisetzung seiner Gebeine im goldenen Sarg.

Kernthema der Ilias ist der Zorn des Achilleus, welcher sich zuerst gegen Agamemnon und später gegen Hektor richtet. Begleitet wird dieses Thema durch das Einmischen der Götter in den Krieg, die Kriegshandlungen an sich und das Leben der griechischen Soldaten im Lager, sowie den Alltag der Trojaner hinter der Stadtmauer.

Der Tod des Achilles, der Fall Trojas oder das Trojanische Pferd werden in der Ilias nicht beschrieben. Dies sind Themen in anderen Werken des sogenannten Epischen Zyklus, welche allerdings nicht eindeutig von Homer stammen.

Odyssee

Die Odyssee beschreibt die Irrfahrten des Odysseus. Genauso, wie die Ilias, besteht auch die Odyssee aus 24 Gesängen bzw. Kapiteln. Die ersten zwölf Kapitel beschreiben die abenteuerlichen Reisen des Odysseus, nachdem der Trojanische Krieg vorbei ist.

Odysseus ist König von Ithaka und nahm am Krieg auf Seiten der Griechen teil. Nach zehn Jahren endet der Krieg und Odysseus beginnt seine Heimreise nach Ithaka zu seiner Frau Penelope.

Die Irrfahrten dauern weitere zehn Jahre und enden mit Kapitel zwölf. Penelope, also die Frau von Odysseus, sitzt derweilen in Ithaka fest und muss sich gegen 88 Freier erwehren.

Die aufdringlichen Freier wollen Penelope heiraten und den Schatz von Ithaka beanspruchen. Doch Penelope hält sich die Freier mit einer List vom Leib. So erklärt sie, dass sie sich erst für einen Ehemann entscheiden würde, wenn sie ein Tuch zu Ende gewebt hätte. Und jede Nacht ribbelt sie den Stoff wieder auf und fängt am nächsten Tag von Neuen an.

Als Odysseus nach langer Irrfahrt und zahlreichen Abenteuern auf Ithaka landet, bringt er die 88 Freier um und gibt sich Penelope zu erkennen. Die ungebetenen Gäste müssen in den Hades wandern und die Göttin Athene verlängert die Nacht, damit Odysseus und Penelope ihr Wiedersehen ausgiebig feiern können.

Das Blutvergießen stößt bei den Göttern auf Verdruss, doch Zeus beschließt, dass die Rache des Odysseus gerecht gewesen wäre und verhängt den Frieden auf Ithaka.

Wann lebte Homer?

Allgemein werden Homers Lebzeiten zwischen der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. und der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. verordnet. Dies entspräche einem Zweitraum zwischen 750 v. Chr. und 650 v. Chr..

Allerdings existieren Quellen, wonach Homer bereits zu Zeiten des Trojanischen Krieges gelebt haben könnte. Dieser fand rund 450 Jahre früher statt und wird allgemein auf 1200 v. Chr. datiert.

Der Geschichtsschreiber Herodot schätzte, dass Homer etwa 400 Jahre vor ihm gelebt habe. Demnach würde sich die Lebenszeit Homers auf etwa 880 v. Chr. bis 830 v. Chr. verschieben.

Wo wurde Homer geboren?

Auch der Geburtsort Homers ist nicht eindeutig geklärt. Sehr viele Städte beanspruchen für sich, die Geburtsstadt des Dichters zu sein. Darunter sind Städte wie Athen, Pylos und Argos im heutigen Griechenland.

Aber auch die griechischen Inseln Chios und Ithaka beanspruchen für sich, die Geburtsheimat des Dichters zu sein. Dazu gesellen sich noch Smyrna (heutige Izmir) und Kolophon. Beide liegen in der heutigen Türkei.

Wer waren die Eltern Homers?

Auch Homers Elternhaus ist Legendenstoff. In der Suda, dem größten byzantinischen Lexikon, stand – dass Homer ein Nachkomme der Musen ist. Aus der Zeit von Kaiser Hadrian stammt eine Legende, wonach Homer der Sohn von Polykaste und Telemachos sei. Letzterer war Sohn von Odysseus, wonach Homer der Enkel des Seefahrers gewesen wäre.

Eine andere Legende besagt, dass Homer als uneheliches Kind am Fluss Meles geboren wurde. Demnach soll sein ursprünglicher Name „Melesigenes“ („Der vom Meles Herstammende“) gelautet haben.

Wiederum andere Quellen besagen, dass Homers Mutter Kreitheïs hieß. Der griechische Reiseschriftsteller Pausanias nennt Homers Mutter stattdessen Klymene. Einig sind die Quellen darüber, dass Homers Vater unbekannt bleibt.

War Homer blind und arm?

In der Antike wurde Homer oft als blinder und verarmter Wandersänger dargestellt. Frühe biografische Daten zu Homer lieferten Archilochos, Alkman, Tyrtaios und Kallinos. Und in diesen Werken wird er als blind dargestellt.

Ob Homer tatsächlich blind und arm war, ist höchst umstritten. Denn sein Werk schildert genaue Kenntnisse über die Lebensart der Aristokraten, wozu ein verarmter Barde keinen Zugang gehabt haben könnte.

Möglich ist auch, dass Homer seinen Bardengesang vor aristokratischem Publikum vortrug und deshalb längere Zeit bei ihnen wohnte. Dann könnte er durchaus Zugang zu den Gepflogenheiten der aristokratischen Oberschicht gehabt haben.

Hat Homer wirklich die Ilias und Odyssee geschrieben?

Schon in der Antike gab es die Kontroverse, dass Homer keine tatsächliche sondern nur eine fingierte Person war. Auch, dass sich hinter dem Namen Homer eine ganze Autorenschaft versteckt, anstelle von nur einer Person – wurde schon diskutiert.

Außerdem beschreibt Homer die Figur des Odysseus so lebendig, dass es für spätere Gelehrte wie eine Autobiografie wirkt. Viele Autoren sahen Dichter als Sänger ihrer eigenen Geschichten.

Doch heute wird von der Forschung der Dichter Homer entweder als ein Autor oder als eine Autorengruppe verstanden, während Odysseus als ein rein literarische Figur verstanden wird. Dennoch ist die Diskussion um die Historizität Homers keineswegs abgeschlossen und wird unter dem Begriff „Homerische Frage“ weiter erforscht.

Wie, Wann und wo starb Homer?

Auch dies ist Legende. Doch die meisten Quellen geben die Insel Ios als Sterbeort Homers an. Laut dem griechischen Reiseschriftsteller Pausanias soll Homers Mutter von Ios stammen. Die genauen Umstände seines Todes sind ungeklärt, genauso wie seine Lebzeiten und sein Todeszeitpunkt.

In der Anthologia Graeca, einer griechischen Gedichtsammlung, erinnert Alcaeus von Messene an den Tod Homers, seinen Ruhm und seine Beisetzung auf Ios.

Welche Werke werden Homer zugeschrieben?

Homer werden heute nur noch die Ilias und die Odyssee zugeschrieben. Beide Werke gehören zu den frühesten Werken der Weltliteratur. Alle anderen hier aufgeführten Werke wurden in der Antike dem Dichter Homer zugeordnet, später allerdings wieder abgesprochen.

In der Antike und im Mittelalter wurden alle Werke, welche man lose als Homers Beitrag zusammenfasste, als Homerika bezeichnet.

Homerische Hymnen

In der Antike wurden Homer durchaus mehr Werke zugeschrieben, wie bspw. die Homerischen Hymnen. Diese erinnern in ihrem Aufbau und Sprachstil stark an Homers Epen. Allerdings ist die Autorenschaft heute ungeklärt.

Kleine Ilias

Auch die „Kleine Ilias“ galt in der Antike noch als Homers Werk. Heute wird sie dem Dichter Lesches (4. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben.

Nostoi

Die Nostoi (deutsch: Heimfahrten) ergänzen den trojanischen Sagenkreis und schließen sich an die Iliu persis von Arktinos von Milet (8. Jahrhundert v. Chr.) an. Auch deren Autorenschaft gilt heute als ungewiss.

Thebais

Die Thebaïs behandelt den Sagenkreis um die griechische Stadt Theben. Erhalten ist dieses Werk nur noch in lateinischer Sprache, übersetzt von Publius Papinius Statius. Als ursprünglicher griechischer Autor werden Antimachos von Teos und Homer genannt.

Kypria

Die Kypria waren mehrere Gedichte, welche die Handlung vor dem Trojanischen Krieg ergänzen. Dieses Werk wird dem Dichter Stasinos zugeschrieben, welcher mit Homer befreundet gewesen sein könnte.

Laut einer Legende in der Variae Historiae heiratete Stasinos die Tochter von Homer, namens Arsifoni. Demnach wäre Homer der Schwiegervater von Stasinos gewesen. Als Mitgift soll Homer dem Schwiegersohn die Gedichte der Kypria überlassen haben.

Batrachomyomachía

Die Batrachomyomachía (deutsch: Froschmäusekrieg) ist ein Epyllion aus der hellenistischen Zeit. Es ist eine Parodie auf die Epen Homers, indem der Autor den Trojanischen Krieg mit Fröschen und Mäusen schildert.

Veröffentlicht wurde das Werk unter Homers Namen. Da aber der Dichter beim Erscheinen des Werks bereits mindestens 800 Jahre tot war, ist die Autorenschaft Homers unmöglich. Die Suda, ein byzantinisches Lexikon, erwähnt Pigres als Autor.

Margites

Die Margites ist ein komisches Epos, welches lange Zeit Homer zugeschrieben wurde. Zentrale Figur ist ein dummer Mann, namens Margites. Spätere Gelehrte, wie Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) und Basilius von Caesarea (4. Jahrhundert n. Chr.) schrieben die Margiten noch Homer zu. In der Suda (byzantinisches Lexikon) wird Pigres erwähnt.

Einnahme von Oechalia

Die Einnahme von Oechalia ist ein griechisches Epos, welches nur noch in Fragmenten erhalten ist. Zugeschrieben wird das Werk dem ebenfalls legendären Dichter Kreophylus von Samos.

Laut einer Legende soll Homer von Kreophylus bewirtet wurden sein. Aus Dankbarkeit soll Homer das Epos vorgetragen haben, welches Kreophylus dann niederschrieb.

Welche Biografien und Quellen existieren zu Homers Leben?

Eine bedeutende Quelle, um einen Teil der Biografie Homers zu rekonstruieren, ist die Certamen Homeri et Hesiodi (deutsch: „Der Wettstreit zwischen Homer und Hesiod“).

In diesem Werk, welches zu Zeiten Kaiser Hadrians (117-138 n. Chr.) entstand, wird ein Dichterwettkampf zwischen Homer und Hesiod beschrieben.

Ansonsten gibt es den Reisebericht des Pausanias, welcher andeutet – dass Homers Mutter von der Insel Ion stammte. Der Dichter Pindar erwähnte, dass Homer von Chios oder aus Smyrna stammte. Philochorus vermutete, dass Homers Geburtsort in Argos sei.

Spätere Autoren verordneten Homers Geburtsstätte in Athen und Pylos. Dass Homers Geburtsort auf Ithaka sein könnte, vermutete man deshalb, weil Odysseus von der Insel stammte. Einige Gelehrte der Antike sahen in der Ilias und Odyssee durchaus eine Autobiografie.

Was bedeutet homerisch Edel?

Homerisch Edel waren jene Personen, welche dem homerischen Ideal entsprachen. Jenes Idealbild einer Person wurde im antiken Griechenland als griechisches Ideal übernommen. Die Helden in Homers Epen entsprechen diesem Ideal. Sie sind mutig, mitunter waghalsig und gehen Risiken ein – handeln aber auch besonnen und tugendhaft.

Im Kampf gelten die homerischen Edlen als nur schwer besiegbar, kühn und handeln strategisch klug. Es ging ihnen um Ehre und Ruhm.

Das Ehr-Motiv ist kennzeichnend für alle Helden der homerischen Epen. In der Ilias ist es Achills Zorn, welcher die Handlung vorantreibt. Denn Agamemnon (mykenische König) beansprucht die Slavin Briseis, welche eigentlich Achilles gehört. Mit der Herausgabe seiner Sklavin entsteht eine empfundene Schmach bei Achilleus, da dessen Autorität verletzt wurde. Die Herstellung dieser Autorität, unter Berücksichtigung des eigenen Ehrverhaltens, wird zum Konflikt des Helden.

Aber die homerischen Helden können Ruhm und Ehre nicht nur auf dem Schlachtfeld gewinnen. Denn es für die Menschen auch möglich, sich durch kluge Reden auszuzeichnen und dafür ebenfalls Ruhm und Ehre zu erlangen. Auch hier steht der Ehrgewinn durch Klugheit und Redekunst im Vordergrund.

Was ist das homerische Gelächter?

Als Homerisches Gelächter wird das andauernde Lachen der Götter in Homers Epen beschrieben. Dieses Götter-Lachen wird sowohl in der Ilias als auch in der Odyssee beschrieben.

In der Odyssee kann der Gott Hephaistos seine Ehefrau Aphrodite und deren Geliebten Ares mit einem Netz einfangen, welches er alleinig dafür konstruiert hatte. Diesen Netzapparat befestigte Hephaistos ans gemeinsame Ehebett. Als Ares und Aphrodite gerade beim Liebesakt waren, schnappte die Falle zu.

Der hintergangene Ehemann wollte sich an Beiden rächen und holte die anderen olympischen Götter hinzu. Die männlichen Götter kamen hinzu und brachen in ein andauerndes Gelächter aus, welches als laut und nicht enden wollend beschrieben wird. Für die Menschen war dieses Götterlachen als Donner vernehmbar.

Unklar bleibt, ob die Götter über den nackten Ares und die nackte Aphrodite lachten, oder über den hintergangenen Ehemann.

Welche Sprache sprach bzw. schrieb Homer?

Die Literatursprache Homers wird als Homerisch Griechisch bezeichnet. Dies ist ein literarischer Dialekt aus dem Altgriechischen, der wiederum aus einer archaischen Form des Ionisch Griechischen hervorgeht. Das Ionisch Griechische wurde allerdings um Elemente des Äolisch Griechischen ergänzt.

Bedeutend ist die Sprache Homers deshalb, weil das Homerisch Griechische, also die Verschmelzung zwischen ionisch und äolisch Griechischen, zur Literatursprache einer Epoche wurde. Sämtliche Epen, auch von anderen Autoren, hielten an dem homerisch Griechischen fest – weshalb er zur Sprache der epischen Dichtung wurde. Fortan wurde homerisch auch als Episches Griechisch bezeichnet.

Aufgrundessen, dass Homer den ionischen Dialekt der griechischen Sprache verwendete, vermutete man – dass er aus Ionien stammen müsse. Die Ionier waren, neben den Aiolern, Dorern und Archaiern, ein Stamm – aus dem die Griechen hervorgingen. Ihr Stammesgebiet war ursprünglich Mittelgriechenland. Aber ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. dehnten sie sich bis nach Kleinasien aus.

Das klassische Altgriechisch war Attisch. Ionisch war der Dialekt an der Westküste Kleinasiens. Unterschiede gab es in der Lautung, Formenlehre und einzelnen Wortformen.

Welche Bedeutung hatte Homer in der Antike?

Das antike Griechenland war ein Kulturraum, bestehend aus verschiedenen Stämmen und Poleis. Die verschiedenen Völker waren teilweise verfeindet. Ein identitätsstiftendes Selbstverständnis wurde nur durch die gemeinsame Sprache, die gleichen Götter und Weltbild, aber auch durch Homers Epen erreicht. Denn die Ilias gab den Griechen eine gemeinsame Ursprungserzählung, an welcher sie festhalten konnten.

Über viele Jahrhunderte wurden in Griechenland diverse Münzen mit Homers Abbild geprägt. Da Homer als Wanderdichter tätig war, gab es unzählige Städte in Griechenland, welche sich als seine Geburts- und Wirkungsstätte behaupteten.

Die erste Übersetzung der Odyssee vom Griechischen ins Lateinische gelang Livius Andronicus im 3. Jahrhundert v. Chr.. Jenes Werk wird als Odusia bezeichnet. Fortan kannten auch die Römer den griechischen Dichter. Mit der Odusia entstand die lateinischen Literatursprache. In der Römischen Republik wurde die Odusia zur Schullektüre und behielt den Status zur Römischen Kaiserzeit bei.

Spätestens als die Römer den griechisch-hellenistischen Kulturraum eroberten, übernahmen sie den Kult um Homer gänzlich. Eine ähnliche Herkunftserzählung sollte her und sinnstiftend für das römische Volk wirken. Deshalb wählte der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) die Odyssee und die Ilias als Vorlage seines Epos „Aeneis“.

In diesem Epos schildert Vergil die Flucht des Aeneas aus Troja und dessen anschließende Irrfahrt, welche ihn nach Latium führte. Dort wurde Aeneas der Stammvater der Römer. Schon in Homers Ilias wird Aeneas als trojanischer Sohn des Anchises und der Göttin Aphrodite erwähnt.

Welche Bedeutung hatte Homer im Mittelalter?

Der Kult um Homer ging durch das aufsteigende Christentum im Frühmittelalter stark zurück. Denn im Monotheismus sollte jede Form von polytheistischer Göttererzählung zunächst verdrängt werden.

Bis ins Hochmittelalter waren Epiker wie Vergil oder Lucan viel geläufiger. In der Vorphase der Renaissance kam es zu einer Wiedergeburt der Antike. Zunächst geschah die Wiedererweckung nur in der Literatur. Der Mensch rückte mehr in den Fokus und das mittelalterliche christlich geprägte Menschenbild verblasste zunehmend (Humanismus).

In der eigentlichen Renaissancezeit wurde dieses wiedererweckte Menschenbild auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur übertragen. Ein bedeutender Autor des Renaissance-Humanismus war Francesco Petrarca, welcher dazu anregte, die Odyssee und die Ilias erneut übersetzen zu lassen.

Diesem Aufruf folgte Leontius Pilatus. Er war der erste Inhaber eines Lehrstuhles für Griechische Sprache und Kultur in Westeuropa. Um 1360 übersetzte er die Odyssee und die Ilias vom Griechischen ins Lateinische.

Dante Alighieri, einer der bedeutendsten Dichter des Spätmittelalters (Renaissance-Humanismus), schrieb die Göttliche Komödie im 14. Jahrhundert. Genauso wie die Odyssee und die Ilias gehört dieses Werk zur Weltliteratur.

Das erste Gedicht der Göttlichen Komödie heißt Inferno. Dort trifft der Pilger im Limbo auf die fünf Klassischen Dichter: Homer, Horaz, Ovid, Lucan und Vergil. Obwohl Dantes Vorbild der römische Dichter Vergil war, nennt er Homer als den Ersten unter den göttlichen Dichtern. Dieser wurde zum Vorbild aller anderen Dichter.

Welchen Stellenwert hatte Homer in der Neuzeit?

Dantes Göttliche Komödie (Divina Commedia) prägte das Bild von Himmel und Hölle, welches wir heute haben. Ähnlich wie Homer beschrieb er die Kosmologie und Welt als Ganzes. Damit prägte er die Dichtergeneration der Moderne des 20. Jahrhunderts. Da er in der Commedia den Dichter Homer als den ersten göttlichen Dichter erwähnt, schuf er dessen Erbe für die Neuzeit.

Als 1453 die Osmanen das Byzantinische Reich eroberten, flohen die griechischen Gelehrten aus Konstantinopel nach Rom. Im heutigen Italien trafen dann die griechische und die lateinische Kulturwelt wieder aufeinander. Dieses Aufeinandertreffen beflügelte die italienische Renaissance, wodurch es zu einem kulturellen Aufschwung, zahlreichen Innovationen und Erfindungen kam.

Fortan schloss das Abendland kulturell zum Orient auf. Gleichzeitig wurden Homers Werke für ein breites Publikum zugänglich, denn um 1450 entwickelte in Mainz der deutsche Erfinder Johann Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Fortan konnten Bücher beliebig oft und in schnellster Zeit nachgedruckt werden, wodurch es zu einer Medien- und Bildungsrevolution kam.

Die gedruckte Erstausgabe von Homer erfolgte im 15. Jahrhundert durch Demetrios Chalkondyles.

1598 übersetzte der englische Dramatiker George Chapman die Ilias ins Englische. Die Übersetzung fand in Abschnitten statt. Schnell etablierte sich die Übersetzung als englischer Klassiker. Es folgten weitere Übersetzungen ins Englische von John Ogilbys (17. Jhd.), von Alexander Popes (1715), von Richmond Lattimores (1951) und Robert Fitzgerald (1974).

Die Italienreise von Johann Wolfgang von Goethe endete 1788. Dies war der Beginn der Weimarer Klassik. Fortan schrieb Goethe seine Dramen und Gedichte anhand von griechisch-römischen Vorlagen. Die darin handelnden Protagonisten hatte Homer als Erster beschrieben. Es entstanden Iphigenie auf Tauris (1787), Egmont (1788) und Torquato Tasso (1790).

1793 wurden die Werke von Homer durch den deutschen Hochschullehrer Johann Heinrich Voß übersetzt. Seitdem sind die Ilias und die Odyssee auch fürs deutsche Publikum zugänglich.

In den Jahren 1809 und 1810 formte Wilhelm von Humboldt in Preußen das humboldtschen Bildungsideal im Geiste des Neuhumanismus. Es entstand das Humanistische Gymnasium, welches sich auf griechische und lateinische Sprache sowie deren Literatur konzentrierte. Fortan wurden homerische Stoffe und Themen in der Literatur und in den Bildenden Künsten im deutschen Sprachraum allgegenwertig.

James Joyce (1882-1941) schrieb die Ulysses, eine domestizierte Version der Odyssee. Auch dieses Werk gehört zur Weltliteratur. Protagonist ist Leopold Bloom, welcher am 16. Juni 1904 durch Dublin irrt.

Der lucianisch-britische Dichter Derek Walcott (1930-2017) schrieb das Versepos Omeros, eine Adaption der Ilias aus karibischer Perspektive. Dort sind Hektor und Achill zwei Fischer auf Saint Lucia.

Warum ist Homer heute noch wichtig?

Homer wird als Begründer der literarischen Tradition im Abendland angesehen. Alle Werke nach ihm wurden von Homer beeinflusst.

In seinen Epen prägte Homer das Wesen der griechischen Götter. Wenn die Nachwelt über diese Götter schrieb oder Maler ihre Gemälde über diese Götter malten, geschah dies immer auf Grundlage der Schilderungen aus Homers Epen. Wenn also heute Filme über Zeus, Afrodite, Hera und Co. erscheinen – hat Homer deren bis heute nachwirkendes Aussehen, Charakter und Verhalten bestimmt.

Homers Werke entstanden nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern man spricht vielmehr von einer Entstehungsära. In diesen Zeitabschnitt fiel auch die Alphabetisierung Griechenlands. Einige Forscher behaupten, dass die Schrift in Griechenland nur eingeführte wurde, um Homers Epen für die Ewigkeit zu konservieren.

Die Epen sind somit die ältesten Werke der europäischen Literatur und stehen am Anfang der Weltliteratur. Bei Homer Epen bewegt man sich also an der Schwelle als aus mehreren mündlichen Fassungen eine einheitliche schriftliche Form wurde. Das homerisch-griechische wurde zur ersten Literatursprache der abendländischen Dichtkunst.

Sowohl die Ilias als auch die Odyssee sind keine reinen Abenteuergeschichten über Götter und Helden. Denn die Ilias durchleuchtet den Alltag der Griechen im Lager vor Troja und die Lebensweise der Trojaner hinter den Stadtmauern. Das Versepos ist somit eine Gesellschaftsdarstellung der damaligen Zeit.

Homer beschreibt außerdem die Geografie der Orte mit ihren Landschaften und Bergen – weshalb sowohl die Odyssee als auch die Ilias einen Bericht zur Geografie der griechischen Welt darstellen. Homers Epen sind also Historie, Gesellschaftsbeschreibung, Geografie, griechische Mythologie und Abenteuer in einem.

Wie formte Homer die heutige Sprache?

Das geflügelte Wort beschreibt eine Redewendung, welche den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat. In Homers Ilias kommt der Ausdruck „geflügeltes Wort“ ganze 46-mal und in der Odyssee sogar 58-mal vor. Homer meinte ursprünglich mit dem geflügelten Wort ein gesprochenes Wort, welche das Ohr des Zuhörers auf Flügeln erreicht.

Seit Homer von den Irrfahrten des Odysseus berichtete, kennt das Abendland zwei Metaphern für das Schicksal der Menschen in der Welt: die Reise und das Meer. Die heutige Umgangssprache ist geprägt mit Redewendungen, deren Gehalt auf die Odyssee zurückgehen.

  • Man erleidet Schiffbruch oder wirft den Rettungsanker.
  • Man erlebt Stürme und Flauten des Lebens.
  • Man irrt in den grenzenlosen Weiten des Meeres bzw. des Ozeans herum.
  • Man hat den Ozean voller Möglichkeiten vor sich.
  • Mal dümpelt man vor sich hin und mal wird man von den Stürmen des Lebens herumgeworfen.
  • Man schafft es, die Wogen zu glätten.
  • Man kann seine Pläne über Bord werfen.
  • Man strandet, kann etwas geschickt umschiffen oder man geht unter.
  • Manchmal steht einem das Wasser bis zum Hals oder bis zur Oberkante der Unterlippe.
  • Man landet im sicheren Hafen.
  • Das Leben gleicht einer Odyssee.

All diese Sprichwörter stammen von der Seefahrt, deren Ursprungserzählung die Odyssee war. Der Begriff „Odyssee“ wird zudem in vielen Sprachen als Synonym für Irrfahrt, Irrweg oder für eine beschwerliche Reise gebraucht. Somit gleicht manches Vorhaben einer Odyssee.


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