Homer
Homer war ein Dichter im antiken Griechenland, dem die Werke der Ilias und der Odyssee zugeschrieben werden. Er gilt als erster Dichter des Abendlandes und lebte vermutlich im 7. Jahrhundert v. Chr..
Allerdings ist ungeklärt, ob Homer tatsächlich existierte oder ob sich hinter dem Namen eine ganze Autorengruppe versteckt. Unbestritten ist die Wirkung Homers, die bis heute reicht. Schon in der Antike wurde Homer für seine Epen als Dichter schlechthin gefeiert.
Seine bedeutendste literarische Erfindung ist der Held Odysseus, dessen Irrfahrten in der Odyssee beschrieben werden.
Steckbrief
| Bedeutung: | Autor der Epen Ilias und Odyssee (beides Weltliteratur), Begründer der literarischen Tradition im westlichen Mittelmeerraum |
| Lebzeiten: | vermutlich 8. Jahrhundert v. Chr. |
| Geburtsort: | möglicherweise Athen, Pylos, Argos, Insel Ithaka, Insel Chios, Smyrna oder Kolophon in Ionien |
| Sterbeort: | möglicherweise Insel Ios |
| Genre: | Epos |
| Thema: | Epische Zyklus (Trojanischer Krieg) |
| Sprache: | Homerisches Griechisch (Literatursprache) als eine Verknüpfung des ionisch Griechischen mit Elementen aus dem Äolischen |
| Werke: | Odyssee und Ilias (zugeschrieben); Homerika = viele antike Werke - die früher Homer zugeordnet waren |
Wer war Homer?
Homer gilt als erster Dichter des Abendlandes. Seine Werke legten den Grundstein für die europäische Literaturtradition. Seine bedeutendsten Werke sind die Ilias und die Odyssee.
In der Ilias beschreibt Homer den Trojanischen Krieg. Und die Odyssee handelt von der Heimfahrt des Odysseus nach dem Krieg. Sowohl der Krieg als auch die Irrfahrt des Odysseus dauerten jeweils zehn Jahre. Ob Homer wirklich eine reale Person war, ist wissenschaftlich umstritten.
Wann lebte Homer?
Allgemein werden Homers Lebzeiten zwischen der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. und der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. verordnet. Dies entspräche einem Zweitraum zwischen 750 v. Chr. und 650 v. Chr..
Allerdings existieren Quellen, wonach Homer bereits zu Zeiten des Trojanischen Krieges gelebt haben könnte. Dieser fand rund 450 Jahre früher statt und wird allgemein auf 1200 v. Chr. datiert.
Der Geschichtsschreiber Herodot schätzte, dass Homer etwa 400 Jahre vor ihm gelebt habe. Demnach würde sich die Lebenszeit Homers auf etwa 880 v. Chr. bis 830 v. Chr. verschieben.
Wo wurde Homer geboren?
Auch der Geburtsort Homers ist nicht eindeutig geklärt. Sehr viele Städte beanspruchen für sich, die Geburtsstadt des Dichters zu sein. Darunter sind Städte wie Athen, Pylos und Argos im heutigen Griechenland.
Aber auch die griechischen Inseln Chios und Ithaka beanspruchen für sich, die Geburtsheimat des Dichters zu sein. Dazu gesellen sich noch Smyrna (heutige Izmir) und Kolophon. Beide liegen in der heutigen Türkei.
Wer waren die Eltern Homers?
Auch Homers Elternhaus ist Legendenstoff. In der Suda, dem größten byzantinischen Lexikon, stand – dass Homer ein Nachkomme der Musen ist. Aus der Zeit von Kaiser Hadrian stammt eine Legende, wonach Homer der Sohn von Polykaste und Telemachos sei. Letzterer war Sohn von Odysseus, wonach Homer der Enkel des Seefahrers gewesen wäre.
Eine andere Legende besagt, dass Homer als uneheliches Kind am Fluss Meles geboren wurde. Demnach soll sein ursprünglicher Name „Melesigenes“ („Der vom Meles Herstammende“) gelautet haben.
Wiederum andere Quellen besagen, dass Homers Mutter Kreitheïs hieß. Der griechische Reiseschriftsteller Pausanias nennt Homers Mutter stattdessen Klymene. Einig sind die Quellen darüber, dass Homers Vater unbekannt bleibt.
War Homer blind und arm?
In der Antike wurde Homer oft als blinder und verarmter Wandersänger dargestellt. Frühe biografische Daten zu Homer lieferten Archilochos, Alkman, Tyrtaios und Kallinos. Und in diesen Werken wird er als blind dargestellt.
Ob Homer tatsächlich blind und arm war, ist höchst umstritten. Denn sein Werk schildert genaue Kenntnisse über die Lebensart der Aristokraten, wozu ein verarmter Barde keinen Zugang gehabt haben könnte.
Möglich ist auch, dass Homer seinen Bardengesang vor aristokratischem Publikum vortrug und deshalb längere Zeit bei ihnen wohnte. Dann könnte er durchaus Zugang zu den Gepflogenheiten der aristokratischen Oberschicht gehabt haben.
Hat Homer wirklich die Ilias und Odyssee geschrieben?
Schon in der Antike gab es die Kontroverse, dass Homer keine tatsächliche sondern nur eine fingierte Person war. Auch, dass sich hinter dem Namen Homer eine ganze Autorenschaft versteckt, anstelle von nur einer Person – wurde schon diskutiert.
Außerdem beschreibt Homer die Figur des Odysseus so lebendig, dass es für spätere Gelehrte wie eine Autobiografie wirkt. Viele Autoren sahen Dichter als Sänger ihrer eigenen Geschichten.
Doch heute wird von der Forschung der Dichter Homer entweder als ein Autor oder als eine Autorengruppe verstanden, während Odysseus als ein rein literarische Figur verstanden wird. Dennoch ist die Diskussion um die Historizität Homers keineswegs abgeschlossen und wird unter dem Begriff „Homerische Frage“ weiter erforscht.
Wie, Wann und wo starb Homer?
Auch dies ist Legende. Doch die meisten Quellen geben die Insel Ios als Sterbeort Homers an. Laut dem griechischen Reiseschriftsteller Pausanias soll Homers Mutter von Ios stammen. Die genauen Umstände seines Todes sind ungeklärt, genauso wie seine Lebzeiten und sein Todeszeitpunkt.
In der Anthologia Graeca, einer griechischen Gedichtsammlung, erinnert Alcaeus von Messene an den Tod Homers, seinen Ruhm und seine Beisetzung auf Ios.
Welche Werke werden Homer zugeschrieben?
Homer werden heute nur noch die Ilias und die Odyssee zugeschrieben. Beide Werke gehören zu den frühesten Werken der Weltliteratur. Alle anderen hier aufgeführten Werke wurden in der Antike dem Dichter Homer zugeordnet, später allerdings wieder abgesprochen.
In der Antike und im Mittelalter wurden alle Werke, welche man lose als Homers Beitrag zusammenfasste, als Homerika bezeichnet.
Homerische Hymnen
In der Antike wurden Homer durchaus mehr Werke zugeschrieben, wie bspw. die Homerischen Hymnen. Diese erinnern in ihrem Aufbau und Sprachstil stark an Homers Epen. Allerdings ist die Autorenschaft heute ungeklärt.
Kleine Ilias
Auch die „Kleine Ilias“ galt in der Antike noch als Homers Werk. Heute wird sie dem Dichter Lesches (4. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben.
Nostoi
Die Nostoi (deutsch: Heimfahrten) ergänzen den trojanischen Sagenkreis und schließen sich an die Iliu persis von Arktinos von Milet (8. Jahrhundert v. Chr.) an. Auch deren Autorenschaft gilt heute als ungewiss.
Thebais
Die Thebaïs behandelt den Sagenkreis um die griechische Stadt Theben. Erhalten ist dieses Werk nur noch in lateinischer Sprache, übersetzt von Publius Papinius Statius. Als ursprünglicher griechischer Autor werden Antimachos von Teos und Homer genannt.
Kypria
Die Kypria waren mehrere Gedichte, welche die Handlung vor dem Trojanischen Krieg ergänzen. Dieses Werk wird dem Dichter Stasinos zugeschrieben, welcher mit Homer befreundet gewesen sein könnte.
Laut einer Legende in der Variae Historiae heiratete Stasinos die Tochter von Homer, namens Arsifoni. Demnach wäre Homer der Schwiegervater von Stasinos gewesen. Als Mitgift soll Homer dem Schwiegersohn die Gedichte der Kypria überlassen haben.
Batrachomyomachía
Die Batrachomyomachía (deutsch: Froschmäusekrieg) ist ein Epyllion aus der hellenistischen Zeit. Es ist eine Parodie auf die Epen Homers, indem der Autor den Trojanischen Krieg mit Fröschen und Mäusen schildert.
Veröffentlicht wurde das Werk unter Homers Namen. Da aber der Dichter beim Erscheinen des Werks bereits mindestens 800 Jahre tot war, ist die Autorenschaft Homers unmöglich. Die Suda, ein byzantinisches Lexikon, erwähnt Pigres als Autor.
Margites
Die Margites ist ein komisches Epos, welches lange Zeit Homer zugeschrieben wurde. Zentrale Figur ist ein dummer Mann, namens Margites. Spätere Gelehrte, wie Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) und Basilius von Caesarea (4. Jahrhundert n. Chr.) schrieben die Margiten noch Homer zu. In der Suda (byzantinisches Lexikon) wird Pigres erwähnt.
Einnahme von Oechalia
Die Einnahme von Oechalia ist ein griechisches Epos, welches nur noch in Fragmenten erhalten ist. Zugeschrieben wird das Werk dem ebenfalls legendären Dichter Kreophylus von Samos.
Laut einer Legende soll Homer von Kreophylus bewirtet wurden sein. Aus Dankbarkeit soll Homer das Epos vorgetragen haben, welches Kreophylus dann niederschrieb.
Welche Biografien und Quellen existieren zu Homers Leben?
Eine bedeutende Quelle, um einen Teil der Biografie Homers zu rekonstruieren, ist die Certamen Homeri et Hesiodi (deutsch: „Der Wettstreit zwischen Homer und Hesiod“).
In diesem Werk, welches zu Zeiten Kaiser Hadrians (117-138 n. Chr.) entstand, wird ein Dichterwettkampf zwischen Homer und Hesiod beschrieben.
Ansonsten gibt es den Reisebericht des Pausanias, welcher andeutet – dass Homers Mutter von der Insel Ion stammte. Der Dichter Pindar erwähnte, dass Homer von Chios oder aus Smyrna stammte. Philochorus vermutete, dass Homers Geburtsort in Argos sei.
Spätere Autoren verordneten Homers Geburtsstätte in Athen und Pylos. Dass Homers Geburtsort auf Ithaka sein könnte, vermutete man deshalb, weil Odysseus von der Insel stammte. Einige Gelehrte der Antike sahen in der Ilias und Odyssee durchaus eine Autobiografie.
Welche Sprache sprach bzw. schrieb Homer?
Die Literatursprache Homers wird als Homerisch Griechisch bezeichnet. Dies ist ein literarischer Dialekt aus dem Altgriechischen, der wiederum aus einer archaischen Form des Ionisch Griechischen hervorgeht. Das Ionisch Griechische wurde allerdings um Elemente des Äolisch Griechischen ergänzt.
Bedeutend ist die Sprache Homers deshalb, weil das Homerisch Griechische, also die Verschmelzung zwischen ionisch und äolisch Griechischen, zur Literatursprache einer Epoche wurde. Sämtliche Epen, auch von anderen Autoren, hielten an dem homerisch Griechischen fest – weshalb er zur Sprache der epischen Dichtung wurde. Fortan wurde homerisch auch als Episches Griechisch bezeichnet.
Aufgrundessen, dass Homer den ionischen Dialekt der griechischen Sprache verwendete, vermutete man – dass er aus Ionien stammen müsse. Die Ionier waren, neben den Aiolern, Dorern und Archaiern, ein Stamm – aus dem die Griechen hervorgingen. Ihr Stammesgebiet war ursprünglich Mittelgriechenland. Aber ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. dehnten sie sich bis nach Kleinasien aus.
Das klassische Altgriechisch war Attisch. Ionisch war der Dialekt an der Westküste Kleinasiens. Unterschiede gab es in der Lautung, Formenlehre und einzelnen Wortformen.

