Helena (griechische Mythologie)
Helena – bekannt als schöne Helena, Helena von Troja oder Helena von Sparta – ist eine Figur in der griechischen Mythologie. Sie nahm eine Schlüsselrolle im Trojanischen Krieg ein. Helana galt als schönste Frau der Welt, weshalb viele Männer versucht haben, sie in ihren Besitz zu bringen.
Ihr weltlicher Vater war Tyndareos, ein König von Sparta. Als sich die griechischen Fürsten und Könige um Helenas Hand bewarben, befürchtete Tyndareos – dass sich Sparta die Abneigung aller Freier einhandeln würde, welche Helena abwählte. Deshalb folgte er den Rat von Odysseus und ließ alle Freier der Helena einen Treueschwur auf die Wahl des Auserwählten leisten.
Im antiken Griechenland galt Helena als Schutzpatronin der Mädchen und Frauen. Laut Isokrates war Helena unsterblich. Die Ilias von Homer erwähnt allerdings nichts von Helenas Unsterblichkeit. Als Tochter des Zeus war Helena eine Halbgöttin, wird aber nur mit gottähnlichen Eigenschaften dargestellt (unübertroffene Schönheit).
Steckbrief

Büste in der Helena in Canakkale, Türkei – der Stätte der historischen Stadt Troja
Wer war Helena?
Helena gilt in der griechischen Mythologie als schönste Frau der Welt. Ursprünglich war sie die Ehefrau von König Menelao, wurde aber vom trojanischen Prinzen Paris entführt. Dies ist die unmittelbarste Ursache des Trojanischen Krieges.
Über die gesamte Geschichte hinweg wurden Künstler und Schriftsteller von Helenas Schönheit inspiriert. In der Antike tauchten die ersten Bilder von Helena im 7. Jahrhundert v. Chr. auf. Im antiken Griechenland war die Flucht bzw. Entführung der Helena ein beliebtes Kunstmotiv.
Im christlich geprägten Mittelalter wurde die Entführung bzw. der Ehebruch eher als Verführung dargestellt, während in der Renaissance auch Vergewaltigungsmotive auftauchten. Zu dieser Zeit galt Simonetta Vespucci als schönste Frau der Welt und als eine weltliche Wiedergeburt der Helena. In Goethes Faust tritt Helena auf, genauso in Oscar Wildes Gedicht „Die neue Helena“.
Im Film Troja aus dem Jahr 2004 wird Helena von Diane Kruger dargestellt. In der Neuverfilmung der Odyssee von 2026 wird Helena von Lupita Nyong’o dargestellt.
Wer waren die Eltern der Helena?
Helena war Tochter des Zeus und Leda. Letztere war Königin von Sparta und Ehefrau des Tyndareus. Zeus verliebte sich in Leda und näherte sich ihr als Schwan. In dieser Gestalt griff er sie an und schwängerte Leda.
Anschließend gebar die spartanische König ein Ei, aus welchem Helena schlüpfte. Tyndareus und Leda zogen das Kind wie eine gemeinsame Tochter auf.
In der Cypria von Stasinus wird Helena als Tochter von Zeus und der Göttin Nemesis erwähnt. In dieser Erzählung wollte Nemesis den Annäherungen von Zeus entkommen und verwandelte sich in verschiedene Tiere. Unter den Tieren war auch eine Gans.
Der Göttervater verfolgte Nemesis und verwandelte sich ebenfalls in eine Gans. In dieser Gestalt vergewaltigte er Nemesis, welche daraufhin ebenfalls ein Ei gebar – aus dem Helena schlüpfte.
Wo wuchs Helena auf?
Helena wurde in ihrer Jugend durch Theseus entführt. In der griechischen Mythologie ist jener Theseus berühmt dafür, dass er den Minotaurus getötet hat. Der griechische Held war zudem ein Sohn von Poseidon. Deshalb war er der Ansicht, dass er als Gottessohn auch die Tochter eines Gottes zur Frau haben sollte.
Nach der Entführung brachte er Helena zu seiner Mutter Aithra nach Athen. Anschließend half Theseus seinem Freund Peirithoos dabei, die Zeustochter Persephone aus dem Hades zu entführen. Doch der Gott der Unterwelt nahm beide gefangen.
Anschließend kam es zu einer Invasion auf Athen durch Kastor und Pollux, beide Halbbrüder von Helena. Diese befreiten ihre Halbschwester und brachten sie nach Sparta zurück.
In den meisten Berichten wird Helena bei der Entführung durch Theseus als recht jung beschrieben. Hellanikos von Lesbos berichtete, dass Helena sieben Jahre alt war, als sie von Theseus entführt wurde. Bei Diodor war sie zehn Jahre alt. Doch bei Stesichoros ist Helena im gebärfähigen Alter. Dort werden Helena und Theseus als Eltern der Iphigenie erwähnt. (eigentlich Tochter von Agamemnon und Klytaimnestra)
In der römischen Mythologie wurde Helena als junge Prinzessin von Sparta dargestellt, welche in der Palästra mit Jungen ringt, mit ihren Brüdern auf die Jagd geht und mit Waffen übt.
Wer waren die Freier der Helena?
Als Helena im heiratsfähigen Alter war, kamen zahlreiche Bewerber nach Troja. Unter den Freier der Helana waren griechische Fürsten und sogar Könige.
Insgesamt werden fünfundvierzig verschiedene Namen erwähnt. So erwähnte Pseudo-Apollodorus 31 Freier, bei Hesiod sind es 12 Freier und bei Hyginus sind es 36 Freier. Übereinstimmend bei allen drei Freierlisten sind die Namen: Ajax der Große, Elephenor, Menelaos, Odysseus, Philoktetes und Protesilaos.
Die Freier brachten Geschenke, um Tyndareus bei der Auswahl des richtigen Bewerbers zu überzeugen. Die Wahl fiel auf Menelaos, welcher nicht selbst erschien, sondern seinen Bruder Agamemnon schickte. Denn Menelaos besaß den größten Reichtum und machte die meisten Brautgeschenke.
Vor der Wahl hatte Tyndareus große Angst davor, die übrigen 44 Freier abzuweisen bzw. mit ihrer Nichtberücksichtigung zu beleidigen. Deshalb schlug Odysseus vor, dass alle 45 Freier einen Schwur leisten sollten, bei dem sie die Wahl anerkennen und den Auserwählten gegen jeden Kontrahenten verteidigen sollten. Diesen Schwur leisteten alle Freier vor der Wahl.
Als später Paris die schöne Helena nach Troja entführte, zog der geleistete Eid die Freier in den Trojanischen Krieg hinein.
Hatten Helena und Menelaos gemeinsame Kinder?
Die Hochzeit von Helena und Menelaos markiert den Anfang vom Ende des griechischen Heldenzeitalters. Nach der Abdankung von Tyndareus und Leda bestiegen Helena und Menelaos den Thron von Sparta und regierten über zehn Jahre. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, namens Hermione. In verschiedenen Quellen werden zudem drei Söhne erwähnt: Aithiolas, Maraphius und Pleisthenes.
Warum entführte Paris die schöne Helena nach Troja?
Das Urteil des Paris gilt als Ursache der Entführung. Dieses Urteil war das Ergebnis eines Schönheitswettstreit zwischen den Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene.
Paris entschied sich dafür, dass Aphrodite die Schönste unter den Dreien sei. Dieses Urteil fällte der trojanische Prinz, da Aphrodite ihm die Liebe der schönsten Frau der Welt versprach. Hera und Athene wurden danach zu erbitternden Gegnern der Trojaner und standen im Trojanischen Krieg auf Seite der Griechen.
Nach dem Wettstreit reiste Paris in diplomatischer Mission nach Sparta. Laut Homer verliebte sich Helena in Paris und ging mit ihm freiwillig nach Troja. Allerdings stand sie unter dem Liebeszauber von Aphrodite. Die meisten späteren Autoren folgten Homers Darstellung.
Doch laut Dion Chrysostomos (2. Jhd. n. Chr.) war Paris ein Freier, welcher schon am Freierwettstreit des Tyndareus teilnahm und diesen für sich entschied. Demnach gewann Paris den Freierwettkampf auf gerechtem Weg. Und die Entführung der Helena von Sparta nach Troja fand niemals statt.
Warum gilt die Entführung Helenas als Beginn des Trojanischen Krieges?
Als Menelaos die Entführung seiner Frau bemerkte, entsandte Sparta eine Delegation nach Troja, um die Herausgabe der trojanischen Königin zu erbitten. Doch Priamos, König von Troja und Vater des Paris, lehnte die Herausgabe ab. Deshalb erinnerte Menelaos die Freier der Helena an den Eid des Tyndareus. Dieser Treueschwur zog sämtliche griechische Stadtstaaten in den Trojanischen Krieg hinein.
Wie erging es Helena in Troja?
Laut Homer verflog in Troja der Liebeszauber, welcher auf Helena lastete. Der Dichter beschreibt Helena als unglückliche Figur. Fortan wird sie von Heimweh geplagt und hat ein schlechtes Gewissen. Sie wird als Gefangene gehalten und hat lediglich zu König Priamos und Hektor, dem Bruder von Paris, eine freundliche Beziehung.
Im zehnten Kriegsjahr kommt es zum Zweikampf zwischen Menelaos und Paris. Letzterer ist unterlegen und wird nur durch das Eingreifen von Aphrodite gerettet.
Nach dem Kampf fordert die Göttin sie dazu auf, mit Paris das Bett zu teilen. Helena verweigert den Wunsch der Aphrodite, woraufhin die Göttin ihr droht. Widerwillig teilt Helena das Bett mit Paris, schmäht ihn aber mit den Worten, dass es besser gewesen wäre, wenn Menelaos ihn getötet hätte. Laut Homer erkannte Helena immer mehr die Schwächen von Paris und vergleicht diesen mit Hektor, dem erstgeborenen Sohn Priamos und dem großen Helden Trojas.
Dictys Cretensis (4. Jhd. n. Chr.) lieferte eine alternative Erzählung. So brach die spartanische König bei ihrer Ankunft in Troja in Tränen aus und flehte die Trojaner an, sie nicht nach Sparta zurückzubringen. Als dann Menelaos vor den Toren Trojas erschien, wiederholte sie ihren Wunsch und beteuerte, dass sie freiwillig gegangen sei.
Wie erging es Helena nach dem Fall von Troja?
Nach Paris Tod gab es Streitigkeiten darüber, welchen Sohn Priamos sie heiraten sollte. Zur Auswahl standen Helenos oder Deiphobos. Letzterer wurde schließlich Helenas neuer Ehemann. Doch Deiphobos starb beim Fall Trojas.
Laut einem Bericht von Quintus von Smyrna (3. Jhd. n. Chr.) wollte Menelaos seine verräterische Frau bei der Eroberung Trojas niederstechen, doch Aphrodite schritt ein und schlug ihm das Schwert aus der Hand. Dann erweckte sie in ihm die alte Liebe, woraufhin Menelaos seiner Frau verzieh.
Laut Stesichorus wollten die Griechen die gefangene Helena steinigen, ließen aber die Steine beim Anblick ihrer Schönheit fallen.
Helena kehrte daraufhin nach Sparta zurück und lebte an der Seite von Menelaos.
Was machte Helena in Ägypten?
Neben der Erzählung einer Entführung nach Troja, gibt es noch alternative Geschichte darüber, dass Helena nach Ägypten kam.
Mindestens drei antike Autoren berichten über Helenas Aufenthalt in Ägypten. Jene Autoren sind Euripides, Stesichorus und Herodot. Laut ihnen kam Helena nie in Troja an, sondern verblieb während des gesamten Trojanischen Krieges in Ägypten.
Bei Euripides (5. Jhd. v. Chr.) erzeugte Hera, auf Wunsch des Zeus, ein Abbild von Helena – welches Hermes nach Troja brachte. Die wirkliche Helena blieb in Ägypten.
Laut Herodot kam das Schiff des Paris, durch starke Winde, vom Kurs ab und landete in Ägypten. Der altägyptische König Proteus nahm Helena zu sich, da er ein Verbündeter der Griechen war. Demnach musste der trojanische Paris ohne Helena nach Troja zurückkehren.
Doch in diesen Versionen glaubten die Griechen nicht daran, dass Helena in Ägypten sei und hielten weiterhin an der Eroberung Trojas fest. Erst nach Ende des Trojanischen Krieges hatte Menelaos Gewissheit und segelte nach Ägypten, wo ihn Proteus wieder mit Helena vereinte.
Wie sah Helena aus?
Schon in der Antike war es für Künstler fast unmöglich, ideale Schönheit durch Kunst unsterblich zu machen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. begannen antike Künstler damit, die Schönheit der Helena zu malen, auf Stein, Bronze oder auf Ton zu gravieren.
Homer beschrieb Helena nicht mit Details, sondern gab ihr lediglich die Eigenschaft „weiße Haut“. In Homers Epen taucht zudem das Attribut „eukomos“ auf, was übersetzt bedeutet: „hübsch, Haar“.
Die Eigenschaft „xanthos“ taucht bei griechischen Autoren auf, was als „helles Haar“ übersetzt wird. Das helle Haar war in der Antike im Mittelmeerraum eher unüblich, weshalb diese Eigenschaft als gottähnlich gesehen wurde.
Hesiod und Quintus Smyrnaeus beschrieben Helenas Augen als kuaneos, was als „dunkel“ oder „dunkelblau“ übersetzt wird. Laut einem Bericht aus dem 5. Jahrhundert soll Helena zwischen den Augenbrauen ein Schönheitsfleck gehabt haben.
Die griechische Künstler Zeuxis versuchte im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Helena-Bildnis zu malen, indem er die Eigenschaften von fünf Schönheiten abmalte. Das Bildnis war ursprünglich im Tempel der Hera Lakinia in Kroton ausgestellt und wurde später in die Porticus Philippi nach Rom überstellt.
Laut einer Legende soll das Bild so schön gewesen sein, dass Zeuxis Eintrittsgelder für die Besichtigung genommen haben soll.
Welche Bedeutung hatte Helena im Faust-Mythos?
Der Faust-Mythos ist eine deutsche Legendenerzählung um die historische Figur des Johann Georg Faust (ca. 1480–1540). Dieser war ein Gelehrter, aber äußerst unzufrieden mit seinen geistigen Errungenschaften, weshalb er einen Pakt mit dem Teufel einging.
Im Jahr 1604 nahm der englische Dichter Christopher Marlowe den Faust-Mythos als Grundlage für sein Theaterstück „Die tragische Historie vom Doktor Faustus“. In diesem Werk lässt Faust die schöne Helena durch Mephistopheles heraufbeschwören.
Als Faust das Bildnis von Helena erblickt, sagt er: „War dies das Gesicht, das tausend Schiffe startete / Und die oben ohne Türme von Ilium verbrannte?“ Damit wird Helenas Schönheit als Ursache für die Mobilmachung der Griechen und den Fall Trojas angedeutet (Ilios = Troja bei Homer).
Der deutsche Dramatiker und Universalgelehrte Johann Wolfgang von Goethe beschrieb das Treffen von Faust und Helena erneut. In Goethes Faust wird dieses Zusammentreffen zu einer komplexen Allegorie zwischen der modernen Welt und der klassisch-idealen Welt, welche einst Homer entwarf (Faust. Der Tragödie zweiter Teil).
Warum gilt Helena als Schutzpatronin der Seeleute?
Eine alternativen Version des Helena-Mythos liefert die Tragödie „Orestes“ des griechischen Dramatikers Euripides (5. Jhd. v. Chr.). In diesem Bericht gelangt Helena nach dem Fall Trojas auf den Olymp. Auf dem Götterberg wird sie zu einer Meeresgöttin, welche fortan über die Seeleute wacht.
Wie starb Helena?
Ebenfalls eine alternative Version lieferte der Reiseschriftsteller Pausanias im 2. Jahrhundert n. Chr.. Laut seinem Bericht soll Helena auf Rhodos gekommen sein. Dort kam sie bei Polyxo, einer alter Freundin unter. Deren Mann war Tlepolemos, welcher im Trojanischen Krieg gefallen war.
Die Witwe gab sich gegenüber Helena weiterhin freundlich, obwohl sie ihr die Schuld am Tod ihres Mannes gab. Und so bot sie Helena ein Bad an und schickte dann die Erinnyen zu ihr. Diese griffen Helena und hängten sie an einem Baum auf. Die Rhodier verehrten fortan Helenas Schicksalsbaum als Helene Dendritis.