Urteil des Paris
Das Urteil des Paris ist ein beliebtes Motiv in der Kunst. Jenes Motiv basiert auf ein Ereignis in der griechischen Mythologie. In dieser Episode soll der trojanische Prinz Paris sich entscheiden, welche der drei Göttinnen Athene, Afrodite oder Hera die Schönste ist.
Die Wahl des Paris fällt auf Afrodite, die ihm die Liebe der schönsten Frau der Welt versprach. Dadurch wird die Entscheidung des Paris zum mythologischer Auslöser des Trojanischen Krieges. Denn die schönste Frau der Welt ist Helena von Sparta, welche Paris anschließend rauben wird.
So kommt es zum Krieg zwischen Sparta und Troja, in welchem die griechische Staatenwelt hineingerissen wird – da die Freier der Helena einst einen Treueschwur für König Menelaos von Sparta ablegten.
Bei Homer wird das Urteil des Paris nur angedeutet. Die Ilias setzt beim Leser den Mythos zur Entstehung des Trojanischen Krieges voraus. Erst in späteren Tragödien und Komödien wird die Episode weiter ausgeschmückt. In späteren Versionen werden diese Ereignisse zur Gründung Roms führen.
Steckbrief
| Bedeutung: | Episode der griechischen Mythologie - welche zum Krieg um Troja führte |
| Entscheidung: | Paris übergibt den goldenen Apfel der Liebesgöttin Afrodite - welche ihm die Liebe der schönsten Frau der Welt verspricht |
| Folge: | Paris entführt Helena aus Sparta nach Troja, woraufhin der Krieg zwischen Griechen und Trojanern beginnt |
Wie kam es zum Paris-Urteil?
Zur Hochzeit von Peleus und Thetis (Eltern des Achills) wurde ein Bankett abgehalten. Nur Eris, die Göttin der Zweitracht, war nicht eingeladen. Denn man glaubte, dass diese nur Unruhe stiften würde. Doch die Verprellte kam trotzdem zum Bankett und brachte einen goldenen Apfel mit, auf welchem die Inschrift „kallistēi“ stand. Dies bedeutet übersetzt: „Für die Schönste“.
Diesen Apfel ließ Eris zwischen den feiernden Göttern rollen. Die Göttinnen Afrodite, Athene und Hera beanspruchten den Apfel für sich – da jede von ihnen glaubte, die Schönste zu sein. Der Erisapfel wurde somit zum Zankapfel der Götter.
Da sich der Streit nicht lösen ließ, sollte Zeus entscheiden, welche Göttin die Schönste sei. Doch Zeus war klug genug, diese Entscheidung nicht zu treffen und legte die Wahl in die Hände von Paris, dem schönen Sohn von König Priamos aus Troja. Dieser war verstoßen wurden und lebte seitdem unerkannt als Hirte. Der Götterbote Hermes brachte die drei streitenden Göttinnen zu Paris auf den Berg Ida.
Aber auch Paris trifft nicht sofort eine Wahl, sondern lässt sich von den Göttinnen bestechen. Hera bot dem Prinzen die Herrschaft über Europa und Asien an. Athene, die Göttin der Weisheit und Kriegskunst, bietet genau diese Geschenke an. Und Afrodite bietet an, dass Paris die schönste Frau der Welt besitzen könne. Und diese Frau war Helena von Sparta, die Ehefrau von König Menelaos.
Paris Wahl fällt auf Afrodite und er überreicht ihr den goldenen Apfel.
Wozu führte das Urteil des Paris?
Der Raub der Helena wird zum endgültigen Auslöser des Trojanischen Krieges. Paris schlich sich in diplomatischer Mission nach Sparta und entführte Helena, die Ehefrau von König Menelaos. Laut Homer soll sie freiwillig gegangen sein, da Afrodite sie mit einem Liebeszauber belegte. Andere Autoren sprechen von Entführung oder Verführung. In der Renaissance wurde von Vergewaltigung gesprochen.
In Troja angekommen, soll Helena zutiefst unglücklich über ihre Lage gewesen sein. Homer zeichnet das Bild einer tragischen Figur, die ihrem Gefängnis und ihren Schuldgefühlen nicht entkommen kann. Die Spartaner schicken eine Delegation nach Troja, um Helena zurückzubekommen. Doch König Priamos von Troja lehnt die Herausgabe bzw. Freilassung der schönen Helena ab. Dies führt zum Krieg zwischen Sparta und Troja.
In diesen Krieg wurden sämtliche griechische Stadtstaaten hineingezogen, da deren Fürsten einst bei der Vermählung zwischen Helena und Menelaos einen Treueeid schwuren (Treueeid von Helenas Freiern).
Welche tiefere Bedeutung hatte dieses Urteil?
In der Kypria, einem epischen Gedicht aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., wird erwähnt – dass Zeus einen Plan verfolgte, die Rasse der Menschen und insbesondere die Helden auszulöschen. Der Treueschwur der Freier sollte sämtliche Helden in einen Konflikt binden und somit wurde die Hochzeit von Helena und Menelaos der Anfang vom Ende des Zeitalters der griechischen Helden.
Im anschließenden Krieg zwischen Troja und Griechen nahmen sämtliche Helden – wie bspw. Achill, Ajax der Große oder Antilochos teil. Viele von ihnen fielen direkt im Trojanischen Krieg oder starben an den Folgen des Krieges. Somit wurde Helenas Durchbrennen mit Paris zum Mittel für Zeus, um das Geschlecht der Helden auslöschen zu können.
Warum führte das Paris-Urteil zur Gründung Roms?
Beim Fall Trojas floh Aeneas aus der Stadt. Jener Aeneas war ein trojanischer Prinz aus der Seitenlinie der Dardaner. Nach seiner Flucht verschlug es Aeneas nach Westen. Mit ihm reisten sein Vater, sein Sohn Iulus und eine Gruppe Trojaner.
Im Latium lässt sich die Gruppe nieder und gründet die Stadt Alba Longa. Diese lag etwa 20 km südwestlich des heutigen Roms. Sie gilt als Mutterstadt der späteren Weltstadt. Und Aeneas gilt daher als Stammvater der Römer. Die Kinder der Rhea Silvia (Romulus und Remus), welche als Gründer Roms genannt werden – stammten aus Alba Longa.
Die Aeneas-Sage wird ausführlich in der Aeneis (1. Jhd. n. Chr.) des Dichters Vergil beleuchtet. Der römische Dichter schuf damit ein Epos, welches ähnlich wie die Ilias der Griechen, zu einer sinnstiftenden Erzählung für das römische Volk wurde. Denn als die Römer den griechisch-hellenistischen Kulturraum eroberten, übernahmen sie auch den Kult um Homer. Aber die gemeinsame Ursprungserzählung fehlte ihnen, was Vergil mit der Aeneis nachlieferte.
Wie wurde das Paris-Urteil künstlerisch inszeniert?
Das Urteil des Paris findet sich in der Antike als Motiv auf griechischen Vasen wieder. Auch die Etrusker nutzten das Motiv für Bronzespiegel und in der Malerei. Im Mittelalter war Nacktheit und auch Vielgötterei verpönt – weshalb Mythologien und deren Episoden aus der Kunst verschwanden.
Im Spätmittelalter und in der Frührenaissance erinnerte man sich wieder an die Thematik und begann damit, das Paris-Urteil erneut künstlerisch umzusetzen. Dabei wurden alle drei Göttinnen nackt gezeigt.
In der antiken Kunst war eigentlich immer nur Afrodite nackt dargestellt. Denn sie war Göttin der Liebe und Schönheit gewesen. Athene hingegen war im antiken Griechenland als Göttin der Weisheit und der Kriegskunst eher mit männlichen Facetten dargestellt wurden. Und Hera, die Schutzgöttin der betrogenen Frau, wurde in der Antike nicht immer mit Schönheit assoziiert.
Um 1515/16 fertigte der italienische Kupferstecher Marcantonio Raimondi einen Kupferstich an, welcher dieses Motiv abbildet. Diese Druckgrafik geschah in Zusammenarbeit mit Raffael. Beide Künstler arbeiteten ab 1510 in Rom zusammen. Wohlmöglich lieferte Raffael die Zeichnung, auf welchen der Kupferstich basierte.
Für die Renaissancemalerei fertigte Sandro Botticelli ein Ölgemälde zwischen 1485 und 1488 an, welches heute in Venedig ausgestellt wird.
Bedeutend wurde das Motiv bei Lucas Cranach dem Älteren. Angeblich soll er das Urteil des Paris dreiundzwanzig Mal gemalt haben. Paul Rubens malte mehrere Versionen des Motivs zu unterschiedlichen Zeitpunkten seiner Karriere.
Im 18. Jahrhundert entstanden Gemälde von Antoine Watteau und Angelica Kauffman (ca. 1781), welche die drei Göttinnen leicht bekleidet darstellten. Spätere Künstler, welche das Urteilsmotiv aufgriffen und malten, waren u.A. André Lhote, Enrique Simonet (El Juicio de Paris 1904) und Salvador Dali.
