Feuergott
Ein Feuergott ist in vielen Mythologien und Religionen eine Gottheit oder ein anderes überirdisches Wesen, welche mit dem Feuer in Verbindung steht oder das Feuer personifiziert. In diesem Sinne sind Feuergötter eine Sammelbezeichnung für Vulkangötter, Herdgötter, Hüter der Flammen, Ofengötter und Schmiedegötter.
In vielen Mythologien stehen sie den Sonnengöttern nahe oder werden mit ihnen identifiziert. Auch Blitz- und Donnergötter werden mitunter mit ihnen identifiziert.
In der nordischen Mythologie der Wikinger und Germanen wird von Feuerriesen berichtet. Diese treten als Feinde der Asen-Götter auf. Laut den nordischen Schöpfungsmythen sind Riesen die Vorfahren der Götter gewesen oder waren ein gottähnliches Geschlecht, welches ihnen vorausging.
In der griechischen Mythologie wird Hephaistos als Schmiede- und Feuergott erwähnt. Außerdem identifizierten die alten Griechen die Göttin Hestia als Schutzgöttin des Herdfeuers. Deren römische Entsprechungen waren Vulcanos und Vesta. Letztere wurde im römischen Reich eine Staatsgöttin. Hohepriesterinnen der Vesta waren die Vestalinnen, deren Keuschheit unabdingbar für den römischen Staat war.
In der ägyptischen Mythologie waren Feuergötter oftmals Sonnengötter oder die Personifizierung der Sonne. So war Ra der Sonnengott der alten Ägypter, aber zugleich auch deren Feuergott, die Personifizierung von Licht und Wärme. Die keltische Mythologie kannte Grannus als Feuergott und Nantosuelta als Feuergöttin.
In einigen Mythologien treten zudem Götter, Halbgötter und ähnliche Wesen auf, welche der Menschheit das Feuer brachten. Die bekanntesten Feuerbringer sind Prometheus, Mixcoatl und Māui. Nach Letzterem ist die Hawaii-Insel Maui benannt.
Steckbrief
| ägyptisch: | Re, Sachmet, Wadjet |
| albanisch: | Enji, Vitore |
| akkadisch: | Girra, Isum, Nuska |
| aztekisch: | Chantico, Xiuhtecuhtli, Huehueteotl, Mixcoatl |
| Bantu: | Nyambe, Nzambi Ampungu |
| babylonisch: | Girra, Isum, Nuska |
| chinesisch: | Zhurong, |
| etruskisch: | Sethlans, Soranus |
| griechisch: | Helios, Hephaistos, Hestia, Apollon, Prometheus |
| hethitisch: | Arinniti |
| hinduistisch: | Agni, Agneyi, Ida, |
| Inka: | Mama Nina, Manku Qhapaq, |
| japanisch: | Amaterasu, Kagutsuchi, Konohanasakuyahime |
| kanaanitisch: | Ishat, Jahwe, Moloch, Shapash |
| keltisch: | Grannus, Nantosuelta, Belenus |
| litauisch: | Dimstipatis, Gabija, Jagaubis, Moterų Gabija, Pelenų Gabija, Praurimė, Trotytojas Kibirkščių |
| Maya: | Tohil, Huracan, Jacawitz |
| mongolisch: | Arshi Tenger, Odqan |
| nordisch: | Glöd, Logi, Surt |
| persisch: | Atar |
| römisch: | Caca, Cacus, Fornax, Sol, Stata Mater, Vesta, Vulcanus |
| sizilianisch: | Adranos |
| slawisch: | Dazbog, Kresnik, Ognyena Maria, Peklenc, Svarog, Svarožić |
| sumerisch: | Utu, Gibil |
| Yoruba: | Ogún, Oyá, Shango |
Welche Bedeutung hatte das Feuer für die Hominisation?
Die Feuernutzung des Menschen begann vor etwa 1 Mio. Jahren in Südafrika. Älteste Feuerstellen befinden sich in der Wonderwerk-Höhle in der südafrikanischen Provinz Nordkap.
Man geht davon aus, dass Homo erectus die erste Menschenart war, welche das Feuer aktiv entfachen konnte. Vermutlich wurde schon in der Altsteinzeit das Feuer genutzt, um Flächenbrande zu entfachen und so eine gezielte Treibjagd zu betreiben.
Das Feuer war die erste Technologie des Menschen. Deren Nutzung war einer der ersten Spatenstiche für den Graben, welcher die Menschheit kulturell vom Tierreich trennte. Und die kulturelle Evolution des Menschen wäre ohne das Feuer wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Denn dadurch änderte sich die Nahrungsaufnahme, was wohlmöglich den Anstieg des Hirnvolumens begünstigte. Ein größeres Gehirn mit schwereren Schädel erforderte einen aufrechten Gang, wodurch die Hände frei wurden. So konnte die kognitive Evolution ausgelöst bzw. beschleunigt werden.
Welche mythologische Bedeutung hat das Feuer?
In allen Mythologien behielt das Feuer seine Faszination. Deshalb wurden Geschichten darüber erzählt, wie das Element zu den Menschen kam. Diese Mythen sind in Teilen erhalten geblieben.
Im Christentum wird am Osterfeuer die Osterkerze entzündet. Zu Weihnachten werden Adventskerzen gezündet. Und das Fegefeuer soll eine reinigende Wirkung haben. Selbst das Ende der Welt, wie es in der Apokalypse oder im Ragnarök beschrieben wird, soll durch einen Feuersturm geschehen.
Das Verbrennen auf einen Scheiterhaufen etablierte sich als gängiges Bestattungsritual zur römischen Zeit. Auf dem indischen Subkontinent gibt es diesen Bestattungsritus bereits seit 4.000 Jahren. In vielen Ländern ist Einäscherung heute gängige Praxis.
Die Anhänger des Zarathustra wurden in Persien als Feueranbeter bezeichnet. Noch heute ist die Religion des Zarathustrismus eng mit dem Feuer verknüpft. Der Feuertempel war ein Verehrungsort und Zentrum dieser Religion. Dort wurde eine Heilige Flamme gehütet, welche niemals erlöschen durfte. Folglich wurde eine ganze Priesterschaft zur Bewahrung der Flamme abgestellt.
Warum übt das Feuer solche Faszination beim Menschen aus?
Die Faszination von Feuer auf den Menschen geht wahrscheinlich von der zerstörerischen Wirkung aus. So gibt es Protestaktionen, wie die Bücherverbrennung oder die Flaggenverbrennung – welche die Ablehnung und Zerstörung einer Symbolik zeigen sollen.
Das reinigende Feuer in der Allchemie war laut Paracelsus, ein Werkzeug, um das Gute vom Bösen zu trennen. In der Silvesternacht wird Feuerwerk gezündet, um das neue Jahr zu begrüßen, aber auch um böse Geister abzuwehren.
Menschen werden aus Neugierde vom Feuer angezogen. Eine instinktive Faszination für Feuer fehlt beim Menschen. Die Neugierde endet bei Kindern, welche den täglichen Gebrauch von Feuer erleben, mit etwa sieben Jahren.
Der Geruch vom verbrannten Fleisch löst bei jedem Tier, außer beim Menschen und bei Wespen, ein Ekel aus. Dies ist für das Überleben wichtig, da Waldbrände abschrecken und nicht anziehend wirken sollen. Doch Barbecue und Grillfeste lösen beim Menschen keinen Ekel sondern Appetit aus. Wohlmöglich entstand diese Eigenschaft vor 1 Mio. Jahren als Homo Erectus die Nutzung des Feuers erfand und die Feuerherrschaft für die gesamte Menschheit begründete.
Seit wann gibt es Feuerrituale?
Die ersten Feuerrituale sind in den Veden belegt. Jene religiöse Texte entstanden zwischen 1500 und 1200 v. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Indiens. Die Vedische Kultur war dort im nördlichen Teil des indischen Subkontinents verbreitet. Dort existierte diese Kultur nach dem Ende der Indus-Zivilisation, also zur späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit. In den vedischen Texten sind Hymnen enthalten, welche dem Feuergott Agni gewidmet sind.
Welchen Feuergott kannte die albanische Mythologie?
Im albanischen Heidentum war Enji ein Feuergott, welcher im albanischen Wort für Donnerstag (E enjte) erhalten blieb. Die göttliche Kraft des Feuers wurde für den Herd und für Rituale verwendet. Darunter waren das Kalenderfeuer, das Weissagen mit Feuer oder die Opferung durch Feuer.
Der Feuergott sollte Schutz vor Stürmen und anderen potentiell schädlichen Ereignissen bieten. Seine Verehrung war eng mit dem Ackerbau, dem Kult um den Sonnengott Dielli und dem Ahnenkult verknüpft. Bei Sonnenuntergang wurden Lagerfeuer entzündet, um dem Sonnengott Dielli neue Kraft zu schenken.
Im albanischen Pantheon könnte Enji der bedeutendste Gott zu römischen Zeiten gewesen sein. Denn der Donnerstag entsprach im römischen Kalender dem Jupiter, welcher Donnergott und höchste Gottheit des römischen Pantheons war. Somit wurde Enji mit Jupiter identifiziert. Ähnlich war es beim germanischen Thor, nach welchem der deutsche Donnerstag benannt wurde.
In der albanischen Tradition spielte das Feuer eine herausragende Rolle. Das Erlöschen des Hausfeuers galt als großes Unglück. Ins Feuer spucken, war ein Tabu.
Flüche im albanischen Heidentum zielten darauf ab, dass Feuer einer anderen Familie zum Erlöschen zu bringen. Gelübde und Eide wurden am Feuer und durch das Feuer abgelegt. In den albanischen Mythen wird von einer Hausschlange, namens Vitore, berichtet – welche das Herdfeuer schützt.
Während der Christianisierung Albaniens wurde Enji dämonisiert und als falscher Gott verschrien. Es wurde gezielt der Aberglaube verbreitet, dass die Anbetung von Enji zur Erblindung führen würde.
Welche Feuergötter hatten die Ägypter?
Im ägyptischen Pantheon war Re ein Sonnengott, dessen Feuer die Sonne erstrahlen ließ. Er galt deshalb als wichtigste Gottheit im Alten Reich und wurde überwiegend als Mittagssonne identifiziert. Laut den ägyptischen Mythen herrschte Re über die ganze irdische Welt, einschließlich dem Himmel, der Erde und der Duat (Totenwelt).
Eine Schutzgöttin der Sonne war Sachmet, welche bei den alten Ägyptern als Löwin dargestellt wurde. Sie war Tochter von Re, verkörperte zudem das Auge des Re. In dieser Rolle war sie die Beschützerin des Reiches. Bei einem Kampf soll sie in einen Blutrausch verfallen sein. Deshalb tötete sie wahllos immer mehr Menschen. Um Sachmet doch noch zu besänftigen, machte Thot sie betrunken.
Als Sachmet dann schlief, verwandelte Re seine Tochter in die Katzengöttin Bastet. Diese war durchaus liebevoller. Und jene Bastet wurde zur Fruchtbarkeitsgöttin. In ihrer Art und Weise war sie das Gegenstück zu Sachmet.
Eine weitere Feuergottheit der Ägypter war Wadjet, eine Schlangengöttin – welche Feuer auf ihre Feinde entsandte. Sie war eine Schutzgöttin für Unterägypten, in Kobra-Form dargestellt. Nach der Vereinigung mit ihrer Schwester Nekhbet (Oberägypten) waren beide Schutzgöttin vom gesamten Altägypten.
Welche Feuergötter wurden in Mesopotamien verehrt?
In der sumerischen Mythologie wird Gibil als Feuergott erwähnt. Wohlmöglich war er der Gatte von Ninirigal, einer Schutzgöttin der Stadt Uruk.
Im akkadischen Reich und Babylonien wurde Gibil unter den Namen Girra verehrt. Auch Isum, ein Schutzgott der Nacht, wurde bei den Akkadern und Babyloniern mit Feuer assoziiert.
In Nippur wurde die Gottheit Nuska verehrt, welche mit Feuer und Licht in Verbindung gebracht wurde. In der akkadischen Mythologie war Schamasch ein Sonnengott, welcher dem sumerischen Gott Utu entsprach.
Welche Feuergötter hatten die Kelten?
Grannus war Heilgott der Kelten, welchen die Römer mit Apollon identifizierten. Verehrt wurde er in Gallien, Obergermanien, Raetia, in kleineren Gebieten des heutigen Großbritanniens und Regionen entlang der Donau.
Angeblich soll sich Kaiser Caracalla während seiner Krankheit an Grannus gewandt haben. Viele Thermalquellen, wie bspw. in Aachen und in Baden-Baden, sind Grannus gewidmet. Seine ständige Begleiterin war die Göttin Sirona.
Nantosuelta war eine zweite keltische Göttin, welche in Gallien verehrt wurde. Meist wird sie als Gemahlin des Hammergottes Sucellus dargestellt. Sie galt als Schutzgöttin des Hauswesens und des Herdfeuers.
Im keltischen Pantheon wird zudem Belenus geführt. Dessen Namen bedeutet übersetzt „der Strahlende“, weshalb er ebenfalls mit Feuer in Verbindung gebracht wird. In der Comicreihe von Asterix schwören die Gallier auf Belenos und Toutatis.
Welche Feuergötter hatten die Etrusker?
Im etruskischen Pantheon war Sethlans ein Feuer- und Schmiedegott. Er stand mit Handwerkskunst und Metallverarbeitung in Verbindung. Deshalb wird er auch mit dem ägyptischen Ptah, dem griechischen Hephaistos und dem römischen Vulcanos identifiziert.
Eine weitere Gottheit der keltischen Mythologie war Śuri, welcher als Feuer- und Lichtgott verehrt wurde.
Welche Feuergötter hatten die Griechen?
In der griechischen Mythenwelt war Helios die Personifizierung der Sonne, deren Wärme und Feuerkraft. Da Helios am Himmel stand, galt er bei den alten Griechen als allsehendes Auge oder Zeuge. Deshalb wurde er oft bei Eiden angerufen.
Eine zweite Gottheit, welche im griechischen Pantheon mit Feuer in Verbindung stand, war Hephaistos. Er galt als Gott des Handwerks, war ein Schmiedegott und Gott der Vulkane. Als Schmiedegott erschuf Hephaistos sämtliche Waffen der Olympier. Deshalb wurde er in Schmieden und Fertigungsstuben in ganz Griechenland verehrt.
Neben Hephaistos und Helios war Hestia eine dritte Feuergottheit der Griechen. Sie galt als Göttin des Herdes und seiner Feuer. Laut Hesiod soll Hestia die Erstgeborene der Titanen Kronos und Rhea gewesen sein. Somit war sie auch die erste Göttin, welche vom Titanen verschluckt wurde.
Als Göttin des Opferfeuers erhielt Hestia beim Hausopfer immer das erste Opfer. Wann immer am Rand einer Polis eine neue Siedlung entstand, wurde das Feuer der Hestia aus der Mutterstadt zur neuen Siedlung getragen und dort entzündet.
Apollon war Licht- und Feuergott der Griechen. Mit ihm wurden Heilung, Prophezeiung, Kunst und Schreiben verknüpft. Apollons Pfeile sollen im Trojanischen Krieg die Lager der Griechen verseucht haben. Und angeblich soll der Pfeil des trojanischen Prinzen Paris von Apollon gelenkt worden sein, als er die Ferse des Achilles traf.
In den griechischen Mythen wird zudem Prometheus als Feuerbringer erwähnt. Dieser stahl das Feuer von den Göttern und brachte es den Menschen, die seine Schützlinge waren. Daraufhin wurde Prometheus an einen Felsen des Kaukasusgebirges geschmiedet. Jeden Tag kam ein Adler und fraß seine Leber.
Da die griechischen Götter unsterblich waren, wuchs das Organ in der Nacht nach. Und am nächsten Tag musste Prometheus die gleichen Qualen wieder erleiden. Erst der Heros Herakles befreite ihn aus diesen Umständen.
Welche Feuergötter hatten die Germanen und Wikinger?
In der nordischen Mythenwelt waren die Feuerriesen die Herrscher über das Feuer. Einer dieser Riesen war Logi, welcher als Personifizierung des Feuers galt. Sein Name bedeutet Lohe, im Sinne von lohende Flamme.
Die Ehefrau des Logi war Glöd (deutsch: Glut). Sie war ebenfalls eine Feuerriesin.
Ein weiterer Feuerriesen war Surtur, welcher Herrscher über Muspellsheim war. Im Ragnarök tötet Surt den Asengott Freyr im Kampf, zerstört den Bifröst und steckt mit den Söhnen Muspels die Welt in Brand.
Welche Bedeutung hatten die Feuergötter im Römischen Reich?
Die Römer identifizierten ihre Götter mit denen der Griechen. So ist Apollo das römische Pendant zum griechischen Apollon. Die römische Vesta ist die Entsprechung der griechischen Hestia und Vulcanos ist das Gegenstück zum griechischen Hephaistos. Genau wie die Griechen mit Helios die Sonne personifizierten, machten es die Römer mit Sol.
Aber die Römer erweiterten das Pantheon um das Geschwisterpaar Caca und Cacus. Beide waren Kinder des Vulcanus. Caca war ursprünglich eine Herdgöttin, wurde in dieser Rolle aber später von Vesta verdrängt. Als Personifizierung des Ofens wird Fornax erwähnt. Außerdem gab es die Göttin Stata Mater, welche die Ausbreitung von Feuer eindämmte und den Flächenbrand verhinderte.
Welche Feuergötter hatte die slawische Mythologie?
Im slawischen Pantheon war Dazhbog ein Feuer- und Sonnengott. In der Nestorchronik wird Dazhbog als einer von sieben Göttern erwähnt, welche Wolodymyr der Große (Fürst der Kyjiver Rus) als Statuen in Kiew aufstellen ließen.
Svarozic war ebenfalls ein Feuergott und wird in der slawischen Mythologie als Bruder von Dazhbog erwähnt. Bei den Slawen im Ostseeraum wurde er unter dem Namen Radegast verehrt.
Der Vater von Dazhbog und Svarozic war Svarog, ebenfalls ein Sonnen- und Feuergott. Dieser gilt als Gottvater und Begründer des slawischen Pantheons.
Kresnik war eine weitere Gottheit der Slawen, welche mit Feuer in Verbindung gebracht wurde. Er wurde von den Slawen der Ostalpen verehrt. Vermutlich ist er mit Svarozic identisch. Genauso wie Herkules in der klassischen Mythologie vollbrachte auch Kresnik zwölf Heldentaten.
Perun war der Donnergott der Slawen. Dessen Gattin war Ognyena Maria (deutsch: Feurige Maria). Auch diese galt als Feuergöttin, wurde auf dem Gebiet des heutigen Belarus auch als Heilungsgöttin verehrt.
Ein heidnisches Feuerritual der Slawen war der Sprung über das Freudenfeuer zur Kupala-Nacht. Jenes Fest ist eine slawische Version der Mittsommernacht. Im Zentrum dieser Feierlichkeiten steht Iwan Kupala, welcher Johannes dem Täufer entspricht. Viele Bräuche rundum Iwan Kupala haben mit den Elementen Wasser, Feuer, aber auch mit magischen Kräften und Pflanzen zu tun.
Welche Feuergötter hatten die amerikanischen Ureinwohner?
Die Azteken verehrten Chantico als Schutzgöttin des Herdfeuers. Eine zweite Gottheit war Xiuhtecuhtli, welcher als Feuergott und Lichtgott bekannt war. In der aztekischen Mythologie verschmolz dieser mit Huehueteotl, einer älteren Gottheit. Wohlmöglich wurde Huehueteotl von den Olmeken übernommen und dann von Xiuhtecuhtli verdrängt bzw. ersetzt.
Im aztekischen Pantheon gab es außerdem den Jagdgott Mixcoatl. Genau wie der griechische Prometheus brachte Mixcoatl das Feuer zu den Menschen. Der vierzehnte Monat im Aztekenkalender war Quecholli. Dieser Monat wurde Mixcoatl gewidmet. Während des Monats verkleideten sich die Jäger als Mixcoatl und entzündeten ein neues Feuer, um das gejagte Wild zu braten.
Die Maya verehrten Huracan als Feuergott, welcher zugleich Sturm- und Windgott war. Er galt als Schöpfer und Vernichter der Menschheit.
Jacawitz war eine zweite Feuergottheit der Maya, welcher auch als Berg- oder Vulkangott galt. Dieser war der Begleiter des Sonnen- und Feuergottes Tohil.
Die Inka verehrten Manku Qhapaq als ersten Herrscher der Inka-Zivilisation. Laut Mythologie der Inka soll Manku Qhapaq den Menschen erschaffen haben und ihm die Technologie gegeben haben. Er galt als Feuer- und Sonnengottheit. Eine zweite Gottheit der Inka, welche mit Feuer in Verbindung stand, war Mama Nina (deutsch: Mutter des Feuers).
Die Purépecha, ein Volk in Zentralmexiko, verehrten Curicaueri als Sonnen- und Feuergottheit.
Welcher Feuergott tritt in der jüdischen Mythologie auf?
Jahwe, der Gott Israels, wird im Tanach mit Feuer viel stärker in Verbindung gebracht als mit jedem anderen Element.
Im Buch Exodus wird die Gegenwart Jahwes mit Feuer geschildert. Auf dem Berg Horeb erscheint Jahwe als brennender Dornbusch und fordert Mose auf, die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei zu befreien. Außerdem erscheinen den Israeliten diverse Feuersäule, welche ihnen den Weg durch die Wüste ins Gelobte Land weisen.
Die Städte Sodom und Gomorra werden im Alten Testament durch Schwefel und Feuer, welcher aus dem Himmel kam, vernichtet.
Im Talmud und in der Hebräischen Bibel werden zudem Opferszenen der Israeliten beschrieben, welche mit Feuer dargebracht worden.
Welche Bedeutung hatte Feuer fürs Christentum?
Orthodoxe Christen entzünden jedes Jahr am Karsamstag in der Grabeskirche in Jerusalem ein Heiliges Feuer. Während einer Zeremonie wird ein Gebet gesprochen und dann das Feuer in den Ädikula (Grab Jesu) entzündet. Diese Tradition ist seit 1106 n. Chr. ununterbrochen dokumentiert.
Aus der jüdischen Mythologie wurde die Vorstellung von der Gegenwart Gottes durch das Feuer übernommen. So schildert das Lukasevangelium im Neuen Testament der Bibel, wie Jesus das Feuer auf die Erde bringen wird (Lukasevangelium 12, Vers 49).
Im Neuen Testament wird Feuer eine reinigende Kraft nachgesagt. Dadurch soll das Gute vom Bösen getrennt werden, ähnlich wie beim Gottesgericht.
In der christlichen Mythologie galt Gott als verzehrendes Feuer. Der Hebräerbrief (Heb 12, 29) beschreibt Gott als vernichtendes und reinigendes Feuer, welcher keine Sünde duldet. Das Feuer war somit der Ausdruck absoluter Reinheit und Vernichtung von allen Sünden gleichermaßen. Die Erzählung von Sodom und Gomorra im Alten Testament ist Ausdruck dieser Nichtduldung.
Im Alten Testament wird der Ort Gehenna bzw. Gehinnom erwähnt. Dies war eine Schlucht, welche sich zwischen den israelitischen Stämmen Juda und Benjamin befand. Es wird geschildert, wie in dieser Schlucht eine Opferung von Kindern stattfand. Angeblich wurden die Kinder dem phönizischen Moloch als Brandopfer geopfert. Der Prophet Jeremia verurteilte diese Opferungen, weshalb die Schlucht auch als Mordtal bezeichnet wird.
Im Markusevangelium (Mk 9,43, 45, 47) wird die Gehenna-Thematik wieder aufgegriffen. Der Ort wurde nun zu einem Totenreich gedeutet, aber weiterhin mit Feuer verknüpft. Angeblich soll es ein Strafort mit ewigen Feuer gewesen sein, welcher von späteren Christen mit Hölle identifiziert wurde.
Viele Bibelausleger sehen im Feuer – welches durch Jesu auf die Erde kam – zudem eine Ankündigung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist kam zu Pfingsten auf die Jünger herab. Diesmal zeigte sich die Gegenwart Gottes in Form des Heiligen Geistes als Feuerzungen.
Zeigte sich Gott im Alten Testament noch als brennender Dornbusch, so nahmen die Flammen nun die Form von Zungen an. Dadurch konnten die Jünger in fremden Sprachen predigen, sodass Menschen aus aller Welt es verstehen konnten. In der Bibel wird das Pfingstwunder deshalb auch als Sprachwunder bezeichnet.
Feuer hat im Christentum demnach nicht nur eine verzehrende und reinigende Bedeutung, sondern auch eine inspirierende. Der Heilige Geist setzt sich in Form von Feuerzungen auf den Köpfe der Gläubigen, sorgt so für Inspiration und Erleuchtung. Zu Ostern werden außerdem Osterfeuer angezündet. Dies gilt für Christen als Symbol für das Licht der Welt, welches die Finsternis des Todes besiegt hat.
Wer war der Feuergott der Maranen
Der Feuergott der Maranen ist der Titel eines Kinderbuches von Alexander Wolkow. Sowohl das Volk der Maranen als auch ihr Feuergott Urfin sind fiktiv.
Im Buch sind die Maranen ein unterentwickeltes Volk, welches in einem Tal an der Grenze zum Rosa Land leben. Sie werden als Springer bezeichnet, nennen sich selbst aber Maranen. Das Kinderbuch ist der vierte Band der Smaragdenstadt-Bücher, welche als sowjetisches Pendant zum „Zauberer von Oz“ entstanden.
Der schlaue Urfin tritt in diesen Büchern als Bösewicht auf, reißt die Herrschaft an sich und wird am Ende des dritten Bandes gestürzt. Nun flieht er im vierten Band ins Reich der Maranen und kann das Volk davon überzeugen, dass er ihr Feuergott wäre. Dann kann er sie zum Krieg gegen ihre Nachbarn überreden. Am Ende des Buches durchschauen die Maranen ihren angeblichen Feuergott und stürzen Urfin erneut.