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Ehe- und Familiengöttin


Die Göttin der Ehe ist in vielen Mythologien und Religionen eine Gottheit, welche als Schutzgöttin der Haushalte, der Familien und der Heiligen Ehe auftritt. Demnach werden unter diesem Begriff auch die Hochzeitsgöttinnen, Familiengöttinnen und Schutzgöttinnen der Ehefrauen vereint.

In der griechischen Mythologie war Hera die Ehegöttin, welche mit ihrem Brudergatten Zeus den Olymp regierte. Im römischen Götterbild wird Hera mit Juno identifiziert. Auch sie galt als Göttermutter und war mit Jupiter verheiratet. Sowohl Hera als auch Juno waren auch für Geburten und familiäre Fürsorge zuständig.

Unter dem Beinamen Unxia war Juno eine spezielle Hochzeitsgöttin. Denn der römische Hochzeitsritus dauerte mehrere Tage. Und jeder Hochzeitstag stand unter dem Schutz der Juno Unxia und wurde nach einem ganz bestimmten Ablauf begangen. Für diese speziellen Abläufe erhielt die Göttin ganz bestimmte Beinamen.

Im Hinduismus gilt Parvati als Symbol einer treuen, hingebungsvollen Ehefrau. Sie wird mit Eheglück und Fruchtbarkeit in der Ehe assoziiert.

In der nordischen Mythologie ist Frigg die Schutzgöttin der Ehe. Genauso wie Hera und Juno gilt auch Frigg als Göttermutter der Asen. Sie war mit Odin vermählt.

Bei den Irokesen in Nordamerika wird die Göttin Atahensic mit Ehe, Geburt und weiblicher Stärke verknüpft.

Die slawische Mythologie erwähnt Dzydzilelya als Göttin der Liebe, Ehe, Sexualität und Fruchtbarkeit. Ihr männliches Gegenstück ist Siebog, der slawische Liebes- und Ehegott.

Steckbrief

Ehegöttinnen & Ehegötter
ägyptisch:Isis
etruskisch:Uni
griechisch:Hera
hinduistisch:Parvati
hurritisch:Išḫara, Šauška
irokesisch:Atahensic
kanaanäisch:Astarte
mesopotamisch:Ishtar
nordisch:Frigg
römisch:Concordia, Juno, Jugatinus, Tellus
slawisch:Siebog und Dzydzilelya
sumerisch:Inanna
Symbole und Tiere
AstarteStreitwagen, Löwe, Pferd
HeraGranatapfel, Zepter, Krone, Kuh, Kuckuck, Pfau (Argusaugen)
InannaLöwe, Taube, Rose, Hakenförmiger Knoten aus Schilf, sechs- oder achtzackiger Stern
IšḫaraBashmu, Skorpion
IsisMilan, Geier, Kuh
JunoPfau
ParvatiLöwe, Tiger

Was unterscheidet eine Ehegöttin von einer Liebesgöttin?

Eine Ehegöttin verkörperte während der Antike die institutionelle und gesellschaftliche Seite der Ehe. Die Liebesgöttinnen verkörperten hingegen Sexualität, Anziehungskraft, Begehren und persönliche Gefühle.

In der Antike war die Institution der Ehe nicht durch Liebe, Hingabe oder Begehren gekennzeichnet, sondern durch legitime Nachkommenschaft, Weitergabe von Besitz und wirtschaftliche Absicherung. Demnach brauchten die alten Griechen ein Konzept, welches die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe herausstellte. Und dieses Konzept wurde durch eine Ehegöttin verkörpert.

Wer war Ehegöttin im antiken Griechenland?

Im griechischen Pantheon war Hera die Göttermutter, Schutzgöttin der Ehe und Familien. In diesem Sinne fungierte Hera auch als Schutzgöttin einer Gesellschaft und einer Gesellschaftsordnung.

Welche Bedeutung hatte die Ehegöttin für die Gesellschaftsordnung der Griechen?

Im antiken Griechenland war die Ehe und die damit verbundene Nachkommenschaft äußerst wichtig. Denn durch die Ehe wurden zwei Haushalte (Oikos) miteinander verbunden und durch die Geburt wurde die legitime Nachfolge geregelt. Demnach war die Eheschließung nicht nur eine Privatangelegenheit, sondern hatte eine gesellschaftliche Dimension.

Heras Ehe mit Zeus war das Vorzeigemodell einer solchen Nachkommenschaft. Diese Ehe war keineswegs konfliktfrei. Denn der Göttervater hatte seine Schwestergemahlin mehrfach betrogen und überall außereheliche Nachkommen gezeugt. Aber auch dies wurde von den Griechen als Ideal angenommen, da beide weiter an der Ehe festhielten. Die Götterehe war demnach ein Symbol der legitimen Nachkommenschaft, der Beständigkeit trotz aller Widrigkeiten.

Hüterin der Sozialstruktur

Die Ehe selbst war im antiken Griechenland vor allem eine soziale, rechtliche und wirtschaftliche Institution. Denn die legitimen Nachkommen erhielten einen Zugang zur Bürgergemeinschaft und den damit verbundenen Bürgerrechten. Damit war der soziale Status gesichert. Hera sicherte als Schutzgöttin der Ehe diese Sozialstruktur.

Wie wichtig der soziale Status war, zeigt das Bürgerrechtsgesetz des Perikles von 451/450 v. Chr.. Dieses Gesetz schränkte die Anerkennung als Bürger ein. Demnach galt nur noch derjenige Athener, welcher eine athenische Mutter und einen athenischen Vater hatte. Damit hielt der Stadtstaat Athen poleisfremde Menschen von politischer Mitsprache ab.

Hüterin des Haushalts

Neben den rechtlichen und sozialen Aspekten hatte die Nachkommenschaft auch eine wirtschaftliche Dimension. Denn die Ehe verband das Vermögen zweier Familien miteinander. Bei der Hochzeit brachte die Braut eine Mitgift in die Ehe ein, welche dazu diente, sie beim Todesfall des Mannes wirtschaftlich abzusichern. Zwar verwaltete der Ehemann die Mitgift, aber dennoch wurde das Vermögen weiterhin der Herkunftsfamilie zugerechnet. Nach dem Ableben des Vaters konnte ein legitimer Nachkomme den Oikos des Familienoberhauptes erben.

Für all diese Aspekte wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Natur war Hera die Schutzgöttin. Demnach war sie nicht nur die Schutzgöttin der Ehefrauen und Mütter, sondern auch Schutzgöttin der legitimen Nachfolge, Hüterin des Haushalts und Schutzgöttin der griechischen Gesellschaft – deren kleinste Einheit die Familie war.

Welche Kulte und Feste gab es um die griechische Ehegöttin ?

Hera als Schutzgöttin der Ehe und Familien war eigentlich eine Schutzgöttin der griechischen Gesellschaftsordnung, welche sich je nach Poleis unterschied.

Auf der Insel Samos gab es einen Ritus zur Götterhochzeit. So glaubten die Griechen, dass sich Zeus und Hera jährlich auf der Insel Samos vereinigen. Unter einem Keuschbaum fand die eheliche Vereinigung statt. Nach dem Sexualakt wusch sich Hera im Fluss Imbrasos und erlangte so ihre Jungfräulichkeit zurück.

Auf Samos wurde dieser Akt gefeiert, indem man das Tonaia-Fest begann. Das Fest symbolisierte die Götterhochzeit als göttliche Verbindung, diente der Fruchtbarkeit des Menschen und wurde mit dem Entstehen einer kosmischen Neuordnung verknüpft.

Heras Kult zeichnete auch das Bild einer Frau in den verschiedenen Lebensphasen. So war die Hera Pais die Vergöttlichung der jungen Hera und Jungfrauen. Die Hera Teleia zeigte die Hera als vollendete Frau, welche verheiratet war, den Haushalt und die Nachkommenschaft sicherte. Und letztlich war die Hera Chera eine verwitwete Frau, die alleinstehend den Haushalt immer noch sicherte.

Welche Bedeutung hatte die römische Göttin der Ehe für den Staat?

Auch für die Römer war die Familie (familia) die kleinste soziale Einheit im Staat. Anders als bei den Griechen war das Römische Reich kein Kulturraum, bestehend aus Stadtstaaten (Polis), sondern als Einheitsstaat gedacht.

Aber auch bei den Römern wurde die Ehegöttin Juno hervorgehoben. Denn Juno schützte die Ehe, wodurch die Familie stabilisiert wurde. Und diese Familien brachten die nächste Generation hervor, welche dann die römische Gesellschaft bildeten. So schützte Juno als Ehegöttin die römische Gesellschaft, stand für Rechtsordnung, geregelter Nachfolge und für Stabilität der Gesellschaft bzw. des Staates.

Aufgrund dieser herausragenden Stellung der Juno wurde sie ins Kapitolinische Trias aufgenommen. In diesem Trias (Dreiheit) waren die drei wichtigsten römischen Götter zusammengefasst. Neben Juno gehörte der Göttervater Jupiter und die Weisheitsgöttin Minerva zum Trias. Allerdings war diese Dreiheit von Patriziern dominiert wurden.

Neben den Patrizierfamilien gab es im römischen Staat aber noch die Plebejer. Dazu gehörten alle römischen Bürger, die nicht zum Erbadel (Patrizier) gehörten. Diese bildeten ein eigenes Trias, das sogenannte Aventinische Trias. In dieser Götterdreiheit wurden die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, der Weingott Liber und die Unterweltgöttin Proserpina aufgenommen.

Aufgrund ihrer Rolle als Ehe- und Gesellschaftsgöttin wurde Juno zur römischen Staatsgöttin. Sie galt demnach nicht nur als Schutzgöttin der Familien und Gesellschaft, sondern des gesamten römischen Staates. Da es in Rom aber die Plebejeraufstände ab 500 v. Chr. gab, integrierten die Römer mit Concordia eine zweite Staatsgöttin.

Concordia symbolisierte nach den Ständekämpfen (287 v. Chr.) die Einigkeit innerhalb der römischen Gemeinschaft. Somit wurde mit der Gottheit Concordia die Einheit der Bürgerschaft religiös personifiziert, während Juno weiterhin die Einheit der Familien religiös personifizierte.

Wer war die römische Hochzeitsgöttin?

Unter dem Beinamen Unxia wurde Juno als Hochzeitsgöttin verehrt. Der römische Hochzeitsritus erstreckte sich über drei Tage. An allen drei Tagen wurde die Braut von Iuno Unxia begleitet.

Wie verlief eine römische Hochzeit?

Am Vorabend der Hochzeit wurde die Braut in eine weiße Tunika gehüllt. Ihr wurde ein Schleier (Flammeum) angelegt und ihr Haar wurde mit einer Kriegslanze in sechs Zöpfe geteilt. Diese Zöpfe wurden dann mit einem Wollfaden umwickelt und nach vorn zu einem Haarknoten aufgesteckt. Da die Braut ihr Kinderalter zeremoniell beendete, opferte sie ihr Spielzeug der Vesta (Herdgöttin).

Am Hochzeitstag wurde eine Eingeweideschau (Haruspex) im Haus der Brauteltern veranstaltet. Wenn die Prophezeiung günstig war, wurde der Ehevertrag vorgelesen. Eine alte Frau, welche als Vertreterin der Juno anwesend war, verband die rechten Hände des Brautpaares und die Braut sprach eine Verbindungsformel (Ubi tu Gaius ego Gaia).

Dann folgten Opferungen für Juno, Picumnus, Pilumnus, Ceres und Telles. Die Gottheiten Picumnus und Pilimnus waren zwei Naturgötter, denen nachgesagt wurde, dass sie die Gesundheit zukünftiger Kinder förderten. Deshalb richteten die Römer bei Geburt eines Kindes ein zusätzliches Bett ein, um die Hilfe der Naturgötter zu erbitten. Tellus war die Muttergöttin bzw. Erdmutter im römischen Pantheon, welche genauso wie Ceres mit Fruchtbarkeit in Verbindung stand.

Zur eigentlichen Hochzeitsfeier trug die Braut die Kleidung, welche ihr am Vortag angelegt wurde. Dann begab sich das Brautpaar zum Haus des Ehemannes.

Begleitet wurde der Umzug durch Talassio-Rufe. Laut römischen Mythen ist dieser Hochzeitsruf beim Raub der Sabinerinnen entstanden und sollte zeigen, dass eine bestimmte Sabinerin schon an Talassio vergeben war.

Am Haus des Ehemanns bestrich die Braut die Türpfosten mit Fett oder Parfüm. Dies sollte böse Geister fernhalten. In dieser Tätigkeit stand der Braut die Göttin Iuno Unxia bei.

Nach der Bestreichung wurde die Braut durch ihren Gatten über die Schwelle getragen. Stolperte der Ehemann galt dies als böses Vorzeichen. Im Haus verteilte die Braut symbolisch die Mitgift. Am nächsten Tag fanden weitere Feierlichkeiten und Opferungen statt.

Warum hatten die Römer mehrere Hochzeitsgötter?

Während der ganzen Zeremonie unterschieden die Römer verschiedene Gottheiten. Die Gottheit Jugatinos personifizierte die Verbindung des Brautpaares bzw. das Zusammenfügen der Ehepartner. Die Göttin Juno Unxia schützte und begleitete die Braut während der Hochzeit. Und Juno blieb während der Ehe die Schutzgöttin der Familie.

Die Römer zerlegten das Hochzeitsritual in verschiedene rituelle und soziale Aspekte. Juno verkörperte die übergeordnete Ordnung von Ehe und Familie, während Gottheiten wie Unxia und Jugatinus mit einzelnen Handlungen bzw. Aspekten der Eheschließung verbunden wurden. Dies zeigt, wie wichtig den Römer auch kleine Teile eines religiös behafteten Lebensrituals waren.

Domiduca und Domiducus waren zwei weitere Hochzeitsgötter, welche wohlmöglich die Braut bis zum Haus des Ehemanns begleiteten. Allerdings wird diese Darstellung vom Kirchenvater Augustinus in seinem sechsten Buch (De civitate Dei ) erwähnt, um die Unsinnigkeit des Polytheismus kritisch darzustellen.

Welche Göttinnen wurden in Ägypten mit Ehe verbunden?

Im alten Ägypten gab es keine Göttin, welche speziell mit Ehe und Familie verbunden war. Stattdessen gab es mehrere Göttinnen, welche den verbindenden Aspekt der Familie herausstellten.

Die wohl wichtigste Göttin im ägyptischen Pantheon, welche man mit Ehe und Familien in Verbindung setzen kann, war Isis. Sie war Ehefrau und Schwester des Osiris, aber auch Mutter des Horus. Sie wurde bei den Griechen mit Hera und bei den Römern mit Juno identifiziert, obwohl sie keine staatstragende Wirkung im alten Ägypten entfachte.

Hathor ist die Liebesgöttin der alten Ägypter gewesen. Sie wurde von den Griechen mit Aphrodite und von den Römern mit Venus gleichgesetzt. Hathor stand für die liebevolle Verbindung zwischen Mann und Frau, aber auch für Fruchtbarkeit der Liebenden und Sexualität.

Eine weitere Göttin war Taweret, welche als Schutzgöttin der Geburt gesehen wurde. Die Göttinnen Mut und Neith wurden mit der Mutterrolle assoziiert.

Warum brauchten die Ägypter keine einheitliche Ehegöttin für ihre Gesellschaft?

Anders als im antiken Griechenland und in der Römischen Republik war das alte Ägypten durch den Pharao zentral geeint. In der späteren Pax Romana gelang dies auch den Römern, aber nur durch Einführung des Prinzipats. Doch bei den Ägyptern war diese religiöse Einigkeit bereits im Alten Reich von zentraler Bedeutung.

Der Pharao war für die Aufrechterhaltung der Maat, also der kosmischen Ordnung, zuständig. In dieser Rolle war er der Vermittler zwischen den Göttern und Menschen. Eine Ehe als politisches, rechtliche und soziales Konzept – welches die legitime Bürgerschaft und Abstammung regeln sollte – war für die alten Ägypter bedeutungslos.

Stattdessen drehte sich das staatliche Konzept in Ägypten um Wiedergeburt und Königsherrschaft. Das Götterpaar Isis und Osiris verkörperten das Konzept der Wiedergeburt. Und durch den gemeinsamen Sohn Horus, welcher Schutzgott der Pharaonen war, wurde das Konzept der Königsherrschaft verkörpert.

Auch die Reichseinigung zwischen Unter- und Oberägypten war kein Akt einer symbolischen Ehe. Die Aufgabe des Königs (Pharaos) bestand darin, beide Gegensätze zu einer Einheit zusammenzufügen, damit die Maat weiterhin funktionierte. Auch deshalb musste es in Ägypten keine staatliche Ehegöttin geben.

Welche Göttin wird in der mesopotamischen Mythologie mit Ehe verbunden?

In Mesopotamien gab es genau wie im antiken Griechenland diverse Stadtstaaten. Eine eindeutige Ehegöttin gab es allerdings nicht. Stattdessen wurde in Sumer die Göttin Inanna als Fruchtbarkeitsgöttin, als Kriegsgöttin und Personifizierung königlicher Macht verehrt.

Im späteren akkadischen Reich und im babylonischen Reich wurde Inanna zu Ischtar überführt.

Was hatte die Gottesehe in Mesopotamien mit Tempelprostitution zu tun?

Laut sumerischen Mythen soll Inanna mit dem Hirtengott Dumuzi vermählt worden sein. Dieses Ritual galt bei den Sumerern als Sinnbild der Götterhochzeit. Dies war ähnlich wie die Verbindung zwischen Hera und Zeus bei den Griechen oder Jupiters und Junos Hochzeit bei den Römern.

Aus dem Kult der Götterhochzeit leiteten die Mesopotamier die Tempelprostitution ab. Dabei gaben sich die Hohepriesterinnen der Inanna bzw. Ischtar einem auserwählten König eines sumerischen Stadtstaates hin.

Durch den Akt des heiligen Geschlechtsverkehrs sollte die Fruchtbarkeit im Stadtstaat erhöht werden. Allerdings blieben die Priesterinnen auch nach dem Sexualakt in der Vorstellung der Mesopotamier weiterhin Jungfrauen. Und die Nachkommen der Hohepriesterinnen wurden als Jungfrauen-Geborene bezeichnet.

Die Götterehe und deren Nachstellung sollte Wohlstand, Fruchtbarkeit bringen und die Erneuerung des Lebens repräsentieren.

Warum gab es in Mesopotamien keine staatliche Ehegöttin?

Mesopotamien war, ähnlich wie Griechenland zur Antike, ein Kulturraum – bestehend aus Stadtstaaten. Dennoch gab es keine einheitliche Ehegöttin in Mesopotamien, welche mit einem klaren ehelichen Konzept in Verbindung stand.

Ein Grund dafür war, dass die mesopotamische Religion stark stadt- und tempelbezogen war. So war Inanna die Hauptgöttin von Uruk. Im Stadtstaat Ur stand das Hauptheiligtum der Mondgottheit Nannar. Die Gottheit Enlil war Hauptgott in Nippur und Enki in Eridu. Demzufolge gab es keine einheitliche Ehegöttin. Stattdessen gab es Götterpaare, wie Inanna und Dumuzi, Ischtar und Tammuz oder Ninlil und Enlil.

Ein weiterer Grund war, dass Hera und Zeus ein ziemlich starkes Modell lieferten. Denn der Göttervater zeugte mit Hera seine Nachkommenschaft und Erben. Die Göttermutter ist in dieser Rolle die Gemahlin des Zeus und Mutter der Nachkommenschaft.

Inanna in Mesopotamien hatte zwar auch Kinder, galt aber schon vor der Ehe mit Dumuzi als Hauptgottheit des sumerischen Pantheons. Somit war Inannas Identität nicht dauerhaft und ausschließlich mit dieser Ehe abhängig.

Ein dritter Unterschied bestand darin, dass die mesopotamische Religion andere Schwerpunkte setzte als die griechische Mythenwelt. So standen Fruchtbarkeit, Wohlstand, Königtum und kosmische Ordnung im Vordergrund. Dies war ähnlich wie in Ägypten. Der Ritus der Heiligen Hochzeit zielte in Mesopotamien genau auf solche Konzepte ab. In Athen und Rom ging es stattdessen darum, eine Nachkommenschaft über die Abstammung und Familie zu regeln.

Von Vorteil war, dass in Mesopotamien bereits sehr viel früher die Schrift existierte als in Griechenland. Der Codex Hammurapi, als einer der ersten Gesetzestexte überhaupt, entstand bereits 18. Jahrhundert v. Chr.. Die Schriftlichkeit wurde in Griechenland erst im 8. Jahrhundert v. Chr. eingeführt. Demnach brauchten die Griechen während der archaischen Zeit den Beistand der Götter, um Nachkommenschaft zu regeln – während in Mesopotamien bereits Gesetze dazu existierten.

Welche Bedeutung hat die Göttin der Ehe im Hinduismus?

Auch der Hinduismus kennt keine konzeptionelle Ehegöttin. Aber es gibt Parvati, welche die Ehefrau von Shiva ist. Gemeinsame Kinder sind Ganesha und Skanda.

Anders als in vielen Mythologien ist die Verbindung zwischen Parvati und Shiva keine personenhafte Ehe, sondern vielmehr das Symbol einer Einheit verschiedener göttlicher Kräfte. Denn Shiva steht für Askese, Transzendenz, Zerstörung und Transformation, während Parvati für Mutterschaft, Loyalität, Treue, Keuschheit und Fruchtbarkeit steht.

Gemeinsam bilden sie ein göttliches Paar, in dem sich scheinbar gegensätzliche Bereiche verbinden. Personifiziert wird diese Verbindung durch Ardhanarishvara, welche zur Hälfte Shiva und zur Hälfte Parvati ist.

Im Hinduismus wird die Ehe als religiöse Pflicht und Lebensaufgabe (Dharma) begangen. Andere Figuren wie Lakshmi, Sita und Radha repräsentieren Wohlstand, eheliche Hingabe bzw. spirituelle Liebe. Dadurch entsteht im Hinduismus kein einheitliches Bild einer Ehegöttin, sondern ein vielfältiges religiöses Modell von Ehe und Partnerschaft.

Der Hinduismus ist keine Religion mit einheitlichen Pantheon. Stattdessen existieren viele Götter, welche je nach Strömung unterschiedlich gesehen und verehrt werden. Dennoch bestimmt der Dharma im Hinduismus sämtliche Aspekte des Lebens.

Dem Dharma unterstehen religiöse Rituale, Ethik, Gerechtigkeits- und Moralempfinden, aber auch soziale und familiäre Bindungen. Eine Einheitsgöttin für die Ehe, wie in Griechenland und im Römischen Reich, bedurfte es daher nie.

Welche Bedeutung hatte die nordische Ehegöttin für Germanen und Wikinger?

In der nordischen Mythenwelt verkörperte Frigg die verheiratete Frau. In dieser Rolle war sie Ehefrau von Odin. Allerdings steht Frigg nicht wie Hera oder Juno für eine Schutzmacht der Ehe, sondern hatte überhaupt keine vergleichbare Funktion.

Zwar war die Nachkommenschaft für Germanen und Wikinger durchaus wichtig, aber dass deren Schutz durch Frigg personifiziert wurde, wird aus historischen Quellen nicht ersichtlich.

Heiligtümer zu Frigg können ebenfalls nicht archäologisch nachgewiesen werden. Zwar wird Fensalir als Friggs Palast erwähnt, in welchem sie Liebende zusammenführte, aber die Existenz dieser Kultstätte ist archäologisch nicht belegt.

Welche Ehegöttin hatten die Kelten?

In der keltischen Mythologie gab es keine einheitliche Ehegöttin. Stattdessen gab es verschiedene lokale Gottheiten, welche mit Ehe und Familie in Verbindung gebracht wurden. So wird Brighid als mögliche Familiengöttin, aber auch als Schutzgöttin der Gesetzgeber, der Heilkunst, der Fruchtbarkeit und der Schmiede gesehen.

Ähnlich ist es bei Macha, welche im Ulster-Zyklus als Landesgöttin Irlands erwähnt wird. Auch bei ihr fließen Konzepte, wie Fruchtbarkeit, Herrschaft und Gemeinschaft zusammen. Eine dritte Göttergestalt der Kelten war Danu, welche möglicherweise eine altirische Muttergöttin war.

Welche Feste oder Rituale wurden zu Ehren von Ehegöttinnen gefeiert?

Der Heiligen Hochzeit kam bei den alten Griechen eine besondere Bedeutung zu. Dabei wurde die göttliche Ehe (Hieros Gamos) zwischen Zeus und Hera als Modell für Fruchtbarkeit und kosmische Ordnung dargestellt.

Im Römischen Reich feierten am 1. März die verheirateten Frauen das Fest der Juno Lucina (Matronalia). Dabei wurden die Ehefrauen von ihren Männern beschenkt und Opfergaben für die Göttin Juno entrichtet. Jenes Fest stand symbolisch für den Neubeginn, da Juno Lucina als Geburtsgöttin und Schutzgöttin der Mutterschaft verehrt wurde. Demnach war der 1. März für die Römer ein Neujahrstag. Und erst 153 v. Chr. wurde der Jahresanfang vom 1. März auf den 1. Januar verschoben.

In Mesopotamien wurde die Heilige Hochzeit ebenfalls symbolisch begangen. Die Hohepriesterinnen der Inanna vollzogen dabei den Liebesakt mit einem auserwählten Jüngling, was der Heiligen Hochzeit zwischen Dumuzid mit Inanna nachempfunden werden sollte. Jene Form der Heiligen Prostitution fand auch im antiken Ägypten, im antiken Griechenland, in Phönizien und im Römischen Reich statt.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Ehegöttinnen verschiedener Kulturen?

In vielen Traditionen steht die Ehegöttin als Symbol einer legitimen bzw. gesellschaftlich anerkannte Verbindung. Im antiken Griechenland und im alten Rom waren Hestia und Juno von zentraler Bedeutung, da die legitime Nachkommenschaft religiös und somit moralisch-rechtlich durch die Göttinnen vereinbart wurde.

In Mesopotamien besaß die Verbindung zwischen Inanna und Dumuzi eine kosmische und fruchtbarkeitsbezogene Dimension. Doch in vielen Religionen gab es die Überschneidung zwischen Fruchtbarkeits-, Mutter- und Ehegöttin. Denn die symbolische Verbindung zwischen einem Göttervater und einer Göttermutter stand in vielen Mythologien für die Verbindung der Gegensätze: männlich und weiblich, Winter und Frühling, Himmel und Erde, Samen und Fruchtbarkeit, Tod und Erneuerung.


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