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Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation


Das Heilige Römische Reich mit seiner Ausdehnung: Links im Jahr 962 (Gründung), mittig im Jahr 1200 mit größter Ausdehnung, rechts 1806 zum Zeitpunkt der Auflösung

Das Heilige Römische Reich mit seiner Ausdehnung: Links im Jahr 962 (Gründung), mittig im Jahr 1200 mit größter Ausdehnung, rechts 1806 zum Zeitpunkt der Auflösung

Das Heilige Römische Reich (lateinisch: Sacrum Imperium Romanum oder Sacrum Romanum Imperium) – auch Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation genannt – war ein historisches Reich, welches im 10. Jahrhundert auf dem Staatsgebiet des Ostfrankenreiches entstand, über 800 Jahre bestand, dessen Territorien im Jahr 1806 in den Rheinbund und schließlich in den Deutschen Bund übergingen.

Reichgründer war Otto I., welcher in Rom im 962 zum ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gekrönt wurde. Dieser trug den Titel des Römisch-deutschen Kaisers. Letzter Kaiser war Franz II. aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Aufgrund der Deutschstämmigkeit der Kaiser wurde ab dem späten 15. Jahrhundert der Zusatz Deutscher Nation (lateinisch: nationis Germanicæ oder natio Teutonica) gebraucht. Um das Heilige Römische Reich vom späteren deutschen Reich unterscheiden zu können, wird es auch Altes Reich oder Römisch-deutsches Reich genannt.

Steckbrief

Name: offiziell: Sacrum Imperium Romanum (deutsch: Heiliges Römisches Reich) oder Sacrum Imperium Romanum Nationis Germanicae (deutsch: Heiliges Römisches Reich deutscher Nationen)
Banner des Heiligen Römischen Reiches

Banner des Heiligen Römischen Reiches

Banner:Der doppelköpfige Adler wurde als Symbol des einköpfigen Adlers aus dem Römischen Reich der Antike übernommen bzw. erweitert.
Gründung:-Grundlage 800 n.Chr. durch Kaiserkrönung Karl des Großen
-Teilung des Frankenreichs durch den Vertrag von Verdun (843)
-Heinrich I. von Sachsen wird 919 der König des Ostfrankenreichs (dem späteren deutschen Reichsgebiet)
-Otto der Große schlägt 955 die Ungarn auf dem Lechfeld
-Otto der Große wird 962 zu Kaiser Otto I. gekürt
Vorgängerstaat:Frankenreich bis 843
Ostfrankenreich ab 843 bis 1024 als Teil des Heiligen Römischen Reiches
Untergang:Auflösung von 1806
historische
Epoche:
Mittelalter bis Neuzeit
Nachfolger:-Rheinbund
-Österreichisches Kaiserreich
-Königreich Preußen
-Alte Eidgenossenschaft
-Königreich Sardinien
-Herzogtum Savoyen
-Niederländische Republik
Hauptstädte:-Rom als Ort der Kaiserkrönung durch den Papst
-Aachen als Kaiserpfalz zwischen 800–1562, zwischen 800 und 888 Hauptstadt und zwischen 800 und 1562 als Krönungsort des römisch-deutschen Königs
-Palermo (1194–1254): Sitz der Stauferdynastie
-Innsbruck (1508-19): Sitz der Hofkammer und der Hofkanzlei
-Wien (1550-1583 und 1612-1806): Sitz der Habsburger
-Frankfurt (1562- 1806): Ort der Königswahl und Ort der Königskrönung
-Regensburg (1663-1806): ständiger Reichstag
-Wetzlar (1689-1806): Kaiserkammergericht
Staats- und Regierungsform:-Wahlmonarchie ab 911,
-Übergang von Heinrich I. zu Otto I. (936) war wieder eine Erbmonarchie
-nach dem Untergang der Staufer (1254) wurde die Wahlmonarchie endgültig eingeführt

-Legislative war der Reichstag, erst wechselnde Standorte, ab 1663 ständig in Regensburg
Fläche, Größe:um 1150: etwa 1.100.000 km²
Karte des Heiligen Römischen Reiches (grau) zum Zeitpunkt der Eingliederung des Königreichs Böhmen (schwarz) im Jahr 1198

Karte des Heiligen Römischen Reiches (grau) zum Zeitpunkt der Eingliederung des Königreichs Böhmen (schwarz) im Jahr 1198

Bevölkerung:um 1700: etwa 23.000.000 Einwohner
um 1800: etwa 29.000.000 Einwohner
Sprachen: Deutsch (Verkehrssprache), Mittelalterliches Latein (Amtssprache)
Religionen:römischer Katholizismus: 1054–1806
evangelischer Protestantismus: 1555-1806
Calvinismus: 1648-1806
Währung:Taler, Gulden, Groschen, Reichstaler
Ereignisse:25. Dezember 800: Kaiserkrönung Karl des Großen

2. Februar 962: Kaiserkrönung Otto des Großen

2. Februar 1033: Konrad II. gliedert Burgund ein

25. September 1555: Der Augsburger Religionsfrieden schlichtet die Konfessionskämpfe und stimmt zu, dass der Protestantismus als Konfession im Reich anerkannt wird

6. August 1806: Abdankung von Franz II.

Was war das Heilige Römische Reich

Das Heilige Römische Reich ist die Bezeichnung für das Herrschaftsgebiet des römisch-deutschen Kaisers. Anders als heutige Staaten war das Heilige Römische Reich kein Nationalstaat, sondern ein Staatenbund mit Einzelkönigen und einem Kaiser, welcher über diese Einzelkönigreiche herrschte.

Auch der Begriff „Staatenbund“ ist eigentlich falsch, da es zwischen den Staaten bzw. Gebieten keine festgelegten Verträge gab. Stattdessen glaubten Menschen und Könige in den einzelnen Gebieten an die Macht und Vollkommenheit eines Kaisers und verpflichteten sich diesem. Das Heilige Römische Reich ist demnach ein Glaubensraum gewesen, welcher selbst geografisch schwer einzugrenzen ist.

Wie entstand das Heilige Römische Reich

Die Grundlage für das Reichsgebiet des Heiligen Römischen Reichs wurde durch Karl den Großen gelegt, welcher Europa schon im 8. und 9. Jahrhundert christlich einte und das Frankenreich ab 800 n.Chr. als Kaiser regierte. Dadurch wurde das Frankenreich zum Kaiserreich und ein legitimes Nachfolgereich des antiken Roms.

Nach Karls Tod wurde Ludwig I. (der Fromme) neuer Kaiser. Bedeutende Gebietsgewinne gab es in seiner Regentschaft nicht mehr. Nach dessen Tod wurde das Frankenreich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Dies geschah im Vertrag von Verdun im Jahr 843.

Ludwigs Sohn Lothar I. blieb Kaiser und erhielt das Mittelreich, welches von Friesland bis nach Italien reichte. Ludwigs anderer Sohn, namens Karl II. (auch der Kahle genannt), erhielt den Westteil des Reiches – welches als Westfrankenreich bezeichnet wurde und aus dem später Frankreich entstand. Den östlichen Teil des Frankenreiches erhielt Ludwig II. (der Deutsche genannt), ebenfalls ein Sohn Ludwig I. Aus diesem Ostteil entstand später das Kernstück des Heiligen Römischen Reiches.

Nach dem Tod Lothar I. wurde das Mittelreich zwischen Karl II., Ludwig II. und den Söhnen Lothars aufgeteilt. Die Kaiserwürde ging an Ludwig II. und somit ins Ostfrankenreich. Außerdem bekam Ludwig II. auch Italien.

Ein wesentlicher Teil des verbliebenen Mittelstück ging an Karl II. und somit ins Westfrankenreich über. Aus einem Teil entstand später das Königreich Burgund, welches sich als Zwischenreich zwischen dem Ost- und Westfrankenreich etablieren sollte. Als 1032/33 das Königreich Burgund ins Heilige Römische Reich eingegliedert wurde, war das ehemalige Mittelreich endgültig verschwunden.

Ab wann existierte das Heilige Römische Reich

Offiziell existierte das Heilige Römische Reich als Folgereich des Ostfrankenreiches ab 962 (Krönung Otto des Großen zum Kaiser). Es erlosch offiziell als Kaiser Franz II. im Jahr 1806 seine kaiserliche Krone niederlegte.

Wer war Reichsgründer des Heiligen Römischen Reiches

Reichsgründer waren die Ottonen, deren Begründer Heinrich I. war und dessen Sohn Otto der Große zum Namensgeber wurde.

Doch noch einmal zurück…
Im 8. und 9. Jahrhundert hatte Karl der Große durch die Sachsenkriege (772 -804) einst die Sachsen zwangschristianisiert, erobert und unterworfen. Das Sachsenland sollte später zur Keimzelle des Heiligen Römischen Reiches werden.

Nochmal zurück…
Das Frankenreich wurde unter Karl nach Italien (Langobarden, also in den Süden) und ins Sachsenland (Westen) ausgeweitet. Aber dem Reich fehlte die staatstheoretische Grundlage. Der Zusammenhalt im riesigen Frankenreich beruhte auf dem Glauben an einen starken Kaiser. Geführt wurde das Reich wie ein Familienunternehmen mit einem Patriarchen an der Spitze.

Stirbt der Patriarch beginnt die Erbfolge. Und falls ein Sohn nicht zufrieden ist mit seinem Erbanteil, kommt es zum Krieg. Die Nachkommen Karl I. und dessen Sohn Ludwig I. kämpften nicht mehr gegen äußere Feinde, sondern stritten sich ums Erbe mit inneren Feinden. Hinzu kamen Einfälle aus dem Osten (durch die Ungarn) und aus dem Norden (durch die Wikinger). Das riesige Reich war schwach und schien für jedermann bereit, immer wieder geplündert zu werden.

Neue Hoffnung kam aus dem Osten. Denn die einst verhassten Sachsen waren nun fromme Christen. In Sachsen entstand seit 804 eine christliche Emanzipation und ein Selbstverständnis dafür, das Christentum vor äußeren Feinden zu schützen.

Heinrich I. (der Vogler), welcher Herzog von Sachsen war, wurde zum König des Ostfrankenreiches – beschützte das Reich vor äußeren Feinden und sorgte für innere Sicherheit. Gleichzeitig schaffte er es, die Völker der Sachsen, der Schwaben, der Bayern und der Franken zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenzuschließen, um gegen die Bedrohung von außen vorzugehen und die Bedrohung im Inneren aufzulösen.

In der deutschen Geschichte wird Heinrich I. als erster deutscher König geführt. Sein Reich war das Ostfrankenreich aus dem sich später das Reich der Deutschen (Regnum Teutonicum, deutsch: Land der Teutonen) entwickeln sollte. Sein Nachfolger als König der Ostfranken und Herzog von Sachsen wurde sein Sohn Otto.

Dieser Otto schlug die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld (955) vernichtend und sicherte so das Überleben des Ostfrankenreiches. Gleichzeitig wurde der Glauben an einen starken Kaiser erneuert und da durch die Reichsteilung von Prüm (855) die Kaiserwürde ins Ostfrankenreich überging, war eine Kaiserkrönung möglich.

Otto I. wurde 962 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt, behielt aber sämtliche anderen Titel (Herzog von Sachsen, König des Ostfrankenreichs, König von Italien). Sein Aufgaben und Interessen wurden somit über verschiedene Ämter geteilt.

Warum war das Reich römisch

Laut der christlichen Vier-Reiche-Lehre, welche in der Bibel (Buch Daniel) steht, existieren 4 Weltreiche, bevor die Apokalypse eintritt. Man nahm im Mittelalter an, dass das Römische Reich der Antike bereits das vierte Weltreich gewesen sei. Ihm vorausgehend ging das Alexanderreich (3. Weltreich), das Perserreich (2. Weltreich) und das Babylonische Reich (1. Reich). Demnach würde der Untergang des antiken Roms die Apokalypse einläuten.

Und nachdem 476 n.Chr. das Weströmische Reich tatsächlich unterging, wurde verzweifelt ein Folgereich gesucht, um die Apokalypse dennoch aufzuhalten. Demnach stärkte sich das Weltbild, dass das antike Römische Reich offiziell nie untergegangen sein möge.

Laut einer Theorie, welche als Translatio imperii (lateinisch „Übertragung des Reichs“) bezeichnet wurde, ging die römische Herrschaft direkt auf die Herrscher des fränkischen (Frankenreich) und des Heiligen Römischen Reichs über. Dadurch war Rom nie untergegangen und die Herrscher beider Reiche durften sich als römische Kaiser betiteln.

Genauso wie das antike Rom wurde das Heilige Römische Reich als Tausendjähriges Reich verkündet, nicht als Erbe Roms, sondern als direkte Anknüpfung mit rechtlichen Statuten.

Warum war das Reich heilig

Wie im vorherigen Absatz beschrieben, wurde das Heilige Römische Reich als viertes Weltreich (Rom) verkündet. Um den Status weiter zu erhöhen, die Christenheit zu einen und den Kaiser unter Gottesgnadentum zu stellen, wurde das Reich heiliggesprochen.

Demnach unterstand der Monarch, genauso wie im römischen Kaiserreich der Antike, nicht dem Volke oder menschlichen Institutionen, sondern war von Gottesgnaden auserwählt und legitimiert wurden.

Es handelte sich um ein göttliches Recht und der römische Kaisertitel verpflichtete den Monarchen dazu, das Christentum zu schützen. Und deshalb verstand sich das Heilige Römische Reich auch als Schutzmacht für das christliche Abendland (Europa). Dadurch wurden die Kreuzzüge gegen Ungläubige (Muslime) genauso befürwortet, wie die Verfolgung von Ketzern und Hexen.

Warum wurde das Heilige Römische Reich später zum Reich Deutscher Nationen

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches entstammte immer aus deutschen Gebieten, welche damals noch nicht Deutschland hießen, sondern als Regnum Teutonicum oder Reich der Deutschen bezeichnet wurde.

Dieses deutsche Königreich ging unter Heinrich I. (919 – 936) aus dem Ostfrankenreich hervor. Der deutsche König wurde von Wahlmännern aus dem deutschen Adel gewählt. Zum Regnum Teutonicum gehörten ehemals germanische Reiche, wie die Alemannen, die Sachsen oder Bayern. Alle wurden unter einem deutschen König vereint.

Fast alle deutschen Könige wurden später zu römisch-deutschen Kaiser. Das Heilige Römische Reich war eine Glaubensgemeinschaft an die Macht des Kaiser als Auserwählten einer überirdischen Macht (Gott). Und demnach wurden die König im Reich der Deutschen durch wahlberechtigte Adelige gewählt (Regnum Teutonicum).

Oftmals wurde der König schon zu Lebzeiten eines Kaisers gewählt, um die Thronfolge zu sichern. Somit gab der Kaiser irgendwann seine Königswürde an einen Nachfolger ab, blieb aber bis zu seinem Tode der deutsch-römische Kaiser.

Warum wird das Heilige Römische Reich auch als Altes Reich bezeichnet

Das Deutsche Reich bestand dreimal und ging dreimal unter. Das Erste Deutsche Reich war Regnum Teutonicum, welches mit dem Heiligen Römischen Reich verschmolzen war und mit ihm 1806 unterging.

Auf dieses Erste Deutsche Reich folgte eine Zeit der Kleinstaaterei mit vielen deutschen Kleinstaaten. Gleichzeitig wuchs der Nationalismus und der Wunsch nach einem gesamtdeutschen Nationalstaat. Dies wurde mit der Reichsgründung 1871 erreicht.

Zwischen 1871 (Reichsgründung) und 1918 (Novemberrevolution) wurde das Deutsche Reich auch als Deutsches Kaiserreich bezeichnet. An der Spitze stand ein Kaiser, welcher zugleich König von Preußen war. Dies war das Zweite Deutsche Reich. Auch dieses ging am Ende des Ersten Weltkrieges unter. Denn die Novemberrevolution von 1918 besiegelte das Ende der Monarchie im Deutschen Reich und in Preußen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, unter Adolf Hitler, sollte ein neues Großreich geschaffen werden. Dieses wurde als Drittes Reich bezeichnet und sollte ebenfalls ein Tausendjähriges Reich werden. In diesem 3-Reiche-Zusammenhang wird das Heilige Römische Reich auch als Erstes Deutsches Reich oder Altes Reich bezeichnet.

Was gehörte zum Heiligen Römischen Reich

Das Heilige Römische Reich bestand aus drei Großgebieten: Regnum Teutonicum, Burgund und Reichsitalien. Da es sich beim Reich um ein Glaubensbündnis handelte, um Sicherheit und christliche Werte zu verteidigen, sind geografische Grenzen eigentlich kaum zu ziehen.

Regnum Teutonicum

Zum Heiligen Römischen Reich gehörte das Regnum Teutonicum (Land der Teutonen bzw. Germanen), welches auch als Reich der Deutschen oder als römisch-deutsches Reich bezeichnet wurde. Dieses Reich erstreckte sich nördlich der Alpen auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands bis in den Osten des heutigen Frankreichs. Die Niederlande und Teile Belgiens waren ebenfalls ein Teil dieses römisch-deutschen Reiches.

Im Westen reichte das Regnum Teutonicum zu Zeiten Otto I. bis nach Magdeburg. Weiter westlich grenzten die Billinger Mark (Mecklenburg), Nordmark (Havelberg, Brandenburg), Marklausitz (Zerbst, Jüterbog), Mark Merseburg, Mark Zeitz und Mark Meissen (Meissen, Bautzen) ans Reich. Diese Gebiete wurden unter Konrad II. (1035) ins Reich eingegliedert, so dass sich die Westgrenze bis nach Polen verschob.

Böhmen, Mähren, Schlesien

Ab 1198 entstand auf dem Gebiet der heutigen Tschechei das Königreich Böhmen, welches bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches ein Teil des Regnum Teutonicums wurde. Unter böhmischer Krone stand auch die Markgrafschaft Mähren und die Herzogtümer Ober- und Unterschlesien, welche somit ebenfalls Teil des Heiligen Römischen Reiches waren.

Reichsitalien

Reichsitalien (regnum Italicum) war ein Gebiet im Norden des heutigen Italiens, welches einst dem antiken Römischen Reich gehörte, aber im 6. Jahrhundert an die Langobarden fiel. Das Langobardische Königreich wurde 774 von Karl dem Großen erobert und ins Frankenreich eingegliedert. Als sich das Frankenreich teilte (siehe oben), fiel Norditalien dem Ostfrankenreich zu – weshalb der Herrschaftsanspruch des römisch- deutschen Kaisers sich bis dorthin erstreckte.

Burgund

Das Königreich Burgund löste sich 930 vom Westfrankenreich ab und stellte ein Zwischenreich zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Westfrankenreich dar, bevor es 1033 ins Heilige Römische Reich integriert wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde Burgund wieder französisches Gebiet. In der Geschichtswissenschaft wird Burgund als dritter Teil des Heiligen Römischen Reiches auch als regnum Arelatense oder Arelat bezeichnet.

Welche Beziehung hatte das Heilige Römische Reich zu Kirche und Papst

Mit der Kaiserkrönung hatte Karl der Große (800) auch die Schutzherrschaft über das Papsttum übernommen. Durch diesen Schutzschirm konnte das Papsttum in der Führungsposition der christlichen Westkirche aufsteigen und Rom zum Zentrum des Abendlandes etablieren. Somit war die Kaiserkrönung zugleich eine Konfessionsspaltung zwischen der orthodoxen Kirche des Ostens (Konstantinopel, Byzantinisches Reich) und der römisch-katholischen Kirche des Westens (Rom).

Unter Gregor VII., welcher zwischen 1073 und 1085 der Papst in Rom war, ordnete sich der Kaiser dem Papsttum unter. Spätere Päpste konnten diesen Zustand nicht aufrechthalten. Zwar sollte der Papst den Kaiser krönen, weshalb die Kirche eine gewisse Macht behielt, jedoch wurde dieses Ritual in der Frühen Neuzeit gänzlich abgeschüttelt. So ernannte sich bspw. Maximilian I. im Jahr 1508 als „Erwählter Kaiser“ und brauchte keine Zustimmung des Papstes. Und Karl V. war der letzte Kaiser, welcher sich 1530 vom Papst krönen ließ.

In der Folgezeit beanspruchten die Kaiser den Titel bereits durch die bestätigte Wahl zum deutschen König, welche durch die Kurfürsten erfolgte. War jemand zum römisch-deutschen König gewählt, wurde er beim Ableben des amtierenden Kaisers zu dessen Nachfolger. Dem Papst teilte man dies lediglich mit und zeigte die Königswahl pro forma an.

Warum ist das Heilige Römische Reich untergegangen

Im Zuge der Französischen Revolution (1789) stieg Napoleon Bonaparte als Staatsmann auf und ernannte sich 1804 zum Kaiser der Franzosen.

In der Folge gab es zwei Schutzmächte (römische Kaiser) in Europa und Napoleon bewegte die deutschen Staaten dazu, aus dem Reichsverbund des Heiligen Römischen auszusteigen und dem Rheinbund beizutreten, an dessen Spitze das französische Kaiserreich als Schutzmacht stand.

Nachdem sich die deutschen Teilstaaten aus dem Heiligen Römischen Reich lösten, legte Kaiser Franz II. die Reichskrone nieder (1806), wodurch das Heilige Römische Reich faktisch aufhörte zu existieren.

Warum konnte sich das Heilige Römische Reich selbst auflösen

Das Heilige Römische Reich war kein Staatenbund und kein Nationalstaat, sondern war abhängig vom Glaubensbekenntnis der wahlberechtigten Adeligen in den Kleinstaaten. Da 1806 der Glaube an den römisch-deutschen Kaiser schwand, konnte Franz II. lediglich die Reichskrone niederlegen und das Reich somit auflösen.

Was kam nach dem Heiligen Römischen Reich

Aus dem Heiligen Römischen Reich gingen ab 1806 mehrere deutsche Kleinstaaten hervor, welche sich zu einem Militärbündnis (Rheinbund) mit Frankreich zusammenschlossen. Die stärksten Staaten des Rheinbundes waren das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich. Beides waren deutsche Staaten.

Das Kaiserreich Österreich wurde bereits 1804 vom römisch-deutschen Kaiser Franz II. begründet, um die österreichische Reichshälfte und den Kaisertitel vom Alten Reich zu lösen. Franz II. kam aus dem Geschlecht der Habsburger und war zugleich Erzherzog von Österreich. Somit sicherte er die österreichische Reichshälfte für die Habsburger, welche dadurch ein deutsche Großmacht blieben.

In den Jahren nach 1806 begannen die Preußischen Reformen. Das preußische Königreich war neben Österreich ein weiteres deutsches Großreich. Und durch die Reformen – welche das Militär, die Bildung und Wirtschaft betrafen – wandelte sich das preußische Königreich von einem reinen Agrarstaat in einen Industriestaat. Dadurch blieb es auf Augenhöhe mit Österreich um die Vormachtstellung im Rheinbund und späteren deutschen Bund.

Die deutsche Pluralität endete im deutsch-deutschen Krieg (preußisch-österreichischen Krieg) von 1866, wodurch die Länder endgültig entzweit wurden. Österreich schloss sich ab 1867 mit Ungarn zusammen und trat als Doppelmonarchie auf. Preußen hingegen wurde zur Hegemonialmacht der übrigen deutschen Staaten und stellte mit der Reichsgründung von 1871 auch den deutschen Kaiser im zweiten deutschen Reich (bis 1918).

Was war das Besondere am Heiligen Deutschen Reich

Sprache

Obwohl die deutsche Sprache zwar die Verkehrssprache der Deutschen war, blieb Latein die Amtssprache. Als Martin Luther die Bibel im 16. Jahrhundert übersetzte, führte dies zu einer Etablierung der deutschen Sprache von der Verkehrssprache zur Bildungssprache. Dennoch wurde Latein als Amtssprache nie ersetzt.

Staatsaufbau

Das Heilige Römische Reich war kein Staat und auch kein Staatenbund. Stattdessen war es ein Zusammenschluss christlicher Gebiete unter der Führung eines Kaisers, um zunächst heidnische Ungarn, heidnische Wikinger und später heidnische Türken abzuwehren.

Der Aufbau glich einem Haupt mit Gliedern. Das Oberhaupt war der Kaiser, welcher das verbindende Element war. Er war oberster Lehnsherr, oberster Richter, oberster Wahrer von Frieden und Sicherheit – stand aber niemals über dem Gesetz. Die Reichsverfassung stand über dem Kaiser, weshalb sich die Stellung deutlich von Königen in Frankreich (Absolutismus) unterschied.

Im Verlauf der Geschichte wurden die Rechte des Kaisers und auch die Grundgesetze immer wieder erneuert. So regelte bspw. die Goldene Bulle von 1356, die Modalitäten der Königswahl durch die Kurfürsten. Der Kaiser konnte die Standesordnung ändern, also jemand in einen Stand erhöhen oder einen akademischen Grad verleihen. Aber der Kaiser war kein eigentlicher Herrscher, sondern vielmehr die Spitze einer Hierarchie, von welcher die ganze Ordnung ausging.

Die Glieder im Reich waren Herrschaftsträger, also die eigentlichen Herrscher. Dies waren Kurfürsten (wahlberechtigt), Fürsten, Grafen oder Ritter. Einige dieser Herrschaftsglieder gehörten zum Kreis der Reichsstandschaft. Diese hatten einen Sitz und eine Stimme im Reichstag, dem höchsten Forum der Reichspolitik.

Wahlkönigtum

Der deutsche König wurde durch Kurfürsten gewählt. Die Königswahl erfolgte oft bereits zu Lebzeiten des amtierenden Kaisers, um die Thronfolge zu sichern. Der deutsche König hatte zugleich ein Anrecht auf den Titel des römisch-deutschen Kaisers.

Die erste Königswahl geschah 911 im Ostfrankenreich, nachdem Ludwig IV. (das Kind) ohne Erben gestorben war. Bei dieser ersten Königswahl setzte sich Konrad I. (911-918) durch. Ihm folgte 919 Heinrich I. aus Sachsen, wodurch erstmals ein Nichtfranke den Thron bestritt.

Heinrich I. setzte durch, dass sein Sohn Otto I. zum neuen König wurde. Damit war das Wahlkönigtum erst einmal wieder vergessen und das Erbkönigtum setzte sich fort. Denn fortan wurden wieder die Söhne der römisch-deutschen König bzw. Kaiser als Erben bevorzugt. Doch immer dann, wenn ein König bzw. Kaiser ohne Erben starb, wurde der Rat der Kurfürsten einberufen, um einen neuen König zu wählen – welcher später meist auch Kaiser wurde.

Und so wurden zuerst die Ottonen zu Königen und Kaiser, gefolgt von den Welfen und Staufern. Mit dem Aussterben der Staufer (Konrad IV., 1254) wurde die Wahlmonarchie zur endgültigen Herrschaftsform erhoben. Fortan kamen deutsche Könige auch aus Böhmen, den Niederlanden und anderswo.

Zunächst wählten alle Reichsfürsten den König. Später wurde die Königswahl auf die Kurfürsten eingeschränkt. Als Karl IV. die Goldene Bulle (1356) erließ, wurde die Königswahl auf sieben Kurfürsten eingeschränkt.

Seit 1438 blieb die Königskrone bei den Habsburgern. Erster Amtsinhaber war Albrecht II., welcher zugleich auch Herzog von Österreich oder König von Ungarn war. Bis auf Karl VII. (1742-1745), welcher aus dem Haus Wittelsbach kam, blieb die Krone des deutschen Königs seit 1438 im Haus Habsburg.

Als Kaiser Franz II., ebenfalls ein Habsburger, sein Amt 1806 niederließ und das Heilige Römische Reich erlosch – folgten die Habsburger ihrer österreichischen Linie, welche fortan eine Erbmonarchie war (Kaiserreich Österreich). Trotz der langen Habsburgerjahre war das Heilige Römische Reich zwischen 1438 und 1806 eine Wahlmonarchie geblieben, in welcher die Kurfürsten auf ihr Wahlrecht bestanden.

Kaiserpfalz statt Hauptstadt

Im Heiligen Römischen Reich gab es keinen echten Regierungssitz oder Herrschaftssitz. Der Kaiser reiste durchs Land, nahm seinen ganzen Hofstaat mit und residierte mal dort und mal da. Grund war, dass jeder Kaiser zugleich auch Herzog von einem Kleinstaat oder König von einem Teil-Königreich war. Demnach hatte der Kaiser verschiedene Ämter zu bekleiden, weshalb er an verschiedenen Orten sein musste.

Der Reichstag als Ständevertretung und parlamentarische Versammlung tagte mal in Worms, mal in Regensburg und anderswo. Ab 1663 tagte ein immerwährender Reichstag in Regensburg.

Aufgrund von wechselnden Kaiserpfalzen und wechselnden Reichstagen gab es im Reich keine andauernde Hauptstadt. Stattdessen hatte jeder König bzw. Kaiser seine eigene Hauptstadt. Wählte Karl der Große bspw. Aachen als Kaiserpfalz, so wurde unter Otto dem Großen die Stadt Magdeburg zur Kaiserpfalz erhoben. Somit konnte Otto seine Regierungsgeschäfte als Herzog von Sachsen nachgehen.

Föderalismus

Föderalismus ist ein Organisationssystem, bei welchem einzelne Gliedstaaten bestimmte Rechte haben. In der heutigen Bundesrepublik Deutschland werden diese Gliedstaaten als Bundesländer bezeichnet. Die Grundlage für den heutigen Föderalismus wurde im Heiligen Römischen Reich gelegt, da auch damals kleinere Reiche (Herzogtümer, Königreiche) sich einem großen Verbund (Heiligen Römischen Reich) unterstellten.


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