Der Große, Die Große (Titel)
Der Große bzw. die Große ist ein Beiname, welcher in der Geschichtswissenschaft besonderen Persönlichkeiten verliehen wird, um deren Schaffen als herausragenden Beitrag darzustellen und um nachhaltige Verehrung zu bewirken.
Der Ehrentitel hat nichts mit der Körpergröße der Personen zu tun, sondern lediglich mit deren Schaffenswerk. Demnach ist mit „groß“ eigentlich „großartig“ gemeint. Oftmals wurde der Titel an Reichsgründer, Eroberer und Wiederhersteller eines Reichs vergeben. Zu Lebzeiten wurden diese Personen meist nicht als großartig betitelt. Es handelt sich demnach um eine Konvention der modernen Forschung, um die Lebensleistung einzelner Personen zu würdigen bzw. nachträglich bewusst zu erhöhen. Mitunter unterscheidet sich die Zuweisung des Ehrentitels je nach Kultur.
Inhalt
Steckbrief
| Bedeutung: | Ehrentitel, um das Schaffenswerk einer Person zu würdigen |
| Titelgeber: | Alexander der Große (356 v. Chr. – 323 v. Chr.) |
| Erster: | Sargon (Akkadisches Reich, 23. und 24. Jahrhundert v. Chr..) |
| Letzter: | Bhumibol Adulyadej (König von Thailand, bis 2016) |
Wie entstand der Titel des Großen?
In Persien war der Titel „des Großen“ für Großkönige (König der Könige) vorbehalten. Erstmals verwendete ihn der persische König Kyros II., welcher nach der Eroberung des Mederreichs auch Kyros, das Neubabylonische Reich, Anatolien und die Gebiete des Fruchtbaren Halbmonds unterwarf. Er bezeichnete sich als Großkönig bzw. König über Könige.
Unter Dareios I. erreichte das Perserreich seine größte Ausdehnung und umfasste nun auch Teile von Südosteuropa und Nordostafrika (Alte Ägypten). Als dann Alexander III., König von Makedonien, das Perserreich eroberte – nannte er sich ebenfalls König der Könige.

Alexander III. von Makedonien bei der Schlacht von Gaugamela (1. Oktober 331 v. Chr.)
Im 3. Jahrhundert v. Chr. schrieb Titus Maccius Plautus diverse Komödien. In einer dieser Komödien wird Alexander III. als Alexander der Große erwähnt. Fortan blieb dieser Titel bestehen und ersetzte in der griechisch-römischen Kulturwelt den Großkönig.
Spätere Herrscher, welche Ähnliches wie Alexander leisteten, wurden mit Titel versehen – um ihren Beitrag entsprechend zu würdigen. Sie standen somit in der Tradition von Alexander dem Großen, den Besieger der Perser und Verbreiter des Hellenismus.
Welcher Herrscher war der erste große König der Geschichte?
Etwa 2000 Jahre vor Alexander dem Großen lebte Sargon von Akkad. Dieser eroberte die sumerischen Stadtstaaten in Mesopotamien und unterwarf die Lokalfürsten. Das Akkadische Reich, als erster Großreich der Geschichte, entstand rundum die Stadt Akkad. In der modernen Geschichtswissenschaft wird deshalb Sargon auch als Sargon der Große bezeichnet.

Sargon von Akkad (Sharrum-Kin, reg. 2356-2300 v.Chr.)
Werden nur Könige als Der Große bezeichnet?
Neben Monarchen gibt es auch Heerführer, Päpste, Aristokraten und mythologische Heroen, welche den Titel des Großen bzw. der Großen tragen.
Einer der bedeutendsten Helden der griechischen Mythologie ist Aias der Telamonier, welcher in der Ilias von Homer erwähnt wird und zwölf Schiffe nach Troja führte (Trojanischer Krieg). Dieser wird als Ajax der Große bezeichnet.
Der römische Heerführer Gnaeus Pompeius Magnus galt als brillantester Heerführer seiner Zeit. Für das Römische Reich eroberte er mehrere Provinzen im Mittelmeerraum und zerschlug den Rest des Seleukidenreiches. Deshalb bekam er das Attribut des Magnus (der Große). Im Römischen Bürgerkrieg unterlag er allerdings gegen Gaius Iulius Caesars.
Andreas Prokop, ein böhmischer Geistlicher und Prediger während der Reformationszeit, kämpfte als Feldheer in den Hussitenkriege. Auch dieser wird in Tschechien und in der evangelischen Kirche als Prokop der Große verehrt.
Ein Beispiel aus der Religion ist Papst Nikolaus I. (820-867), welcher in der katholischen Kirche als Vorbereiter des päpstlichen Universalanspruchs verehrt wird. Deshalb wird er auch als Nikolaus der Große bezeichnet.
Die gleiche Ehrung wurde Papst Gregor I. (540-604) zuteil, welcher als Papst Gregor der Große einer der vier großen Kirchenväter der Spätantike war. In die Liste der großen Päpste reiht sich auch Papst Leo der Große ein, welcher zwischen 440 und 461 der Bischof von Rom war.
Im Judentum wird Elieser ben Hyrkanos, ein jüdischer Gelehrter aus dem 1. Jahrhundert, als Rabbi Elieser der Große verehrt.
Ein bedeutender Aristokrat war Friedrich Wilhelm von Preußen, welcher Herzog von Preußen aber auch Kurfürst von Brandenburg war (Brandenburg-Preußen). Aufgrund seiner Reformen, seiner militärischen und politischen Leistungen bekam er den Beinamen: „der Große Kurfürst“. Er war Wegbereiter vom Herzogtum Preußen zum Königreich Preußen.
Wie bekam man den Titel der Große?
Es gibt keine objektiven Kriterien für „Größe“. Deshalb variiert die Beständigkeit des Titels stark.
So wurde etwa Kaiser Wilhelm I. – welcher der erste deutsche Kaiser war, zu seinen Lebzeiten niemals als der Große bezeichnet. Aber zu Lebzeiten seines Enkels Kaiser Wilhelm II. wurde er als Wilhelm der Große bezeichnet. Dadurch ließ sich Wilhelm I. besser von seinem Enkel abgrenzen.
Nachdem das deutsche Kaiserreich im Zuge der Novemberrevolution von 1918 unterging, verblasste der Beiname wieder. Heute bezeichnen die wenigsten Wilhelm I. als Wilhelm den Großen.
Eine ähnliche Wendung nahm die Ehrung von König Ludwig XIV. von Frankreich. Zu Lebzeiten wurde er als Ludwig der Große bezeichnet. Er galt als Symbol des Absolutismus in Frankreich und in ganz Europa.
Unter der Führung seines Enkels Königs Ludwig XVI. kam es zur französischen Revolution, wodurch das Attribut des Großen Königs mitsamt der Monarchie als Staatsform in Mitleidenschaft geriet. Heute bezeichnet man Ludwig XIV. nicht mehr als den Großen König – sondern als den Sonnenkönig – um das Absurde des französischen Absolutismus hervorzuheben.
Wer bekam den Beinamen die Große?
Gertrud von Helfta war eine der herausragendsten christlichen Frauen des Mittelalters. Sie war Mystikerin und deutsche Benediktinerin. In der römisch-katholischen Kirche wird sie als Heilige verehrt. Sie verfasste zahlreiche Schriften, welche sich durch ein besonderes Maß an spiritueller Tiefe und theologischer Einsicht auszeichnen. Aus diesem Grund gab Papst Benedikt XIV. ihr den Titel: Gertrud die Große, wodurch sie sich von Gertrud von Hackeborn – einer Äbtissin des Benediktinerklosters Helfta – unterscheiden ließ.
Zarin Katharina II. von Russland wird als Katharina die Große verehrt. Katharina verstand sich als „Philosophin auf dem Thron“ und orientierte sich an Ideen der Aufklärung. Sie führte zahlreiche Reformen durch, modernisierte den russischen Staat grundlegend und machte das russische Kaiserreich zur europäischen Großmacht.
Liste aller Titelträger
| Mythologie |
| Ajax der Große ist einer der Haupthelden der griechischen Mythologie rundum die Schlacht von Troja. |
| Beli der Große bzw. Beli Mawr: walisische Sagengestalt |
| Belinus der Große: sagenhafter König von England |
| Fergus der Große: Ahnherr der Könige von Schottland |
| Gradlon der Große: sagenhafter König von Cornouaille in der West-Bretagne |
| Phrom der Große: Sagengestalt des Yonok-Königreichs in Thailand |
| Yu der Große; mythischer Kaiser Chinas, Urkaiser der Xia-Dynastie, gest. 2147 v. Chr. |
| Frühgeschichte |
| Sargon von Akkad: Begründer des Reiches von Akkad, König des Akkadischen Großreichs, gest. um 2300 v. Chr. |
| Ramses der Große: dritte Pharao der 19. Dynastie des Neuen Reichs im Alten Ägypten, gest. 27. Juni 1213 v. Chr. |
| Antike |
| Nebukadnezar II. der Große: neubabylonischer König, gest. 562 v. Chr. |
| Kyros der Große: sechster König der Achämeniden-Dynastie in Persien, seine Expansionspolitik weitete das Perserreich entschieden aus und schuf die Grundlage für das erste Weltreich der Geschichte, gest. August 530 v. Chr. |
| Darius der Große: persischer Herrscher, gest. 486 v. Chr. |
| Alexander der Große: Eroberer des Perserreichs, Begründer des Alexanderreichs, gest. 10. Juni 323 v. Chr. in Babylon |
| Ashoka der Große: indischer Herrscher der Maurya-Dynastie, Wegbereiter des Buddhismus in Indien, schuf das Magadha-Reich (größte Reich Indiens in der Antike), gest. 232 v. Chr. |
| Antiochos der Große: König des Seleukidenreiches zwischen 223 und 187 v. Chr. |
| Hanno der Große: Heerführer Karthagos im 3. Jahrhunderts v. Chr. |
| Mithradates der Große: König des Partherreiches, gest. 139 v. Chr. |
| Pompejus der Große: römischer Politiker und Feldherr, gest. 28. September 48 v. Chr. bei Pelusium, Ägypten |
| Herodes der Große: König von Judäa, wird im Neuen Testament zur Geburt Jesu (Weihnachtsgeschichte) erwähnt, gest. im März 4 v. Chr. |
| Konstantin der Große: römischer Kaiser, beendete die römische Tetrarchie (Viererherrschaft) und regierte als alleiniger Augustus, gest. 22. Mai 337 in Achyrona, Nikomedia, Türkei |
| Ariokh der Große: Gelehrter der Talmud (Schriftwerk des Rabbinischen Judentums), gest. Mitte des 3. Jahrhunderts |
| Antonius der Große: Einsiedler und erster Wüstenvater, wird als „Vater der Mönche“ bezeichnet, gest. 356 |
| Athanasius der Große: Kirchenvater und Patriarch von Alexandria, gest. 2. Mai 373 in Alexandria, Ägypten |
| Nerses I. der Große: Patriarch der Armenischen Apostolischen Kirche, gest. 25. Juli 373 |
| Basilius der Große: Asket, Bischof und Theologe, wichtige Gestalt im Christentum der Spätantike, gest. 1. Januar 379 in Caesarea, Kappadokien in der heutigen Türkei |
| Theodosius der Große: letzter Kaiser des gesamtrömischen Reichs, gest. 17. Januar 395 in Mediolanum (Mailand) |
| Onuphrios der Große: Heiliger der koptischen, orthodoxen und katholischen Kirche; gest. um 400 |
| Gwanggaeto der Große: Herrscher des Goguryeo-Reiches in Korea, gest. 413 |
| Isaak der Große: Patriarch von Armenien, gest. 7. September 439 in Aschtischat in Süd-Armenien |
| Arsenius der Große: Wüstenvater, gest. um 450 in Ägypten |
| Bessarion der Große: Wundertäter in Ägypten im 4. und 5. Jahrhundert |
| Papst Leo der Große: Bischof von Rom, gest. 10. November 461 |
| Theoderich der Große: König der Ostgoten und Gründer des Ostgotenreichs im heutigen Italien, gest. 30. August 526 in Ravenna, Italien. |
| Spätantike |
| Euthymios der Große: Asket in der Gebirgswüste Judäas, gest. 20. Januar 473 bei Jerusalem |
| Papst Gregor der Große, gest. 12. März 604 in Rom |
| Babai der Große: Wiederbeleber der Klosterbewegung in der Assyrischen Kirche des Ostens, gest. 628 |
| Omar der Große: zweite islamische Kalif, gest. 4. November 644 in Medina |
| Pakal der Große: Maya-Herrscher in Palenque, gest. 28. August 683 |
| Frühmittelalter |
| Karl der Große: König des Frankenreichs, Begründer des Karolingerreichs (Kaiserreich), Namensgeber der Karolinger-Dynastie, erster römischer Kaiser seit der Antike, Ursprungsfigur der französischen und deutschen Geschichte, gest. 28. Januar 814 in Aachen |
| Papst Nikolaus der Große: Bischof in Rom, gest. 13. November 867 in Rom |
| Rhodri der Große: Herrscher über weite Teile von Wales, gest. 878 |
| Photios der Große: Patriarch von Konstantinopel, gest. 6. Februar 893 |
| Svatopluk der Große: König oder Fürst von Mähren, gest. 894 |
| Alfred der Große: König von Wessex, letzter angelsächsischer König während des Wikingereinfalls in England, bereitete die Vereinigung der angelsächsischen Königreiche vor, gest. 26. Oktober 899 |
| Simeon der Große: Zar des Bulgarischen Reichs, gest. 27. Mai 927 im Preslaw, Bulgarien |
| Hugo der Große: Herzog der Franken und wichtige Figur im späten Westfrankenreich, gest. 16. Juni 956 auf der Burg Dourdan, Frankreich |
| Gero der Große: Markgraf des Ostens im Kaiserreich Otto I., gest. 20. Mai 965 in Gernrode im heutigen Sachsen-Anhalt |
| Otto der Große: römisch-deutscher Kaiser, gest. 7. Mai 973 in Memleben |
| Heinrich der Große: Herzog von Burgund, gest. 15. Oktober 1002 |
| Wolodymyr der Große: bedeutendster Fürst der Kiewer RUS, gest. 15. Juli 1015 in Berestowo bei Kyjiw |
| Knut der Große: König von Dänemark und Norwegen, König von England während der Wikingerzeit, Gründer des Anglo-Skandinavischen Reiches (Nordseereich), gest. 12. November 1035 in Shaftesbury, England |
| Hochmittelalter |
| Konrad der Große: Graf von Wettin, Markgraf von Meißen und der Mark Lausitz, gest. 5. Februar 1157 im Kloster Petersberg, heutige Sachsen-Anhalt |
| Grabissa der Große: böhmischer Adliger, gest. 1158 während des zweiten Italienzugs für Friedrich I. Barbarossa |
| Waldemar I. der Große: König von Dänemark, 12. Mai 1182 in Vordingborg, Dänemark. |
| Michael der Große: Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche, gest. 7. November 1199 |
| Roman der Große: Fürst von Nowgorod und Großfürst von Kiew, gest. 1205 bei Zawichost, Königreich Polen |
| Slauko der Große: böhmischer Fürst, gest. 1226 in Ossegg, heutige Tschechien |
| Llywelyn der Große: Herrscher über weite Teile von Wales, gest. 11. April 1240 in der Aberconwy Abbey, Wales |
| Spätmittelalter |
| Albertus Magnus war ein deutscher Gelehrter und Bischof, gest. 15. November 1280 in Köln |
| Gertrud die Große: Heilige im Christentum, gest. 17. November 1301 oder 1302 |
| Geert der Große: Okkupator im Königreich Dänemark, Fürst - welcher Schleswig und Holstein verband; gest. 1. April 1340 in Randers, Dänemark |
| Kasimir der Große: erster König von Polen, gest. 5. November 1370 in Krakau |
| Ludwig I. der Große: König von Ungarn und Kroatien, ab 1370 auch König von Polen, gest. 10. September 1382 in Trnava, heutige Slowakei |
| Vytautas der Große: Großfürst von Litauen, gest. 27. Oktober 1430 |
| Prokop der Große, Reformator im Christentum und Feldherr in den Hussitenkriegen, gest. 30. Mai 1434 bei Lipan, heutige Tschechien |
| Sejong der Große: König der Joseon-Dynastie in Korea, gilt als Erfinder des koreanischen Alphabets, gest. 8. April 1450 in Hanseong, dem heutige Seoul in Südkorea |
| Frühe Neuzeit |
| Stefan der Große: moldauischer und rumänischer Volksheld, gest. 2. Juli 1504 in Suceava, heutige Rumänien |
| Iwan III. der Große: Großfürst von Moskau, gest. 27. Oktober 1505 in Moskau |
| Akbar der Große war von 1556 bis 1605 Großmogul von Indien. |
| Abbas I. der Große regierte zwischen 1587 bis 1629 als Schah von Persien. |
| König Louis XIV von Frankreich: König von Frankreich und Navarra, gest. 1. September 1715 in Schloss Versailles, Frankreich |
| Peter der Große: Zar und Kaiser von Russland, gest. 8. Februar 1725 in Sankt Petersburg |
| Friedrich der Große: König in Preußen, Gewinner der Schlesienkriege, führte das Königreich Preußen zur europäischen Großmacht, gest. 17. August 1786 in Potsdam |
| Moderne |
| Katharina II. die Große: Zarin im Russischen Kaiserreich, gest. 17. November 1796 in Sankt-Petersburg |
| Radama der Große: König von Madagaskar, gest. 27. Juli 1828 in Tananarive |
| Rama I. der Große: König von Siam und Begründer der noch heute regierenden Chakri-Dynastie, gest. 7. September 1809 in Bangkok |
| Kamehameha I. der Große: erster König von Hawaii, gest. 1819 |
| Neueste Geschichte |
| Bhumibol Adulyadej der Große: König von Thailand, längste amtierende Staatsoberhaupt der Welt (reg. 1946-2016), gest. 13. Oktober 2016 in Bangkok |





