Irak
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was ist besonders an der Geografie des Iraks?
- 3 Wo liegen die größten Städte des Iraks?
- 4 Warum gilt der Irak als Wiege der Zivilisation?
- 5 Welche Hochkulturen entstanden im Alten Irak?
- 6 Welche Reiche beherrschten den Irak in der Antike?
- 7 Wie wurde der Irak islamisch?
- 8 Welche Rolle spielte der Irak in der frühen islamischen Geschichte?
- 9 Welche Bedeutung hatte Bagdad im Mittelalter?
- 10 Wer regierte den Irak im Hochmittelalter?
- 11 Wie kamen die Osmanen an die Macht im Irak?
- 12 Wie verlief die osmanische Herrschaft im Irak?
- 13 Was geschah im Vorfeld des Ersten Weltkriegs im Irak?
- 14 Wie entstand der moderne Irak?
- 15 Wie wurde der Irak zur Republik?
- 16 Warum ist der Irak seit den 1960er Jahren politisch so instabil?
- 17 Wie prägte Saddam Hussein den Irak?
- 18 Warum griffen die USA 2003 den Irak an?
- 19 Wie verlief der Irakkrieg?
- 20 Was geschah nach der US Invasion?
- 21 Warum zogen die US-Truppen 2011 aus dem Irak ab?
- 22 Welche Rolle spielten ausländische Truppen zwischen 2003 und 2011?
- 23 Was war die Irakkrise von 2014?
- 24 Wie wurde der irakische Bürgerkrieg beendet?
- 25 Welche Rolle spielten Milizen im Kampf gegen den IS?
- 26 Wie entstand das heutige irakische Militär?
- 27 Wie hoch sind die Militärausgaben des Iraks?
- 28 Welche privaten Militärfirmen sind im Irak aktiv?
- 29 Welche Rolle spielt die Autonome Region Kurdistan?
- 30 Warum greift die Türkei den Nordirak immer wieder an?
- 31 Welche Rolle spielte das Erdöl in der Geschichte des Iraks?
- 32 Wie haben die UN Sanktionen den Irak wirtschaftlich beeinflusst?
- 33 Wie entwickelte sich die Wirtschaft des Iraks?
- 34 Gibt es eine Tourismus-Branche für den Irak?
- 35 Wie ist die Wasserversorgung im Irak?
- 36 Wie viele Menschen leben im Irak?
- 37 Wie setzt sich die irakische Bevölkerung zusammen?
- 38 Was ist besonders an den irakischen Arabern?
- 39 Welche Sprachen werden im Irak gesprochen?
- 40 Wie haben Kriege die Kultur des Iraks beeinflusst?
- 41 Welche Rolle spielt das mesopotamische Erbe des Iraks heute?
- 42 Wie vielfältig ist die Religion im Irak?
- 43 Welche heiligen Städte liegen im Irak?
- 44 Wie ist der irakische Staat aufgebaut?
- 45 Was bedeutet die irakische Flagge?
- 46 Zeittafel zur Geschichte des Iraks
Die Republik Irak ist ein Staat in Vorderasien. Gegründet wurde der Irak am 3. Oktober 1932 als Großbritannien den Staat in die Unabhängigkeit verließ. In den Besitz des irakischen Territoriums kam Großbritannien während des Ersten Weltkrieges, indem es am 6. November 1914 die Hauptstadt Bagdad besetzte.
Zuvor gehörte der Irak seit 1534 zum Osmanischen Reich. Und davor waren knapp 900 Jahre wechselnde muslimische Herrscher im Gebiet des Iraks an der Macht. Vor der Islamischen Expansion war das Gebiet des Iraks als Mesopotamien oder Zweistromland bekannt. Hier begann etwa 3500 v. Chr. die Menschheit damit, sich staatlich zu organisieren. Demnach ist der Irak ein Entstehungsort der Zivilisation und der ersten Hochkulturen der Geschichte.
Steckbrief
| amtlich: | Republik Irak |
| international: | Iraq |
| Hauptstadt: | Bagdad (7,92 Mio. Einwohner) |
| Zeitzone: | UTC+3 |
| Internet: | .iq |
| Telefonvorwahl: | +964 |
| Lage: | Vorderasien, Orient |
| Nachbarn: | Iran im Osten, Kuwait im Südosten, Saudi-Arabien im Süden und Südwesten, Jordanien im Westen, Syrien im Nordwesten, Türkei im Norden |
| Fläche: | 438.317 km² (Rang 58) |
| Meeranbindung: | Persischen Golf im Süden |
| Großstädte: | Bagdad, Mossul, Basra, Kirkuk, Nadschaf, Kerbela, Sulaimaniyya |
| Flüsse: | Euphrat (Länge: 2736 km), Tigris (Länge: 1900 km), Schatt al-Arab (Euphrat-Tigris-Zusammenfluss, Länge: 193 km) |
| Seen: | Tharthar-See (Fläche: zwischen 2000 und 2500 km²), Razzaza-See (Fläche etwa 1500 km²), Habbaniyya-See (Fläche: etwa 140 km²), |
| Inseln: | Halbinsel al-Faw am Persischen Golf |
| Gebirge: | Zagros-Gebirge im Nordosten |
| Höchster Berg: | Schicha Dar im Zagros (Höhe: 3611 Meter) |
| Landschaften: | Arabische Wüste im Westirak, Marschland im Südirak (Ahwar), Al‑Dschazira im Nordwest-Irak, Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris |
| Klima: | Vom Westen nach Osten: Übergang vom Wüstenklima zum subtropischen sommertrockenen Kima; im Nordosten: winterfeuchtes Steppenklima |
| Einwohnerzahl: | 46,52 Mio. (Stand 2025, Rang 34) |
| Bevölkerungsdichte: | etwa 106 EW/km² (Rang 85) |
| Bevölkerungsgruppen: | Araber: 75–80 %, Kurden: 15–20 %, Minderheiten: etwa 5 % (Turkmenen, Kaka'i, Beduinen, Roma, Assyrer, Tscherkessen, Mandäer und Perser) |
| Bevölkerungsverteilung: | Stadt: 71,6 %, Land: 28,4 % |
| Altersverteilung: | unter 15 Jahre: 37, 3 %, zwischen 15 und 64 Jahren: 59,3 %, über 64 Jahre: 3,4 % |
| Altersmedian: | 20,2 Jahre |
| Lebenserwartung: | Frauen: 74 Jahre, Männer: 70 Jahre |
| Alphabetenrate: | Frauen: 79,9 %, Männer: 91,2 % |
| Sprachen: | Arabisch, Kurdisch u.a. |
| Atheismusrate: | 1-2 % |
| Religionen: | Islam: 95 bis 98 % (davon etwa 66 % Schiiten und 33 % Sunniten), große jüdische Gemeinde bis 1948, heute kaum noch Juden im Irak, kleine christliche Minderheit (Chaldäisch-katholische Kirche, Assyrische Kirche des Ostens, Syrisch-Orthodoxe Kirche), Jesidismus (etwa 2 %), weitere Gemeinschaften unter 1 % (Zoroastrismus, Mandäismus, Hinduismus, Sikhismus) |
| heilige Städte: | Bagdad, Kerbela, Nadschaf, Samarra, Mossul, Lalisch |
| Historisch: | Mesopotamien (Zweistromland) mit Obermesopotamien (Assur) und Untermesopotamien (Sumer) |
| Vorgeschichte: | Jarmo-Kultur im Nordirak, Hassuna-Kultur in Nordmesopotamien (Irak, Syrien), Samarra-Kultur im Mittleren Irak, Obed-Kultur und Uruk-Kultur im Südirak |
| Altertum: | Sumerer, Akkader, Assyrer, Babylonier, Kassiten |
| Antike: | Achämeniden (Perser), Makedonen (Hellenismus), Seleukiden, Parther, Sassaniden (Perser), römische Provinz Mesopotamia |
| Mittelalter: | muslimische Reiche: Rashidun, Umayyaden, Abbasiden, Buyiden, Seldschuken, Ilchane, Dschalayiriden, Timuriden, Safawiden, Osmanen |
| Neuzeit: | Teil des Osmanischen Reichs zwischen 1534 und 1917, danach britische Besatzungszone (Erster Weltkrieg), ab 1932 Königreich Irak, ab dem 15. Juli 1958 Republik Irak |
| Unabhängigkeit: | 3. Oktober 1932 von Großbritannien |
| Währung: | Irak-Dinar |
| BIP: | 254,42 Mrd. US-Dollar |
| Wachstum: | -2,2 % |
| Inflation: | 4,4 % |
| Sektoren: | Landwirtschaft: 2,8 %, Industrie (vor allem Öl): 62,5 %, Dienstleistungen: 34,7 % |
| Arbeitslosenquote: | 15,5 % |
| CO2-Emmision/Kopf: | 4,4 Tonnen |
| Staatsform: | Parlamentarische Bundesrepublik |
| Jahr der Verfassung: | 2005 |
| Wahlrecht: | 18 Jahre |
| Staatsoberhaupt: | Nizar Amidi (seit 2026) |
| Regierungschef: | Ali al-Saidi (seit 2026) |
| Persönlichkeiten: | Faisal I. (erster König des modernen Irak), Saddam Hussein (ehemaliger Präsident und Diktator), Jalal Talabani (erster kurdischer Präsident), Abd al-Karim Qasim (Anführer der Revolution von 1958) |
| Sehenswürdigkeiten: | Ishtar‑Tor‑Rekonstruktion in Babylon, sumerische Stadt Ur mit monumentalen Zikkurat, Tore und Palastruinen von Ninive, Grab von Imam Ali in Nadschaf, Heiligtümer von Imam Husain und Abbas in Kerbela, Spiralminarett‑Moschee (Große Moschee) in Samarra |
| Persönlichkeiten: | Hammurabi, Nebukadnezar II., Gilgamesch, Sargon von Akkad, Imam Ali, Imam Husain, Ali al‑Sistani, Faisal I., Abdul Karim Qasim, Saddam Hussein, Jalal Talabani, Zaha Hadid, Jawad Saleem, Kadim Al Sahir, Sinan Antoon |
| Nationalgerichte: | Masgouf (Fischgericht), Dolma (gefülltes Gemüse), |
| Nationalgetränke: | Chai (Tee), Dschallab (Dattel-Traubensirup), Ayran (salziger Trinkjoghurt), Kahwa (arabischer Kaffee) |
| Feiertage: | islamische Feiertage: Eid al‑Fitr (Fest nach dem Ramadan), Eid al‑Adha (Opferfest), Islamisches Neujahr (1. Muharram), Mawlid an-Nabi (Geburtstag des Propheten Mohammed), Ashura (Gedenktag von Imam Husain), Nichtislamische Feiertage: 6. Januar (Tag der irakischen Armee), 9. April (Tag des Sieges über das Baath‑Regime), 14. Juli (Tag der Republik), 3. Oktober (Nationalfeiertag) |
Was ist besonders an der Geografie des Iraks?
geografische Daten: siehe Steckbrief/Geografie des Iraks
Der Norden und Süden des Iraks sind landschaftlich ganz unterschiedlich. Denn der Norden ist durchzogen von der Zagros Gebirgskette. Jenes Gebirge entstand durch die Kollision der Arabischen mit der Eurasischen Platte. Die Landwirtschaft begann dort bereits 10.000 v. Chr.. Heute gehört das Gebiet weitestgehend zur Autonomen Provinz Kurdistan.
Die beiden großen Flüsse des Iraks sind Euphrat und Tigris. Entlang deren Verlauf entstanden in der Bronzezeit die frühen Hochkulturen, in einem Gebiet – welches als Mesopotamien bezeichnet wird.
Der Euphrat entspringt in der Türkei im Inneren Taurusgebirge. Von dort aus verläuft der Euphrat durch Syrien und anschließend in den Irak. Bei der Stadt Al-Qurna fließen Euphrat und Tigris zusammen und werden zum Schatt al-Arab, auch Arvandrud genannt.
Der Tigris hat einen ähnlichen Verlauf. Er entspringt ebenfalls in der Türkei, aber im Südost-Taurus in der Osttürkei, durchfließt Syrien und dann weiter in den Irak.
Das Land zwischen Euphrat und Tigris ist äußerst fruchtbar. Insbesondere der Süden – das historische Sumer – eignet sich besonders gut für die Landwirtschaft. Denn dort bilden die beiden Flüsse ein ausgedehntes Alluvial und Delta System, in welchem über Jahrtausende hinweg sehr fruchtbare Sedimente abgelagert wurden.
Weil sich der Norden und Süden des Iraks so landschaftlich unterscheiden und weil im Nordirak die Sesshaftigkeit viel früher als im Süden begann, unterscheidet man nach Nordmesopotamien (Obermesopotamien) und Südmesopotamien (Untermesopotamien).
Wo liegen die größten Städte des Iraks?
Hauptstadt
Die größte Stadt des Iraks ist die Hauptstadt Bagdad mit 7,8 Mio. Einwohner. Diese liegt im Zentralirak, in einem Gebiet, wo sich Euphrat und Tigris ziemlich nah kommen.
Vorher lag dort die historische Stadt Seleukeia-Ktesiphon, eine bedeutende Stadt der Perser während der Antike. Bevor dort die Perserstadt entstand, lag in diesem Bereich auch die sumerische Stadt Kisch, in welcher das sumerische Königtum begründet wurde. Und wohlmöglich lag in diesem Flaschenhals zwischen Euphrat und Tigris auch die Stadt Akkad, welche die Hauptstadt des ersten Flächenstaates der Geschichte war.
Die Lage dieser Städte ist geopolitisch bedeutend. Denn der Herrscher von Akkad, Kisch, Seleukeia-Ktesiphons oder Bagdad konnte – aufgrund seiner geografischen Lage – die Wasserzufuhr in den Süden kontrollieren. Damit hatten die Herrscher immer Macht und Einfluss über den Südirak, wo sich die sumerischen Stadtstaaten befanden. Und so ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Babylon sich etwa 90 km südlich von Bagdad erstreckte.
Mossul
Die zweitgrößte Stadt des heutigen Iraks ist – mit 1,5 Mio. Einwohnern – die Stadt Mossul im Nordirak. Diese liegt am Ufer des Tigris. In der Antike befand sich dort die Stadt Ninive. Und diese war im 7. Jahrhundert v. Chr. die Hauptstadt des Assyrischen Reiches.
Basra
Drittgrößte Stadt ist Basra im Südirak mit 1,3 Mio. Einwohner. Gegründet wurde Basra 638 von den Arabern als Militärstützpunkt, um von dort aus – die persischen Sassaniden zu bekämpfen. Heute ist Basra eine wichtige Hafenstadt in der Delta Region am Persischen Golf.
Kirkuk, Erbil, Nadschaf und Kerbela
Viertgrößte Stadt des Iraks ist Kirkuk im Nordirak (1,2 Mio. EW), gefolgt von Erbil im Nordirak (1 Mio. EW). Sechsgrößte Stadt im Irak ist Nadschaf im Zentralirak (830.000 EW), welche im 8. Jahrhundert an der Grabstelle von Imar Ali gegründet wurde. Diese Stadt gehört heute zu den Heiligen Städten im Sunnitentum.
Dicht hinter Nadschaf rangiert Kerbela im Zentralirak mit mehr als 780.000 EW. Auch diese Stadt gilt als Heilige Stadt im schiitischen Islam.
Warum gilt der Irak als Wiege der Zivilisation?
Der Irak liegt auf dem Gebiet des Alten Mesopotamiens, dem Terrain zwischen Euphrat und Tigris. Dort entstanden ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. einige der ältesten Hochkulturen.
Zu den frühesten Hochkulturen gehören die Sumerer und Akkader, gefolgt von Babyloniern und Assyriern. Alle diese Hochkulturen entstanden während der Bronzezeit, entwickelten erste Staatlichkeit in Form von Stadtstaaten, betrieben aufwendige Verwaltung, um ihre Bevölkerung zu versorgen und erzielten technologische Innovationssprünge.
In den sumerischen Stadtstaaten, dem Urtypus der mesopotamischen Hochkultur, entstand die Schrift, das Rechtswesen, das Geld, die Mathematik und technologisch aufwendige Bewässerung. Deshalb wird der mesopotamische Irak auch – neben dem Alten Ägypten, dem Alten China, den Kulturen im Industal – als eine Wiege der Zivilisation bezeichnet.
Welche Hochkulturen entstanden im Alten Irak?
siehe auch: Steckbrief/Geschichte des Iraks
Sumerer
Die erste Hochkultur des Iraks waren die sumerischen Stadtstaaten, welche ab 6500 v. Chr. entstanden. Um etwa 3500 v. Chr. schafften diese den Sprung zur Hochkultur, indem sie Verwaltungsapparate aufbauten, die Schrift erfanden und Strukturen von Staatlichkeit schufen.
Die sumerische Hochkultur war kein einheitlicher Staat und blieb bis zu Aufstieg von Akkad eine Kultur, welche sich auf mehrere unabhängige Stadtstaaten verteilte.
Akkader
Die sumerischen Stadtstaaten wurden um 2340 v. Chr. von Sargon dem Großen erobert und vereinigt. Er machte die Stadt Akkad zum Machtzentrum seines Reiches und schuf den ersten organisierten Flächenstaat der Geschichte.
Das Reich von Akkad überdauerte nur etwa 140 Jahre. Grund waren innere Krisen, Dürreperioden und der Einfall der Gutäer.
Unter Naram-Sin erreichte das Reich von Akkad seine größte territoriale Ausdehnung. Aber dieses Reich war aufgrund immer noch mangelnder Verwaltungsstrukturen, Infrastruktur und mäßiger Militärpräsenz mit dem Großreichsanspruch überfordert. Folge waren die inneren Unruhen – aufgrund mangelnder Versorgung und Engpässen.
Babylonier
Um 1894 v. Chr. wurde das Altbabylonische Reich gegründet. Fortan war Babylon der mächtigste Staat unter den sumerischen Stadtstaaten. Der sechste König von Babylon war Hammurapi. Dieser vereinte ganz Sumer erneut und schuf einen neuen Zentralstaat nach Vorbild des Akkadischen Reiches. König Hammurapi trat nach akkadisch-sumerischer Tradition auf und nannte sich König von Sumer und Akkad.
Die Altbabylonische Zeit endet 1595 v. Chr. als die Hethiter das Reich erobern. Im Süden des ehemaligen Babyloniens können sich die Kassiten ausbreiten und eine neue Dynastie gründen. Im Norden und Mittelmesopotamiens steigen die Assyrer auf, deren Machtzentrum die Stadt Assur ist.
Welche Reiche beherrschten den Irak in der Antike?
Assyrer
In der Antike wurde das Gebiet des heutigen Irak vom Assyrischen Reich beherrscht. Dieses Reich gilt als erstes Großreich der Geschichte. Neben Mesopotamien herrschten die Assyrer auch über den Nahen Osten, Nordafrika, den Südkaukasus und über den ganzen östlichen Mittelmeerraum.
Chaldäer
Im 7. Jahrhundert v. Chr. zerfiel das Reich der Assyrer und der Aufstieg der Chaldäer begann. Das Chaldäische bzw. Neubabylonische Reich entstand auf den Ruinen seiner Vorgänger, reichte über Mesopotamien bis in den Nahen Osten.
Achämenidischen Perser
Babylonien wurde 539 v. Chr. von Kyros II. erobert und somit Teil des Achämenidenreiches (Erstes Perserreich). Jenes Reich war das erste Weltreich der Geschichte.
Makedonen
Das Perserreich wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. von Alexander dem Großen erobert, wodurch der Irak ein Teil des Makedonischen Königreichs wurde. Fortan verschmolz die griechische Kultur mit der orientalischen, was als Epoche des Hellenismus bezeichnet wird.
Seleukiden
Das Alexanderreich zerfiel nach dem überraschenden Tod Alexanders (323 v. Chr.) in mehrere Diadochenreiche. Das Gebiet des Iraks, des Nahen Ostens und Ägyptens wurde von Alexanders General Seleukos I. Nikator geerbt. Dieser gründete die Seleukiden-Dynastie. Die hellenistische Kultur blieb wesentlicher Bestandteil im heutigen Irak.
Parther
Im Jahr 141 v. Chr. erobern die Parther das Gebiet des heutigen Irak. Im Süden des Iraks entsteht das Reich Charakene, ein Vasallenstadt der Parther.
Währenddessen entsteht in Nordmesopotamien der Staat Osroene bzw. das „Königreich Edessa“, welcher ein Partnerstaat der Parther ist. Ebenfalls im Norden entsteht das Staat Adiabene. Auch dieser ist ein Vasallenstaat der Parther.
Stärkste Macht im Mittelmeerraum sind nun die Römer, welche bereits Teile des ehemaligen griechischen Alexanderreichs (Diadochenstaaten) erobert hatten. Zwischen den Parthern und Römern kommt es zu einer Reihe von Kriegen (Partherkriege).
Römer und persische Sassaniden
Im Jahr 117 n. Chr. konnten die Römer das Gebiet des heutigen Irak erobern und in die Pax Romana eingliedern. Zu diesem Zeitpunkt erreichte das römische Reich seine größte territoriale Ausdehnung.
Nach dem Tod von Kaiser Trajan setzte sein Nachfolger (Kaiser Hadrian) auf stabile Außengrenzen und inneren Frieden. Deshalb gab er Mesopotamien an die Parther zurück.
Das Partherreich zerfiel dennoch in der Spätantike. Grund waren innere Unruhen und Bürgerkriege. Währenddessen können die Römer ab 198 n. Chr. das Gebiet des Iraks an sich ziehen und machen es zur römischen Provinz Mesopotamia.
Im zerfallenen Partherreich setzten sich die persischen Sassaniden an die Spitze und gründen ein neues Perserreich. Die Rückeroberungsversuche der Sassaniden dauern bis 637 an. Dann wird das Sassanidenreich, im Zuge der Islamischen Expansion, von den Arabern erobert. Fortan war der Irak islamisch geprägt.
Wie wurde der Irak islamisch?
Der Irak wurde 636 n. Chr. bzw. 637 n. Chr. von den Arabern erobert und dann grundlegend islamisiert. Bei der Schlacht von Kadesia im November 636 konnten die Armeen des Rashidun-Kalifats über die Perserarmee der Sassaniden siegen. Dies war die entscheidende Schlacht. Fortan war der Westen des Sassanidenreiches vom Rest des Reiches getrennt. Danach wurde der restliche Teil des Iraks förmlich überrannt.
Die ganze Islamische Expansion nach Vorderasien fand unter bestmöglichen Voraussetzungen für die Araber statt. Denn die beiden Machtblöcke des Osten, das Byzantinische Reich und das Sassanidenreich, führten zwischen 602 und 628 einen Krieg gegeneinander. Und dieser Krieg ließ auf beiden Seiten die Ressourcen schmelzen.
Zwischen 628 und 632 war das Sassanidenreich zudem in einem Bürgerkrieg verwickelt, bei dem es um Thronfolge der Perser ging. Unter diesen Voraussetzungen gelang es den Arabern ab den 630-er Jahren das Machtvakuum im Mittelmeerraum auszunutzen und große Teile des Ostens zu erobern.
Erste muslimische Eroberung ab 633 n. Chr.
Die erste muslimische Invasion auf den Irak fand bereits 633 n. Chr. statt. Im Mai des Jahres fiel die wichtige Stadt Hira (Al-Hira) an die Araber. Dort errichteten die Muslime ein Klientelkönigreich.
Der erste Kalif des Rashidun-Kalifats war Abu Bakr. Dessen Armee musste Anfang 634 die mesopotamischen Errungenschaften erst einmal wieder verlassen, um seine Soldaten an den Grenzgebieten zu Syrien zu positionieren. Daraufhin gelang den Persern eine kleinere Rückeroberung des Iraks. Im Herbst 634 konnten die Sassaniden bei der Schlacht an der Brücke bei Kufa siegen.
Bündnis gegen die Araber
König Yazdegerd III. (Sassaniden) suchte nun ein Bündnis mit den Byzantinern. Deshalb heiratete er die Tochter des byzantinischen Kaisers Herakleios im Jahr 635.
Während sich das Byzantinische Reich auf eine Großoffensive der Levante vorbereitete, setzte der Sassaniden-König Yazdegerd III. auf eine Rückeroberung Mesopotamiens.
In der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 siegten die Araber über die Byzantiner. In der Folge verlor das Byzantinische Reich seine Besitztümer in Ägypten und Syrien.
Ohne byzantinische Unterstützung hatte das Perserreich immer noch genügend Ressourcen, um Mesopotamien zurückzuerobern. Es folgten mehrere Schlachten, bei denen die Araber gegen Kriegselefanten kämpfen mussten. Am Ende konnten sich die Muslime aber bei der Schlacht von Kadesia im November 636 durchsetzen, wodurch die sassanidische Herrschaft westlich des eigentlichen Persiens beendet wurde.
Sturmlauf auf den Irak
Nach der Entscheidungsschlacht von Kadesia fiel im gleichen Jahr auch Babylon an die Araber und schließlich auch Kutha (heutige Tell Ibrahim).
Von dort aus wurde Valashabad und schließlich Ktesiphon (ehemals Seleukeia am Tigris) erobert. Letztere war eine Hauptresidenz der Perser im heutigen Irak. Diese Stadt fiel im März 637 an die Araber.
Welche Rolle spielte der Irak in der frühen islamischen Geschichte?
Nach der Einnahme von Ktesiphon (637) wurde der Irak das erste persische Herrschaftsgebiet, welches unter muslimischen Einfluss stand. Dieses Gebiet diente als Brückenkopf für die weitere Expansion nach Persien, Zentralasien und Indien.
In der islamische Geschichte gab es vier große Kalifate (Kaiserreich), deren Entstehung, Wirkung und Niedergang eng mit der Geschichte des Iraks verknüpft sind. Diese waren das Rashidun-Kalifat (632–661), Umayyaden Kalifat (661–750), Abbasiden Kalifat (750–1258) und das Osmanische Kalifat (1517–1924).
Ort der Ersten Fitna
Uthmān ibn ʿAffān, kurz Osman oder Usman genannt, war dritter Kalif der Muslime (Rashidun-Kalifat). Er wurde am 17. Juni 656 in Medina ermordet. Seine Mörder waren muslimische Rebellen, welche mit seiner Innenpolitik (Verteilungsfragen, Statthalterwahl) und der Vereinheitlichung von Korantexten nicht einverstanden waren.
Neuer Kalif wurde Alī ibn Abī Tālib (kurz Ali). Dieser war Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed.
Ali verlegte seine Residenz nach Kufa, im heutigen Irak. Innerhalb der islamischen Gemeinde war Alis Herrschaft höchst umstritten. Viele forderten Rache für Uthmans Ermoderung. Zwischen Ali und den Oppositionellen kam es zum Krieg, welcher als Erste Fitna (Bürgerkrieg) bezeichnet wird.
Das Schlachtgebiet des islamischen Bürgerkriegs war vor allem der Irak, wo die pro-Ali-Truppen gegen die Armeen der Prophetenwitwe Aischa kämpften. Bei Basra im Südirak kam es zur Kamelschlacht. Die Schlacht endete mit einem Sieg Alis und wurde zur ersten Schlacht des Bürgerkrieges (Erste Fitna).
Spaltung der islamischen Gemeinschaft
Während der Ersten Fitna kam es im Juli 657 zur Schlacht von Siffin am Ufer des Euphrats, in der Nähe von ar-Raqqa in Syrien. Die Schlacht endete unentschieden und ein Schiedsverfahren klärte die Angelegenheiten.
Das Schiedsverfahren löste bei Alis Anhängerschaft großes Unbehagen aus, da viele von ihnen nur Gott in der Rolle eines Schiedsrichters sahen. Die Aushandlung eines Friedenspaktes sahen sie als Abtrünnigkeit vom Islam und spalten sich als Charidschiten von Ali ab.
Der Bürgerkrieg (erste Fitna) endete mit Alis Ermordung am 28. Januar 661 in Kufa. Sein Mörder war der Charidschit Ibn Muldscham. Doch aus den Anhängern Alis wurden die Schiiten (eigentlicher Name: schīʿat ʿAlī = Partei Alis).
Die Schiiten sehen in Ali – auch nach seinem Tod – weiterhin den rechtmäßigen Erben von Mohammed. Nach ihrer Weltanschauung bestimmt einzig und allein die Blutlinie Mohammeds die Nachfolge des Kalifen.
Aus Alis Gegner wurden die Sunniten. Laut den Sunniten soll die islamische Gemeinschaft (Umma) über die Nachfolge als Kalifen bestimmen. Die Blutlinie spielt eine untergeordnete Rolle. Und in Muawiya (Anti-Ali-Koalition) sahen die Sunniten einen rechtmäßigen Kalifen, aufgrund seiner Errungenschaften. Die Charidschiten als dritte große islamische Gemeinde lehnten beide Nachfolger ab.
Nach Alis Tod übernahm sein Sohn Hasan ibn Ali für sechs Monate die Herrschaft des Kalifats, dankte dann aber zu Gunsten von Muawiya ab. Damit wurde das Rashidun-Kalifat durch das Umayyaden-Kalifat abgelöst. Und Muʿāwiya I. regierte bis zum seinem Tod am 18. April 680 das Umayyadenreich.
Rebellengebiet im Umayyadenreich
Das Umayyaden-Kalifat war sunnitisch geprägt. Die Hauptstadt des Umayyadenreiches wurde Damaskus in Syrien. Aber Kufa im Irak und deren Umland blieben im Kern Anhänger Alis, also schiitisch.
Der Irak wurde auch das Kernland der spätere Abbasiden-Dynastie. Diese waren selbst sunnitisch, nutzten aber schiitische Rhetorik, um an die Macht zu kommen. So behaupteten die Abbasiden, dass die legitime Führung über die islamische Welt zwingend von einem Familienmitglied des Propheten Mohammed ausgehen sollte. Dabei beriefen sie sich nicht auf Ali sondern auf al Abbas, dem Onkel des Propheten.
Mit dieser Rhetorik mobilisierten die Abbasiden zahlreiche schiitische Anhänger im Irak, überwiegend in Kufa und Basra. Gleichzeitig nutzten die Abbasiden den Irak wieder als Brückenkopf nach Zentralasien, um in Chorasan ebenfalls Oppositionelle gegen die Umayyaden zu mobilisieren.
Im Jahr 750 kam es zur Revolution der Abbasiden und zum Sturz der Umayyaden-Dynastien. Erster Kalif der Abbasiden-Dynastie war Abu l-Abbas as-Saffah.
Das Abbasiden-Kalifat war nun das dritte Kalifat der islamischen Geschichte. Unter den Abbasiden wurde Kufa ab 750 wieder zur Hauptstadt des Reiches. Nach der Revolution stützten sich die Abbasiden keineswegs auf die schiitische Imamatslehre, sondern betrieben ein klassisch sunnitischen Kalifat.
Welche Bedeutung hatte Bagdad im Mittelalter?
Die Abbasiden gründeten 762 die Stadt Bagdad. Diese neue Stadt wurde ganz in der Nähe der antiken Stadt Seleukeia-Ktesiphon, also der ehemaligen Hauptstadt des Sassanidenreiches, errichtet.
Die Lage Bagdads war nicht zufällig gewählt. Denn dadurch konnte Bagdad als kultureller Brückenkopf zwischen Zentralasien und Mesopotamien erblühen. Und dies geschah. Im Frühmittelalter bis zur Eroberung des Iraks im Jahr 1258 durch die Mongolen war der Irak das kulturelle Zentrum der islamischen Welt. In Bagdad erreichten Wissenschaft und Kunst ein höheres Niveau als in Europa.
Zentrum des Goldenen Zeitalters des Islams
Mit der Errichtung von Bagdad begann die Blütezeit des Islams. Das Goldene Zeitalter des Islams endete erst 1258 als die Mongolen die Stadt Bagdad eroberten und damit auch das Abbasiden-Kalifat zerschlugen.
In Bagdad entstand 825 das Haus der Weisheit, eine Akademie – welche Gelehrte aus der ganzen Welt anzog. Dort wurde antikes Wissen ins Arabische und Persische übersetzt.
Zur damaligen Zeit wurde Bagdad einer der größten Städte der Welt. Dort gelang die Zusammenarbeit von Muslimen, Christen, Juden und Persern. Damit wurde die Stadt zum größten Forschungszentrum zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert.
Irakische Literatur
Durch die Übersetzungen vom Persischen ins Arabische verschmolz auch die Literatur beider Kulturräume. So wurde das aus dem Persischen stammende Werk Alf Layla (Tausend Nächte) ins Arabische übersetzt. Dabei wurde das Werk zunehmend islamisiert. Herauskam die Geschichtensammlung „Tausendundeine Nacht“, welches sowohl zum arabischen als auch zum persischen Kulturschatz zählt.
Zentrum der Papierherstellung
Um 794 wurde in Bagdad die Papiermühle eingeführt. Dadurch wurde das Pergament durch dünneres und haltbares Papier ersetzt. Dies revolutionierte die Verwaltung des islamischen Reiches, führte aber auch zu einem enormen Papieranstieg, was wiederum Wissenschaft und Literatur beflügelte.
Außerhalb Chinas war Bagdad die erste Stadt, welche Papier als Massenware anbot. Ohne Bagdad hätte es das Bücherkopieren im europäischen Mittelalter so nicht gegeben.
Technologien aus Bagdad im Mittelalter
In Bagdad lebte ein Universalgelehrter, namens Chwarizmi (780-850). Er war einer der bedeutendsten Mathematiker seine Zeit und gilt als Begründer der Algebra. Sein Name wurde latinisiert und lautet: Algorismi. Der Begriff Algorithmus ist von seinem Namen abgeleitet. Sein Werk al jabr wurde zum Standardwerk der Algebra, dem grundlegenden Teilgebiet der heutigen Mathematik.
Ibn Sahl lieferte 984 die Grundlage der Optik, indem er das erste korrekte Brechungsgesetz formulierte. Auf dessen Werk baute Alhazen auf, verfasste grundlegende Beiträge zur Optik, Meterologie und Astronomie.
Die Beiträge beider Gelehrten gingen im europäischen Mittelalter verloren. Erst Thomas Harriot und Rene Descartes entdeckten diese im 17. Jahrhundert wieder. Heute sind sie als snelliussches Brechungsgesetz in der Physik bekannt.
Al Razi (latinisiert: Rhazes) leitete im 9. und 10. Jahrhundert ein Krankenhaus in Bagdad. Er lieferte grundlegende Beiträge zur Erforschung der Pocken und Masern. Weiterhin beschrieb er eine Methode zur Leichenkonservierung und entwickelte ein Verfahren zur Destillation von Alkohol.
Der berühmte Erfinder Al-Dschazarī schrieb in Bagdad des 12. Jahrhunderts diverse Bücher zur Mechanik, welche im Westen als Automata bekannt wurden. In diesem Werk beschreibt er die Funktionsweise von mechanischen Uhren und Wasserpumpen für Brunnen. Außerdem gilt er als Erfinder des Elefantenuhr-Automats.
Wer regierte den Irak im Hochmittelalter?
Buyiden
Unter Muizz ad-Daula Ahmad (936–967) eroberten die Buyiden zunächst die Region Kerman, im Südosten des Irans und die Region Chuzestan, im Südwesten des Iraks. Von dort aus wurde der ganze Irak unterworfen.
Die Hauptstadt Bagdad wurde 945 erobert. Damit waren die Abbasiden fortan faktisch entmachtet, blieben aber das Oberhaupt der Muslime. Der Kalif von Bagdad (al-Mustakfī) wurde am 29. Januar 946 abgesetzt und geblendet, weil er im Verdacht stand, gegen die Buyiden zu handeln.
Sein Nachfolger war al-Mutīʿ, der dreiundzwanzigste Kalif der sunnitischen Abbasiden. Dieser besaß keinerlei politische Macht mehr. Die Buyiden gehörten dem Schiitentum an und die Unterwerfung der Abbasiden stellt einen Wendepunkt in der islamischen Geschichte dar.
Seldschuken
Die Buyiden-Herrschaft im Irak dauerten nicht lange an. Denn 1055 fielen die turko-persischen Seldschuken in den Irak ein, entmachteten die Buyiden und wurden so zur Schutzmacht der Abbasiden.
Anführer der Seldschuken war Tughrul-Beg, welcher vom Kalifen in Bagdad den Titel „König des Ostens und Westens“ bekam. Durch die Eroberung des Iraks durch die sunnitischen Seldschuken wurde das Schiitentum in der islamischen Welt aufgehalten. Der seldschukische König Tughrul verlegte die Hauptstadt seines Reiches nach Rey (Iran).
Die Abbasiden blieben weiterhin die Herrscher über alle Muslime, waren aber nach wie vor politisch machtlos. Doch die Seldschuken erlitten 1141 bei Samarkand (Usbekistan) eine schwere Niederlage gegen das proto-mongolischen Volk der Kitan. Fortan begannen die Eroberungen der türkischen Choresm-Schahs im Reich der Seldschuken. Im Jahr 1194 wurde der letzte Seldschukenherrscher von Rey beseitigt.
Wiederaufstieg der Abbasiden
Ohne die fremde Schutzmacht begann ein neuerer Aufstieg der Abbasiden von Bagdad. Unter den Kalifen al-Muqtafi (1136–1160) und an-Nasir (1180–1225) konnten die Abbasiden ihre weltliche Macht wiederherstellen, was aber bedeutungslos war. Denn die Mongolen waren bereits damit beschäftigt, ein Weltreich aufzubauen.
Mongolen und Ilchanat
1258 wurde Bagdad von den Mongolen erobert. Herrscher des Mongolenreichs war Möngke Khan, dritter Nachfolger von Dschingis-Khan.
Die Abbasiden flohen nach Ägypten und stellten sich dort unter den Schutz der sunnitischen Mamluken. Dort wurden sie von den Mamluken aber nur dazu eingesetzt, um deren Herrschaftslegitimation zu bestätigen. So entstand in Kairo ein Schatten-Kalifat der Abbasiden.
Die islamischen Mamluken versuchten vergeblich, den Irak zurück zu erobern. Dies führte zu schweren Kämpfen mit den Mongolen. Dabei wurde das Land derart verwüstet, dass ein Großteil des Wissensschatzes verloren ging.
Außerdem wurden die Bewässerungsanlagen in Südmesopotamien zerstört. Auch das mündlich überlieferte Wissen über die Anwendung und Wartung der komplexen Bewässerungsanlagen ging verloren. Jene Anlagen waren enorm wichtig, um das ganze Potential der Landwirtschaft abzuschöpfen. In der Folge wurde der Mittel- und Südirak zu einem landwirtschaftlich ungünstigen Gebiet.
Die Mongolenherrscher trugen den Titel eines Khagan. Unter Dschingis wurde der Titel des Khan vergeben und an dessen Nachfolger vererbt.
Als 1259 Möngke Khan starb, fehlte ein Nachfolger. Deshalb wurde das Mongolenreich in vier Teilreiche (Khaganat) aufgeteilt. Der Irak fiel an die Goldene Horde. Jenes Großreich reichte von Zentralasien bis nach Europa.
Innerhalb der Goldene Horde gründete der Heerführer Hülegü Chan das Reich der Ilchane, welches über den Irak und Iran reichte. Das Ilchanat überdauerte bis 1335 und wurde dann vom Dschalairiden-Sultanat abgelöst.
Timuriden
Ein bedeutender Anführer eines turko-mongolischen Stammesverbandes war Timur Lenk. In den 1360-er Jahren gelang es Timur, eine Gruppe von Söldnern in Transoxanien (Zentralasien) um sich sammeln. Sie wurden als Schrecken Transoxaniens bezeichnet, was klar macht, mit welcher Brutalität sie vorgingen.
1365 gelang es Timur, ganz Transoxanien zu unterwerfen. Ein Nachfahre Dschingis Khan, namens Toktamisch, war Khan der Orda-Horde gewesen. Mit Timurs Unterstützung wurde er zum Khan der Goldenen Horde.
Nach seinem Machtantritt begannen die Überfälle der Goldenen Horde nach Transoxanien. Daraufhin begann Timur damit, die Goldene Horde anzugreifen.
Zwischen 1391 und 1395 schlug Timur die mongolischen Herrscher an der Wolga, was dazu führte, dass das Reich der Goldenen Horde in mehrere Khanate zerfiel. Danach erstreckte sich die Einflusszone des Timuridenreichs von Zentralasien bis nach Bagdad, Syrien und die Türkei.
Nachdem die Mongolen die Stadt Bagdad zurückerobern konnte, fiel Timur 1401 erneut in die Stadt ein und verwüstete diese.
Wie kamen die Osmanen an die Macht im Irak?
Im 14. Jahrhundert entwickelten sich in Anatolien, an der Grenze zum Byzantinischen Reich, kleine eigenständige Fürstentümer. Eines dieser Fürstentümer löste sich 1243 aus dem Machtbereich des Ilchanats heraus und machte Bursa (heutige Türkei) ab 1263 zur Hauptstadt.
Dies ist der Beginn der Geschichte des Osmanischen Reiches. Als traditionelles Gründungsjahr wird das Jahr 1299 angegeben, als Osman I. ins Blickfeld der byzantinischen Chroniken geriet. Jener Osman sicherte sich die Unterstützung türkischer Stämme und konnte seinen Machtbereich in den Nordwesten ausdehnen.
Die Osmanen verbreiterten relativ ungehindert ihr Gebiet bis 1402. In der Schlacht bei Ankara erlitten sie eine herbe Niederlage gegen Tirmur Lenk und ihr Anführer Bayezid I. wurde von Timur gefangen genommen. Ohne Herrscherfolge fiel das Osmanische Reich in ein Interregnum.
Die Söhne Bayezids kämpften um die Vormachtstellung. Letztlich ging Mehmed I. siegreich hervor und beendete das Osmanische Interregnum. Fortan bestand seine Regierung darin, die alten Reichsgebiete zurück zu erobern.
Zwei Generationen später, unter Mehmed II., war die Rückeroberung abgeschlossen und es begann die Westexpansion ins Byzantinische Reich. Im Jahr 1453 eroberte Mehmed II. die Stadt Konstantinopel, was dem Untergang von Byzanz und dem Ende des Mittelalters gleichkam.
Erste Expansionen von Selim I.
Selim I. (reg. 1512-1520) war neunter Sultan des Osmanischen Reiches und erster osmanischer Herrscher, welcher den Titel eines Kalifen (Kaisers) trug. Er war Sohn von Bayezid II. und Enkel von Mehmed II..
Die Osmanen waren sunnitisch und der Irak stand unter Kontrolle der persisch-schiitischen Safawiden. Der Begründer der Safawiden-Dynastie war Schah Ismail I. und dieser eroberte den Irak im Jahr 1503. Die Osmanen, welche ein sunnitischen Kalifat und Einigung unter den Muslimen anstrebten, konnten das Safawidenreich nicht dulden.
Am 23. August 1514 besiegte Selim I. die Safawiden in der Schlacht bei Tschaldiran in Ostanatolien. Dieser Sieg war bedeutend, da die Osmanen dadurch den Weg nach Ostanatolien und Nordmesopotamien aufmachten. Doch der Südirak und auch Bagdad blieben zunächst safawidisch.
Eroberung unter Süleymans dem Prächtigen
Aber erst unter Süleymans I. (reg. 1520-1566) erreichte das Osmanische Reich seine größte Machtfülle. Dieser eroberte das persische Safawiden-Reich, den Südosten Europas bis nach Ungarn und schließlich auch Ägypten, den Nahen Osten und Mesopotamien (Irak).
Am 4. Dezember 1534 fiel Bagdad in die Hände von Süleymans. Von der Hauptstadt ausgehend wurde der eroberte Irak organisiert.
Wie verlief die osmanische Herrschaft im Irak?
Im 16. Jahrhundert wurde der irakische Teil des osmanischen Reiches in drei große Provinzen unterteilt. Diese waren Mossul im Norden, Bagdad im Zentrum und Basra im Süden. Geopolitisch bedeutend war der Irak für die Osmanen, aufgrund seiner Lage am Persischen Golf. Gleichzeitig war der Iran auch die Verteidigungslinie zu Persien.
Für die Osmanen war der Irak ansonsten eine unbedeutende Provinz, aus der man lediglich Steuern bezog und Soldaten rekrutierte. Da die Osmanen sunnitisch waren, wurde die überwiegende Mehrheit der schiitischen Bevölkerung des Iraks von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Innerhalb der schiitische Gemeinde gab es Geistliche, welche von ihren Anhängern ebenfalls Steuern erhoben.
Paschas von Bagdad
1704 begründete Hasan Pascha, welcher in Bagdad als Statthalter der Osmanen eingesetzt wurde, die Dynastie des Hasan Pascha. Diese sunnitische Dynastie erlangte in der Folgezeit weitestgehend politische Autonomie.
Unter Büyük Süleyman Pascha (1780–1802) erreichte die Dynastie ihren Höhepunkt. Nach ihm wurde die irakische Stadt Sulaimaniyya in der Autonomen Region Kurdistan benannt.
Unter der Führung von Daud Pascha rebellierte Bagdad in den 1830-er Jahren gegen die osmanische Zentralmacht, woraufhin diese eine Expeditionsarmee entsandten und die Dynastie der Paschas in Bagdad für immer beendeten.
Öffnung nach Westen
Die Osmanen setzten Midhat Pascha zwischen 1869 und 1872 als Großwesir in Bagdad ein. Unter seiner Führung wurden Krankenhäuser gebaut, Zeitungen errichtet und Fabriken gebaut. In dieser Zeit erwarb die britische Lynch-Company das Monopol für Schifffahrt auf dem Tigris. Dadurch rückte der Irak erstmals seit dem Frühmittelalter wieder ins Blickfeld der Europäer.
Schiitische Mehrheit
Am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts konvertierten sehr viele Menschen im Irak zum schiitischen Islam. Kerbela und Nadschaf wurden Zentren dieser schiitischen Renaissance.
Ein Grund für diesen Konfessionswechsel war sicherlich, dass die sunnitischen Wahhabiten von der arabischen Halbinsel ausgehend dauerhaft den südlichen Irak angriffen.
Die schiitische Gemeinde im Irak versuchte, die nomadisierenden arabischen Stämme im Südirak zum Schiitentum zu bekehren, was auch gelang. Dadurch entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine schiitische Mehrheit im Irak, welche bis heute besteht.
Was geschah im Vorfeld des Ersten Weltkriegs im Irak?
Erdölförderung
Hinzu kam die strategische Bedeutung des Erdöls in der Region. Die Anglo-Persian Oil Company (APOC) war das erste Unternehmen, welches Erdöl im Nahen Osten förderte. Das Unternehmen hatte vom persischen Schah eine Ölförderkonzession für 60 Jahre erhalten.
1908 wurde das erste Öl gefunden. Da das Unternehmen aber fast pleite war, sprang die britische Regierung ein und sicherte sich eine Mehrheitsbeteiligung an der APOC. Somit sollte langfristig die Erdölförderung für Großbritannien gesichert werden.
Nachdem das Unternehmen feststellte, dass im Irak ebenfalls riesige Ölfelder sind, gründeten die Osmanen 1912 die Turkish Petroleum Company (TPC). Dieses Unternehmen kassierte eine Konzession von APOC, damit das Öl in der Region von den Briten gefördert werden könne.
Bagdadbahn
Zwischen 1903 und 1918 entstand die Bagdadbahn zwischen Konya und Bagdad. Die Bahnstrecke misst etwa 1600 km und verbindet den Bosporus mit Bagdad, sollte aber perspektivisch bis dem Persischen Golf verlaufen.
Technisch und finanziell wurde das Projekt vom Deutschen Reich unterstützt, welche damit ihren Anspruch auf Weltpolitik geltend machten. Das Engagement der Deutschen hatte das Ziel, neue Rohstoff- und Absatzmärkte zu erschließen, um so die internationale Stellung zu sichern.
Für Großbritannien stellte dieses Projekt eine Gefahr dar. Denn diese Verbindung wäre die schnellste Route zwischen Europa und Indien gewesen. Die Briten sahen ihre Besitztümer in Gefahr und betrachteten den Bau einer solchen Eisenbahnstrecke als Instrument des Deutschen Reichs, um schneller in Indien aufmarschieren zu können.
Zudem ermöglichte der Bau einen deutschen Militärstützpunkt am Persischen Golf. Weiterhin war die Bahnstrecke ein Konkurrent zu britischen Infrastrukturprojekten, wie dem Suezkanal.
Wie entstand der moderne Irak?
Im Vorfeld des Ersten Weltkrieges wurde die Gegend des heutigen Irak zum Schauplatz geopolitischer Interessen. Denn das Territorium befindet sich an der Schnittstelle zwischen Europa, Zentralasien, Britisch-Indien, dem Kaukasus und Südarabien.
Um seine Großmachtstellung behalten zu können, wurde das Osmanische Reich ein Verbündeter vom Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Großbritannien stellte die Gegenseite.
Die Briten wollten den Seeweg über den Suez-Kanal in den Nahen Osten und die britischen Erdölkonzessionen im Persischen Golf schützen. Deshalb erklärte Großbritannien am 5. November 1914 den Osmanen den Krieg. Einen Tag nach der Kriegserklärung zogen die Briten in den Irak ein und eröffnen die Mesopotamienfront. Die Hauptstadt Bagdad fiel 1917 an die Briten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Gebiete um Bagdad, Basra und Mossul aus dem Osmanischen Reich herausgetrennt und zum Kerngebiet des heutigen Irak verschmolzen. Dies führte 1920 zum irakische Aufstand gegen die britische Besatzungsmacht. Doch der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.
Unter britischer Vorherrschaft wurde am 23. August 1921 der Sohn des Großscherifen von Mekka zum König bestimmt. Dieser bestieg als Faisal I. den Thron. Das Königreich Irak wurde am 3. Oktober 1932 in den Völkerbund aufgenommen, was einer internationalen Bestätigung der Legitimation des Staates gleichkommt.
Wie wurde der Irak zur Republik?
Das Hauptproblem des irakischen Königreichs bestand darin, dass verschiedene Ethnien und Religionsanhänger willkürlich zu einem Land vereint wurden. Die Mehrheit im Land waren schiitische Muslime. Dem gegenüber standen separatistische Kurden und eine sunnitische Elite, welche schon im Osmanischen Reich immer bevorzugt wurde.
Ein nationales Bewusstsein und eine einheitsstiftende Identität war niemals gewachsen und durch die willkürliche Zusammenlegung während der Besatzungszeit Großbritanniens verhindert wurden. Hinzu kam, dass auf dem Gebiet diverse Warlords und Stammeshäuptlinge ihre Macht zementiert hatten, was staatliches Handeln erschwerte. In der Folge kam es immer wieder zu Machtkämpfen und Putschversuchen.
Am 14. Juli 1958 kam es zum Staatsstreich gegen König Faisal II., bei dem der irakische Monarch ermordet wurde. Auch der Kronprinz Abdulilah und der Premierminister des Iraks wurden gejagt, aufgegriffen und ermordet. Anschließend wurden ihre nackten Leichname durch Bagdad gezogen. Schließlich wurde am 15. Juli 1958 die Monarchie für abgeschafft erklärt und die Republik Irak ausgerufen.
Warum ist der Irak seit den 1960er Jahren politisch so instabil?
Am 8. Februar 1963 kam es im Irak zum Putsch der Baath-Partei. Jene Partei wurde 1940 in Damaskus (Syrien) gegründet und verfolgte das Ziel, einen arabischen Einheitsstaat zu schaffen. Diese Ideologie wird als Panarabismus beschrieben.
Doch der Baathismus vermischt den Panarabismus mit verschiedenen anderen Ideologien, wie Sozialismus, Nationalismus und Antiimperialismus.
Der Putsch im Irak war mit der CIA abgestimmt. Beim Staatsstreich wurde Regierungschef Abd al-Karim Qasim getötet und seine Leiche öffentlich im Fernsehen zur Schau gestellt.
Nach der Machtübernahme kam es zu Massenhinrichtungen. Ein Revolutionärer Kommandorat, welcher bereits vor dem Putsch geschaffen wurde, war das eigentliche Machtzentrum im Staat. In den nächsten Monaten kam es innerhalb der Partei zu internen Flügelkämpfen, da Radikale von rechts außen bis links außen reichten.
Am 18. November 1963 kam es zum erneuten Militärputsch durch Präsident Abd as-Salam Arif. Nach der Machtübernahmen brach der Irak die diplomatischen Beziehung zu den USA, aufgrund ihrer Einflussnahme beim Baath-Pusch, ab. Doch am 17. Juli 1968 kam es zum erneuten Putsch der Baath-Partei. Diesmal wurde Ahmad Hasan al-Bakr neuer Staatspräsident und ein gewisser Sadam Hussein sein Vizepräsident.
In den nächsten 35 Jahren wird Sadam Hussein als Diktator das Land regieren, zwei Golfkriege gegen seine Nachbarn führen und Völkermorde begehen. Erst 2003 endete die Schreckensherrschaft Husseins durch die Invasion der USA. Danach wurde das Land bis 2011 von den Amerikanern besetzt, aber keineswegs beruhigt. Denn die Terrororganisation Al-Quaida gründete 2006 auf irakischen Gebiet einen Islamischen Staat. Nach Abzug der Amerikaner fiel der Irak in einen Bürgerkrieg gegen den Islamischen Staat, welcher bis 2017 andauerte.
In den Jahren 2019/2020 kam es zu Massenprotesten im Irak, welche durch die Corona-Pandemie gestoppt wurden. Grund der Proteste waren die Einflussnahme der USA auf die irakische Regierung, Armut, Wasserknappheit und die allgemein schlechten Bedingungen.
Wie prägte Saddam Hussein den Irak?
Sadam Hussein kam 1968 als stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates und als Chef des Ministeriums für Staatssicherheit an die Macht im Irak.
Am 17. Juli 1968 wurde er zum Vizepräsident des Iraks. Im Jahr 1979 ernannte ihn Präsident Ahmad Hasan al-Bakr zum Vorsitzenden der Baath-Partei und seinen Nachfolger.
Am 16. Juli 1979 übernahm er endgültig die Macht im Irak und Staatspräsident des Landes.
Massenhinrichtungen
Direkt bei seinem Machtantritt diffamierte Hussein mehrere Mitglieder der eigenen Partei als Verräter und ließ diese im Schnellverfahren hinrichten. Damit brachte er die restlichen Parteigenossen auf seinen Kurs, wodurch ein Zusammenschluss mit der syrischen Baath-Partei verhindert wurde (Charta Syrien-Irak).
Personenkult
Ab 1979 betrieb Hussein einen Personenkult um sich, indem er sich politischer, religiöser und nationalistischer Motive bediente. Propagandistische Darstellungen seiner Person nahmen im privaten und öffentlichen Raum zu und wurden zur Pflicht.
Ab 1980 war Kritik an seiner Person strafrechtlich verfolgbar. Dafür wurden Sondergerichte geschaffen, welche die Kritiker schnell verurteilten.
Nach einem gescheiterten Attentat auf ihn, eskalierte die Lage nochmals. Hussein ließ 600 Einwohner der Kleinstadt Dudschail verhaften. Von diesen 600 Personen wurden 148 hingerichtet.
Erster Golfkrieg
Der Erste Golfkrieg fand zwischen dem Irak und seinen Nachbarn dem Iran statt. Die Ursache des Konflikts waren Grenzstreitigkeiten und die Vorherrschaft am Persischen Golf.
Jene Grenzkonflikte reichen bis ins Mittelalter zurück, als die Osmanen diverse Teile von Persien eroberten und annektierten. Seit 1555 kam es zu insgesamt 18 Abkommen, welche den Grenzverlauf regeln sollten.
Die Provinz Chuzestan stand im Mittelpunkt dieser Konflikte. Diese rohstoffreiche Provinz gehörte dem Iran. Diese wurde – während der ersten Phase der Osmanischen Herrschaft im Irak – aus Verwaltungsgründen den persisch-schiitischen Safawiden zugesprochen.
Direkt nach dem Staatsstreich im Irak (1958), als die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen wurde, richtetet die irakische Regierung ihren Blick auf diese Grenzverläufe. Fortan wurden Botschaften zur Befreiung des abtrünnigen Chuzestans verbreitet, um dort die arabische Bevölkerung zu mobilisieren.
Ein letzter Versuch den Iran-Irak-Konflikt beizulegen, war das Abkommen von Algier im Jahr 1975. Dort einigte sich Sadam Hussein mit Schah Mohammad Reza Pahlavi auf eine Talweglinie als Grenze.
Doch 1979 kam es zur Islamischen Revolution im Iran, welche von Ajatollah Ruhollah Chomeini angeführt wurde. In der Folge kam es im Nachbarland des Iraks zur Absetzung des Schahs, zur Abschaffung der Monarchie und zur Proklamierung der Islamischen Republik. Anders als der Irak wurde diese Republik aber von Schiiten geführt.
Fortan sah sich der Irak in seiner Rolle als Führer der Islamischen Welt bekräftigt. Deshalb kündigte Sadam Husein das Abkommen von Algier am 17. September 1980 auf und befahl am 22. September 1980 den Angriff auf das Nachbarland.
Nach anfänglichen Erfolgen musste sich die irakische Armee immer weiter zurückziehen und kämpfte schließlich sogar im eigenen Land. Der Erste Golfkrieg dauerte bis 1988. Dabei setzte der Irak mehrfach Giftgas ein.
Am 20. August 1988 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, aber das Friedensabkommen fehlt bis heute. Die Territorien wurden auf den Status quo zurückgesetzt.
Genozid
1988 startete die Hussein-Regierung die Anfal-Operation, um irakische Kurden hinzurichten. Bei diesem Völkermord starben etwa 180.000 Kurden.
Im Kampf gegen die Kurden wurden Chemiewaffen durch das irakische Militär eingesetzt. Außerdem wurde die Infrastruktur von etwa 2.000 Dörfern und 20 Kleinstädten systematisch zerstört. Gerade die Giftgasangriffe wurden im Westen mit Entsetzen verfolgt. An der Herstellung des Giftgases waren verschiedene deutsche Firmen beteiligt.
Ein weitere Massenmord geschah an die Schiiten im Südirak. Schätzungsweise 50.000 bis 70.000 Schiiten starben in den 1980-er Jahren im Irak. Durch den Überfall des Iraks auf den Kuwait im Jahr 1990, begann der Westen damit, die Schiiten im Südirak zu bekräftigen. Trotz Einrichtung einer Flugverbotszone gelang es dem Hussein-Regime, den Aufstand blutig niederzuschlagen. Allein im Jahr 1991 starben tausende Schiiten.
Überfall auf Kuwait
Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Kuwait zum Osmanischen Reich. Da die Grenzen, nach dem Untergang des Osmanischen Reiches, willkürlich gezogen wurden, erkannte der Irak zwar 1963 die Unabhängigkeit Kuwaits an, aber es kam zu diversen Grenzkonflikten.
Nach dem Iran-Irak-Krieg (1980) war der Irak bei vielen arabischen Ländern hochverschuldet. Um diese Schulden zurückzahlen zu können, sollte die Ölförderquote der OPEC-Länder gesenkt werden, um so den Ölpreis nach oben zu manövrieren.
Allein in Kuwait bestanden irakische Staatsschulden in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar. Aber der Irak wollte über diese Schulden verhandeln, da das Land sich während des Krieges als einen Puffer für Kuwait gegen den Iran darstellte. Demnach diente der Irak der arabischen Sache und demnach müsste der Kuwait, die Schulden erlassen oder wenigstens über die Höhe verhandeln.
Weiterhin warf der Irak dem kuwaitischen Nachbarn vor, sich nicht an die Ölförderquote zu halten, weshalb dem Irak milliardenschwere Verluste drohten.
Am 2. August 1990 fiel der Irak in Kuwait ein und besetzte das Land. Mit der Befreiung des Kuwaits durch internationale Truppen begann der Zweite Golfkrieg.
Zweite Golfkrieg
Der Zweite Golfkrieg begann am 2. August 1990 durch den Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait. Am 28. August annektierte der Irak seinen Nachbarn.
Ab dem 16. Januar 1991 begann die Befreiung Kuwaits durch das US-Militär, Saudi-Arabien, Großbritannien und weiterer Verbündeter. In US-Medien wurde die Phase der Truppenaufstellung als „Operation Desert Shield“ und die Phase des Angriffs auf den Irak als „Operation Desert Storm“ bezeichnet.
Der zweite Golfkrieg endete am 5. März 1991 mit einer Niederlage des Iraks. In der Folge zog der Irak seine Truppen aus Kuwait zurück und die Unabhängigkeit des Emirats war wiederhergestellt worden. Sadam Hussein blieb im Amt des Staatspräsidenten bis zur Invasion von 2003 durch die USA.
Warum griffen die USA 2003 den Irak an?
Die USA griffen 2003 den Irak an, weil Sadam Hussein in Verdacht stand, die Terroranschläge vom 11. September 2001 unterstützt zu haben. Ein weiterer Kriegsgrund für die USA war, dass der Irak im Verdacht stand – Massenvernichtungswaffen zu entwickeln. Beide Kriegsgründe erwiesen sich später als falsch.
Wie verlief der Irakkrieg?
Der Irakkrieg begann am 20. März 2003 mit der Invasion der US-Streitkräfte und endete am 1. Mai 2003. Die Hauptstadt Bagdad fiel am 9. April 2003. Damit galt das Regime Hussein als beendet. Doch der Diktator war auf der Flucht. Deshalb setzten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf die Ergreifung Husseins aus.
Am 13. Dezember 2003 wurde Sadam Hussein von US-Besatzungstruppen festgenommen. Laut US-Berichten soll sich der Diktator in einem Erdloch im Dorf Ad-Dawr, südlich der irakischen Großstadt Tikrit, versteckt haben. Später tauchten Berichte von US-Soldaten auf, wonach Hussein in einem Haus – nach heftigen Feuergefecht – gefangen genommen wurde. Die Erzählung vom Erdloch war, laut diesen Berichten, erdacht und gestellt.
Die offizielle Bekanntmachung der Festnahme Husseins erfolgte am 14. Dezember 2003. Der Diktator wurde am 30. Dezember 2006 in al-Kazimiyya bei Bagdad gehängt. Die USA blieben bis 2011 die Besatzungsmacht im Irak.
Was geschah nach der US Invasion?
Ende 2003 wurde ein irakischer Übergangsrat gebildet. Dieser Rat wurde ermutigt, neue Minister ein- und abzusetzen. Weiterhin sollte der Staatshaushalt budgetiert und die Politik durch den Übergangsrat formuliert bzw. gelenkt werden.
Eine weitere wichtige Aufgabe war, eine Verfassung für den Irak auf den Weg zu bringen. Für die ganze innere Sicherheit blieben die US-Streitkräfte zuständig.
Am 28. Juni 2004 wurde der staatliche Verwaltungsauftrag an eine repräsentative Übergangsregierung übertragen. Die Besatzungsmächte sollten zu diesem Zeitpunkt noch zwei Jahre im Irak bleiben, um dort weiterhin für Sicherheit zu sorgen.
Als Vermittler zwischen den verschiedenen Parteien im Irak fungierte der algerische UN-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi. Am 30. Juni übernahm die irakische Übergangsregierung die Macht im Land und am 30. Januar 2005 wurden die ersten freien Wahlen seit 40 Jahren abgehalten.
Am 11. Oktober 2006 verabschiedete die irakische Regierung ein Gesetz, welche Provinzen mehr Eigenständigkeit zugestand. Dadurch sollten sogenannte „Super-Provinzen“ erschaffen werden, die langfristig einen eigenen Haushalt, eigene Zuständigkeit und Verwaltung bekommen sollten.
Viele Kritiker des Föderalismusgesetzes sahen darin, eine Bedrohung des Zentralstaates und glaubten, dass die irakische Einheit so niemals erzielt werden würde.
Milizen
2004 als die Übergangsregierung ins Amt kam, nahmen die Aufstände im ganzen Irak zu. Die Aufständischen bestanden überwiegend aus einheimischen Milizen des sunnitischen Islams. Aber es gab auch Organisationen, wie die „Armee Mohammeds“, die „El Haq-Armee“ und die „Islamische Armee des Iraks“.
Insgesamt kamen die Aufständischen auf etwa 20.000 Kämpfer. Ihr Ziel war es, die US-Truppen zu vertreiben und politische Abwertung der Sunniten aufzuhalten.
Neben den sunnitischen Milizen gab es auch Schiiten, wie die „Badr-Brigaden“ oder die „Mahdi-Armee“. Beide Organisationen hatten ebenfalls mehrere tausend Kämpfer.
Sowohl die schiitischen als auch sunnitischen Milizen forderten einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak. Doch die schiitischen „Badr-Brigaden“, welche im Süden bereits die Militärmacht ausübten, forderten einen eigenständigen Stadt im Süden. Währenddessen wollten die Milizen der „Mahdi-Armee“ einen islamischen Einheitsstaat behalten.
Aschuramassaker
Für die schiitische Bevölkerung im Irak ist die Stadt Kerbela ein Wallfahrtsort. Am 2. März 2004 fand dort das Aschura-Fest statt, bei dem es zu Angriffen und Anschlägen kam.
Während der Feierlichkeiten in Kerbela wurden neun Sprengsätze zur Explosion gebracht. Gleichzeitig kam es zum Raketenbeschuss durch die Terroristen. In Kerbela starben mehrere hundert Menschen.
Währenddessen kam es in der al-Kazimiyya-Moschee im Bagdader Vorort al-Kazimiyya zu einer weiteren Explosion. Dabei starben weitere 58 Menschen.
Insgesamt starben durch das Aschuramassaker 271 Menschen. Weitere 393 wurden verletzt.
In Basra war ein weiterer Anschlag geplant. Ein sprengstoffgeladener LKW, welcher nach Basra unterwegs war, konnte aufgehalten werden. Die Terroristen waren mit Raketenwerfern und Schusswaffen bewaffnet, um nach der Detonation die Flüchtigen zu töten.
Als Drahtzieher der Anschläge wurde al-Quaida vermutet. Denn für die sunnitischen Terroristen sind muslimische Schiiten nicht mehr als Häretiker.
Gründung des Islamischen Staat
Die Terrororganisation al-Quaida rief am 15. Oktober 2006 auf dem Territorium des Iraks einen Islamischen Staat aus. Um diesen Staat überhaupt erschaffen zu können, rief al-Quaida die ganze islamische Welt dazu auf, sich mit Geld und Männern zu beteiligen. Die Fundamentalisten kündigten an, dass in diesem Staat allein Gottesrecht gelten werde.
Terroranschläge 2006 und 2007
Allein 2006 starben im Irak etwa 34.000 Zivilisten durch Terroranschläge. Weitere 36.000 Menschen wurden verletzt. Der Höhepunkt der Gewalttaten wurde im November und Dezember erreicht. In diesen Monaten allein starben 6.367 Menschen.
Am 12. April 2007 kam es zu einer Explosion im Zentrum Bagdads, bei dem zwei Abgeordnete starben. Einige Stunden zuvor kam es zu einem Selbstmordanschlag auf einer Brücke in Bagdad, bei dem mehrere Zivilisten starben.
Am 18. April 2007 kam es zu einer Reihe von Detonationen. Ein Anschlag mittels Autobombe nahe des Marktplatzes im Stadtteil Sadrija kostete 127 Menschenleben.
Bei einem Anschlag am 7. Juli 2007 in der irakischen Kleinstadt Amirli starben 150 Menschen, weitere 200 Menschen wurden verletzt. Beim Anschlag von Sindschar am 14. August 2007 starben weitere 500 Menschen. Dieser Anschlag richtete sich gegen die kurdischen Jesiden im Nordirak.
Warum zogen die US-Truppen 2011 aus dem Irak ab?
Für die US-Strategie im Irak wurde 2006 eine unabhängige Kommission gebildet. Diese parteiübergreifende Gremium, bestehend aus Demokraten und Republikaner, veröffentlichte am 6. Dezember 2006 ihren Abschlussbericht. Laut diesem Abschlussbericht befand sich die US-Strategie im Irak in einer Sackgasse. Die Baker-Kommission schlug deshalb vor, sämtliche US-Truppen aus dem Irak abzuziehen.
Der erste Abzug vollzog sich bereits am 14. September 2007, noch unter der Regierung von George W. Bush. Während der Regierungszeit von Barack Obama verließen am 19. August 2010 weitere US-Soldaten das Land. Die restlichen 56.000 Soldaten, welche noch im Irak stationiert waren, sollten das irakische Militär ausbilden. Diese wurden am 18. Dezember 2011 abgezogen.
Welche Rolle spielten ausländische Truppen zwischen 2003 und 2011?
Der Irak wurde im September 2003 in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Zwei Zonen befanden sich im Norden und wurden durch die USA verwaltet. Die Besatzungszone im zentralen Süden wurde von Polen verwaltet, während die Zone im äußersten Süden von den Briten administriert wurde.
Die US-Invasion 2003 erfolgte zusammen mit Großbritannien und einem Staatenbündnis, welche als „Koalition der Willigen“ bezeichnet wurde. Zu dieser Koalition gehörten 13 NATO-Staaten, darunter Dänemark, Italien, Türkei und Ungarn.
Deutschland wurde von den USA offiziell nicht zur Koalition der Willigen gezählt. Dennoch spielte die Bundeswehr eine entscheidende Rolle bei der Bewachung von US-Stützpunkten und dem Aufbau von Nachschubwegen im Irak.
Was war die Irakkrise von 2014?
Nach dem Truppenabzug der USA gelang es dem Islamischen Staat (IS), die Städte Falludscha und Ramadi im Januar 2014 zu erobern. Allerdings bestand die Kontrolle über die Städte nicht dauerhaft, da lokale Stammeskämpfer und Polizeikräfte die Städte zurückerobern konnten.
Eroberung Mossuls
Anfang Juni 2014 startete ISIS eine Großoffensive auf Mossul und konnte die Stadt innerhalb weniger Tage erobern. Anschließend wurden sunnitischen Provinzen im Nordirak erobert – darunter die Stadt Ninive.
Beim Angriff auf Mossul wurden 49 Personen des türkischen Konsulats entführt. Laut der britischen Zeitung „The Guardian“ desertierten 30.000 Regierungssoldaten bei der Offensive auf Mossul. Durch die Einnahme von Mossul kamen die Terroristen in den Besitz von US-Hubschraubern und US-Panzern.
Massaker von Tikrit
Am 11. Juni erreichten die IS-Kämpfer die Stadt Tikrit. Dort trafen sie auf ehemalige Kämpfer und Loyalisten des Hussein-Regimes. Zwischen beiden Gruppen kam es zur Zusammenarbeit.
Einen Tag später verließen dreitausend Regierungssoldaten den Luftwaffenstützpunkt Camp Speicher in Zivilkleidung, um ihr Desertieren zu demonstrieren. Offiziere aus Camp Speicher flohen Tage zuvor vom Luftwaffenstützpunkt.
Trotz der Fahnenflucht teilte der IS die Regierungssoldaten in Sunniten und Schiiten ein, um 1.700 schiitische Soldaten hinzurichten. Zeitlich parallel zum Massaker von Tikrit richtete der IS im Dorf Beshir etwa 700 Turkmenen hin.
Offensive auf Bagdad
In Bagdad bereiteten sich die Menschen am 13. Juni auf die IS-Offensive vor. Der schiitische Führer im Irak, namens Großajatollah Ali al-Sistani, rief die schiitische Mehrheit des Landes zum Waffengang auf. Rund eine Million Iraker waren auf der Flucht und versuchten das autonome Kurdengebiet im Nordirak zu erreichen.
Ausrufung des Kalifats
Am 29. Juni rief der IS das Kalifat im Irak-Syrien aus und bestimmte ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen. Mit dieser Ausrufung verknüpfte der IS die Botschaft, dass sämtliche Emirate, muslimisch-geprägte Staaten und Organisationen ihre Rechtmäßigkeit verloren haben.
Interventionen der Europäer und der USA
Zwischen den USA und den Staaten der Europäischen Union wurde in diesem Zusammenhang darüber beraten, ob eine weitere Invasion in den Irak nötig sei. US-Präsident Barack Obama setzte auf einen Militärschlag, schloss aber zunächst Bodentruppen aus. Am 17. Juni wurde eine 275-mannstarke US-Spezialeinheit in den Irak gesandt.
Wie wurde der irakische Bürgerkrieg beendet?
Ein Wendepunkt des irakischen Bürgerkrieges war die Rückeroberung von Mossul. Seit 2014 war Mossul die Hochburg des Islamischen Staates.
Zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 gelang es der irakischen Armee, in Zusammenarbeit mit ausländischen Streitkräften, die Stadt zurückzuerobern.
Mit dem Verlust von Mossul verlor der IS seine Propagandabasis, um neue Rekruten zu gewinnen, seine Militärbasis, um Operationen zu planen und seine politische Basis, um eine Verwaltung zu organisieren. Danach war der IS nur noch auf einzelne Gebiete zerstreut.
Nach dem Fall Mossuls konnte die irakische Armee im September 2017 die strategisch wichtige Stadt Tal Afar zurückerobern. Im Oktober 2017 fiel die Stadt al Hawidscha zurück an den Irak. Damit ging die letzte IS-Bastion im Nordirak verloren. Im November 2017 wurde die Grenzstadt Rawa befreit und am 9. Dezember 2017 erklärte Premierminister Haider al Abadi offiziell: Der IS sei besiegt.
Der US-Kampfeinsatz endete am 31. Dezember 2021. Dennoch blieben militärische Berater im Land zurück.
Welche Rolle spielten Milizen im Kampf gegen den IS?
Im Juni 2014 rief Großajatollah Ali al Sistani zum schiitischen Widerstand gegen den sunnitischen IS auf. In seiner Rede am 13. Juni 2014 rief er dazu auf, dass jeder der eine Waffe tragen kann – sich dem Kampf gegen den IS widmen solle. Im Irak existierten zwischen 2014 und 2017 etwa 35 schiitische Milizen, darunter auch Hisbollah-nahe Gruppierungen. Ohne diese Milizen wäre die Zerschlagung des IS nicht möglich gewesen.
Die Milizen kämpften an fast allen Fronten im Irak, insbesondere in Tikrit, Baidschi, Falludscha und Mossul. Oftmals waren die Milizen besser organisiert und auch motivierter als die reguläre irakische Armee, denen massenhafte Desertieren seit 2014 nachgesagt wurde.
In den befreiten Dörfern kam es zu Menschenrechtsverletzungen. So wurden ganze sunnitische Dörfer, unter dem Vorwand des Kampfes gegen den IS, durch schiitische Milizen zerstört.
Kurdische Milizen und PKK-nahe Gruppen befreiten die nordirakischen Städte Sindschar, Zumar und Teile der Mossul Ebene. Aber auch hier beobachteten Menschenrechtsorganisationen, dass die Milizen ganze arabische Dörfer systematisch zerstörten, um ihre ethnische Kontrolle auszuweiten.
Aus lokalen Motiven kämpften sunnitische Stammesmilizen in Anbar und Salah ad Din gegen den IS. Im Gegenzug verübte der IS diverse Massaker an diesen Stämmen. Beim Massaker am Volkstamm Albu Nimr im November 2014 richtete der IS mehr als 630 Angehörige hin, welche zwar sunnitisch waren – aber sich widersetzt hatten.
Wie entstand das heutige irakische Militär?
Die Streitkräfte des Hussein-Regimes wurden nach der US-Invasion am 23. Mai 2003 aufgelöst. Mit Unterstützung der USA, Australiens, Großbritanniens und Jordaniens wurden die neuen irakischen Streitkräfte aufgestellt. Am 15. Mai 2004 wurde die „Multi-National Force – Iraq“ gegründet, bei der sich 26 Nationen beteiligten. Diese internationale Truppe sollte die Schutzaufgaben im Irak erfüllen und das neue irakische Militär ausbilden.
Wie hoch sind die Militärausgaben des Iraks?
Im Jahr 2017 betrugen die Militärausgaben des Iraks etwa 7,4 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht etwa 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Jene hohen Ausgaben für Sicherheit gehen zu Lasten von anderen Infrastrukturprojekten des Landes.
Welche privaten Militärfirmen sind im Irak aktiv?
Im Irak sind zahlreiche Sicherheitsfirmen tätig, welche das US-Militär bzw. die militärischen Berater der USA unterstützen. Die Anzahl aller Mitarbeiter wird auf 15.000 Personen geschätzt.
Zu bekanntesten Privatakteuren im Irak zählen das US-Unternehmen DynCorp, ein Sicherheitsunternehmen – welches die irakische Polizei ausbildet und Personenschutz anbietet. Auch Blackwater USA, das größte Sicherheitsunternehmen der USA, ist im Irak aktiv.
Die Minenräumung organisieren das Londoner Unternehmen ArmorGroup und das südbritische Unternehmen G4S.
Für den Bereich Finanzsicherheit und Risikomanagement ist das US-Unternehmen Kroll Inc. zuständig.
Welche Rolle spielt die Autonome Region Kurdistan?
Die Autonome Region Kurdistan wurde am 11. März 1970 geschaffen und am 30. Januar 2005 als souveränes Gebiet durch die irakische Verfassung festgeschrieben.
Der Weg zur Eigenständigkeit begann bereits zur Osmanischen Zeit. Damals existierten kurdische Fürstentümer – wie Schahrazor, Soran oder Badinan.
Diese Fürstentümer waren das politische Gegenstück zum osmanischen Zentralstaat. Über Jahrhunderte hinweg hatten diese Kleinstaaten eine weitestgehende Selbstverwaltung und sorgten in ihrem Machtbereich dafür, dass eine eigenständige Identität entstand – welche sich vom Umland unterschied.
Erster Kurdenkrieg
Als 1932 das irakische Königreich durch die Briten erschaffen wurde, erhielten die Kurden keine Autonomie. Zwischen 1961 und 1975 kam es im Nordirak zu den sogenannten Barzani-Revolten. Sie endeten mit einer kurzen Phase der kurdischen Autonomie im Nordirak.
Während der Baath-Zeit begann die Arabisierung des Landes, was die Spannungen wiederbelebte. Am 23. März 1969 bot die irakische Regierung den Kurden ein Recht auf Teilautonomie an. Und am 11. März 1970 wurde ein 15-Punkte-Friedenspakt unterzeichnet.
Aufgrund von Grenzstreitigkeiten entflammte der Krieg erneut und fand nunmehr inmitten des Iran-Irak-Krieges statt. Am Ende des Ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak sicherten beide Länder zu, sich nicht mehr in die Innenpolitik des Nachbarn einzumischen. Damit endete auch die iranische Unterstützung für Kurdistan.
Nachdem die iranische Unterstützung für Kurdistan wegfiel, begann die Baath-Regierung eine großangelegte Offensive gegen das irakische Kurdistan. Nun endete der Erste Kurdenkrieg mit einer Niederlage für Kurdistan.
Anfal-Operation
1988 kam es erneut zu Revolten in Kurdistan gegen die Zentralregierung. Sadam Hussein reagierte darauf, indem er den Nordirak bombardieren ließ. Diesmal wurde auch Giftgas eingesetzt. Etwa 180.000 Kurden starben während der Anfal-Operation. Mehrere hunderttausend Kurden wurden verschleppt.
Außerdem wurde die Infrastruktur von etwa 2.000 Dörfern und 20 Kleinstädten systematisch zerstört. Gerade die Giftgasangriffe wurden im Westen mit Entsetzen verfolgt. An der Herstellung des Giftgases waren verschiedene deutsche Firmen beteiligt.
De-facto Autonomie
Nach der Niederlage Sadam Husseins im Zweiten Golfkrieg (1991) erhoben sich die Kurden erneut. Die USA, Großbritannien und die Türkei errichteten im Nordirak eine Flugverbotszone – wodurch die Kurden geschützt waren und eine Form von Selbstständigkeit aufbauen konnten.
Die beiden führenden Parteien Kurdistans waren die PUK und DPK (Patriotische Union Kurdistans und Demokratische Partei Kurdistans). Zwischen beiden Parteien kam es 1994 zum Streit, so dass der Süden (PUK) und der Norden (DPK) gegenseitig Krieg führten.
Der Kurdische Bürgerkrieg endete im November 1997 mit der Schaffung von zwei kurdischer Verwaltungen.
Autonomie
Im Irakkrieg (2003) beteiligte sich Kurdistan an der Seite der USA und der Koalition der Willigen. Dadurch konnten die Kurden ihren Einfluss bei der Gestaltung eines neuen irakischen Staates einbringen.
Nach der Niederschlagung des Baath-Regimes einigten sich die irakische Regierung und die Kurdenverwaltungen darauf, die Autonomie von Kurdistan durch die irakische Verfassung anzuerkennen. Am 30. Januar 2005 fand das Unabhängigkeitsreferendum statt.
Am 21. Januar 2006 konnten sich PUK und DPK darauf einigen, beide Verwaltungen zusammenzulegen. Und am 7. Mai 2006 trat zum ersten Mal das vereinigte Parlament Kurdistans in Erbil zusammen.
Warum greift die Türkei den Nordirak immer wieder an?
Die Türkei gehörte 1991 zu den Staaten, welche Kurdistan vor Sadam Hussein geschützt hatten. Aber dies geschah nicht aus Sympathie zu den Kurden, sondern um eine Massenfluchtbewegung in die Türkei zu verhindern. Denn im Süden der Türkei lebt eine kurdische Gemeinschaft.
Und die Türkei will nicht, dass die Kurden einen Staat Kurdistan gründen, welcher sich von Syrien über den Irak bis in die Türkei erstrecken würde (Stammesgebiet der Kurden). Deshalb unterstützte die Türkei ein autonomes Kurdistan als Provinz, aber ist gegen einen souveränen Staat Kurdistan.
Als Grund für türkische Angriffe im Nordirak führt die Türkei an, dass sich dort PKK-Kämpfer befinden. Diese wollen einen souveränen Kurdenstaat erschaffen und führen Anschläge in der Türkei durch. Als PKK-Gebiet wird das Kandil-Gebirge im Nordosten Kurdistans genannt. Dort sollen sich PKK-Basen befinden, welche die Türkei in regelmäßigen Abständen bombardiert.
Welche Rolle spielte das Erdöl in der Geschichte des Iraks?
Der Irak hat nach Saudi-Arabien und Kanada die größten erkundeten Erdölvorkommen der Welt. Man schätzt, dass sich die Reserven des Iraks auf 250 Mrd. Barell Öl und Erdgas belaufen.
Aufgrund seiner Erdölvorkommen liegt der Irak in der strategischen Ellipse. Die Staaten in dieser Ellipse sind mehrheitlich politisch instabil, wodurch sich enorme Risiken für den Ölpreis und die damit verbundene Weltwirtschaft ergeben.
Nachdem 1927 das erste Erdöl im Irak gefunden wurde, richtete der Staat seine ganze Wirtschaft danach aus. Seitdem ist der Export des Öls der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes. Möglich wurde dieser Aufstieg, da der Irak ein Gründungsmitglied der OPEC-Staaten ist (Gründung 14. September 1960). In dieser Organisation setzen die erdölexportierenden Länder ihre Interessen gemeinsam durch.
Aufstieg als Erdölnation
Noch zu Beginn der 1960-er Jahre beherrschten die „Seven Sisters“, allesamt Unternehmen der USA, den Weltmarkt für Öl.
Etwa 86 % aller Erdölreserven der OPEC-Staaten befanden sich Anfang der 1960-er Jahren im Besitz der Seven Sisters. Durch die Vertretung in den OPEC-Staaten war es für diese Länder möglich, die US-amerikanischen Ölgesellschaften zu verstaatlichen.
Der Irak verstaatlichte die Erdölunternehmen seines Landes im Jahr 1972. Zu diesem Zeitpunkt besaßen die US-Konzerne nur noch 77 % des weltweiten Ölmarktes.
Am 14. Februar 1971 beschlossen die Staaten am Persischen Golf, die Preise für Erdöl zu erhöhen. Damit sollte die Inflation in den Ländern ausgeglichen werden.
Als dann der Jom-Kippur-Krieg zwischen Ägypten, Syrien und Israel ausbrach – kam es zur Ölkrise von 1973. Plötzlich stieg der Ölpreis rasant, wodurch der Irak profitierte und einen Wirtschaftsboom in den 1970-er Jahren verzeichnete.
Zwischen 1970 und 1980 wuchs das Bruttoinlandsprodukt des Landes um mehr als 11 Prozent.
Kriege um Öl
Vor dem Ersten Golfkrieg (1980) betrugen die Öl-Einnahmen des Iraks etwa 26 Mrd. Dollar. Diese Umsätze füllten die Kriegskasse, was den Golfkrieg überhaupt erst ermöglichte.
Als Konfliktstoff des Ersten Golfkriegs gilt die rohstoffreiche Region Chuzestan, deren Zugehörigkeit seit dem Mittelalter immer wieder diskutiert wurde. Aber Sadam Hussein ging es auch um die volle Kontrolle über den Fluss Schatt al Arab, welcher als Zusammenfluss von Euphrat und Tigris beginnt und dann im Persischen Golf mündet. Die vollständige Kontrolle über den Fluss war wichtig für den irakischen Ölexport.
Im Zweiten Golfkrieg wurde die Bedeutung des Öls noch bedeutender. Denn Sadam Hussein wollte den Staat Kuwait annektieren, um deren riesige Ölreserven nutzen zu können.
Auch der Kriegsgrund, welchen Sadam Hussein erfand, hatte mit Öl zu tun. So warf er dem Kuwait vor, Öl des Iraks durch Schrägbohrungen zu stehlen und den Ölpreis zu manipulieren, um damit die Wirtschaft des Iraks zu schädigen.
Hätte Sadam Hussein den kuwaitischen Nachbarstaat dauerhaft annektieren können, hätte der Irak etwa 20 Prozent aller Ölreserven unterhalten. Damit hätte er die OPEC-Staaten dominieren und den Preis für Öl auf den Weltmarkt festlegen können.
Die internationale Gemeinschaft, angeführt von den USA, griff in den Zweiten Golfkrieg ein. Aber nicht aus Sympathie für Kuwait, sondern um die globale Ölversorgung zu sichern.
Die Invasion auf den Irak durch die USA von 2003 erfolgte offiziell aufgrund von Massenvernichtungswaffen. Dass der Irak diese Waffen hatte, wurde später widerlegt. Tatsächlich ging es um Öl. Und für die USA war ein instabiler Irak mit Sadam Hussein zur Bedrohung geworden.
Erdölsituation seit 2003
Bis 2003 wurden 75 große Gas- und Ölfelder im Irak entdeckt. Davon werden 22 als Giganten und 9 als Supergiganten bezeichnet.
Während der Besetzung des Iraks (2003-2011) behielten sich die USA und Großbritannien vor, die irakischen Ölförderung zu verwalten. Diese Verwaltung wurde 2004 an die irakische Übergangsregierung übergeben.
Zwischen 2003 und 2011 wurden Beteiligungen westlicher Unternehmen an den irakischen Ölfeldern vergeben. Laut den damaligen Planungen wäre der Irak zur größten Erdölexportnation im Jahr 2009 oder spätestens 2016 aufgestiegen.
Im Januar 2026 veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters, dass die irakischen Einnahmen aus dem Rohölexport seit 2003 faktisch von den USA kontrolliert wurden. Die Einnahmen wurden seitdem in die Federal Reserve Bank of New York eingezahlt. Dort fließen die Einnahmen in einen Entwicklungsfonds für den Irak, welcher mittlerweile von der irakischen Zentralbank verwaltet wird.
Wie haben die UN Sanktionen den Irak wirtschaftlich beeinflusst?
Als Folge der Besetzung Kuwaits verhängten die Vereinten Nationen im Jahr 1991 ein Embargo über den Irak. Dieses Embargo hielt bis 2003 an.
Das Embargo traf die Bevölkerung zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung waren – aufgrund der Golfkriege – zerstört. Auch die Landwirtschaft war verwüstet worden, weshalb die Bevölkerung dringend Hilfe aus dem Ausland gebraucht hätte. Stattdessen sorgte internationale Isolierung dafür, dass ganze Landschaften verarmten.
Die Folgen des Embargos waren besonders dramatisch für die Gesundheitsversorgung. Etwa 0,5 bis 1,5 Mio. Kinder starben bis 2025 an den Folgen mangelnder Gesundheitsversorgung.
Gründe für den hohen Krankenstand der Bevölkerung waren vielfältig. Ein Hauptgrund ist sicherlich die Kontaminierung von Trinkwasser durch Militärmüll und der schlechten Abwasserlage.
Viele UN-Diplomaten reagierten mit Kritik und Protest auf die katastrophalen Verhältnisse im Irak. Einige von ihnen, wie bspw. der irische UN-Diplomat Denis Halliday, traten zurück. Dieser bezeichnete das Irak-Embargo als versteckten Völkermord.
Wie entwickelte sich die Wirtschaft des Iraks?
Der Irak ist im Wesentlichen ein Agrarstaat, ohne nennenswerte Industrie. Die Haupteinnahmequelle des Landes besteht darin, Erdöl auszuführen (siehe Abschnitt: irakisches Öl). Neben Erdöl verfügt der Irak auch über Schwefel, Meersalz, Gips, sowie kleinere Vorkommen von Gold und Silber.
Landwirtschaft
Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Etwa 40 Prozent aller Arbeitskräfte arbeiten in diesem Sektor. Der Nordirak eignet sich, aufgrund der Niederschläge, zum Regenfeldbau. Im Süden ist dies nicht möglich. Dort sind Bewässerungsanlagen nötig, um das Potential des Agrarwesens auszuschöpfen.
In den 1980-er Jahren konnte sich der Irak landwirtschaftlich noch selbst versorgen. Heute sind Importe aus Syrien und anderen Staaten des Nahen Ostens nötig, um den Grundbedarf zu decken. Im Irak werden Weizen, Reis, Mais, Gerste, Obst und Gemüse angebaut.
In den 1980er Jahren war der Irak berühmt für seine Datteln. Damals kamen etwa 75 % aller Datteln weltweit aus dem Irak. Aufgrund der Krisen in den 1980-er und 1990-er Jahren ging die Dattelausfuhr deutlich zurück. In den 2000-er Jahren betrug die Dattelproduktionen nur noch etwa die Hälfte der 1980-er Jahre.
Industrie
Große Industrien gibt es nur rundum Bagdad. Zu den bedeutenden Industriezweigen gehören die agrarverarbeitenden Industrien, wie Textilindustrie, Lebensmittelverarbeitung oder petrochemische Industrie.
Gibt es eine Tourismus-Branche für den Irak?
Tourismus im Irak sollte normalerweise stattfinden. Denn das Land hat mit Bagdad die zweitgrößte Stadt der arabischen Welt. Außerdem gibt es mehrere Kulturstätten, deren Erbe bis in die mesopotamische Zeit zurückreichen.
Im Jahr 2001 machte der Tourismus des Iraks etwa 14 Mio. US-Dollar Umsatz im Jahr. Seit 2003 ist der Tourismus zurückgegangen und gilt heute als inaktiv. Zwischen 2009 und 2010 gab es offiziell 165 Touristen im Land, welche aus 16 Ländern in den Irak reisten.
Wie ist die Wasserversorgung im Irak?
Die Kriegsjahre im Irak haben die Wasserversorgung des Iraks nachhaltig geschadet. Sowohl die Trinkwasser- als auch Sanitärversorgung verzeichnen massive Engpässe.
Die beiden Flüsse Euphrat und Tigris sind die Lebensadern des Landes. Diese bilden sowohl die Grundlage der Trinkwasserversorgung als auch für die Bewässerung der irakischen Agrarwirtschaft.
Seit 2018 existiert eine Wasserkrise im Irak. Sowohl die Wasserqualität als auch die Quantität an Trinkwasser nahmen deutlich ab, weshalb etwa 15 % der Bevölkerung im Zentralirak und im Südirak diese Regionen verließen. Laut IOM-Institut gab es Ende 2022 mehr als 68.000 Vertriebene, welche ihre Heimat aufgrund von Dürre und Wassermangel aufgaben.
Grund für den Wassermangel ist, dass die Türkei an den oberen Flüssen Euphrat und Tigris zwanzig Staudämme errichtet hat, was den Wasserlauf nach Süden erheblich verringert. Hinzu kamen lange Hitzeperioden und ein illegaler Brunnenbau, wodurch sich nicht nur die Quantität sondern auch die Qualität deutlich verringerte.
Das Fehlen von Kläranlagen und Wasseraufbereitssystemen führte dazu, dass allein in Basra etwa 118.000 Menschen im Sommer 2018 an schlechten Wasser erkrankten.
Wie viele Menschen leben im Irak?
Die Bevölkerung des Iraks wurde 2021 auf 39,65 Mio. Einwohner geschätzt. Im Jahr 2024 geht man von etwa 46,52 Mio. Einwohnern aus. Je nach Literatur variieren die Bevölkerungszahlen im Irak, da man von verschiedenen Schätzungen ausgeht. Die letzte Volkszählung im Irak fand vor mehr als 30 Jahren statt.
Wie setzt sich die irakische Bevölkerung zusammen?
Das Staatsvolk im Irak setzt sich aus ethnisch unterschiedlichen Gruppen zusammen. Der Großteil der Iraker gehört zur arabischen Gemeinde. Diese Gruppe macht etwa 80 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Danach folgen die irakischen Kurden, welche die größte ethnische Minderheit des Landes stellen. Und innerhalb dieser kurdischen Gemeinschaft bilden die Jesiden die größte Gruppe mit etwa 500.000 Menschen.
Die zweitgrößte Minderheit und drittgrößte Bevölkerungsgruppe im Irak sind die Turkmenen. Kleinere Minderheiten bilden die ethnischen Assyrer und Armenier mit etwa 500.000 Menschen, gefolgt von den Persern (300.000-500.000) und den Schabaks (250.000) auf der Ninive-Ebene im Nordostirak.
Zu den kleinsten Minderheiten gehören die Mandäer (6.000), Roma (50.000) und Tscherkessen (2.000).
Im Südirak leben etwa 20.000 Ahwaris, welche auch als Marscharaber bezeichnet werden. Unter Sadam Hussein wurde diese Bevölkerungsgruppe unterdrückt und politisch verfolgt. Der Grund dafür war, dass die meisten Ahwaris dem schiitischen Islam anhängen, da im 19. Jahrhunderten der Südirak systematisch schiitisch islamisiert wurde. Vorfahren der Marscharaber waren arabische Nomaden-Stämme.
Was ist besonders an den irakischen Arabern?
Genetisch unterscheiden sich die irakischen Araber von anderen Arabern auf der Arabischen Halbinsel. So haben die irakischen Araber einen deutlich geringeren genetischen Abstand zu den Kurden als andere Araber auf der Halbinsel. Ähnlich enge Verwandtschaften existieren zu den Jemeniten und Kuwaitern.
Welche Sprachen werden im Irak gesprochen?
Die häufigsten Sprachen im Irak sind das mesopotamische Arabisch, gefolgt von kurdisch, assyrisch-syrisch und dem irakisch-turkmenischen Dialekt.
Die Amtssprachen des Iraks sind Arabisch und Kurdisch. In allen Schulen des Iraks wird die arabische Sprache unterrichtet. Allerdings wird im Nordirak die kurdische Sprache am häufigsten gesprochen.
Aramäisch war in der Antike die verbreitetste Sprache des Iraks. Heute wird diese nur noch von der assyrischen Minderheit gesprochen. Diese Sprache unterscheidet sich allerdings regional in seiner Dialektik und hat verschiedene Begriffe – je nach Kirchenzugehörigkeit.
Der irakisch-turkmenische Dialekt wird nur im Norden des Iraks gesprochen. Ebenfalls aktiv sind kaukasische Sprachen, welche aber nur von ethnischen Minderheiten- wie den Tschetschenen – gesprochen werden.
Wie haben Kriege die Kultur des Iraks beeinflusst?
Die Kultur des Iraks ist vom Krieg geprägt worden. Jeder Krieg brachte Zerstörung, aber auch die Chance auf Erneuerung.
orientalistisch
In der Antike waren wechselnde Herrscher im Irak, wodurch es zu einer Verschmelzung der sumerisch-akkadisch-babylonischen Kultur mit der Perserkultur kam.
Hellenistisch
Mit der Eroberung durch Alexander dem Großen verschmolz die griechische Kultur mit der orientalischen. Somit waren die Kriege der Antike immer auch ein Motor kultureller Transformation im Irak.
arabisch-persisch
Im Frühmittelalter wurde der Irak von den Arabern erobert. In dieser Zeit verschmolz die hellenistisch-orientalische Kultur mit der islamischen Kultur. Bagdad wurde zur wichtigsten Wissensstätte des Osten und wohlmöglich des ganzen Mittelalters. Mit der Invasion der Mongolen endete das Goldene Zeitalter des Islams.
Während der Herrschaft der Osmanen wurde die Kultur des Iraks gleichermaßen von den persischen Safawiden beeinflusst. Es kam zu einer städtischen Kultur in Zentren wie Bagdad, Basra oder Mossul. In den ländlichen Gegenden entstand eine Stammeskultur (Tribalismus), welche identitätsstiftend wurde.
Versuch einer nationalen Staatskultur
Mit der britischen Eroberung im Ersten Weltkrieg und der Schaffung eines irakischen Einheitsstaates sollte ein nationales Bewusstsein entstehen. Im Königreich Irak wurde die sunnitisch-arabische Staatskultur gefördert, was aber unmöglich – aufgrund der kulturellen Vielfalt des Landes – unmöglich war.
Während der Baath Zeit wurde die Kultur erstmals politisiert und jene Politisierung erreichte unter Sadam Hussein ihren Höhepunkt. Da zu dieser Zeit auf eine staatliche Einheitskultur gesetzt wurde und sämtliche anderen kulturellen Inseln zurückgedrängt wurden, kam es zu einer Traumatisierung der irakischen Vielfaltskultur.
Zerstörung und Neuausrichtung
Durch die Invasion der USA (2003) wurde der Kulturschatz des Iraks großflächig zerstört. Viele Museen wurden geplündert, die archäologischen Stätte zerstört und eine nachhaltige Kulturförderung brach zusammen. Da viele Menschen aus dem Irak flohen, entstanden neuere Kulturformen – wie Exilliteratur oder politische Kunst.
Als der Islamische Staat den Bürgerkrieg 2014 begann, wollten die Terroristen den neuen Staat an einer sunnitischen Einheitskultur ausrichten. Deshalb wurden schiitische Kulturdenkmäler, Tempel, Moscheen und Museen zerstört. Sämtliche Minderheitenkulturen. Der Schaden wird über Generationen bleiben.
Heute ist die irakische Kultur eine Gesamtheit menschlicher Höheentwicklung, welche im Altertum begann. Die irakische Kultur von heute ist demnach orientalisch, hellenistisch, persisch, arabisch, politisch-geprägt und durch die Geschichte traumatisiert.
Welche Rolle spielt das mesopotamische Erbe des Iraks heute?
Das mesopotamische Erbe war zwar lange verloren, wurde aber im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Ab dann wurde die Historie der großen Zivilisationen für den Irak zunehmend bedeutender. Und selbst Sadam Hussein bezeichnete sich selbst als einen Nachfolger von Nebukadnezar.
Im 20. Jahrhundert wurde diese mesopotamische Tradition zunehmend gepflegt. So wurden Provinzen nach den einstigen sumerischen Stadtstaaten umbenannt (Ninive, Babylon). Auf Münzen und Banknoten wurde das kulturelle Erbe der Region verbildlicht und so mit staatlichen Symbolik vereint (Ischtar Tor, Zikkurat von Ur oder Hammurabi).
Der Tribalismus (Stammesgemeinschaft) ist eine der stabilsten sozialen Formen des Iraks. Genauso wie in den sumerischen Kleinstaaten begreifen sich die Menschen nicht zwingend als Iraker sondern als Angehörige einer bestimmten Stammesgesellschaft.
Wie vielfältig ist die Religion im Irak?
In der Antike war das Gebiet des heutigen Iraks ein Knotenpunkt verschiedener Kulturen, Völker, Sprachen und Religionen. Die Seidenstraße verlief durch den Irak. Ein wichtiger Standort der Seidenstraße war die antike Stadt Seleukeia-Ktesiphon, in deren Umland im Mittelalter die Stadt Bagdad entstand.
Über die Jahrhunderte hinweg wanderten Araber, Kurden, Turkmenen, Assyrer, Armenier und Shabak durch dieses Gebiet. Diese Kulturen brachten religiöse Traditionen mit, welche die vormittelalterliche Religion des Iraks nachhaltig beeinflussten. Der „Global Index of Religiosity and Atheism“ listete 2012 zu den Ländern, welche faktisch keinen Atheismus kennen. Fast 99 % der Bevölkerung sind religiös.
Juden
Ungefähr 150.000 Juden lebten bis 1948 im Irak. Dann wurde der Staat Israel gegründet und gab das Versprechen ab, ein Schutzraum für alle Juden zu sein. Deshalb wanderte die große jüdische Gemeinde aus.
Gegenwärtig wird die Anzahl der im Irak lebenden Juden auf unter zehn Personen geschätzt.
Die Einwanderung der Juden in den Irak begann um 586 v. Chr. im Zuge der babylonischen Eroberung von Jerusalem durch König Nebukadnezar. (Babylonische Gefangenschaft). Bis 1948 galt der Irak als größter jüdischer Rückzugsort (Jüdische Diaspora).
Muslime
Im Mittelalter wurde der Irak islamisiert. Bis heute gehören 95 bis 98 % aller Iraker dem Islam an. Etwa zwei Drittel der Muslime gehören dem schiitischen Islam an.
Der geringere Teil der Bevölkerung gehört zum sunnitischen Islam, obwohl Bagdad über 460 Jahre lang die Hauptstadt des sunnitischen Abbasiden-Kalifats war.
Aber auch während des Abbasiden-Zeit war ein bemerkenswerter Teil des Iraks bereits schiitisch geprägt. Hier liegt der Hauptgrund darin, dass Alī ibn Abī Tālib (kurz Ali) – einer der ersten Kalifen des Rashigun-Kalifats – die irakische Stadt Kufa als Residenzstadt wählte. Die Schiiten leiteten ihren Namen von Ali ab (eigentlicher Name: schīʿat ʿAlī = Partei Alis).
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Mehrheit der irakische Bevölkerung dennoch sunnitisch geprägt. Dies änderte sich als die sunnitischen Wahhabiten – von der arabischen Halbinsel ausgehend – dauerhaft den südlichen Irak angriffen.
Im Südirak rief deshalb die schiitische Gemeinde die arabischen Nomaden-Stämme dazu auf, zum Schiitentum zu konvertieren. Dadurch entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine schiitische Mehrheit im Irak, welche bis heute besteht. Kerbela und Nadschaf wurden die Heiligen Städte des Schiitentums.
Welche heiligen Städte liegen im Irak?
Heilige Stätten des Schiitentums im Irak sind Kerbela und Nadschaf. In Kerbela starb Imam Husain am 10. Oktober 680. Er war Enkel des Propheten Mohammeds und starb bei der Schlacht von Kerbela.
Die Stadt Nadschaf beherbergt das Grab von Imam Ali, dem ersten Imam der Schiiten. Es ist ein wichtige Pilgerort im schiitischen Islam.
Die Stadt Samarra ist sowohl für Schiiten als auch für Sunniten bedeutend. Dort befindet sich das al Askari Mausoleum und die Große Moschee von Samarra. Bagdad war Zentrum des Abbasiden-Kalifats (sunnitisch).
Mossul ist eine bedeutende Stadt der assyrisch-christlichen Liturgie. Dort steht die St.-Josef Kathedrale.
Lalisch liegt im Nordirak und ist der heiligste Ort der Jesiden. Hier befindet sich das Grab von Scheich Adi, dem wichtigsten jesidischen Heiligen.
Wie ist der irakische Staat aufgebaut?
Der irakische Staat ist, laut seiner Verfassung von 2005, eine föderale demokratische parlamentarische Republik. Das bedeutet, dass freie Wahlen (Demokratie) im Irak stattfinden, eine zentrale Regierung neben regionale Einheiten existiert (Föderalismus) und ein Parlament die Regierung wählt.
Regierungschef
Die Exekutive geht vom Premierminister des Iraks aus. Dieser ist auch Oberbefehlshaber der irakischen Streitkräfte. Er ist für die alleinige Staatspolitik verantwortlich und leitet den Ministerrat. Letzteres hat die Befugnis, die Minister und Generäle zu entlassen oder zu ernennen.
Gewählt wird der Premierminister nicht direkt, sondern über den Repräsentantenrat (Parlament). Nach jeder Parlamentswahl bestimmt das irakische Parlament erst einmal den sogenannten Präsidialrat. Dieser Präsidialrat nominiert den Premierminister und gibt dessen Nominierung ins irakische Parlament zur Abstimmung.
Wahlen
Alle vier Jahre finden Parlamentswahlen statt. Wahlberechtigt sind alle Iraker ab dem 18. Lebensjahr. Diese wählen die Zusammensetzung des Repräsentantenrates (Parlament). Erst dann wird ein Präsidialrat aufgestellt, welcher den Premierminister nominiert und durch das Parlament wählen lässt.
Das Parlament wählt auch den Präsidenten. Somit entscheidet der irakische Bürger – genauso wie im deutschen Wahlsystem – lediglich über die Zusammensetzung des Parlaments. Vom Parlament wird dann der Premierminister, analog zum deutschen Bundeskanzler – aufgestellt und gewählt.
Staatsoberhaupt
Staatsoberhaupt im Irak ist der Präsident. Doch dieser hat, genauso wie in Deutschland, hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Die Präsidentschaftswahl findet ebenfalls durch das irakische Parlament statt. Danach beträgt die Amtszeit des Präsidenten vier Jahre und ist einmal verlängerbar.
Legislative
Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) geht vom Parlament aus. Dieses ist als Zweikammer-Parlament gedacht. Doch der Föderationsrat, als zweite Kammer neben dem Repräsentantenrat – wurde bis 2012 noch nicht einberufen. Solch ein Zweikammer-Parlament ist üblich in westlichen Demokratien. In Deutschland heißen diese Kammern deutscher Bundestag und deutscher Bundesrat.
Was bedeutet die irakische Flagge?
Das Grundmuster der heutige Flagge des Iraks entstand 1963, nach Sturz der Regierung um Abd al-Karim Qasim. Enthalten sind die Farben rot, weiß und schwarz – welche auf vielen arabische Nationalflaggen zu sehen sind.
Rot steht für Mut, Kampf und ist Symbol der haschemitischen Aufstände. Die Farbe Weiß steht für Neuanfang und Frieden, während schwarz an das historische Abbasiden Banner erinnern soll.
Auf dem weißen Feld der Flagge steht in kufischer Schriftart die Inschrift „Allāhu Akbar“, was als „Gott ist am größten“ übersetzt wird. Dies soll die absolute Überlegenheit von Gott zum Ausdruck bringen. Im Arabischen wird Gott als Allah bezeichnet.
Zeittafel zur Geschichte des Iraks
| Geschichte vor 636: siehe Zeittafel Mesopotamien |
| Jahr, Ereignis |
| 636: Islamische Expansion: Durch Siege in der Schlacht am Jarmuk (636) und der Schlacht von Kadesia (638) gelingt den Arabern ein entscheidender Schritt zur Eroberung Vorder- und Zentralasiens. Fortan war Mesopotamien vom restlichen Perserreich geografisch getrennt. |
| 762, 30. Juli: In Zentralmesopotamien wird die Stadt Bagdad gegründet und zur Hauptstadt des Abbasidenkalifats. Diese Stadt steigt im Frühmittelalter zum kulturellen Zentrum des Islams auf. In Bagdad wird persische Literatur ins Arabische übersetzt, wodurch persische und arabische Kultur miteinander verschmelzen. |
| 1536: Das Gebiet des heutigen Iraks wird von den Osmanen, unter Führung von Süleymans I., erobert. |
| 1914, 6. November: Im Zuge des Ersten Weltkriegs besetzen die Briten das osmanische Mesopotamien. Unterstützt werden die Briten von arabischen Aufständischen, welche sich gegen die Zentralregierung der Osmanen wenden. |
| 1917, 11. März: Die Briten besetzen die Stadt Bagdad. |
| 1920, 10. August: Im Zuge des Vertrages von Sèvres lösen die Briten die Provinzen Bagdad, Mosul und Basra aus dem Osmanischen Reich heraus. Diese drei Provinzen werden zu einem irakischen Staat vereint. Der Völkerbund überträgt Großbritannien das Mandat über dieses neu entstandene Land. |
| 1920: Die Schiitische Revolution im Irak, welche sich gegen die britische Besatzung richtet, beginnt und wird blutig niedergeschlagen. |
| 1921, 23. August: Unter britischer Aufsicht wird das Königreich Irak gegründet mit Bagdad als Hauptstadt. Erster König des Iraks wird Faisal I., Sohn des haschemitischen Scherifen Hussein von Mekka. Der König des Iraks stammt aus der arabischen Dynastie der Haschimiten, welche auch die Könige von Jordanien, Hedschas und Syrien stellen. |
| 1922: Großbritannien und der Irak schließen den ersten anglo-irakischen Vertrag, welcher den Briten eine Kontrollfunktion in der Verwaltung des Landes für 20 Jahre zusichert. |
| 1926: Die Modalitäten des ersten anglo-irakischen Vertrages werden geändert, so dass die britische Kontrollfunktion nach zehn Jahren auslaufen soll. Dadurch kann der Irak im Jahr 1932 uanabhängig werden. |
| 1932, 30. Juni: Irak und Großbritannien vereinbaren den letzten anglo-irakische Vertrag, in welchem sich beide Staaten zu außenpolitischer Zusammenarbeit und militärischem Beistand verpflichten. Irakische Hauptfigur des Vertragsabschlusses ist Premierminister Nuri as-Said, welche in der Folge vom irakischen Volk gehasst wird. |
| 1932, 3. Oktober: Das britische Mandat läuft aus und wird nicht durch den Völkerbund verlängert. Dadurch wird der Irak von Großbritannien unabhängig. |
| 1936: Ende Oktober 1936 kam es zum Staatsstreich durch den irakischer Offizier Bakr Sidqī. Aufgrund des Staatsstreiches flieht Premierminister Nuri as-Said nach Ägypten und kehrt erst ein Jahr später in den Irak zurück. |
| 1937: Mohammed Amin al-Husseini, ein antisemitischer Islamist - welcher ab 1936 einen Arabischen Aufstand gegen jüdische Einwanderer und Briten in Palästina anführt - geht ins Exil nach Bagdad. Dort mobilisiert er die politische Elite des Landes, was dazu führt - dass sich zwei Lager bilden (probritisch, antibritisch) |
| 1938: Mit Hilfe der Armee kann Nuri as-Said die Regierung von Bakr Sidqī beenden und wird wieder als Premierminister eingesetzt. |
| 1939, 4. April: Der irakische König Ghazi I. stirbt bei einem Autounfall. Schnell verbreiten sich Verschwörungstheorien, dass der irakische Monarch von den Briten umgebracht wurde. Dann Ghazi war ein offener Befürworter der palästinensischen Unabhängigkeit von Großbritannien, der syrischen Unabhängigkeit von Frankreich, dem Anschluss Kuwaits an den Irak und schließlich einer irakisch-syrischen Union. |
| 1941, 1. April: Antibritische Politiker und Offiziere unternehmen einen Staatsstreich und bringen Raschid Ali al-Gailani an die Spitze des Staates. Zuvor hatte der Irak, unter Führung von Nuri as-Said, eine probritische Haltung während Zweiten Weltkriegs gezeigt. |
| 1941, 2. Mai: Der Britisch-Irakische Krieg beginnt. Dieser ist ein Teilkonflikt des Zweiten Weltkriegs. Die Iraker werden in diesem Krieg vom Deutschen Reich unterstützt. |
| 1941, 31. Mai: Der Krieg endet am 31. Mai 1941 mit einem britischen Sieg, woraufhin die Putschisten nach Berlin fliehen. |
| 1941, Oktober: Die Briten setzen Nuri as-Said wieder als Regierungschef ein. |
| 1943, 16. Januar: Der Irak erklärt den Achsenmächten den Krieg. |
| 1948: Premierminister Salih Dschabr will den anglo-irakischen Vertrag erneuern, was zu schwersten Unruhen führt. |
| 1948, 14./15. Mai: Nach der Gründung des Staates Israel erklären Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak dem neuen Staat den Krieg. |
| 1949: Der Palästinakrieg endet mit einem israelischen Sieg.. |
| 1958, 14. Februar: Das Königreich Irak und das Königreich Jordanien schließen sich zur Arabischen Föderation zusammen. Der Zusammenschluss war eine Reaktion auf die Gründung der Vereinigten Arabischen Republik (Zusammenschluss Syrien und Ägypten). |
| Der Zusammenschluss war eine Konföderation (Staatenbund). Staatsoberhäupter sind der irakische König Faisal II. und sein jordanischer Cousin Hussein I.. Beide Könige stammen aus dem haschimitischen Herrschaftshaus. |
| Jener Zusammenschluss war eine Zuwendung zur USA und Großbritannien, während der Zusammenschluss von Syrien und Ägypten eine Annäherung an die Sowjetunion war. |
| 1958, 14. Juli: Ein Militärputsch gegen König Faisal II. durch nationalistische Offiziere der irakischen Streitkräfte gelingt. Die Putschisten töten den König, Kronprinz Abd ul-Ilah und am Folgetag den irakischen Premierminister Nuri as-Said. |
| 1958, 15. Juli: Die Putschisten lösen nach fünf Monaten die Arabische Föderation auf, beenden die pro-westliche Außenpolitik und rufen die Republik Irak aus. Erster Premierminister wird Abd al-Karim Qasim. |
| 1963, 8. Februar: Die Baath-Partei putscht, mit Hilfe von irakischen Verschwörern im Militär, die Regierung von Abd al-Karim Qasim. |
| 1963, 18. November: Die, durch interne Flügelkämpfe, geschwächte Baath-Partei wird durch Abd as-Sallam Arif gestürzt. |
| 1968, 17. Juli: Die Baath-Partei kann durch einen erneuten Staatsstreich wieder an die Macht im Irak kommen. |

