18. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert beschreibt einen Zeitraum zwischen dem 01. Januar 1701 und dem 31. Dezember 1800. In diese Zeit fallen unter anderem der Siebenjährige Krieg (1756-63), die Unabhängigkeitserklärung der USA (1776), Beginn der Abschaffung des Sklavenhandels aus Afrika (1787) oder die Französische Revolution (1789).
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Von wann bis wann ging das 18. Jahrhundert?
- 3 Was wurde im 18. Jahrhundert erfunden?
- 4 Was passierte im 18. Jahrhundert in Deutschland?
- 5 Was passierte im 18. Jahrhundert in Frankreich?
- 6 Was passierte im 18. Jahrhundert in anderen Ländern?
- 7 Was aß man im 18. Jahrhundert?
- 8 Was bedeutete die Aufklärung im 18. Jahrhundert?
- 9 Wie hieß Deutschland im 18. Jahrhundert?
- 10 Wer regierte Deutschland im 18. Jahrhundert?
- 11 Wie alt wurden Menschen im 18. Jahrhundert?
- 12 Warum nahm im 18. Jahrhundert die Bevölkerung so rasch zu?
- 13 Wie groß wurden Menschen im 18. Jahrhundert?
- 14 Warum starben im 18. Jahrhundert noch so viele Kinder?
- 15 Wie hat man im 18. Jahrhundert verhütet?
- 16 Warum wurden im 18. Jahrhundert Perücken getragen?
Steckbrief
| Geschichtsepoche: | Übergang zwischen Früher Neuzeit und Moderne |
| Davor: | 17. Jahrhundert |
| Danach: | 19. Jahrhundert |
| Philosophie: | Immanuel Kant: Philosoph der Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau: prägender politischer Philosoph Voltaire: führender Kopf der französischen Aufklärung |
| Musik: | Wolfgang Amadeus Mozart: einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte |
| Literatur: | Johann Wolfgang von Goethe: deutscher Dichter des Sturm und Drang sowie der Weimarer Klassik Friedrich Schiller: Historiker, Dramatiker und Dichter des Sturm und Drang sowie der Weimarer Klassik |
| Politik: | Friedrich II. (Preußen): genannt Friedrich der Große, war König von Preußen Maria Theresia: lenkte das Haus Habsburg in Österreich Katharina II.: genannt Katharina die Große, war Kaiserin von Russland Marie Antoinette: Sünden- und Symbolfigur der Französischen Revolution Napoleon Bonaparte: Militärführer und spätere Kaiser der Franzosen George Washington: erster Präsident der USA Benjamin Franklin: Aufklärer, Erfinder und Diplomat |
| ab 1701 | Beginn der Aufklärung |
| 1701 - 1714 | Spanischer Erbfolgekrieg |
| 1701 | Brandenburg-Preußen wird zum Königreich Preußen |
| 1763 | Beginn der Amerikanischen Revolution |
| 1776 | Unabhängigkeitserklärung der USA |
| 1789 | Beginn der Französischen Revolution |
| 1752 | Benjamin Franklin erfindet den Blitzableiter |
| 1760-er Jahre | John Harrison erfindet den Chronometer, wodurch eine präzise Zeitmessung auf See möglich wurde |
| 1764 | James Hargreaves erfindet eine Mehrspindel-Spinnmaschine (Spinning Jenny), welche die Textilproduktion erleichtert und massiv beschleunigt |
| 1769 | Richard Arkwright erfindet eine mechanische Spinnmaschine, welche mit Wasserkraft betrieben wird (Waterframe). |
| 1776 | James Watt erfand eine neue Dampfmaschine (Beginn der Industriellen Revolution) |
| 1783 | Gebrüder Montgolfier erfinden den Heißluftballon (Beginn der Luftfahrt) |
| 1796 | Edward Jenner vollzieht die erste Schutzimpfung gegen Pocken |
Von wann bis wann ging das 18. Jahrhundert?
Das 18. Jahrhundert reicht vom 1. Januar 1701 bis zum 31. Dezember 1800. Dieses Jahrhundert wird als Markierung für den Beginn der Moderne in Europa herangezogen. Das liegt daran, dass sich ein Wandel in der Politik vollzog. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts herrschte der Adel in Europa vor. Am Ende gewannen die Bürger stark an politischer Kraft.
Berühmte Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert lebten, sind unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Immanuel Kant. Friedrich Schiller, Johann Wolfgang Goethe und James Cook gehören ebenfalls dazu.
Was wurde im 18. Jahrhundert erfunden?
Im 18. Jahrhundert kam es zu vielen verschiedenen Erfindungen und Entdeckungen. Neben Maschinen, die industrielle Abläufe automatisierten, kam es auch zu Weiterentwicklungen in der Chemie, Medizin und Landwirtschaft.
Dampfmaschine
Thomas Newcomen, ein englischer Erfinder, gilt als Erfinder der Dampfmaschine. Er setzte sie als erster Anfang des 18. Jahrhunderts in Steinkohlebergwerken ein, um Grubenwasser abzupumpen. Später wurde die Dampfmaschine auch in der Textilindustrie und in vielen anderen Bereichen eingesetzt.
Die Dampfmaschine funktioniert, indem sie Wärme in Energie umsetzt. Dafür wird Wasser erhitzt, bis Dampf entsteht. Dieser Dampf setzt einen Kolben in Bewegung, der wiederum ein Rad antreibt. Damit so eine frühe Dampfmaschine laufen konnte, brauchte sie viel Kohle.
Die ersten Dampfmaschinen, die in Kohlebergwerken zur Förderung eingesetzt wurden, förderten kaum mehr Kohle, als sie selbst verbrannten. Dennoch steigerte die Automatisierung die Förderung so stark, dass sie sich lohnte. Der Dampfmaschine folgten die Spinnmaschine und weitere Maschinen, die Dampf zum Antrieb nutzten.
Elektrischer Strom
Im 18. Jahrhundert nahm die Erforschung der Elektrizität Fahrt auf. In der Mitte des Jahrhunderts kam es deswegen häufiger zu Demonstrationen, bei denen den Zuschauern Schläge versetzt wurden. Zur richtigen Nutzung des Stroms kam es aber erst später.
Gaslampen
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Gaslampen gebaut. Sie leuchteten, indem sie ein aus Steinkohle gewonnenes Gas verbrannten. Öffentliche Beleuchtung oder Gasbeleuchtung in Häusern gab es erst ab dem 19. Jahrhundert. Der Grundstein liegt jedoch im Jahrhundert davor.
Veränderungen in der Landwirtschaft
1785 entstand der gusseiserne Pflug. Er verbesserte das Umwälzen des Feldes, sodass Landwirte bessere Erträge erzielen konnten.
Darüber hinaus wendete man sich nun von der Dreifelderwirtschaft ab. An ihre Stelle trat die Fruchtfolge. Bei der Dreifelderwirtschaft ließen die Bauern im Wechsel eines von drei Feldern brachliegen. Dadurch sollte sich der Boden erholen und anschließend mehr Ertrag liefern. Bei der Fruchtfolge baut man hingegen jedes Jahr etwas an, variiert jedoch die Früchte. Ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge ist der Wechsel zwischen Nutzpflanzen und Futterpflanzen. Damit entstand gleichzeitig hochwertiger Dünger.
Chemie
Antoine Laurent de Lavoisier war ein französischer Chemiker und Naturwissenschaftler. Er lebte von 1743 bis 1794 und gilt als Vater der ersten chemischen Revolution. Unter anderem erkannte er, dass Sauerstoff beim Verbrennen nötig ist. Außerdem entdeckte er, dass Luft aus sich veränderlichen Bestandteilen besteht. Dass Wasser eine Verbindung mit Sauerstoff enthält, war ebenfalls erst jetzt bekannt.
Darüber hinaus formulierte er das Gesetz der Massenerhaltung. Das Gesetz sagt aus, dass die Masse in einem abgeschlossenen System unveränderlich ist.
Impfung
Die erste Schutzimpfung stammt aus dem Jahr 1796. Der englische Wundarzt Edward Anthony Jenner (1749 bis 1823) entwickelte eine schon lange bekannte Beobachtung weiter. Demnach erkrankten Melkerinnen nicht an den Pocken. Man vermutete einen Zusammenhang mit den viel milderen Kuhpocken, denen die Melkerinnen durch ihre Arbeit ausgesetzt waren.
Am 14. Mai 1796 impfte Jenner einen acht Jahre alten Jungen namens James Phipps mit Kuhpockenviren. Die Viren gewann er aus einer Pustel in der Hand der an Kuhpocken erkrankten Milchmagd Sarah Nelmes. Sechs Wochen darauf infizierte er den Jungen mit Pockeneiter. Er erkrankte nicht. Das Experiment war also geglückt. Jenner verzichtete auf ein Patent für seine Entdeckung. Er befürchtete, dass sich dadurch die ärmere Bevölkerung die Impfungen nicht mehr hätte leisten können.
Was passierte im 18. Jahrhundert in Deutschland?
Deutschland, also das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war zu dieser Zeit keine wichtige Macht in Europa. Das Gebiet bestand aus zersplitterten Kleinstterritorien, die alle dem Kaiser folgten. Dennoch gab es keine Einheit im Reich. Hinzu kam, dass der 1742 zum Kaiser ernannte Wittelsbacher Karl VII. kein mächtiges Haus hinter sich hatte. Das schädigte die Kaiserwürde.
Preußen und Österreich hingegen buhlten um die Vormacht in Zentraleuropa. Deutschland konnte da kaum mithalten. Zum Ende des 18. Jahrhunderts entschied es sich dennoch dafür, in den Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich einzusteigen. Dieser endete negativ und mit Teilung für das Reich.
Wirtschaftlich ging es dem Heiligen Römischen Reich hingegen gut. Speziell der Westen profitierte von der Industrialisierung. Der Bergbau gewann an Wichtigkeit, was Arbeitsplätze und Geld ins Reich spülte.
Kulturell war das 18. Jahrhundert eine Blütezeit für Deutschland. Die bis heute bekannten Dichter Goethe und Schiller stammen aus dieser Zeit. Auch die Musik wurde durch Komponisten wie Bach gefördert.
Was passierte im 18. Jahrhundert in Frankreich?
Das 18. Jahrhundert war für Frankreich mit großen politischen Veränderungen verbunden. Frankreich war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Monarchie. Die französischen Könige waren absolutistisch, ließen sich aber durch andere Adelige teilweise stark beeinflussen. Diese waren reich und beeinflussten ihren König daher in ihrem eigenen Sinne.
Bei diesem Spiel machte auch der oberste Gerichtshof von Paris, das Parlement de Paris, mit. Er wurde vom Amtsadel dominiert und konnte königlich angeordnete Reformen verhindern. Dieses Recht nutzte er vor allem dann, wenn die Reformen die Privilegien des Adels angegriffen hätten.
Dennoch war Frankreich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts recht stabil und auch wirtschaftlich gut aufgestellt. Dabei spielte Ludwig XIV. eine entscheidende Rolle. Nach seinem Tod im Jahr 1713 konnte sich der Wohlstand noch eine Weile halten. Dann brachten Kriege und die Reformunfähigkeit Frankreich in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Darunter litt auch das Vertrauen in die Monarchie.
Letztendlich entluden sich dieses Misstrauen und die angestaute Wut gegen den König in der Französischen Revolution von 1789. Die dabei entstandene Nationalversammlung schränkte den Einfluss des Adels stark ein und schaffte seine Privilegien ab. Sie verfasste für jeden Franzosen geltende Menschen- und Bürgerrechte. Am Ende entstand so ein bürgerlicher Verfassungsstaat.
Als diese Hürde genommen war, wandte sich Frankreich wieder nach außen. In einem Krieg gegen Österreich begann die Expansionspolitik der letzten Jahre des 18. Jahrhunderts. Napoleon Bonaparte gelangte an die Spitze und führte, allerdings erst im nächsten Jahrhundert, die Monarchie in Frankreich wieder ein.
Was passierte im 18. Jahrhundert in anderen Ländern?
Großbritannien
Großbritannien des 18. Jahrhunderts war sowohl innen- als auch außenpolitisch sehr aktiv. Zunächst entstand das Königreich Großbritannien erst durch den Act of Union im Jahr 1707 aus den Königreichen England und Schottland. Bald darauf folgten Unruhen durch einen Wechsel des Monarchen. Erst am Ende der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beruhigte sich das Land wieder.
Außerhalb Europas führte Großbritannien zahlreiche Kriege und stieg zur Seemacht auf. Es vernachlässigte dabei seine Landstreitkräfte und konzentrierte sich völlig auf seine Flotten. Obwohl andere europäische Länder ebenfalls aufrüsteten, kamen sie nie an Großbritannien heran.
Spanien
Am Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich Spanien im Spanischen Erbfolgekrieg. 1714 endete dieser mit einem Dynastiewechsel. Die Bourbonen, ein französisches Adelshaus, ging siegreich hervor. Außerdem verlor Spanien seine europäischen Gebiete, die außerhalb der Iberischen Halbinsel lagen. Das sollte das europäische Gleichgewicht wahren.
Spanien konnte sich nun auf seine innenpolitische Lage konzentrieren. Dadurch erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung, der bis in die 1780er Jahre wirkte. Erst dann wendete sich das Blatt für Spanien wieder. Die Wirtschaft litt, das Land war in Kriege verwickelt, die es weiter schwächten. Als es zur Französischen Revolution kam, machte sich das durch das französische Adelshaus auf dem spanischen Thron innenpolitisch bemerkbar.
Russland
Russland spielte im 18. Jahrhundert bei den europäischen Großmächten mit. Es verfügte nach dem Sieg über Schweden über einen Ostseezugang und hatte eine gefestigte Armee und Marine.
Russland vollzog einen Wandel hin zum Westen. Sankt Petersburg, was die neue Hauptstadt werden sollte, wurde architektonisch an den Westen angepasst. Die Oberschicht blühte in diesem Jahrhundert weiter auf. Die überwiegende Bevölkerung genoss jedoch keine Vorteile durch die Nähe zum Westen. Letztendlich musste Russland sogar Siedler mit Geld anwerben, um das eigene Land zu bebauen.
Polen
Polen litt an den Nachwirkungen des Großen Nordischen Kriegs. Es war innenpolitisch so geschwächt, dass es außenpolitisch kein Faktor war. So verlor Polen 1772 einen Teil an seine Nachbarn, nachdem es zu einem Bürgerkrieg gekommen war. Als bald darauf eine freiheitliche Verfassung, die den Lehren der Aufklärung entspracht, verabschiedet wurde, griffen die Großmächte ein. Alle drei, Russland, Österreich und Preußen, wurden von absolutistischen Monarchen regiert, die das aufklärerische Polen nicht dulden konnten. Sie teilten Polen auf, sodass es 1795 von der Landkarte verschwunden war.
Japan
In Japan liegt das 18. Jahrhundert mitten in der Edo-Zeit. Der Handel blühte und es kam zu einer starken Verstädterung. 1707 brach der Vulkan Fuji zuletzt aus.
USA
Nordamerika befand sich noch in der Kolonialisierungsphase. 1763 begann schließlich die amerikanische Revolution mit der Boston Tea Party. Am Ende, im Jahr 1783, unterzeichneten alle Kriegsparteien den Frieden von Paris. Die Vereinigten Staaten waren geboren.
Was aß man im 18. Jahrhundert?
Zu den wichtigsten Lebensmitteln im 18. Jahrhundert gehörten in Europa Hülsenfrüchte und Getreide. Die breite Bevölkerung aß daraus hergestellten Brei. Später wurde auch Brot zum Frühstück verbreiteter.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurden Kartoffeln wichtiger. Die Missernten von 1770 bis 1772 veranlassten Friedrich II. von Preußen dazu, seine Bauern dazu zu zwingen, Kartoffeln anzubauen. Diese sollten das Volk vor Hunger schützen.
An Obst aß man alles, was man anbauen oder in Wäldern finden konnte. Die Beeren und Früchte wurden für den Winter getrocknet. Im Herbst spielten Pilze eine große Rolle.
Gewürzt wurden die Speisen hauptsächlich mit Salz und einheimischen Kräutern. Variation durch Pfeffer, Zimt und Muskat brachten Händler aus Übersee. Diese waren aber für die breite Bevölkerung kaum erschwinglich.
Im 18. Jahrhundert trank man hauptsächlich alkoholarmes Bier, Molke, dünnen Wein oder Wasser. Letzteres war durch Verunreinigungen jedoch gefährlich. Der Alkohol schützte vor Krankheiten, weil er die Erreger abtötete.
Mit der Zeit wurden weitere Getränke bekannt. Tee, Kaffee und Trinkschokolade aus Kakao waren aber nur etwas für die Reichsten. Der einfachen Bevölkerung waren diese Getränke zu teuer. Teilweise war es den Menschen sogar verboten, sie zu kaufen und zu trinken.
Gesüßt wurden Speisen mit Honig oder Rohrzucker. Ersteren nutzte die normale Bevölkerung, der Rohrzucker kam beim Adel auf den Tisch.
Was bedeutete die Aufklärung im 18. Jahrhundert?
Die Aufklärung war eine Epoche, die hauptsächlich das 18. Jahrhundert umfasst. Typisch war für diese Zeit, dass die Menschen offener für neue Erkenntnisse waren. Strukturen, die den Fortschritt behinderten, lehnten sie ab.
Aufklärer beriefen sich immer wieder auf die Vernunft. Die Vernunft sollte sie dazu bringen, sich von überholten und starren Traditionen zu lösen. Stattdessen sollten sie sich speziell den Naturwissenschaften zuwenden. Religion hatte in dieser Zeit aber auch ihren Platz. Aufklärern war die Befreiung von Vorurteilen und religiöse Toleranz sehr wichtig.
Das Ziel dieser Bewegung war es, durch bessere Bildung emanzipierte Bürger zu erhalten. Das würde gleichzeitig dem Staat zugutekommen. In diesem Zug setzte auch eine Bewegung für Frauenrechte ein.
Die Aufklärung führte unter anderem zu politischem Mitspracherecht ungeachtet der Herkunft. Heute sieht man diese Epoche als unvollendet an. Sie wirkt bis heute nach und muss/soll fortgeführt werden.
Wie hieß Deutschland im 18. Jahrhundert?
Im 18. Jahrhundert gab es das Heilige Römische Reich, auch Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Es umfasste, neben Deutschland, weitere Gebiete. Im Mittelalter gehörten unter anderem Ostfrankreich, Teile Italiens, Österreich, Belgien und Luxemburg dazu. Im 18. Jahrhundert und schon vorher verlor es jedoch viele Gebiete und wurde immer kleiner.
Das Heilige Römische Reich entstand im 10. Jahrhundert. Die Bezeichnung bekam es aber erst im Spätmittelalter. Im Jahr 1806 wurde es aufgelöst.
Wer regierte Deutschland im 18. Jahrhundert?
Im 18. Jahrhundert saßen insgesamt acht Kaiser auf dem Thron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Drei entstammten dem Haus der Habsburger, die bereits seit 1438 ununterbrochen die Herrschaft über das Reich hatten. Einer gehörte dem Haus der Wittelsbacher an. Die übrigen vier gehörten zu Habsburg-Lothringen.
Leopold I.
Leopold I. lebte von 1640 bis 1705. Er saß von 1658 bis zu seinem Tod auf dem Thron. Neben der Kaiserwürde über das Heilige Römische Reich war er außerdem König in Germanien, Ungarn, Böhmen, Kroatien und Slawonien. Im 18. Jahrhundert kämpfte er im Spanischen Erbfolgekrieg. Daneben war er musikalisch und konnte sich für das Theater begeistern. Leopold trat bedächtig und zurückhaltend auf. Er hatte keine großen militärischen Ambitionen.
Joseph I.
Joseph I. (1678 bis 1711) war der älteste Sohn von Leopold I. Er folgte seinem verstorbenen Vater im Jahr 1705 auf den Thron und blieb dort bis zu seinem Tod im Jahr 1711. Neben dem Kaisertitel war er König von Böhmen, Ungarn und Kroatien.
Im Spanischen Erbfolgekrieg war er erfolgreich. Reformen gegenüber war er nicht nur offen, sondern sah sie sogar als notwendig an.
Joseph starb früh im Alter von 32 Jahren an den Pocken. Er hinterließ keinen Erben.
Karl VI.
Nach dem frühen Tod Josephs I. übernahm Karl VI. die Herrschaft über das Heilige Römische Reich. Karl war ein weiterer Sohn Leopolds I. und damit Josephs Onkel. Er regierte von 1711 bis 1740.
Karl beteiligte sich an vielen Kriegen. Allgemein war er kein guter Herrscher. Am 20. Oktober 1740 verstarb er vermutlich an einer Vergiftung. Zehn Tage zuvor hatte er eine Mahlzeit mit Pilzen zu sich genommen. Daraufhin entwickelte er Symptome, die auf eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz deuteten. Dazu gehörten heftigen Erbrechen und Bewusstlosigkeit.
Der Tod Karls VI. beendete die jahrhundertelange Herrschaft der Habsburger.
Karl VII.
Karl VII. stammte aus dem Hause Wittelsbach. Er lebte von 1697 bis 1745 und war kurzzeitig Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Nach dem Tod Karls VI. beanspruchte Karl VII. den Thron. Er begründete diesen Anspruch auf seine Ehe mit Maria Amalia von Österreich. Diese war eine Nichte Karls VI. Von 1742 bis 1745 war er gewählter römisch-deutscher Kaiser. Dann starb er recht überraschend. Seine Todesursache ist nicht genau bekannt. Seine Ärzte stellten nach seinem Tod Gicht, Nierensteine und Herzprobleme fest.
Franz I.
Franz I. (1708 bis 1765) war der erste römisch-deutsche-Kaiser aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Er hatte 1736 Maria Theresia von Österreich geheiratet, die Tochter des Kaisers Karl VI. Dadurch war es ihm möglich, bei den Kaiserwahlen nach dem Tod Karls VII. anzutreten. Er selbst stammte aus dem Haus Lothringen. Sein Vater war Leopold Joseph von Lothringen.
Von 1745 bis 1765 saß er auf dem Thron des Heiligen Römischen Reiches.
Joseph II.
Joseph II. (1741 bis 1790) war der älteste Sohn von Franz I. Kurz vor dessen Tod designierte Franz ihn zu seinem Nachfolger. Als Franz 1765 starb, folgte Joseph ihm daher auf den Thron. Er herrschte allerdings als Mitregent mit seiner Mutter Maria Theresia. Erst nach ihrem Tod 1780 war er Alleinherrscher.
Joseph II. war für überstürzte und radikale Entscheidungen bekannt. Er war beim Volk unbeliebt, obwohl die Aufhebung der Leibeigenschaft zu seinen Reformen gehörte.
Josephs Leben war durch einen schweren Schicksalsschlag gezeichnet. 1763 verstarb seine Frau an den Pocken. Tage zuvor hatte sie eine Totgeburt erlitten. Joseph zerstörte ihr Verlust, was möglicherweise zu seinem harschen Regierungsstil später beitrug.
1790 starb der Kaiser an Tuberkulose. Er hinterließ keine Erben. Seine einzige Tochter (neben der Totgeburt) war 1770 im Alter von sieben Jahren verstorben.
Leopold II.
Nach dem Tod Josephs II. war der Thron ohne Erben. Daher übernahm Leopold II. (1747 bis 1792). Er war ein Bruder Josephs II. und hatte zu dem Zeitpunkt, als er gekrönt wurde, bereits drei erwachsene, männliche Erben.
Seine kurze Regentschaft war durch Misstrauen und militärische Spannungen geprägt. Es drohte ein Krieg mit Frankreich, das sich mitten in einer Revolution befand. Leopold mied diese Auseinandersetzung und intervenierte auch nicht friedlich. Stattdessen schloss er mit Preußen eine Defensivallianz, um sich abzusichern.
Leopold verstarb 1792 recht überraschend. Die Ursache für seinen Tod ist nicht genau geklärt. Zu seiner Zeit vermutete man einen Giftanschlag. Bei einer Autopsie fanden die Ärzte Hinweise auf eine Lungenentzündung.
Franz II.
Franz II. war der älteste Sohn von Leopold II. Er übernahm nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft und behielt sie inne, bis das Heilige Römische Reich 1806 zerfiel. Er selbst lebte von 1768 bis 1835.
Franz verlor während seiner Herrschaft viele Gebiete und musste sich schweren Friedensbedingungen beugen. Als Napoleon sich in Frankreich zum erblichen Kaiser krönte, stellte er zwei Jahre später ein Ultimatum an Franz. Dieser unterzeichnete, wodurch er die Kaiserkrone aufgab, aber hoffte, sein Volk vor zu viel französischem Einfluss zu schützen.
Wie alt wurden Menschen im 18. Jahrhundert?
Die Lebenserwartung der Menschen des 18. Jahrhunderts war sehr gering. Je nach betrachtetem Land lag sie zwischen 30 und 40 Jahren. Älter wurden nur adlige Menschen, die eine gesicherte Nahrungsversorgung besaßen und nicht schwer körperlich arbeiten mussten.
Hatte ein Adliger oder Gelehrter seinen 30. Geburtstag erreicht, hatte er gute Chancen, weitere 30 Jahre zu leben. Die Wahrscheinlichkeit dafür wuchs mit dem Fortschreiten des 18. Jahrhunderts.
Auffällig ist dabei auch, dass Mediziner früher starben als Nichtmediziner. Höchstwahrscheinlich hängt das mit ihrer Exposition zu ansteckenden Krankheiten zusammen. Auch sie hatten gute Chancen, deutlich älter als 40 zu werden. Im Schnitt starben sie aber früher als Gelehrte, die nicht im medizinischen Bereich tätig waren.
Warum nahm im 18. Jahrhundert die Bevölkerung so rasch zu?
Sehr lange machten sich kaum Sprünge im Bevölkerungswachstum auf der Welt bemerkbar. Es kam hin und wieder zu Einbußen, etwa bei Seuchen oder Ernteausfällen. Andersherum nahm die Bevölkerung im Mittelalter allgemein, jedoch sehr langsam, zu. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeichnet sich allerdings ein deutliches Wachstum ab. Ab dem 18. Jahrhundert wurde der Anstieg immer steiler.
Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Industrialisierung. Diese brachte den Menschen Wohlstand. Todesfälle durch Mangelernährung oder Krankheiten, die durch kostspielige Behandlungen hätten verhindert werden können, wurden weniger.
Gleichzeitig zeigte man sich in dieser Zeit aufgeschlossener gegenüber neuen Erkenntnissen. Das Festhalten an Traditionen, die möglicherweise gesundheitsschädlich waren, ließ nach. Auch so überlebten mehr Menschen, sodass die Bevölkerung wachsen konnte.
Wie groß wurden Menschen im 18. Jahrhundert?
Die durchschnittliche Größe der Menschen im 18. Jahrhundert beträgt 167,8 cm für Männer und 155,3 cm für Frauen. Je nach Land waren die Menschen aber sehr unterschiedlich groß. Außerdem spielte ihr Stand eine entscheidende Rolle dabei, welche Körpergröße sie erreichten.
Mangelernährung im Kindesalter ließ die Menschen deutlich kleiner bleiben. Die arme Bevölkerung war entsprechend häufig kleiner als der Adel. Diese Tatsache dürfte auch den Durchschnitt verändert haben.
Erstaunlicherweise waren die Menschen wenige Jahrhunderte zuvor deutlich größer. Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert betrug die durchschnittliche Körpergröße in Europa 173 cm. Forscher vermuten, dass dieser Unterschied auf das mildere Klima zurückzuführen ist. Ab dem 14. Jahrhundert herrschte eine kleine Eiszeit, die die Temperaturen im Mittel um 2 bis 3 °C sinken ließ.
Warum starben im 18. Jahrhundert noch so viele Kinder?
Im 18. Jahrhundert lag die Kindersterblichkeit im europäischen Durchschnitt bei etwa 33 %. Das bedeutet, dass ein Drittel aller Kinder verstarb, bevor es das Erwachsenenalter erreicht hatte. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Fehlende Hygiene
Die mangelhafte Hygiene im 18. Jahrhundert bot einen Nährboden für Krankheitserreger. Die meisten Kinder starben in dieser Zeit an Infektionskrankheiten. Häufig waren Durchfallerkrankungen für ihren Tod verantwortlich. Auch Pandemien wie Pocken führten innerhalb kürzester Zeit dazu, dass eine Familie gleich mehrere Kinder verlor.
Ersatznahrung
Noch bis ins Spätmittelalter wurden Kinder etwa bis zu ihrem zweiten Geburtstag von ihrer Mutter gestillt. Zwar bekamen sie in dieser Zeit auch schon andere Nahrung. Aber die Muttermilch machte weiterhin einen großen Teil ihrer Ernährung aus. In dieser Zeit war bereits ein Trend erkennbar.
So stillten wohlhabende Frauen früher ab. Das Stillen wurde als lästige Pflicht empfunden. Sobald das Kind die ersten Zähnchen hatte, stillte man daher ab und ersetzte die Muttermilch mit einem Brei. Manche Frauen gaben ihre Kinder von Anfang an zu einer Amme, um nicht selbst stillen zu müssen.
Diese Entwicklung trug ebenfalls zu der erhöhten Kindersterblichkeit bei. Der Brei, den die Kinder als Alternative erhielten, war verunreinigt oder für sie nicht verdaulich. Sie steckten sich dadurch mit Krankheiten an oder litten an Mangelernährung.
Auch die Ammenmilch führte zu Todesfällen. Die Amme lebte oft in ärmlichen Verhältnissen. Zudem war ihre Milch nicht für Neugeborene geeignet. Die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich mit dem Alter des Kindes. Stillt eine Frau mit einjährigem Kind ein Neugeborenes, bekommt der Säugling eine andere Nährstoffzusammensetzung. Im schlimmsten Fall kann auch das zu Mangelerscheinungen und später zum Tod führen.
Manche Frauen griffen auf Tiermilch zurück, um ihre Säuglinge zu ernähren. Auch das stellte eine Gefahr dar. Die Rohmilch enthielt möglicherweise Krankheitserreger wie Listerien oder Salmonellen. Beide führen zu Krankheiten, die für Kinder in dem Alter häufig tödlich enden.
Tötung aus Not
Im 18. Jahrhundert gab es zwei große Hungersnöte: 1709 in Frankreich sowie von 1770 bis 1772 in Böhmen. Der Hunger trieb speziell die arme Bevölkerung in die Verzweiflung. Hatten sie schon Schwierigkeiten, sich selbst zu ernähren, töteten sie daher in einigen Fällen ihre eigenen Kinder.
Diesen Tötungen aus Not fielen vor allem die Jüngsten zum Opfer. Die Säuglinge wurden erstickt und man behauptete, sich im Schlaf versehentlich auf das Kind gerollt zu haben. Die Tötung wurde also als Unfall verschleiert.
Wie hat man im 18. Jahrhundert verhütet?
Verhütungsmethoden gab es im 18. Jahrhundert wenig. Allerdings setzte sich in dieser Zeit unter der reichen Bevölkerung Europas der Wunsch nach weniger Kindern durch. Es galt als schick, wenig Nachkommen zu haben. Daher griffen die Menschen nach den Verhütungsmitteln, die es zu dieser Zeit bereits gab.
Sicher ist, dass die Menschen dieser Zeit die Mittel angewendet haben. Frankreich verzeichnete im 18. Jahrhundert beispielsweise einen sichtbaren Geburtenrückgang. Diese Entwicklung ist voraussichtlich nicht darauf zurückzuführen, dass die Menschen enthaltsam lebten.
Coitus interruptus
Coitus interruptus ist Latein für „unterbrochener Geschlechtsverkehr“. Dabei unterbricht der Mann die vaginale Penetration kurz vor dem Orgasmus, sodass sein Samenerguss außerhalb stattfindet. Dadurch gelangen viel weniger Spermien in die Scheide, sodass die Wahrscheinlich für eine Schwangerschaft geringer ausfällt. Ausschließen kann diese Methode eine Schwangerschaft aber nicht.
Bereits vor dem Samenerguss gelangen Spermien durch sogenannte Lusttropfen aus dem Penis in die Scheide. Diese enthalten zwar weniger Spermien, machen eine Schwangerschaft aber möglich.
Es gibt nicht viele Studien, die die Sicherheit des Coitus interruptus untersuchen. Die wenigen, die uns zur Verfügung stehen, kommen auf eine Anwendungssicherheit zwischen 4 und 20. Das bedeutet, dass je nach Studie 4 bis 20 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres schwanger wurden, wenn sie ausschließlich mit dem Coitus interruptus verhütet haben.
Zum Vergleich: bei gesunden Paaren, die nicht verhüten, stellt sich innerhalb eines Jahres bei 85 % eine Schwangerschaft ein. Die hierbei verglichenen Paare haben aber einen Kinderwunsch. Man kann daher vermuten, dass sie entsprechend dem Zyklus der Frau Geschlechtsverkehr haben, um ihre Chancen zu steigern. Die Frauen des 18. Jahrhunderts besaßen dieses Wissen über ihren Zyklus nicht. Daher können wir zumindest davon ausgehen, dass sie ihre fruchtbaren Tage nicht bewusst auslassen konnten.
So bleibt zu sagen, dass der Coitus interruptus im heutigen Vergleich mit anderen Verhütungsmethoden sehr unsicher ist. Aber er verhindert doch deutlich mehr Schwangerschaften als völlig ungeschützter Geschlechtsverkehr.
Kondome aus Leinen oder Tierdärmen
Kondome wurden bereits in der Antike verwendet. Sie bestanden aus Leinen oder Tierdärmen und führten, genauso wie moderne Kondome, zu einer mechanischen Barriere. Die Spermien blieben im Kondom hängen und gelangten nicht in die Scheide. Dadurch kam es nicht nur viel seltener zu einer Schwangerschaft. Diese frühen Kondome dienten auch der Krankheitsverhütung.
Frauen, speziell Prostituierte, hatten kein Mitspracherecht, ob ihr Sexpartner ein Kondom verwendete. Zusätzlich war das Hygienebewusstsein in dieser Zeit wenig ausgeprägt. Kondome waren teuer, sodass anzunehmen ist, dass Männer diese mehrmals verwendeten. Inwieweit die Kondome zwischendurch gereinigt wurden, ist fraglich.
Auch diese Kondome führten zu einem deutlich geringeren Schwangerschaftsrisiko.
„Herausniesen“ des Spermas
Das „Herausniesen“ des Spermas nach dem Akt praktizierten Frauen bereits in der Antike. Dafür hockten sie sich direkt nach dem Samenerguss des Mannes hin und versuchten, durch Muskelkontraktionen das Sperma herauszupressen.
Im Allgemeinen fließt der überwiegende Teil der Samenflüssigkeit wenig später wieder aus der Scheide heraus. Diese Methode wird daher am geringsten zur Verhütung von Schwangerschaften beigetragen haben. Sicherlich hat aber auch dieses Vorgehen vereinzelt vor Schwangerschaften geschützt.
Warum wurden im 18. Jahrhundert Perücken getragen?
Perücken sind keine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Bereits im Alten Ägypten trugen Männer und Frauen Perücken und Haarteile. Im 17. Jahrhundert wurde sie in Europa immer verbreiteter.
Die Perücke hatte dabei die Aufgabe, kahle Stellen zu verstecken. Durch Ansteckungen mit Typhus oder Syphilis fiel den Menschen das Haar aus. Kahle Köpfe waren aber verschrien. Speziell die Oberschicht zeigte sich vorzugsweise mit langem, gesundem Haar.
Zu dem Haarausfall trugen auch Behandlungen mit Quecksilber bei. Das Schwermetall wurde zur Therapie bei den bereits genannten Krankheiten eingesetzt, führte aber zu Vergiftungen. Ein Symptom dieser Vergiftungen war Haarausfall.
So kam es 1658 dazu, dass König Ludwig XIV. von Frankreich nach einer Typhusansteckung an Haarausfall litt. Er kaschierte diesen ab Juni des Jahres mit einer Allongeperücke. Das ist eine lange, gelockte Perücke für Männer, die etwa bis ins Jahr 1715 getragen wurde.
Da nun der König Perücke trug, zog der Adel nach. Seine Perücken waren weniger prunkvoll, kürzer und nicht so stark aufgetürmt. Die einfachere Bevölkerung trug entsprechend noch schlichtere Modelle. Bauern und Handwerkern trugen für gewöhnlich keine Perücken. Es war ihnen aber nicht verboten. Nur pudern durften sie sie nicht.
Das Pudern kam um 1700 auf. Dafür nutzte man Mehl, um die Perücke strahlend weiß erscheinen zu lassen. Die Perücke selbst bestand hauptsächlich aus Ross- oder Ziegenhaar. Teile wurden auch aus Hanf und Flachs hergestellt.
Mit dem Erstarken Napoleons verschwand die Perücke. An ihre Stelle trat eine Kurzhaarfrisur bei den Männern, die an römische Kaiserporträts erinnert. Bis heute erlebten Perücken keine weitere Epoche solcher Beliebtheit.
Die Perücken dienten also zu Beginn dazu, Haarausfall zu kaschieren. Bald darauf stellten sie ein ausgeprägtes Statussymbol dar. Auch Frauen trugen im 18. Jahrhundert aufwendige Perücken. Zum Ende der Perückenzeit ragten diese turmartig in die Höhe.