Athene (griechische Mythologie)
Athene bzw. Athena ist eine Göttin in der griechischen Mythologie. Sie ist Namensgeberin und Schutzgöttin der Stadt Athen. Im Trojanischen Krieg wählten alle Griechen Athene als Schutzgöttin.
In Homers Ilias und Odyssee wird sie zudem als Schutzgöttin des Odysseus genannt, welche ihm auf seinen Irrfahren beschützte. Sie ist auch Schutzpatronin von Perseus, Herakles und Orestes. Sie hilft Bellerophon das fliegende Pferd Pegasus zu zähmen. Außerdem unterstützt sie Argos, dem Erbauer des Schiffes, auf welchem der Held Jason und seine Gruppe von Argonauten segelten.
Neben der Funktion als Schutzgöttin ist Athene auch Göttin der Weisheit, der Strategie, des Kampfes, des Handwerks, der Künste und der Handarbeit. In der römischen Mythologie wird Athene mit Minerva gleichgesetzt. Die ägyptische Mythologie nennt Neith als Schutz- und Kriegsgöttin.
Zusammen mit Artemis und Hestia gilt Athene als eine der drei jungfräulichen Göttinnen im griechischen Pantheon.
Der Alte Athena-Tempel in Athen war der bedeutendste Tempel in der Antike. Doch dieser wurde 480 v. Chr. von den Persern zerstört. Drei Jahre später begann der Bau des Parthenons in Athen, welcher seither der bedeutendste Athene-Tempel ist.
Steckbrief
| Bedeutung: | griechische Göttin, eine der Zwölf Olympioniken, Namensgeberin der Stadt Athen |
| Ort: | antike Griechenland |
| Epoche: | Bronzezeit, Eisenzeit, Antike |
| Funktion: | Göttin der Weisheit, des Krieges und der Handwerkskunst |
| Eigenschaften: | Weisheit, Vernunft |
| Vater: | Zeus |
| Mutter: | Metis |
| Kinder: | Erichthonios (adoptiert) |
| Wohnsitz: | Olymp |
| Tiere: | Eule der Athene, Schlange der Athene, Pferd (Athene Hippia) |
| Baum: | Olive (Moria) |
| Symbole: | Aegis, Helm, Speer, Rüstung, Gorgoneion, Streitwagen, Distaff |
| Beinamen: | Athene Atrytone, Athene Ergane, Athana potnia, Athene Mechanitis, Athene Hippia, Athena Ageleia, Athene Itonia, Athene Itonis, Athene Assesia, Athene Phratria, Athene Parthenos, Athene Polias, Pallas Athena, Tritogeneia, Tritonia |
| Tempelanlagen: | Alte Athena-Tempel (zerstört 480 v.Chr.), Parthenon in Athen (erbaut 5. Jhd. v. Chr.), Athena‑Tempel in Priene (Ionien, Türkei, erbaut 4. Jhd. v. Chr.), Athena‑Tempel in Assos (Behramkale, Türkei, 6. Jhd. v. Chr.) |
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Wer ist Athene?
Athene ist Schutzgöttin der Städte und Namensgeberin von Athen. Zu mykenischen Zeiten fungierte sie als Schutzgöttin der Paläste und der mykenischen Herrscher. Zudem ist sie die Schutzgöttin der Handwerker und Künstler.
Sie gilt auch als Göttin des Krieges. Aber anders als der eigentliche Kriegsgott Ares steht Athene nicht für die brachiale Gewalt, sondern für den strategisch geführten Kampf bzw. Krieg. Geboren wurde Athene aus Zeus Stirn, weshalb sie auch als Göttin der Weisheit verehrt wird.
Wofür steht Athene symbolisch?
Athene steht symbolisch für Überlegenheit, Klugheit, Weisheit, Schutz, Wissenschaft, Kunst und Handwerk. Als Athene Parthenos steht sie für die jungfräuliche Göttin.
Seit der Renaissance gilt Athene als internationales Symbol für das klassisches Wissen, Weisheit und Kunst. Viele westliche Künstler nutzten Athene als Symbol für Freiheit, Demokratie und Individualismus.
Warum wurde die Stadt Athen nach Athene benannt?
Die Stadt Athen in Griechenland wurde nach Athene benannt, da die Göttin die Schutzpatronin der Athener war. Beschrieben wurde der Gründungsmythos durch die Bibliotheke des Pseudo-Apollodorus. Um den Status der Schirmherrschaft über Athen stritten, laut Mythos, einst Athene und Poseidon.
Beide Gottheiten einigten sich darauf, den Athenern ein Geschenk zu machen und dann sollte Kekrops, der König über Attika und Athen, über den Schutz entscheiden.
Daraufhin schlug Poseidon mit seinem Dreizack auf den Boden, wodurch sich eine Salzquelle ergab – welche er den Athenern schenkte. So bekamen die Athener den Zugang zum Wasser und Handel.
Athene bot den Athenern einen Olivenbaum an, was Kekrops I. dankend annahm. Jener Olivenbaum brachte Holz, Öl und Nahrung. Er wurde zum Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt. Die Göttin wurde zur Schutzpatronin und Namensgeberin der Stadt.
Wer sind Athenes Eltern?
Athene ist Tochter des Göttervaters Zeus und der Metis. Sie soll die Lieblingstochter von Zeus gewesen sein. Oftmals wird sie aber auch als mutterlos dargestellt, da Zeus seine Geliebte verschlang, nachdem er vom Orakel erfuhr – dass sein Sohn ihn stürzen würde.
Wie wurde Athene geboren?
Die Geburt der Athene gibt es in mehreren Versionen. Doch in allen Versionen kommt sie ausgewachsen und voll bewaffnet zur Welt. Geboren wurde sie aus der Stirn des Zeus.
Geburtsmythos von Hesiod
In der Theogonie von Hesiod heiraten Zeus und Metis. Die Ehefrau von Zeus galt als die Weiseste unter den Göttern und den sterblichen Menschen. Sie gab Zeus immer wieder Ratschläge.
Doch vor der Geburt prophezeien Gaia und Uranus, dass Metis einen mächtigeren und weiseren Gott als Zeus gebären würde. Und dieser Sohn des Zeus würde letztlich sein Vater stürzen. Um dies zu verhindern, verschlang der Göttervater seine Gemahlin.
Dieses Verschlingen gelang Zeus durch eine List. Denn Metis konnte den Körper eines jeden Lebewesens annehmen. Und so täuschte er sie, dass sie sich in eine Fliege verwandelte und dann von ihm verschlungen werden konnte. Doch es war zu spät. Denn Metis war bereits schwanger.
Im Körper des Zeus fungierte Metis weiter als Zeus Beraterin. In seinem Geist brachte sie ihre Tochter Athene zur Welt und zog sie auf. Als Athene erwachsen wurde, schmiedete Metis ihr aus dem Geist von Zeus eine Robe, Rüstung, einen Speer und einen Schild.
Athene schlug nun Speer und Schild immer wieder gegeneinander, wovon Zeus schließlich gewaltige Kopfschmerzen bekam. Deshalb beauftragte er den Schmiedegott Hephaistos, seinen Schädel zu spalten.
Als Hephaistos den Schädel des Zeus spaltete, trat Athene voll bewaffnet hervor. Sie trug die Rüstung ihrer Mutter. Da sie aus Zeus Geist entsprungen war, wurde sie so zur Göttin der Weisheit und Klugheit.
Geburtsbericht der Bibliotheke des Apollodor
Die Geburtsgeschichte der Athene aus der Bibliotheca des Pseudo-Apollodorus wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. erstellt. Laut diesem Bericht soll Metis nicht die Frau von Zeus gewesen sein, sondern von ihm vergewaltigt worden sein. Nach der Vergewaltigung verwandelte sie sich in eine Fliege, um zu entkommen. Zeus verschluckte die Fliege und damit auch die bereits schwangere Metis.
Andere Erzählungen
Justin der Märtyrer, ein heidenchristlicher Philosoph des 2. Jahrhunderts n. Chr., sah in Athene nicht das Produkt eines Sexualaktes. Stattdessen sei Athene eine Schöpfung Gottes. Und als Gott durch Ordnung und Vernunft (logos) die Welt erschuf, war sein erster Gedanke die Athene gewesen.
Das Etymologicum magnum, ein griechisches Wörterbuch – welches um 1100 n. Chr. entstand, nennt den legendären König Itonus in Fthiotida als Vater der Athene. So wurden Itonis und Itonia zwei Beinamen der Athene.
Hat Athene ihren Vater gestürzt?
Laut dem Bericht des Hesiod soll Zeus einen Sohn gebären, welcher ihn stürzen wird. In einigen Texten wird dieser Sohn auch namenlos erwähnt, nachdem Metis von Zeus verschluckt wurde. Diese zog angeblich sowohl den Sohn als auch Athene im Geist von Zeus auf. Doch bei der Geburt der Athene blieb der Sohn namenlos zurück.
Obwohl Athene nicht der Sohn von Zeus war, könnte die Prophezeiung dennoch eintreten. Jedoch hat Athene ihren Vater niemals erfolgreich stürzen können. Allerdings beschreibt Homer in der Ilias einen Sturzversuch, bei dem sie, Poseidon und Hera zusammenarbeiten.
Als die Göttin Thetis von dem Umsturzplan gegen Zeus erfuhr, holte sie den hundertarmigen Riesen Briareos auf den Olymp. Dieser setzte sich als eine Art Leibwächter neben Zeus. Aus Angst vor dem Riesen geben die Götter ihre Umsturzpläne auf.
Warum gilt Athene als „jungfräuliche Göttin“?
Athene war als Athena Parthenos („Athene die Jungfrau“) bekannt. Insgesamt gab es in der griechischen Mythologie nur drei jungfräuliche Göttinnen. Diese waren Athene, Artemis (Göttin der Jagd) und Hestia (Göttin des Herdes und der Familie).
Über alle drei Göttinnen hatte die Liebesgöttin Aphrodite keine Macht. Deshalb wehrten alle drei Göttinnen auch Avancen des männlichen Geschlechts permanent ab. Die Männerwelt hatte somit niemals Macht über sie.
Alle drei Göttinnen waren Schutzgötter der Tiere, der Städte oder der Familie. Und in diesem Sinn übten sie den Schutz auch für alle Geschlechter gleichermaßen aus.
Athene hatte als Schutzgöttin der Polis auch eine politische Funktion. Sie steht für Stabilität, Kontrolle, Gerechtigkeit und Vernunft. Mutterdasein, Ehe oder Liebschaften kommen da nicht vor und laufen mitunter aufs Gegenteil hinaus. Da genau diese Aspekte bei Athene fehlten, galt ihre ganze Loyalität einzig und allein den Polis.
Als Göttin der Weisheit, Vernunft und Rationalität musste die Jungfräulichkeit ebenso ergänzt werden. Denn Liebe, Sexualität und Mutterschaft hätten Athene ansonsten auf die Seite des Körperlichen gezogen – was dann das Gegenteil von geistiger, rationaler und kontrollierte Kraft gewesen wäre. Stattdessen unterstreicht die Jungfräulichkeit ihre Unabhängigkeit und geistige Autonomie.
Wie entstand der Athene-Kult?
Minoische Schlangengöttin
1903 wurden auf der griechischen Insel Kreta zwei Figuren ausgegraben, welche man für Schlangengöttinnen hält. Gefunden wurden diese in der Ausgrabungsstätte von Knossos, wo der einstige Palast des Minos stand – welcher das Zentrum der minoischen Hochkultur gewesen war.
Die Minoer waren die ersten Europäer, welche in den Stand einer Hochkultur erhoben wurden. Existiert hatte diese Kultur zur Bronzezeit (3000-1100 v. Chr.), also lange vor der Antike. Aber wohlmöglich entstand zur damaligen Zeit ein Kult um Schlangengöttinnen, welcher dem Kult der späteren Athene vorrausging.
Die minoische Schlangengöttinnenfiguren sind beide unterschiedlich groß. Gefunden wurde diese vom englischen Archäologen Arthur Evans. Dieser bezeichnete die größere Figur als Abbild einer Schlangengöttin und die kleinere als Abbild einer Schlangenpriesterin.
Zur damaligen Zeit hatten die Minoer bereits Seemacht und standen im Handel mit den Stadtstaaten im östlichen Mittelmeerraum. Bei den Phöniziern war die Schlange ein Symbol der Erneuerung und die phönizisch-syrische Göttin Astarte wurde unter den Seefahrern als Schutzgöttin verehrt.
Laut Walter Burkert, einem deutschen Experten der griechischen Mythologie, waren diese Schlangengöttinnen die Vorläuferinnen der Athene, die ebenfalls mit Schlangen in Verbindung gebracht wird.
Im Archäologischen Museum Heraklion auf Kreta sind zahlreiche Fresken der Minoer und Mykener ausgestellt. Das Prozessionsfresko von Knossos zeigt mehrere Personen, welche in einer Reihe aufgestellt sind und einem Prozession-Ritus nachgehen. Im Zentrum sticht eine Frau heraus, welche wohlmöglich die minoische Vorläuferin der antiken Athene ist.
Sumerische Inanna
In Sumer, also Südmesopotamien, galt Inanna als Schutzgöttin der Tempel. Sie war aber auch als Kriegsgöttin bekannt und diejenige, welche einen lokalen König erwählte. So hat sie, laut sumerischer Mythologie, Sargon von Akkad auserwählt, welcher letztlich das Akkadische Reich gründete. Der Inanna-Kult wurde später von Sumerern, später von den Akkadern, Babyloniern und Assyrern gepflegt.
Der Wissenschaftler Charles Penglas stellte fest, dass Athene in ihrer Rolle als „furchterregende Kriegergöttin“ der Inanna sehr ähnelt. Und der Mythos von Athenes Geburt aus dem Kopf des Zeus könnte vom sumerischen Mythos hergeleitet sein, wonach Inanna in die Unterwelt herabstieg und zurückkehrte.
Welche Beinamen hat Athene?
Athana potnia
Athana potnia bedeutet die „Dame von Athen“. In Knossos auf Kreta, dem Ort des Palastes des Minos, wurden Tafeln mit Linear-B-Schrift identifiziert. Die Inschrift auf diesen Tafeln lautet: „a-ta-na po-ti-ni-ja“. Das Wort „Potnia“ ist altgriechisch und bedeutet Herrin oder Dame. Gleichzeitig wird dieses Wort auch als Titel für eine Göttin gedeutet.
Eine Verbindung zur Stadt Athen liefert die Inschrift allerdings nicht. Stattdessen wird die Inschrift als „göttliche Athene“ interpretiert.
Athene Atrytone, Athene Ergane
Athene Atrytone bedeutet „die Unermüdliche“. Ein ganz ähnlicher Beiname der Athene ist Ergane („die Fleißige“). Beide Namen heben Athene als Schutzpatronin der Handwerker hervor.
Athene Mechanitis
Ein ebenfalls mit Handwerk assoziierter Beiname ist Athene Mechanitis, was als Erfindertalent übersetzt wird. In der Bibliotheka von Pseudo-Apollodorus wird berichtet, dass Athene dem Schiffsbauer Argos half, ein Schiff zu bauen. Auf diesem Schiff segelten dann Jason und die Argonauten, um das Goldene Vlies zu finden.
Athene Hippia
Hippia sind die Pferde, aber auch der Ausdruck für Reitkunst und Reiterei. Diesen Beinamen verdiente sich Athene, da sie als Erfindung des Gebisses, Zaums, Streitwagens und Wagens galt.
In Pindars Dreizehnter olympischer Ode wird berichtet, dass Athene dem Bellerophon dabei half, dass fliegende Pferd Pegasus zu zähmen, indem sie dem Tier ein Gebiss gab und ihm ein goldenes Zaumzeug schenkte.
Athena Ageleia
Athena Ageleia bedeutet „Athene die Plünderin“ oder „diejenige, welche die Beute mitnimmt“.
Athene Itonia, Athene Itonis
Athene Itonia war ein Beiname für Athene in Thessalien. Der Name leitet sich von der Stadt Iton ab. In einer alternativen Version zur Geburt Athenes wird König Itonus in Fthiotida als Vater der Athene erwähnt. So wurden Itonis und Itonia zwei Beinamen der Athene.
Die Verehrung der Athene Itonia reichte von Iton bis nach Böotien. Dort wurde sie als Hauptkriegsgottheit verehrt. Doch Bacchylides, einer der neun lyrischen Dichter, wies daraufhin, dass Athene Itonia nicht nur eine Kriegsgöttin, sondern auch eine Göttin der Poesie und eine Göttin der Künste des Friedens war.
Athene Assesia
In der Stadt Assesos im Gebiet von Milet wurde Athene als Athene Assesia verehrt. Dort befand sich auch ein Heiligtum der Göttin.
Athene Phratria
In Athen befindet sich der Tempel der Athene Phratria. Denn sie galt als Schutzherrin der Phratrie, einer Gemeinschaften von mehreren Familien, die ihren Ursprung von mythischen Vorfahren ableiteten.
Athene Parthenos
Parthenos bedeutet Jungfräulichkeit der Athene. Mehrere Mythen betonen die Jungfräulichkeit und Unantastbarkeit der Göttin. So versucht Hephaistos, sich ihr aufzudrängen. Doch Athene wehrt ihn ab und bleibt unberührt. Nachdem Teiresias sie nackt sah, wurde er geblendet und ähnlich wie Artemis bestraft auch Athene jeden der ihre Intimität verletzt.
Athene Polias
Der Beiname „Polias“ bezieht sich auf Beschützerin der Stadt.
Pallas Athena
Der berühmteste Beiname der Göttin ist Pallas Athena. Dieser Name hat verschiedene Bedeutungen und kann als „die, welche die Waffe schwingt“ oder „junge Frau“ übersetzt werden.
Auch der Mythos, wie Athene zu diesem Beinamen kam, ist verschieden. So glaubt Walter Burkert, dass die Göttin den Namen als Pallas oder Heros von Athen erhielt. In späteren Zeiten wussten die Griechen nicht mehr, weshalb sie den Beinamen hatte und erfunden Mythen, um die Herkunft zu erklären.
Eine dieser Mythen ist der Kampf zwischen Athene und Pallas. Letztere war Tochter des Meeresgottes Triton. Bei einem Schaukampf zwischen Athene und Pallas lenkte Zeus die Tochter des Meeresgottes ab, so dass Athene einen Vorteil hatte. Dabei starb Pallas versehentlich. Aus Respekt vor ihrer Freundin nahm Athene den Beinamen an.
In einer anderen Version war Pallas ein Riese. Während des Krieges zwischen den Riesen und Göttern (Gigantomachie) tötete Athene den Riesen und häutete ihn. Die Haut des Riesen trug sie fortan als Umhang bzw. Trophäe. Der Beiname Athena Pallas soll zeigen, dass Athene über den Riesen siegte.
In einer alternativen Version dieses Mythos war Pallas der Vater von Athene, welche ihn tötet und seine Haut als Trophäe trägt.
Tritogeneia, Tritonia
Bei Homer und Hesiod erhält Athene den Beinamen „Tritogeneia“, was als „dreifach geboren“ oder „drittgeboren“ übersetzt werden kann. Folgt man dieser These war Athenes Geburt eine Triade. Sie wurde demnach durch Metis, Zeus und sich selbst geboren. Als drittgeborenes Kind von Zeus folgt sie auf die Zwillinge Apollon und Artemis.
Bei Ovids Metamorphosen wird Athene als Tritonia bezeichnet. Einige Wissenschaftler stellen eine Verbindung zum Meeresgott Triton her, welcher – in einigen Mythen – als ein Elternteil genannt wird.
Laut dem ungarischen Mythenforscher Karl Kerényi könnte die Namensverbindung mit Triton auch darauf hinweisen, dass Athene mit Wasser in Verbindung steht oder im Wasser geboren wurde.
Einige Wissenschaftler stellen eine Verbindung zum Gott Trita her. Dieser wird im Rigveda, dem ältesten Teil der Veden, erwähnt.
Möglicherweise könnte Trita auch Himmel bedeuten und die Stirngeburt der Athene ein Anlass für diesen Beinnamen gewesen sein. Denn in Homers Ilias teilen sich Zeus, Poseidon und Hades die Welt auf. Poseidon bekommt das Meer, Hades die Unterwelt und Zeus den „weiten Himmel“.
Warum hat Athene so viele Beinamen?
In der Mythologie-Forschung existiert die These, dass die prähistorische proto-indoeuropäische Gesellschaft und Religion eine dreiteilige Ideologie widerspiegelten.
Diese drei Teile waren die Verehrung (sakral, souverän), der bewaffnete Konflikt (kriegerische), und die Wirtschaft (produktive). Demnach kann man drei soziale Klassen der Proto-Indoeuropäer assoziieren: Priester, Krieger und Bauern.
Begründer dieser These war Georges Dumézil. Laut ihm gab es ein wiederkehrendes mythisches Muster, welches als Krieg der Funktionen bezeichnet wird.
Alle drei Ideologien hatten Vertreter, welche ihre Funktionalität besonders hoch herausstellten. Vertreter der ersten Fraktionen (Souveränität und Krieg) standen im Konflikt mit Vertretern der dritten Fraktion – welche mit Überfluss, Fruchtbarkeit, Wohlstand und Nahrung verknüpft war.
Jener Konflikt endete nicht mit der Beseitigung der letzten Ideologie, sondern mit deren Einbindung. Demnach entstand ein Pantheon, welches alle drei Funktionen zusammenführte und jeden Aspekt befriedigte.
Wohlmöglich entstanden so Götter mit Beinamen, welche ihre Funktion in der jeweiligen Ideologie repräsentierten. Demnach konnte Athene als Göttin der Weisheit auch Schutzgöttin der Städte (Athene Polias), Kriegsgöttin (Pallas Athene), Göttin des Handwerkers und der Künste (Athene Atrytone, Athene Ergane) sein.
Beispiele des Götterkrieges bzw. Krieg der Funktionen gibt es in sämtlichen Mythologien. Das Fachwort dafür heißt Theomachie. In der sumerischen Mythologie besiegt Marduk die Schöpfergöttin Tiamat und erschafft nach dem Sieg den Himmel, die Erde und die Menschheit.
In der nordischen Mythologie kämpfen die Asen (Kriegsgötter) gegen die Wanen (Frachtbarkeitsgötter) und tauschen danach Geiseln aus (siehe Wanenkrieg). Und Hesiod berichtet in der Theogonie, wie sich die griechischen Götter über Generationen hinweg immer wieder bekriegt haben. Das Ergebnis jener Theomachie war immer, dass Funktionen oder Ideologien des einen Gottes bzw. Gottesgeschlechts vom Sieger adaptiert wurden.
Warum ist die Schlange ein Tier der Athene?
Die Schlange an den Statuen der Athene sind Wächterschlangen. Der Schlangenkult geht möglicherweise auf minoische Schlangengöttinnen zurück, welche als Vorläufer der mykenisch-griechischen Athene dienten.
In der minoischen Religion wurde die Schlange als mögliches Attribut einer Haushalts- oder Schutzgöttin gesehen – eine Art Potnia (Herrin), die mit Natur, Fruchtbarkeit und Schutz verbunden ist.
Erichthonios, der spätere König von Attika, war Sohn des Feuergottes Hephaistos und der Erdgöttin Gaia. Er wurde Athene anvertraut, welche ihn in eine Kiste legte und den Töchtern von Kekrops I. (König von Attika) übergab.
Die Königstöchter öffneten die Kiste und fanden darin einen Jungen in Schlangengestalt. Durch den Anblick wurden sie wahnsinnig und stürzten sich von der Akropolis. Daraufhin übernahm Athene die Pflege des Jungen.
Medusa wurde von Athene in ein Monster mit Schlangenhaaren verwandelt, nachdem sie ihren Tempel entweiht hatte.
Laut Herodot lebte in einer Spalte an der Nordseite des Gipfels der Athener Akropolis eine Schlange. Die Athener brachten jeden Monat eine Opfergabe in Form von Kuchen zur Schlange. Am Vorabend der zweiten persischen Invasion auf Griechenland (480 v. Chr.) soll die Schlange die Opfergabe nicht gefressen haben. Und die Athener interpretierten dies als böses Vorzeichen und dass Athene sie als Schutzpatronin verlassen habe.
Warum hat Athene eine Eule als Begleittier?
Ursprünglich war Athene die Göttin der Weisheit, da sie aus Zeus Verstand geboren wurde. Als Athene die Eule als Begleittier erhielt, ging diese Funktion auf den Vogel über. Seitdem ist die Eule in der ganzen westlichen Welt ein Symbol für Weisheit, Wissen, Strebsamkeit, Scharfsinn und Gelehrsamkeit.
Der Ursprung dieser Tier-Gott-Verknüpfung ist unklar. Einige Mythologen vermuten, dass die Eule von einer minoischen Stadtgöttin abstammen könne, welche mit einem Vogelwesen in Verbindung gebracht wurde.
Die litauische Anthropologin Marija Gimbutas geht davon aus, dass die Eule ihren Ursprung als mythologisches Motiv in der Donaukultur als Vogel- und Schlangengöttin zu finden ist.
Der britische Altertumsforscher William Geoffrey Arnott vermutet, dass Eulenvögel im Stadtgebiet um Athen sehr häufig vorkamen und deshalb zum Symbol der Stadt und der Göttin wurden.
In der antiken Komödie „Die Vögel“ von Aristophanes wird eine Machtergreifung durch Adler und Eulen beschrieben. Dabei beherrschen die Adler den Tag und Eulen die Nacht.
Jedenfalls wurde die Eule in Athen häufig auf Vasen, Gewichten und auf Preisen für die Panathenäischen Spiele abgebildet. Um 510 v. Chr. entstanden auch die ersten Silbermünzen (Tetradrachmen) mit Eulenmotiv.
Warum ist der Olivenbaum der Athene heilig?
Moria (Plural: Moriai) waren heilige Olivenbäume im antiken Griechenland. Aufgrund ihrer religiösen Bedeutung waren sie Staatseigentum.
Der Kult um den Olivenbaum ist eng mit der Göttin Athene verknüpft, welche den ersten Olivenbaum in Athen pflanzte und so zur Schutzgöttin der Stadt wurde.
Seitdem ist die Olive ein zentraler Bestandteil der griechischen Lebenskultur geblieben. Mit dem Holz des Baumes wurden Boote und Häuser gebaut.
Die Blätter des Olivenbaums wurden verwendet, um die Köpfe siegreicher Athleten, Generäle und Könige zu krönen. Später wurde der Olivenzweig mit Blättern als Symbol des Triumphes bei den Römern übernommen.
Olivenöl wurde als Brennstoff in Lampen verwendet oder um damit die Muskeln griechischer Athleten einzuschmieren.
Welche Bedeutung hatte Athene im Trojanischen Krieg?
Urteil des Paris
In der griechischen Mythologie wird der Schönheitswettstreit zwischen Athene, Hera und Aphrodite als Auslöser des Trojanischen Krieges erzählt. Der Wettstreit begann auf der Hochzeit von Peleus und Thetis, den Eltern des Achilles. Auf dieser Hochzeit waren alle Götter und Göttinnen eingeladen – außer Eris, die Göttin der Zwietracht.
Aus Boshaftigkeit warf Eris einen Apfel unter die Menge der Hochzeitsgäste. Auf diesem Apfel stand die Widmung „tḗ kallístē“ eingraviert. Dies bedeutet übersetzt: „der Schönsten“. Zwischen Aphrodite, Hera und Athene kam es zum Streit, wer die Schönste ist und wer deshalb den Apfel bekommen sollte. Zeus sollte entscheiden, übertrug dies aber an Paris, dem Sohn des trojanischen Königs Priamos.
Da auch Paris sich nicht entscheiden konnte, begannen die Göttinnen damit, ihn zu bestechen. Hera bot ihm Macht über ganz Asien und Europa an, während Athene ihm Ruhm in der Schlacht anbot.
Die Liebesgöttin Aphrodite bot Paris an, dass er die schönste Frau der Welt haben könne. Dies überzeugte den trojanischen Prinzen und er wählte Aphrodite als die schönste unter den drei Göttinnen. Daraufhin bekam er die Liebe der schönen Helena, welche aber bereits dem spartanischen König Menelaos versprochen war.
Die beiden anderen Göttinnen waren enttäuscht und erbost über das Urteil des Paris. Daraufhin verfluchte Hera den Prinzen und ganz Troja, was zum Untergang des Stadtstaates führen wird. Athene ist so enttäuscht, dass sie sich im anschließenden Krieg auf Seite der Griechen stellt.
Brautraub
Paris reiste später nach Troja, um die Rückgabe seiner Schwester Hesione zu fordern. Unter dem Einfluss von Aphrodite liefen sich Paris und Helena über den Weg. Beide waren bereits ineinander verliebt, was Aphrodite arrangiert hatte. Deshalb fliehen beide aus Sparta und Paris bringt seine Geliebte nach Troja.
Der Brautraub löst den Trojanischen Krieg zwischen Troja und Sparta aus, an welchem sich alle griechischen Stadtstaaten – auf der Seite Spartas – beteiligen werden.
Warum wird Athene als Göttin des strategischen Kampfes bezeichnet?
Die griechische Mythologie kennt mit Ares bereits einen Kriegsgott. Aber Athene übernahm die Rolle der Kriegsgöttin als eine Art Weiterentwicklung ihrer bisherigen Funktion als Schutzpatronin der Heroen.
Anders als Ares, welcher aus bloßer Blutgier handelte, bekam Athene die Funktion des strategischen Kampfes. Möglicherweise war dies eine Kombination aus ihrer Rolle als Schutzgöttin und Göttin der Weisheit. So symbolisierte Athene die zivilisiertere Seite des Krieges, bestach durch taktische Überlegenheit und Weitsicht, verkörperte Gerechtigkeit und Können gleichermaßen.
In Homers Ilias entspricht Athene dem kriegerischen Idealbild der Griechen. Sie kämpft an der Seite der Heroen im Trojanischen Krieg und wird durch Nike, der Göttin des Sieges, begleitet. Auf dem Aegis (Brustpanzer), welchen Athene trug standen die Eigenschaften, welche zum Sieg führten: Angst, Verteidigung, Streit und Angriff.
Warum gilt Athene als Schutzpatronin der Helden und Könige?
Orestes
In der Tragödie Orestes von Euripides tritt Athene als Schutzpatronin von Orestes auf, nachdem dieser seine Mutter ermordet hatte. Sie gibt die entscheidende Stimme für seinen Freispruch ab, woraufhin Orestes freikommt.
Nach dem Prozess kehrt Orestes nach Mykene zurück und übernahm dort die Regentschaft im Stadtstaat. Als dann der König von Argos kinderlos starb, übernahm er dort die Regentschaft. Später wurde ihm auch noch die Regierung in Sparta übertragen.
Perseus
Laut dem Bericht des Pseudo-Apollodorus halfen Athene und Hermes dem Helden Perseus dabei, die Medusa zu köpfen. Dazu lieh Athene dem Helden ihr hochpolierten Bronzeschild, welchen Perseus als Spiegel nutzen konnte. So konnte er die Medusa sehen, ohne durch ihren Anblick zu versteinern.
Mit dem Harfenschwert des Hermes wurde die Medusa enthauptet. Die Klinge, welche die Medusa enthauptete, wurde von Athene gelenkt.
Herakles
Laut den Mythen des Herakles soll Athene den Helden im Säuglingsalter zu Hera gebracht haben, welche ihn aus Mitleid säugte, nachdem dessen Mutter Alkmene ihn ausgesetzt hatte. Durch die Muttermilch der Hera bekam er übernatürliche Kräfte.
Als Herakles dann älter war, brachte Athene den bereits ziemlich starken Jungen zu seiner Mutter zurück.
Später soll Herakles zwölf Aufgaben verrichten. Bei einigen dieser heroischen Taten stand ihm Athene wieder zur Seite. So erhielt Herakles von ihr zwei große metallene Klappern. Damit konnte er die Stymphalischen Vögel aufscheuchen und danach mit Giftpfeilen erschießen. Sie erklärte ihm auch, wie er den Nemeischen Löwen häuten kann und half ihm bei der zehnten Aufgabe, den Himmel zu halten.
Odysseus
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zu Odysseus
In der Odyssee von Homer gewinnt Odysseus die Gunst der Athene. Diese setzt ihm hilfreiche Gedanken in den Kopf, nachdem er die Heimreise aus Troja antritt. Die Göttin gilt während der Irrfahrten des Odysseus als Leiterin aus der Ferne oder als Mentorin des Helden.
Auf seiner letzten Station erreicht Odysseus das Land Scheria, welche die Heimat der Phaiaken ist. Die Tochter des Königs von Scheria ist Nausikaa. In einem Traum erscheint ihr Athene und weist sie dazu an, morgens an den Strand zu gehen. Dort findet die Prinzessin den Schiffbrüchigen Odysseus und bringt ihn zu ihrem Vater. Der König der Phaiaken hilft Odysseus schließlich seine Heimat Ithaka zu finden, woraufhin die Irrfahrt beendet wird.
Bei seiner Rückkehr muss Odysseus feststellen, dass seine Frau Penelope wieder geheiratet hatte. Daraufhin erklärt sie ihm, wie er die Freier seiner Frau besiegen und sein Königreich zurückerhalten kann. Athene verkleidet ihn dann als Bettler, so dass ihn die Freier und Penelope nicht erkennen können.
Telemachos
Telemachos ist der Sohn von Odysseus. Auch ihm hilft Athene, dass er in die Mannrolle hineinwachsen kann, die einst sein Vater hatte. Weiterhin unterstützt sie Telemachos dabei, die Fehde mit den Verwandten der Freier zu beenden.
Welche Mythen gibt es noch zu Athene?
Teiresias
Teiresias gilt in der griechischen Mythologie als ein Prophet. Allerdings war er blind. Es existieren verschiedene Mythen darüber, wie er sein Augenlicht verloren habe. In der Erzählung des Dichters Kallimachos verlor Teiresias seine Sehkraft, nachdem er Athene nackt baden gesehen hatte.
Daraufhin bat Teiresias Mutter die Göttin darum, ihm das Augenlicht wieder zu geben. Aber Athene konnte dies nicht, weshalb sie ihm die Fähigkeit verlieh, die Sprache der Vögel zu verstehen. Dadurch wurde er zum Propheten und Vorhersager.
Myrmex
Myrmex war ein junges Mädchen, welches in der Obhut Athenes stand. Als Athene dann den Pflug erfand, erzählte Myrmex in ganz Attika das sie die Erfinderin gewesen sei. Aufgrund des Verrats verwandelte Athene das Mädchen in eine Ameise.
Laut einer weiterführenden Legende soll Zeus dann Mitleid mit dem Mädchen gehabt haben. Und als die Insel Ägina besiedelt werden sollte, schuf er aus Ameisen den Volksstamm der Myrmidonen.
Medusa
Laut den Metamorphosen von Ovid war Medusa einst eine wunderschöne Frau mit langen Haaren. Sie soll von Poseidon im Tempel der Athene vergewaltigt worden sein. Daraufhin war Athene so erzürnt, dass sie die Frau in ein Monster mit Schlangenhaaren verwandelte. Ihr Anblick war so grässlich, dass jeder – der sie erblickte – zu Stein erstarrte.
Später half sie Perseus dabei, Medusa zu töten.
Arachne
Arachne war eine hochmütige Weberin, welche im Dienst von Athene stand. Die Schülerin wurde so eingebildet, dass sie behauptete, ihre Handwerkskunst überträfe die von Athene. Daraufhin kam es zum Wettstreit zwischen beiden, um ihr Können zu beweisen.
Die Disziplin des Wettkampfes war das Weben eines Wandteppichs. Der Wandteppich der Athene zeigte die Zwölf olympischen Götter und die Niederlage mythologischer Figuren, welche es gewagt hatten, Athene herauszufordern. Arachnes Wandteppich zeigte die Untreue und sexuellen Affären der Götter, was Athene derart wütend machte, dass sie Arachnes Webstuhl zerschlug.
Die Weberin erhängte sich daraufhin. Schließlich holte Athene ihre Schülerin aus dem Totenreich von Hades zurück, indem sie die Tote in eine Webspinne verwandelte.
Daidalos
Daidalos war ein genialer Erfinder, weshalb seine Schwester ihren Sohn Perdix in dessen Lehre schickte. Bei einem Strandspaziergang brachte der Lehrling das Rückgrat eines Fisches mit und formte es in Eisen nach. So erfand Perdix die Säge.
Sein Onkel Daidalos war auf diese Errungenschaft so neidisch, dass er Perdix von einem Berg stürzte. Die Göttin Athene, welche die Handwerker beschützte, verwandelte den fallenden Perdix in ein Rebhuhn (lateinisch: Perdix perdix). Dadurch konnte er fliegen und wurde gerettet.





