SPQR
S.P.Q.R. oder SPQR ist eine lateinische Abkürzung und steht für: „Senatus Populusque Romanus„. Übersetzt bedeutet dies: „Senat und Volk von Rom“.
Im Römischen Reich war diese Abkürzung das Hoheitszeichen des Imperiums, welches auf Banner getragen und auf öffentlichen Gebäuden graviert wurde. Die Träger eines solchen Banners demonstrierten damit die Zugehörigkeit zur Römischen Republik und später zum römischen Kaiser.
Während der Pax Romana (römischen Friedenszeit) wurde das Hoheitszeichen als Statussymbol in sämtlichen römischen Provinzen verbreitet. Im Wappen der Stadt Rom ist das Zeichen bis heute enthalten. Auf vielen öffentlichen Gebäuden und Denkmälern der Stadt blieb es ebenfalls erhalten. Selbst auf Gullideckeln in der Stadt steht die Abkürzung. Höchstwahrscheinlich ist es das am längsten bestehende Akronym der Geschichte.
Inhalt
Steckbrief
| Ausgeschrieben: | Senatus Populusque Romanus |
| Bedeutung: | Senat und Volk von Rom |
| Staatssymbole: | -in der Römischen Republik (509–27 v. Chr.) -im Römischen Kaiserreich (27 v. Chr. - 395 n. Chr.) -im Weströmisches Reich (395-476) |
| Antike: | -Symbolisierte die Träger der Staatlichen Autorität (Römisches Volk und Römischer Senat) -Legitimation der Macht (römisches Hoheitszeichen) -Militärisches Symbol (Loyalität und Treue gegenüber Rom) |
| Mittelalter: | Kirchenstaat: -Symbolik des Hüters vom römischen Erbes -Herrscher der ewigen Stadt -historische Legitimation als Nachfolger der antiken Autorität Byzantinische Reich: -Zeichen der Rechtskontinuität zum alten Rom -Repräsentation der Idee eines römischen Gesamtstaates Heilige Römische Reich: -Städte wie Antwerpen, Basel, Bremen oder Brügge verwendeten Abwandlungen der Abkürzungen: SPQA oder SPQB -Städte, die auf römischen Wurzeln basierten (z. B. Köln, Trier), nutzten SPQR gelegentlich in Stadtwappen, Inschriften oder Repräsentationsbauten -Symbol der Herrschaftstradition: Laut der translatio imperii ging die römische Kaiserwürde von Rom, auf Byzanz, aufs Frankenreich und aufs Heilige Römische Reich über |
| Renaissance: | -Rückgriff auf Verwendung antiker Symbolik während der Renaissance und Humanismus |
| Neuzeit: | -Zeichen für Kontinuität und Tradition (Das Motto überdauerte die Republik, die Kaiserzeit, das Mittelalter bis zur Neuzeit) -Identitätssymbol Roms (ununterbrochene Geschichte der Stadt) |
Was bedeutet SPQR / S.P.Q.R.?
SPQR bzw. Senatus Populusque Romanus setzt sich aus drei Wörtern zusammen. Das erste Wort „Senatus“ bedeutet Senat als Singularform (Einzahl). Populusque ist ein zusammengesetztes Wort, bestehend aus Populus (deutsch: das Volk) und der Endung „-que“. Letzteres bedeutet: „und“.
Das letzte Wort „Romanus“ ist ein Adjektiv und bedeutet: „römisch“. Würde man den Ausdruck wörtlich übersetzen, bedeutet dieser: „Der römische Senat und das römische Volk.“ Üblicherweise übersetzt man etwas freier und sagt: „Der Senat und das Volk Roms“.
Warum trugen Legionäre römische Banner mit S.P.Q.R. Abkürzung?
Alles, was mit SPQR gekennzeichnet war – Gesetze, Bauwerke, Münzen, Legionen – galt als offiziell vom römischen Staat autorisiert. Es war sozusagen das römische Pendant zu modernen Staatswappen oder Hoheitszeichen. Transportiert wurde mit der Abkürzung auf einem Legionsbanner auch die Idee, dass die Legionen „im Namen von Senat und Volk“ kämpften. Auch die Gravierungen an öffentlichen Gebäuden hatten gleichen Charakter: „Dieses Gebäude dient dem Volk und dem Senat von Rom.“
Woher stammt die Abkürzung SPQR?
Der offizielle Name des römischen Staates war Roma. Dies geht aus alten Münzen hervor, welche diese Inschrift enthalten. Am Ende der Römischen Republik tauchen allerdings auch Münzen mit der Abkürzung „S.P.Q.R“ auf (ab etwa 80 v. Chr.).
Die Langform der Abkürzung taucht in römischen Schriften auf. Und zwar sowohl in historischen, als auch politischen oder juristischen Texten. Ein bekanntes Beispiel sind die Reden von Cicero oder das Werk zur Gründung Roms von Titus Livius („Ab urbe condita“).
Welche Rolle spielte SPQR im römischen Staat?
Die Abkürzung SPQR (Senatus Populusque Romanus) meinte die beiden Träger staatlicher Autorität: Volk und Senat. Das Römische Volk (populus Romanus) hatte in der Römischen Republik echte politische Macht, aber niemals die völlige Kontrolle. Die Republik war ein Mischsystem aus Volksmacht, Senatsmacht und Magistraten.
Römische Bürger hatten ein Wahlrecht (comitia) und wählten den Konsuln (höchstes Magistrat). Sie wählten auch den Praetur (Gerichtsmagistrat), die Ädilen (Magistrat für öffentliche Ordnung), die Quästoren (Magistrat für Finanzen), die Zensoren und andere Ämter.
Die Zensoren wurden alle 5 Jahre vom Volk gewählt und stellten eine Senatsliste (lectio senatus) zusammen. Personen mit einem hohen Magistrat (eben erwähnt) wurden automatisch in den Senat aufgenommen. Somit wählte das Volk indirekt einen Senat, welcher dann die Regierungsarbeit übernahm.
Das politische System war aber keine Demokratie. Denn Sklaven, Frauen und Nichtrömer hatten kein Wahlrecht. Außerdem richtete sich das Stimmgewicht nach Vermögen. So hatten Arme (Plebejer) weniger Stimmrecht als Patrizier (Adel, Reiche). Weiterhin durften Plebejer auch keine hohen Ämter ausfüllen. Letztlich führten genau diese Unterschiede zu den Bürgerkriegen, wodurch die Römische Republik aufgelöst und durch das Kaiserreich ersetzt wurde.
Zwar war die Römische Republik keine Demokratie, hatte aber durchaus demokratische Elemente. Das römische Volk sah sich deshalb als eine Gesellschaft, bestehend aus freien Bürgern.
Am untersten Ende dieser Gesellschaft standen die Liberti (freigelassene Sklaven), gefolgt von Plebejern (Handwerker), den Equites (Mittelschicht), den Senatoren und Patriziern. Gegenüber anderen Völkern sah sich die Römische Bevölkerung immer besser gestellt und privilegiert. Und genau dieses Überlegenheitsgefühl aufgrund des freiheitlichen Systems sollte die Abkürzung SPQR ausdrücken.
Warum blieb SPQR ein Symbol im Römischen Kaiserreich?
Im Jahr 27 v. Chr. wurde die Römische Republik abgeschafft und durch das Prinzipat ersetzt. Doch der Senat hatte weiterhin etwas Macht. So galt der Kaiser als Vertreter des Volkes obwohl die Dekretes des Senates zum Ermessen des Kaisers erlassen wurden.
Noch in der Römischen Republik (bis 27 v. Chr.) war der Senat das mächtigste politische Organ. Er kontrollierte die Außenpolitik, die Staatsfinanzen und ernannte Statthalter in den römischen Provinzen. Als dann die Republik im Jahr 27 v. Chr. durch ein Prinzipat ersetzt wurde, erlangte der Princeps (Kaiser) viel mehr Macht.
Allerdings war das Prinzipat eine Monarchie im republikanischen Gewand. So behielt der Senat einige Funktionen, z.b. die Gerichtsbarkeit in wichtigen Prozessen oder die Verwaltung von Senatsprovinzen.
Dadurch gelang es dem Princeps alle Macht auf sich zu vereinen und gleichzeitig wurde seine Legitimierung durch die scheinbare Machtteilung erhöht. Nur deshalb hatte der Kaiser weiterhin sämtliche Volksgruppen auf seiner Seite. Der Senat bzw. das Volk gaben Macht ab, glaubten allerdings weiterhin daran – politische Macht zu haben.
Letztlich bewirkte die Einführung des Prinzipats, dass das Römische Kaiserreich aufblühen konnte. In sämtlichen römischen Provinzen wurde der Wohlstand erhöht. Der Kaiser war ein Garant für innere Ordnung und Frieden, was nach den Bürgerkriegsjahren zwingend notwendig war. Die Provinzen wurden Teil des römischen Überlegenheitsgefühls und der Freiheit, was die Abkürzung S.P.Q.R. immer noch verkörpern sollte.
Erst in der Späten Kaiserzeit (ab 284/85) verlor der Senat alle Macht an den Kaiser. Fortan herrschte der Kaiser absolut. Der Senat war eigentlich bedeutungslos und hatte nur noch symbolischen Charakter. Es begann die Zeit der Soldatenkaiser, was letztlich zu Repressionen und zum Untergang des Römischen Reichs führte.

Wappen mit der Kapitolinischen Wölfin und SPQR in der Vittorio Emanuele II Galerie in Mailand,
Warum überdauerte die SPQR Abkürzung in Rom bis heute?
In Rom überdauerte die Abkürzung S.P.Q.R. bis heute, da dies ein Markenzeichen der Stadt ist. In der Vergangenheit konnte so ein Symbol auch leichter überleben als ein Staat. Und selbst als das Weströmische Reich unterging, überdauerte die Abkürzung als Symbol des Staates bzw. als Symbol dessen Geschichte. So wurde es zum Ausdruck der Tradition und Legitimation gleichermaßen.
Als im Frühmittelalter der Kirchenstaat gegründet wurde, sah sich der Papst als Zentrum der Macht. Die Romidee wurde mit dem Papstanspruch verknüpft, wodurch sich der Kirchenstaat als Hüter vom römischen Erbes begriff. Im Byzantinischen Reich überdauerte die Idee eines Gesamtrömischen Reiches und die Abkürzung war ein Symbol dafür. Das Heilige Römische Reich verstand sich immer als Nachfolgestaat Roms, weshalb das Zeichen auch hier überdauerte. Einige Stadtwappen anderer Städte außerhalb Italiens verwendeten Abwandlungen der Abkürzungen, um ebenfalls den Senat und das Volk als Träger des Staates zu repräsentieren.
- SPQA in Alkmaar (Niederlande) an der Fassade des Waag-Gebäudes
- in Amsterdam steht SPQA (Senatus Populusque Amstelodamensis) an einigen Brücken
- SPQB steht in Basel an der Weber-Brücke und steht für Senatus Populusque Basilea
- am Holstentor in Lübeck steht SPQL (Senatus Populusque Lubecensis)
In Rom wurde die Abkürzung ins Stadtwappen übernommen. Dort soll SPQR die Tradition und die Geschichte der ewigen Stadt repräsentieren.




