Monotheismus
Der Monotheismus ist der Glaube an nur einen Gott. Dieser Gott wird als allmächtiges Wesen dargestellt und steht im Mittelpunkt des Glaubenssystems.
Der Monotheismus gehört zu den Religionen, deren Weltanschauung auf Götter beruhen und deshalb als Theismus zusammengefasst werden. Das Gegenstück zum Theismus ist der Atheismus, also der Glaube ohne Gott. Innerhalb der Theismus-Gruppe ist der Polytheismus mit vielen Gottheiten das Gegenstück zum Monotheismus.
Frühformen eines Monotheismus entstanden im alten Ägypten und im persischen Iran. Der ägyptische Monotheismus des Altertums hieß Atonismus. Vom Pharao Echnaton im 14. Jahrhundert v. Chr. eingeführt, sollte der Gott Aton als höchste Gottheit verehrt werden. Der iranische Ur-Monotheismus war der Zoroastrismus, dessen Entstehung zwischen 1800 und 600 v. Chr. verordnet wird.
Während des 6. Jahrhunderts v. Chr. entstand im Nahen Osten der Jahwismus, aus denen später das Judentum und der Samaritanismus hervorgingen. Dies war der erste nachhaltige Monotheismus, aus dem auch die abrahamitischen Religionen hervorgingen. Diese sind, neben dem Judentum, das Christentum und der Islam. Alle drei Religionen führen ihren Ursprung auf den Stammvater Abraham zurück.
Weiterhin verstehen sich die drei abrahamitischen Religionen als Offenbarungsreligion. Das bedeutet, dass Propheten auftreten, welche von Gott eine Botschaft (Offenbarung) bekommen und diese in die Welt tragen bzw. verkünden sollen. Im Judentum blieb die Verkündung höchst exklusiv und stand einzig dem Auserwählten Volk Israels zu. Doch im Islam und im Christentum wurde der Verkündungsgedanke auf eine Missionierung ausgeweitet, wodurch beide Religionen zu Verkündungsreligionen wurden.
Steckbrief
| Bedeutung: | Glaube an einen absoluten Gott |
| Merkmale: | Ein Gott im Zentrum der Weltanschauung und Verehrung |
| Einordnung: | Theismus |
| Gegenstück: | Polytheismus |
| Beispiele: | Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus, Bahaitum, Atenismus, Hinduismus, Tengrismus, Mandaeismus, Rastafarianismus, Jesidismus, Zoroastrismus |
Was bedeutet Monotheismus?
Der Begriff Monotheismus setzt sich aus den Wörtern Mono (griechisch: mónos =einzig) und Theismus (griechisch: theós = Gott) zusammen. Demnach bedeutet Monotheismus in etwa Eingott-Glaube bzw. der Glaube an die Herrschaft eines Gottes. Stattdessen wird in der Theologie der Monotheismus als Ein-Gott-Diskurs erwähnt.
Der Begriff des Monotheismus wurde 1660 durch den englischen Philosophen Henry More geprägt. Ursprünglich verwendete More den Begriff, um „gute“ von „schlechter Religion“ zu trennen. Demnach war mit dem Begriff auch eine Wertung verknüpft. So bezeichnete More den Islam als „heuchlerischen“ Monotheismus, während er Muslime als Heiden verunglimpfte.
Der englische Theologe und Philosoph Ralph Cudworth verwendete den Begriff im 17. Jahrhundert, um den griechischen Platonismus als monotheistisch herauszustellen. Denn Platon entwickelte bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. die „Idee des Guten“, welche als höchstes Prinzip über den anderen Ideen steht. Und einzelne Aspekte aus Platons Konzept des Guten übernahmen spätere christliche Philosophen, um daraus eine Gottesvorstellung von Unveränderlichkeit, Vollkommenheit, Transzendenz und geistiger Wirklichkeit zu formen.
Welche Religionen sind monotheistisch?
Monotheistische Religionen sind die abrahamitischen Religionen mit dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Diese werden auch als exklusiver Monotheismus zusammengefasst, da keine anderen Gottheiten neben Gott akzeptiert werden. Alle drei Religionen identifizieren ihren eigenen Gott in der Religion des anderen als Gott Abrahams. Ebenfalls zum Kreis des exklusiven Monotheismus gehören der Sikhismus in Indien und der Bahaitum.
Beispiele für inklusiven Monotheismus sind der Atenismus, die indianische Verehrung des Großen Geistes, der Hinduismus, der Tengrismus im Mongolischen Reich, der Mandaeismus, der Rastafarianismus, Jesidismus, der Zoroastrismus, die proto-indoeuropäische Religion, die hellenistische Religion und Andamanen-Religion.
Gibt es eine monotheistische Mythologe?
Der Unterschied zwischen Mythologie und Religion wird nicht in der Anzahl der Götter getroffen. Denn auch der Hinduismus ist eine Weltreligion, welche entweder monotheistisch oder polytheistisch ausgelegt wird. Stattdessen wird der Unterschied zwischen Religion und Mythologie dadurch erreicht, dass Religionen eine Heilige Schrift als Glaubensgrundlage haben und Mythologien nicht.
In einem rein religionswissenschaftlichen Kontext würde man Religionen ohne Schrift als Naturreligion oder Volksglauben beschreiben, wenn das entsprechende Pantheon fehlt. Ist ein Pantheon vorhanden, wird es zur Mythologie.
Als Abraham die Verheißung von Gott empfing, gab es noch keine Schrift. Demnach ist der Ursprung der israelitischen Religion mythologisch. Und die Phase der israelitische Mythologie überdauerte bis zum Exodus als Moses auf dem Berg Sinai die Tora von Gott empfing. Ab diesen Zeitpunkt ging die Mythologie der Israeliten und Juden in eine Religion über.
Ist der Monotheismus die Weiterentwicklung des Polytheismus?
Im 19. Jahrhundert entstand ein Modell zur Entwicklung der Religionen. Nach diesem Modell soll der Polytheismus der Antike aus dem Animismus der Urgeschichte entstanden sein. Am Ende der Antike wurde dann der Polytheismus durch den moralisch besseren und kulturell überlegenden Monotheismus abgelöst. Somit wäre der Monotheismus, aus Sicht der Christen, im Zuge einer religiösen Evolution entstanden und wäre demnach die Krone der Religionsausübung.
Aber schon der italienische Religionshistoriker Raffaele Pettazzoni vertrat die Ansicht, dass der Polytheismus die viel natürlichere Religionspraktik sei. Denn im Polytheismus können sich die Menschen ihren Gott aussuchen, wodurch die Ausbreitung polytheistischer Religionen anhand einer passenden Lebenswirklichkeit geschah.
Im Gegensatz dazu wurde der Monotheismus im Mittelalter hauptsächlich missionarisch weitergetragen, oftmals unter Einwirkung von Zwang – was die Geschichte der Christianisierung und der Islamisierung beweist.
Heute wird der Monotheismus weder als Weiterentwicklung des Polytheismus, noch als höhere Religionspraktik verstanden. Stattdessen werden beide Religionsausrichtungen als Abbild einer Wirklichkeit zu einer bestimmten Zeit verstanden.
In der Antike war das polytheistische Götterbild ein Spiegelbild der Gesellschaft, verknüpft mit Regeln und Weltanschauungen der damaligen Zeit. Im Mittelalter war das monotheistische Weltbild ebenfalls eine Weltanschauung, welche die Monarchien in Europa gleichermaßen legitimierte, wie das Papsttum.
Warum entstand der erste Monotheismus in Ägypten?
Im 14. Jahrhundert v. Chr. regierte Pharao Echnaton im Alten Ägypten. Ein Kultzentrum zur damaligen Zeit war Theben, wo zahlreiche Gottheiten der ägyptischen Götterwelt verehrt wurden. Die Priester in Theben hatte nicht nur religiöse Aufgaben, sondern besaßen auch politische Mach, hatten Ländereien, Reichtum und Einfluss.
Um die Macht der Priesterschaft einzudämmen, etablierte Echnaton einen Kult um die Gottheit Aton, die er zum Sonnengott erhob. Ihm zu Ehren verlegte Echnaton die Hauptstadt nach Achet-Aton (Amarna). Durch die starke Fokussierung auf Aton wurden die priesterlichen Machtstrukturen in Theben geschwächt.
Nach Echnatons Tod ließ allerdings sein Nachfolger Tutanchamun den Aton-Kult wieder zurückfahren, wodurch die priesterliche Macht in Theben wieder erstarkte.
Neben Aton existierten weitere Götter – wie Osiris, Re oder Amun. Demnach war der Atenismus kein echter Monotheismus, sondern eher eine Monolatrie. Bei dieser Religionsausübung gibt es zwar den einen Hauptgottheit im Zentrum der Verehrung. Gleichzeitig wird aber akzeptiert, dass es noch andere Götter gibt.
Welche Form von Monotheismus entstand im persischen Iran?
Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus entstand zwischen 1800 und 600 v. Chr. im heutigen Iran. Religionsstifter war Zarathustra, ein persischer Priester und Philosoph.
Im Zentrum dieser Religion steht der Schöpfergott Ahura Mazda, welcher einen Konflikt von zwei Zwillingsmentalitäten überwacht. Auf der einen Seiten steht Spenta Mainyu (der fortschrittliche, konstruktive Geist) und auf der andere Seite steht Angra Mainyu (der zerstörerische, rückschrittliche Geist).
In dieser Form ist der Zoroastrismus monotheistisch. Allerdings wurde im weiteren Verlauf die Angra Mainyu dem Schöpfergott Ahura Mazda gegenüberstellt, wodurch diese zur Gottheit erhöht wurden. Demnach entwickelte sich ein Dualismus, ein Kampf zwischen Gut gegen Böse.
Im Christentum wurde die dualistische Weltsicht des Zarathustrismus übernommen, um zu erklären, weshalb ein allgütiger Gott dennoch Leid zulässt.
Welche Rolle spielt Abraham im Monotheismus?
Abraham spielt für den abrahamitischen Monotheismus eine herausragende Rolle, da alle drei Religionen sich auf ihn als Stammvater beziehen. Denn Abraham schloss ein Bündnis mit Gott, welches seine Nachkommen mit einbezog. Demnach werden Abrahams Nachkommen zu Gottes Bündnisvolk. Seine Söhne waren Ismael und Isaak.
Ismaels Nachkommen sind die Ismaeliten, aus denen viele arabische Stämme hervorgehen. Deshalb gilt Abraham im Islam als Stammvater aller Muslime.
Abrahams zweiter Sohn Isaak bekam Jakob, welcher später von Gott den Rufnamen Israel bekam. Dessen Nachkommen waren die Israeliten. Generationen später bilden diese die zwölf Stämme Israels, welche das Land Kanaan unter sich aufteilen werden. Deshalb beziehen sich Juden auf Abraham als ihren Stammvater.
Christen nennen Abraham als ihren Stammvater, weil auch Jesus von Nazareth ein Jude war. Das Christentum war anfangs nur eine Splittergruppe des Judentums und entwickelte sich in der Antike zur Weltreligion.
Im Neuen Testament der Bibel wird der Stammbaum Jesu im Markusevangelium und im Evangelium nach Lukas skizziert. Beide Stammbäume sind in ihrer Ursprüngen unterschiedlich. So beginnt das Markusevangelium direkt bei Abraham, während das Lukasevangelium bei Gott beginnt und Abraham erst in späterer Generation anführt. Dennoch wird Abraham im Christentum als ein Vorfahre Jesu dargestellt, wodurch der Bund mit Gott erneuert wurde.
Wie entstand der Monotheismus im heutigen Palästina und Israel?
Der Monotheismus der Israeliten geht auf Abraham zurück. Dieser kam eigentlich aus Ur in Chaldäa (Mesopotamien). Nach einem Umzug nach Harran erhielt Abraham von Gott die Verheißung auf Nachkommen und auf ein Gelobtes Land im Westen.
Daraufhin zog Abraham nach Hebron ins Land Kanaan (heutige Westjordanland). Im Zentrum der Abraham-Erzählung steht das Bündnis mit Gott. So macht Gott dem Gläubigen diverse Versprechen und Abraham zahlt es mit bedingungsloser Hingabe zurück.
Ein Sohn Abrahams ist Isaak. Dieser bekommt Jakob als Sohn, welcher der Vater von zwölf Söhnen wird. Von Gott wird Jakob als Israel bezeichnet. Und seine zwölf Söhne werden die Stammväter der Israeliten. Da dann aber eine Hungersnot in Kanaan ausbricht, wandern die Brüder nach Ägypten aus. Dort geraten sie in die Sklaverei.
Einige Generationen später führt Moses die Israeliten zurück ins Gelobte Land. Der Auszug aus Ägypten führt die Israeliten über die Halbinsel Sinai und Moses besteigt den Berg Sinai. Dort empfängt er von Gott die Tora mit den Zehn Geboten.
Während des Exodus schließen die Israeliten einen Bund mit Gott, wodurch sie die Verheißung auf das Gelobte Land abermals erhalten. Diese neue Verheißung ist die Bestätigung oder Erneuerung des Abraham-Bundes.
In Kanaan angekommen, beginnt die Landnahme und die anschließende Aufteilung. Zunächst leben die Zwölf Stämme Israels politisch unabhängig voneinander. Dann schließen sie sich um etwa 1208 v. Chr. zum Königreich Israel zusammen.
Der israelitische Gott zur monarchischen Zeit war Jahwe, welcher wohlmöglich auf den kanaanäischen Hauptgott El zurückgeht. Wahrscheinlich praktizierten die Israeliten zu dieser Zeit noch keinen Monotheismus, sondern eine Monolatrie. Demnach existierten noch andere Götter, neben Jahwe – welche toleriert wurden.
Im Jahr 597 v. Chr. erobern die Babylonier, unter Führung von König Nebukadnezar II., das Gebiet um Jerusalem. Viele Israeliten aus der Elite werden nach Babylon verschleppt.
Das Babylonische Exil endet 539 v. Chr. als der Perserkönig Kyros II. das Babylonische Reich erobert. Fortan kehren die verschleppten Israeliten nach Jerusalem zurück. Nun beginnt die Zweite Tempelzeit, in welcher sich der monolatrische Jahwismus zum monotheistischen Judentum wandeln wird.
Der Bündnisgott Abrahams wandelt sich nun zum allmächtigen Schöpfergott. Denn die Babylonische Eroberung wurde nicht als Niederlage des Gottes Israels gewertet, sondern als Strafe. Die Monolatrie war eine Verletzung des Bundes, welchen Abraham einst mit Gott einging. Demnach hat Jahwe die Babylonier befähigt, den Tempel zu erobern und die Israeliten zu verschleppen. Die israelitische Einsicht sollte im Exil erfolgen. Erst dann hat Jahwe den Perserkönig Kyros II. dazu befähigt, Babylonien zu erobern, wodurch die Krise beendet wurde.
Was unterscheidet Christentum, Islam und Judentum?
Das Christentum, das Judentum und der Islam haben mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze. Alle drei Religionen berufen sich auf Abraham als ihren Stammvater. Und alle drei Religionen kennen die meisten Propheten und akzeptieren diese gleichzeitig in ihrer Religion.
Weiterhin ist Gott in allen drei Religionen das Gleiche. Also der Gott der Juden, ist auch der Gott der Christen und der Moslems. Identifiziert wird dieser Gott als Gott Abrahams, welcher dem Stammvater die Verheißung mitteilte. Allerdings unterscheiden sich alle drei Religionen darin, welche Rolle Jesus Christus spielt.
Im Christentum gilt Jesus als Messias, als König der Juden, welcher das Haus David und die damit verbundene Königsherrschaft wieder entfacht. Jener David war ein König im Alten Testament, welcher von Gott die Verheißung erhält, dass seine Dynastie ewig regieren soll. Nach Davids Tod trat Salomo die Herrschaft an, bevor das Reich zerfiel. Die davidische Königslinie setzte sich im Königreich Juda fort.
Die Abstammung Jesu im Neuen Testament fängt deshalb ganz bewusst bei Abraham an und geht Generationen später mit David weiter. Jesus ist demnach für alle Christen ein Nachfahre von König David und somit der Messias, welcher das Erbe als König von Israel antreten darf. Mit Jesus endet auch die Prophetenliste im Christentum. Das bedeutet, dass Jesus der letzte Prophet war, welcher die endgültige Gottesbotschaft empfangen hat.
Im Judentum sieht man dies komplett anders. Dort wartet man immer noch auf den Messias und auf den Erben Davids. Jesus gilt auch nicht als neuerlicher Prophet. Stattdessen werden Haggai, Sacharja und Maleachi als die letzten Propheten Israels genannt. Diese lebten im 6.–5. Jahrhundert v. Chr., in der Zeit nach dem babylonischen Exil.
Im Islam sieht man Jesus als bedeutenden Propheten an. Man erkennt in ihm auch den Messias. Allerdings steht im Koran nicht, dass Jesus der Gottessohn, sondern nur ein Diener von Gott ist. Als letzten Botschafter, welchen Gott auserwählte, nennt der Islam den Propheten Mohammed. Dieser erhielt die endgültige Fassung der Gottesbotschaft.
Warum konnte sich der Monotheismus am Ende der Antike durchsetzen?
Als Jesus Christus am Kreuz starb, waren die Urchristen lediglich eine kleine Splittergruppe im Judentum. Aber diese Sekte schaffte es, in den nächsten Jahrhunderten zur Weltreligion aufzusteigen.
Die Sektenführer um Jesus Christus nahmen an, dass Jesus für die Sünden aller Menschen am Kreuz gestorben war. Außerdem ist er wieder auferstanden. Diese Erfolgsgeschichten mussten erzählt werden.
Dieses Weitererzählen sollte den massiven Unterschied zum Judentum ausmachen. Denn während sich das Judentum lediglich auf das Volk der Israeliten beschränkte, sollte das Christentum für alle Menschen sein. Denn schließlich ist Jesus für alle Menschen gestorben und nicht nur für Seinesgleichen.
Einer der ersten Sektenführer war Paulus von Tarsus, welcher im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte. Dieser begann damit herumzureisen und überall die Kunde zu verbreiten, was Jesus Christus geleistet hatte.
Dazu eröffnete Paulus im östlichen Mittelmeerraum diverse Glaubensgemeinschaften, wo er neue Missionare ausbildete. Die Christen spezialisierten sich auf die Missionierung. Und so gelang es ihnen, die römische Religion abzulösen.
Ab 380 n.Chr. wurde das Christentum zur Staatsreligion im römischen Reich erhoben. Und dieses Reich war damals das größte Territorialreich, weshalb der Weltreligionsstatus bereits erreicht war.
Dem christlichen Vorbild eiferte der Islam nach. Auch dieser entstand als Sekte bzw. religiöse Sondergemeinschaft. Im 7. Jahrhundert erhielt der Prophet Mohammed seine Berufung durch den Engel Gabriel auf den Berg Hira, in der Nähe von Mekka (Saudi-Arabien).
Die neue Lehre verbreitete sich zunächst in Mohammeds Familie. Später begann Mohammed damit, öffentlich zu predigen und die neue Religion verbreitete sich über ganz Arabien.
Als Mohammed im Jahr 632 n.Chr. starb, beschlossen seine Anhänger die neue Religion weltweit zu verbreiten. Die islamische Expansion vollzog sich innerhalb von zwei Jahrhunderten und machte den Islam zur zweitgrößten Weltreligion.
Welche Vorteile brachte der Monotheismus?
Der Monotheismus hatte den Vorteil, dass er die kulturelle Vielfalt vereint hat. Das christliche Abendland wurde von Karl dem Großen erschaffen, indem er sämtliche Heiden unterwarf, zwangsmissionierte und somit Europa christlich vereinte. Die Anbetung eines absoluten Gottes machte eine gemeinsame Identität der Europäer möglich, woraus eine Gemeinschaft wachsen konnte.
Die Menschheit musste sich zudem nur einem Gott unterwerfen. Und dieser eine Gott war die höchste Instanz und somit die Quelle von Wahrheit, Moral und Ordnung. Dies schuf Übersichtlichkeit, klare Regeln und verschaffte den Menschen ein hohes Maß an Orientierung. Damit wurde ein neuer Gedanke zum gesellschaftlichen Miteinander geboren, dem sich alle christlichen Völker Europas unterwerfen mussten.
Die polytheistischen Götter der Antike handelten oftmals unmoralisch, waren zerstritten und riefen die Menschen zu Untaten auf. Der Grund dafür war, dass moralische Wertvorstellungen – zumindest wie man sie heute begreift – noch nicht entstanden waren. Denn die antike Götterwelt war ein Abbild einer Gesellschaft.
Und innerhalb eines Pantheons bildeten die Götter die moralische Messlatte. Da es aber viele Götter gab, kam es zu Widersprüchlichkeiten im Verhalten der Götter. Da die Menschen ihr eigenes Moralempfinden aus dem Götterhandeln ableiteten, war auch dies widersprüchlich.
Erst mit dem Entstehen eines einzigen Gottes konnte sich so ein gemeinsamer Wertekanon herausbilden. Somit entstanden erst im Zuge des Monotheismus ganzheitliche moralische Wertvorstellungen und Normen, die jedermann für sich ableiten konnte.
Außerdem gilt ein absoluter Gott als Schöpfer aller Menschen, weshalb die Menschheit als etwas Gleiches gesehen wurde. Und da dieser Gott für alle Menschen gedacht war, schloss er jedes Volk und jede Ethnie mit ein. Die Christen im Mittelalter verstanden nun, dass andere Völker ebenfalls die Geschöpfe ihres Gottes waren, weshalb die Moralvorstellungen auch bei ihnen angewandt wurden.
Welche Nachteile brachte der Monotheismus?
Der Monotheismus geht davon aus, dass nur eine Gottheit existiert. Demnach existiert auch nur eine Wahrheit darüber, was Gott ist.
Ganz anders geht der Polytheismus vor, bei dem kulturfremde Götter ins eigene Pantheon aufgenommen wurden. Dies war möglich, da polytheistische Systeme niemals den Anspruch erhoben, den einen wahren Gott zu haben. So konnte sich das griechische Götterbild in der Antike erweitern, genauso wie das römische.
Im Christentum und Islam war dies nicht möglich. Stattdessen gab es nun den Wettstreit darüber, welche Gottesbotschaft die richtige sei. Denn jede monotheistische Gottesvorstellung geht davon aus, dass ihr Gott die Quelle von Wahrheit ist. Eine zweite Botschaft eines absoluten Gottes kann daneben nicht existieren, da ansonsten der höchste Gott nicht mehr der allerhöchste Gott als Quelle der Wahrheit wäre. Und zwei allerhöchste Instanzen kann es nicht geben.
Demzufolge begannen Christen und Muslime damit, die Welt zu missionieren, zu unterwerfen und ihre Gottesvorstellungen mit Kriegen auszuweiten. Das Judentum ist zwar auch monotheistisch. Allerdings gingen die Israeliten mit ihrem Gott einen Bund ein. Dieses Bündnis stellte sie als Auserwähltes Volk vor allen anderen Völkern heraus. Neue Mitglieder durch Missionierung hinzuzugewinnen, war nie Teil des Bündnisvertrages zwischen ihnen und dem israelitischen Gott.
Beim Islam und Christentum war dies grundlegend anders. Denn Jesus von Nazareth und auch der Prophet Mohammed erhielten ihre Botschaften für alle Völker und Menschen. Der ausdrückliche Wunsch des Schöpfers war zudem, dass die Gottesbotschaft unter allen Völkern verkündet wird. Dies machte die Missionierung im Islam und Christentum zu einer zwanghaften Angelegenheit.
Wie passt die Dreifaltigkeit zum christlichen Monotheismus?
Laut einigen Christen, den meisten Muslimen und Juden passt die Dreifaltigkeit überhaupt nicht zum christlichen Monotheismus. Denn die Dreifaltigkeit (Trinität) geht davon aus, dass Gott als Vater, gleichzeitig als Sohn und als Heiliger Geist auftritt.
Für Christen ist das Fundament ihres Glaubens die Person Jesus Christus. Dieser wird als Gottessohn dargestellt, wodurch Gott zum Gottvater wird. Der Heilige Geist ist Gottes Entsprechung oder Kraftfeld in der irdischen Welt. Deshalb werden im Christentum der Gottessohn, der Gottvater und der Heilige Geist als drei Entsprechungen eines einzigen Gottes verstanden.
Für Christen ist der Glaube an die Trinität wichtig, da dadurch verschiedene Bibelaussagen erst stimmig werden. Denn die Grundlage für ein monotheistisches Christentum ist, dass es nur einen Gott gibt. Aber in Johannes 1,1 steht, dass Jesus göttlich ist. Und in der Apostelgeschichte 5,3–4 steht auch der Heilige Geist göttlich ist.
Die Trinitätslehre verknüpft nun diese Aussagen und versucht diese in ein monotheistisches Korsett zu drängen, indem sie sagt, dass Gott, Jesus und der Heilige Geist drei Entsprechungen desselben Gottes sind.
Kritiker der Dreifaltigkeit behaupten allerdings, dass die Lehre von der Trinität einen Tritheismus (Drei-Götter-Glauben) bestätigt. Demnach wäre das Christentum kein reiner Monotheismus, sondern ein Polytheismus mit drei Göttern. Im Judentum und Islam wird die Trinität gänzlich abgelehnt, weshalb auch Jesus Christus als Messias (Judentum) und als Gottessohn (Islam) abgelehnt wird.
Warum erschuf der Monotheismus die Moral der Gesellschaft?
Im Monotheismus gilt Gott als höchste moralische Instanz. Demnach gibt Gott ein Handeln vor, welches – wenn es nur oft genug wiederholt wird – sich so sehr verfestigt, dass es zu einer Denkweise wird. Und aus solch einer festgefahrenen Denkweise entsteht ein Moralempfinden, sobald von dieser Denkweise abgewichen wird. Moral ist demnach etwas, was auch gesellschaftlich bzw. kulturell antrainiert wurde.
Die polytheistischen Religionen vermochten es nicht, solch einheitliches Moralempfinden anzutrainieren. Denn im Götterbild sämtlicher Kulturen gab es viele Götter, welche sich moralisch unterschiedlich und auch gegensätzlich verhalten haben. Dadurch konnte kein gemeinsamer Moralkodex hergeleitet werden. Dies vermochten erst die monotheistischen Religionen, deren Moralvorgaben von einem Gott kamen.
Warum gibt es im Monotheismus Gebote und Verbote?
Im Monotheismus ist Gott die oberste moralische Instanz und gibt demnach auch den Moralkodex für Verhalten und Handeln vor. Deshalb kennt jede monotheistische Religion diverse Gebote und Verbote. Am bekanntesten in der westlichen Welt sind die zehn Gebote im Judentum und Christentum, welche Moses auf dem Berg Sinai empfangen haben soll.
Die jüdische Tora enthält zudem 613 Mitzwot, wobei es sich um 365 Verbote (für jeden Tag) und 248 Gebote handelt.
Ein Gebot ist als Handlungsanweisung zu verstehen, was bestimmtes zu tun. Im Judentum wird dadurch der Alltag geregelt, aber es werden auch Verhaltensweisen für den Gottesdienst und die Ernährung vorgegeben.
Verbote sind Handlungen, welche strikt unterlassen werden sollten. Im Judentum sind dies bspw. Götzenverehrung, Diebstahl, Mord oder Schweinefleisch zu essen.
Im Christentum sind die höchsten Gebote die Nächstenliebe, der Glaube an Jesus Christus und den Vater, die Vergebung und die Tischgemeinschaft. Verbote sind die gleichen, wie im Judentum.
Im Islam gibt es zwar nicht die zehn Gebote, wie im Judentum oder Christentum – aber es gibt andere zehn Gebote, welche im Koran stehen (Sure 6,151–153). Dennoch ähneln diese stark den christlich-jüdischen Geboten. Auch hier geht es um den Glauben an Allah, Barmherzigkeit und ein positives Verhalten gegenüber anderen.
Verbote werden im islamischen Recht als Harām bezeichnet. Darunter zählen ebenfalls Mord, Diebstahl, Götzenverehrung, Schweinefleisch – aber auch Glücksspiel oder Wucher.
Warum wird im Monotheismus die Anbetung anderer Götter abgelehnt?
Der Monotheismus kennt Gott als oberste Instanz. Es kann keine zweite Instanz neben Gott geben, weil ansonsten das Narrativ zerstört werden würde. Jenes Narrativ wird dadurch begründet, dass nur Gott allein die Welt erschaffen hat, somit der letzte Ursprung ist, alle Regeln in dieser Welt vorgegeben hat und die einzige Wahrheit kennt.
Würde es einen zweiten Gott daneben geben, welcher genau diese Prämissen ebenfalls erfüllt – wäre die Einzigartigkeit Gottes dahin und somit auch das Narrativ und die Glaubensgrundlage zerstört. Deshalb sprechen alle monotheistischen Religionen das Gebot aus, dass es keinen zweiten Gott neben ihm geben kann. Die Verehrung fremder Götter (Götzenverehrung) wird durch Verbote geregelt.
Im 2. Buch Mose 20,3 stehen die Zehn Gebote. Das erste Gebot lautet: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Dieses ist zugleich das wichtigste Gebot von allen. Es kann keinen zweiten Gott für die Israeliten geben, da ansonsten das Bündnis mit Gott hinfällig wäre und sie somit nicht länger das von Gott auserwählte Volk wären. Denn erst der Bund mit Gott machte sie zum Volk der Israeliten. Ohne Gottesbündnis kein Volk, kein Glauben und kein Verheißenes Land.
Das Christentum übernahm diese Zehn Gebote und damit auch das Gebot zur Gottestreue. In Markus 12,29 wird dieses Gebot nochmals bekräftigt: „Der Herr, unser Gott, der Herr ist einer.“
Warum lässt Gott nach monotheistischer Vorstellung Leid zu?
In allen monotheistischen Religionen ist Gott ein allwissendes, allmächtiges und allgütiges Wesen. Die Frage: Weshalb es dennoch zu Leid, zu Krankheiten oder zu Armut kommt – setzte den Monotheismus des Mittelalters stark unter Druck.
Somit mussten die monotheistischen Theoretiker etwas erfinden, was sie als „Freien Willen“ bezeichneten. Laut dieser Erzählung hat Gott die Menschheit mit einem freien Willen ausgestattet, wonach jeder Einzelne frei entscheiden kann.
Wenn es das Böse nicht gäbe, hätte der Mensch keinen freien Willen und umgekehrt. Doch Gott prüft die Menschen seitjeher auf ihre Frömmigkeit. Demnach sind Krankheit, Leid oder Armut von Gott gesandte Prüfungen, um die Gottesfurcht oder den Gottesglauben zu prüfen und zu festigen.
Die Idee zum freien Willen des Menschen schauten sich die Monotheisten bei den Zarathustriern ab. Wie bereits beschrieben, basiert der der Zarathustrismus auf ein dualistisches System (Gut gegen Böse). Die Menschheit kann sich entweder für die gute Seite (Auramazdā) oder den bösen Dämon (Angra Mainyu oder Ahriman) entscheiden.
Und genau dieses dualistische Konzept wurde ins Christentum übernommen, um die Frage nach dem Ursprung des Bösen (des Leids) zu klären. Demnach erfanden Christen eine Hölle und einen Teufel als Gegenstücke zum Himmelreich und zum allseits gütigen Gott.
Wie erklären monotheistische Religionen die Existenz des Bösen?
Für Dualisten stellt sich die Frage nach dem Ursprung des Bösen überhaupt nicht. Denn in einer dualistische Weltsicht wird die Welt nicht von einem allgütigen Gott beherrscht, sondern ist ein Spielbrett zwischen guten und bösen Mächten. Und der Mensch muss sich entscheiden, auf welcher Seite er mitspielen will.
Laut Dualisten gibt es eine eigenständige Macht, welche ganz eindeutig böse ist und nicht unter Kontrolle eines allgütigen Gottes steht. Stattdessen spielt die böse Macht nach eigenen Regeln. Mit dem freien Willen (siehe vorheriger Abschnitt) erklärten monotheistische Religionen, dass jeder Mensch sich zwischen gut und böse entscheiden solle.
Doch eigentlich existiert in einer monotheistischen Weltsicht (Islam, Christentum, Judentum) nur ein allmächtiger Gott. Und dieser allmächtige Gott dominiert Alles, demnach auch das Böse. Denn er hat die Welt erschaffen und dessen regeln festgelegt. Aber der Mensch ist in der Lage völlig widersprüchliche Dinge zu glauben, wenn er nur daran glauben will. Und so glauben Abermillionen Christen, Juden und Muslime an einen übermächtigen Gott und einen unabhängigen Teufel, welcher sie zum Bösen verführen will.
Indem der Einzelne dem Teufel und seinen Verführungen abschwört, kann er seinen Glauben stärken und sich somit vor Gott beweisen.
Wie wird das Verhältnis zwischen Gott und Mensch verstanden?
Im Monotheismus tritt Gott als oberster Schöpfer auf und der Mensch ist ein Geschöpf von Gottes Schöpfung. Demnach hat der Mensch eine untergeordnete Rolle. Aber er besitzt dennoch eine besondere Rolle, da Gott als Schöpfer den Menschen nach seinem Bild erschaffen hatte. So steht es in 1. Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.“
Demnach ist der Mensch selbst nicht göttlich, hat aber durch den Gehorsam und das Vertrauen auf Gottes Macht, eine gewisse Sonderstellung unter den Geschöpfen der Erde. Durch Gebete soll der Mensch eine Beziehung zu Gott aufbauen und mit Gott in Verbindung treten.
Da Gott als barmherzig und gerecht gilt, kann der Mensch bei Gott um Vergebung bitten. Letztlich muss sich der Mensch den Willen Gottes unterordnen, diesen Willen anerkennen und nicht in Frage stellen. Dadurch soll der Mensch an Orientierung gewinnen, die Gottesgebote einhalten und bei Missachtung selbst die Verantwortung für sein Handeln übernehmen.
Existiert in monotheistische Religionen ein Leben nach dem Tod?
In den drei großen monotheistischen Religionen ist das Leben nach dem Tod geregelt. Dies ist auch das große Heilsversprechen, welches der Monotheismus gibt, weshalb sich Menschen im Mittelalter zahlreich darauf einließen. Allerdings existiert kein Samsara – also ein Kreislauf von Wiedergeburt, sondern eine Auferstehung im Reich Gottes.
Im Judentum wird beschrieben, dass das „kommende Reich“ (Olam Haba) wichtiger sei als die derzeitige Welt. Außerdem existiert in der jüdischen Tradition der Glaube an Gan Eden (Garten Eden), in welchem die Gerechten sich nach ihrem Tod versammeln. Die Nichtgerechten kommen nach Gehinnom, wo die Seele gereinigt wird. Der Aufenthalt in Gehinnom ist endlich, weshalb gereinigte Seelen dann nach Olam Haba kommen.
Im Christentum ist das Leben nach dem Tod als Himmelreich oder Reich Gottes beschrieben. Gott verspricht das ewige Leben denjenigen, welche sich zu ihm und zu Jesus Christus als seinen Sohn bekennen. Das Bekenntnisritual ist im Christentum die Taufe. Und nach dem Tod wird der gläubige Mensch durch Gottes Gnade gerettet.
Falls jemand eine Sünde begangen hat, kann man seine Schuld eingestehen und Reue zeigen. Dann kann man sich immer noch Gott zuwenden und auf Vergebung hoffen. Denn Vergebung ist im Christentum ein zentraler Bestandteil.
Alle Menschen, welche sich von Gott abwenden, keine Reue zeigen und sich nicht zur Umkehr bewegen lassen, kommen nicht ins Himmelreich, sondern in die Hölle. Die Aufenthaltszeit in der Hölle wird meist als ewig angegeben. Aber der Himmel ist kein Ort über den Wolken und die Hölle kein Ort unter der Erde. Stattdessen ist der Himmel eine Gemeinschaft mit Gott und die Hölle eine endgültige Ferne zu Gott.
Im Islam wird ein Paradies (Dschanna) genannt, in welchem die Gläubigen nach ihrem Tod einkehren. Doch zunächst kommt die Auferstehung und das Gericht Allahs. Wer Gottes Willen folgt und Gutes tut, kann in die Dschanna gelangen. Das Gegenstück ist Dschahannam (Hölle).