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Jungfrau Göttinnen


Jungfräuliche Göttinnen in der griechischen Mythologie sind Hestia (Herdgöttin), Artemis (Jagdgöttin) und Athene (Stadt- und Schutzgöttin). In der römischen Mythologie entsprechen diese Gottheiten der Vesta, Diana und Minerva.

Im Hinduismus ist Devi Kanya Kumari die Manifestation der Hindu- Göttin Mahadevi in ​​Form eines heranwachsenden Mädchens. Sie ist ebenfalls Jungfrau. Ähnlich ist es bei der Hindu-Göttin Kumari, welche als vorpubertäres Mädchen ab dem 2. bis 4. Lebensjahr auftritt. Auch diese ist Jungfrau, wächst aber heran. Mit dem Eintreten der ersten Menstruation erlischt bei Kumari der Götterstatus.

In der babylonischen Mythologie galt die Göttin Ischtar als eine Jungfrau und eine Prostituierte zugleich. In deren Religion und Kultur war Tempelprostitution üblich. Die Tempelpriesterinnen galten weiterhin als Jungfrauen, selbst dann noch, wenn sie bereits Kinder hatten. Diese Kinder nannte man die „Jungfrau-Geborenen“.

Steckbrief

Jungfrauen-Göttinnen
griechisch:Hestia (Hüterin der Herdflamme), Athene (Göttin der Weisheit, des Handwerks und der Künste), Artemis (Jagdgöttin und Schutzgöttin des Waldes, der Jungfrauen, der Jugend und der Geburt)
römisch:Vesta (griechisch: Hestia), Minerva (griechisch: Athena), Diana (griechisch: Artemis)
Symbole:Hestia/Vesta: Herdfeuer;
Artemis/Diana: Pfeil und Bogen, Hirsch;
Athene/Minerva: Eule, Speer, Schild

Beinamen:Athene Parthenos (Athene die Jungfrau)

Was bedeutet jungfräuliche Göttin in der Mythologie?

Eine jungfräuliche Göttin wird in der Mythologie als keusch, unantastbar, unverheiratet, kinderlos und sexuell unangreifbar beschrieben. Ihre Jungfräulichkeit soll Reinheit, Loyalität, Souveränität und uneingeschränkte Macht demonstrieren. In der klassischen Mythologie waren diese Göttinnen sehr mächtig, da Liebesgöttinnen wie Venus (römisch) oder Aphrodite (griechisch) keine Macht über sie hatten.

Welche jungfräulichen Göttinnen gibt es in der griechischen Mythologie?

In der griechischen Mythologie gibt es drei Göttinnen, welche Jungfrauen blieben. Diese waren Hestia, Athene und Artemis. Alle drei hatten Schutzfunktionen. So bewachte Hestia das Haus und den Herd, während Artemis – die Göttin der Jagd – die Tierwelt schützte. Athene galt als Schutzgöttin der Helden, der Könige, der Handwerker, Künstler und Städte.

Alle drei Göttinnen blieben kinderlos, schlossen keine Ehe, gingen keine sexuelle Beziehung ein und blieben keusch.

Hestia

Hestia war die griechische Göttin des Haushalts und des Herdes. Sie war älteste Schwester von Zeus. Ihre Jungfräulichkeit repräsentiert ihre Loyalität zu Zeus und zu ihrer Funktion innerhalb der Kosmos. Denn ihre Aufgabe bestand darin, dass das Feuer (heilige Flamme) niemals erlöscht. Die heilige Flamme steht für Reinheit, göttliche Gegenwart, Schutz, Erneuerung und Unvergänglichkeit.

Hestia war das erstgeborene Kind von Kronos und Rhea und somit älter als Zeus. Dennoch blieb sie kinderlos, da ihre Aufgabe die heilige Flamme zu hüten, dies einforderte. Das Erlöschen der Flamme hätte zur Folge, dass die Präsenz der Götter gefährdet würde.

Die Menschen, welche an die Götter glaubten, mussten jederzeit gewiss sein, dass Hestia unter keinen Umständen – die Flamme ausgehen lassen würde. Und eine Hestia mit Liebschaften und Kindern hätte die Menschen in der Vorstellung bestärkt, dass Hestia nicht ganz bei der Sache sein könnte. Der Götterglaube wäre demnach verblasst.

Hestia wurde von Poseidon und Apollon umworben, wies aber beide zurück. Stattdessen schwor sie vor ihrem Bruder eine Gelübde, ewig jungfräulich zu bleiben.

Artemis

Artemis war Schutzgöttin des Waldes, der Jungfrauen, der Frauen allgemein und der Kinder. In dieser Funktion war sie unabhängig und frei. Das Gegenteil wäre die Mutterrolle oder eine sexuelle Begierde, wodurch ihre Reinheit im Geiste und in ihrer Funktion gefährdet werden würde. Damit Artemis glaubhaft eine Schutzgöttin sein konnte, durfte kein Mann jemals Macht über sie haben.

Laut der Bibliotheke des Apollodor soll Aktaion die Artemis beim Baden im Parthenischen Quell beobachtet haben. Die Göttin bespritzte ihn daraufhin mit Wasser, wodurch Aktaion in einen Hirsch verwandelt wurde. Anschließend wurde der Jäger von seinen eigenen Jagdhunden gehetzt und auf dem Berg Kithairon zerrissen.

Athene

siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur Göttin Athene

Athene war Schutzgöttin der Handwerker und der Künstler. Geboren wurde Athene aus der Stirn von Zeus, weshalb ihre eigentliche Funktion die Göttin der Weisheit war.

Später wählten die Menschen im Attika die Göttin zur Schutzpatronin ihre Stadt. So wurde Athene zur Namensgeberin der Stadt Athen. In all diesen Funktionen blieb Athene jungfräulich, da ihre einzige Loyalität dem Schutz der Stadt, der Handwerker und Künstler galt. Im Trojanischen Krieg stellte sie sich auf die Seite der Griechen und wurde zur Schutzpatronin der Heroen (z.B. Odysseus).

In ihrer Rolle als Göttin der Weisheit war es unverzichtbar, dass sie Jungfrau bleibt. Denn Weisheit, Rationalität und vorausschauendes Taktieren waren das Gegenteil von Fleischeslust und Begierden. Hätten die Griechen irgendwann den Mythos von Athene aufgeweicht, hätten sie den Glauben an ihrer Weisheit und Vollkommenheit verloren.

Athene erhielt von den Athenern den Beinamen Athene Parthenos, was übersetzt „Athene, die Jungfrau“ bedeutet. Zu Ehren der Athene bauten sie um 480 v. Chr. das Parthenon (deutsch: Jungfrauengemach), welches sich heute noch auf der Akropolis von Athen befindet.

Mehrere Mythen betonen die Jungfräulichkeit und Unantastbarkeit der Göttin. So versucht Hephaistos, sich ihr aufzudrängen. Doch Athene wehrt ihn ab und bleibt unberührt. Nachdem Teiresias sie nackt sah, wurde er geblendet und ähnlich wie Artemis bestraft auch Athene jeden der ihre Intimität verletzt.

Welche römischen Göttinnen entsprechen den griechischen Jungfrau‑Göttinnen?

In der römischen Mythologie war Vesta, die Schutzgöttin des Herdes. Sie entsprach der griechischen Hestia. Minerva war Schutzgöttin der Handwerker und Künstler. Sie entsprach der griechischen Athena. Diana, die Göttin der Jagd, entsprach der griechischen Artemis. Genauso wie bei den Griechen, blieben die römischen Pendants ebenfalls keusch.

Vesta

Vesta war die römische Göttin des Herdes und entsprach der griechischen Hestia. Laut dem Gründungsmythos von Rom soll Vesta ihre Aufgabe bereits vor Roms Gründung vollzogen haben.

Im Römischen Reich galt die Heilige Flamme, welche Vesta bewachte, nicht nur als Symbol der Götter – sondern auch des gesamten Reiches. Das Erlöschen der Flamme wäre demnach als ein schweres Omen interpretiert wurden, weshalb auch Vesta zwingend kinderlos sein musste.

Diana

Diana war das römische Pendant zu Artemis. Genauso wie die griechische Göttin war auch Diana eine Schutzpatronin des Landes, des Waldes, der Geburt und der Natur. Sie war ein Freigeist – genauso wie Artemis – und dementsprechend genauso unabhängig und loyal gegenüber ihrem Schutzgebiet.

In Rom galt Diana zudem als Schutzpatronin der Plebejer und Sklaven. Ihre Jungfräulichkeit bedeutet, dass sie selbst über Natur, Tiere, Frauen und Übergänge herrscht. Genauso wie bei Artemis haben männliche Machtstrukturen keine Macht über sie.

Diana soll alle Männer verstoßen haben, welche um ihre Hand anhielten. Die Jungfräulichkeit war frei gewählt. Laut Plutarch verzichteten Männer darauf, den Diana-Tempel an der Vicus Patricius (heutige Via Urbana), in Rom zu besuchen. Doch es gab, laut dem Geschichtsschreiber, kein ausdrückliches Verbot für Männer. Stattdessen beruhte die Meidung des Tempels aus Aberglauben heraus.

Minerva

Minerva ist die römische Göttin der Weisheit, des Denkens, der Strategie und des Wissens. Sie ist demnach das römische Pendants zur griechischen Athene.

Genauso wie bei Athene symbolisiert ihre Jungfräulichkeit, dass sie rein geistig, unabhängig und nicht durch körperliche oder emotionale Bindungen beeinflusst ist. Anders als Athene war Minerva aber nicht die Schutzpatronin eines einzelnen Stadtstaates, sondern des ganzen Römischen Reiches.

Zusammen mit Jupiter und Juno bildet Minerva das Kapitolinische Trias. Während Jupiter dem griechischen Göttervater Zeus und Juno der griechischen Hera entspricht, wird Minerva im antiken Rom mit Athene gleichgesetzt.

Anders als bei Athene, Artemis oder Diana war Minerva’s Jungfräulichkeit niemals bedroht. Denn sie tritt als autoritäre Jungfrau, als General und Beschützer des Reiches auf. Damit wird die Ideologie der Pax Romana (Unantastbarkeit) mit Minerva personifiziert.

Welche Rolle spielt Jungfräulichkeit im Kult dieser Göttinnen?

Jungfräulichkeit wird mit Reinheit und Unverletzbarkeit assoziiert.

  • Hestia und Vesta: Reinheit und Unverletzbarkeit des Feuers (ewige Flamme)
  • Athene und Minerva: Reinheit und Unverletzbarkeit des Geistes, der Vernunft und des Staates
  • Artemis und Diana: Reinheit und Unverletzbarkeit der Jugend und somit auch des Volkes

Warum war es nötig, jungfräuliche Göttinnen in Griechenland zu erfinden?

Mythologie war auch immer Ideologie, Gesellschaftsordnung und daraus ergab sich ein Vertrag für das zwischenmenschliche Miteinander. Die Göttinnen mussten jungfräulich sein, da ihre Rollenfunktion dies vorsah. Sie stehen für Selbstbestimmung, Reinheit und Unverletzlichkeit.

Sexualität erzeugt Eifersucht, Rivalität und Fehden. Die Göttinnen mussten aber stabil bleiben, damit auch die Gesellschaft weiterhin an Stabilität glaubt.

Und so standen die Göttinnen für Reinheit und Unverletzbarkeit. Dies macht sie zu einem perfekten Symbol für Ordnung – sei es im Haus (Hestia), im Denken (Athene) oder in der Natur (Artemis).

In diesem Sinne durfte Hestia, als der Mittelpunkt des Hauses und der Polis, niemanden bevorzugen. Athene, die Göttin des Denkens, musste zwingend rational bleiben – was durch Jungfräulichkeit gelingt. Artemis, die Göttin des Waldes, der Wildnis und Jugend, darf nicht domestiziert werden. Stattdessen blieben sie mächtig, auch ohne Ehe und ohne Mutterschaft. Und sie sind außerhalb männlicher Legitimation.

Die Jungfräulichkeit ist somit kein Nebendetail, sondern ein theologisches Fundament. Die Griechen sahen ihre Göttinnen als Vorbilder für gesellschaftliche Ordnung. Die Unparteilichkeit der Hestia, die Staatsvernunft der Athene und die Unverletzbarkeit und Reinheit der Jugend (Artemis) waren Ideale, welche durch diese Göttinnen verkörpert wurden.

Ihre Jungfräulichkeit wurde zum Schutzschild eines jeden Staatstaates. Die Reinheit der Jungfräulichkeit machte göttliche Ordnung möglich. Dies war wiederum die Grundlage für eine standhafte Politik, was wiederum das Zusammenleben in den Polis förderte.

Warum übernahmen die Römer die Jungfrauen-Göttinnen der Griechen?

Rom war ein Vielvölkerreich mit diversen sozialen Schichten (Patriziern, Plebejern), konkurrierender Elite und verschiedensten Provinzen mit unterschiedlichen Bevölkerungsanteilen. Kaiser Augustus formte um die Zeitenwende herum aus der Römischen Republik einen Einheitsstaat, in welchem alle diese Gegensätze vereinbar werden sollten.

Für diese einheitsmachende Ideologie brauchte es Vorbilder. Am besten wären Götter geeignet, welche rituell rein, unparteiisch und voreingenommen sind. Da Göttinnen auch nicht die patriarchalen Strukturen der Machtelite gefährden, bot sich die Hingabe zu den griechischen Jungfrauen-Göttinnen an.

So wurde die griechische Hestia mit der römischen Vesta verknüpft. Ihre Funktion war weiterhin das Bewahren der ewigen Flamme Roms. Die griechische Athene verschmolz mit der römischen Minerva, wodurch staatliche Ordnung und Vernunft assoziiert wurden. Diverse Attribute der Artemis gingen auf die römische Diana über, wodurch der Schutz von Natur und Geburt zu römischen Staatsdoktrin wurden.

Ein weiteres Argument ist, dass die Jungfrauen-Götter frei von Makeln waren. Sie waren frei von Eifersuchtsszenarien, politischen Intrigen und Ähnlichem. Übrig blieb göttliche Legitimation ohne Makel. Und genau diese göttliche Legimitation brauchte der römische Staat, um die Pax Romana nach innen und nach außen immer wieder zu verkaufen.

Gab es Priesterinnen, die ebenfalls keusch leben mussten?

Im römischen Staat mussten die Vestalinnen ein strenges Keuschheitsgelübde einhalten. Angeblich wurde dieses Priesterkollegium von Numa Pompilius, dem zweiten König Roms, gegründet. Wie die Göttin schworen auch die Vestalinnen ein Gelübde der Reinheit und Keuschheit. Jener Zölibatseid erstreckte sich auf dreißig Jahre Dienstzeit. Brach eine Priesterin den Eid wurde sie hingerichtet. Ließ eine Priesterin zu, dass die Flamme der Vesta erstickte, wurde sie ausgepeitscht.


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