Plantagenwirtschaft
Pflanzer (Plantagenbesitzer) waren Besitzer einer Sklavenplantage. Sie waren bis zum Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs die sozial stärkste Gruppe in den Südstaaten der USA. Das Gesellschafts-, Wirtschafts- und Sozialsystem der USA – während der Kolonialzeit – wird als Plantagenökonomie bezeichnet.
In diesem Wirtschaftssystem wurden Sklaven aus Afrika dazu eingesetzt, um auf den Agrarflächen Nordamerikas zu arbeiten und die Exporte nach Europa zu produzieren. Reich wurden dabei die Plantagenbesitzer (Pflanzer), die Händler und die Kolonialstaaten.
Je nach Ausrichtung der Plantage wurden die Besitzer als Tabakpflanzer, Baumwollpflanzer oder Zuckerrohrpflanzer bezeichnet.
In den Südstaaten der USA bildete die Plantagenwirtschaft die Grundlage für den kulturellen und politischen Einfluss der Pflanzer. Und die Plantagenbesitzerklasse gehörte zum amerikanischen Adel. Viele Angehörige der Plantagenbesitzerklasse waren auch Politiker und gehörten demnach zum Machtapparat der USA. So z.B. die US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, James Madison, James Monroe, Andrew Jackson, John Tyler oder James Knox Polk.
Erst im Zuge des Abolitionismus (Sklavenbefreiung) im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Sklaverei abgeschafft, was zu massiven Widerständen der Plantagenbesitzer führte. Die vollumfänglichen Bürgerrechte erhielt die afroamerikanische Bevölkerung erst 1964 (Civil Rights Act), 1965 (Voting Rights Act) und 1968 (Fair Housing Act). Die Nachkömmlinge dieser (befreiten) Sklaven stellen heute einen Großteil der Bevölkerung dieser Regionen dar.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wann war die Plantagenzeit?
- 3 Wer waren Pflanzer in der Kolonialzeit?
- 4 Wie entstand die Plantagenwirtschaft?
- 5 Gab es Prototypen zum amerikanischen Plantagenmodell?
- 6 Welche Produkte baute man auf Sklavenplantagen typischerweise an?
- 7 Wie sah der Alltag versklavter Menschen auf Plantagen aus?
- 8 Warum waren Plantagen so stark von Sklavenarbeit abhängig?
- 9 Wie lebten Pflanzer selbst?
- 10 Welcher Ideologie folgten die Pflanzer?
- 11 Welche innerlichen Risse bekam die Pflanzer-Ideologie?
- 12 Welche äußerlichen Risse bekam die Plantagenideologie?
- 13 Gab es Widerstand gegen Pflanzer und Plantagenwirtschaft?
- 14 Wann und warum brach die Plantagenökonomie zusammen?
Steckbrief
| Bedeutung: | Wirtschaft- und Gesellschaftsordnung in den Kolonien der Neuen Welt |
| Alternativnamen: | Plantagenwirtschaft, Pflanzergesellschaft, Plantagenhaltergesellschaft |
| Plantagenzeit: | 1532 - 1865 und darüber hinaus |
| Merkmale: | -Großbetriebliche Strukturen -Anbau von Monokulturen -Hoher Arbeitskräftebedarf (Sklavenbedarf) -Hoher Kapitaleinsatz -Exportorientierung -Intensive Ressourcennutzung |
| Produkte: | Exportorientierte Cash-Crop-Produktion |
Wann war die Plantagenzeit?
Die Zeit der Plantagenwirtschaft begann nach der Entdeckung Amerikas, zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die erste Großplantage entstand 1532 in Brasilien. Die Plantagenökonomie Nordamerikas wurde durch John Rolfe in Jamestown geprägt, welcher 1610 damit begann, Tabak anzubauen.
Ihren Höhepunkt erlebte die Plantagenwirtschaft im 17. und 18. Jahrhundert. Als Ende der Plantagenzeit in Nordamerika kann die Aufnahme des 13. Verfassungszusatzes der USA gesehen werden, welche die Sklaverei verbietet. Dies geschah am 31. Januar 1865 nach Ende des Sezessionskrieges zwischen Nord- und Südstaaten. Allerdings gab es danach noch Bemühungen in den Südstaaten, die Plantagenwirtschaft wiederzubeleben.
Wer waren Pflanzer in der Kolonialzeit?
Die Plantagenbesitzerklasse bzw. Pflanzer waren eine rassistische und sozioökonomische Klasse in Amerika während des Kolonialismus und der Frühen Neuzeit. Mitglieder dieser Oberschicht waren meist Siedler europäischer Abstammung, besaßen Plantagen oder waren finanziell an Plantagen oder Farmen beteiligt.
Jene Plantagen wurden anfangs durch Vertragsarbeiter betrieben, welche ihre Arbeitskraft für einen bestimmten Zeitraum dem Besitzer zur Verfügung stellten. Da der Plantagenbesitzer über die Arbeitskraft frei verfügen konnte, waren auch die Vertragsarbeiter faktische Arbeitssklaven.
Als dann die Exporte an Handelswaren zunahmen und man immer mehr Arbeitskräfte brauchte, setzten die Pflanzer auf den Import von afrikanischen Sklaven, welche mittels Sklavenschiffen in die Neue Welt kamen.
Wie entstand die Plantagenwirtschaft?
Die Europäer wurden bei der Kolonisierung von Amerika durch Gold und Silber angetrieben. Deshalb setzten sich so viele Europäer in Bewegung, um den Atlantik zu überqueren und in der Neuen Welt diverse Reichtümer zu finden.
Die Suche nach den Edelmetallen entpuppte sich nicht überall als zufriedenstellend. Aber die Europäer bemerkten schnell, dass die amerikanischen Ureinwohner diverse Feldfrüchte hatten, welche man in Europa nicht kannte (z.B. Tabak, Kartoffeln). Diese galt es anzubauen, zu exportieren, um so doch noch zu Reichtum zu kommen.
In Europa existierte das Feudalsystem. Dieses System basierte darauf, dass ein Lehnsherr einem Lehnsmann ein Stück seines Landes übertrug. Im Gegenzug musste der Lehnsmann gegenüber dem Lehnsherren einen Treueeid leisten und ihn gegebenenfalls militärisch unterstützen.
Auf dem Lehen bzw. Lehnsgut, welches der Lehnsmann erhielt, arbeiteten Bauern. Diese wurden mit der Übertragung des Lehens auch an ihren neuen Herren übertragen. Dieses System war ein Sklavenhaltersystem, da die Bauern an den Ort ihrer Arbeit gebunden waren und rein rechtlich zum Ort gehörten.
Dieses Sklavenhaltersystem wurde während der Kolonialzeit auf die Kolonien ausgerollt. Arbeiter, welche aus Europa abwanderten, verpflichteten sich für Zwangsarbeit auf Zeit in der Neuen Welt. Danach erhielten sie Ländereien zugesprochen.
Als dann die Exporte so drastisch zunahmen, importierte man in Amerika stattdessen afrikanische Sklaven, welche niemals das Recht hatten – irgendwann frei zu sein.
1532 entstand in Brasilien die erste große Plantagenkolonie. Angebaut wurde Zucker. Die Großmächte Europas strebten danach, möglichst viele eigene Kolonien in Amerika zu gründen, um am profitablen Exportgeschäft teilhaben zu können.
1610 kam John Rolfe nach Jamestown in Virginia und brachte Tabaksamen mit, welche er zuvor aus Trinidad beschafft hatte. Mit ihm begann die Plantagenwirtschaft. Denn 1619 kamen die ersten afrikanischen Sklaven nach Jamestown, wodurch nicht nur der institutionelle Sklavenhandel begründet wurde, sondern auch die Plantagenökonomie mit schwarzen Sklaven begann.
Gab es Prototypen zum amerikanischen Plantagenmodell?
Ja und zwar auf Madeira und São Tomé. Madeira wurde 1419 durch den portugiesischen Seefahrer João Gonçalves Zarco wiederentdeckt. Ab 1420 begannen die Portugiesen, unter Leitung von Heinrich dem Seefahrer, damit – die Insel zu kolonialisieren. Sklaven von der Guineaküste wurden auf die Insel verschleppt. Anfangs wollte man auf Madeira nur das kostbare Lorbeerbaumholz abbauen. Später spielte die Produktion von Zuckerrohr eine entscheidende Rolle.
Die Insel São Tomé vor der Küste Afrikas wurde 1471 von den Portugiesen entdeckt. Fortan war die Insel ein Umschlagsplatz für den Sklavenhandel mit Europa und später auch mit Amerika. Auf der Insel wurde Zuckerrohr, dann Kaffee und später Kakao hergestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Sao Tome der größte Kakaoproduzent der Welt.
Welche Produkte baute man auf Sklavenplantagen typischerweise an?
Für die Produkte, welche man auf Sklavenplantagen anbaute, gab es einen Namen. Man bezeichnete sie als Geldfrüchte bzw. Bargeld-Pflanzen (englisch: Cash Crops). Gemeint waren Feldprodukte, welche sich wunderbar verkaufen ließen und bei denen die Nachfrage besonders hoch war. In den Anbauländern sind Cash Crops ganz alltägliche Produkte, welche sich aber in anderen Ländern als Luxusartikel verkaufen lassen. Zu diesen Cash Crops gehörten Tabak, Zuckerrohr (für Alkohol), Kaffee, Baumwolle, Indigo, Tee, Kakao, Kautschuk oder Öl.
Wie sah der Alltag versklavter Menschen auf Plantagen aus?
Der Alltag eines Sklaven auf einer Plantage war geprägt von harter Arbeit, völliger Rechtslosigkeit, Gewalt und Misshandlung bei Ungehorsam.
Die Arbeitszeit begann früh am Morgen vor dem Sonnenaufgang. Sklaven wurden durch Aufseher geweckt. Dies geschah durch Peitschenknall oder durch lautes Rufen. Zum Frühstück gab es Maisbrei. Danach ging es auf die Felder, auf denen die Sklaven bei heißen Temperaturen sämtliche Feldarbeiten vollrichten mussten.
Dort musste bspw. das Zuckerrohr geschnitten, Baumwolle gepflückt oder gereinigt und Kaffee- bzw. Tabakpflanzen gepflegt werden. Nach zehn bis sechszehn Stunden endete die Arbeitszeit. Dann kehrten die Sklaven in ihre Baracken zurück und hatten eine kurze Zeit für sich, um Dinge zu reparieren oder soziale Kontakte zu pflegen.
Die Arbeit fand unter extremen Bedingungen statt. Mittagshitze, Insektenstiche, wenig Nahrung und Wasser waren alltägliche Sorgen. Zudem waren die Sklaven der ständigen Bedrohung durch die Aufseher ausgesetzt. Fluchtversuche und Ungehorsam wurden hart bestraft. Auspeitschungen, Wegsperren oder Fesseln bei Mittagshitze waren Bestandteile des Strafenkatalogs. Gleichzeitig hatten Familien immer Angst davor – getrennt zu werden, da Familienmitglieder einfach verkauft werden konnten.
Warum waren Plantagen so stark von Sklavenarbeit abhängig?
Sklavenplantagen mussten von Sklaven betrieben werden, da die Logik des damaligen Wirtschaftssystems genau dies verlangte. In diesem System war Preisdruck für die Plantagen allgegenwärtig, weshalb man Massenware produzieren musste – schon um die Transportkosten auf möglichst viel Ware zu verteilen.
Ein zweiter Aspekt war die körperlich schwere Arbeit, welche mit freien Arbeitern so nicht möglich gewesen wäre. Der wohl wichtigste Aspekt war aber, dass nicht genug freie Arbeiter zur Verfügung standen – weshalb man Sklaven einsetzen musste. Im Folgenden werden alle drei Punkte näher erläutert.
Gewinnmaximierung als Voraussetzung
Die Plantagen standen unter ständigen Druck, die Nachfrage nach ihren Exportprodukten befriedigen zu müssen. Gleichzeitig mussten die Gewinne maximiert werden.
Dies lag nicht an der Gier einzelner Plantagenbesitzer, sondern an der Logik der Plantagenökonomie. Denn so eine Plantage war kein kleiner Bauernhof, sondern ein kleines Imperium mit großen Landflächen, verschiedenen Produktionsstellen usw.. Diese mussten unterhalten werden.
Gleichzeitig wurden die Exportprodukte mit hohen Frachtkosten versehen. Das Risiko auf See überfallen zu werden, musste ebenfalls einkalkuliert werden. Demnach waren alle Plantagen immer gezwungen gewesen, den Gewinn zu maximieren. Nur so konnte man sicherstellen, morgen noch zu existieren.
Dennoch war Sklavenarbeit auch für die Betreiber teuer. Sie mussten den Einkaufspreis zahlen, für Lebensmittel und Kleidung sorgen, Schlafquartiere bereitstellen und Aufseher bezahlen. Die Plantagen produzierten für den Weltmarkt und verkauften die Produkte zu Weltmarktpreisen. Ein Unterbietungswettbewerb im Preis bevorzugte denjenigen, welcher viel Ware kostengünstig anbieten konnte.
In diesem Wettkampf waren die Plantagenbesitzer gezwungen, immer größere Nutzflächen zu kaufen, immer mehr Sklaven zu halten und immer mehr Produktionsschritte selbst zu übernehmen. Dies machte sie selbst anfällig für Schwankungen, weshalb sie von Sklavenarbeit abhängig waren.
Gewinnmaximierung und Bildung Rücklagen war demnach keine Option, sondern eine Voraussetzung.
Arbeitsintensivität
Auf Plantagen wurde Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle oder Kaffee produziert. Solche Produkte verlangen harte körperliche Arbeit. Außerdem muss man Spitzenbelastungen saisonal einfordern und aushalten können. Dies geht nur bei Sklaven, welche kein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung ihrer Tätigkeit haben.
Da es sich um monotone Arbeit handelt, wirkt sich diese über kurz oder lang auch auf die Muskulatur auf. Es kommt zum Verschleiß. Freie Arbeiter hätten wechseln können, mehr Lohn einfordern können oder die Arbeit einfach verweigert. All dies konnte sich ein Plantagenbesitzer nicht leisten, weshalb der Plantagenbetrieb ohne Sklavenarbeit nicht möglich gewesen wäre.
Demographie
Hinzu kam, dass die Plantagen oft an dünn besiedelten Gebieten gelegen waren. Denn in Amerika lebten zu diesem Zeit kaum Menschen, welche bereitwillig auf Feldern gearbeitet hätten. Um aber die Nachfrage zu bedienen und die riesigen Plantagen schnell aufzubauen und am Leben zu halten, musste man den Bedarf an Arbeitskräften sofort decken können. Und dies ging am leichtesten, indem man Menschen in Afrika einfängt und diese gegen ihren Willen in die Neue Welt schafft.
Wie lebten Pflanzer selbst?
Die Pflanzer hatten Herrenhäuser auf ihren Plantagen, in denen ausschließlich sie und ihre Familie lebten. Dort traten sie wie britische Gentlemen auf und entwickelten eine Kultur der Geselligkeit.
Der Lebensstil, welchen die Pflanzer pflegten, war in Europa nur der Adelselite vorbehalten gewesen. Viele Farmen wurden durch Satellitenplantagen und durch Mühlen, Gießereien oder Webereien ergänzt. Damit wurde die Plantage zu einem kleinem Imperium, in dessen Mittelpunkt das Herrenhaus stand. All diese Besitztümer zielten darauf ab, den erwirtschafteten Wohlstand nach außen zu zeigen und so Macht und Einfluss zu demonstrieren.
In den Sommermonaten herrschte in vielen südlichen Ländern eine akute Malariagefahr. Zu dieser Zeit zogen sich die Pflanzer in nördlichere Städte zurück, bewohnten dort Villen in rein weißen Siedlungen und trafen sich mit anderen Eliten aus Politik und Wirtschaft. Die Leitung der Plantagen wurde, während dieser Zeit, auf einen Aufseher (overseers) oder Verwalter (stewards) übertragen.
Welcher Ideologie folgten die Pflanzer?
Die Pflanzer-Ideologie stellte den Plantagenbesitzer als wohlwollenden Patriarchen in den Mittelpunkt. Und sich selbst nahmen die Pflanzer nicht als Rassisten oder skrupellosen Autokraten wahr. Stattdessen sahen sie sich als Oberhaupt einer Familie, zu deren erweiterten Kreis auch die Sklaven gehörten. Und wie jedes patriarchale System basierte auch die Plantagenhaltergesellschaft auf absoluten Gehorsam. Die Sklaven mussten den Plantagenbesitzer als absoluten Herrn und Meister anerkennen und meist als Master ansprechen.
Da der ganze Sklavenapparat abhängig vom Plantagenbesitzer war, entstand eine Ideologie – der Rollenumkehrung. Viele Plantagenbesitzer sahen sich in einer Art Opferrolle, wonach sie die ganze Verantwortung für alle dort lebenden Menschen allein tragen müssen. Für sich selbst handelten sie immer im Wohle der Familie, mussten die Verantwortung übernehmen und die erweiterte Familie schützen.
Wenn Sklaven bestraft wurden, weil sie bspw. geflüchtet waren – stellten die Plantagenbesitzer immer heraus, dass die Strafe zum Wohle der erweiterten Familie erfolgen würde. So entstand ein Glaubenssystem, in welchem sie sich selbst als wohlwollenden Vater legitimierten, auf dessen Schultern die ganze Verantwortung lasten würde.
Viele Sklaven erhielten zu Weihnachten oder anderen Gegebenheiten kleine Geschenke. Auch damit demonstrierte der Patriarch sein Wohlwollen gegenüber der erweiterten Familie. Bei all diesem Vorgehen beklagten sich viele Plantagenbesitzer über das Gewicht ihrer Verantwortung und die schwere Aufgabe, alle Schützlinge beschützen zu müssen.
Jene Ideologie entwickelte sich für 200 Jahre immer weiter fort und verfestigte sich. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte diese Ideologie ihren Höhepunkt erreicht. In der Zeit danach bekam diese Ideologie immer mehr innere Risse.
Welche innerlichen Risse bekam die Pflanzer-Ideologie?
Die Plantagenideologie – also die gedankliche Rechtfertigung von Sklaverei durch Plantagenbesitzer – wirkt nach außen selbstsicher. Doch tatsächlich hatten viele Plantagenbesitzer innerliche Konflikte und sogar Angst. Denn ihnen war immer klar, dass die Sklaven in der Mehrheit waren und falls diese sich verbünden würden, ihnen jederzeit nach dem Leben trachten könnten. Demnach musste der Plantagenbesitzer ein System der Balance zwischen Angst, Kontrolle und Zuneigung unterhalten. Er musste stets gewiss sein, dass ein Großteil seiner Sklaven bei einer Revolte ihn beschützen würden.
Spätestens seit der Haitianischen Revolution (1791–1804) lebten einige Plantagenbesitzer in ständiger Angst vor Vergeltung, Vergiftung oder nächtlichen Überfällen. Während der Revolution auf Haiti wurden zahlreiche Plantagen in Brand gesteckt. Wie viele Plantagenbesitzer während der Haitianischen Revolution starben, ist unbekannt. Doch Historiker gehen davon aus, dass in den ersten Wochen der Revolution ein großer Teil der weißen Pflanzerklasse (die „Grands Blancs“) getötet wurde oder floh.
Gleichzeitig sahen die Pflanzer sich als väterlicher Beschützer der Sklaven, als christlicher Herr und Zivilisierer der Wilden. Um dies zu untermauern, drohten sie aber mit Gewalt, rissen Familien auseinander und hielten die Menschen in absoluter Abhängigkeit. Solch ein Verhalten ist weder zivilisiert noch christlich.
Stattdessen verhinderten Plantagenbesitzer den Zivilisationsanspruch ihrer Sklaven, indem sie ihnen Bildung verweigerten und ganze Familien trennten. Und der Anspruch, moralisch überlegen zu sein, kollidierte ständig mit der Realität der eigenen Brutalität.
Die Ideologie der Plantagenbesitzer basierte darauf, dass Sklaven unter ihrer Führung glücklich seien und dass der Anspruch eines Sklaven wäre, zu dienen. Diese scheinbare Harmonie wurde immer wieder gestört, indem Sklaven flüchteten, Sabotageakte vollzogen oder Widerstand leisteten. Demnach war dem Plantagenbesitzer immer klar, dass das System ohne Zwang und Kontrolle zusammenbrechen würde. Die Harmonie, welche immer wieder betont wurde, war reines Schauspiel – an welches man aber glauben musste.
Welche äußerlichen Risse bekam die Plantagenideologie?
Als Amerika entdeckt wurde (1492), existierten in Europa bereits Gedanken zum Humanismus und zur Renaissance. Der Humanismus stellt den Mensch in den Mittelpunkt, knüpft aber an den Monotheismus an, indem der Mensch als höchstes Geschöpf auf Erden akzeptiert und verehrt werden soll. Der Mensch wird also gottähnlich. Die Renaissance brachte diese Ideologie auf die Leinwand, auf die Skulptur oder aufs Fresko. Demnach war die Renaissance eine Kulturepoche, in welcher das humanistische Ideal künstlerisch verarbeitet wurde.
Der Renaissance-Humanismus konnte allerdings sehr gut mit der Plantagenwirtschaft und Sklaverei koexistieren. Denn nicht der Mensch als Körperhülle sollte im Humanismus verehrt werden, sondern die menschliche Natur. Und diese bestand aus Kultur, Bildung und Streben.
Den Afrikanern hat man genau diese Aspekte abgesprochen, weshalb man sie zivilisieren sollte – um dadurch ihre menschliche Natur zu retten. Die Plantagenideologie knüpfte genau dort an. Denn indem man den Afrikaner versklavt, ihn in eine zivilisierte Welt bringt und das Christentum beibringt – würde man seine Seele (menschliche Natur) retten. Der Körper und Geist eines Christen waren egal. Wichtig war die Seele, weshalb man die Brutalität der Umerziehung und Ausbeutung humanistisch erklären konnte.
Aufklärung
Diese Erklärung wurde brüchig ab 1700. Denn die Aufklärung setzte zwar am Humanismus an, entwickelte diesen aber um entscheidende Aspekte weiter. Fortan war der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen, dessen menschliche Natur eben diese Vernunft sein sollte. Und Vernunft ist etwas Universelles, was in jedem Menschen wohnt. Sie ist somit nicht an einen sozialen Stand, an eine Herkunft, Hautfarbe oder Religion gebunden.
Es entstanden neue Ideale, welche einzig der Vernunft folgten. Diese waren Freiheit, Menschenrechte und auch Gleichheit. Plötzlich mussten Plantagenbesitzer der Welt erklären, warum alle Menschen als freie Wesen geboren werden – nur ihre Sklaven nicht.
Industrialisierung
Hinzu kam ein zweiter Umbruch. Und zwar die industrielle Revolution. Fortan brauchte man Menschen, welche Maschinen bedienen und dazu lernen konnten. Bildung war wichtig, ein Ideal der Aufklärung. Doch die Sklaverei hat Bildung immer blockiert. Da nun aber industrielle Fertigung weitaus kostengünstiger war – als Sklaven zu ernähren, kam die Plantagenideologie auch an wirtschaftliche Grenzen.
Gab es Widerstand gegen Pflanzer und Plantagenwirtschaft?
Die Vorstellung, dass Sklaven passive Menschen waren – welche alles über sich ergehen ließen – ist historisch falsch. Zu jedem Zeitpunkt der Kolonialgeschichte Amerikas gab es Widerstand. Die versklavten Menschen widersetzten sich überall, sei es im Alltag, auf Kulturebene oder militärisch.
Stiller Widerstand
Es wurde absichtlich langsam gearbeitet, Vieh freigelassen, Ernten zerstört, Feuer gelegt oder Maschinen wurden sabotiert. Weiterhin wurden Werkzeuge beschädigt, Krankheiten vorgetäuscht und Fluchtversuche geplant.
Diese Formen werden als „stille Widerstand“ zusammengefasst. Sie zeigen, dass das System der Plantagensklaverei – wie es in Filmen gezeigt wird – niemals stabil war. Stattdessen war es immer instabil und fragil gewesen. Um dem entgegenzuwirken, mussten Plantagenbesitzer eine Balance zwischen Androhung, Gewalt und Zusprache finden.
Flucht
Flucht war die häufigste Form des stillen Widerstandes. Die Menschen flohen in die Sümpfe, Wälder oder andere schwer zugängliche Gebiete. Daraus entstanden die sogenannten Marronage-Gemeinschaften, in denen ehemalige Sklaven zusammenlebten. Palmares in Brasilien war so ein Fluchtkönigreich, welches jahrzehntelang existierte.
Militärischer Widerstand
Aber es gab auch Revolten und Aufstände, welche dann brutal niedergeschlagen wurden. Während der Plantagenzeit sind hunderte solcher Aufstände dokumentiert. Die berühmtesten sind:
- Haiti (1791–1804)
- Stono-Aufstand (1739, South Carolina)
- Baptistenkrieg (1831, Jamaika)
- diverse Aufstände in Barbados, Guadeloupe, Martinique, Kuba und Brasilien
Die Plantagenbesitzer erfuhren von den Aufständen, hatten selbst Angst vor Revolten und erhöhten das Sicherheitspersonal. Dadurch stiegen die Sicherheitskosten auf der Plantage, wodurch Gelder gebunden wurden und der finanzielle Spielraum weiter eingeschränkt wurde.
Kultureller Widerstand
Als Akt der Selbstbehauptung praktizierten viele Sklaven ihre Kultur offen. Sie sprachen ihre Heimatsprache, lebten ihre Kultur und Religion aus und entwickelten geheime Zeremonien. In geheimen Schulen unterrichteten sie sich gegenseitig, lernten Lesen und Schreiben. Bildung war ein offener Angriff auf die Plantagenideologie.
Äußerer Widerstand
Neben dem inneren Widerstand der Sklaven kam Widerstand von außen. Die Abolitionisten in Großbritannien unterstützten die Sklavenbefreiung, genauso wie die Quäker. In Amerika gab es Freie Schwarze (ehemalige Sklaven), welche ihr Leben der Sklavenbefreiung widmeten genauso wie die Indigenen Völker, welche Farmen angriffen und Sklaven befreiten, um diese für ihre Sache zu gewinnen.
Wann und warum brach die Plantagenökonomie zusammen?
Das System der Plantagenökonomie brach nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen. Stattdessen gab es immer mehr Risse in der Plantagenideologie (siehe oben), welche das System von innen und außen aushöhlten.
Allein die wirtschaftlichen Kosten wurden extrem hoch. Denn Sicherheitspersonal musste bezahlt werden, um den Gewaltapparat aufrecht halten zu können. In Europa wurde die industrielle Revolution mit Maschinen vorangetrieben, welche weitaus kostengünstiger als Sklavenarbeit war. Der andauernde Anbau von Monokulturen sorgte zudem für eine Bodenerschöpfung, wodurch der Ertrag einbrach.
Die Zuckerpreise in Indien und Europa zwangen die Plantagenbesitzer zu noch günstigeren Kosten zu produzieren, was sie nicht konnten. Letztlich brach das System wirtschaftlich zusammen und wurde nur noch künstlich am Leben erhalten.
Gleichzeitig wurde der politische Druck auf die Plantagenbesitzer immer größer. Denn Großbritannien schaffte 1833 die Sklaverei ab und verbot den Sklavenhandel bereits 1807. Demnach konnten keine englischen Sklavenschiffe mehr an den Küsten von Amerika landen.
Frankreich schaffte den Sklavenhandel 1848 ab, wodurch sich der Druck auf die Plantagenwirtschaft in den USA nochmals erhöhte. Und schließlich war es soweit, dass auch die USA die Sklaverei abschaffen wollten, da dieses System sie langfristig wirtschaftlich ruiniert und politisch isoliert hätte.
Hinzu kam, dass die Nordstaaten in den USA bereits auf Industrie setzten und die Südstaaten immer noch ihr Glück in der Landwirtschaft suchten. Arbeiter in der Industrie mussten aber gebildet sein, was die Sklaverei unterband.
Deshalb entschieden sich die Nordstaaten dazu, die Sklaverei in den gesamten USA zu verbieten. Dies löste den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) aus, an dessen Ende die Nordstaaten siegten. Daraufhin wurde der 13. Verfassungszusatz, am 31. Januar 1865 vom Kongress verabschiedet, wodurch die Sklaverei auf dem gesamten Bundesgebiet verboten wurde. Damit war nicht nur die Sklaverei in Nordamerika abgeschafft wurden, sondern auch die Plantagenökonomie.