Olympische Götter
Die Olympischen Götter (Olympier) waren eine Gruppe von zwölf griechischen Göttern, deren Wohnsitz der Olymp war. Im griechischen Götterbild hatten diese Gottheiten eine herausragende Stellung und wurden deshalb auch als Hauptgötter verehrt. Laut griechischer Mythologie waren die Olympier das dritte Göttergeschlecht, nach den Urgöttern und Titanen.
Jene zwölf Gottheiten auf dem Olymp waren Ares, Athene, Aphrodite, Apollon, Artemis, Demeter, Hephaistos, Hera, Hestia, Hermes, Poseidon und Zeus. Aufgrund ihrer Gruppenzahl wurden diese Gottheiten auch als Zwölfgötter bezeichnet. Im römischen Götterbild waren deren römische Pendants als Gruppe der Dei consentes bekannt.
Steckbrief
| Bedeutung: | Hauptgötter im griechischen Pantheon und der griechischen Mythologie |
| Anzahl: | zwölf Götter |
| Namen: | Göttervater Zeus, Kriegsgott Ares, Weisheitsgöttin Athene, Liebesgöttin Aphrodite, Lichtgott Apollon, Jagdgöttin Artemis, Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, Schmiedegott Hephaistos, Göttermutter Hera, Herdgöttin Hestia, Götterbote Hermes, Meeresgott Poseidon |
| Zeus | Jupiter |
| Hera | Juno |
| Athene | Minerva |
| Hestia | Vesta |
| Demeter | Ceres |
| Artemis | Diana |
| Aphrodite | Venus |
| Ares | Mars |
| Hermes | Mercurius |
| Poseidon | Neptun |
| Hephaistos | Vulcanus |
| Apollon | Apollo |
| Zeus | Amun |
| Apollon | Horus |
| Hermes | Thot |
| Aphrodite | Isis |
Wer waren die Olympier?
Die Olympier residierten auf dem Olymp, dem höchsten Gebirge Griechenlands. Im griechischen Götterbild wurden diese als Hauptgötter identifiziert. Die Gruppe hat sechs männliche Mitglieder. Diese sind der Kriegsgott Ares, der Lichtgott Apollon, der Schmiedegott Hephaistos, der Götterboten Hermes, der Meeresgott Poseidon und der Himmelsgott Zeus.
Die sechs anderen Mitglieder der zwölf sind allesamt weiblich. Diese waren die Schutzgöttin Athene, die Liebesgöttin Aphrodite, die Jagdgöttin Artemis, die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, die Familiengöttin Hera und die Herdgöttin Hestia.
Neben den Olympiern kannte das griechische Pantheon diverse andere Gottheiten, Halbgötter und gottähnliche Wesen, die aber nicht auf dem Olymp residierten. Lediglich der Heron Herakles und der Weingott Dionysos, welche beide einen sterbliche Elternteil hatten, wurden als Halbgötter im Olymp aufgenommen.
Ob die zwölf Monate eines Jahres eine Herleitung dieser Götter sind, wurde von Platon angenommen. Allerdings betrachtete er Hades bzw. dessen römischen Pendant Pluto als zwölften Gott dieser Reihe. Laut ihm sollte der letzte Monat den Geistern und Toten gewidmet sein.
Der römische Dichter Ennius fasste im 3. Jahrhundert v. Chr. die römischen Pendants der Zwölfgötter als Dii Consentes zusammen. Diese Gruppe bestand ebenfalls aus zwölf Götter. Auch die römische Zwölfergruppe bestand aus sechs weiblichen und sechs männlichen Göttern.
Was war vor den Olympischen Göttern?
Das Standardmodell zum griechischen Schöpfungsmythos stammt von Hesiod aus dem 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr.. Laut Hesiods Theogonie soll die Welt aus einem Urzustand erschaffen worden sein. Dieser Urzustand wird bei Hesiod als Chaos personifiziert.
Aus dem Chaos entstanden fünf Urgötter. Zuerst wurde Gaia, die personifizierte Erde, aus dem Chaos geboren. Danach wurden ihre Brüder Eros (Liebe), Erebus (Dunkelheit), Tartarus (Unterwelt) und ihre Schwester Nyx (Nacht) geboren.
Die Erdgöttin Gaia gebar schließlich drei Söhne. Diese waren Uranos (Himmel), Pontos (Meer) und Ourea (Gebirge). Zwischen Gaia und ihrem Sohn Uranos kam es zum sexuellen Akt. Daraus gingen die Kyklopen, die Hekatoncheiren und die Titanen hervor.
Vater Uranos soll seine Kinder gehasst haben, weshalb er sie immer wieder in den Schoß der Erde (Gaia) zurückschob. Einer der Titanen war Kronos. Dieser erhob sich gegen den Vater und entmachtete ihn. Danach begann die Herrschaft der Titanen, unter Führung von Kronos, über die Welt. Hesiod spricht vom Beginn des Goldenen Zeitalters.
Wie entstanden die Olympischen Götter?
Die Schwestergattin des Kronos war Rhea. Das Titanenpaar zeugte dann die erste Generation der Olympier. (Zeus, Poseidon, Hades, Hestia, Demeter und Hera). Da diese direkt von Kronos abstammten, werden sie als Kroniden bezeichnet.
Fast alle späteren Hauptgötter wurden Zeus gezeugt, weshalb er auch als Göttervater bezeichnet wird. So entstanden Hephaistos und Ares aus der ehelichen Beziehung zwischen Zeus und seiner Schwestergattin Hera. Die Zwillingsgötter Artemis und Apollon entstanden aus einer Affäre des Zeus mit der Titaniden Leto.
Eine weitere Affäre hatte Zeus mit Metis, welche er nach dem Beischlaf verschlang. Doch die bereits schwangere Metis lebte im Verstand des Zeus weiter und gebar eine Tochter, namens Athena. Als diese erwachsen war, wurde sie aus Zeus Stirn geboren.
Mit der Maia zeugte Zeus den Hermes. Nur Aphrodite stammte nicht vom Göttervater ab. Diese soll aus dem abgetrennten Geschlechtsteil des Kronos entstanden sein, welches nach seiner Entmachtung ins Meer geworfen wurde. Laut den griechischen Mythen soll Aphrodite zuerst in Zypern an Land gegangen sein, weshalb sie dort als Aphrodite Cypris verehrt wird.
Wie kamen die Olympischen Götter an die Macht?
Die ersten Olympier waren Kinder von Kronos und Rhea. Doch Kronos glaubte, dass ihn sein Nachwuchs stürzen könne und deshalb verschlang er diese direkt nach der Geburt. Nur Zeus konnte entkommen und wurde in der Höhle von Psychro auf Kreta versteckt.
Durch Ziegenmilch, welche ihm die Nymphe Amaltheia verabreichte, wurde Zeus ernährt. Die Kureten, ein schlagkräftiger Trupp von Dämonen, beschützte ihn.
Als Zeus erwachsen war, ging er eine Liebesbeziehung mit Metis ein. Diese fertigte ihm einen Zaubertrank an, welchen er Kronos verabreichte. Nach Einnahme des Tranks würgte Kronos seine verschlungenen Kinder wieder heraus. Nun begann der Kampf der Götter gegen die Titanen.
Jener Titanenkrieg dauerte zehn Jahre. Am Ende konnten die Olympier den Krieg für sich entscheiden, da Zeus die Hekatoncheiren und Kyklopen befreite, welche Kronos in den Tartarus gefangen hielt. Diese gaben ihm Donner und Blitz für den Kampf.
Nach der Titanomachie wurden die Titanen in den Tartarus verbannt. Solche Verbannung war nötig, da auch die Titanen unsterbliche Götter waren. Die Olympier teilten sich die Welt auf. So bekam Zeus die Herrschaft über den Himmel, Poseidon über das Meer und Hades über das Totenreich.
Wieso zogen die Götter auf den Olymp?
Der Sitz der Titanen war die Othrys, ein Gebirgszug südlich von Thessalien. Während des Titanenkrieg operierten die Titanen von diesem Gebirge in den Süden, wo sich die Kroniden (Nachfahren des Kronos) auf dem höchsten Punkt verschanzten. So wird es in der Theogonie von Hesiod beschrieben.
Ein zweiter bedeutender Dichter der griechischen Mythenwelt war Homer. Dieser lebte im 8. Jahrhundert v. Chr. und wird allgemein vor Hesiod verordnet. Von ihm stammen zwei bedeutende Epen zur griechischen Sagenwelt, die Ilias und die Odyssee.
In der Odyssee erwähnt Homer den Sitz der Götter als Oulumpos. Damit meinte er weder einen Berg noch eine Bergspitze. In der Ilias erwähnt Homer den Begriff ouranos als Himmel. In späterer Erzähltradition ergab sich daraus der Göttersitz als „himmlische Schwelle“.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. identifizierte Herodot den Olymp als höchsten Berg von Thessalien. Demnach musste diese himmlische Schwelle an diesem höchsten Punkt Thessaliens liegen. So entstand der Mythos, dass dieser Berg der Sitz der Götter sein musste.
Woher kam das Götterbild mit zwölf Göttern?
Wahrscheinlich haben die Griechen das Zwölfergötterbild von den Hethitern aus Lykien übernommen. Denn in Keilschrifttexten werden zwölf hethitische Gottheiten erwähnt. Aber anders als bei den Griechen waren die Götter der Hethiter allesamt männlich. Ihnen wurden auch keine Persönlichkeitsmerkmale zugeschrieben.
Herodot erwähnte auch eine Gruppe von Zwölf Göttern im Alten Ägypten. Allerdings kann dies durch keine archäologische Quelle bestätigt werden. Laut Herodots zweiten Buch (Euterpe) hatten die alten Ägypter auch die Namen der Zwölf Götter zuerst erschaffen. Die Pelasger, die älteste Volksgruppe Griechenlands, soll diesen Kult übernommen und dann in Attika verbreitet haben.
Die ägyptischen Götter der ersten Generation waren allerdings Tiere. So gab es bspw. den Himmelsgott Horus in Falkengestalt und den Totengott Anubis, welcher als Schakal dargestellt wurde.
Aber auch hier gibt es Parallelen zur Mythologie der Griechen. Denn laut Hesiod sollen Gaia und Tartarus, den Drachen Typhon erschaffen haben, nachdem die Olympier die Titanen in den Tartarus sperrten. Und Typhon soll die Olympier kurzzeitig nach Ägypten vertrieben haben, wo sie sich in Tiergestalt vor dem Drachen verbargen.
Wie repräsentierten die Olympier die griechische Gesellschaft und Staat?
Der Ursprung einer Tradition von zwölf Olympiern lässt sich in Athen bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen. Ein Vorbild aus mykenischen Zeiten lässt sich archäologisch nicht beweisen und wird von Historikern auch nicht vermutet. Wohlmöglich entstand im 6. Jahrhundert v. Chr. in Athen ein System von neun Archonten (hohe Beamte), welche in drei Zuständigkeitsbereiche unterteilt waren.
Der Archon eponymos war oberster Beamter, welcher für die Staatsführung zuständig war. Die zweite Beamtenschaft war der Archon polemarchos, welcher fürs Militär zuständig war. Und der Archon basileus leitete die Priesterschaft.
Jene Dreiteilung lässt sich auch bei den Olympiern erkennen. So waren Zeus, Poseidon und Hades (kein Olympier) jeweils die Götter – denen die Herrschaft über Himmel und Erde, Meere und Unterwelt zugesprochen wurde. Im griechischen Pantheon werden diese als weise herrschende Götter bezeichnet, was dem Amt des Archon eponymos gleichkommt.
In diese Gruppe gesellt sich auch Apollon ein, welcher zwar nicht über irdische Dinge herrschte, aber über die Künste und die Kultur.
Hephaistos, Athene und Ares waren die Götter mit kriegerischer Natur. Sie können ein Spiegelbild des Archon polemarchos gewesen sein. Und Aphrodite, Demeter, Artemis, Hera und Hestia dienten der Familie, der Liebe, der Natur und der Fruchtbarkeit. Diese repräsentierten sämtliche Aspekte der griechischen Zivilgesellschaft. Eine ähnliche Stellung kam Archon basileus zu.
Demnach kann die Einteilung der Olympier in drei Kategorien als ein Spiegelbild der griechischen Gesellschaft und des athenischen Staates zu archaischen Zeiten verstanden werden.
Gab es auch andere Zwölfergruppen im griechischen Pantheon?
Die erste Göttergeneration der Griechen umfasste ebenfalls zwölf Götter. Die weiblichen Urgötter waren Gaia (Erdgöttin), Nyx (Nachtgöttin) und Hemera (Taggöttin). Letztere entstand durch eine Beziehung zwischen Nyx und ihrem Bruder Erebus (Dunkelheit).
Die männlichen Urgötter der Griechen waren Erebus, Eros (Sexualität), Tartarus (Unterwelt), Uranos (Himmel), Pontus (Meer), Ourea (Gebirge) und Aither. Letzterer war die Personifizierung des Lichts und des oberen Himmels. Er entstand aus der Beziehung zwischen Erebus und Nyx. Somit war er der Bruder von Hemera (Tag).
Anders als bei den Olympiern gab es bei den Urgöttern drei weibliche und sieben männliche. Nur das Chaos, als Urzustand, hatte keine geschlechtsspezifische Identifikation.
Die zweite Göttergeneration der Griechen waren die Titanen. Und die erste Titanen-Generation waren allesamt Kinder von Gaia und Uranos. Insgesamt gab es wieder zwölf Titanen, nun aber erstmals sechs weibliche und sechs männliche. Jene Aufteilung hielt man bei den Olympiern bei – welche ebenfalls sechs männliche und sechs weibliche Mitglieder hatten.
Wie äußerte sich der Olympierkult?
In der Antike gab es in Athen den Altar der Zwölf Götter. Laut Thukydides soll dieses Heiligtum um 522 v. Chr. auf der Agora von Athen errichtet worden sein. Der Altar wurde zum zentralen Punkt der ganzen Stadt. Sämtliche Entfernungen wurden von dort aus gemessen oder berechnet.
Im antiken Stadt Olympia soll der Gott Hermes zwei Opferkühe in zwölf Teile geschnitten haben, bevor er diese am Ufer des Alfios opferte. Laut dem griechischen Mythographen Herodoros von Herakleia soll Herakles einen Schrein in Olympia für die sechs Götterpaare gegründet haben.
Neben dem Ort Olympia wurden auch die Olympischen Spiele nach den Göttern benannt. Siegerlisten dieser Wettkämpfe reichen bis ins Jahr 776 v. Chr. zurück. Doch vermutlich fanden Vorläufer dieser Spiele schon im 2. Jahrtausend v. Chr. zwischen den griechischen Stämmen statt.
Die Zeit zwischen den Spielen wird als Olympiade bezeichnet. Während den Spielen herrschte Frieden zwischen den griechischen Stämmen. Angeblich soll der Olympische Frieden (Ekechaira) erstmals 884 v. Chr. geschlossen worden sein, um den sicheren Ablauf der Spiele zu gewährleisten.
Wie unterschieden sich die Olympier von ägyptischen Göttern?
Der griechische Götterkanon umfasste die zwölf Olympischen Götter als Hauptgötter, von denen zahlreiche Nebengötter abstammten.
Ägypten kannte die Neunheit von On des Schöpfergottes Atum mit seinen Kindern Schu und Tefnut, deren Kindern Geb und Nu sowie deren Kindern Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Daneben gibt es aber auch die Achtheit von Hermopolis aus den vier Paaren Nun und Naunet, Hah und Hehet, Kuk und Keket, Amun und Amaunet.
Eine weitere Gruppe der ägyptischen Gottheiten bildeten verschiedene Triaden, Dreiergruppen aus Vater, Mutter und Kind. So zum Beispiel bei Isis, Osiris und Horus oder Ptha, Sachmet und Nefertem.
Welche ägyptische Götter wurden mit den Olympiern gleichgesetzt?
Antike Autoren aus Griechenland gewöhnten sich an, nichtgriechische Götter den griechischen gleichzusetzen. Dabei wurden die ägyptische Namen durch griechische ersetzt. Man nennt dieses Phänomen „Interpretatio Graeca“ (lateinisch für griechische Übersetzung).
Bei Herodot finden sich zahlreiche Beispiele solcher Gleichsetzung. Dieser bezeichnete fast alle ägyptischen Gottheiten mit ihren griechischen Namen. So wurde Amun mit Zeus gleichgesetzt. Beide gelten als Göttervater und als Universelle Gottheit.
Der ägyptische Osiris wird mit dem griechischen Dionysos gleichgesetzt. Osiris war im ägyptischen Götterbild der Richter der Unterwelt, Gott des Jenseits und Wiedergeburt. Und Dionysos war Gott des Weines, der Ekstase und des Wahnsinns. Aber beide hatte eine gemeinsame mythologische Erzählung. Denn Osiris und Dionysos wurden beide zerstückelt und lebten dennoch weiter.
Das Schicksal von Osiris und Dionysos wiederholt sich im ewigen Sterben und Werden der Natur. Gefeiert wurde dies beim Wein, beim ausschweifenden Tanz und in der Ekstase. Der Apis-Stier ist die Verkörperung von Osiris und entspricht dem stierköpfigen Dionysos im griechischen Pantheon.
Horus war bei den alten Ägyptern ein Falkengott, welcher als Gott des Himmels und des Horizonts verehrt wurde. Sein griechisches Pendant ist Apollon, welcher als Lichtgott identifiziert wurde. Denn die Griechen glaubten, dass das Licht und der Göttersitz durch den Urgott Aither personifiziert wurde. Im archaischen Griechenland herrschte die Vorstellung, dass die Seele der Toten in den Aither (Himmel) aufsteigt, während der Körper in den Erdboden (Gaia) versinkt.
Thot war der ägyptische Gott der Wissenschaft, der Weisheit und des Schreibens. Die Griechen sahen in ihm die Identifikation von Hermes. Während des Hellenismus verschmolzen beide Gottheiten zu Hermes Trismegistos.
Zwar galt Hermes als Götterbote, war aber auch Schutzgott der Reisenden und des Verkehrs. Er führte die Seelen der Verstorbenen in den Hades. Der ägyptische Schreibergott Thot war der Protokollant des Totengerichts. Er notierte, ob die Verstorbenen würdig sind, ins Totenreich aufgenommen zu werden, oder ins Reich der Wiederkehr einziehen müsse.
Die griechische Aphrodite und die ägyptische Isis wurden ebenfalls gleichgesetzt. Zwar stand Aphrodite für Schönheit und Liebe, während Isis für Geburt und Wiedergeburt stand. Doch während der griechisch-römischen Epoche Ägyptens verschmolzen beide Göttinnen.
Das klarere ägyptische Pendant zur Liebesgöttin Aphrodite war die ägyptische Hathor. Im ägyptischen Götterbild entsprach sie der Liebes- und Schönheitsgöttin.
Anhor, der Kriegsgott der alten Ägypter, entsprach dem griechischen Ares. Bastet war die Fruchtbarkeitsgöttin in Ägypten, wie Demeter in Griechenland. Neith war die Schutzgöttin der Königsmacht in Ägypten, wie Athene die Schutzgöttin der griechischen Polis wurde.
Wie übernahmen die Römer die olympischen Götter?
Am Ende der Römischen Bürgerkriege wurde das Römische Kaiserreich gegründet. Die Zeit vor der Reichsgründung wird als Römische Republik bezeichnet. In den Zeiten der Römischen Republik errichteten die Römer ein Weltreich, unterwarfen die griechischen Diadochenreiche, hatten aber Probleme mit der Reichseinigung.
Im griechischen Götterbild mit der Dreiteilung (Staatsführung, Militär, Ziviles) erkannten die Römer eine Möglichkeit, das Römische Reich sakral zu einigen und zu verwalten. So wurden die griechischen Götter übernommen und mit den römischen verschmelzt. Zudem existierte der griechische Götterkult bereits in sämtlichen Diadochenreichen – einschließlich dem Ptolemäerreich in Ägypten.
Das römische Götterbild mit zwölf Hauptgöttern hatten sie bereits von den Etruskern übernommen. Mit dem Götterbild der Griechen übernahmen die Römer auch einen Entwurf eines Weltbildes, eines Staatsbildes und machten dies zur Grundlage ihres Verwaltungsapparates. Dieser musste nur noch auf römische Gepflogenheiten angepasst werden.
Möglich war dies, da polytheistische Religionen keinen Anspruch darauf erheben, den einzig wahren Gott zu haben. So etwas beanspruchten erst monotheistische Religionen, wie das Christentum oder der Islam. Deren Gott galt als absolut und duldete keine Mehrgöttlichkeit. Im Polytheismus können fremde Götter eingespeist werden und das bestehende Götterbild erweitern.
Die Aufnahme fremder Götter ins eigene Pantheon erfolgte ab dem Zeitpunkt, als die Römer begannen, die benachbarten Gebiete zu erobern. Üblicherweise verliehen die Römer den fremden Göttern die gleichen Ehren wie ihren Göttern.
Ein besonderes Ritual der Römer war das evocatio, bei dem eine fremde Gottheit herbeigerufen bzw. herbeibeschwört wurde. Diese Rituale zielten darauf ab, eine fremde Schutzgottheit einer belagerten Stadt abzuwerben und in einen eigens dafür gebauten Tempel einziehen zu lassen.
Als Sieger aus den Bürgerkriegen ging Octavian hervor, welcher sich mit Titel Augustus erhöhte und sich zum Princeps erklärte. Durch die Maßnahmen entstand im Römischen Reich ab 27 v. Chr. eine Friedenszeit, welche als Pax Romana bezeichnet wird.
Welche römischen Götter wurden von den Olympier übernommen?
In beiden Mythologien gab es bei den Göttern die gleichen Entsprechungen mit gleichen Zuständigkeitsbereichen.
Die Mythenerzählungen beider Welten wurden in den Kanon der Klassischen Mythologie aufgenommen. So war der Göttervater Zeus mit dem römischen Jupiter gleichzusetzen.
Die Familiengöttin Hera entsprach der römischen Juno. Athene, die Weisheitsgöttin, entsprach der römischen Minerva. Diese wurde zur Schutzgöttin der Dichter und Lehrer.
Das Pendant der griechischen Hestia war die Vesta, ebenfalls eine keusche Hüterin des Feuers und des Herdes.
Die griechische Demeter war das Gegenstück zur römischen Ceres, welche ebenfalls als Göttin des Ackerbaus identifiziert wurde. Artemis und die römische Diana waren Jagdgöttinnen. Der griechische Ares als Kriegsgott entsprach dem römischen Mars.
Mercurius, als Schutzgott der Reisenden, entsprach dem griechischen Hermes. Der römische Neptun und der griechische Poseidon wurden zu identischen Meeresgöttern.
Hephaistos, der griechische Gott des Feuers und der Schmiede, wurde zum römischen Vulcanus. Und der griechische Apollon wurde zum römische Apollo.
Wie unterschieden sich die römischen Götter von den Olympiern?
Die römischen Götter sollten Staatsgötter eines Einheitsstaates repräsentieren. Die griechischen Götter waren Götter von Stadtstaaten, welche bei den alten Griechen über den gesamten Kulturraum verehrt wurden.
Das Prinzipat des Römischen Reiches sah vor, einen einheitlichen Götterkult zu etablieren, welcher sich über das ganze Reich erstrecken sollte. Bei den griechischen Stadtstaaten war der staatlich gelenkte Götterkult auf jeweils eine Polis beschränkt geblieben.
Bei den griechischen Götter wurden deshalb lokal unterschiedliche Facetten vereinnahmt. So war bspw. Aphrodite eine Liebesgöttin Athen, wo sie unter dem Namen Aphrodite Pandemos verehrt wurde. In Sparta war sie eine Kriegsgöttin und wurde als Aphrodite Areia verehrt. Die römischen Götter waren da konkreter. So war die Venus eine reine Liebes- und Schönheitsgöttin der Römer.
Während der Römischen Kaiserzeit wurde zudem der Götterkult zum Kaiserkult. Die römischen Kaiser hatten das Amt des Pontifex maximus (obersten Brückenbauer) inne. Somit waren sie nicht nur oberster politischer Führer, sondern auch oberster Priester. Beide Ämter verschmolzen miteinander, wodurch der Kaiser einen sakralen Anstrich erhielt.
Der römische Staatskult zielte darauf ab, den Anschein zu erwecken, dass die Kaiser, von den Göttern auserwählt sind bzw. von ihnen abstammen. Jener Kaiserkult wurde im Zuge des Prinzipats von Kaiser Augustus etabliert. Fortan waren der Kaiser und Götter miteinander verknüpft. Und dies hatte Auswirkungen auf die mythischen Erzählungen über die Götter, welche fortan viel tugendhafter dargestellt wurden als noch bei den Griechen.
Der Götterkult der Römer war staatlich vom Kaiser im Amt des Pontifex maximus gelenkt. Ab 19 v. Chr. übernahm Augustus die Sittenaufsicht (Cura morum) und konnte durch Amtsgewalt eine moralische Sittenpolitik aufsetzen. Die römischen Götter mussten diesem Sittenkodex entsprechen, weshalb die unmoralischen Mythen der griechischen Gottheiten abgelegt wurden (Ehebruch, Lüsternheit).
