Skip to main content

Prinzipat


Der oder das Prinzipat war die Herrschaftsform im Römischen Reich zwischen 27 v. Chr. und 284 n. Chr.. Jenes Herrschaftssystem war eine Alleinherrschaft, also eine Diktatur oder Monarchie. Eingeführt wurde das Herrschaftssystem durch Octavian. Dieser nahm 27 v. Chr. den Ehrentitel Augustus an, wodurch der Prinzipat staatsrechtlich legitimiert wurde. Mit Annahme dieser neuen Titelbezeichnung wurde eine Alleinherrschaft etabliert, ohne diese so nennen zu müssen. Die Bewahrung der Republik war für die Römer wichtig, da sie niemals einen Tyrannen zugelassen hätten. Deshalb gab sich der Kaiser auch als Princeps (Erster unter Gleichen) aus. Aus diesem Titel (Princeps) leitete die moderne Geschichtswissenschaft das Prinzipat als Herrschaftsform ab.

Steckbrief

Prinzipat
Bedeutung:Herrschaftssystem eines Princeps
Übersetzung:Princep (Erster) regiert als Monarch, bezeichnet sich aber nicht so.
Dauer:Von 27 v. Chr. bis 284 n. Chr.
Erster:Octavian (Kaiser Augustus) von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr.
Letzter:Diokletian (reg. 284-305)
Geschichtsepoche:Antike, Römische Kaiserzeit
Phasen:-Pax Romana (27 v. Chr. - 235 n. Chr.)
-Zeit der Soldatenkaiser (235-284)
Vorher:Römische Republik (509 v. Chr. – 27 v. Chr.)
Danach: Dominat als Legitimationsgrundlage und Römische Tetrachie als Ausdruck der Machtverteilung
Merkmale
Legitimation:-verdeckte Monarchie hinter republikanischer Fassade
-Kaiser gab sich als Princeps ("Erster Bürger") aus und nicht als Monarch
-republikanische Institutionen (Senat, Volksversammlungen) bleiben bestehen, wurden politisch entmachtet und legitimieren die Herrschaft des Princeps
Militär:-Kaiser besitzt oberste Befehlsgewalt über das Militär (imperium proconsulare maius)
-das Heer schwört Loyalität gegenüber dem Kaiser und nicht gegenüber dem Senat (Staat)
Vollmachten:-Kaiser besitzt Sondervollmachten (tribunicia potestas und censoria potestas)
Nachfolge:-Kaiserwürde war de iure nicht erblich.
-Adoption, Akklamation und Fähigkeiten bestimmten die Nachfolge
Ideologie:-Ideologie des "guten Priceps"
-Kaiser inszeniert sich als Wohltäter, als Beschützer der Republik, als Friedensbringer, als Garant für Sicherheit und Ordnung
-Verknüpfung des Kaisers mit Kulten und Religion, um sakrale Legitimation herzustellen

Was ist ein Prinzipat?

Der Prinzipat war eine Regierungsform mit einem Kaiser an der Spitze. Doch die Herrscher bezeichneten sich nicht als Könige, Kaiser oder Monarchen. Stattdessen war der offizielle Titel: Princeps. Und dies bedeutet: Gleicher unter Gleichen. Demnach war der Prinzipat eine Herrschaftsform mit einem Monarchen an der Spitze, welcher allerdings republikanisch verkleidet daherkam. Somit konnten sich die Monarchen als Bewahrer der Republik auszeichnen, obwohl sie Diktatoren waren.

Wer begründete den Prinzipat?

Begründet wurde der Prinzipat von Octavian, welcher den Ehrentitel Augustus verliehen bekommen hat. Er gewann die Römischen Bürgerkriege und war ab 30 v. Chr. der alleinige Machtfaktor in Rom. Seine politischen Gegner waren entweder tot oder politisch bedeutungslos.

Aber Octavian konnte sich nicht zum Monarchen bzw. Diktatoren machen, da die Römer einen Alleinherrscher hassten. Die ganze Römische Republik basierte darauf, Alleinherrschaft zu verhindern. Und so erfand Octavian den Titel des Augustus, um sich zum Monarchen zu machen, ohne sich so zu nennen.

Welche Macht hatte der Kaiser im Prinzipat?

Octavian kombinierte sämtliche politische Ämter (zb. tribunicia potestas, imperium proconsulare maius) in seiner Funktion. Deshalb wird er in der historischen Rückschau auch als erster römische Kaiser gesehen. Aber er nannte sich nicht Kaiser, sondern Princeps (Erster) – woraus das Herrschaftssystem des Prinzipat abgeleitet wurde.

Zwar existierte der römische Senat auch während der Kaiserzeit, jedoch nur als Marionette des Kaisers. Diese Institution war eine Fassade, wodurch das Kaiserreich republikanisch aussah. Der Kaiser bestimmte über Gesetze und Erlasse, welche der Senat dann beschließen sollte. Demnach bekamen die kaiserlichen Anordnungen eine republikanische Legitimation.

Imperium proconsulare maius

Formal unterstanden die römischen Provinzen dem römischen Senat. Aber die oberste Befehlsgewalt (Imperium proconsulare maius) über das Militär hatte der Kaiser. Demnach kontrollierte der Kaiser sämtliche Legionen im Reich, beeinflusste die innere Sicherheit und bestimmte die Außenpolitik.

Tribunicia potestas (Volkstribunengewalt)

Das Amt des Volkstribun wurde auf den Kaiser übertragen. Und dieses Amt war extrem mächtig. Denn der Amtsträger hatte ein Vetorecht bei der Ernennung der Magistrate. Er hatte das Recht, den Senat und die Volksversammlung einzubestellen. Außerdem genoss er ein Initiativrecht bei Gesetzen und besaß die Heilige Unantastbarkeit. All diese Privilegien vereint auf eine Person machten den Kaiser zum Regler und Bestimmer der Innenpolitik.

Welche Reformen führte Augustus im Prinzipat ein?

Als Augustus 30 v. Chr. als Sieger der Bürgerkriege hervorging, bestand eine Bürgerkriegsdiktatur. Die Römische Republik war faktisch abgeschafft. Aber er gab 27 v. Chr. dem Senat seine Sonderführungsrechte demonstrativ zurück, woraufhin der Senat demonstrativ diese Rechte an Augustus zurückgab. Dieses Schauspiel sollte demonstrieren, dass Augustus kein Diktator war und die Rettung der Republik (res publica restituta) anstrebte.

Tatsächlich behielt Augustus seine Privilegien und wurde zum Diktator. Doch durch das Schauspiel wurde die Diktatur zu einer legitimierten Alleinherrschaft, welche sich hinter republikanischen Strukturen versteckte. Der Senat war nur noch dazu da, um die Erlasse des Kaisers abzusegnen und zu demonstrieren, dass die Republik überlebt hatte.

Schaffung einer Alleinherrschaft

Der Kaiser hatte die oberste Befehlsgewalt über alle Legionen in den wichtigsten Provinzen des Reiches (Imperium proconsulare). Später kontrollierte der Kaiser alle Legionen des Reiches (Imperium proconsulare maius).

Außerdem hatte der Kaiser das Amt des Volkstribun (Tribunicia potestas) auf Lebenszeit, wodurch er seine Princeps-Funktion deutlicher untermauern konnte.

In der ganzen Zeit der Römische Republik stützte sich das Reich auf zwei Säulen staatlicher Autorität: den Senat und das Volk. Von beiden Säulen sollte alle staatliche Macht ausgehen. Das Motto Roms lautete deshalb: Senatus Populusque Romanus (kurz: S.P.Q.R.).

Da der Kaiser den Senat kontrollierte, hatte er bereits eine Säule. Mit dem Amt des Volkstribunen kontrollierte der Kaiser auch die Volksversammlungen und somit die Institutionen der Volksvertretung (zweite Säule).

Das Amt des Volkstribun stattete den Kaiser mit einem Vetorecht bei der Besetzung von Magistraten (Ämtern) aus. Er hatte das Recht, eine Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen. Demnach konnte er Gesetzesvorschläge einbringen.

Durch sein Vetorecht als Volkstribun hatte der Kaiser die Möglichkeit, unbequeme Gesetze zu verhindern. Somit konnte er zwar Gesetze nicht alleinig beschließen und durchsetzen, hatte aber die Möglichkeit zur Einbringung seiner Vorschläge und zur Verhinderung andere Gesetzesvorschläge.

Der Kaiser konnte jederzeit den Senat und die Volksversammlung einberufen. Außerdem genoss er sakrosanktem Schutz, wodurch er unantastbar – im Sinne der Götter – war. Er konnte außerdem eine Senatsliste vorlegen und dadurch die Zusammensetzung des Senats beeinflussen (Censoria potestas).

Militärische Reformen

Die Heere in den wichtigsten Provinzen des Reiches unterstanden dem Kaiser. Octavian eroberte 30 v. Chr. Ägypten, die Kornkammer des Mittelmeeres. Diese Provinz unterstand ihm direkt. Andere Feldherren hatten kein Recht sich dort anzusiedeln. Und so ähnlich, wie in Ägypten, machte der Kaiser andere Provinzen ebenfalls zu seinem Eigentum.

Dadurch verfügte der Kaiser über die Ressourcen der Provinzen. Er kontrollierte den Handel und häufte so einen privaten Reichtum an. Von seinem privaten Reichtum bezahlte der Kaiser das stehende Heer, eine Veteranenarmee mit fester Dienstzeit.

Die Soldaten waren, aufgrund ihrer Besoldung, gegenüber dem Kaiser zu Loyalität verpflichtet. Sie schworen demnach ihren Treueeid auf den Kaiser und nicht auf den römischen Staat.

Verwaltungs- und Finanzreformen

Kaiser Augustus nutzte sein enormes Vermögen zur Finanzierung von Heer, Bauprojekten und der Versorgung der Bevölkerung. Dadurch verschaffte er sich die Loyalität seiner Bürger. Sie sahen in ihm einen Garanten für Wohlstand, Sicherheit und Ordnung.

Die Verwaltung in den Provinzen wurde reformierte. So wurden lokale Eliten als Provinzverwalter etabliert, welche vom Wohlstand profitierten. Durch diese Maßnahmen wurde die Korruption bekämpft und gleichzeitig wurde die Steuereintreibung weitaus effizienter.

Gesellschaftliche Reformen

Durch den Kaiserkult um Augustus und spätere Kaiser wurde der Herrscher direkt mit römischen Tugenden verknüpft. Traditionelle Gebräuche (mos maiorum) wurden gefördert, um ein Gemeinschaftsgefühl in allen Provinzen des Römischen Reiches zu erzeugen.

Sogenannte Sittengesetze (leges Iuliae) förderten die Ehe, verboten Ehebruch und sollten die Geburtenrate erhöhen. Schon damals war Demographie ein Indikator für Wohlstand und eine florierende Wirtschaft.

Religiöse Reformen

Der Kaiser erhielt den Titel des obersten Brückenbauers (Pontifex maximus). Somit war Augustus nicht nur der politische Führer, sondern auch der oberste Priester. Beide Ämter verschmolzen mit ihm, wodurch der Princeps einen sakralen Anstrich bekam. Deshalb konnte der Amtsträger religiös überhöht werden.

Der Schutzgeist des Kaisers (Genius Augusti) wurde zur lokalen Gottheit in sämtlichen Provinzen, wodurch sich ein Kaiserkult mit dem römischen Staatskult verbinden ließ. Die römischen Bürger schworen auf den Schutzgeist des Princeps, hielten Feste für ihn ab und etablierten Kulte um ihn. Dadurch erhielt der Princeps eine religiös-ideologische Erhöhung – ohne ihn als Diktator nennen bzw. feiern zu müssen.

Warum hieß der Kaiser „Princeps“?

Princeps bedeutet „erster Bürger“ (princeps civitatis) oder auch „Erster im Senat“ (princeps senatus). Beide Titel passten ideal zu Octavian, welcher eine Monarchie etablieren, aber diese verschleiern wollte.

Aufgrund des Scheiterns seiner Vorgänger wusste Octavian, was mit Diktatoren passierte (Ermordung Caesars). Demnach sollte das Prinzipat eine Monarchie im republikanischen Gewand sein.

Der Rang des princeps senatus (Erster im Senat) bestand bereits zu Zeiten der Republik. Mittels dieses Ranges durfte der Princeps zuerst im Senat sprechen, die Tagesordnung mitbestimmen und das höchste Ansehen genießen. Auf Grundlage des Senatstitels konnte Augustus das Amt mit neuer Macht füllen, ohne dass es diktatorisch wirkte.

In einer seiner Reden (Res gestae) behauptete Octavian, dass er nur mehr Ansehen (auctoritas) und nicht mehr Amtsgewalt (potestas) als andere habe. Dieses öffentliche Wirken des Princeps (Erster unter Gleichen) kaschierte die eigentliche Alleinherrschaft.

Wie unterschied sich der Prinzipat von der Republik?

Der Unterschied zwischen Prinzipat und Republik wird an fünf zentralen Stellen deutlich, welche im Folgenden einzeln erklärt werden.

Machtverteilung

In der Römischen Republik verteilte sich die politische Macht auf zwei Instanzen: den römischen Senat und die Volksversammlungen (Volkstribun, Volksvertretung). Hinzu kamen Magistrate (Konsuln, Prätoren, Ädilen, Quästoren), welche vom Volk direkt gewählt wurden.

Die Amtsinhaberschaft während der Republikjahre war zeitlich begrenzt, um Machtkonzentration zu verhindern. So wechselten die Ämter jährlich, wodurch das System einer Gewaltteilung mit checks and balances erhielten blieb.

Dies änderte sich nach den Römischen Bürgerkriegen. Denn der Princeps vereinnahmte zentrale Vollmachten (tribunicia potestas, imperium proconsulare maius) in seiner Person. Dadurch wurden die republikanischen Verfahren ausgehebelt.

Rolle des Senats

Während der Römischen Republik hatte der Senat die zentrale Rolle auf der politischen Bühne. Dieses Gremium bestimmte die Innen- und Außenpolitik Roms.

Im Prinzipat blieb der Senat formal bestehen, um eine republikanische Fassade aufrechtzuhalten. Allerdings hatte der Senat keine reale Macht mehr. Diese ging einzig vom Princeps aus. Durch das Recht des censoria potestas konnte der Kaiser sogar über die Zusammensetzung des Senats bestimmen.

Die Macht des Senats war somit rein akklamatorisch. Das bedeutet, dass sie durch Beifall, Zuruf, Nicken oder Handheben ihre Zustimmung zu kaiserlichen Erlässen bekundeten.

Militärische Kontrolle

Schon während der Römischen Bürgerkriegsjahre schwand die Macht des Senats gegenüber Feldherren. Denn Gaius Marius setzte 107 v. Chr. militärische Reformen um, wodurch die Veteranenversorgung in die Hände von Feldherren fiel.

Durch diese Maßnahmen veränderte sich das Loyalitätssystem der römischen Soldaten nachhaltig. Fortan waren diese ihrem Feldherren gegenüber loyal und nicht mehr gegenüber dem römischen Senat. Dadurch wurde das Militär zu einem politischen Machtfaktor. Am Ende der Bürgerkriege hatte derjenige die meiste Macht, welcher die größte Armee aufstellen konnte.

Octavian veränderte dieses System dahingehend, indem er große Besitztümer anhäufte – um das größte Legionsheer zu bezahlen. Und diesen Anspruch gab er an spätere Kaiser weiter. Dadurch war die militärische Macht persönlich an den Kaiser gebunden.

Legitimation

In der römischen Republik war die politische Macht durch Wahlen legitimiert. Zwar behauptete Kaiser Augustus, dass seine Macht auf Ansehen (auctoritas anstelle potestas) beruhe. Doch dies war nur eine politische Inszenierung, um das Narrativ des Princeps (Gleicher unter Gleichen) zu untermauern.

Tatsächlich war die Legitimation seiner Macht eine Mischung aus Sondervollmachten, Vermögen und Patronage-Netzwerken.

Staatsform

Die Römische Republik lehnte eine Monarchie ab. Ein Königstitel oder ein andere Titel irgendeines Tyrannen war tabu. Deshalb war der Prinzipat eine faktische Monarchie, versteckt hinter einer republikanischen Fassade. Der einzige Unterschied zu einer Monarchie war der, dass sich der Herrscher nicht König oder Kaiser sondern Princeps nannte. Dies beruhigte die Elite.

Die politische Inszenierung einer scheinbaren Republik bestand darin, weiterhin einen Senat zu unterhalten und Volksversammlungen stattfinden zu lassen. Dass die Volksversammlungen in der Hand des Princeps lagen und dass der Senat faktisch machtlos war, musste stets kaschiert werden.

Nachfolge

In der römischen Republik wurde die Nachfolge über Wahlen geregelt. So wurden Ämter jährlich neu vergeben. Im Prinzipat blieb das Amt des Prinecps auf Lebenszeit bestehen. Zwar war die Kaiserwürde de jure nie erblich gewesen, dennoch entstand eine dynastische Tendenz. Denn der Kaiser konnte seinen Nachfolger bestimmen. Dies war entweder sein Sohn oder in späteren Jahren sein Adoptivsohn (Adoptivkaiserzeit).

Wie funktionierte die Provinzialverwaltung im Prinzipat?

Augustus teilte die Provinzen im Römischen Reich in zwei Kategorien auf: die Senatsprovinzen und die Kaiserprovinzen.

Senatsprovinzen

Senatsprovinzen unterstanden dem Senat. Verwaltet wurden diese durch Senatoren, welche dadurch zu Prokonsuln wurden. Jene Provinzen waren stets friedliche Gebiete, in denen die politische Kontrolle einfach blieb. Somit mussten dort keine oder nur wenige Legionen stationiert werden.

Die Schaffung von Senatsprovinzen erweckte den Anschein, dass der Senat eine echte Kontroll- und Machtfunktion in den Provinzen gehabt habe. Aber tatsächlich hatte der Kaiser den Oberbefehl über das Militär (imperium proconsulare maius), wodurch er jederzeit Druck ausüben und Statthalter mitbestimmen konnte.

Und aufgrund dessen, dass der Kaiser ein Mitspracherecht bei der Zusammensetzung des Senats hatte (censoria potestas), übte er auch Einfluss darüber aus – welcher Statthalter in welcher Provinz tätig war.

Kaiserprovinzen

Die Kaiserprovinzen waren militärisch wichtige Gebiete. In diesen Gebieten gab es mehr Unruhen, weshalb dort auch mehr kaiserliche Legionen stationiert waren. Die politische Instabilität ergab sich oft auch als Folge von Reichtum und Ressourcen. So waren die Kaiserprovinzen reicher als die Senatsprovinzen. Mehr Handelsrouten und mehr Warenverkehr begünstigten mehr Überfälle, weshalb mehr Legionen durchaus berechtigt waren.

Die Verwaltung der Kaiserprovinzen geschah durch kaiserliche Legaten (Legati Augusti), welche wiederum direkt den Kaiser unterstellt waren. So sicherte sich der Kaiser die Ressourcen der Provinzen, sowie die Handelsüberschüsse und Reichtümer. Des Kaisers Privatreichtum und die Kontrolle übers Militär wurden zur Grundlage des Machterhalts aller Kaiser.

Warum war der Prinzipat stabiler als die Republik?

Die Römische Republik war die Regierungsform des Stadtstaates Rom gewesen. Während der Römischen Expansion wurde dieses System auf sämtliche Provinzen übertragen.

Die Gewaltenteilung und das System der politischen Teilhabe funktionierten für einen einzelnen Stadtstaat. Aber das System war ineffektiv geworden, als das Römische Reich mehrere Millionen Bürger beherbergte – noch dazu, da viele weit weg von der Hauptstadt lebten. Demnach waren die Bürgerkriegsjahre bereits eine Folge des Nichtfunktionierens der Republik gewesen.

Mit der Schaffung eines Alleinherrschers war die Macht nicht länger zersplittert, sondern konzentriert auf eine Person. Somit wurden Entscheidungen einfacher, Dienstwege kürzer und die ganze Verantwortung ging auf eine Person über.

Politische Blockaden, Rivalitäten im Senat und Grabenkämpfe waren fortan nicht mehr möglich. Stattdessen lag die ganze Macht in der Hand eines Entscheiders. Da aber scheinbar die republikanischen Institutionen weiterhin existierten, war die Elite beruhigt. Anschließender Wohlstand, innere und äußere Sicherheit beruhigten die Lage weiter. So war das Prinzipat ein stiller Kompromiss gewesen, auf denen sich alle einigten.

Die römische Bevölkerung war – aufgrund der jahrzehntelangen Bürgerkriege – mehr als kriegsmüde. Und so akzeptierte man einen Princeps – welcher alleinig herrschte und der Wohlstand und Frieden brachte. Und da man ihn nicht König nennen musste, überdauerte die scheinbare Gewaltenteilung in den Köpfen der Bevölkerung weiterhin.

Die Grundlage für den Machterhalt des Kaisers war, dass dieses Herrschaftssystem für jeden Bürger Roms irgendwie funktionierte. Deshalb mussten alle profitieren. Und dies gelang durch den Reichtum des Kaisers. Mit diesem Reichtum bezahlte er seine Armee, welche für Frieden und Ordnung sorgte. Handelswege wurden beschützt, wodurch die Versorgung im ganze Reich gelang. Dadurch blühte das Römische Reich auch kulturell und wirtschaftlich auf.

Die Pax Romana (Friedenszeit) wurde direkt mit dem Prinzipat verknüpft, weshalb diese Blütezeit auch als Pax Augusta bezeichnet wird.

Wie funktionierten Wirtschaft und Handel im Prinzipat?

Das Mittelmeer wurde zum römischen Binnenmeer (Mare Nostrum), in welchem Handel zwischen den Provinzen jederzeit möglich sein sollte. Dazu wurde Piraterie bekämpf, indem man eine Küstenwache um wichtige Hafenstädte etablierte. Der Handel auf dem Mittelmeer florierte zwischen den römischen Provinzen in Europa, im Nahen Osten und in Nordafrika.

stabile Währung

Um den Handel zu erleichtern, wurde der römische Denar zur Einheitswährung. Dies wurde erreicht, indem man den Silberanteil in den Münzen gesetzlich festschrieb, wodurch das Münzgeld immer einen gewissen Metallwert hatte.

Die Festschreibung des Silberanteils sorgte dafür, dass das Vertrauen in den Denar stieg – wodurch sich auch der Nominalwert erhöhte und stabil blieb. Das System des Denar wurde durch Gold- und Bronzemünzen ergänzt.

Sowohl Denar (Silbermünzen) als auch Aureus (Goldmünzen) wurden zentral geprägt. Nur der Kaiser durfte über das Münzsystem bestimmen. Weiterhin dienten Münzen nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch als Propaganda (Kaiserporträts, Siege, Reformen). Demnach war das Kaiserporträt auf der Münze gleichzeitig ein Vertrauensbeweis für den Wert der Münze. Der Kaiser verbürgte sich mit seinem Bild für den Wert dieser Münze.

Mehr als ein Jahrhundert lang blieb der Silbergehalt des Denars gleich, was das Vertrauen in die Währung bei Händlern, Soldaten und Provinzbewohnern bewirkte. Außerdem förderte diese Währungsstabilität eine Preisstabilität, ermöglichte langfristige Investitionen und Handel.

Aufgrund der Friedenszeit wurden Gelder nicht dafür genutzt, um eine Kriegskasse zu finanzieren. Erst unter Marc Aurel begann eine schleichende Geldentwertung, aufgrund von Kriegskosten (Markomannenkriege) und sinkende Silbervorkommen. In der Folge wurde der Silbergalt des Denars reduziert, wodurch sich erste Inflationstendenzen einstellten.

Haupthandelszweig

Der Hauptwirtschaftszweig des Reiches war die Landwirtschaft. Die Römer vergaben Großgrundstücke (Latifundium) und schufen so ein System von Großgrundbesitzern. Ziel war eine gewisse Versorgungssicherheit zu erreichen und die Landwirtschaft zu schützen.

Professionelle Verwalter (vilici) sollten den Anbau organisieren. Dies geschah, indem Fruchtwechsel und Bodenpflege gezielt dokumentiert und eingesetzt wurden. So wurden in bestimmten Intervallen nur Getreide, dann Hülsenfrüchte angebaut und dann als Brachland zurück gelassen. Dadurch sollte die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten bleiben bzw. die Regeneration gefördert werden.

Eine weitere Möglichkeit, die Fruchtbarkeit zu erhöhen, boten Düngemethoden (Mist, Asche, Kompost). In den unterschiedlichen Provinzen wurde sich auf den Anbau ganz bestimmter Kulturpflanzen spezialisiert. So kam Wein aus Gallien, während der Olivenanbau im Nahen Osten forciert wurde.

Technische Verbesserungen, wie verbesserte Pflüge mit Eisenkufen, sorgten für mehr Effizienz. Bessere Wasser- und Handmühlen sorgten für eine leichtere Verarbeitung und eine kontrollierte Wasserzufuhr über künstlich angelegte Kanäle, Aquädukte und Zisternen ermöglichten den Anbau von Kulturpflanzen in trockenen Gebieten.

Ausbau der Infrastruktur

Eine Möglichkeit den Handel und die Romanisierung voranzutreiben, war der Städtebau. Überall wurden römische Städte nach einem ganz bestimmten Stadtbild erbaut. So hatte eine römische Musterstadt immer ein rechteckiges Straßennetz im Schachbrettmuster.

Oftmals war die Stadt durchzogen von einer Hauptstraße in Nord-Süd-Richtung. Jene Straße wurde als Cardo Maximus bezeichnet. Diese durchdrang die Stadt nicht nur in seiner Gänze, sondern verband Städte untereinander. Am Straßenrand wurden riesige Säulen (Kolonnade) aufgestellt, welche als Symbol römischer Pracht und Herrlichkeit dienen sollten.

Direkt an den Hauptstraße wurden öffentliche Gebäude errichtet (Thermen, Theater, Tempel, Basiliken und Nymphäum). In den Städten wurden Mehrfamilienhäuser (Insulae) für die breite Öffentlichkeit und ein Einfamilienhäuser (Domus) für Wohlhabende errichtet.

In diesen Städten siedelten sich Handwerk, Handel und Dienstleistungen an. Und die Städte wurden zu Konsummärkten für landwirtschaftliche Produkte. Viele Militärlager entwickelten sich zu Städten weiter. So wurde bspw. aus dem Militärlager Vindobona die Stadt Wien.

Durch den Städtebau erlebten Provinzen wie Gallien, Hispanien, Nordafrika und der Nahe Osten einen regelrechten Urbanisierungsschub. Es entstanden überall erste Großstädte.

Globalisierung

Städte wie Rom, Alexandria (Ägypten), Antiochia (Naher Osten) und Karthago (Nordafrika) wurden zu Handelszentren. In den Regionen um diese Städte wurden Spezialisten eingesetzt. So kamen aus Ägypten das Getreide, Metalle kamen von der Iberischen Halbinsel, Luxuswaren kamen aus Syrien und aus Gallien kamen Weine oder Keramik. Mit diesen Spezialisierungen erreichten die Römer, dass die Produktionskosten sanken und gleichzeitig die Warenqualität stieg. Das Römische Reich etablierte eine Frühform der Globalisierung im Mittelmeerraum.

Wie war das Leben der Bürger im Prinzipat?

Der Kaiser garantierte Ruhe und Sicherheit, woraufhin Wohlstand im Inneren entstehen konnte. Die oben erwähnte Hochphase in Wirtschaft und Kultur – ermöglichte den Ausbau von Städten. Sämtliche Städte erhielten Zugang zu Trinkwasser durch Brunnen und Aquädukte. Es gab öffentliche Bäder, Theater, Tempel und Märkte.

Das Straßennetz umfasste etwa 80.000 km² und wurde durch römische Soldaten gesichert. Reisen wurden sicher, weil man auf den Straßen die Handelsrouten sichern wollte. In den Städten wurden Feste und Spiele abgehalten. Innere Unruhen gab es kaum, weil die Menschen mit dem garantierten Frieden durch den Princeps zufrieden waren.

Welche Bedeutung hatten Religion und Kaiserkult im Prinzipat?

Religion war im Römischen Reich kein privates Recht. Stattdessen gab es einen Staatskult mit römischen Göttern, welche festgeschrieben waren.

An diesen festen Strukturen knüpfte der Prinzipat an, indem man den Princeps göttlich legitimierte. Schon der Titel des Augustus (der Erhaben) suggerierte, dass der Princeps von den Göttern auserwählt war. Dazu kam, dass Augustus das Amt des obersten Priesters (pontifex maximus) übernahm, wodurch er die Auslegung und Form des Staatskults entscheidend beeinflussen konnte.

Mit diesem Amt verschmolzen der oberste Priester und der gottgewollte Anführer zu einer Person. Demnach hatte Augustus sowohl die politische als auch die religiöse Autorität in sich vereint. In seiner Amtszeit baute er Tempel aus, förderte Rituale und betonte römische Traditionen (mos maiorum). Dies hatte zum Ziel, die innere Ordnung zu stärken und die Gesellschaft kulturell homogener zu machen. Gleichzeitig konnte sich der Princeps immer als Hüter der alten Ordnung darstellen.

Der Schutzgeist des Kaisers war Genius Augusti. Solche Schutzgeister (Genius) gab es in der römischen Religion bereits. Diese waren Personifizierungen des Tatendrangs und der Wirkung eines Mannes. Verehrte man den Schutzgeist, so verehrte man nicht die Person – sondern deren Handeln. Dies war die entscheidende Grundlage, um die Ideologie des Kaiserkults religiös wirken zu lassen – ohne einen Personenkult um einen Diktator aufzubauen.

Demnach schworen die Römer zunächst einen Treueeid auf den Genius des Princeps. Aus dem Schutzgeist wurde durch gezielte Propaganda eine lokale Schutzgottheit. Demnach bekam der Princeps einen gottähnlichen Status verliehen. Attribute der Lokalgötter (Schutz, Ordnung, Frieden, Fruchtbarkeit) wurden zu Attributen des Kaisers.

Sämtlicher Widerstand gegen den Kaiser wurde zu einem Sakrileg. Durch diesen religiös-ideologischen Kaiserkult wurde eine emotionale Verbindung zwischen Volk und Princeps geschaffen.

Warum endete der Prinzipat im 3. Jahrhundert?

Das Prinzipat war ein Akzeptanzsystem, in welchem die Legitimität des Kaisers jederzeit verloren gehen konnte. Solange die römischen Kaiser ihre Macht verhüllten und so taten als seien sie die Ersten Bürger Roms, funktionierte das System. Diesen republikanischen Anstrich hatten die Kaiser bis Marcus Aurelius bravourös geleistet. Insbesondere während der sogenannten Adoptivkaiserzeit war dies gut gelungen, da die Nachfolgeregelung nur die Fähigsten bevorzugte.

Schwindende Akzeptanz

Aber schon Marcus Aurelius benannte 161 n. Chr. Lucius Verus zu seinem Mitkaiser. Zwar war Aurelius sehr beliebt beim Volk, aber mehr Philosoph als ein strategischer Militärexperte. Dies machte ihn beim Militär unbeliebter, weshalb er den erfahrenen Feldherren Lucius Verus zum zweiten Augusti machte. Durch das gemeinsame Kaisertum wurde die Akzeptanz in allen Machtgruppen gestärkt.

Als Lucius Verus dann im Jahr 169 n. Chr. starb, blieb Marc Aurel alleiniger Augustus bis zu seinem Tod im Jahr 180 n. Chr.. Beerbt wurde er von seinem leiblichen Sohn Commodus. Damit war das Adoptivkaisertum beendet und die dynastische Erbfolge bestimmte die Thronfolge.

Fortan gelang es den Kaisern weniger gut, die autokratische Fassade zu verbergen. Somit wurde die Prinzipatsideologie immer weniger tragfähig, obwohl die Macht des Kaisers faktisch unbegrenzt wurde.

Thronfolgekriege und Tetrarchie

Ab 235 bis 284 geriet das Römische Reich in eine Dauerkrise. Es kam immer wieder zu Kämpfen um die Nachfolge, welche sich in Bürgerkriegen entluden. Sehr viele Kaiser verloren entweder auf dem Schlachtfeld gegen einen Rivalen (Gegenkaiser) oder wurden von ihren Soldaten ermordet.

Zwischenzeitlich wurde der Kaisertitel sogar durch die Prätorianergarde versteigert. Legionen und Militärkommandeure bestimmten, wer Kaiser sein durfte.

Erst Kaiser Diokletians Reformen schufen ein neues Herrschaftsmodell, welches als Tetrarchie bekannt ist. In diesem Regierungssystem wurde die kaiserliche Macht auf vier Personen aufgeteilt: zwei Augusti und zwei Caesares.

Diese Aufteilung war notwendig, da es die Nachfolgekriege beendete. So war ganz klar geregelt, dass der Caesar der Nachfolger des Augustus sein wird. So wurden Usurpationen deutlich schwieriger.

Außerdem bedeuten mehrere Kaiser auch kürzere Reaktionszeiten bei äußeren Bedrohungen. Denn die politische Instabilität des Römischen Reiches wurde natürlich auch von außen bemerkt. Und so bedrohten die Germanen den Westen des Reiches, während die Perser zu einer Bedrohung im Osten wurden.

Was ist der Unterschied zwischen Prinzipat und Dominat?

Sowohl Prinzipat als auch Dominat sind zwei Herrschaftssysteme mit einem Monarchen an der Spitze. Allerdings bezeichnet sich im Prinzipat der Monarch nicht als Kaiser oder König, sondern als Princeps (Erster Bürger). Im Dominat zeigt sich der Herrscher offen als Monarch und nennt sich Dominus (deutsch: Herr).

Im Prinzipat gibt der Monarch vor, Teil der republikanischen Ordnung zu sein. Er ist lediglich Amtsträger und Teil einer republikanische Verfassung und Institution. Im Dominat steht der Herrscher über allen und trägt das Amt eines Monarchen offen vor. Unter Diokletian wurde genau das vollzogen. Der Kaiser inszenierte sich als Dominus (Herr). Er steht über dem Gesetz und seine Entscheidungen gelten als göttlich inspiriert.

MerkmalAusprägung
Stellung:Prinzipat: Kaiser nennt sich Princeps und gibt vor, ein Teil der republikanischen Ordnung zu sein. Seine Macht wirkt daher als verfassungsmäßig.

Dominat: Der Kaiser nennt sich dominus (Herr) und zeigt seine monarchischen Anspruch offen. Somit gibt der Kaiser klar zu erkennen, dass er über den republikanischen Institutionen steht.
Senat:Prinzipat: Der Senat bleibt formal wichtig und bestätigt die Entscheidungen des Kaisers. Außerdem existieren republikanische Ämter weiterhin.

Dominat: Senat verliert komplett seine politische Bühne. Die Macht des Kaisers wird offen gezeigt. Eine Verwaltung wird durch kaiserliche Beamte vollzogen.
Militär:Prinzipat: Kaiser kontrolliert das Heer, aber die Struktur bleibt republikanisch geprägt. Legionen sind regional gebunden, werden entweder vom Kaiser oder vom Senat bezahlt.

Dominat: Jegliches Militär wird zentralisiert und direkt dem Kaiser unterstellt.
Ideologie:Prinzipat: Kaiser inszeniert sich als Staatsdiener und als Erster unter Gleichen. Die Betonung liegt auf Ansehen (auctoritas) anstelle von Amtsgewalt (potestas).

Dominat: Kaiser wird sakralisiert, wodurch seine Herrschaft als göttlich legitimiert gilt. Er wird anbetungswürdig wie ein Gott (Kniefall) und trägt dies offen zur Schau (Purpur, Diadem).
Gesetze:Prinzipat: Der Kaiser steht formal innerhalb der Verfassung und muss sich im gesetzlichen Rahmen bewegen. Nur Sondervollmachten befähigen ihn zu mehr Macht. Allerdings wirken diese Sondervollmachten wie republikanische Ämter.

Dominat: Der Kaiser steht über dem Gesetz. Denn seine Entscheidungen gelten als göttlich legitimiert.


Ähnliche Beiträge