Kaiser Augustus (Oktavian)
Augustus war der erste Kaiser Roms. Er wurde im Jahr 63 v. Chr. in Rom geboren. Sein Geburtsname war Gaius Octavius. Er starb im Jahr 14 n. Chr. in der süditalienischen Stadt Nola, in der Nähe von Neapel. Seine Herrschaft begann am 16. Januar 27 v. Chr. und endete mit seinem Tod.
Während seiner Herrschaft trug er den Regentnamen: Imperator Caesar Augustus. Er gilt als Begründer der Julio-Claudischen Dynastie, welche vier weitere römische Kaiser hervorbrachte.
Zu Beginn seiner Herrschaft wurde der Prinzipat eingeführt. Dies ist eine Regierungsform mit einer Alleinherrschaft im republikanischen Gewand. Demnach brachte Augustus gegenüber dem Senat eine nominelle Unterwürfigkeit auf, welche dazu diente, dass der Senat die Erlasse des Kaiser bewilligte.
So bewilligte ihm der Senat verschiedene Titel: Princeps (erster Bürger), Augustus (der Verehrte), Pater patriae (Vater des Landes), Pontifex maximus (oberster Brückenbauer) und gestattete, dass der Monat August nach ihm benannt wurde.
Augustus Reformen führten das Römische Reich in eine Blüte- und Friedenszeit (Pax Romana). Er vergrößerte das Reich und expandierte nach Nordafrika und vollendete den Feldzug nach Hispania.
Die Germanenkriege verliefen nicht so erfolgreich. In der Varusschlacht (9 n. Chr.) erlitten die Römer eine heftige Niederlage. Danach begannen Augustus Truppen sich aus Germanien zurückzuziehen und die Grenze mit einem Wall abzusichern.
Augustus war mehrfach verheiratet und hatte ein leibliches Kind. Vier weitere Kinder wurden adoptiert. Aufgrund seiner Reformen im Staatswesen, aber auch in Kunst und Literatur, bezeichneten Zeitgenossen die Ära des Augustus als Augusteisches Zeitalter.
Bereits zu Lebezeiten förderte Augustus einen Kaiserkult, welcher nach seinem Tod fortgeführt wurde. Von der Antike bis zur Gegenwart veränderte sich die Bewertung zu seiner Person immer wieder. So wurde Augustus zunächst mit Alexander dem Großen und Gaius Iulius Caesar verglichen. Neuere Bewertungen stellen ihn sogar darüber, da die beiden Genannten nur Eroberer oder Zerstörer waren.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wer war Augustus?
- 3 Wie hieß Augustus wirklich?
- 4 Wie war Augustus mit Julius Caesar verwandt?
- 5 Woher stammte Augustus?
- 6 Warum adoptierte Julius Caesar den Octavian?
- 7 Warum hatte Augustus so viele Namen?
- 8 Wie sah Augustus wirklich aus?
- 9 Welche Rolle spielte Augustus in den römischen Bürgerkriegen?
- 10 Wer kämpfte nach Caesars Tod um die Herrschaft?
- 11 Wie besiegte er Marcus Antonius und Kleopatra?
- 12 Wie kam Augustus an die absolute Macht?
- 13 Warum wurde Octavian zu Augustus?
- 14 Was ist der Prinzipat und warum führte Augustus ihn ein?
- 15 Wie funktionierte der Prinzipat unter Augustus?
- 16 Welche Reformen führte Augustus durch?
- 17 Wie regierte Augustus das Römische Reich?
- 18 Welche Ämter und Vollmachten hatte Augustus?
- 19 Wie funktionierte die Verwaltung unter Augustus?
- 20 Welche Gebiete eroberte Augustus?
- 21 Wie stark waren die Legionen unter Augustus?
- 22 Warum verlor Augustus Armee die Varusschlacht?
- 23 Welche Bedeutung hatte die Varusschlacht für Augustus Amtszeit?
- 24 Was bedeutet „Pax Augusta“?
- 25 Welche Rolle spielte der Kaiserkult unter Augustus?
- 26 Warum förderte Augustus Kunst und Literatur?
- 27 Mit wem war Augustus verheiratet?
- 28 Welche Rolle spielte Livia in der Politik von Augustus?
- 29 Hatte Augustus Kinder oder Erben?
- 30 Wie starb Augustus?
- 31 Was stand im Testament von Augustus?
- 32 Wo wurde Augustus begraben?
- 33 Wer folgte Augustus als Kaiser?
- 34 Welche Bedeutung hat Augustus für die römische Geschichte?
- 35 Welche Bedeutung hat Augustus heute noch?
- 36 Lebenslauf und Biografie
Steckbrief
| Geboren: | 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom |
| Gestorben: | 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel |
| Alter: | 75 Jahre |
| Grabstätte: | Augustusmausoleum (italienisch Mausoleo di Augusto) in Rom |
| Vater: | Gaius Octavius (leiblich), Gaius Julius Caesar (Adoptivvater) |
| Mutter: | Atia maior |
| Ehepartner: | -Clodia (42-40 v. Chr.) -Scribonia (40-38 v. Chr.) -Livia Drusilla (ab 37 v. Chr. bis zu seinem Tod) |
| Kinder (leiblich): | Iulia (Iulia Augusti filia) aus Ehe mit Scribonia: geb. 39 v. Chr., gest. 14 n. Chr. |
| Adoptivkinder: | Gaius Caesar (20 v. Chr. - 4 n.Chr.), Lucius Caesar (27 v. Chr. - 2 n. Chr.), Agrippa Postumus (12 v. Chr. - 14 n. Chr.), Tiberius (42 v. Chr. - 37 n. Chr.) |
| Dynastie: | Julisch-Claudisches Haus |
| Konsul: | 43 v. Chr., 33 v. Chr., 31–23 v. Chr., 5 v. Chr., 2 v. Chr. |
| Triumvir: | 43–27 v. Chr. |
| Princeps: | 16. Januar 27 v. Chr. – 19. August 14 n. Chr. (Todestag) |
| Pontifex maximus: | 12 v. Chr. - 14 n. Chr. |
| Regentname: | Imperator Caesar Augustus |
| Nachfolger: | Tiberius |
| historische Bedeutung: | -Begründer des Prinzipats -Rückwirkend als erster Kaiser Roms gesehen -führte das Römische Reich in eine Zeit des Friedens, des Wohlstands und der Stabilität (Pax Romana) -Herrscher am Ende der Römischen Republik und Beginn der Römischen Kaiserzeit (Zeitenwende) -schaffte politische Strukturen, welche für die nächsten Jahrhunderte bestehen werden |
| Dienstzeit: | 43-25 v. Chr. |
| Kriege & Schlachten: | Mutinensische Krieg (44-43 v. Chr.): -Schlacht von Forum Gallorum (43 v. Chr.) -Schlacht von Mutina (43 v. Chr.) Bürgerkrieg der Befreier (43–42 v. Chr.): -Doppelschlacht bei Philippi (42 v. Chr.) Sizilianischer Krieg (42-36 v.Chr.), Perusinische Krieg (41-40 v.Chr.), Illyricum-Feldzüge (35-33 v.Chr.), Ptolemäischer Krieg (32-30 v.Chr.) -Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) -Schlacht von Alexandria (30 v. Chr.) Kantabrischen Kriege (29-19 v.Chr.) |
| Mehr Daten zur Biografie Augustus, siehe letzten Abschnitt: Lebenslauf und Biographie | |
Wer war Augustus?
Augustus war der erste römische Kaiser und eine der prägendsten Figuren der Weltgeschichte. Mit seinem Amtsantritt als Kaiser führte er die Römische Republik aus einem Jahrhundert der Bürgerkriege.
Während der Römischen Bürgerkriege war der Senat gespalten. Optimaten wollten die Macht des Senats behalten, während die Popularen einige Vollmachten an die Volksversammlung übergeben wollten. Mit einem gespaltenen Senat verlor dieses Regierungssystem immer mehr Kontrolle an militärische Führer.
Augustus und andere Staatsmänner schlossen sich zu einem Triumvirat zusammen, beendeten den Bürgerkrieg und überführten die Römische Republik in ein Prinzipat. Der Prinzipat war eine besondere Form der Monarchie, an deren Spitze Augustus stand.
Mit diesem neu eingeführten Amt des Kaisers konnte Augustus diverse Reformen einleiten, wodurch politische Stabilität erreicht wurde. So konnte Rom die Bürgerkriegsjahre hinter sich lassen. Seine Reformen betrafen die Bereiche: Verwaltung, Militär, Finanzen und Städtebau.
Fortan begann im Römischen Reich eine lange Friedenszeit, welche als Pax Romana bezeichnet wird. Da diese Friedenszeit mit Augustus ihren Anfang nahm, bezeichnet man diese auch als Pax Augusta.
Wie hieß Augustus wirklich?
Geboren wurde Augustus als Gaius Octavius. Die Octavier waren eine plebejische Familie, welche im Ersten Jahrhundert v. Chr. von Julius Caesar in den Adel erhoben wurden. Nachdem Octavius von Caesar adoptiert wurde, trug er den Namen: Gaius Julius Caesar Octavianus. Vom römischen Senat bekam er 27 v. Chr. den Titel: Imperator Caesar Augustus.
Wie war Augustus mit Julius Caesar verwandt?
Augustus war nicht der leibliche Sohn von Caesar, wurde aber durch Adoption zum rechtlichen Sohn. Biologisch war Augustus (Octavius) aber dennoch mit Cäsar verwandt. Denn er war der Großneffe von Julius Cesar. Augustus Großmutter mütterlicherseits war Julia Minor, eine Schwester von Julius Cäsar.
Woher stammte Augustus?
Augustus Vater, welcher ebenfalls Gaius Octavius hieß, war ein römischer Politiker. Der Vater hatte es in der Beamtenlaufbahn zum Praetor gebracht und sollte Prokonsul von Makedonien werden. Doch bevor er nach Makedonien aufbrach, sollte er einen Sklavenaufstand in Thurii (Süditalien) niederschlagen.
Der Sieg über die Sklaven in Thurii führte dazu, dass man den Vater den Beinamen „Thurinus“ gegeben haben soll. Laut dem römischen Historiker Suetonius (69-122 n. Chr.) soll auch sein Sohn den Beinamen des Vaters erhalten haben. Doch tatsächlich fehlt der zeitgenössische Beleg, dass Vater und Sohn diesen Beinamen jemals hatten.
Augustus Vater starb bevor er jemals das höchste Amt, den Consulat, erreichen konnte. Erst dieses Amt hätte die Nobilität, also den Zugang zum Hochadel, nach sich gezogen. Somit blieben die Octavii ein Teil des kommunalen Land- oder Ritteradels.
Doch Augustus Mutter (Atia) war die Nichte von Gaius Julius Caesar. Somit war sie Teil der Patrizierfamilie Gens Julia. Und ihr Onkel Julius Caesar sorgte dafür, dass sein Großneffe im Alter von 14 Jahren vom Senat als Mitglied des iulischen Hauses und somit als Patrizier (Hochadel) anerkannt wurde.
Warum adoptierte Julius Caesar den Octavian?
Octavian war über seine Mutter biologisch mit Julius Cäsar verwandt. Da Cäsar keinen legitimen Sohn hatte, war Octavian die einzige männliche Verwandtschaft, auf welcher er zurückgreifen konnte.
Zwar hatte Caesar mit Kleopatra einen Sohn (Ptolemaios XV. Caesarion), welcher aber von der römischen Senatselite niemals als Nachfolger akzeptiert worden wäre. Caesar brauchte jemanden, der jung, römisch-julischer Abstammung, ihm gegenüber loyal und formbar ist.
All das sah Caesar im jungen Octavian und deshalb hat Caesar ihn schon früh gefördert. So wurde Octavian im Jahr 48 v. Chr. durch Caesars Zutun ins Priesterkollegium aufgenommen. Es folgte die Teilnahme am Triumphzug anlässlich des Sieges im Bürgerkrieg (46 v. Chr.) und die Vorbereitung auf den Partherfeldzug, in welchem Octavian als Reiterführer (magister equitum) teilnehmen sollte.
Doch ursprünglich wollte Caesar einen anderen Erben einsetzen. Und zwar sollte ihn sein anderer Verwandter Sextus Iulius Caesar beerben. Mit diesem war Caesar väterlich verwandt. Wahrscheinlich war es ein Cousin oder Großcousin des Diktators. Und so baute Caesar auch den jungen Sextus auf, indem er ihm das Amt des Statthalters von Syria übertrug
Nachdem Sextus im Jahr 46 v. Chr. von seiner Truppe in Syrien ermordet wurde, änderte Cäsar sein Testament. Er adoptierte Octavian und machte ihn zu seinem politischen Erben, um so seine Dynastie rechtlich abzusichern.
Warum hatte Augustus so viele Namen?
Auf seinem Totenbett soll Augustus sein Leben mit dem eines Schauspielers verglichen haben. Beim bevorstehenden Abgang sollte er Applaus für seine Darbietung verdienen.
Augustus Schauspielerkarriere hatte unterschiedliche Rolle, welche teilweise höchst gegensätzlich waren. Für jede Rolle (politische Position, Ambition) hatte er einen anderen Namen.
Mit der schillernden Fassade seiner vielen Namen verschleierte Augustus teilweise auch seine langfristigen Ziele und Absichten. Oder er unterstrich mit seinem Namen seine Absichten. So hatte er für jede Lebensphase, welche mit einem politischen Ziel verknüpft war, einen anderen Namen.
Jene Namen brachten entweder seine Ambitionen oder seine derzeitige Stellung zum Ausdruck. Solche Namensgebung war im römischen Reich traditionell. So gab sich bspw. Gnaeus Pompeius den Beinamen Magnus (der Große) oder Lucius Cornelius Sulla gab sich den Beinamen Felix (der Siegreiche).
Die Veränderung seiner Namen von Octavius zu Imperator Caesar Augustus, dem späteren Divus Augustus, lässt sich in vier Phasen einteilen. Entlang dieser vier Phasen der Namensgebung lässt sich auch Augustus politische Karriere verfolgen.
| Gaius Octavius | Der Name Octavius zeigt die Abstammung von der Familie der Octavier. |
| Gaius Julius Caesar Octavianus | Der Name zeigt an, dass Octavius von Julius Caesar adoptiert wurde. |
| Gaius Iulius Divi filius Caesar | deutsch: Gaius Julius Caesar, Sohn des vergöttlichten Caesar |
| Gaius Caesar Divi Filius | Abwandlung des vorherigen Namens: "Gaius Caesar, Sohn des vergöttlichten Caesar." |
| Imperator Caesar | Nach den Siegen bei den Schlachten von Forum Gallorum und Mutina wurde Augustus der Siegestitel des Imperators (dt. Kommandant) verliehen. |
| Octavian: | Historiker fassen Octavius Namen zwischen 44 v. Chr. und 27 v. Chr. als Octavian zusammen, um die Namensverwendung zu vereinfachen. |
| Imperator Caesar Divi filius Augustus | Augustus (deutsch: Erhabene) war ein Ehrentitel. Der ganze Name bedeutet übersetzt: der erhabene Kommandant, Sohn des vergöttlichten Caesars. Diese Name war die offizielle: Titulatur von Kaiser Augustus. |
| Imperator Caesar Augustus | Abwandlung und Kurzform des oberen Namens und Titels. |
| Kaiser August: | Historiker verwenden diesen Namen als Konvention, um die Namensverwendung einfacher und präziser zu machen. |
| Divus Augustus | deutsch: der vergöttlichte Augustus. Die Benennung erfolgte nach seinem Tod, um einen Augustuskult zu legitimieren. |
| Divus Augustus Pater | deutsch: vergöttlichte Augustus, der Vater. Mit dem Zusatz Vater sollte gezeigt werden, dass Augustus der Ursprung des römischen Kaisertitels war. |
Gaius Octavius
Die ersten 19 Jahre seines Lebens (63-44 v. Chr.) hatte Augustus den Namen Gaius Octavius. Mit diesem Namen betrat er um 48 v. Chr. die politische Bühne Roms, als sich Caesar seiner annahm.
Caesar Octavius
Nachdem Caesar seinen Großneffen Octavius adoptiert hatte, veränderte sich der Name laut römischen Recht. Octavius Name war jetzt: Gaius Iulius Caesar mit dem Zusatz Octavianus. Der Zusatz „Octavianus“ zeigte an, dass er aus der Familie der Octavier stammte.
Augustus selbst benutzte den Beinamen Octavianus nie. Zeitgenossen wie Marcus Tullius Cicero nannten ihn aber nachweislich so. Varianten des Namens bis 27 v. Chr. waren: Gaius Iulius Divi filius Caesar oder Gaius Caesar Divi Filius. Der Zusatz „Divi filius Caesar“ bedeutet Sohn des vergöttlichen Caesar.
Octavian
Als Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. ermordet wurde, trat Octavius als dessen politischer Erbe auf. Eine Folge der Ermordung Caesars war die Gründung des Zweiten Triumvirat. Dieses Bündnis hatte das Ziel, die Mörder Caesars zu finden. In diesem Bündnis war Octavius mit Marcus Antonius vereint, welcher ebenfalls das Erbe Caesars antreten wollte.
Mit seinem Namen als Caesar unterstrich Octavius, dass er das Erbe seines Adoptivvaters antrat. Nebenbuhler wie Marcus Antonius sollten seine politische Ambitionen erkennen und gleichzeitig sollte der römische Senat ihn durch den Namen als den rechtmäßigen Erben Caesars sehen.
Alle Namen, welche Augustus zwischen 44 v. Chr. und 27 v. Chr. hatte, werden in der Geschichtsforschung unter den Namen Octavian bzw. Oktavian subsummiert. Diese Konvention erleichtert die Darstellung.
Augustus
Nachdem Octavian siegreich aus den Bürgerkriegen hervorging, schuf er eine neue Staats- und Regierungsform mit ihm an der Spitze. Es war eine Monarchie, welche allerdings durch republikanische Institutionen verschleiert werden sollte. So kam die faktische Diktatur in einem republikanischen Gewand daher. Nur so konnte überhaupt eine Akzeptanz für einen Alleinherrscher geschaffen werden. Der römische Senat verlieh ihm den Ehrentitel: Augustus (deutsch: „der Erhabene“).
Somit ergab sich ab 27 v. Chr. der vollständige Name: Imperator Caesar Divi filius Augustus. Und der Zusatz Augustus wurde genauso wie der Zusatz Caesar zum Bestandteil der Titulatur römischer Kaiser. Somit lautet der offizielle Name von Augustus Nachfolger (Kaiser Tiberius): Tiberius Iulius Caesar Augustus.
Als Augustus im Jahr 14 n. Chr. starb, lautete seine vollständige Titulatur: Imperator Caesar Divi filius Augustus.
Divus Augustus
Nach seinem Tod wurde Kaiser Augustus zum Gott erhoben. Auch diese Erhöhung erfolgte durch den römischen Senat. Fortan durfte Augustus auch rechtlich als Gott verehrt werden. Übersetzt bedeutet Divus Augustus: „der vergöttlichte Augustus“.
Auf Münzen späterer Kaiser wird Augustus auch als Divus Augustus Pater erwähnt. Dies bedeutet: „der vergöttlichte Augustus, der Vater“.
Wie sah Augustus wirklich aus?
Von Augustus sind etwa 250 vollplastische Porträts erhalten. Weiterhin gibt es noch zahlreiche Profilportraits auf Münzen, Reliefs und Gemmen. Von keinem anderen Kaiser Roms existieren auch nur im entferntesten so viele Einzeldarstellungen.
Dies hat sicherlich mit der langen Regierungszeit des ersten Princeps zu tun, aber auch mit dessen Selbstdarstellung. So ließ Augustus sehr viele Statuen und Büsten von sich anfertigen, um seinen Personenkult zu etablieren. Oftmals wird der Alleinherrscher in heroischer Pose gezeigt.
Doch solche Bilder müssen zwingend das echte Erscheinungsbild des Kaisers zeigen, sondern sind oftmals nur eine Darstellungsmethode zur Überhöhung.
Laut Sueton war Augustus sehr vornehm und anmutig in seiner Erscheinung. Seine Zähne sollen lückenhaft, klein und unsauber gewesen sein. Laut dem Augustusbiografen soll sein Haar dunkelblond und leicht lockig gewesen sein. Weiterhin war, laut Sueton, die Nase des Augustus vorspringend und gebogen. Und seine Augenbrauen sollen zusammengewachsen sein.
Seine Hautfarbe war weder hell noch dunkel. Und die Körpergröße des Princeps war eher klein, doch mit gut proportionierten Gliedmaßen.
Andere Quellen geben eine Körpergröße des Augustus von 170 cm an. Dies würde in etwa der Durchschnittsgröße dieser Zeit und Gesellschaftsschicht entsprechen. Die Augen sollen graublau gewesen sein. Ergänzend wird erwähnt, dass Augustus eine schöne Stimme gehabt haben soll. Diese unterstrich seine Redekunst.
Welche Rolle spielte Augustus in den römischen Bürgerkriegen?
Die römische Bürgerkriegszeit begann 133 v. Chr. und endete 30 v. Chr.. Demnach ging diese Phase mehr als 100 Jahre. In der historischen Rückschau waren die Bürgerkriegsjahre ein Transformationsprozess von der Römischen Republik hin zum Prinzipat des Augustus (Alleinherrschaft). Demnach konnte sich Augustus im letzten Bürgerkrieg behaupten und ging siegreich gegen seinen Erzrivalen Marcus Antonius hervor. Jener letzte Bürgerkrieg begann nach der Ermordung Caesars.
Wer kämpfte nach Caesars Tod um die Herrschaft?
Am 15. März 44 v. Chr. wurde Julius Caesar während einer Senatssitzung ermordet. Beim Attentat auf ihn waren sechzig Senatoren beteiligt. Alle stachen mit Dolchen auf ihn ein. Die Hauptverschwörer bzw. Drahtzieher des Anschlags waren Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus.
Beide Verschwörer sahen sich in der Tradition von Tyrannenmördern, welche Rom von einem Diktator befreit haben. Sie wollten die Römische Republik und deren Institutionen wieder herstellen.
Was sie dabei vollkommen falsch eingeschätzt haben, war die Tatsache – dass der römische Senat seit Beginn der Römischen Bürgerkriegsjahre immer machtloser wurde. Gleichzeitig stieg die Rolle des Militärs immer weiter und wurde zum wahren politischen Machtfaktor. Caesars Erbe konnte demnach nur derjenige antreten, welcher die größte Streitmacht aufstellen konnte.
Der Kampf nach Caesars Tod um die Herrschaft im Römischen Reich hatte zwei Phasen:
- Phase 1 (44-42 v.Chr.): Krieg der Befreier gegen das Zweite Triumvirat (Marcus Antonius, Octavian)
- Phase 2 (42-30 v.Chr.): anschließende Rivalität und Krieg zwischen Marc Antonius und Octavian
Befreier vs. Zweite Triumvirat
Caesars eingesetzter Erbe war Octavian. Zusammen mit den Feldherren Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus gründeten sie das Zweite Triumvirat.
Ein Erstes Triumvirat gründeten einst Caesar, Gnaeus Pompeius Magnus und Marcus Licinius Crassus – mit dem Ziel, ihre Interessen gegenüber dem Senat gemeinsam durchzusetzen.
War das Erste Triumvirat noch illegal gewesen, weil es die Autorität des römischen Senats untergrub – so war das zweite Dreierbündnis durch den Senatsbeschluss abgesichert wurden. Ziel war es, die alte Ordnung wiederherzustellen und die Caesarmörder zu besiegen.
In der Schlacht von Philippi (42 v. Chr.) wurden die Heere von Cassius und Brutus (Caesarmörder) besiegt. Nach dem Sieg in der Schlacht ging es nicht mehr um die Frage, wie man die Römische Republik stabilisieren könnte – sondern darum, was anstelle der Römischen Republik entstehen sollte.
Das Zwangsbündnis zwischen Octavian, Antonius und Lepidus wurde aufgelöst. Letzterer wurde schnell entmachtet. Doch zwischen Octavian und Marcus Antonius entflammte eine Rivalität über das Erbe Cäsars.
Marcus Antonius vs. Octavian
Nach Philippi wurde das Zwangsbündnis (Zweite Triumvirat) aufgelöst. Da Caesar kein Testament hinterlassen hatte, stritten Octavian und Antonius um die Nachfolge.
Marcus Antonius war Konsul, weshalb er Caesars Erbe beanspruchte. Gleichzeitig beanspruchte aber auch Octavian dessen politisches Erbe, da er von Caesar adoptiert worden war.
Zunächst einigte man sich darauf, das Reich aufzuteilen. So bekam Octavian den Westen, während Marcus Antonius den Osten bekam. Doch die Aufteilung führte zu neueren Konflikten. Denn Beide beanspruchten Ressourcen (Veteranen, Rohstoffe, Handelswege) aus der jeweils anderen Reichshälfte. So blieb der Konflikt bestehen. Jeder wollte das ganze Reich.
Der Konflikt verschärfte sich als Marcus Antonius ein Bündnis mit Kleopatra VII. einging. Dieses Bündnis nutzte Octavian, um den Konflikt mit seinen Kontrahenten ideologisch aufzuladen. So sagte er, dass Antonius durch die orientalische Königin manipuliert werden würde. Und dieser Umstand würde Rom schwächen. Somit würde Kleopatra die römische Ordnung bedrohen.
Daraufhin erklärte der römische Senat den Ptolemäern in Ägypten den Krieg (32 v.Chr.). Natürlich war Kleopatra für Octavius lediglich ein Mittel zum Zweck, damit der Senat seinem Kontrahenten Octavius den Krieg erklären würde.
Wie besiegte er Marcus Antonius und Kleopatra?
Die entscheidende Schlacht des Bürgerkrieges zwischen Octavian und Marcus Antonius fand im Jahr 31 v. Chr. bei Actium vor der Westküste Griechenlands statt. In dieser Seeschlacht besiegt Octavian seine Kontrahenten Antonius und Kleopatra entscheidend.
Die Unterlegenen fliehen nach Ägypten, werden von Octavian verfolgt. Dort begeht Antonius Selbstmord. Kleopatra folgt kurz darauf. Ägypten wird zur römischen Provinz.
Wie kam Augustus an die absolute Macht?
In der Zeit zwischen 30 v. Chr. und 27 v. Chr. vollzog Octavian den entscheidenden Übergang vom Sieger des Bürgerkriegs hin zum unangefochtenen Herrscher Roms. Diese drei Jahre waren extrem wichtig, da sämtliche vorherigen Versuche einer Alleinherrschaft mit einem Scheitern der Diktatoren endeten (siehe Cäsar).
Zwar besaß Octavian ab 30 v. Chr. faktisch die absolute Macht, konnte diese aber nicht offen als Monarch ausüben. Denn es gab keine Staatsordnung, welche die Alleinherrschaft legitimierte. Und die Römer waren extrem misstrauisch gegenüber Tyrannen. Die Institutionen der Römischen Republik hatten über Jahrhunderte verhindert, dass sich irgendein Tyrann zum Alleinherrscher aufschwingen konnte. Und dies sollte so bleiben.
Doch nach der gewonnenen Schlacht von Actium (31 v. Chr.) besaß Octavian alle Legionen des Römischen Reiches. Er kontrollierte alle Provinzen und mögliche Kontrahenten waren entweder tot oder politisch bedeutungslos.
Zunächst machte Octavian die ägyptische Provinz zu seinem persönlichen Eigentum. Demnach durften dort keine Senatoren, Adlige oder Ritter das Kommando dort übernehmen. Dies hielt Kontrahenten fern.
Und da Ägypten als Kornkammer des Mittelmeerraums galt, hielt er mit dem Besitzrechten eine Quelle des Reichtums in seinen Händen. Weiterhin siedelte er in Ägypten Veteranen an, bezahlte diese gut und machte diese somit zu Loyalisten.
Nach Jahrzehnten der Bürgerkriege waren die Römer kriegsmüde. So inszenierte sich Octavian nicht nur als Sieger der Bürgerkriege, sondern auch als Besieger des Kriegszustandes. Dieses Bild vom Friedensbringer und Friedensbewahrer wurde durch Propaganda untermauert und durch Triumphzüge immer wieder bestätigt.
Im Januar 27 v. Chr. gab Octavian ganz offiziell dem Senat sämtliche außerordentlichen Vollmachten zurück. Doch der Senat bat ihn darum weiterzumachen und gab ihm die Kontrolle über Provinzen sowie Legionen wieder. Dadurch konnte sich Octavian als Republikaner inszenieren, welche den Senat stärkt.
So wurde er zum Bewahrer der Römischen Republik, ein Garant für Stabilität und Frieden – sowie zum Heilsbringer des Volkes. Und dass obwohl er ein Diktator war – welcher fortan die Alleinherrschaft ausübte.
Warum wurde Octavian zu Augustus?
siehe auch Hauptartikel: Augustus (Titel)
Die Einführung des Augustus-Titels war ein politisches Meisterstück des Octavian. Denn den Titel gab es bisher nicht. Somit konnte sich Octavian zum Monarchen aufschwingen, ohne sich so bezeichnen zu müssen.
Gleichzeitig schaffte er es, den Titel religiös so zu positionieren, dass er als Auserwählter der Götter dargestellt werden konnte. Die Herrschaft wurde so religiös und ideologisch untermauert. Das republikanische Gewand blieb bestehen und der Titel verschleierte die eigentliche Diktatur.
Durch die Einbettung des Titels in den römischen Staatskult gelang es, diesen mit römischen Tugenden zu verknüpfen. Dies wurde zur Grundlage des Kaiserkults.
Was ist der Prinzipat und warum führte Augustus ihn ein?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Prinzipat
Der Prinzipat ist eine Alleinherrschaft im republikanischen Gewand. Oberster Anführer bzw. Herrscher ist der Princeps, welcher sich als Erster Bürger Roms bzw. als Erster unter Gleichen bezeichnet (princeps civitatis).
Der Alleinherrscher nennt sich also weder König noch Kaiser und kaschiert so die eigentliche Monarchie. Diese Inszenierung war notwendig, da die Römer stolz darauf waren, eine Republik zu sein. Einen Alleinherrscher (Tyrannen) hätten die Römer niemals zugelassen. Und der Tyrannenmord war oberste Bürgerpflicht.
Überführung der Militärdiktatur
Während der Römischen Bürgerkriegsjahre regierte das Militär den Staat. Tatsächlich bestand eine Militärdiktatur bei Sulla, bei Caesar und auch bei Octavian. Doch nach den Bürgerkriegen drängten die Eliten darauf, dass die Republik wiederhergestellt werden müsse. Demnach musste sich Octavian überlegen, wie er seine im Bürgerkrieg errichtete Gewaltherrschaft in eine legitime und akzeptable Form überführt.
Octavian stand nach dem Sieg bei Actium (30 v. Chr.) vor drei großen Herausforderungen: Der Staat musste wieder aufgebaut werden, das Reich musste innen und außen abgesichert sein und die Nachfolge musste geregelt werden.
Retter der Republik
Zunächst gab Octavian am 13. Januar 27 v. Chr. alle seine Sonderbefugnisse wieder an den Senat zurück. Dies war ein Zeichen, dass die alte Ordnung bzw. die Römische Republik wieder hergestellt war (res publica restituta).
Drei Tage später, also am 16. Januar, wurde ihm der Ehrentitel Augustus vom Senat verliehen. Mit diesem Titel war klar, dass ein neues Herrschaftsmodell erfunden wurde.
Der Senat gab ihm die militärischen Sonderbefugnisse zurück und bat darum, dass Augustus weiter machen würde. Die dazugehörigen Rechtsmittel waren die oberste Militärgewalt in einigen Provinzen (imperium proconsulare). Erst später wurde Octavians Militärgewalt über das ganze Reich ausgedehnt (imperium proconsulare maius).
Erster Bürger Roms
Weitere Kompetenzen – welche eigentlich Amtsbefugnisse von Magistraten waren – kamen nach und nach hinzu. Diese Sonderbefugnisse vereinte Octavian in seiner Person. Fortan ließ sich Augustus jedes Jahr zum Konsul wählen. Als er dann 23/22 v. Chr. das Konsulat niederlegte, gab man ihm die Funktion des Volkstribunen auf Lebenszeit (tribunicia potestas).
Fortan vereinte er Vetorecht, Gesetzesinitiativen und die Schutzfunktion in sich. Zwar gab es kein genaues Verleihungsdatum für den Princeps, aber er trat ab 27 v. Chr. als princeps civitatis („Erster Bürger“) auf.
Mit dem Rang des Princeps war Octavian ein Alleinherrscher, konnte sich aber als einfacher Amtsträger in einem republikanischen Staat inszenieren. Dies beruhigte die Eliten, welche fortan Stillschweigen bewahrten.
In seinen öffentlichen Reden betonte Octavian immer wieder, dass er nur mehr Ansehen (auctoritas) und nicht mehr Amtsgewalt (potestas) als andere habe. Damit wurde das Narrativ, dass die Gewaltenteilung in der Römische Republik weiterhin existierte, immer wieder untermauert.
Wie funktionierte der Prinzipat unter Augustus?
Augustus betonte, er sei nur der Erste unter Gleichen (primus inter pares). Um dies stetig zu untermauern, betonte er in seinen Reden immer wieder, dass er nur mehr auctoritas (Ansehen) und nicht mehr potestas (Amtsgewalt) als andere habe. In Wahrheit war seine Machtstellung einzigartig.
Der römische Senat und die Volksversammlungen waren in der Römischen Republik die Instanzen, von denen staatliche Gewalt ausging. In den Bürgerkriegsjahren verlor der Senat immer mehr Macht an Feldherren. Militär wurde zum Machtfaktor. Doch nach den Kriegen sollte die Bedeutung des Senats wiederhergestellt werden. Denn eigentlich bestimmte dieses Gremium die Innen- und Außenpolitik Roms.
Im Prinzipat des Augustus blieb der Senat formal bestehen, um eine republikanische Fassade aufrechtzuhalten. Allerdings hatte der Senat keine reale Macht mehr. Diese ging einzig vom Princeps aus. Durch das Recht des censoria potestas konnte der Kaiser sogar über die Zusammensetzung des Senats bestimmen.
Die Macht des Senats war somit rein akklamatorisch. Das bedeutet, dass sie durch Beifall, Zuruf, Nicken oder Handheben ihre Zustimmung zu kaiserlichen Erlässen bekundeten. Die Innen- und Außenpolitik wurde vom Princeps bestimmt.
Allerdings gab sich der Princeps lediglich als Erster Bürger bzw. Erster Senator (princeps senatus) aus. Dieser Rang bestand bereits in der Römischen Republik. Der princeps senatus durfte als erstes im Senat sprechen, die Tagesordnung bestimmen und hatte einige weitere Sonderrechte bei den Senatssitzungen.
Daran knüpfte die Prinzipatideologie des Augustus an, indem er sich lediglich als obersten Senator ausgab. Tatsächlich hatte der Senat keine politische Bedeutung mehr, sondern spielte eine schauspielerische Rolle – indem er die Beschlüsse des Princeps akzeptierte und so tat, als ob er mitbestimmen würde.
Welche Reformen führte Augustus durch?
Als Augustus 30 v. Chr. als Sieger der Bürgerkriege hervorging, bestand eine Bürgerkriegsdiktatur. Die Römische Republik war faktisch abgeschafft. Aber er gab 27 v. Chr. dem Senat seine Sonderführungsrechte demonstrativ zurück, woraufhin der Senat demonstrativ diese Rechte an Augustus zurückgab. Dieses Schauspiel sollte demonstrieren, dass Augustus kein Diktator war und die Rettung der Republik (res publica restituta) anstrebte.
Tatsächlich behielt Augustus seine Privilegien und wurde zum Diktator. Doch durch das Schauspiel wurde die Diktatur zu einer legitimierten Alleinherrschaft, welche sich hinter republikanischen Strukturen versteckte. Der Senat war nur noch dazu da, um die Erlasse des Kaisers abzusegnen und zu demonstrieren, dass die Republik überlebt hatte.
Politische Reformen
Der Kaiser hatte die oberste Befehlsgewalt über alle Legionen in den wichtigsten Provinzen des Reiches (Imperium proconsulare). Später kontrollierte der Kaiser alle Legionen des Reiches (Imperium proconsulare maius).
Außerdem hatte der Kaiser das Amt des Volkstribun (Tribunicia potestas) auf Lebenszeit, wodurch er seine Princeps-Funktion deutlicher untermauern konnte.
In der ganzen Zeit der Römische Republik stützte sich das Reich auf zwei Säulen staatlicher Autorität: den Senat und das Volk. Von beiden Säulen sollte alle staatliche Macht ausgehen. Das Motto Roms lautete deshalb: Senatus Populusque Romanus (kurz: S.P.Q.R.).
Da der Kaiser den Senat kontrollierte, hatte er bereits eine Säule. Mit dem Amt des Volkstribunen kontrollierte der Kaiser auch die Volksversammlungen und somit die Institutionen der Volksvertretung (zweite Säule).
Das Amt des Volkstribun stattete den Kaiser mit einem Vetorecht bei der Besetzung von Magistraten (Ämtern) aus. Er hatte das Recht, eine Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen. Demnach konnte er Gesetzesvorschläge einbringen.
Durch sein Vetorecht als Volkstribun hatte der Kaiser die Möglichkeit, unbequeme Gesetze zu verhindern. Somit konnte er zwar Gesetze nicht alleinig beschließen und durchsetzen, hatte aber die Möglichkeit zur Einbringung seiner Vorschläge und zur Verhinderung andere Gesetzesvorschläge.
Der Kaiser konnte jederzeit den Senat und die Volksversammlung einberufen. Außerdem genoss er sakrosanktem Schutz, wodurch er unantastbar – im Sinne der Götter – war. Er konnte außerdem eine Senatsliste vorlegen und dadurch die Zusammensetzung des Senats beeinflussen (Censoria potestas).
Militärische Reformen
Die Heere in den wichtigsten Provinzen des Reiches unterstanden dem Kaiser. Octavian eroberte 30 v. Chr. Ägypten, die Kornkammer des Mittelmeeres. Diese Provinz unterstand ihm direkt. Andere Feldherren hatten kein Recht sich dort anzusiedeln. Und so ähnlich, wie in Ägypten, machte der Kaiser andere Provinzen ebenfalls zu seinem Eigentum.
Dadurch verfügte der Kaiser über die Ressourcen der Provinzen. Er kontrollierte den Handel und häufte so einen privaten Reichtum an. Von seinem privaten Reichtum bezahlte der Kaiser das stehende Heer, eine Veteranenarmee mit fester Dienstzeit.
Die Soldaten waren, aufgrund ihrer Besoldung, gegenüber dem Kaiser zu Loyalität verpflichtet. Sie schworen demnach ihren Treueeid auf den Kaiser und nicht auf den römischen Staat.
Verwaltungs- und Finanzreformen
Kaiser Augustus nutzte sein enormes Vermögen zur Finanzierung von Heer, Bauprojekten und der Versorgung der Bevölkerung. Dadurch verschaffte er sich die Loyalität seiner Bürger. Sie sahen in ihm einen Garanten für Wohlstand, Sicherheit und Ordnung.
Die Verwaltung in den Provinzen wurde reformierte. So wurden lokale Eliten als Provinzverwalter etabliert, welche vom Wohlstand profitierten. Durch diese Maßnahmen wurde die Korruption bekämpft und gleichzeitig wurde die Steuereintreibung weitaus effizienter.
Die Provinzen wurden in kaiserliche und senatorische unterteilt. Der Beamtenapparat wurde ausgebaut und professionalisiert.
Gesellschaftliche Reformen
Durch den Kaiserkult um Augustus und spätere Kaiser wurde der Herrscher direkt mit römischen Tugenden verknüpft. Traditionelle Gebräuche (mos maiorum) wurden gefördert, um ein Gemeinschaftsgefühl in allen Provinzen des Römischen Reiches zu erzeugen.
Sogenannte Sittengesetze (leges Iuliae) förderten die Ehe, verboten Ehebruch und sollten die Geburtenrate erhöhen. Schon damals war Demographie ein Indikator für Wohlstand und eine florierende Wirtschaft.
Religiöse Reformen
Der Kaiser erhielt den Titel des obersten Brückenbauers (Pontifex maximus). Somit war Augustus nicht nur der politische Führer, sondern auch der oberste Priester. Beide Ämter verschmolzen mit ihm, wodurch der Princeps einen sakralen Anstrich bekam. Deshalb konnte der Amtsträger religiös überhöht werden.
Der Schutzgeist des Kaisers (Genius Augusti) wurde zur lokalen Gottheit in sämtlichen Provinzen, wodurch sich ein Kaiserkult mit dem römischen Staatskult verbinden ließ. Die römischen Bürger schworen auf den Schutzgeist des Princeps, hielten Feste für ihn ab und etablierten Kulte um ihn. Dadurch erhielt der Princeps eine religiös-ideologische Erhöhung – ohne ihn als Diktator nennen bzw. feiern zu müssen.
Wie regierte Augustus das Römische Reich?
Der Prinzipat war ein Akzeptanzsystem. Demnach konnte Augustus nicht autokratisch oder diktatorisch durchregieren. Stattdessen bestand seine Regierungsarbeit im Abwägen, geschickter Inszenierung und legaler Absicherung. Es war ein Balanceakt zwischen Alleinbestimmung und Wahrung der republikanischen Fassade. Tatsächliche Kontrolle hatte Augustus über das Herr und die Kaiserprovinzen.
Innenpolitik
Die Innenpolitik Augustus konzentrierte sich auf innere Sicherheit und öffentliche Ordnung. Dazu mussten die römischen Provinzen beruhigt werden, weshalb Veteranen angeheuert, vom Kaiser gut bezahlt und in allen Provinzen stationiert wurden. In den Provinzen sorgte er für eine verlässliche Verwaltung, bekämpfte Korruption und sorgte für Wohlstand.
Neben der Erneuerung des Staatswesens sollte auch eine moralische Erneuerung das Reich stabilisieren. So führte er strenge Gesetze gegen Ehebruch und Unzucht ein. Er förderte Familien mit vielen Kindern und es gab Ehepflichten für Männer zwischen 25 und 60 Jahren, bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren.
Architektur und Bauwesen waren Ausdruck der Erneuerung. So ließ Augustus angeblich 82 Gebäude im Jahr restaurieren oder bauen. Darunter waren sehr oft Tempel oder andere sakrale Gebäude. Da sich der Princeps als sakrale Figur inszenierte und ab 12 v. Chr. das Amt des obersten Priesters (Pontifex maximum) übernahm, wurde der Staatskult immer politischer.
Augustus inszenierte sich als Bewahrer der römischen Tugenden (mos maiorum) und ab 19 v. Chr. übernahm er die cura morum – also die offizielle Sittenaufsicht.
Seine ganze Innenpolitik zielte darauf ab, aus der römischen Gesellschaft eine Einheit zu formen. Zu dieser Einheit sollten sich auch die Menschen in den Provinzen bekennen.
Diese Romanisierung – weit außerhalb Roms – war möglich, da die neu geschaffene Provinzverwaltung, der Ausbau der Provinzstädte und deren Anschluss an römischen Handelswegen den Wohlstand erhöhten. Gleichzeitig wurden durch Augustus Verwaltungsreformen die öffentliche Willkür und Korruption bekämpft. Seine militärischen Reformen sorgten für Frieden und Sicherheit in den Provinzen.
Außenpolitik
Augustus setzte die massive Expansionspolitik seiner Vorgänger nicht fort. Stattdessen setzte er auf Konsolidierung – also einer Festigung innerhalb der Reichsgrenzen.
Zu seinen Nachbarn baute das Römische Reich diplomatische Beziehungen auf und aus. So verzichtete Augustus auf den Partherkrieg seiner Vorgänger. Der Partherkönig Phraates IV. gab 20 v. Chr. die Legionsadler zurück, welche bei Carrhae verloren gegangen waren. In Rom wurde dieser symbolische Akt als großer Sieg inszeniert, obwohl es ein rein diplomatischer Erfolg war.
Gebiete, wie Armenien oder Kappadokien, wurden zu Klientelstaaten, welche Roms Grenzen absicherten. Im Kantabrischen Krieg (25-19 v. Chr.) eroberte Augustus die letzten Gebiete von Hispanien. Diese wurden in die römische Provinz Hispania Tarraconensis eingegliedert. Im Norden sicherte die Rhein-Donau-Grenze das Reich gegen die Germanen ab. Neue Provinzen entstanden: Raetia, Noricum, Pannonien, Moesien und Illyricum. Diese Außenprovinzen stabilisierten das Reich für Jahrhunderte.
Welche Ämter und Vollmachten hatte Augustus?
Augustus bündelte sämtliche Ämter und Vollmachten in seiner Person. Dadurch sicherte es sich faktisch die Alleinherrschaft im Römischen Reich, ohne offiziell ein König zu sein. So vereinigte er auf sich die militärische Oberbefehlsgewalt (imperium proconsulare maius), die politische Kontrolle (tribunicia potestas) und die religiöse Kontrollmacht (pontifex maximus).
Konsulat
Augustus wurde insgesamt 13-mal zum Konsul Roms gewählt. Sein erstes Konsulat trat er mit 19 Jahren an. In der Römischen Republik war das Konsulat das höchste politische Amt. Octavian nutzte es, um politische Kontrahenten auszuschalten, seine Legitimität als Erben Caesars oder seine Stellung im Staat zu festigen.
Der Konsul wurde für ein Jahr ins Amt gewählt. Zwischen 43 v. Chr. und 23 v. Chr. dominierte Octavian dieses Amt, was ihn inzwischen wie ein Diktatur wirken ließ. Deshalb legte er 23 v. Chr. das Amt dauerhaft nieder und wurde im Gegenzug zum Volkstribun auf Lebenszeit.
In den Jahren 5 v. Chr. und 2 v. Chr. ließ sich Augustus nochmals zum Konsul wählen. Dies hatte aber rein repräsentative Zwecke, um seine Enkel ins politische Rampenlicht zu führen.
Tribunizische Gewalt (tribunicia potestas)
Tribunicia potestas bedeutet auf Deutsch: tribunizische Gewalt. Dabei handelte es sich um alle Vollmachten des Volkstribunen. Da Augustus zur Adelselite gehörte, war er nach römischen Recht gar nicht wählbar für das Amt des Volkstribunen. Aber er bekam es dennoch und konnte sich volksnah inszenieren. Dieses Amt behielt er auf Lebenszeit. In diesem Amt besaß Augustus eine ganze Reihe von Sonderrechten:
- Vetorecht gegen die Beschlüsse des Senats und der Volksversammlungen
- Recht zur Einberufung des Senats und der Volksversammlung
- das Recht zum direkten Einbringen von Gesetzesvorschlägen (Gesetzesinitiative)
- Recht zur Leitung von Wahlen
Die Befugnisse machten ihn zum obersten Gesetzgeber des Römischen Reichs. Zudem besaß er im Amt eine sogenannte Sakrosanktität. Das bedeutet, dass seine Person nicht belangt werden konnte.
Dieses Amt stellte ihn ins Zentrum der römischen Politik. Es war das wichtigste Amt seiner politischen Karriere, da es erlaubte, an allen politischen Prozessen aktiv mitzuwirken oder unbequeme Tendenzen im Keim zu blockieren.
Augustus erhielt das Amt im Jahr 23 v. Chr., nachdem eine politische Krise die dauerhafte Besetzung des Konsulats erschwerte. Die tribunicia potestas ersetzten das Konsulat als wichtigstes Machtinstrument. Alle Kaiser nach Augustus zählten ihre Regierungsjahre nach der Zählung ihrer tribunicia potestas. Jene Befugnisse wurden somit der Kern des Prinzipats.
Princeps senatus
Der princeps senatus war kein Amt sondern ein Prestigetitel oder ein Rang. Übersetzt bedeutet princeps senatus: Erster im Senat.
An diesen Rang waren mehrere Rechte und Vorteile geknüpft. So durfte Augustus als Erstes im Senat sprechen, die Tagesordnung festlegen und dadurch die politische Agenda lenken. Auf Grundlage dieses Ranges wurde das Prinzipat mit Augustus als Princeps (Erster unter Gleichen) legitimiert.
Der Titel stellte Augustus als führenden Bürger dar und nicht als Alleinherrscher. Er bekam den Titel im Jahr 27 v. Chr. und behielt ihn auf Lebenszeit. Jener Prestigetitel war so eng mit Augustus verknüpft, dass die von ihm begründete Herrschaftsform danach benannt wurde.
Oberbefehlsgewalt (imperium proconsulare maius)
Das imperium proconsulare waren die Rechte eines Prokonsuls für die römischen Provinzen. Insbesondere betraf dies die militärische Befehlsgewalt.
Im Römischen Reich war ein Prokonsul ein Oberbefehlshaber für eine römische Provinz. Dort besaß er den Oberbefehl für die Administration und das Militär. Er bestimmte die diplomatischen Beziehungen zu Nachbarn, verwaltete die Staatskasse der Provinz und trat dort als oberster Richter auf.
Aber Augustus erhielt die Rechte des Prokonsul nicht für eine bestimmte Provinz sondern für mehrere. Zunächst waren diese Rechte für zehn Jahre beschränkt, wurden aber immer wieder verlängert.
Die Provinzen, welche Augustus als Prokonsul verwaltete, waren fast alle militärisch relevant. Demnach unterstand ihm direkt der Großteil der römischen Legionen. Während Augustus den Oberbefehl über mehr als zwanzig Legionen hatte, verfügte der Senat lediglich über etwa fünf Legionen. Somit lag die militärische Machtbasis in den Händen des Kaisers.
Im sogenannten Zweiten Verfassungssettlement (23 v. Chr.) wurde seine Machtbasis erweitert. Er bekam das imperium proconsulare maius (maius = größer). Damit stand seine Befehlsgewalt über allen Statthaltern. Kam es in den senatorialen Provinzen zu Unruhen, griff der Kaiser mit seiner Armee direkt ein. Somit war Augustus der oberste Befehlsherr, selbst dort – wo seine Befugnisse es formal nicht hergaben.
Die Oberbefehlsgewalt war besonders wirksam in Kombination mit der tribunizische Gewalt. So vereinte Augustus die Legislative (tribunicia potestas) mit der Exekutive (imperium proconsulare maius). Er wurde zum unangefochtenen Machtzentrum Roms.
Zensorengewalt (censoria potestas)
Die Zensorengewalt (censoria potestas) regelte die öffentlichen Ordnung in der Römischen Republik. Normalerweise wurde dieses öffentliche Amt von zwei Zensoren für eine bestimmte Zeit ausgefüllt. Augustus erhielt dieses Amt allein und dauerhaft. Dies war ein Bruch mit republikanischen Traditionen.
Durch die Zensorengewalt konnte Augustus darüber bestimmen, wer im Senat sitzen durfte und wer nicht. Er konnte Senatoren in den Senat aufnehmen und entfernen lassen. Somit kontrollierte er die Mitglieder des wichtigsten republikanischen Gremiums.
Weiterhin führte Augustus als Zensor den census durch. Dabei wurden alle römischen Bürger und ihr Vermögen erfasst. Diese Erfassung war die Grundlage für Steuer- und Abgabenpflicht.
Aber aufgrund ihrer Vermögenswerte wurden die römischen Bürger in unterschiedlichen Klassen (centuria) eingeteilt. Und jede soziale Klasse hatte ein unterschiedliches Stimmgewicht in der Volksversammlung.
Weiterhin legte der census fest, in welcher militärischen Einheit ein Bürger dienen durfte bzw. musste. Die untersten Klassen wurden für militärische Hilfsdienste eingeteilt, während die Oberklasse zur Reiterei (Equites) zugelassen wurde.
Mittels census bestimmte Augustus die soziale Ordnung Roms. Er durfte Bürgerlisten überprüfen und aktualisieren lassen. So formte er aktiv die Klasseneinteilung für alle Bürger. Dadurch konnte er über die politische Rechte, die Steuerpflicht und die militärischen Dienste eines jeden Einzelnen bestimmen.
An die Zensorengewalt war auch eine gesetzgeberische Oberaufsicht verknüpft. So konnte Augustus die römischen Gesetze prüfen lassen, ob diese im öffentlichen Interesse waren oder nicht. In Kombination mit der tribunizische Gewalt (tribunicia potestas) war Augustus in der Lage, die römische Gesellschaft sozial, politisch und moralisch zu formen. Diese Machtfülle hatte kein Herrscher vor ihm gehabt.
Imperator
Der Imperator-Titel war kein Amt, sondern ein militärischer Ehrentitel. Wer den Titel bekommen hatte, durfte einen Triumph beantragen. Im Jahr 38 v. Chr. ließ Augustus den Namensteil Gaius durch Imperator ersetzen. Den Titel hatte er vom römischen Senat verliehen bekommen.
Der Ehrentitel sollte seine Siege bei den Schlachten von Forum Gallorum und Mutina unterstreichen. Augustus nutzte den Titel geschickt, um sich als oberster Befehlshaber und erfolgreicher Feldherr zu inszenieren. Dadurch konnte er seine persönliche Autorität mit militärischer Stärke verknüpfen, um so seine Legitimation zu erhöhen.
Spätere Kaiser übernahmen den Imperator-Titel automatisch, wodurch der Imperator (deutsch: Kommandant) zu einem Herrschertitel bzw. Herrschaftsanspruch verfärbte.
Pontifex maximus
Der Pontifex maximus war das Amt des obersten Priesters in Rom. Augustus nahm das Amt im Jahr 12 v. Chr. an, nachdem der vorherige Amtsträger Lepidus verstorben war.
Seine Befugnisse in dem Amt reichten von der Ernennung der Priester bis zur Kontrolle der religiösen Normen. Dadurch war es Augustus möglich, den Staatskult zu lenken, Tempelgebäude nach seiner Vorstellung restaurieren zu lassen und den religiös-moralischen Kompass für das römische Volk festzulegen.
Weiterhin stärkte das Amt seine religiöse Legitimation, wodurch er sich als gottgewollter Herrscher ausgeben konnte.
Pater patriae
Der Titel Pater Patriae bedeutet: Vater des Vaterlandes. Mit diesem Ehrentitel gelang es Augustus, sich als Schutzmacht des römischen Staates auszugeben. Als Vater aller Römer verkörperte er die römischen Tugenden und wurde so zum moralischen Vorbild.
Den Ehrentitel bekam Augustus im Jahr 2 v. Chr., also relativ spät. Mit der Titelverleihung sollte sein Zutun beim Beenden der Römischen Bürgerkriege, seine Reformen in Verwaltung und Staatswesen – welche zur Stabilisierung des Reiches beitrugen – gewürdigt werden.
Lex de imperio
Das Lex de imperio war ein Gesetz, welches die Reformen und Beschlüsse von Augustus rechtlich absicherte. Denn rein rechtlich war die Römische Republik nie untergegangen, weshalb die Alleinherrschaft von Augustus nie rechtmäßig gewesen wäre.
Sämtliche Sonderbefugnisse (Oberbefehlsgewalt, Zensorengewalt, Gewalt des Volkstribun) wurden erst durch das Lex de imperio rechtsverbindlich. Damit schützte dieses Gesetz alle Sonderbefugnisse vor Anfechtung. Und gleichzeitig legitimierte dieses Gesetz die alleinige Amtsherrschaft des Augustus und gab ihr den republikanischen Anstrich, den sie brauchte.
cura morum
Cura morum war die Sittenaufsicht im Römischen Reich. Diese Aufsicht übernahm Augustus ab 19 v. Chr. (Teil der Zensorengewalt). Mittels dieser Amtsgewalt konnte er eine moralpolitische Agenda aufsetzen und verfolgen. So förderte er die traditionell römischen Werte (mos maiorum) und setzte Sittengesetze (leges Iuliae) um.
Diese Prozesse dienten der moralischen Legitimation seiner Herrschaft. Denn fortan konnte sich Augustus als Bewahrer der Sitte und Moral inszenieren. Dieser Anstrich passte gut zum Narrativ, dass Augustus die Alte Ordnung (Römische Republik) bewahren würde. Er galt so als Bewahrer, Erneuerer und Wiederhersteller alter Werte und Tugenden.
Jene Sittenaufsicht gestattete ihm, ins Privatleben der Bürger einzugreifen, dieses zu durchleuchten und zu ächten. Dadurch wurde das Römische Reich unter seiner Alleinherrschaft zu einem totalitären Sittenstaat.
konsularischen Ehrenrechte
Augustus behielt auch nach seiner Amtsabgabe (23 v. Chr.) sämtliche Ehrenrechte des Konsulats. Dazu gehörten das Tragen der Konsularinsignien und der Ehrenplatz im Senat. Mit dieser Inszenierung wurde eine Gleichrangigkeit zwischen Augustus und den Konsuln erzeugt, wodurch die symbolische Präsenz des echten Konsulats bei Augustus nie verloren ging.
Wie funktionierte die Verwaltung unter Augustus?
Augustus hat das Staatswesen des Römischen Imperiums reformiert und umgebaut. Die wichtigsten Politikfelder werden im Folgenden einzeln erklärt.
Zweiteilige Provinzverwaltung
Unter Augustus wurden die römischen Provinzen in zwei Gruppen aufgeteilt: die kaiserlichen und die senatorischen Provinzen.
Kaiserliche Provinzen
Die Kaiserprovinzen lagen fast ausschließlich an den Grenzen des Reiches, weshalb eine dauerhafte Militärpräsenz notwendig war. Jene Provinzen standen unter kaiserliche Kontrolle. Das bedeutet, dass Augustus die Administration betrieb, den Handel festlegte und oberster Richter war.
Die kaiserlichen Legionen in den Gebieten wurden von der kaiserlichen Staatskasse bezahlt. Gleichzeitig wurden die Ressourcen und Gewinne aus den Provinzen durch ihn abgeschöpft und flossen in die kaiserliche Kasse ein.
Senatorische Provinzen
Die Senatprovinzen unterstanden dem römischen Senat. In diesem Provinzen waren weniger Legionen nötig, da es sich um militärisch und geopolitisch unbedeutsamere Regionen handelte. Die Statthalter in den Senatprovinzen waren Prokonsuln, wie es in der republikanischen Tradition üblich war. Da den Senatprovinzen die militärische Kraft fehlte, wurden sie von kaiserlichen Legionen beschützt und dominiert.
Mit der Aufteilung der Provinzen gelang Augustus die Aufrechthaltung einer republikanischen Fassade. Aber dadurch, dass er das Militär in seinen Provinzen selbst bezahlte, schworen die Legionen ihren Treueid auf den Kaiser und nicht auf den Senat.
Veteranen wurden gezielt in Provinzen angesiedelt, um dort die kaiserliche Loyalität zu sichern. Und da die kaiserlichen Armeen weitaus größer waren als die senatorischen, konnte Augustus stets Druck ausüben. Somit waren die Senatsprovinzen nur eine Fassade, um die tatsächliche Alleinherrschaft zu verstecken.
Professionalisierung
In der Zeit vor Augustus waren die Provinzen ein Spielball mächtiger und korrupter Statthalter. Deshalb baute Augustus den Beamtenapparat massiv aus. Zusätzlich setzte er loyale und qualifizierte Legaten in den Kaiserprovinzen ein. Dadurch stellte er Rechtssicherung und Ordnung her.
Korruption und politischer Zerfall wurden zurückgedrängt. Es entstanden Wohlstand und Stabilität in den Provinzen. In den Provinzen wurde die Staatskasse (aerarium) vom fiscus (Haushalt des Princeps) getrennt. Eine persönliche Inspektion durch den Kaiser in einigen Provinzen regelmäßig. Dadurch wurde die Disziplin der Amtsträger geschärft. Gleichzeitig verschaffte sich Augustus ein Gesamtbild über die Beschaffenheit provinzialer Strukturen, um diese immer wieder neu zu strukturieren.
Finanzverwaltung
Augustus reformierte die Finanzverwaltung grundlegend, indem er ein duales System einführte. Dieses Zweiersystem sollte demonstrieren, dass die Macht von Princeps und Senat formal getrennt war. Doch faktisch blieb die Kontrolle beim Princeps.
augusteische Finanzordnung
Die augusteische Finanzordnung sah eine klare Trennung zwischen der Senatskasse (Aerarium Saturni) und der kaiserliche Kasse (Fiscus Caesaris) vor. Der Senatsschatz wurde dazu verwendet, um die Senatsprovinzen zu verwalten, während der Kaiserschatz dazu verwendet wurde, Militär zu bezahlen, Wohltaten zu demonstrieren und Sakralbauten zu errichten.
Dominierende Einnahmequelle war der fiscus (Kaiserschatz). Denn die Kaiserprovinzen lagen an den Haupthandelsrouten. Einnahmen wurden über Steuern, Zölle, Abgaben und Erträge aus kaiserlichen Gütern und Bergwerken erzielt.
Das private Vermögen des Kaisers (patrimonium) wurde vom fiscus getrennt. Finanzverwalter (Prokuratoren) wurden eingesetzt. Diese sollte Korruption bekämpfen, Wirtschaft befeuern und den Staatshaushalt auf solide Stützen stellen. Alle diese Maßnahmen waren eine Abkehr der alten republikanischen Willkür und Korruption.
Duale System als Machtinstrument
Das duale System der Finanzverwaltung wurde zum entscheidenden Machtinstrument des Prinzipats. Denn dadurch, dass die Senatsprovinzen nur unbedeutende Gebiete waren, floss weniger Geld in die Senatskasse. Die kaiserlichen Provinzen hingegen florierten, wodurch der Kaiserschatz zunehmend anwuchs.
Da von den jeweiligen Kassen auch das Militär bezahlt wurde, konnte sich der Senat niemals solche Militärausgaben wie der Kaiser leisten. Deshalb wurde die Vormachtstellung des Princeps auch über den Staatshaushalt gefördert.
Militärverwaltung
Die Militärverwaltung war das Rückgrat des Prinzipats. Augustus baute ein stehendes Heer (Berufsarmee) auf, welche vom fiscus (Kaiserkasse) finanziert wurde. Diese Legionen waren in den Kaiserprovinzen stationiert, überwachten Handelswege und Reichsgrenzen.
Das Heer wurde professionalisiert und ausgestattet. Die Dienstzeit betrug zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre. So setzte man auf Erfahrung, gewachsene Disziplin und Loyalität.
Die Versorgung der Veteranen in den kaiserlichen Legionen wurde ebenfalls vom fiscus gewährleistet. So bekamen Veteranen nach ihrer Dienstzeit ein Stück Land oder Prämienzahlungen. Da die Legionen vom Kaiser bezahlt wurden, leisteten sie ihren Treueeid auf Augustus und nicht auf den römischen Staat. Die Ansiedlung von loyalen Veteranen in den Kaiserprovinzen sorgte für einen stetigen Zuwachs kaiserlicher Loyalität.
Die Legionen in den Senatsprovinzen wurden aus der Senatskasse (aerarium) bezahlt. Da die Senatsprovinzen eher unbedeutend waren, fand dort kaum Handel und wirtschaftlicher Aufschwung statt. Demnach floss weniger Geld aus den Provinzen in den Senatshaushalt. Und somit konnte sich der Senat auch weniger Senatslegionen leisten als der Kaiser.
Unter Augustus wurde die Prätorianergarde als Schutztruppe des Kaisers gegründet. Stationiert waren die Prätorianer in oder um Rom. Da man sich deren Loyalität ganz sicher sein musste, wurden die Prätorianer besser bezahlt als gewöhnliche Legionäre. Auch in späteren Zeiten blieb die Prätorianerarmee ein Machtinstrument des Kaisers, um seinen politischen Willen noch mehr Nachdruck zu verleihen.
Stadtverwaltung Roms
Zu Augustus Zeiten war Rom überbevölkert, chaotisch und instabil. Darauf reagierte der Kaiser mit einer Fülle von Reformen. So wurde eine Feuerwehr (vigiles) gegründet, welche ständig einsatzfähig war. Dadurch konnte erstmals eine professionelle Kampfbekämpfung in Rom stattfinden.
Außerdem gründete Augustus eine zivile Schutztruppe (cohortes urbanae). Diese agierten ähnlich wie eine heutige Polizei. Sie bekämpften Kriminalität und sorgten für Sicherheit. Die Prätorianergarde war, neben der zivilen Schutztruppe, ein weiterer Garant für Ordnung und Sicherheit.
Insgesamt soll Augustus zweiundachtzig Tempel restauriert haben. In Rom wurde zudem die Wasserversorgung mittels Brunnen und Aquädukten ausgebaut. Der Bau des Augustusforums wurde vollzogen, genauso wie der Bau der Marcellustheater oder der Sonnenuhr (Solarium Augusti).
Für die Stadtverwaltung in Rom setzte Augustus auf eine Mischung von senatorischen und ritterlichen Beamten. So wurden curatores für ganz spezielle Aufgaben eingesetzt (z. B. Wasserversorgung). Ritterliche Beamte (Prokuratoren) wurden im Finanzwesen eingesetzt. Und einzelne Präfekten bekamen gesonderte Aufgabenbereiche. So war der praefectus urbi ein Stadtpräfekt und der praefectus annonae wurde mit der Getreideversorgung betraut.
Sozialpolitik
Die Sittengesetze (leges Iuliae) sollten die römische Gesellschaft disziplinieren und stabilisieren. Jene Gesetze wurden zwischen 18 v. Chr. und 9 n. Chr. auf den Weg gebracht.
Ehe und Familiengesetze
Zuerst wurden die Ehe- und Familiengesetze (Lex Iulia de maritandis ordinibus) beschlossen. Diese verpflichteten Frauen und Männer aus der Oberschicht zur Eheschließung. Es gab Sanktionen für Unverheiratete. So wurde bspw. das Erbrecht bei Unverheirateten beschränkt.
Weiterhin wurde Ehebruch öffentlich bestraft. Frauen, welche ihren Mann hintergangen hatten, wurden teilweise verbannt. Bei Männer fielen die Strafen insgesamt milder aus. Eine Sanktionierung fand dennoch statt.
Sittengesetze
Die Sittengesetze (Lex Iulia de ambitu) bekämpften Korruption bei der Wahl oder regelten Gewaltverbrechen.
Grundversorgung
Die Disziplinierung der römischen Bevölkerung war nur eine Säule der augusteischen Sozialpolitik. Die zweite Säule war die Absicherung und Versorgung des Volkes. So wurden Veteranen nach ihrer Dienstzeit abgesichert, indem sie Land oder eine zusätzliche Prämie bekamen.
Ein zentraler Bestandteil war die Grundversorgung mit Getreide. So wurde die Getreideversorgung Roms (cura annonae) von kaiserlichen Beamten überwacht. Geleitet wurde diese Verwaltung vom praefectus annonae, einem hochrangigen Beamten – welcher die komplette Versorgungskette überwachen sollte.
Das Getreide kam aus Ägypten, der sogenannten Kornkammer in der Antike. Entlang der Getreideroute von Nordafrika bis Rom wurden Lagerstrukturen gebaut. Die Grundversorgung war auch ein symbolischer Akt für Augustus. Denn so konnte er sich als Ernährer des Volkes inszenieren.
Münzen mit der Göttin Annona wurden geprägt und dienten als Personifizierung dieser Meisterleistung.
Welche Gebiete eroberte Augustus?
Ägypten
Ägypten wurde ab 30 v. Chr. zur römischen Provinz. Die Eroberung des nordafrikanischen Gebietes geschah im Zuge des Kampfes um Caesars Erbe (Marcus Antonius vs. Octavian).
Ersterer hat sich im Jahr 41 v. Chr. mit Kleopatra VII. gegen Octavian verbündet. Er sorgte dafür, dass Kleopatras Sohn Caesarion als leiblicher Sohn Caesars anerkannt wurde. Weiterhin setzte Marc Antonius die anderen Kinder Kleopatras als Erben für römische Gebiete ein. Daraufhin erklärte Octavian dieses Bündnis als Akt gegen Rom, wodurch Marc Antonius als Verräter gebrandmarkt wurde.
Der römische Senat sah das Bündnis als Bedrohung, woraufhin Rom den Ägyptern den Krieg erklärte. Jeder Römer, welcher sich immer noch auf die Seite von Marcus Antonius stellte, galt als Verräter an Rom. Durch diesen Schachzug war es Octavian gelungen, einen Kampf gegen einen inneren Kontrahenten (Marc Antonius) in einen Krieg gegen einen äußeren Feind umzumünzen. Und er hatte die ganze militärische Unterstützung Roms auf seiner Seite, um sein politisches Erbe zu erkämpfen.
Der Ptolemäische Krieg wurde am Anfang des Jahres 31 v. Chr. eröffnet, indem Octavian seine Truppen nach Griechenland versetzte. Dieses Gebiet gehörte zum Machtbereich von Marcus Antonius, weshalb die Truppenbewegung einem Kriegsbeginn entsprach. Am 2. September 31 v. Chr. kam es zur entscheidenden Seeschlacht bei Actium, in welcher Octavians Flotte gegen die Bündnisflotte von Kleopatra und Antonius siegte.
Im darauffolgenden Jahr nahm Octavian die Stadt Alexandria (Nordägypten) ein. Nach der Einnahme beging zuerst Marc Antonius Selbstmord. Kleopatra folgte dem Beispiel ihres Geliebten einige Tage später.
Octavian machte Ägypten zur römischen Provinz. Über den Reichtum Ägyptens wusste Octavian sehr wohl Bescheid, weshalb er das Gebiet zum kaiserlichen Besitz machte. Dies garantierte ihm eine Getreideversorgung für Rom, aber auch enorme Steuereinnahmen. Wer Ägypten besetzte, hatte die strategische Kontrolle über die Levante und den Nahen Osten.
Galatien
Galatien ist eine historische Landschaft im Zentrum der heutigen Türkei. König von Galatien war bis 25 v. Chr. ein aus Asien stammender römischer General, namens Amyntas.
In den Bürgerkriegen zwischen Octavian und Marcus Antonius stand Amyntas zunächst auf der Seite von Antonius, wechselte nach der Schlacht bei Actium aber die Seiten. Nach dem Sieg von Actium ließ Octavian das galatische Gebiet in Ruhe und ließ die Stellung von König Amyntas unangetastet. Als dann Amyntas im Jahr 25 v. Chr. zog Augustus das Gebiet ein und machte es zur römischen Provinz .
Nordspanien
Rom kontrollierte bereits große Teile des heutigen Spaniens. Nur in Nordspanien gab es ein Gebiet, welches von Kantabrer und Asturer kontrolliert wurde. Diese waren gegenüber Rom feindlich, weshalb es immer wieder zu Überfällen kam.
Augustus wollte Kantabrien und Asturien erobern, um die römische Herrschaft in Spanien zu vollenden. Außerdem war Spanien reich an Gold, Eisen und anderen Metallen. Die Eroberung von Nordspanien war demnach eine Prestigefrage und sollte seine Legitimation erhöhen.
Der Kantabrischen Krieg dauerte von 29 v. Chr. bis 19 v. Chr.. Es war einer der härtesten Konflikte des frühen Prinzipats. Zeitweise leitete Augustus den Krieg als Feldherr selbst, musste aber aufgrund von Krankheit abziehen und übergab das Kommando an seine Generäle.
Die Kantabrer und Asturer waren den Römern zahlenmäßig und auch technisch unterlegen, weshalb sie auf Guerillataktiken zurückgriffen. Die Römer regierten mit noch mehr Truppen, Belagerungen und koordinierten Zerstören von Rückzugsorten.
Nach zehn Jahren endete der Krieg siegreich für Rom als sich die letzten Völker ergaben und unterwerfen ließen. Augustus ließ sich für den Sieg feiern und als „Befrieder Spaniens“ ausrufen.
Die eroberten Regionen wurden in die Provinz Hispania Tarraconensis integriert. Rom erhielt Zugang zu Gold und Eisen. Fortan war die gesamte Iberische Halbinsel römisch.
Alpenraum
Norditalien war für die Römer höchst unsicher und wurde immer wieder durch die Alpenvölker bedroht. Zu diesen Völkern gehörten die Räter, die Vindeliker oder die Noriker. Julius Caesar hatte bereits 51 v. Chr. im Gallischen Krieg das sogenannte Freie Gallien unterworfen.
Nun galt es für Augustus die Verbindungslinie zwischen Rom und Gallien zu stabilisieren. Denn wer die Alpen kontrollierte, kontrollierte auch den Warenverkehr von Süd- nach Mitteleuropa. Deshalb schickte Augustus seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius in die Schlacht gegen die Alpenvölker. Diese rückten 15 v. Chr. mit zwei Heeren gleichzeitig vor. So kam Drusus aus Gallien (von Nordwesten) und Tiberius von Italien (Süden). Die Heere kesselten die Alpenvölker ein und besiegten diese.
In der Folge entstanden neue römische Provinzen: Raetia auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, Bayerns und Tirol. Die Gebiete vom heutigen Österreich und Süddeutschland wurde zur römischen Provinz Noricum.
Oberhalb des heutigen Monaco errichteten die Römer ein Denkmal, welches als Tropaeum Alpium oder Tropaeum Augusti bezeichnet wird. In diesem Siegerdenkmal ließ Augustus die Namen der besiegten Stämme eingravieren. Die politische Botschaft dahinter lautete: „Die Alpen gehören jetzt Rom.“
Judäa
Judäa ist die historische Region Palästina im Nahen Osten. Bereits 63 v. Chr. eroberte Gnaeus Pompeius Magnus das Gebiet. Doch die politische Kontrolle über Judäa war für die Römer höchst herausfordernd. Deshalb unterstützten die Römer einen jüdischen Klientelkönig, namens Herodes. Dieser eroberte 37 v. Chr. das Gebiet mit römische Unterstützung und stürzte die bis dahin regierenden Hasmonäer. In der Folge akzeptierten die Römer, dass Herodes der Große in Judäa ein römisches Klientelkönigreich unterhielt.
Als dann Herodes 4 v. Chr. starb, wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Herodes Archelaos erbte das Kernland mit Judäa, Samaria und Idumäa. Es stellte sich heraus, dass Archelaos äußerst unfähig und grausam war – weshalb Augustus ihn 6 n. Chr. absetzte. Die Römer integrierten dann Judäa in die bereits bestehende Provinz Syria ein. Allerdings erhielt Judäa einen eigenen Statthalter (z.B. Pontius Pilatus).
Wie stark waren die Legionen unter Augustus?
siehe auch: Fragen und Antworten zur römischen Legion
Als Augustus 14 n. Chr. starb, bestand die römische Armee aus etwa 250.000 Soldaten. Die Hälfte von ihnen waren Legionseinheiten. Und die andere Hälfte waren Auxiliartruppen, also Hilfseinheiten von Nichtrömern.
Eine Legion bestand zu Zeiten Augustus aus 5.500 Soldaten, welche in zehn Kohorten aufgeteilt waren. Die meisten Soldaten wurden in Norditalien und Südfrankreich rekrutiert. Angeführt wurde eine Legion von einem Legaten, welcher aus dem senatorischen Adel stammte.
Nach den Bürgerkriegsjahren, in denen die Legionen politisiert waren, bestand das Kunststück für Augustus darin – seine Berufsarmee politisch zu entschärfen. Um 30 v. Chr. gab es etwa 60 Legionen. Octavian hat die Soldaten teilweise entlassen, mit Land versorgt oder ausbezahlt. Dann pendelte sich die Anzahl der Legionen etwa bei 28 ein.
Nach der verlorenen Varusschlacht (9 n. Chr.) wurden die drei verloren gegangenen Legionen nicht wieder aufgebaut, so dass das stehende Heer etwa 25 Legionen hatte.
Stationiert waren die meisten Legionen in den kaiserlichen Provinzen des Reiches. Aus militärischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen lagen die Legionen meist an den Außengrenzen des Reiches. Dort konnten sie eine Drohfunktion nach außen und innen ausüben. Außerdem konnten sie dort schnell für neuere Kriege aktiviert und billiger untergebracht werden.
Italien blieb nach den Bürgerkriegen frei von Legionstruppen. Damit demonstrierte Augustus seine Friedensabsichten und unterstricht die Symbolkraft der Pax Augusta.
Warum verlor Augustus Armee die Varusschlacht?
siehe auch Hauptartikel: Varusniederlage
Publius Quinctilius Varus zog im Frühsommer 9 n. Chr. mit drei Legionen (Legio XVII, Legio XVIII und Legio XIX) von Vetera (Xanten) an die Weser. Im Sommerlager an der Weser wollten die Römer ihre Truppenpräsenz demonstrieren. Auf Veranlassung von Arminius und Segimer wählte Varus eine ganz bestimmte Route, welche sich allerdings als Hinterhalt herausstellte. Zuvor hatte Arminius, welcher eigentlich von den Cheruskern (germanischer Stamm) stammte, sämtliche Germanenstämme unter sich vereint.
Auf einem schmalen Sandstreifen zwischen einem Moor und dem Wiehengebirge wurden die Legionen von den Germanen gestellt. Die Marschkolonne der Römer betrug dort etwa 15 km. Dadurch konnten die Germanen an beliebigen Stellen zuschlagen und punktuell in der Übermacht sein.
Sobald die Römer auf die Überfälle reagierten, wichen die Germanen in unwegsames Gelände aus. Dort konnten die Römer nicht in geschlossener Formation kämpfen und ihre schwere Rüstung wurde zur Behinderung. Der andauernde Wechsel zwischen Marsch- und Kampfformation muss die Römer zermürbt haben. Dadurch wurde die taktische Überlegenheit der Legionäre paralysiert.
Die Überfälle dauerten mehrere Tage an. Am Ende der Varusschlacht waren alle drei Legionen verloren. Aus Schande über die Niederlage und seine Einfältigkeit auf Arminius zu hören, tötete sich Varus selbst. In der römischen Geschichte wurde die Varusschlacht auch als Varuskatastrophe beschrieben.
Welche Bedeutung hatte die Varusschlacht für Augustus Amtszeit?
Als Augustus von der Niederlage erfuhr, soll er laut dem römischen Historiker Suetonius so erschüttert gewesen sein, dass er mit dem Kopf gegen die Mauern seines Palastes stieß und schrie:
„Quintili Vare, Legiones Redde! (Quintilius Varus, gib mir meine Legionen zurück!)“
Doch die Legionsnummern XVII, XVIII und XIX wurden von den Römern nicht mehr verwendet. Man vermutete dass es Unglückszahlen waren und bezifferte diese Nummern als Symbol der Schande.
Die Varuskatastrophe beendete abrupt die Zeit der glanzvollen römischen Expansion. Da Augustus Ideologie ganz klar darauf abzielte, das römische Militär mit ihm als Person zu verknüpfen – könnte diese Niederlage auch Zweifel an seiner Autorität aufkommen lassen.
Der Triumph (triumphus) wurde von Augustus bereits monopolisiert, weshalb ihm allein das Wohlwollen der Götter zustand. Und dieses Bild des Wohlwollens bekam Risse. Denn die Varusniederlage könnte genau dieses Bild ins Wanken bringen. Deshalb verstand der Kaiser es als seine oberste Pflicht, die Schmach der Niederlage zu überwinden.
Doch zunächst wurde die Germanien-Expansion beendet. Der Plan von Augustus vom Schaffen einer Provinz „Germania Magna“ war gescheitert. Die Römer räumten zunächst alle rechtsrheinischen Stützpunkte und zogen sich zur Grenzsicherung zurück. Die Niederlage führte dazu, dass die militärische Disziplin verschärft und die Marschordnung neu durchdacht wurde. Augustus Außenpolitik wurde vorsichtiger. Riskante Großoffensiven wurden unterbunden und sogar verboten.
Tiberius übernahm die defacto Führung des Militärs und wurde für Augustus Nachfolge vorbereitet. Germanicus hatte im Jahr 12/13 n. Chr. die Kommandogewalt für Germanien von Tiberius durch Augustus übertragen bekommen. Laut Augustus wurde Tiberius die oberste Pflicht übertragen, den Zustand vor der Varusschlacht in Germanien wieder herzustellen.
Was bedeutet „Pax Augusta“?
Die Pax ist in der römischen Mythologie die Friedensgöttin. Mit Pax Augusta meinte Augustus das Ende der Bürgerkriegssituation seit seiner Machtfülle. Nach außen war die Pax Augusta ein wehrhafter Frieden. An den Grenzen gab es weiterhin Eroberungen und Ruhm. Was anderes hätten sich die Römer niemals vorstellen können.
Dass sich Augustus als Friedenskaiser rühmte, ist nicht belegt. Denn eigentlich gab es vor und nach ihm keinen Kaiser, welcher so viele Gebiete dazugewann. Mit Frieden war demnach nur der innere Frieden, also die Abwesenheit von Bürgerkrieg, gemeint.
Der Eroberungswille des Augustus war ein Teil einer Selbstverständlichkeit, welche einen großen Herrscher ausmachte. In der Denkweise der Römer musste ein Anführer expandieren und dazu gewinnen. Ansonsten verlor dieser seinen Glanz und somit seine Loyalität.
Die militärische Eroberung geschah somit aus Prestigegründen, stärkte aber die kaiserliche Loyalität nach innen. Frieden war schön, aber die Sieghaftigkeit des Kaisers musste andauernd demonstriert werden. Deshalb war es umso wichtiger, dass die bedeutenden Siege immer von einem Mitglied der iulisch-claudischen Dynastie errungen wurden. Für Augustus war es ein Segen, dass in seiner Familie viele erfolgreiche Feldherren waren. So etwa Tiberius, Agrippa Postumus, Drusus oder Germanicus.
Welche Rolle spielte der Kaiserkult unter Augustus?
Die römische Mythologie kannte bereits eine Erhöhung von Göttern und Halbgöttern. Aber auch Reichsgründer, Reichsretter und Kriegshelden wurden bewundert und verehrt. Der Polytheismus der Römer kannte Zwischenräume und Nischen, in welche man einen Herrscher stecken konnte, so dass dieser eine Vergöttlichung und Heroisierung erfuhr.
Im orientalischen Osten war der Herrscherkult tief verwurzelt und mischte sich dort mit dem Staatskult der Gottkönige. Die römischen Feldherren, welche im Osten dienten, erfuhren solche Erhöhungen – wodurch sie sich beeindrucken ließen. Doch die republikanischen Römer blieben bei solchen Vorstellungen eher skeptisch, da diese Erhöhungen immer einen monarchischen Anstrich hatten.
Zweideutigkeit
Für Augustus Kaiserkult blieb somit nur eine gewisse Zweideutigkeit. Er betonte im Westen immer wieder, dass er kein Gott sei. Gleichzeitig akzeptierte er, dass er im Osten als Herrscher und Gott verehrte wurde. Dort machte er allerdings zur Bedingung, dass er nur in Verbindung mit der Göttin Roma verehrt werden dürfe. So fußte der Kaiserkult im Osten auf den römischen Staatskult, welcher bereits etabliert war.
In beiden Reichshälften kam es zu Verflechtungen, woraus sich die Verehrung des Genius Augusti ergab. Diese Form des Kultes sah vor, nicht Augustus als Person, sondern seine übermenschliche Ausstrahlung (Genius) zu verehren. In dieser Form etablierte sich der Kult auch in Italien, außerhalb von Rom. Dort bildete sich mit den Augustales eine eigene Priesterschaft.
Schon zu Beginn seiner Amtszeit nahm Augustus mehrere Kultobjekte als Auszeichnung entgegen. So wurde ihm im großen Staatsakt von 27 v. Chr. – als er die Republik wiederherstellte – die Auszeichnung des Bürgerkranzes aus Eichenlaub (corona civica) verliehen. Diese Auszeichnung sollte seine Rolle als Republikretter unterstreichen. Ein goldener Ehrenschild (clupeus virtutis) zählte alle seine Tugenden auf. Mittels dieser Kultobjekte geschah bereits die Heroisierung, welche zur Grundlage späterer Huldigungen wurde.
Legitimationszwecke
Da eine göttliche Verehrung eines lebenden Kaisers den römischen Bürgern widerstrebte, nahm Augustus bereits zu Lebzeiten den Titel „divi filius“ (Sohn des Vergöttlichten) an. Julius Caesar, der Adoptivvater Octavians, war bereits tot – weshalb dessen Vergöttlichung von den Römern akzeptiert wurde.
Da sich Augustus als Sohn des Vergöttlichten bezeichnete, färbte der Caesarkult auf ihn ab. Und auf diese Weise färbte auch seine eigene Legitimation als Erbe Caesars ab.
Genauso wie das Prinzipat eine Alleinherrschaft im republikanischen Gewand war – kam auch der Kaiserkult daher. So wurde Augustus als gottähnlich verehrt, aber er wurde nicht so bezeichnet – um die republikanische Fassade zu wahren.
Integrationszwecke
Der Kaiserkult um den Geist des Augustus (Genius Augusti) war ein religiöses Bindemittel zur Integration der Provinzen ins Gesamtreich. Da ein Herrscherkult in den Ostprovinzen bereits integriert war, konnte Augustus diesen mit dem römischen Staatskult und mit dem Kult um seine Person verbinden. Sämtliche Kultobjekte, wie Tempel, Altäre und Feste ihm zu Ehren wurden genutzt, um die Ostprovinzen ins Reich zu integrieren.
Stärkung der Autorität
Zwar lehnte Ocatvian den verhassten Titel des Monarchen ab. Aber er ließ sich zum Augustus (der Erhabene) machen. Mit diesem Titel hatte seine Person eine sakrale Bedeutung. Als Augustus zum obersten Priester (Pontifex maximus) wurde, unterstrich dieses Amt seine religiöse Bedeutung. So wurde er zum sakralen Bezugspunkt des Staates.
Warum förderte Augustus Kunst und Literatur?
Sueton schreibt in seiner Augustusvita, dass Octavian Rom als eine Stadt mit Ziegeln übernahm und zu einer Stadt mit Marmor machte. Ganz so ausgiebig war es nicht, schon allein deshalb, weil Marmor importiert werden musste.
Zudem hassten die Römer, laut Marcus Tullius Cicero, privaten Luxus (privata luxuria). Aber sie liebten den Prunk an öffentlichen Gebäuden (publica magnificentia). Und genau daran hat sich Augustus orientiert. Eine entscheidende Erleichterung war die Erschließung der Marmorbrüche von Luni (Carrara). Denn fortan stand den Römern italienischer Marmor zur Verfügung.
Augustus war selbst ein großer Literaturliebhaber und dilettierte selbst in Vers und Prosa. Einige Texte wurden von Augustus in Auftrag gegeben, so etwa das Carmen saeculare von Horaz. Andere Dichter, wie Properz, suchten mit ihren Werken die Gunst des Princeps. Dennoch blieben Autoren weitestgehend unabhängig.
Vergil schrieb sein Nationalepos Aeneis und feierte darin die Größe Roms. Die römische Dichtkunst war meist ein Lobgesang auf Rom und nicht auf eine Person. Dennoch nutzten Lobeshymnen auch den Princeps, welcher durch seine Prinzipatsideologie unmittelbar mit Rom verknüpft war.
Unter Augustus gab es Zensur aber keine diktatorische Umerziehung. Selbst die Schriften der Caesarmörder wurden nicht verboten. Ausnahmen waren die Schmähschriften von Cassius Severus und Titus Labienus, welche durch den römischen Senat verboten wurden.
Mit wem war Augustus verheiratet?
Clodia
Augustus war dreimal verheiratet. Seine erste Gattin war Clodia (Claudia), die Tochter eines angesehenen Politikers in Rom. Sie wurde 54 v. Chr. geboren.
Nachdem ihr Vater starb, heirate Clodias Mutter Fluvia den Cäsaren Marcus Antonius. Um die Bande zwischen Marcus Antonius auch verwandtschaftlich zu stärken, willigte Octavian ein, die Stieftochter des Antonius zu heiraten.
Nachdem Marc Antonius und Octavian die Caesarmörder besiegt hatten, kam es zum Streit zwischen Octavian und Fluvia (Antonius Ehefrau). Dieser Streit löste den Perusinischen Krieg aus. Octavian trennte sich daraufhin von Clodia. Über ihr späteres Leben ist wenig bekannt.
Scribonia
Augustus zweite Ehefrau war Scribonia, welche um 65 v. Chr. geboren wurde. Geheiratet haben sie und Octavian im Jahr 40 v. Chr.. Auch diese Ehe hatte einen politischen Zweck. Denn Scribonias Bruder war Schwiegervater und enger Vertrauter des Sextus Pompeius.
Mit Scribonia hatte Octavian eine Tochter, namens Iulia. Laut Sueton verstieß Octavian am Tag von Iulias Geburt seine Frau und warf ihr einen zweifelhaften Lebenswandel vor.
Livia
Augustus dritte Ehefrau war Livia Drusilla (geb. 58 v.Chr.). Beide heirateten 38 v. Chr.. Zuvor war Livia mit Tiberius Claudius Nero verheiratet gewesen. Dieser unterstützte zuerst die Caesarmörder, schloss sich dann aber nach der Schlacht bei Philippi (42 v. Chr.) den siegreichen Triumvirn Marcus Antonius an.
Im Perusinischen Krieg stand er weiterhin auf der Seite von Antonius und wurde so zum Gegner Octavians. Im Sommer 39 v. Chr. wurde der Vertrag von Misenum geschlossen, wodurch sich die Triumvirn untereinander versöhnt hatten. Dadurch konnten Tiberius Claudius Nero, seine Frau Livia und dessen Sohn Tiberius nach Rom zurückkehren.
Im September 39 v. Chr. veranstaltete Octavian, anlässlich seines 24. Geburtstages, ein öffentliches Bankett. Auf diesem lud er auch Tiberius Claudius Nero und dessen Frau ein. Wohlmöglich kam es danach zu einem Verhältnis zwischen Octavian und Livia.
Im Oktober 39 v. Chr. forderte Octavian den Gatten auf, sich von seiner Frau zu trennen. Dieser gehorchte. Aber Livia war bereits erneut schwanger, weshalb Octavian eine Sondererlaubnis des Priesterkollegiums der Pontifices durchsetze.
Bei der anschließenden Hochzeit im Januar 38 v. Chr. zwischen Octavian und Livia nahm ihr Exmann die Rolle des Brautvaters ein. Die 52 Jahre andauernde Ehe bestand bis zum Tod von Augustus, was damals sehr ungewöhnlich war.
Welche Rolle spielte Livia in der Politik von Augustus?
Livia spielte eine höchst sichtbare Rolle in der Politik des Augustus, obwohl sie formell kein Amt bekleidete. Dadurch sollte die republikanische Fassade nach außen gewahrt werden. Dennoch beriet sie ihm, war seine Vertraute, Beraterin und Stabilisatorin seiner Herrschaft.
Sie galt bei den Römer als äußerst sittenhaft, wodurch sie zum Vorbild der augusteischen Sittenpolitik wurde. Sämtliche Werte dieser Politik (Ehe, Treue, Familienordnung) wurden von Livia verkörpert.
Das Bild von Livia nutzte Augustus als Symbol der Reichserneuerung bzw. als Inkarnation von römischen Werten und Tugenden. Im Rahmen seiner Sittengesetze verlieh er ihr im Jahr 9 v. Chr. das ius trium liberorum (Dreikindrecht), eine Ehrung für Mütter von drei lebendgeborenen Kindern. Durch diese Ehrung wurde sie zur „Mutter des Staates“ erhoben, ohne es so nennen zu müssen. So wurde sie zur Mitgestalterin der augusteischen Ordnung und zu einer Symbolfigur der augusteischen Propaganda.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Nachfolgeregelung. Livia hatte zwei Söhne: Tiberius und Drusus. Beide stammten aus erster Ehe mit Tiberius Claudius Nero. In dessen Testament ernannte er Octavian zum Vormund seiner beiden Söhne. Durch die Adoption des Tiberius (4 n. Chr.) war die Nachfolge geregelt und Livia wurde zur Mutter des zukünftigen Princeps.
Hatte Augustus Kinder oder Erben?
Augustus hatte ein leibliches Kind, namens Iulia. Diese Tochter stammte aus seiner ersten Ehe mit Clodia. Seine dritte Ehefrau Livia brachte zwei Söhne (Tiberius, Drusus) in die Ehe ein. Tiberius wurde 4 n. Chr. von Octavian adoptiert und sein Nachfolger. Drusus blieb Stiefsohn von Augustus.
Mit der Nachfolge tat sich Augustus lange schwer. Für ihn hatte die iulische Dynastie immer Vorrang gehabt. Da er und Livia keine eigenen Kinder hatten, ruhte sein Vertrauen auf seine leibliche Tochter Iulia und deren Söhne. So setzte Augustus seine Tochter in drei Ehen rücksichtslos als dynastische Manövriermasse ein.
Gaius und Lucius Caesar
Der erste Ehemann Iulias (Marcus Claudius Marcellus) starb mit 19 Jahren. Danach wurde Iulia mit Marcus Agrippa verheiratet. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Die beiden ältesten Söhne Iulias waren Gaius und Lucius Caesar. Diese sollten Augustus eigentlich beerben, weshalb Octavian beide im Jahr 17 v. Chr. adoptierte.
Für den Fall, dass Augustus vor der Volljährigkeit beider Enkel sterben würde, sollte Agrippa die Nachfolge antreten. Doch dieser starb bereits 12 v. Chr., weshalb Augustus wieder einen potentiellen Statthalter für beide Enkelsöhne brauchte. Und deshalb verheiratete Octavian seine Tochter erneut. Diesmal mit dem Sohn von Livia, also mit Iulias Stiefbruder Tiberius.
Fortan wurde Gaius Caesar als potentieller Nachfolger systematisch aufgebaut. Doch Gaius starb im Jahr 2 n. Chr. mit 18 Jahren.
Nun konzentrierte sich Augustus seine Bemühungen auf den zweiten Enkel. Doch auch Lucius starb im Jahr 4 n. Chr. bei Verhandlungen in Armenien, als er hinterrücks ermordet wurde.
Tiberius
Nach dem Tod beider Enkel blieb nur noch Tiberius, der Sohn von Livia, übrig. Dieser stammte aber nicht aus der iulischen Dynastie, weshalb Augustus die Nachfolge bis 4 n. Chr. (Tod von Lucius Caesar) herauszögerte.
Iulia
Seine Tochter Iulia hatte zwei Söhne: Gaius Caesar und Lucius Caesar. Beide Enkelkinder wurden von Augustus im Jahr 17 v. Chr. adoptiert.
Iulia wurde zum Spielball Octavians Machtpolitik, indem er sie mehrfach verheiratete. Jene Hochzeitspolitik diente der Erhaltung der iulischen Dynastie.
Unglücklich über ihre erzwungenen Ehen führte Iulia einen Lebenswandel, welcher nicht zur Sittenpolitik des Vaters passte. So ging sie eine Affäre ein, welche Augustus im Jahr 2 n. Chr. aufdeckte. Angeblich soll Iulia mit ihrem Geliebten den Vatermord geplant haben, weshalb Augustus sie auf die Insel Pandataria verbannte. Ihre Mutter Scribonia folgte ihr ins Exil.
Zu diesem Zeitpunkt war Iulia mit Tiberius, ihrem Stiefbruder und späteren Nachfolger Augustus verheiratet gewesen. So wurde nicht nur Augustus zum Gespött in Rom sondern auch der spätere Kaiser Tiberius.
Während des Exils starben Iulias ältesten Söhne, welche Augustus einst adoptiert hatte. Sie wurde enterbt und nach Augustus Tod verweigerte Tiberius ihr sämtliches Einkommen. Sie starb kurz nach Augustus Ableben an Hunger im Exil. Angeblich soll Augustus seine Tochter und ihre letztgeborenen Kinder als Eiterbeulen und Krebsgeschwüre bezeichnet haben.
Iulia galt bei den Römern als schön, gebildet und freundlich. Vor ihrer Verbannung wurde sie schon als neue Aphrodite bezeichnet, was Inschriften aus dieser Zeit belegen. Velleius Paterculus, ein römischer Historiker und Anhänger des Tiberius, nennt fünf Liebhaber von Iulia. Spätere Schriftsteller steigerten diese Anzahl. Laut Seneca soll sich Iulia sogar prostituiert haben.
Wie starb Augustus?
Im Sommer 14 n. Chr. reiste Augustus mit Tiberius nach Campanien. Dort besuchte er die Insel Capri, wo er an Diarrhö (Durchfall) erkrankte. Er reiste weiter aufs Festland und wurde nach Nola gebracht.
In Nola starb er am 19 August. Es soll ein friedfertiger Tod, in den Armen von Livia, gewesen sein. Noch auf dem Sterbebett soll Augustus bemüht gewesen sein, eine ordentliche Figur abzugeben. So ließ er sich das Kinn hochbinden und begutachtete sich im Spiegel.
Laut Sueton soll er sich von seinem Hofstaat mit den Worten eines Komödianten verabschiedet haben: „Hat das Ganze Euch gefallen, nun so klatschet Beifall unserem Spiel, und entlasst uns alle mit Dank.“
Er starb in den Armen von Livia und verabschiedete sich mit den Worten: „Livia gedenke unserer Ehe und lebe wohl“.
Was stand im Testament von Augustus?
Livia wurde in die iulische Dynastie aufgenommen und zur Augusta erhoben. Dem Volk vermachte Augustus 40 Millionen Sesterzen. Auch die Armee wurde entlohnt. Jeder Praetorianer erhielt 1.000 und jeder Legionär dreihundert Sesterzen. Seine Nachfolge war seit 4 n. Chr. geregelt, weshalb Tiberius am 17. September den Titel Augustus erhielt.
Wo wurde Augustus begraben?
Augustus Leichnam wurde von Nola nach Rom überstellt, wo er Anfang September in einem großen Staatsakt beerdigt wurde. Das Augustusmausoleum befindet sich auf dem Campus Martius in Rom (Stadtteil Campo Marzio, Marsfeld). Diese Grabstätte ließ Augustus im 27 v. Chr. erbauen. Neben ihm wurden auch spätere Nachfahren der iulisch-claudischen Dynastie dort beigesetzt.
Wer folgte Augustus als Kaiser?
Nachfolget von Augustus war sein Stiefsohn Tiberius, welcher 4 n. Chr. vom Kaiser adoptiert worden war. Doch der Titel des Princeps war kein Amt, welches man einfach vererben konnte. Stattdessen war es eine Ansammlung von verschiedenen Ämtern, Befugnissen und Sonderrechten, welche einzeln übertragen werden mussten.
Nachdem Augustus beiden Enkelsöhne Lucius und Gaius verstorben waren, rückte der Stiefsohn Tiberius an erste Stelle, um all diese Ämter zu bekleiden.
Zuvor hatte Augustus seinen Stiefsohn gezwungen, seine Ehe mit Vipsania Agrippa aufzugeben, um Octavians Tochter Iulia zu heiraten. In der Ehe sollte Tiberius eigentlich nur der Statthalter von seinen Enkelsöhnen werden, falls Augustus zu frühzeitig sterben würde.
Schnell wurde Tiberius klar, dass er lediglich eine Lückenbüßerfunktion hatte. Wahrscheinlich tief gekränkt und nicht sonderlich glücklich in der Ehe mit Iulia begab sich Tiberius im Jahr 6 v. Chr. in ein freiwilliges Exil nach Rhodos. Dort blieb er bis 2 n. Chr. (Iulias Verbannung und Tod des ersten Kaiserenkels).
Der Tod des zweiten Kaiserenkels im Jahr 4 n. Chr. änderte alles. Danach wurde Tiberius von Augustus adoptiert. Mit der Adoption erhielt Tiberius die tribunicische Gewalt für zehn Jahre. Gleichzeitig musste er Germanicus adoptieren, welcher Sohn seines Bruder Drusus war. Denn das Kind des bereits verstorbene Drusus stammte aus der Ehe mit Antonia minor, welche wiederum eine Nichte von Octavian war. Demnach hatte Germanicus iulische Blut, wodurch die iulische Kaiserlinie nach Tiberius fortgesetzt werden konnte.
Für Tiberius war die Adoption des Germanicus wiederum eine Härte, da er einen eigenen Sohn aus erster Ehe hatte. Dennoch ebnete Augustus für seinen Adoptivsohn den Weg, indem er alle noch lebenden Nachkommen Iulias verbannte. Im 13 n. Chr. übertrug Augustus seinem Nachfolger das proconsularische Imperium und machte ihn so zum Mitregenten.
Nachdem Octavian im August 14 n. Chr. starb, wurde Tiberius im September 14 n. Chr. zum Augustus ernannt. Der Übergang erfolgte reibungslos.
Welche Bedeutung hat Augustus für die römische Geschichte?
Augustus war, neben Romulus, wahrscheinlich die bedeutendste Figur der römischen Geschichte. Er trat zum Zeitpunkt auf, als die Römische Republik unterging.
Erster Römischer Kaiser
In der Nachbetrachtung wird Augustus als erster römische Kaiser genannt, obwohl er sich selbst nicht als Monarchen bezeichnete. Stattdessen verstand er es, die Republik augenscheinlich zu bewahren und gleichzeitig sich selbst mit so einer Machtfülle auszustatten, wie es keinem römischen Politiker vor ihm gelang.
Goldene Zeitalter
Seine Reformen in der Verwaltung, im Sozialwesen und beim Militär waren die Strukturen, welche das Imperium die nächsten Jahrhunderte tragen sollten. Er erfand das Prinzipat, eine neue Herrschaftsform mit einem faktischen Alleinherrscher an der Spitze, welcher allerdings als republikanische Institution aussah. Jenes Herrschaftssystem wurde zur Grundlage von Stabilität, Frieden und Wohlstand der nächsten Jahrhunderte und führte das Römische Reich in ein Goldenes Zeitalter (Pax Romana, Pax Augusta).
Kaiser zweier Zeitenwenden
Augustus Herrschaft ist geprägt von zwei Zeitenwenden. Die erste Zeitenwende ist der Übergang von der Republik ins Kaiserreich. Doch die zweite Zeitenwende betrifft die ganze Menschheitsgeschichte des Abendlandes. Denn im Jahr 7-4 v. Chr. wurde Jesus von Nazareth geboren.
Gleich zu Beginn des Neuen Testaments tritt Augustus in Erscheinung. So steht im Lukasevangelium (Lk 2, 1-7), dass Kaiser Augustus eine Volkszählung anordnet. Deshalb müssen Maria und Joseph nach Bethlehem reisen, wo dann der Gottessohn geboren wird.
Die Ideologie des Augustus als Friedenskaiser fügt sich somit nahtlos in die Geschichte des Christentums ein. Und die Heilsbotschaft wird gleich zu Beginn mit Augustus verknüpft. Somit verschmelzen die römische und die christliche Zeitenwende zur Herrschaftszeit von Augustus.
Schon 40 v. Chr. schrieb Publius Vergilius Maro (kurz Vergil) seine berühmte Vierte Ekloge, in welcher er die Geburt eines Knaben (nascens puer) ankündigte. Mit der Geburt des Knaben endet das Eiserne Zeitalter und die Welt kehrt zurück ins Goldene Zeitalter. Diese Botschaft bzw. Prophezeiung wurde zur Glaubensgrundlage von Konstantin dem Großen, welcher den Weg ebnete, dass das Christentum zur Staatsreligion in Rom werden konnte.
Der Historiker und Bischof Otto von Freising argumentierte im 12. Jahrhundert, dass Gott einen Plan hatte – als er die Geburt seines Sohnes in die Amtszeit von Augustus legte. Denn erst mit Augustus hatte die römische Kultur einen Stand erreicht, welche sie empfänglich für Heilsbotschaften machte. Und unter Augustus ist es gelungen, eine weltumfassende Friedensordnung zu schaffen, welche die Ausbreitung des Evangeliums erst ermöglichte.
Welche Bedeutung hat Augustus heute noch?
Augustus Amtszeit ist ein Lehrstück für die Weitläufigkeit von Reformen. Seine Regierungszeit zeigt, wie politische Systeme geschaffen werden und untergehen können. Außerdem macht die Zeit deutlich, wie sich staatliche Institutionen – wenn deren Glaube daran, schwindet – selbst abschaffen können. Die Zeit zeigt außerdem, wie politische Narrative wirken, welchen Einfluss Propaganda aufs Narrativ hat und wie diese eingesetzt werden kann. Augustus machte deutlich, wie ein Einzelner sich als Heilsbringer, Ordnungsgeber und Friedensstifter präsentieren konnte und so zu allerhöchster Macht kam.
Lebenslauf und Biografie
| Kalenderjahr | Ereignis |
|---|---|
| 63 v. Chr. | 23. September: Augustus wird als Gaius Octavius in Rom geboren. |
| 59/58 v. Chr. | Octavians Vater stirbt. Die Erziehung des jungen Gaius übernimmt fortan seine Großmutter (Iulia Minor), welche eine Schwester von Gaius Iulius Caesar war. Gaius wohnt fortan auf ihrem Landgut bei Velletri. |
| 51 v. Chr. | Tod der Großmutter (Iulia Minor) |
| 49 v. Chr. | Gaius Octavius legt die Männertoga (toga virilis) an. Dieses Gewand ist die Kleidung eines freien Römischen Bürgers. |
| 48 v. Chr. | Durch die Fürsprache seines Großonkels (Julius Cäsar) wird Octavius in das Kollegium der Pontifices aufgenommen. Fortan ist er ein sakraler Beamter. |
| 47 v. Chr. | Während des Latinerfestes (feriae Latinae) wird Gaius Octavius zum stellvertretenden Oberhaupt der Republik (praefectus urbi) ernannt. |
| 46 v. Chr. | Gaius Octavius nimmt am Triumphzug Caesars, anlässlich seines Sieges in den Bürgerkriegen, teil. |
| 45 v. Chr. | Gaius Octavius begleitet Caesar nach Spanien auf dessen Kriegszug gegen die Söhne des Gnaeus Pompeius Magnus. |
| 44 v. Chr. | Bei seiner Teilnahme am geplanten Partherkrieg als Reiterführer (magister equitum), ereilt Octavian die Nachricht von der Ermordung Caesars. Auf seiner Rückreise nach Rom erfährt er, dass Caesar ihn adoptiert und zum Haupterben seines Privatvermögens eingesetzt hatte. |
| 44 v. Chr. | Marcus Antonius war Unterfeldherr Caesars und Mitkonsul Caesars. Ziemlich überrascht waren die Römer, dass Caesar den jungen Octavian als seinen Erben und Adoptivsohn eingesetzt hatte. |
| 44 v. Chr. | Zunächst ging Octavian ein Bündnis mit den Republikanern ein. In Italien baute er, mit Unterstützung von Marcus Tullius Cicero, eine Veteranenarmee auf. Währenddessen kämpfte Marcus Antonius in Gallien (Gallia cisalpina) gegen den Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus. |
| 43 v. Chr. | Auf Drängen Ciceros, welcher den Kampf gegen Marcus Antonius fordert, genehmigt der römische Senat die militärische Befehlsgewalt für Octavian. |
| 43 v. Chr. | 15. April: In der Schlacht von Forum Gallorum besiegt Octavian die Armee der Caesarianer, welche von Marcus Antonius geführt wurden. |
| 43 v. Chr. | 21. April: In der Schlacht von Mutina besiegt Octavian erneut die Truppen von Marcus Antonius. |
| 43 v. Chr. | Mit dem Ende des Mutinensischen Krieges fordert Octavian die Ernennung zum Konsul. Der römische Senat verweigert ihm zweimal das Konsulat und zieht den Caesarmörder Decimus Brutus vor. Fortan stellt sich Octavian gegen die Republikaner und zieht mit seinen acht Legionen gegen Rom. |
| 43 v. Chr. | 19. August: Octavian erzwingt seine Wahl zum Konsul und bewirkt eine Ächtung der Caesarmörder. |
| 43 v. Chr. | Die einstigen Kontrahenten Marcus Antonius und Octavian gehen ein Bündnis gegen die Caesarmörder ein. Der dritte Feldheer in diesem Bündnis, welches als Zweite Triumvirat bezeichnet wird, ist Marcus Aemilius Lepidus (ehemaliger Reiterführer Caesars). Um das Bündnis weiter zu bekräftigen, heiratet Octavian die Stieftochter des Antonius (Clodia). |
| 43 v. Chr. | 27. November: Die Dreimännerherrschaft (Triumvirat) lassen sich durch eine Gesetz der Volksversammlung (lex Titia) weitreichende Machtbefugnisse einräumen. Sie erhielten quasi-diktatorische Vollmachten für fünf Jahre. Es wurden Proskriptionslisten veröffentlicht. Wer auf einer solchen Liste stand, galt als vogelfrei. Auf diesen Listen standen 300 Senatoren und 2.000 Ritter. Auf Betreiben von Marcus Antonius wird auch Cicero ein Opfer der Massaker. Die Lücken im Senat, welche sich durch die Massaker ergaben, füllen die Triumvirn mit Loyalisten auf. |
| 42 v. Chr. | In der Doppelschlacht bei Philippi besiegen die Triumvirn die Caesarmörder Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus. Dieser Erfolg besiegelte das endgültige Ende der römischen Republik. Nach Philippi teilte das Triumvirat seine Einflusssphären auf. Marcus Antonius bekam die wohlhabenden Ostprovinzen und Octavian die beiden spanischen Provinzen. Außerdem sollte er Veteranen in Italien ansiedeln, welche von den Triumvirn gemeinsam verwaltet werden sollten. Lepidus sollte eigentlich entmachtet werden, bekam dann aber die nordafrikanischen Provinzen zugesprochen. Im Zuge der Landverteilungen kam es zu brutalen Enteignungen und Vertreibungen. |
| 41 v. Chr. | Aufgrund von Differenzen bei den Landverteilungen zwischen Octavian und Antonius Ehefrau Fulvia kommt es zum Perusinischen Krieg. Diesen Krieg gewinnt Octavian. Seine Frau Clodia (Tochter der Fluvia und Stieftochter Antonius) verstößt Octavian. Nach der Eroberung Perusias folgt eine Hinrichtungswelle, bei welcher Octavian auch ehemalige Verbündete nicht verschont. |
| 40 v. Chr. | Octavian heiratet Scribonia, eine Verwandte von Sextus Pompeius. |
| 40 v. Chr. | Durch den Vertrag von Brundisium soll der innere Konflikt des Zweiten Triumvirats gelöst werden. Um das Bündnis zu stärken, heiratet Marcus Antonius die Schwester von Octavian (Octavia). |
| 39 v. Chr. | Auf Druck des Senats schließen Octavian und Antonius mit Sextus Pompeius den Vertrag von Misenum. Dieser kontrollierte Sizilien und gefährdete die Kornzufuhr von dort nach Rom. Deshalb musste die Triumvirn handeln. Und deswegen sicherten sie Sextus ein Konsulat für das Jahr 35 v. Chr. zu. Im Gegenzug wurde der Kornhandel nicht länger blockiert. |
| 39 v. Chr. | 23. September: Bei einem Staatsbankett, anlässlich seines 24. Geburtstages, lernt Octavian die Ehefrau von Tiberius Claudius Nero kennen (Livia Drusilla). Beide verlieben sich ineinander. |
| 39 v. Chr. | Tochter Iulia - aus der Ehe mit Scribonia - wird geboren. Sie wird das einzig leibliche Kind von Octavian bleiben. |
| 38 v. Chr. | Scheidung von Scribonia. Octavian wirft ihr ein lasterhaftes Leben vor. |
| 37 v. Chr. | Dritte Eheschließung mit Livia Drusilla, nachdem Octavian ihrem Ehemann Tiberius Claudius Nero dazu genötigt hatte, sie zu verlassen. Der brave Ehemann tritt bei der Hochzeit seines Nachfolgers als Brautvater auf. |
| 37 v. Chr. | Im Vertrag von Tarent wurden die Sondervollmachten des Triumvirat für weitere fünf Jahre verlängert. |
| 36 v. Chr. | In der Seeschlacht von Naulochoi besiegt Octavians Flottenführer Marcus Vipsanius Agrippa die Flotte von Sextus Pompeius. Kurz danach wurde Lepidus entmachtet. Fortan kontrollierte Octavian den gesamten Westen des Römischen Reichs und hatte die wichtigsten Provinzen für die Getreideversorgung (Africa, Sicilia) unter seiner Kontrolle. |
| 34 v. Chr. | Marcus Antonius, welcher von der Getreideversorgung abgeschnitten ist, muss neue Bündnispartner finden. Diese findet er mit Kleopatra VII. in Ägypten (Kornkammer des Mittelmeeres). Fortan verschenkt er oströmische Provinzen an Ägypten und macht sich in Rom immer unbeliebter. |
| 33 v. Chr. | Marcus Antonius verstößt seine Ehefrau Octavia (Schwester Octavians) zu Gunsten von Kleopatra. Fortan nutzt Octavian das Verhalten von Antonius dazu, um Propaganda gegen ihn zu machen. So erklärt er ihn zum Feind von Rom, welcher einer orientalischen Frau verfallen sei. Sämtliche Senatoren in Rom mussten sich auf Octavians Seite stellen, um nicht Verrat an Rom zu begehen. |
| 32 v. Chr. | Die triumvirale Befugnisse waren formell abgelaufen. Deshalb benötigte Octavian ein neues Machtbefugnis, welches allerdings Marcus Antonius nicht miteinschloss. So ließ er sich zum "Führer Italiens" (dux Italiae) ausrufen. Der ganze Westen musste dem Dux seinen Treueid leisten. |
| 31 v. Chr. | Octavian ließ sich zum Konsul bestimmen, diesmal dauerhaft. Aus dieser neuen Machtposition eröffnete er am Anfang des Jahres den Krieg gegen Kleopatra (Ptolemäische Krieg). Dazu musste er nur seine Legionen nach Griechenland versetzen, welches Einflussgebiet von Marcus Antonius war. |
| 31 v. Chr. | 2. September: In der Seeschlacht bei Actium siegt die Flotte Octavians, unter dem Kommando von Marcus Agrippa, über die Flotten von Antonius und Kleopatra. Beide fliehen nach Ägypten. |
| 30 v. Chr. | 1. bis 30. Juli: In der Schlacht von Alexandria besiegt Octavian die Ägypter endgültig. Aufgrund der Niederlage begehen Antonius und Kleopatra Selbstmord. Ägypten wird zur römischen Provinz und verliert seine Eigenständigkeit. |
| 29 v. Chr. | Als Symbol des Friedens bzw. dem Ende der mehr als 100 Jahre andauernden Bürgerkriegssituation werden die Tore des Janustempels auf dem Forum Romanum geschlossen. |
| 28 v. Chr. | Octavian hebt demonstrativ die "unrechtmäßigen" Verfügungen aus der Zeit des Triumvirats auf. |
| 27 v. Chr. | 13. Januar: Bei einem mehrtägigen Staatsakt wird der Ausnahmezustand des Bürgerkriegs offiziell als beendet erklärt. Rein formal gilt die Republik nun wieder hergestellt. |
| 27 v. Chr. | 16. Januar: Auf Vorschlag des Lucius Munatius Plancus wird Octavian der Ehrentitel Augustus verliehen. Dieser Staatsakt markiert den Beginn der vierzig jährigen Herrschaft Octavians als Princeps und den Beginn einer ganz neuen Epoche der römischen Geschichte (Prinzipat, Römische Kaiserzeit). |






