Geschichte des Tabaks

Illustration von 1874 zeigt, wie John Rolfe den Tabak anbaut (Plantagenökonomie)
Die Geschichte des Tabaks beginnt in Amerika. Dort wurden die ersten Tabakpflanzen von indigenen Völkern angebaut. Während der Kolonialzeit gelangte Tabak nach Europa.
Als Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 auf den Bahamas landete, brachten ihn die Eingeborenen diverse Geschenke. Darunter waren auch Tabakblätter. Seitdem wurde der Tabakkonsum in verschiedenen Formen ausgelebt. So etwa in Form von Zigaretten, Zigarren, Kautabak, Schnupftabak oder E-Zigaretten.
Erst im 20. Jahrhundert wurden Gesetze zum Tabakverbot verabschiedet. Noch in den 1930-er Jahren war das Deutsche Reich der größte Tabakimporteur weltweit. Adolf Hitler bezeichnete den Tabak als „Rache des roten Mannes“ und führte umfangreiche Kampagnen gegen das Rauchen.
Inhalt
- 1 Woher stammt der Tabak ursprünglich?
- 2 Wofür wurde Tabak bei den indigenen Völkern genutzt?
- 3 Welche Rolle spielte Tabak in Ritualen indigener Kulturen?
- 4 Welche indigenen Völker nutzten den Tabak zuerst?
- 5 Wann wurde Tabak von europäischen Entdeckern entdeckt?
- 6 Welche Rolle spielte Christoph Kolumbus bei der Verbreitung des Tabaks?
- 7 Wie gelangte Tabak nach Europa?
- 8 Warum verbreitete sich Tabak so schnell weltweit?
- 9 Warum wurde Tabak zeitweise als Medizin eingesetzt?
- 10 Wie wurde Tabak früher konsumiert?
- 11 Welche Bedeutung hatte Tabak im kolonialen Handel?
- 12 Wann entstanden Zigaretten, Zigarren und Pfeifen als Massenprodukte?
- 13 Wie wurde Tabak in Europa gesellschaftlich wahrgenommen?
- 14 Wie hat sich der Tabakkonsum im Laufe der Jahrhunderte verändert?
- 15 Wann erkannte man die gesundheitlichen Risiken des Rauchens?
- 16 Seit wann gibt es Anti Raucher Kampagnen?
- 17 Wie hat sich der Tabakkonsum im 20. und 21. Jahrhundert verändert?
Woher stammt der Tabak ursprünglich?
Tabak kam ursprünglich aus Amerika. Im präkolumbischen Zeiten kannte man Tabak in Süd- und Nordamerika. Allerdings waren die Formen des Tabakkonsums höchst unterschiedlich. So wurden im Norden Südamerikas die Tabakblätter gekaut. Auf den karibischen Inseln wurde ein Puder hergestellt, welches auf Tabak basierte. Dieses wurde geschnupft.
In Guyana wurde Tabak zu einer Flüssigkeit verkocht. In vielen Gebieten wurden Tabakblätter zusammengerollt, angezündet und dann geraucht. Diese urtümliche Form einer Zigarette war in der Karibik, in Brasilien und in Zentralamerika verbreitet. In Mexiko nutzte man Schilfrohr, um zerkleinerten Tabak zu rauchen. Währenddessen nutze man in Nordamerika kleine Pfeifen aus Holz, Ton oder Stein.
Wofür wurde Tabak bei den indigenen Völkern genutzt?
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass der Tabakanbau in Amerika vor etwa 12.300 Jahren begann.
Die Mitglieder nordamerikanische Völker trugen Tabak in kleinen Beuteln bei sich. Die Blätter waren ein weit akzeptiertes Handelsgut und leicht gegen andere Dinge einzutauschen. Doch Tabakgeld erlangte wohlmöglich nie den Stellenwert anderer primitiver Geldformen, wie etwa dem Kakaogeld bei den Azteken oder dem Muschelgeld in Asien. Dennoch war der Tauschhandel über Tabak weit verbreitet und die Ware ein begehrtes Tauschmittel.
Tabakkonsum in Form von Rauchen fand bei indigenen Völkern Nordamerikas zu zeremoniellen Anlässen und Ritualen statt. Auch zur Besiegelung eines Abkommens oder Vertrages wurde geraucht. Die Friedenspfeife wurde für solche Anlässe gebraucht.
Welche Rolle spielte Tabak in Ritualen indigener Kulturen?
Tabak galt bei den indigenen Kulturen als heilige Pflanze. Diese Pflanze war fest in das Glaubenssystem der indigenen Ureinwohner Amerikas eingebettet. So war Tabak ein spirituelles Medium, durch dessen Konsum man mit der geistigen Welt kommunizieren konnte.
In den mythologischen Erzählungen wurde die Pflanze als ein Geschenk des Schöpfers angepriesen. Der Konsum von Tabak wurde genutzt, um die spirituelle Bindung zu einer nicht-irdischen Welt aufzubauen, zu halten oder diese zu stärken. Im Tabakrauch wurden Botschaften vermutet, welche dann zu den Ahnen aufsteigen oder den Großen Geist erreichen. Das Tabakrauchen wurde so zu einer spirituellen Zusammenkunft zwischen Diesseits und Jenseits.
Gleichzeitig diente das Rauchen auch der Konfliktlösung und der Bündnisstärkung. Viele indigene Kulturen nutzten den Tabak auch als Heilmittel, als heiliges Kraut bei Heilritualen oder als Opfergabe bei Krankheiten. Hinzu kam, dass Tabak bei Initiationsriten eingesetzt wurde, um Übergänge zu verstärken. (z. B. Übergang von Kind zum Mann).
Welche indigenen Völker nutzten den Tabak zuerst?
Bei welchen indigenen Völkern der Tabak zuerst genutzt wurde, bleibt ungewiss. Sicher ist, dass einige Völker den Tabakkonsum aus ihren Mythologien ableiteten – wonach mythische Wesen den Tabak zu den Völkern brachten.
Laut den mythologischen Geschichten der Indianer-Stämme Lakota und Dakota gab es eine Weiße Büffelfrau, welche Kultur zu den Völkern brachte. Auf die Weiße Büffelfrau gehen die Sieben Riten der Lakota zurück, zu welcher – neben der Heilige Pfeife – auch der Sonnentanz und die Schwitzhütte gehören. Mit dem Erscheinen der Weißen Büffelfrau kamen auch die Bisons zurück ins Stammesgebiet der Lakota.
In der Irokesen-Mythologie gibt es einen Ursprungsmythos, in welchem die Himmelsfrau Atahensic vorkommt. In verschiedenen Versionen dieser Geschichten brachte Atahensic zwei Söhne zur Welt und starb bei der Geburt. Aus ihrem Leichnam wuchsen dann diverse Kulturpflanzen, wie Mais, Kartoffeln oder Tabak.
Wann wurde Tabak von europäischen Entdeckern entdeckt?
Die Europäer kannten vor 1492 keinen Tabak, kein Rauchen oder Schupfen. Erst im Zuge der Entdeckung Amerikas (1492) wurde der Tabakkonsum für Europa publik. So lernten im Jahr 1499 die spanischen Eroberer das Tabak-Kauen an der Küste Venezuelas kennen.
Der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral, welcher offiziell als Entdecker Brasiliens gilt, entdeckte das Pfeiferauchen in Brasilien im Jahr 1500. Aus den Berichten des Forschungsreisenden Jacques Cartier von 1536 geht hervor, dass die Ureinwohner Kanadas ebenfalls Rauchgewohnheiten kannten.
Die europäischen Entdecker brachten die Sitte des Rauchens mit nach Europa, wo sich diese Eigentümlichkeit schnell verbreitete.
Welche Rolle spielte Christoph Kolumbus bei der Verbreitung des Tabaks?
Kolumbus war der erste Europäer, welcher den Tabakkonsum in Amerika dokumentierte. Bereits bei seiner Ankunft auf den Bahamas (12. Oktober 1492), brachten ihn die Einheimischen den Tabak als Geschenk.
Zunächst wussten die Europäer nichts damit anzufangen, beobachten dann aber, wie die Einheimischen die Tabakblätter rollten, anzündeten und schließlich rauchten. Die Europäer brachten den Tabak und dessen Sitte mit nach Europa, wo sich die indigene Rauchkultur schnell ausbreitete. Durch die Columbian Exchange – also der Austausch von Pflanzen, Tieren und Kulturtechniken zwischen der Neuen und der Alten Welt – wurde der Tabak zu einem der bedeutendsten Exportgüter.
Auf den Antillen, einer Inselgruppe in der Karibik, wurde das Rauchrohr als tobago bezeichnet. Höchstwahrscheinlich hat der europäische Tabak-Begriff dort seinen Ursprung.
Wie gelangte Tabak nach Europa?
Nach 1492 gab es diverse Expeditionsreisen nach Amerika. Sämtliche Pendler und Matrosen fanden Gefallen am Tabak und brachten diesen in die europäischen Häfen. Da die Entdecker nicht nur den Tabak mitbrachten, sondern auch von den Sitten und Gebräuchen des Tabakrauchens in der Neuen Welt berichteten, wurde diese Handelsware sehr rasch zu einem Luxusgut. Denn die Entdecker berichteten von den zeremoniellen Anlässen des Tabakrauchens, weshalb man dem Rauch eine heilende Wirkung nachsagte.
Warum verbreitete sich Tabak so schnell weltweit?
Tabak war für europäische Kunden etwas Neues und Exotisches. Man wollte es ausprobieren, aus Neugierde oder um mitreden zu können. Gleichzeitig erzählten die Entdecker und Händler, welche aus der Neuen Welt heimkehrten, dass die indigenen Bewohner Amerikas den Tabak zu medizinischen Zwecken nutzten. Demnach entstand, rund um den Tabak, auch eine mythische Erzählung als Wundermittel.
Ergänzt wurden diese Erzählungen durch soziale Riten, welche die Europäer fortan selbst nutzten. So wurde Tabak während diplomatischer Sitzungen ganz selbstverständlich konsumiert. Es entstand ein Ritus von Tabakrauchen bei militärischen und diplomatischen Runden, der nicht mehr wegzudenken war.
Durch geschicktes Marketing wurde Tabakrauchen auf andere Zielgruppen übertragen und so zu einer sozialen Gepflogenheit. Und immer wenn Menschen zusammenkamen, wurde geraucht. Diese tabakkonsumierende Zusammenkunft wurde zuerst bei diplomatischen Übereinkünften üblich, später bei allen Gesprächsrunden bei denen Menschen zusammenkamen.
Da Tabak noch dazu Nikotin enthält, welches geistig und körperlich abhängig macht – entstand schnell eine Sogwirkung und ein anhaltender Konsum in Europa. Die Europäer wurden süchtig nach Tabak. Und diese Tabaksucht musste befriedigt werden, weshalb die Europäer damit begangen, Tabak in den amerikanischen Kolonien massenhaft anzubauen. Demnach wurde Tabak zu einem bedeutender Faktor des Kolonialismus.
Um 1528 führten die Spanier den Tabak als koloniale Exportware ein. Bereits fünf Jahre später erwähnte Diego Kolumbus in seinem Testament einen Tabakhändler in Lissabon. Dies zeigt, wie schnell der Tabakverkehr das europäische Festland einnahm.
Warum wurde Tabak zeitweise als Medizin eingesetzt?
In Europa wurde dem Tabak eine medizinische Wunderwirkung nachgesagt. Der Grund war die heilende Verwendung des Tabaks bei den amerikanischen Ureinwohnern. Allerdings sollte bei den Indios und Indianern durch den Tabakgebrauch der Geist gereinigt werden, um so mit Ahnen oder dem Großen Geist kommunizieren zu können.
In Europa gab es einige Mediziner, welche sich dieser Wunderwirkung verschrien hatten und Tabak ganz gezielt, in einer Behandlung einsetzten.
Als Tabak in Europa auf den Markt kam, bezeichneten die Franzosen, Spanier und Portugiesen die Tabakpflanze als „heiliges Kraut“ mit Wunderwirkung.
Der französische Botschafter Jean Nicot schickte 1559 diverse Tabakblätter und Samen nach Frankreich. Dort sollte aus den Blättern ein Puder gewonnen werden, um es als Schnupftabak zu nutzen. Diesen Schnupftabak sollte Katharina von Medici, die Mutter des französischen Königs Franz II., nutzen – um eine Nasennebenhöhlenentzündung zu behandeln. Und 1560 begannen die Franzosen damit, Tabak als „herbe de la Reine“ (dem Königinnenkraut) selbst anzubauen.
1563 berichtete der Schweizer Arzt Konrad Gesner, dass das Kauen oder Rauchen eines Tabakblattes eine wundersame Wirkung habe und den Konsumenten in eine friedliche Trunkenheit versetze. Der spanische Arzt Nicolas Monardes schrieb 1571 ein Lehrbuch über Kräuterkunde, in welchem er behauptete, dass Tabak mehr als 36 Krankheiten heilen könne.
Um 1578 führte Sir Walter Raleigh den ersten Tabak aus der Roanoke-Kolonie nach England ein. Schon damals wurde Tabak als tobah bezeichnet. Im Jahr 1595 wurde in England ein Buch, namens Tabaco, veröffentlicht – welche die gesundheitsfördernden Aspekte der Pflanze betonte.
Wie wurde Tabak früher konsumiert?
Archäologische Funde zeigen, dass Tabakpfeifen vor etwa 4.500 Jahren in Nordamerika entwickelt wurden. Und schon vor der Ankunft der Europäer wurden Tabakblätter von indigenen Völkern geraucht. Dazu wurden die Blätter in Rollen gewickelt, mit anderen Pflanzen gemischt oder in Maisblätter verpackt.
Als der Tabak dann nach Europa kam, wurde er zunächst nur als Schnupftabak oder Kautabak verwendet. 1586 wurde das Tabakrauchen in England populär, verbreitete sich dann über Holland in ganz Europa. Wohlmöglich wurde das Rauchen in England durch Sir Walter Raleigh bekannt und populär, welcher seine Erfahrungen aus der Roanoke-Kolonie mit den Engländern teilte.
Das Pfeifenrauchen wurde dann am Ende des 16. Jahrhunderts auch in Europa üblich. Zigarren und Zigaretten entstanden erst im 18. Jahrhundert.
Welche Bedeutung hatte Tabak im kolonialen Handel?
Tabak war für die Kolonialmächte ein sehr bedeutendes Handelsgut. Es machte sowohl die Plantagenbesitzer, als auch Händler und Kolonialmächte enorm reich. Ganze politische und gesellschaftliche Systeme in den Kolonien wurden am Tabakexport ausgerichtet.
Die erste afrikanischen Sklaven kamen 1619 nach Jamestown, um dort auf Tabakplantagen zu arbeiten. Ab diesem Zeitpunkt begann der institutionelle Sklavenhandel nach Nordamerika. Denn fortan reichte es nicht mehr aus, die Ureinwohner und Siedler als billige Arbeitskräfte auszubeuten. Viel zu groß war die Nachfrage nach Tabak in Europa, so dass man massenhaft Arbeitskräfte brauchte, welche man nun – in Form von Sklaven – nach Amerika deportierte.
Besonders in Virginia und Maryland florierte das Tabakgeschäft und war dort das wichtigste Cash Crop. Die europäische Nachfrage nach Tabak machte dieses Produkt zudem sehr teuer, weshalb es als Luxusware gehandelt werden konnte.
Das Plantagensystem in Virginia wurde durch John Rolfe populär. Er veränderte den zu bitteren Aztekentabak aus Südamerika und versetzte diesem einen süßeren Beigeschmack. Dadurch wurde die Jamestown-Kolonie wirtschaftlich überlebensfähig und die neue Tabaksorte später zu einem Exportschlager.
Betrug der Handelsumsatz an Virginia-Tabak im Jahr 1609 noch 200.000 Pfund, so steigerte sich der Umsatz bis 1627 auf 500.000 Pfund. Zum Ende der 1630-er Jahre betrug das Handelsvolumen bereits 24 Mio. Pfund – allein für Jamestown bzw. Virginia.
Im Sklavenhandel entstand ein Dreiecksgeschäft. Europa lieferte Waffen, Alkohol oder Textilien in die afrikanische Kolonien. Im Gegenzug erhielten die Europäer dort Sklaven. Mittels Sklavenschiffen wurden diese dann in die Neue Welt exportiert. Aus Amerika kam dann Tabak, welcher in Europa verkauft wurde. Aus dem Tabakerlös wurden neue Waffen, Alkohol und Textilien für Afrika gekauft – usw..
Jene Strukturen wurden später auf den Baumwollexport übertragen. So prägte die Tabakindustrie nicht nur den Handel, sondern formte eine ganze Gesellschafts- und Wirtschafts- und Sozialstruktur in Nordamerika.
Wann entstanden Zigaretten, Zigarren und Pfeifen als Massenprodukte?
Im Jahr 1880 entwickelte der US-amerikanische Erfinder James Albert Bonsack die erste Zigaretten-Strangmaschine. Plötzlich konnte er mit dieser Maschine mehr als 120.000 Zigaretten pro Tag produzieren. In der Folge stellten sämtliche Hersteller ihre Produktion um. Dadurch wurde die Zigarette zur Massenware und im Preis deutlich günstiger.
Noch bis 1845 hatten die Franzosen eine Monopolstellung in der Zigarrenindustrie. Die Zigarette entstand als Nebenprodukt der Zigarre. Französiche Arbeiter in den Zigarrenfabriken nahmen die Abfälle und Rester des Tabaks, rollte diesen in Papier und rauchten es.
Mit der Einführung der Zigarettenmaschine begann die weltweite Massenproduktion bzw. die industrielle Revolution der Zigarettenindustrie.
Wie wurde Tabak in Europa gesellschaftlich wahrgenommen?
Im 16. Jahrhundert wurde Tabak zunächst als medizinisches Wundermittel gefeiert. Am Ende des 16. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert war Tabak ein Luxusgut und wurde zu einem sozialen Phänomen. Besonders in den Niederlanden stieg der Tabakkonsum zwischen 1590 und 1630 rasant an.
Wie hat sich der Tabakkonsum im Laufe der Jahrhunderte verändert?
Im 18. Jahrhundert war Tabak immer noch sehr teuer und der Konsum von Schnupftabak war ein Statussymbol der Oberschicht. Pfeifenrauchen war auch in mittleren Bevölkerungsschichten üblich. Im 19. Jahrhundert wurden Zigarren und Zigaretten vom Luxusgut zum Alltagsprodukt. Denn mit Erfindung der Zigarettenmaschine (1880) konnte der Tabakmarkt mit diesen Produkten überschwemmt werden, wodurch sich die Marktdominanz zu Gunsten der Nachfrager verschob.
Nachdem die Zigarette im 19. Jahrhundert massentauglich wurde, kamen im 20. Jahrhundert die ersten Studien zu den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens auf. Es folgten Aufklärungskampagnen und später sogar Rauchverbote. Tabak wurde zunehmend als öffentliches Gesundheitsproblem wahrgenommen.
Wann erkannte man die gesundheitlichen Risiken des Rauchens?
König James I. von England veröffentlichte bereits 1604 eine Schrift, in welcher er auf die gesundheitlichen Risiken des Rauchens hinwies („A Counterblaste to Tobacco“, 1604). Er beschrieb das Rauchen als schädlich fürs Gehirn, gefährlich für die Lunge und hasserfüllt für die Nase (übelriechend).
Im gleichen Jahr führten die Engländer einen Schutzzoll für Tabakimporte ein. Da Jamestown ab 1624 zur königlichen Kolonie wurde, durfte in England importierter Tabak nur aus Virginia kommen. Für den Verkauf war eine königliche Lizenz nötig, welche 15 Pfund jährlich kostete.
In Russland wurde der Tabakkonsum 1634 verboten. Nur Ausländer durften in Moskau konsumieren. Als dann aber Peter der Große ab 1689 zum russischen Zar wurde, hob er alle Beschränkungen auf und legitimierte die Muscovy Company als alleinigen Tabakimporteur Russlands.
Ärzte im Osmanischen Reich kamen im 16. Jahrhundert in Kontakt mit Tabak. Ihre Studien kamen zu den Behauptungen, dass Tabakkonsum zu Schwindel, Übelkeit und Sinnesstörungen führe. Deshalb verbot Sultan Murad IV. im Jahr 1633 das Rauchen im Osmanischen Reich. Sein Nachfolger İbrahim der Verrückte hob das Verbot auf, besteuerte aber sämtliche Tabakwaren.
Die wissenschaftlichen Forschungen über Folgen des Tabakkonsums begannen in den späten 1950-er Jahren. Der tatsächliche Wendepunkt war der U.S. Surgeon General Report, welcher am 11. Januar 1964 veröffentlicht wurde. Die Autoren des Reports wiesen nach, dass ein Zusammenhang zwischen Tabakrauchen und Lungenkrebs besteht. Dies war ein Meilenstein der öffentlichen Gesundheitsaufklärung.
Seit wann gibt es Anti Raucher Kampagnen?
Bereits in den 1960-er Jahren gab es Anti-Raucher-Kampagnen, da ein Gesundheitsrisiko von nichtstaatlichen Stellen vermutet wurde. Diese wurden von der American Cancer Society oder der American Lung Association organisiert.
Bereits 1961 forderten Gesundheitsorganisationen den US-Präsidenten John F. Kennedy dazu auf, die Risiken öffentlich zu machen. Aber der wissenschaftliche Beweis fehlte, weshalb sich die Tabakindustrie immer wieder herausreden konnte.
Der Durchbruch gelang durch den Surgeon General Bericht von 1964. In der Folge entstanden weltweit Anti Raucher Bewegungen. In den 1970-er Jahren begannen Regierungen und Staaten aktiv damit, gegen das Rauchen vorzugehen. So gab es erste Warnhinweise, erste Rauchverbotsschilder im öffentlichen Raum und staatliche Informationskampagnen.
In den 1980-er Jahren gab es die erste staatlich finanzierte Anti Raucher Medienkampagne. Diese wurde 1984 in Minnesota (USA) gestartet und wurde zum Vorbild weltweiter Anti-Rauchkampagnen.
In den 2000-er Jahren wurde die Anti-Raucher Bewegung global. Die WHO Framework Convention on Tobacco Control (FCTC) setzte Präventivmaßnahmen durch und es kam zu europaweiten Rauchverboten in Bars, teilweise auf Straßen oder in Zügen.
Wie hat sich der Tabakkonsum im 20. und 21. Jahrhundert verändert?
Der Tabakkonsum ist seit 1964 rückläufig. Insbesondere in Europa, Nordamerika und Australien ist die Anzahl der Raucher gegenüber der Gesamtbevölkerung stark zurückgegangen. In anderen Erdteilen sind die Fakten nicht eindeutig, da die Bevölkerungsexplosion in diesen Gebieten den Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung verwässert.
In den 1960-er Jahren
In den 1960-er Jahren war Rauchen gesellschaftlich voll akzeptiert. Etwa 45 bis 50 % der deutschen Erwachsenen waren Raucher. Der Anteil der männlichen Raucher war deutlich höher als der Anteil der weiblichen. Rauchen war ein männliches Phänomen, woran sich auch die Werbung orientierte. Dass Rauchen schick sei und somit für Frauen attraktiv wäre, wurde in der Werbung zunehmend vernachlässigt.
In den 1970-er Jahren
In den 1970-er Jahren lag der Anteil der rauchenden Erwachsenen schätzungsweise zwischen 35 und 40 %. Rauchen war vergleichsweise günstig. Es gab keine gesetzlichen Einschränkungen und Werbung wurde gezielt an Männer gerichtet. Mit Rauchen wurde Freiheit und Unabhängigkeit verbunden, weshalb in den 1960-er und 1970-er Jahren noch mehr Männer als Frauen rauchten. Die 1964 veröffentlichten Studien sorgten bereits dafür, dass der Raucheranteil allmählich sank.
In den 1980-er Jahren
In den 1980-er Jahren sank der Männeranteil an Rauchern, während der Frauenanteil stieg. Etwa 32 bis 35 % aller Erwachsenen waren in den 1980-er Jahren Raucher.
In den 1990-er Jahren
Als dann in den 1990-er Jahren die Präventionsmaßnahmen und eine staatliche gelenkte Aufklärung einsetzte, sank der Raucheranteil an der Gesamtbevölkerung auf 28 bis 32 %.
In den 2000-er Jahren
In den 2000-er Jahren wurden die Rauchverbote an öffentlichen Plätzen eingeführt, die Zigarettenpreise stiegen aufgrund von überhöhten Tabaksteuern und die Werbung wurde massiv eingeschränkt. Dadurch kam es zum Rückgang der Raucher, so dass etwa noch 24 bis 28 % der deutschen Erwachsenen zu den Rauchern zählten.
In den 2010-er und 2020-er Jahren
In den 2010-er Jahren sank der Raucheranteil auf 22 bis 25 %. Das Rekordtief wurde in den 2020-er Jahren erreicht, wo nur noch 21 bis 23 % der deutschen Erwachsenen rauchten.
Die abschreckenden Bilder auf Zigarettenschachteln haben bei vielen Rauchern zum Umdenken geführt. Gleichzeitig kamen alternative Nikotinprodukte auf den Markt (E-Zigaretten, Wasserpfeifen, Tabakerhitzer), wodurch sich das Konsumprofil änderte. Die Tabakindustrie richtet nun ihre Werbung mit süßlichen Geschmacksrichtungen vor allem an junge Menschen aus.