Akkadisches Reich
Das Akkadische Reich bzw. das Reich von Akkad war ein Flächenstaat in Mesopotamien. Es war der erste Flächenstaat der Geschichte. Entstanden ist das Reich im 24. Jahrhundert v. Chr.. Reichsgründer war Sargon von Akkad, welcher die sumerischen Stadtstaaten unterwarf und vereinte.
Seine größte Ausdehnung hatte das Akkadische Großreich unter Sargons Enkel Naram-Sin, welcher zwischen 2356 und 2300 v.Chr. in Akkad regierte. Während seiner Regierungszeit umfasste Akadien die Gebiete vom Persischen Golf durch das heutige Kuwait, den Irak, Jordanien, Syrien und möglicherweise den Libanon bis hin zum Mittelmeer und Zypern.
In der Geschichte Mesopotamiens und des Alten Orients wird diese Epoche als Akkadzeit bezeichnet. Die Bevölkerung Akkads werden als Akkader bezeichnet.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was war das Akkadische Reich?
- 3 Wie lange existierte das Akkadische Reich?
- 4 Wer gründete das Reich von Akkad?
- 5 War das Akkadische Reich die erste Hochkultur der Geschichte?
- 6 War das Akkadische Reich ein Großreich?
- 7 Warum wird das Akkadische Reich als erstes Weltreich der Geschichte bezeichnet?
- 8 Wo lag die Hauptstadt Akkad?
- 9 Wer waren die wichtigsten Herrscher des Akkadischen Reiches?
- 10 Welche Innovationen brachte das Akkadische Reich hervor?
- 11 Warum ging das Akkadische Reich unter?
- 12 Welche Bedeutung hat das Akkadische Reich für spätere Reiche?
Steckbrief
| Bedeutung: | erster Flächenstaat der Geschichte |
| Bevölkerung: | Akkader |
| historische Lage: | Mesopotamien: Region Sumer in Südmesopotamien als Kernland, spätere Ausdehnung nach Nordmesopotamien bis nach Anatolien und zum Mittelmeerraum |
| Gebiet: | vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer |
| heutige Länder: | Irak (Kernland), Iran, Syrien (Mittelmeer), Türkei (Anatolien), Kuwait |
| Hauptstadt: | Akkad-Stadt |
| Persönlichkeiten: | Sargon (Reichsgründer), Prinzessin Enheduanna (erste Schriftstellerin der Geschichte, Hohepriesterin und Tochter Sargons), Naram-Sin (vierter König von Akkad und Enkel Sargons, Vater der Blütezeit von Akkad) |
Geschichte |
|
| Beginn: | ca. 2334 v. Chr. bzw. 2340 v. Chr. |
| Untergang: | etwa 2200 v. Chr. oder 2154 v. Chr. |
| Dauer: | mindestens 140 Jahre, höchstens 186 Jahre |
| Geschichtsepoche: | Bronzezeit, Akkad-Zeit in der mesopotamischen Geschichte |
| Eingebettet: | Geschichte des Iraks |
| Vorausgegangen: | Frühdynastische Zeit in Mesopotamien |
| Nachfolgend: | Gutische Zeit bzw. Gudea-Zeit |
| Begründer: | Sargon der Große |
| Untergang: | Klimawandel + politische Instabilität |
| Herrscher (Zeitangaben laut Mittlere Chronologie, Alle Daten v. Chr.) | |
| Sargon | 2334–2279 |
| Rimush | 2278–2270 |
| Manishtushu | 2269–2255 |
| Naram-Sin | 2254–2218 |
| Scharkalischarri | 2217–2193 |
| Dudu | 2189–2169 |
| Shu-turul | 2168–2154 |
Bevölkerung |
|
| Amtssprachen: | akkadisch (Verkehrs- und Handelssprache), sumerisch (Volkssprache) |
| Religion: | Polytheismus (sumerische Religion, mesopotamische Religion) |
| Regierungssystem: | Monarchie (Königstum) |
Bilderstrecke |
|
Was war das Akkadische Reich?
Das Akkadische Reich war der erste zentral regierte Flächenstaat der Geschichte. Es entstand, indem Sargon von Akkad, die umliegenden Stadtstaaten eroberte und unterwarf.
Bereits 5500 v. Chr. begann in Sumer, also im Süden Mesopotamiens, die Entwicklung der Zivilisation mit der sogenannten Obed-Zeit. Die erste wirkliche Hochkultur Sumers entstand etwa 3500 v. Chr. in den Gegend um die Stadt Uruk. Und etwa 1000 Jahre nach der Uruk-Zeit entstand das Reich von Akkad, als Sargon der Große die einzelnen Stadtstaaten unterwarf und in einen zentralisierten Flächenstaat integrierte.
In der Geschichte Mesopotamiens wird die Phase der Akkadischen Vormachtstellung als Akkad-Zeit bezeichnet. Die akkadische Dynastie und die Bewohner von Akkad werden als Akkader bezeichnet. Diese unterschieden sich in Sprache, Kultur und Götterbild von den früheren sumerischen Stadtstaaten.
Jene Unterschiede waren die Folge des Versuchs, die verschiedenen Dialekte, Götter und Kultur der unterschiedlichen sumerischen Stadtstaaten zu einer Einheitssprache, Einheitskultur und -religion verschmelzen zu lassen.
Wie lange existierte das Akkadische Reich?
Das Reich von Akkad existierte von etwa 2340 v. Chr. bis 2200 v. Chr.. Demnach dauerte die Akkad-Zeit etwa 140 Jahre.
Auf die Herrscher von Akkad folgten dann die Gutäer, welche eine sumerische Renaissance initiierten, um so die sumerische Kultur wiederherzustellen. Unter den Gutäern verschob sich Herrschaftszentrum in Sumer von Akkad nach Lagasch.
Wer gründete das Reich von Akkad?
Gründer des Akkadischen Reiches war Sargon der Große bzw. Sargon von Akkade. Dieser war vor seiner Erhebung als König von Akkad ein hoher Beamter in Kisch gewesen. Dort arbeitete er als Mundschenk von König Ur-Zababa von Kisch. Doch laut der Sumerischen Sargonlegende soll die Göttin Inanna den Mundschenk auserwählt haben, neuer König von Kisch zu werden.
Nachdem Sargon mit Beihilfe von Inanna die Macht in Kisch ergriffen hatte, begann um 2334 v. Chr. der Krieg gegen König Lugalzagesi von Uruk. In vierunddreißig Schlachten soll Sargon sämtliche Stadtstaaten in Sumer unterworfen haben.
Um zu zeigen, dass sein Königreich etwas ganz Neuartiges war, verlegte er seine Residenz und das Herrschaftszentrum nach Akkad.
War das Akkadische Reich die erste Hochkultur der Geschichte?
Das Akkadische Reich war nicht die erste Hochkultur der Geschichte, sondern lediglich der erste Staat – der ein größeres Territorium mit mehreren Städten beanspruchte, welches wiederum von einer zentralen Stelle (Hauptstadt) reagiert bzw. verwaltet wurde. In der Zeit vor Akkad gab es in Sumer diverse Stadtstaaten, welche von einem lokalen Fürsten regiert wurden.
Die erste Hochkulturen der Geschichte entstanden im Alten Ägypten (Badari, Naqada) und in Sumer (Obed-Zeit, Uruk-Zeit). Beide Regionen gelten als Wiege der Zivilisation. Das Akkadische Reich mit seiner Zentralverwaltung war nur eine Weiterentwicklung bzw. Transformation der bereits bestehenden sumerischen Hochkultur.
Aber auch die Induskultur (etwa 2800 v. Chr.) in Indien und Elam (etwa 3500 v.Chr.) in Mesopotamien sind älter als die Akkadische Hochkultur. Der Unterschied zu beiden Hochkulturen besteht nur darin, dass in Akkad erstmals ein Flächenstaat verwaltet wurde.
War das Akkadische Reich ein Großreich?
Das erste wirkliche Großreich der Geschichte war das Neuassyrische Reich (ab dem 9. Jahrhundert v. Chr.). Dessen Herrschaftszentrum war die Stadt Assur im Norden Mesopotamiens. Umstritten ist, ob das Akkadische Reich wohlmöglich ein früheres Großreich war.
In Inschriften zu Sargons Herrschaft existieren Angaben, dass sein Herrschaftsbereich vom unteren Meer bis zum oberen Meer reichte. Das untere Meer wäre demnach der Persische Golf und das obere Meer das Mittelmeer. Doch viele Historiker gehen davon aus, dass das Reich von Akkad – wenn überhaupt – nur zeitweise solche Ausmaße hatte. Wohlmöglich gab es lediglich Beutezüge ans Mittelmeer.
Eine dauerhafte Truppenpräsenz am Mittelmeer und in Obermesopotamien war für Sargon, laut herrschender Meinung, nicht möglich. Denn ohne ausgebaute Bürokratie, einheitliche Gesetze oder zentrale Armeen war eine großräumige Herrschaft kaum möglich. Die Armeen mussten versorgt und zufriedengestellt werden, was ohne komplexe Arbeitsteilung, Infrastruktur mit Straßen und einer übergeordneten Staatsideologie kaum möglich wäre.
Dennoch etablierte Sargon die Voraussetzungen für ein Großreich. So wurde das Postwesen mit versiegelten Tontafeln etabliert, wodurch Kommunikationswege geschaffen wurden. Solche Kommunikation ist notwendig, um zentral getroffene Entscheidungen zu transportieren. Auch die Vereinheitlichung von Maß- und Gewichtsangaben unter Sargon gilt als wichtiger Schritt zum Großreich.
In der Literatur werden die Herrscher von Akkad als König der vier Weltgegenden bezeichnet. Gemeint sind mit den vier Weltgegenden: die Region Sumer, Obermesopotamien, Elam und Parahshum. Ob Sargon und seine Nachfolger diese Territorien wirklich dauerhaft kontrollieren konnten, bleibt ungewiss und höchst umstritten.
Warum wird das Akkadische Reich als erstes Weltreich der Geschichte bezeichnet?
Das Akkadische Reich erstreckte sich über den Irak, Iran, Syrien, Teile der Türkei und Kuwait. Demnach war es möglicherweise ein Großreich, aber kein Weltreich. Doch zur damaligen Zeit war die von Menschen besiedelte Welt viel kleiner als heute. Deshalb sind die territorialen Ausmaße des Reiches dennoch besonders. Aber das erste Weltreich der Geschichte war es nicht, da das Reich lediglich von Mesopotamien bis ans Mittelmeer reichte.
Als Sargon die Welt vom Unteren bis zum Oberen Meer eroberte, glaubten die Menschen – dass er „die Gesamtheit der Länder unter dem Himmel“ beherrsche. Dies geht aus zeitgenössischen Inschriften hervor. Sargon bekam den Titel „šar kiššati“, welcher als „Herr des Universums“ übersetzt werden kann. Doch diese Weltreichbetrachtung muss unter dem Erkenntnisstand der damaligen Zeit betrachtet werden. Und die territorialen Grenzen des Akkadischen Reiches ragten nicht über einen Großreich hinaus.
Spätere Reiche, wie das Perserreich der Achämeniden reichten bis Europa und Nordafrika. Und deshalb gilt das Achämenidenreich (Altpersische Reich) des 4. Jahrhunderts v. Chr. auch als erstes Weltreich der Geschichte. Dieses wurde von Alexander dem Großen erobert, wodurch das Alexanderreich ebenfalls als Weltreich der Antike galt.
Als dann Amerika 1492 durch Christoph Kolumbus entdeckt wurde, wurde die Welt wieder größer. Und unter diesen neuen Erkenntnissen wären die Weltreiche der Antike ebenfalls nur Regionalreiche gewesen. Die einzig wahren Weltreiche der Geschichte waren die Kolonialreiche, welche im Zuge der Europäischen Expansion entstanden (spanische Kolonialreich, British Empire).
Wo lag die Hauptstadt Akkad?
Die Lage von Akkad ist bis heute nicht geklärt. Noch zu Zeiten des Neubabylonischen Reiches und des Perserreiches war der Standort von Akkad bekannt. Doch die Lokalisierung geriet später in Vergessenheit und ist heute ungeklärt.
Da Sargon vor seiner Königserhebung als Mundschenk in Kisch gearbeitet hat, geht die Archäologie von einer geografischen Nähe Akkads zu Kisch aus. Und diese Stadt lag etwa 13 Kilometer östlich von Babylon und etwa 80 Kilometer südlich von Bagdad. Allerdings ließ sich die Identifizierung von Akkad durch archäologische Ausgrabungen in Kisch nicht bestätigen.
Aufgrund der fehlenden Nachweise von Akkad bei Kisch, nehmen einige Forscher an – dass sich die Stadt am oberen Flusslauf des Tigris befunden haben muss. Ihre Lokalisierung wird an der Mündung des Diyala in den Tigris vermutet. Ganz in der Nähe befindet sich die Stadt Assur, welche das Zentrum des Assyrischen Reiches war. Aber auch dort fehlt bisher der archäologische Nachweis für ein Existieren von Akkad.
Nicht wenige Forscher gehen davon aus, dass Akkad am Flaschenhals des Zweitromlandes gelegen haben muss. Dieser Flaschenhals ist die Stelle, wo sich Euphrat und Tigris am nächsten kommen. In diesem Gebiet liegen Bagdad (Hauptstadt des Irak) und die Kleinstadt Al-Qurna. Letztere ist der Ort, wo Euphrat und Tigris zusammenfließen und zum Arvandrud werden, welcher letztlich in den Persischen Golf mündet.
Aber auch in der Gegend um Bagdad und Al-Qurna konnte bisher das historische Akkad nicht lokalisiert werden. Dennoch liegt es nahe, dass sich Akkad dort befunden haben muss. Denn in dieser Region lässt sich die Bewässerung der unteren Flussläufe kontrollieren. Und wer Kontrolle über die Bewässerung hat, hatte das mächtigste Druckmittel auf die Städte des Südens.
Wer waren die wichtigsten Herrscher des Akkadischen Reiches?
| Herrscher | Mittlere Chronologie (Alle Daten v. Chr.) |
|---|---|
| Sargon | 2334–2279 |
| Rimush | 2278–2270 |
| Manishtushu | 2269–2255 |
| Naram-Sin | 2254–2218 |
| Scharkalischarri | 2217–2193 |
| Dudu | 2189–2169 |
| Shu-turul | 2168–2154 |
Sargon von Akkad
Sargon von Akkade (akkadisch: Sharrum-Kin) soll sechsundfünfzig Jahre regiert haben. Allerdings ist die Herrschaft der ersten sechszehn Jahre regional beschränkt. In dieser Zeit herrschte er zunächst nur über Kisch, nachdem er dort König Ur-Zababa abgelöst hatte.
Laut der Sargonlegende soll er Mundschenk oder Rabschake des Herrschers von Kisch gewesen sein. Dies ist ein hoher Beamtentitel in den sumerischen Staatenwelt gewesen. Die Göttin Inanna soll Sargon, laut der Legende, auserwählt haben – neuer König von Kisch zu werden. Daraufhin wurde Ur- Zababa verdrängt. Alle Gegenmaßnahmen des alten Königs wurden durch die Göttin erfolgreich vereitelt.
Nach der Verdrängung von Ur-Zababa begann Sargons Herrschaft in Kisch. Im Jahr 2334 v. Chr. eroberte er Uruk und besiegte dort König Lugalzagesi. Dann begann seine Laufbahn der fremden Eroberung. Insgesamt viermal ist er in Syrien und Kanaan einmarschiert. Er verbrachte drei Jahre damit, die Länder des Westens zu unterwerfen. All dies führte dazu, dass er ein Reich erschuf – welches bis zum Mittelmeer reichte.
Laut späteren hethitischen Texten soll Sargon gegen die Hattier in Purushanda (Anatolien) gekämpft haben. Im Osten wurde Elam und im Süden die Region Magan – welche sich im heutigen Oman befindet – unterworfen. Sargon behauptete zu Lebzeiten, dass er die „Waffen im oberen Meere gewaschen“ hatte. Dies deutet Siege auf das westlich gelegene Mari und das rund 100 Kilometer östlich vom Mittelmeer gelegene Ebla an.
Am Ende von Sargons Herrschaft vervielfachten sich die Schwierigkeiten. Viele Fürsten in den unterworfenen Gebieten richteten sich gegen ihn und belagerten Akkad. Doch laut Inschriften aus Sumer soll Sargon eine Koalitionsarmee unter Führung des Königs von Awan besiegt haben, woraufhin die Besiegten zu seinen Vasallen wurden. Allerdings sind Texte, welche zu Sargons Regierungszeit angefertigt wurden, mit Vorsicht zu lesen. Denn diese entwerfen ein Ideal seiner Herrschaft und wurden höchstwahrscheinlich zu Propagandazwecken gefertigt.
Rimush und Manishtushu
Sargon vererbte die Schwierigkeiten des Akkadischen Reiches an seine Söhne. Rimushs Herrschaft dauerte neun Jahre (2278–2270 v. Chr.) und war gekennzeichnet durch Aufstände und Bürgerkriege. Letztlich fiel er einem Komplott zum Opfer und wurde von seinen Höflingen ermordet.
Auf Rimush folgte sein älterer Bruder Manishtushu. Dessen vierzehnjährige Herrschaft (2269–2255 v. Chr.) verlief ähnlich. Am Ende seiner Herrschaft wurde er, genauso wie Rimush, durch eine Palastverschwörung ermordet.
Naram Sin
Manishtushus Sohn und Nachfolger war Naram-Sin. Dessen sechsunddreißigjährige Herrschaftszeit (2254-2218 v. Chr.) war deutlich erfolgreich als die seiner Vorgänger.
Der Enkel Sargons sah sich zu Beginn seiner Herrschaft zahlreichen Aufständen gegenüber, konnte diese aber erfolgreich niederschlagen. Er stabilisierte Syrien, errichtete dort die königliche Residenz in Tell Brak. In Anatolien kämpfte Naram-Sin gegen die Hethiter und Hurrier, unterwarf König Pamba von Hatti, sowie König Zipani von Kanesh (Kültepe).
Unter Naram-Sin erreichte das Akkadische Reich seine größte territoriale Ausdehnung. Erstmals wurde in der sumerischen Kultur ein lebender König als Gott verehrt.
Weitere
Auf Naram-Sin folgte sein Sohn Scharkalischarri. Während seiner Herrschaftszeit beginnt der endgültige Niedergang von Akkad. Am Ende seiner Regierungszeit wird das Akkadische Reich zerschlagen und fällt ins Chaos. Es beginnt eine Epoche des Interregnum.
Während des Dunklen Zeitalters konnten Shu-turul und Dudu eine gewisse zentrale Autorität wiederherstellen, welche aber nie wieder von Dauer war.
Die Gutier konnten schon während der Herrschaft von Scharkalischarri die Stadt Akkad erobern, diese aber nicht halten. Doch während des Interregnums nutzten die Gutier das Machtvakuum, konnten Akkad erneut erobern und das Gebiet bis Elam kontrollieren. Dort setzten die Gutier auf eine Wiederherstellung der sumerischen Kultur und leiteten eine sumerische Renaissance ein.
Welche Innovationen brachte das Akkadische Reich hervor?
Das Akkadische Reich brachte diverse Innovationen hervor. Diese Neuerungen waren nötig, um die sumerische Kleinstaaterei zu Gunsten eines zentral verwalteten Flächenstaates zu überwinden.
- Standardisierung der Maß- und Gewichtseinheiten
- Aufstellen einer Berufsarmee
- Akkadisch als Amtssprache
- Ausbau der Straßen und Bewässerungssysteme
- Aufbau einer Zentralverwaltung mit Provinzstatthaltern
- Schaffung eines standardisierten Postwesens
Politik und Regierungssystem
Der Titel šar kiššati (= König von Kish) galt schon in der frühdynastischen Epoche Sumers als bedeutend. Denn der Herrscher, welcher Kisch kontrollierte, hatte – aufgrund der geografischen Lage des Stadtstaates Kisch am Flaschenhals des Zweistromlandes – maßgeblichen Einfluss und ein Druckmittel auf die Bewässerung der südlichen Städte. Unter Sargons Herrschaft wurde der Titel šar kiššati als „Herr des Universums“ umgedeutet und anerkannt.
Zu Lebzeiten wurde Sargon als Mensch gesehen und erst nach seinem Tod vergöttlicht. Damit trat er in Tradition von Gilgamesch und anderen legendären Herrscher Sumers. Doch während der Regierungszeit von Narum-Sin ging diese Sakralisierung deutlich weiter. Fortan wurde der König nicht nur „Herr der Vier Viertel (der Erde)“ genannt, sondern auch zum Dingir (=Gott) erhoben.
Das Regierungssystem von Sargon bis Naram-Sin basierte einzig und allein auf Loyalität. In den unterworfenen Stadtstaaten setzte Sargon loyale Fürsten ein.
Wirtschaft
Der Südirak hatte zur Akkadischen Zeit ein Niederschlagsniveau von weniger als 20 mm pro Jahr erreicht. Dies führte zu einer Versalzung der Böden, wodurch die Weizenernte deutlich geringer ausfiel.
Schon vor Akkad setzte der Süden Mesopotamiens deshalb auf die Umstellung salztolerantere Gerste. Der demografische Druck stieg dennoch an. Denn die städtische Bevölkerung des Südens hatte bereits um 2600 v. Chr. ihren Höhepunkt erreicht. Dieser Umstand führte in der Folge zu Kriegen zwischen den Stadtstaaten und zu einem Anstieg des Militarismus.
Die Königszeit von Akkad bot einen Ausweg. Durch den Großreichscharakter mit Kontrolle des Nordens und des Südens gelang es den Königen von Akkad eine Umverteilung zu organisieren.
In den landwirtschaftlich-schlechten Sommermonaten wurden die Bauern unter die Kontrolle städtischer Tempelkontrolle gestellt. Dort wurden sie in Regimenter eingeteilt und leisteten somit ihren Staatsdienst in anderer Form ab. Nomaden ließen dann ihr Vieh auf den Ackerflächen weiden und leisteten dafür eine Steuerzahlung in Form von Wolle, Fleisch, Käse oder Milch.
Diese Steuern wurden an die Tempel gezahlt, welche die Agrarprodukte entsprechend verteilten. Diese Form der Planwirtschaft war gängige Praxis in Sumer schon vor Akkad. Aber erstmals gelang solch eine Planung über ein großes Gebiet, um geografische Unregelmäßigkeiten von Norden nach Süden auszugleichen.
Verwaltung
Die geografische Vereinigung des Südens und Nordens Mesopotamiens und der damit verbundenen Umverteilung gelang nur, indem Maßeinheiten vereinheitlicht wurden. Deshalb wurden Gewichts- und Längeneinheiten bereits unter Sargon vereinheitlicht. Der Aufbau einer staatlichen Bürokratie, welche die Umverteilung organisierte – wurde zur Grundlage der Blütezeit unter Naram-Sin.
Außenpolitik
Aufgrund der oben beschriebenen Maßnahmen hatte das Akkadische Reich einen Überschuss an landwirtschaftlichen Produkten. Allerdings fehlte es an anderen Ressourcen, wie Holz, Erzen oder Bausteinen.
Die Kriege, welche Akkad gegen seine Nachbarn führte, sind eine Folge der fehlenden Rohstoffreserven. So betrieb Akkad bis zu einem gewissen Punkt den Außenhandel mit Syrien und Libanon, um Zedernholz zu importieren. Als sich dann die Außenhandelsgeschäfte nachteilig änderten, kam es zu Raubzügen und Eroberungen in diesen Gebieten.
Ähnliche Entwicklungen nahmen die Kontakte nach Anatolien, von wo Erze zunächst vom Taurusgebirge importiert wurden, um später Eroberungszüge zu unternehmen, um die Handelsrouten zu sichern. Die Kupfervorkommen von Magan waren ebenso bedeutend, was ebenfalls zu Expeditionen in den Oman führte, um diese Importrouten zu sichern.
In Inschriften zu Herrschaftszeiten von Sargon wurden die Handelskonflikte thematisiert.
„der König, warf sich vor (dem Gott) Dagan vor und flehte ihn an; (und) er (Dagan) gab ihm das Oberland, nämlich Mari, Yarmuti, (und) Ebla, bis zum Zedernwald (und) bis zum Silberberg“
Kunst und Kultur
Die akkadische Kunst zeigt eine düstere Welt voller grausamer Konflikte. In dieser Welt lebt der Mensch als Spielball fernentfernter Götter und ohne Anspruch, die Taten der furchtbaren Götter in irgendeiner Weise lenken zu können. Die Bildhauerei von Akkad besticht durch einen höheren Grad an Realismus gegenüber sumerischen Kunstepochen.
Kunst wurde von den Akkadern als politisches Vehikel eingesetzt. So entwickelte Akkad einen neuen Stil von Zylindersiegeln, indem sie bestehende Tiermotive durch ideologische Inschriften ergänzten.
Sprache
Die sumerische Sprache ist die älteste belegte Sprache der Welt. Deren Ursprung reicht mindestens bis ins Jahr 3100 v. Chr. zurück. Die Keilschrift als erste Schrift der Welt basiert auf dem Sumerischen. Demnach war sumerisch auch die erste Schriftsprache der Welt.
Die akkadische Sprache ist eine semitische Sprache. Als sich das Herrschaftszentrum in Südmesopotamien von Uruk nach Akkad verschob, wurde die akkadische Sprache als Verkehrs- und Handelssprache gefördert. Es kam zu einer Verschmelzung beider Sprachen.
Die späteren Reiche in Mesopotamien (Babylonien, Assyrien) übernahmen das Akkadische. Allerdings blieb die sumerische Sprache noch bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. die heilige, zeremonielle und literarische Sprache in Mesopotamien.
Religion
Sargon von Akkad setzte seine Tochter Enheduanna als Hohepriesterin in der Stadt Ur ein. Dort schrieb sie Tempeltexte, um so die akkadische mit der sumerischen Götterwelt verschmelzen zu lassen. Sie gilt als erste Schriftstellerin bzw. Dichterin der Geschichte.
Die Werke von Enheduanna waren wichtig, um die Herrschaft ihres Vaters Sargon sakral zu legitimieren und zu erhöhen. Demnach war sie ein Instrument der imperialen Machtpolitik ihres Vaters.
Die Tradition, die eigene Tochter als Hohepriesterin einzusetzen, blieb bis Naram-Sin bestehen. Dieser setzte Enmenana als Entum-Priesterin des Mondgottes Nana in der Stadt Ur ein.
Götterbild
Anum war der Stadtgott von Uruk und Ahnherr des sumerischen und akkadischen Pantheons. Er gilt als Himmelsgott, welcher entstand als sich Himmel und Erde trennten. In der akkadischen Tradition wurde von Anum die Göttin Antum abgleitet. Diese ist die Gemahlin Anums und zugleich sein Gegenstück. Im akkadischen Pantheon entspricht Antum der Erdgöttin.
Ein Sohn Anums ist Enlil, welcher als König der Länder und Vater der Götter verehrt wurde. Anders als viele andere Götter war Enlil mit Allmacht ausgestattet.
Gott des Süßwassers war Ea (sumerisch: Enkli), welcher oftmals zusammen mit Euphrat und Tigris dargestellt wurde. Er gilt als Erschaffer des Grünlands Eden, welcher im hebräischen als Gan Eden (Garten Eden) übernommen wurde.
Der Mondgott Sin ist das akkadische Äquivalent zum sumerischen Mondgott Nana. Der Herrscher Naram-Sin übernahm den Namen des Gottes in seinem Namen, was übersetzt „von Sin geliebt“ bedeutet.
Besonders bedeutend war der Mondgott bei Sumerern und Akkadern, da er den Ablauf der Monate bestimmt. Und dieser Ablauf hatte wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Landwirtschaft, weshalb Nanna bzw. Sin eine bedeutend Stellung im Pantheon gleichkam.
Der akkadische Sonnengott Schamasch entspricht der sumerischen Gottheit Utu. Er steht für Gerechtigkeit und Wahrheit.
Ischtar war die Göttin der Liebe und des Krieges zugleich. Sie entspricht der sumerischen Göttin Inanna. Im Pantheon der Sumerer hatte Inanna eine zentrale Stellung. Sie tritt in Uruk und Ur als Partnerin der Könige auf und soll – laut Sumerischer Sargonlegende – Sargon als König von Kisch bevorzugt haben.
Warum ging das Akkadische Reich unter?
Der Untergang des Akkadischen Reiches ist einfach erklärt: Die Akkadische Dynastie konnte ihre Vormachtstellung gegenüber den anderen sumerischen Stadtstaaten nicht halten. Es kam zu Bürgerkriegen und Aufständen, was zur Rückerlangung von Autorität der anderen Stadtstaaten und zum Untergang des Reiches von Akkad führte.
Dennoch gibt es zwei zentrale Ereignisse, welche den Untergang Akkads begünstigen. Diese waren der Einfall der Gutier und ein Dürreereignis, welches als 4.2 Kilojahr Ereignis bezeichnet wird.
Einfall der Gutäer
Die Gutäer waren ein Volk, welches aus der historischen Region Gutium im iranischen Hochland stammten. Während der Herrschaft von Sharkalisharri fielen die Gutäer mehrfach nach Akkad ein und konnten zeitweise sogar die Hauptstadt besetzen.
Kurzzeitig gelang den Gutäern die Kontrolle von Zentralmesopotamien bis nach Adab (heutige Bismaya im Südirak). Während des Interregnums konnten Shu-turul und Dudu zeitweise die Königsmacht in Akkad wiederherstellen. Doch nach 2154 v. Chr. übernahmen die Gutäer endgültig die Kontrolle.
In Sumer begründeten die Gutäer die Gutische Dynastie und machten Adab zu ihrer Hauptstadt. Dort übten sie für kurze Zeit die Kontrolle über ganz Sumer aus, initiierten eine sumerische Wiedergeburt in Kultur und Sprache.
Das Ende der Gudea-Zeit begann mit der Thronbesteigung von König Utu-hengal in Uruk, welcher nach sechsjähriger Regierungszeit durch die Herrschaft Ur-Nammu im Stadtstaat Ur abgelöst wurde. Letzter läutete die Dritte Dynastie von Ur (Ur-III-Zeit) ein.
4,2-Kilojahr-Ereignis
Das 4,2-Kilojahr-Ereignis war ein Klimaereignis vor 4200 Jahren, bei dem ein Zusammenhang mit dem Untergang der bronzezeitlichen Hochkulturen vermutet wird.
Kennzeichnend für dieses Ereignis ist eine extreme Dürre in verschiedensten Regionen auf der Nordhalbkugel. Jene Dürre hatte so einen starken Einfluss auf die Kulturen und Gesellschaften der Bronzezeit, dass ganze Königreiche bzw. deren Zentralmachtlegitimation in Frage gestellt wurde und letztlich untergegangen sind.
Während die Induskultur in Indien mit einer Verlagerung ihrer Siedlungen nach Südosten auf die Dürre regierte, brach in Mesopotamien die Akkadische Großmacht und in Ägypten die Sechste Dynastie (Alte Reich) zusammen.
Während der Dürrezeit fielen die Wasserstände von Euphrat und Tigris um 1,5 Meter unter dem Niveau von 2600 v. Chr.. Dadurch brach die regengestützte Landwirtschaft des Oberlandes zusammen, was dazu führte, dass die Bauern in Südmesopotamien nicht mit Agrarsubventionen gestützt werden konnten.
Zwischen Bauern und Viehzüchtern kam es zu Rivalitäten, weil das System der Umverteilung nicht mehr funktionierte. In Sumer wurde eine 180 km lange Mauer als „Abwehrer der Amoriten“ gebaut, was zu weitere politischer Instabilität führte. Die Folge waren Aufstände und Bürgerkriege – welche zeitgleich mit dem Einfall der Gutäer stattfanden.
Welche Bedeutung hat das Akkadische Reich für spätere Reiche?
In Mesopotamien entstanden in späteren Phasen neue Großstaaten mit Zentralmacht. Einer dieser Staaten war Babylonien mit Babylon als Hauptstadt. Die Herrscher von Babylonien nannten sich Könige von Sumer und Akkad. Demnach war die babylonische Königsmacht eine Fortsetzung oder Erneuerung der akkadischen Zentralmacht.
Auch die assyrische Könige nahmen Bezug auf die akkadische Thronfolge und den damit verbundenen Alleinherrschaftsanspruch. Das Modell des Alleinherrschers über ein Großreich wurde letztlich über Jahrhunderte immer wieder erneuert. Die akkadische Könige galten demnach als Pioniere dieses Staatsmodells. Und ihre Reformen – welche auf eine Vereinheitlichung in Verwaltung und Kultur abzielten, wurden mehrfach kopiert und weiterentwickelt.


