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Weihnachtsgeschichte, Jesus Geburt


Die Weihnachtsgeschichte ist eine Bibelerzählung des Neuen Testaments, welche die Umstände von Jesus Geburt beschreibt. Enthalten ist die Erzählung im Evangelium nach Matthäus und im Lukasevangelium. Beide Berichte stimmen darin überein, dass Jesus von Nazareth in Bethlehem – als Sohn von Maria und Joseph – geboren wurde.

Eine weitere Übereinstimmung beider Evangelien ist, dass die Zeugung Jesu durch göttliches Eingreifen geschah (Jungfrauengeburt). In beiden Evangelien wird der Heilige Geist als Urheber der Schwangerschaft hervorgehoben, wodurch die Erzählung vom Gottessohn glaubhaft gemacht werden soll.

Beide Bibelberichte stimmen außerdem darüber überein, dass Joseph zwar nicht der biologische Vater Jesu war – aber dessen rechtlicher. Da Joseph aus dem Haus David stammte, wird dadurch der Stammbaum Jesu bis zu König David und Abraham verlängert (siehe Mt 1). Bei Lukas reicht die Ahnenreihe bis zum Beginn der Menschheit zurück, da auch Adam und Gott als Vorfahren herangezogen werden (siehe Lk 3).

Inhalt

Steckbrief

Weihnachtsgeschichte
Bedeutung:Geburt Jesu
Zeitpunkt:Jahr 7 v. Chr. bis 4 v. Chr.
Orte:Bethlehem, Nazareth, Ägypten
Personen:Maria von Nazareth (Mutter Jesu),
Joseph von Bethlehem (Vater Jesu),
Jesus von Nazareth (Messias),
Herodes der Große (Klientelherrscher der Römer in Juda),
Kaiser Augustus (römischer Kaiser)
Enthalten:Evangelium nach Lukas und Matthäusevangelium im Neuen Testament der Bibel
Gedenktag:25. Dezember
Weihnachtsgeschichte: Krippenszene zur Geburt Jesu mit Maria und Joseph, Bildnachweis: ChiccoDodiFC/shutterstock.com

Krippenszene zur Geburt Jesu mit Maria und Joseph

Welche Symbole wurden in die Weihnachtsgeschichte eingebaut und welche Bedeutung haben diese?

Symbolik bei Lukas
Volkszählung:Die größte Macht der Welt (Römer) bewegt Menschen, erfüllt aber unbewusst Gottes Plan. Gott wirkt durch Strukturen und überall.
Maria:Symbol des Vertrauens, der Hingabe und Offenheit für Gottes Wort (Marias Verkündigung)
Bethlehem:Stadt Davids (Königsdynastie)
Jesuskind:Symbol der Schwäche, des Neuanfangs und der Abhängigkeit - aber auch das Symbol für Gottes Macht in Zeiten der Ohnmacht, Gott kommt in Liebe, Gott kommt als Mensch
Krippe:Symbol der Armut, Gott ist da - wo niemand ihn erwartet
Hirten:arm, ungebildet, gesellschaftliches Abseits
Engel:Himmel und Erde kommen zusammen, Gottes Reich beginnt
Symbolik bei Matthäus
Joseph:Rechtliches Verbindungsstück zwischen Jesus und dem Haus David
Bethlehem:Stadt Davids (Königsdynastie)
Stern von Bethlehem:Zeichen für göttliche Bestätigung und Zeichen der Ankunft eines neuen Herrschers
Weisen aus dem Osten:Heidnische Gelehrte, Botschaft: Gott wirkt überall, auch Heiden kennen den Messias an, Suche nach Erkenntnis (Wahrheit) führt zu Jesus, universelle Herrschaft Jesu
Gold:Symbol des Königs
Weihrauch:Zeichen der Göttlichkeit
Myrrhe:Tod und Leid (Neuanfang)
Herodes:Gegenbild zum Messias, Symbol des Machtmissbrauchs, verkörpert Gewalt und Unterdrückung, Gegner von Gottes Plan, der wahre König Jesus vs. den falschen König Herodes
Ägypten:Jesus als neuer Mose
Kindermord:Erinnerung an die Morde der hebräischen Kinder durch den Pharao (2.Mose 1)
Nazareth:Erfüllung der Prophezeiung: "Er wird Nazoräer genannt werden"
Symbolik der Weihnachtsgeschichte mit Krippe und Hirten (Lukas), den Weisen aus dem Morgenland (Matthäus), Weihnachtsstern (Matthäus)

Symbolik der Weihnachtsgeschichte mit Krippe und Hirten (Lukas), den Weisen aus dem Morgenland (Matthäus), Weihnachtsstern (Matthäus)

Welche Mythen um Jesus Geburt sind falsch?

Bethlehem:Wird in beiden Evangelien als Geburtsort Jesu genannt. Historiker sind sich weitestgehend darüber einig, dass Jesus aus Nazareth stammt und wahrscheinlich auch dort geboren wurde (siehe Abschnitt Geburtsort Jesu).
Marias und der Esel:Dass Maria auf einem Esel nach Bethlehem geritten ist, taucht in keiner Bibelstelle auf und wurde der Erzählung erst nachträglich zugetragen (siehe Abschnitt Marias Ritt auf dem Esel)
Stall:In beiden Geburtsberichten steht nichts darüber, dass Jesus in einem Stall geboren wurde (siehe Abschnitt Stall oder Gasthaus als Geburtsstelle Jesu).
Tiere:In den Evangelien steht nichts darüber, dass Esel und Ochsen an der Krippe Jesu auftauchten. (siehe Abschnitt Ochs und Esel als Besucher Jesu)
Drei Weisen:Die Bibel nennt keine Anzahl der Weisen aus dem Morgenland ( siehe Abschnitt zu den Weisen aus dem Morgenland).
Namen der Könige:Die Bibel nennt die Drei Weisen auch nicht beim Namen. Außerdem waren es ursprünglich auch keine Könige sondern Magier (siehe Abschnitt Heiligen Drei Könige)
25. Dezember:Der 25. Dezember als Geburtstag Jesu wurde erst im 4. Jahrhundert festgelegt. (siehe Abschnitt zu Jesus Geburtstag)
Kamele:Die Weisen kamen auf Kamelen - auch das steht nicht in der Bibel.

Was steht in der Weihnachtsgeschichte des Lukas?

siehe auch: Lukas 2

Im Jahr von Jesus Geburt gab es eine Volkszählung in allen Provinzen des Römischen Reiches. Deshalb mussten Alle in ihre Heimatstädte (Geburtsorte) zurückreisen.

Damals wohnten Maria und Joseph in Nazareth. Aufgrund der Volkszählung zogen sie nach Bethlehem um, da dies der Geburtsort von Joseph war. In Bethlehem bringt Maria das Jesuskind zur Welt. Sie muss das Kind in eine Krippe legen, da in der Herberge nicht genug Platz ist.

Krippenszene in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, Bildnachweis: Mojekadry/shutterstock.com

Krippenszene in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas

Die Hirten, welche in der Nähe von Bethlehem die Schafe hüten, erfahren von einem Engel – dass der Retter bzw. Messias geboren wurde. Sofort begeben sie sich nach Bethlehem, um den Erlöser aufzusuchen. Sie finden Maria und Jesus in der Krippe. Nach dem Besuch erzählen sie überall von der Geburt des Messias.

Weihnachtsgeschichte: die Anbetung der Hirten, Buntglasmalerei in der Kirche von Fatima (Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam), Bildnachweis: godongphoto/shutterstock.com

Die Anbetung der Hirten

Was steht in der Weihnachtsgeschichte des Matthäus?

Siehe auch: Matthäus 1

In einem Traum erscheint Joseph ein Engel. Dieser Engel erzählt ihm, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist. Außerdem erzählt der Engel, dass das Kind der Retter ist und Jesus heißen soll. Kurze Zeit später wird das Jesuskind in Bethlehem geboren.

Die Weisen aus dem Morgenland erfahren von der Ankunft des Messias und wollen ihn aufsuchen. Sie gehen deshalb nach Jerusalem und fragen bei König Herodes nach, wo sich das Kind aufhält. Doch Herodes weiß nichts vom Aufenthaltsort, weshalb die Weisen aus dem Morgenland weiter suchen müssen. Aber König Herodes wird misstrauisch und lässt nach dem Kind suchen.

Die Weisen aus Morgenland folgen einem Stern, welcher ihnen den Weg nach Bethlehem leuchtet. Dort finden sie Maria und das Jesuskind. Sie überbringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Danach verschwinden sie wieder.

Weihnachtsgeschichte nach Matthäus mit den Gelehrten aus dem Osten und dem Stern von Bethlehem

Weihnachtsgeschichte nach Matthäus mit den Gelehrten aus dem Osten und dem Stern von Bethlehem

König Herodes will den Messias töten lassen, weshalb er alle neugeborenen Jungen in Bethlehem umbringen lässt. Im Traum erscheint Josef erneut ein Engel, welcher ihn vor den Kindermorden warnt. Daraufhin fliehen Maria, Joseph und Jesus nach Ägypten.

Erst als König Herodes gestorben ist, reisen sie in ihre Heimat zurück. Doch die weiterhin angespannt politische Lage zwingt sie dazu, nach Nazareth in Galiläa zu ziehen, anstatt nach Bethlehem zurückzukehren.

Warum gibt es zwei Weihnachtsgeschichten in der Bibel?

Zunächst einmal gibt es zwei Weihnachtsgeschichten, weil zwei Evangelisten sie aufgeschrieben haben. Beide hatten ein unterschiedliches Publikum und auch eine unterschiedliche Botschaft.

Die Weihnachtsgeschichte von Matthäus richtet sich ganz klar ans jüdische Volk, wonach Jesus als der Messias glaubhaft angepriesen werden sollte. Elemente, welche die Messiaserwartung unterstreichen sollen, sind: Josefs Träume und Vorgeschichte (Mitglied der davidischen Dynastie), der Stern von Bethlehem als Ankündigung des Messias (Numeri 24,17), die Weisen aus dem Osten (Symbol für Weisheit, Wahrheit, Erkenntnissuche), die Bethlehemer Kindermorde und die Flucht nach Ägypten.

Lukas Weihnachtsgeschichte hat eine zentrale Aussage: Gott ist für alle Menschen da. Insbesondere arme Menschen sollen angesprochen. Typische Elemente bei Lukas sind die Geburt im Stall, die Hirten, aber auch die Volkszählung von Kaiser Augustus.

Beide Geburtsberichte sind keine Biografien. Stattdessen sind Beides ausgeschmückte Erzählungen, welche das Leben von Jesus – anhand von Geschichten – darstellen wollen. Und diese Geschichten basieren zum Teil auf unterschiedliche Quellen, wurden für verschiedene Gemeinden verfasst und wollten verschiedene Aspekte von Jesu zum Ausdruck bringen.

Heute gibt es eine einheitliche Weihnachtsgeschichte, welche eine Kombination aus der Lukas- und Matthäusgeschichte ist. Die Tradition hat sie, im Laufe der Zeit, zusammengefügt.

Welche Unterschiede bestehen zwischen den Geburtsberichten von Matthäus und Lukas?

MerkmalBeschreibung
Ort:Bei Matthäus leben Maria und Josef in Bethlehem. Nach der Weihnachtsgeschichte des Lukas ziehen sie erst nach Bethlehem, aufgrund der Volkszählung der Römer.
Protagonisten:Die Weihnachtsgeschichte des Matthäus stellt Josef als zentrale Figur heraus. Ihm erscheint der Engel und verkündet die Geburt bzw. Ankunft des Messias. Bei Lukas steht Maria im Mittelpunkt. Ihr erscheint der Engel Gabriel und berichtet von der Jungfrauengeburt, welche bevorsteht. Außerdem wird in Lukas 1 von Marias Gefühlen, Perspektiven und ihrem Lobgesang (Magnificat) berichtet.
Besucher:Bei Lukas kommen die Hirten als erste Besucher zu Jesus. Sie symbolisieren die Armen und einfachen Leute. Bei Matthäus kommen die Weisen aus dem Morgenland als erste Besucher zu Jesus. Sie symbolisieren die Völker der Welt (Gott für alle), die Weisheit (Wahrheit) und Erkenntnissuche.
Zeichen:Bei Lukas erscheinen den Hirten die Engel am Himmel, um vom Messias zu berichten. Und bei Matthäus ist es der Stern von Bethlehem (ebenfalls am Himmel), welcher den Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Jesus zeigt.
Rahmenerzählung:Bei Lukas ist es die Volkszählung der Römer, welche den politischen Rahmen bereitet. Und bei Matthäus ist es die Angst des König Herodes (Klientelkönig der Römer in Juda) vor dem Messias, welche die Erzählung voranbringt.
Reisen:Bei Matthäus muss die Heilige Familie vor Herodes nach Ägypten fliehen. Erst nach dessen Tod kommen sie wieder. Diesmal ziehen sie aber nach Nazareth anstelle von Bethlehem. In der Erzählung des Lukas kehrt die Familie nach der Geburt Jesu und der Volkszählung einfach nach Nazareth zurück.
Kernbotschaft:Lukas Botschaft richtet sich an arme Menschen und lautet: "Gott ist sozial und auch für die Armen da." Matthäus Botschaft richtet sich an die Erwartungshaltung des jüdischen Volks und lautet: "Jesus ist der verheißene Messias. Er erfüllt die Prophezeiungen aus dem Tanach (Alte Testament)."

Warum gibt es keine Geburtsgeschichte im Markus-Evangelium?

Das Markusevangelium ist das früheste der vier Evangelien in der Bibel. Anders als bei Lukas und Matthäus interessiert sich der Autor nicht für die Herkunft Jesu. Stattdessen stehen die Wunder Jesu im Vordergrund der Erzählung.

Schon zu Beginn berichtet Markus vom öffentlichen Auftreten Jesu und der Verkündung des Reich Gottes. Als Startpunkt gilt die Taufe Jesu durch Johannes dem Täufer. Danach beginnt sein öffentliches Wirken. Kurzum: Markus brauchte keine dynastische Herkunft (siehe Genealogie Jesu), um zu zeigen, wer Jesus war.

Warum fehlt die Geburt Jesu im Johannes-Evangelium?

Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten: „Am Anfang war das Wort … und das Wort wurde Fleisch“. Damit sagt Johannes, dass Jesus bereits vor der Schöpfung existierte. Er ist das ewige Wort Gottes, welches zu Mensch wurde.

Die Geburt Jesu ist für ihn eine Inkarnation Gottes und kein biologischer Akt. Der Fokus des Johannesevangelium liegt in der Darstellung der Göttlichkeit Jesu. Die Kindheit wird bei Johannes vernachlässigt.

Welcher Engel kündigte die Geburt Jesu an?

Im Lukasevangelium erhält Maria die Nachricht von der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel. Dieser tritt als Bote Gottes auf.

Im Matthäusevangelium erscheint Joseph ein Engel und kündigt die Geburt Jesu an. Doch dieser Engel hat keinen Namen bzw. der Name wird nicht erwähnt.

Bei Lukas erhalten die Hirten auf dem Feld die Nachricht, dass Jesus geboren wurde. Auch hier tritt ein namenloser Engel als Bote der Nachricht auf. Er wird nur als Engel des Herrn genannt.

Verkündigung der seligen Jungfrau Maria durch den Engel Gabriel,  Buntglas in der Kirche von Joigny (Frankreich), Bildnachweis: Joan Sutter/shutterstock.com

Verkündigung der seligen Jungfrau Maria durch den Engel Gabriel

Warum mussten Maria und Josef vor Jesus Geburt nach Bethlehem reisen?

Die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem wird nur im Lukasevangelium erzählt. Dort wird sie mit dem politischen Ereignis einer Volkszählung verknüpft.

Zur damaligen Zeit war Juda eine Provinz des römischen Reiches. Und laut Lukas sollte eine Volkszählung stattfinden, weshalb alle Einwohner der Provinz in ihre Vaterstadt zurückkehren sollten. Historisch ist dieser Akt höchst umstritten. Denn es gab keine römische Praxis einer Volkszählung, welche auf den Vaterort bestand. Stattdessen fanden Volkszählungen gewöhnlich am derzeitigen Wohnort statt.

Das bedeutet, dass Lukas keineswegs auf einen Verwaltungsakt oder ein historisches Ereignis hinweisen wollte – sondern eine religiöse Botschaft untermauern wollte. Und diese Botschaft lautet: „Joseph kam aus Bethlehem. Denn Joseph stammt aus dem Haus David.“

Warum ist es für das Christentum wichtig, dass Jesus aus Bethlehem kam?

Das Jesus in Bethlehem geboren wurde, war auf zwei Arten wichtig. Denn der erwartete Messias musste zwingend aus dem Haus David sein. Laut dem 2. Buch Samuel gab David einst ein Versprechen an Gott ab, dass er ihm einen Tempel bauen würde. Doch Gott lehnte dieses Versprechen ab und beteuerte, dass er David ein Haus (Dynastie) bauen würde – welches bis in alle Ewigkeit bestehen sollte.

Diese Dynastie (Haus) ist die Herrscherlinie, welche von Gott legitimiert wurde. Demnach musste Jesus aus genau dieser Herrscherdynastie abstammen, um die Messiaserwartung zu erfüllen. Und deshalb musste Joseph als der rechtliche Vater Jesu aus Bethlehem – der Stadt Davids – herstammen.

Und der theologische Jesus sollte – genau wie Joseph und König David – in Bethlehem geboren sein. Denn im Buch Micha (Zwölfprophetenbuch) steht:

„Aus Bethlehem wird der Herrscher kommen.“ (Micha 5, 1)

Demnach musste Lukas ein Ereignis beschreiben, welches Joseph und Maria dazu gebracht haben könnte, nach Bethlehem zurückzureisen. Somit ist die Reise nach Bethlehem ein literarisches Mittel, um die Geburt Jesu mit der messianischen Tradition zu verknüpfen.

Ist Maria auf einem Esel nach Bethlehem geritten?

Die Bibel erwähnt keinen Esel. Im Lukasevangelium (Lk 2, 4-5) steht lediglich, dass Joseph und Maria – die ein Kind erwarteten – hinauf nach Bethlehem zogen. Dass sie geritten sind, stand dort nicht. Und auch von einem Esel erzählt die biblische Überlieferung nichts.

Anders als die Darstellung bei Lukas wohnten die Beiden bei Matthäus bereits in Bethlehem. Demnach wird im Matthäusevangelium von keiner Reise und von keinem Ritt nach Bethlehem berichtet.

Illustration der Reise nach Bethlehem, Maria auf den Rücken eines Esels

Illustration der Reise nach Bethlehem

Die Erzählung des Ritts auf einem Esel wurde erst im Mittelalter dazu erfunden. Warum? Der Esel war ein typisches Lasttier im Nahen Osten. Aber anders als ein Pferd oder Kamel – symbolisiert der Esel eine gewisse Demut und Armut. Und dass Joseph und Maria arm gewesen sein sollen, passt bestens in die soziale Bibelerzählung.

Außerdem symbolisiert der Ritt auf den Esel auch, dass die Reise beschwerlich gewesen sein muss (anders beim Kamel oder Pferd). Dadurch werden die Strapazen nochmals unterstrichen, welche die schwangere Maria aufnehmen musste.

Wurde Jesus im Stall, in einer Krippe oder im Gastraum geboren?

Das Matthäusevangelium erwähnt weder Stall, noch Krippe und auch keine Herberge. Denn laut Matthäus ist Jesus im Wohnhaus von Maria und Joseph geboren. Nur das Lukasevangelium beschreibt den Umzug nach Bethlehem, erwähnt in der deutschen Übersetzung eine Herberge, in welcher kein Platz war. Deshalb legte Maria das Jesuskind in eine Krippe ab.

„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lk 2,7)

Eine Krippe ist ein Futtertrog für Tiere. Deshalb wurde in der christlichen Tradition irgendwann ein Stall dazu erfunden, welcher in der ursprünglichen Bibelerzählung nie erwähnt wurde.

Dass Maria und Jesus in einem Gasthaus nächtigten, ist ebenfalls ungewiss. Denn das griechische Wort „katalyma“ kann Herberge, Gästezimmer, Obere Kammer oder Unterkunft im Haus von Verwandten bedeuten. Das Neue Testament wurde ursprünglich in Koine (griechischer Dialekt) verfasst, weshalb sich gewisse Fehler bei der Bibelübersetzung eingeschlichen haben könnten.

Für die Armutserzählung des Lukas war die Krippe in einem Stall symbolhaft. Und für alle nachträgliche Erzählungen, wonach Christen in Demut leben sollen, passte die Krippe und der Stall als Armutssymbol ebenfalls. Demnach ergab sich eine Erzähltradition, wonach Jesus in einem Stall geboren wurde und dann in einen Futtertrog (Krippe) abgelegt wurde. Die Bibel erwähnt nichts von einem Stall.

Warum kamen Ochsen und Esel an die Krippe Jesu?

In der ursprünglichen Krippenerzählung bei Lukas tauchen keine Tiere an Jesus Krippe auf. Doch in späteren Erzähltraditionen wurden Ochs und Esel dazu erfunden. Denn im Buch Jesaja (Alte Testament) lautet eine Prophezeiung:

„Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ (Jesaja 1,3)

Frühe Christen wollten, dass die Prophezeiung des Jesaja durch Jesus bestätigt wurde. Deshalb wurde zur Krippe der Stall erfunden (siehe letzter Abschnitt). Und weiterhin kamen Ochs und Esel dazu, um die Jesaja-Prophezeiung in die Messias-Erzählung einbetten zu können.

Weihnachtsgeschichte: Krippenszene mit Ochs und Esel, Bildnachweis: Steven Irons/shutterstock.com

Krippenszene mit Ochs und Esel

Wie alt war Maria zu Jesus Geburt?

Das Alter von Maria erwähnt die Bibel nicht. Doch Historiker glauben, dass Maria – zum Zeitpunkt der Geburt Jesu – zwischen 13 und 15 Jahre alt war. Denn Maria war mit Joseph verlobt. Die Verlobung war eine Vorstufe zur Ehe. Und Eheschließung wurden im 1. Jahrhundert im Alter zwischen 14 und 16 begangen (bei Mädchen). Jungen heirateten im Alter zwischen 18 und 25 Jahren.

Das Durchschnittsalter einer Eheschließung lässt sich aus römischen Quellen und aus rabbinischen Texten ableiten. Demnach glaubt man, dass Maria zwischen 13 und 15 Jahre alt und Joseph mindestens 18 Jahre alt war.

In einigen Krippenerzählungen wird Joseph sehr viel älter als Maria dargestellt. Dies dient dazu, die Jungfräulichkeit und Unberührtheit Marias besser zu betonen. Gerade in der Kunstwelt wurde das Bild eines greisenhaften Josephs und einer jungfräulichen Maria immer wieder aufgegriffen. Doch Historiker halten es am plausibelsten, dass auch Joseph im heiratsfähigen Alter (18+) war.

Giorgione: Die Heilige Familie mit jungfräulicher Maria und altem Joseph, Bildnachweis: Rawpixel/shutterstock.com

Giorgione: Die Heilige Familie mit jungfräulicher Maria und altem Joseph

Welche Bedeutung hatte die Jungfrauengeburt Jesu?

Die Jungfrauengeburt ist ein Zeichen der göttlichen Herkunft Jesu. So wurde Gott – in Gestalt des Heiligen Geistes – als Urheber bzw. Initiator dieses Lebens.

Die Erzählung der göttlichen Herkunft hatte Tradition. So wurden in der Antike sämtliche Könige, Pharaonen oder Herrscher als Vertreter Gottes auf Erden gesehen und dargestellt. Die ägyptischen Pharaonen galten als Söhne des Sonnengottes Re. Der römische Kaisertitel war gleichzusetzen mit dem Pontifex Maximus (deutsch: oberster Brückenbauer). Somit war der Kaiser der Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen. Erst später ging dieser Titel auf den Papst über.

In der Antike war es völlig normal, dass Pharaonen, Kaiser und andere Herrscher göttlichen Ursprungs waren. Das Christentum setzte die Erzähltradition fort, indem man Maria zur Jungfrau machte und Gott als den Urheber Jesu herausstellte. Bis heute bekennen sich Christen zur Jungfrauengeburt Jesu, obwohl der historische Beweis dafür fehlt.

Die göttliche Herkunft Jesu wurde zum Symbol des Neuanfangs, einer neuen Schöpfung Gottes und lässt sich wunderbar in die Erzähltradition der Messiaserwartung einordnen.

Wodurch wurde die Jungfrauengeschichte plausibel?

Die Erzählung, dass große Helden göttlich gezeugt wurden – war den Menschen im 1. Jahrhundert durchaus vertraut. Beispiele waren die Halbgötter Herkules und Perseus, welche als Heroen verehrt wurden.

Auch Alexander der Große soll ein Sohn des Zeus gewesen sein und die Evangelisten stützten sich auf dieses Vertrauen. Laut Matthäus wird die Jungfrauen-Prophezeiung des Jesaja mit Jesus wahr:

„Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden“ (Jesaja 7,14)

Dadurch wurde die Jungfrauengeburt theologisch plausibel. Im Gedankengut des Volkes war die Abstammung von Göttern schon immer plausibel gewesen, obwohl explizit keine Jungfrauengeburt erwähnt wurde. Aber Götter galten schon in der Antike als übermächtige Wesen, für die eine Schwängerung durch den Heiligen Geist im Bereich des Möglichen lag.

Warum erschien der Engel zuerst den Hirten?

Dass bei Lukas zuerst die Hirten von der Ankunft des Messias erfahren, ist kein Zufall. Es war eine theologische Wahl mit der Lukas seine Botschaft verknüpfte. Und diese Botschaft lautet: „Gott setzt sich für die Armen ein.“

Und deshalb beginnt das Heilsversprechen bei Lukas ganz unten und nicht oben. Die Hirten galten als niederste Arbeiter, sozial mitunter ausgeschlossen und übersehen. Die Botschaft des Engels symbolisiert, dass Gott auch die Ärmsten sieht und diese hervorhebt.

Während Kaiser Augustus in seinem Palast sitzt, geht der Engel zu den Hirten. Somit beginnt das Reich Gottes nicht im Zentrum der Macht, sondern an den Rändern.

Eine weiteres Argument ist, dass Hirten als Symbol für Schutz stehen. So war König David ein Hirte. Und auch Gott wird im Alten Testament als Hirte Israels bezeichnet. Die Propheten kündigten stets einen guten Hirten an und kritisierten alle schlechten Hirten (Führer). Somit war im Alten Testament der Hirte auch ein Symbol für einen Anführer, was aber im klaren Gegensatz zur Lebenswirklichkeit des 1. Jahrhunderts stand.

Was sagte der Engel den Hirten?

Der Engel hatte für die Hirten drei Botschaften. In der ersten Botschaft sagte der Engel: „Fürchtet euch nicht.“ Damit war nicht irgendeine Beruhigungsfloskel gemeint, sondern das Versprechen – dass Gott Frieden bringen wird. Demnach wird mit Jesus Geburt ein friedvolles Zeitalter angekündigt (Friedensmacher).

Weiterhin sagt der Engel: „Ich verkünde euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll.“ Damit wird angedeutet, dass der Frieden und die Freude für alle Menschen gedacht ist. Doch die Hirten, welche am untersten Rand der Gesellschaft standen, dürfen diese Botschaft zuerst hören.

Die dritte Botschaft lautet: „Heute ist euch der Retter geboren.“ Der Engel nennt drei Titel für Jesus: Messias (Christus), Retter und Herr. Und dies stand im klaren Gegensatz zur römischen Herrschaftsideologie. Denn im römischen Reich wurde der Kaiser oft mit folgenden Titeln versehen:

  • Retter (Sōtēr)
  • Sohn Gottes
  • Herr (Kyrios)
  • Friedensbringer

Die Kernbotschaft des Engels an die Hirten war demnach: „Es gibt einen neuen Herrn und dieser neuer Anführer ist nicht Teil der römischen Herrschaftsfolge.“ Damit stand der Messiasbegriff in einem klaren Spannungsverhältnis zum römischen Machtanspruch in Juda aber auch in der ganzen Welt. Denn der Kaiser verstand sich als von Gott ausgewählter Anführer auf Erden.

Wie viele Weisen kamen zu Jesus Geburt?

Im Matthäusevangelium steht, dass Magier aus dem Osten nach Jerusalem kamen (Mt 2,1). Dort steht nichts darüber, wie viele es waren. Später wurden drei Magier bzw. Weisen aus dem Morgenland ausgemacht. Diese Anzahl ergab sich deshalb, da die Weisen genau drei Dinge ans Jesuskind übergaben: Gold, Myrrhe und Weihrauch.

Noch in der frühen Kirche wurden 2 bis 12 Magier aus dem Osten angegeben. Demnach könnte auch eine ganze Karawane zu Jesus Geburt angereist sein.

Wie hießen die Heiligen Drei Könige?

Aus den Magiern im Osten bzw. den Drei Weisen aus dem Morgenland wurden im Mittelalter Drei Heilige Könige gemacht. Man gab ihnen die Namen: Caspar, Melchior und Balthasar. In der Bibel werden keine Namen erwähnt.

Die Erhöhung zu Königen geschah nicht zufällig, sondern sollte die Erzählung vom Messias untermauern. So hieß es in der Prophezeiung des Jesaja:

„Völker werden zu deinem Licht ziehen, Könige zum Glanz deines Aufgangs.“ (Jesaja 60)

Im Psalm 72 steht:

„Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen, die Könige aus Saba und Seba sollen Gaben senden.“ (Psalm 72,10)

Durch die Änderung von einfachen Sterndeutern bzw. Magiern hin zu Königen sollten die Messias-Prophezeiungen bestätigt werden. Und die Geburt Jesu sollte diese Prophezeiungen vollumfänglich erfüllen. Außerdem sollte gezeigt werden, dass selbst Könige sich vor Jesus verneigen und die Herrschaft Gottes anerkennen.

Folgten die Drei Weisen wirklich dem Stern von Bethlehem?

Ein wandernder Stern ist höchst ungewöhnlich bzw. eigentlich unwahrscheinlich. Dennoch gab es um das Geburtsjahr Jesu einige astronomische Besonderheiten, welche den Stern von Bethlehem erklären könnten.

So berichten chinesische Quellen von einer Supernovae im Jahr 5 v. Chr.. Im Jahr 7 v. Chr. soll es zu mehreren Planetenkonjunktionen gekommen sein. Auch der Halleysche Komet, welcher alle 75 Jahre wiederkehrt, kreuzte die Erdumlaufbahn im Jahr 12 v. Chr.. Doch alle diese Himmelserscheinungen erklären keinen wandernden Stern, welcher über einem bestimmte Haus stehen bleibt.

Illustration der Drei Weisen, welche dem Stern von Bethlehem folgen

Illustration der Drei Weisen, welche dem Stern von Bethlehem folgen

Da es keine naturwissenschaftliche Ursache für einen wandernden Stern gibt, bleibt die theologische Deutungsursache. In der Antike wurde die Geburt eines Kaisers oder eines anderen wichtigen Herrschers mit einem bestimmten Himmelsphänomen erklärt. Deshalb finden sich die Namen sämtlicher Götter in sämtlichen Mythologie auch in den Namen der Himmelsgestirne wieder.

Demnach kann das Himmelszeichen als die wahre Geburt des Herrschers bzw. Messias gedeutet werden. Denkbar ist auch, dass das Licht des Sterns für das Licht Gottes steht – welches auch die Völker im Morgenland erreichen soll. Die Botschaft dahinter lautet: Gott ist für alle Völker gedacht.

Kamen die Drei Weisen wirklich zu Weihnachten oder erst später?

Laut dem biblischen Bericht trafen die Weisen nicht zur Geburtsstunde Jesu ein, sondern erst später. Der genaue Zeitraum der Verspätung wird nicht erwähnt. Möglich wären: Tage, Wochen und sogar Jahre.

Deutlich wird diese Verspätung im Geburtsbericht des Matthäus, wonach die Weisen das Jesuskind in einem Haus vorfinden. Es wird nichts darüber berichtet, dass das Kind ein Neugeborenes ist (Mt 2,11).

Nachdem die Weisen dann nicht zu Herodes zurückkehren, lässt er alle Kinder töten – die zwei Jahre alt sind oder darunter. Demnach ist es möglich, dass die Drei Weisen das Jesuskind erst im Alter von zwei Jahren gefunden haben. Dass die Weisen dennoch an der Krippe stehen und auf ein Neugeborenes blicken, ist reine Erzähltradition. Matthäus erwähnt dies nicht.

Daraus folgt: Wenn Jesus an Weihnachten geboren sein soll, kamen die Weisen nicht zu seiner Geburt – sondern viel später an.

In welchem Jahr wurde Jesus wirklich geboren?

Jesus wurde zwischen 7 v. Chr. und 4 v. Chr. geboren. Zu dieser Erkenntnis kommen Forscher, welche die Geburtsberichte der Evangelien mit realen historischen Ereignissen vergleichen. Denn sowohl Markus als auch Lukas nennen kein Datum. So wird der Stern von Bethlehem (Matthäus) als Jupiter-Saturn-Konjunktion gedeutet, welche sich 7 v. Chr. zutrug. Dieses Ereignis bestimmt das früheste mögliche Geburtsjahr Jesu.

Die Kindermorde von Bethlehem müssen vor dem Jahr 4 v. Chr. stattgefunden haben. Denn Herodes der Große starb in diesem Jahr. Demnach ist das Todesjahr des Königs von Juda (Herodianisches Königreich) mit dem spätesten möglichen Geburtsjahr Jesu gleichzusetzen. Dadurch ergibt sich ein Geburtsjahr Jesu zwischen 7-4 v. Chr..

Warum ist Jesus nicht im Jahr 0 geboren?

Es gibt kein Jahr 0. Stattdessen springt die Zeitrechnung von 1 v. Chr. auf das Jahr 1 n. Chr.. Der Grund ist, dass die lateinische Sprache bzw. die Römer keine Null kannten.

Warum ist Jesus nicht im Jahr 1 geboren?

Die christliche Zeitrechnung basiert genau auf dem Geburtsjahr Jesu. Denn n. Chr. bedeutet nach Christus und v. Chr. bedeutet vor Christus. Demnach liegt die Zeitenwende ( von -1 auf 1) genau im Geburtsjahr Jesu.

Dass Jesus dennoch entweder 7 v. Chr. oder 4 v. Chr. geboren wurde, liegt an einem Rechenfehler. Diese Zeitrechnung entstand erst rund 500 Jahre nach Christus Geburt. Der Mönch Dionysius Exiguus wollte um 525 n. Chr. das genaue Datum des Osterfestes berechnen und rechnete deshalb das Geburtsjahr Jesu zurück.

Dazu zog er die Regierungsjahre sämtlicher Herrscher heran, welche chronologisch festgehalten wurden. Er hatte aber keine genauen Quellen, schätzte und lag daneben.

Die oben genannten Untersuchungen (Konjunktion und Kindermorde) zeigen, dass sich Dionysius Exiguus um vier bis sieben Jahre verrechnet hatte. Aber zu dieser neuen Erkenntnis gelangten die Forscher erst in der Neuzeit. Und die christliche Zeitrechnung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als tausend Jahre bestand, weshalb man diese nicht änderte.

Warum feiern wir am 25. Dezember das Weihnachtsfest?

Dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde, ist historisch überhaupt nicht belegbar. Stattdessen gibt es eine theologische Deutungsursache für die Wahl des Kalendertages.

Der 21. Dezember ist Tag der Wintersonnenwende. Ab diesem Tag werden die Tage wieder länger bzw. die Sonnenstunden nehmen zu. Somit erlebt die Sonne eine Art Wiedergeburt. In sämtlichen Mythologien wurde die Sonne mit Göttern verknüpft. Und in den meisten frühen Religionen wurde die Sonne personifiziert und zur höchsten Gottheit unter den Göttern erklärt. Deshalb war der Tag der Wintersonnenwende immer auch religiös bedeutsam.

Im Römischen Reich wurde deshalb das Fest des Sol Invictus (deutsch: unbesiegbarer Sonnengott) im Dezember gefeiert. Im 3. Jahrhundert wurde dieser Gott zum Reichsgott des Römischen Reichs erklärt. Der Tempel des Sol wurde am 25. Dezember 274 in Rom eingeweiht. Fortan war das Fest des Sol Invictus der 25. Dezember.

Als dann das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion Roms erklärt wurde, übernahm man göttliche Feiertage und verklärte diese zu christlichen. Aus dem Fest des Sonnengottes entstand ein Fest des Christengottes. Aus der Wiedergeburt der Sonne wurde wohlmöglich eine Wiedergeburt des Gottes bzw. die Geburt des Gottessohnes (Jesus).

Wurde Jesus in Bethlehem oder Nazareth geboren?

Historiker gehen davon aus, dass Jesus in Nazareth geboren wurde. Die Bethlehem-Erzählung ist theologisch motiviert, wonach der Messias aus Bethlehem kommen sollte.

„Aus Bethlehem wird der Herrscher kommen.“ (Buch Micha 5, 1)

Da Bethlehem als Stadt Davids galt und Jesus – als Messias – ein Nachfahre Davids sein muss – wurde Bethlehem als Geburtsort Jesu von beiden Evangelisten gewählt.

Laut Lukas war Nazareth der Wohnort von Jesus Eltern. Nur aufgrund der Volkszählung müssen Joseph und Maria zurück nach Bethlehem. Denn Joseph ist aus dem Haus Davids. Und aufgrund dieses Umstandes wird Jesus in Bethlehem geboren – wodurch beide Prämissen für die Messiasprophezeiung erfüllt werden. (Kommt aus Bethlehem, kommt aus dem Haus David).

Matthäus löst beide Probleme anders. Laut dem Autor wohnt die Heilige Familie bereits dauerhaft in Bethlehem als Jesus geboren wird. Auch bei Matthäus stammt Joseph aus dem Haus David. Somit sind ebenfalls beide Bedingungen der Messiasprophezeiung erfüllt.

Der Umzug nach Nazareth erfolgt über die Flucht nach Ägypten und nur aufgrund der Bethlehemer Kindermorde. Später zieht die Heilige Familie von Ägypten nach Nazareth um. Hier sieht Matthäus die Erfüllung einer weiteren Prophezeiung:

„und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth, auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen.“ (Mt 2, 23)

Was meint Matthäus mit Nazarenus bzw. Nazoräer?

„und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth, auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen.“ (Mt 2, 23)

Das Problem ist, dass kein Prophet aus dem Alten Testament diesen Satz sagte. Verschiedene Bibeldeutung legen die Beschreibung von Matthäuas unterschiedlich aus. So wird das Wort „Nazir“ erwähnt, welches als Geweihter oder mit zugehörig zu Gott übersetzt werden kann.

Andere rücken Nazarenus in die Nähe des Wortes „nezer“, was übersetzt „Spross“ bedeutet. In Jesaja 11,1 heißt es, dass ein Spross aus dem Stamm Isais hervorgehen wird. Gemeint ist das Symbol des Baums von Jesse (Vater Davids).

Weiterhin möglich ist, dass Nazarenus ein Schimpfwort oder Wort der Verachtung sein könnte. Denn einige Propheten des Alten Testaments sagen voraus, dass der Messias zunächst verachtet werden wird.