Entstehung und Unabhängigkeit der USA
Die Gründung der USA geht auf den 4. Juli 1776 zurück, als auf dem Zweiten Kontinentalkongress in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung der Dreizehn Kolonien verabschiedet wurde. Demnach ist die Unabhängigkeit der Dreizehn Kolonien von Großbritannien und die Entstehung der Vereinigten Staaten gleichbedeutend. Allerdings fand beides zu unterschiedlichen Zeiten stand.
Sowohl die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung als auch die der US-Verfassung werden als Gründerväter der USA zusammengefasst. Die einzige Person, welche beide Gründungsdokumente unterschrieb, war Benjamin Franklin.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wann wurden die USA gegründet?
- 3 Warum erklärten die Kolonien ihre Unabhängigkeit?
- 4 Wer schrieb die Unabhängigkeitserklärung?
- 5 Warum musste sich die USA ihre Unabhängigkeit im Krieg erkämpfen?
- 6 Welche Kolonien gründeten die USA?
- 7 Wer war der erste Präsident der USA?
- 8 Was war besonders an der US Verfassung?
- 9 Wie beeinflusste die Aufklärung die Gründung der USA?
- 10 Welches amerikanische Narrativ weckte die Gründung der USA?
- 11 Welche Probleme entstanden mit der Gründung der USA und wirken bis heute nach?
- 12 Zeitleiste
Steckbrief
| Zeitraum: | Von 1775 (Beginn des US-Unabhängigkeitskrieges) bis 1789 (Inkrafttreten der US-Verfassung) |
| Unabhängigkeit: | 4. Juli 1776 (Verabschiedung der US-Unabhängigkeitserklärung) |
| Persönlichkeiten: | George Washington, Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, John Adams, Marquis de Lafayette, John Hancock, Richard Henry Lee, Patrick Henry, Thomas Paine und weitere Gründungsfiguren der USA |
| Vorrausgegangen: | US-Revolution (seit 1763/64) |
| Nachfolgephase: | US-Westexpansion (Manifest Destiny) und Indianerkriege |
Wann wurden die USA gegründet?
Die USA waren ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens ihrer Verfassung der Staat, wie man ihn heute kennt. Diese Verfassung wurde am 17. September 1787 verabschiedet und am 21. Juni 1788 ratifiziert. Doch in Kraft trat die US-Verfassung am 4. März 1789, weshalb man dieses Datum als offizielles Gründungsdatum der USA bezeichnen kann.
Ideologisch wurden die USA am 4. Juli 1776 mit der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung gegründet. Doch diese Erklärung wurde vom britischen Mutterland nicht akzeptiert und musste im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) erst noch erkämpft werden.
Am Ende des Krieges wurde der Frieden von Paris geschlossen. Dies geschah am 3. September 1783. Erst in diesem Friedensvertrag akzeptierte Großbritannien die Unabhängigkeit der Dreizehn Kolonien. Demnach ist die Geburtsstunde der USA eigentlich ein Prozess:
- die Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung (4. Juli 1776) als ideologisches Startschuss
- die Erlangung der Souveränität (3. September 1783)
- und das Inkrafttreten der US-Verfassung (4. März 1789)
Warum erklärten die Kolonien ihre Unabhängigkeit?
Die Kolonien verfassten die Unabhängigkeitserklärung, um sich von Großbritannien zu lösen. Jene Loslösung begann spätestens 1764 nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Denn Großbritannien versuchte die Kosten des Krieges auf die nordamerikanischen Kolonien umzulegen und erhob verschiedene Steuern.
In Nordamerika kam es daraufhin zu Protesten auf der Straße und zu schriftlichen Ablehnungen in den Parlamenten einiger Kolonien. Zentrales Anliegen der Amerikaner war die Parole: „No taxation without representation“. Dies bedeutet: „keine Steuern ohne Repräsentation im Parlament“.
So sahen sich viele Kolonisten nicht im englischen Parlament repräsentiert, da sie deren Abgeordnete nie gewählt hatten. Stattdessen hatten sie eigene Parlamente in den Kolonien. Und falls jemand Steuern für irgendeine der Dreizehn Kolonien erheben dürfe, dann nur das gewählte Parlament in den Kolonien. Es fehlte also die politische Teilhabe und Mitbestimmung.
Mit Einführung des Stamp Act (1765) wurden die Spannungen derart erhöht, dass öffentliche Proteste in eine tiefe Ablehnung der englischen Monarchie übergingen. Es folgten politische Aktionen auf der Straße gegen Steuereintreiber und politische Hetzreden gegen die Krone in den Parlamenten.
Ein Höhepunkt der Amerikanischen Revolution war die Boston Tea Party im Dezember 1773, als die Aktivistengruppe Sons of Liberty über dreihundert Kisten englischen Tees in den Hafen von Boston schmissen.
Die englische Krone reagierte mit Zwangsgesetzen gegen die Kolonien und mit politischer Verfolgung der Aufständischen. Daraufhin wurde 1774 der erste Kontinentalkongress abgehalten. Auf diesem Kongress einigten sich alle Dreizehn Kolonien darauf, zukünftig gemeinsam und als Einheit aufzutreten.
Wer schrieb die Unabhängigkeitserklärung?
siehe auch: Unabhängigkeitserklärung der USA
Der überwiegende Teil der Unabhängigkeitserklärung wurde von Thomas Jefferson, einem Anwalt und Politiker aus der Virginia-Kolonie, verfasst. Weitere Autoren waren John Adams, Benjamin Franklin, Robert Livingston und Roger Sherman. Das Erklärungskomitee, welches historisch als Komitee der Fünf bezeichnet wird, arbeitete ab dem 11. Juni 1776 an der Ausarbeitung des Textes.
Warum musste sich die USA ihre Unabhängigkeit im Krieg erkämpfen?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Die Dreizehn Kolonie gehörten offiziell bis 1783 zum britischen Königreich. Allerdings kam es zwischen britischen Mutterland und den nordamerikanischen Überseegebieten zu einem ideologischen Bruch. Denn die Kolonisten führten sich bevormundet und durch die Steuerpolitik der Briten wirtschaftlich ausgebremst.
Dies führte ab 1763/64 zu Protesten auf der Straße und zu Schmähreden in den Kolonialparlamenten. Diese Phase wird als Amerikanische Revolution zusammengefasst.
Ab dem 19. April 1775 mündete diese amerikanische Unabhängigkeitsbewegung in einen offenen Krieg zwischen Briten und Kolonisten. Denn an diesem Tag kam es zu den ersten Gefechten bei Concord und Lexington zwischen Aufständischen und britischen Soldaten. Danach ließ sich der Krieg nicht mehr zurückdrehen.
In der Folge errichteten die Aufständischen einen Belagerungsring um Boston. Die vereinte Kontinentalarmee – welche erst 1774 gegründet wurde – kämpfte nun für die amerikanische Sache. Die Dreizehn Kolonien traten sowohl politisch als auch militärisch als Einheit gegen die Briten auf.
Als am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verabschiedet und am 2. August unterschrieben wurde, galten deren Unterzeichner als Hochverräter. Ihnen drohten Folter und Tod.
Nach acht Jahren endete der Krieg mit einem amerikanischen Sieg, weshalb Großbritannien die Souveränität der Amerikaner anerkennen musste.
Welche Kolonien gründeten die USA?
Insgesamt gab es Dreizehn Kolonien.
| Die Provinz New Hampshire entstand ab 1623 als in Little Harbor, Dover, Portsmouth und Exeter erste britische Siedlungen gegründet wurden. Ab 1641 schlossen sich mehrere Siedlungen freiwillig Massachusetts an, da New Hampshire klein, schwach und wirtschaftlich instabil war. |
| Die Provinz Massachusetts Bay wurde 1691 gegründet und vereinte mehrere kleinere Kolonien in sich: Massachusetts Bay Colony, Plymouth Colony, Province of Maine, Martha’s Vineyard and Nantucket, sowie Teile von Nova Scotia und New Brunswick. In der Folge wurde Massachusetts Bay zur bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich stärksten Kolonie Neuenglands. Dies lag u. a. an einer großen Handelsflotte und den Hafen von Boston. |
| Die Kolonie Rhode Island und Providence Plantations wurde 1636 durch Roger Williams, einem aus Massachusetts verbannten Theologen, gegründet. Andere religiöse Auswanderer, wie Anne Hutchinson, William Coddington oder John Clarke, gründeten zusätzliche Siedlungen wie Portsmouth und Newport. Die Kolonie garantierte seinen Bürger grenzenlose Gewissens- und Religionsfreiheit. So entstand in der Kolonie die ersten Baptistengemeinden und auch die erste jüdische Synagoge Nordamerikas. Es gab eine klare Trennung von Kirche und Staat, ein Grundprinzip - welches später in die US-Verfassung einfloss. |
| Die Kolonie Connecticut und New Haven wurde 1636 als River Colony am Ufer des Connecticut Rivers gegründet. 1644 wurde dann die Saybrook Colony in die Connecticut-Kolonie eingegliedert. Die New Haven Colony kam 1662/64 per königlicher Charta dazu. |
| Die Provinz New York entstand 1624 als Niew Nederland und war ursprünglich eine Kolonie der niederländischen West-Indien-Kompanie. Hauptort war New Amsterdam auf der Halbinsel Manhattan. Doch 1664 eroberten die Engländer die Kolonie und machten aus New Amsterdam die Provinz New York. Fortan galt New York als Brotkorbkolonie, da die Weizenproduktion dort florierte. Aufgrund des Hafens von New York wurde die Provinz zu einer bedeutenden Handelskolonie. |
| Die Provinz New Jersey entstand 1664 als die Engländer die niederländische Kolonie Nieuw Nederland eroberten. Nach der Eroberung wurde die Kolonie zunächst in Ost-Jersey und West-Jersey aufgeteilt, bevor es 1702 zur Vereinigung kam. Die Provinz New Jersey war religiös vielfältiger als viele Kolonien in Neuengland. So lebten dort Quäker, Baptisten und Puritaner. |
| Die Provinz Pennsylvania wurde 1681 durch William Penn gegründet. Nach ihm wurde die Kolonie benannt. Philadelphia wurde zur größten Stadt der Kolonien und zu einem wichtigen Handelszentrum. Während der Amerikanischen Revolution wurde Philadelphia zum Ort des Kontinentalkongresses und blieb dies auch - bis auf wenige Ausnahmen - bis zum Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Demnach war Philadelphia das politische Zentrum der Dreizehn Kolonien. |
| Die Kolonie Delaware wurde 1638 als Kolonie Neuschweden gegründet. Zuvor gab es 1631 eine erste niederländische Siedlung bei Lewes, welche aber schnell zerstört wurde. Unter der Führung von Peter Stuyvesant eroberten die Niederländer im Jahr 1655 die Kolonie Neuschweden, bevor die Engländer 1664 das Gebiet eroberten. Ab 1701 erhielt Delaware eine eigene Kolonialversammlung, wurde aber vom gleichen Gouverneur wie Pennsylvania angeführt. |
| Die Provinz Maryland wurde 1632 gegründet. Benannt wurde die Kolonie nach Königin Henrietta Maria, der Ehefrau von König Charles I. von England. Im Bund der Dreizehn englischen Kolonien Nordamerikas war Maryland die einzige katholische Kolonie. Das Maryland Toleration Act von 1649 war eines der ersten Gesetze zur religiösen Toleranz. Jenes Gesetz gilt als Vorläufer des 1. Verfassungszusatzes der USA. |
| Die Kolonie Virginia war die erste dauerhafte Kolonie der Briten in Nordamerika. Erster Ort der Kolonie war Jamestown, gegründet 1607. Benannt wurde die Kolonie nach der englischen Königin Elisabeth I., welche als Jungfrau (Virgin Queen) galt. Berühmt und wirtschaftlich stark wurde die Virginia-Kolonie durch den Anbau von Tabak. Die Plantagenökonomie mit den Sklavenplantagen wurde in Virginia zuerst integriert. Letztlich begann in Virginia die britisch-amerikanische Geschichtserzählung von John Smith, John Rolfe und Pocahontas. |
| Die Provinz North Carolina entstand ab 1629. Zuvor gab es bereits britische Versuche einer Kolonialisierung (Roanoke-Kolonie). Doch diese Kolonie verschwand spurlos und gilt als ein großes Rätsel der Kolonialgeschichte. 1712 wurde die Kolonie Carolina in North und South Carolina geteilt. |
| Die Provinz South Carolina entstand 1712 als die Provinz Carolina in eine nördliche und südliche Kolonie geteilt wurde. Siedler aus Barbados kamen nach South Carolina und brachten Plantagenwirtschaft und ein System der Sklaverei mit. Dies führte dazu, dass in South Carolina mehr versklavte Menschen lebten als Freie. Der Yamasee‑Krieg (1715-1717) war einer der blutigsten Indianerkriege zwischen Kolonisten und Indigenen. |
| Die Provinz Georgia entstand 1732 als letzte der Dreizehn Kolonien. Jene Provinz war die südlichste Kolonie der Briten in Nordamerika und aufgrund ihres kurzen Bestehens noch stark abhängig von der britischen Regierung. Gegründet wurde die Kolonie als Pufferzone gegen das spanische Florida. |
Wer war der erste Präsident der USA?
Erster Präsident der USA war George Washington. Dieser hatte sich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee bewährt und galt deshalb als Volksheld.
1787 leitete George Washinton den Verfassungskonvent, welcher die Grundlage der USA schuf. Schließlich wurde er am 4. Februar 1789 zum ersten Präsidenten der USA gewählt und trat das Amt am 30. April 1789 an.
Zuvor trat er als Delegierter von Virginia beim Ersten Kontinentalkongress von 1774 auf. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnete George Washington allerdings nicht. Für die Kolonie Virginia unterzeichneten stattdessen Thomas Jefferson, Richard Henry Lee und George Wythe.
Allerdings unterzeichnete George Washington am 17. September 1787 die Verfassung der USA. Deshalb wird er ebenfalls zu den Gründervätern der USA gezählt.
Was war besonders an der US Verfassung?
Die Verfassung der USA entstand 1787, trat am 4. März 1789 in Kraft und ist bis heute gültig. Der Grund für diese Beständigkeit ist ein einzigartiges System von „Checks and Balances“. Die knappe und flexible Struktur macht die US-Verfassung immer wieder anpassungsfähig.
Diese Verfassung kombiniert eine starke Zentralgewalt mit föderaler Ordnung und garantiert jedem Bürger diverse Grundrechte. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung war die US-Verfassung einzigartig. Denn sie trennte erstmals drei Staatsgewalten (Checks and Balances), wodurch die eine Gewalt durch eine andere kontrolliert werden soll.
Die Legislative (Gesetzgeber) der USA ist der Kongress. Der Präsident ist die ausführende Gewalt (Exekutive) und die richterliche Gewalt ist der Supreme Court. Jene Gewaltenteilung wurde zum Vorbild sämtlicher Demokratien des Westens.
Wie beeinflusste die Aufklärung die Gründung der USA?
Ohne die Aufklärung gäbe es die USA in ihrer heutigen Beschaffenheit vermutlich nicht. Bedeutende Aufklärer, welche auch in den USA gelesen wurden, waren John Locke, Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Montesquieu und Francis Hutcheson. Allesamt beschäftigten sich mit staatstheoretischen Fragen, wie der Vertragstheorie.
Jene Theorie besagt, dass jede Form von Staatlichkeit auf einen Gesellschaftsvertrag beruht. Die Bürger einer Gesellschaft haben entweder aktiv diesem Vertrag zugestimmt oder den Staat bereitwillig akzeptiert. Dies bedeutet, dass sich das Individuum in einem Staat unterordnet und somit persönliche Freiheit einbüßt. Aber ein Staat, welcher das Versprechen abgibt, dass die Unterordnung zu einer allgemeinen Wohlfahrt führt – wird letztlich akzeptiert.
Eine Regierung oder ein Staat existieren nur dann, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich zum Gesellschaftsvertrag bekennt. Falls ein Staat irgendwann keinen Nutzen mehr für den Einzelnen haben sollte oder sogar nachteilig wirkt, wird sich der Einzelne nicht mehr unterwerfen lassen und seine Freiheit zurückfordern.
Die Gründerväter der USA beriefen sich auf die Theorien des Gesellschaftsvertrages. So sind in der Unabhängigkeitserklärung bereits Menschenrechte definiert. Es wird von Freiheit, Gleichheit und unveräußerlichen Rechten gesprochen. Der neue Staat (die USA) will diese Rechte garantieren.
Weiterhin schreiben die Gründerväter, dass der britische König gegen diverse Rechte verstoßen hat und somit der Gesellschaftsvertrag seine Wirkung verliert.
Aus den Naturrechten (Freiheit, Streben nach Glück) definierten die Amerikaner eine Volkssouveränität. Alle Macht müsse vom Volk ausgehen – so die Gründerväter. Die Gewaltenteilung (Check and Balances) ist somit eine Konsequenz für weniger Macht beim Staat und mehr Macht beim Volk.
Voltaire sah die Gleichschaltung zwischen Kirche und Staat äußerst kritisch. So gab es staatlich garantierte Kirchenmacht in Europa, welche zu religiöser Intoleranz führte. Die USA wollten dieses System hinter sich lassen, schon deshalb – weil viele der Andersgläubigen aus Europa geflohen sind. Deshalb wurde im 1. Zusatzartikel die Trennung zwischen Kirche und Staat festgeschrieben.
Welches amerikanische Narrativ weckte die Gründung der USA?
Die Gründung der USA weckte gleich mehrere Narrative, welche bis heute gelten. Viele dieser Narrative überlagern sich bzw. bauen ineinander auf.
Land der Freiheit (Liberty)
Die USA erzählen ihre Geschichte als Überwindung der Tyrannei. Die britische Regierung erscheint im amerikanischen Gründungsmythos als Unterdrücker und unrechtmäßiger Königsstaat. Und die freien Bürger in den Kolonien haben sich gegen diesen Unterdrücker erhoben, einen Krieg gewonnen und letztlich die Freiheit erlangt.
Dieses Freiheitsnarrativ äußert sich in der Religions-, Meinungs-, in der politischen und wirtschaftlichen Freiheit. Ein Staatswesen ist laut den USA nur dazu da, um diese Freiheiten zu schützen. Jeder Staat bzw. Regierung, welche Freiheit nicht schützt oder sogar unterdrückt, ist unrechtmäßig und muss abgeschafft werden.
Die Umsturzidee ist somit Teil der freiheitlichen Auffassung der meisten Amerikaner. Und die US-Verfassung mit Checks and Balances garantiert, dass keine Instanz unbegrenzte Macht hat.
Gründerväter-Narrativ
In den USA werden die Gründerväter als heroische Persönlichkeiten stilisiert. Jene Staatsmänner riskierten ihr Leben und ihre Sicherheit als sie sich zur Unabhängigkeitserklärung bekannten.
Für die meisten Amerikaner sind die Gründerväter mutige Helden, welche sich gegen das Unrecht auflehnten. Sie werden oft als politische Genies dargestellt, welche es schafften – sich einer Weltmacht (British Empire) entgegenzustellen. Aufgrund ihrer Expertise fanden sie einen rhetorischen Weg, um die Unabhängigkeit der Dreizehn Kolonien rechtlich und auch moralisch zu begründen.
Amerikanischer Patriotismus
Heutiger Patriotismus wird mit Vaterlandsliebe übersetzt. Aber die damaligen Amerikaner liebten weder ihr Vaterland (England) noch die Kolonie, in welcher sie lebten.
Tatsächlich liebten sie eigentlich die Lebensweise in den Kolonien, die Freiheit – welche ihnen versprochen wurde. Demnach ist der ursprüngliche amerikanische Patriotismus nicht mit Vaterlandsliebe, sondern mit einem Streben nach einer bestimmten Lebensweise gleichzusetzen.
Die Patrioten strebten danach, in einem freien Land zu leben, welches keine Tyrannei und staatliche Willkür kennt. Als die Briten ihre Steuergesetze in den Kolonien durchdrücken wollten, galt dies für viele Amerikaner als Verstoß gegen eine freiheitliche Lebensweise. Patrioten kämpften in der Revolution und im Unabhängigkeitskrieg für die amerikanische Sache (Lebensweise), während die Loyalisten an den Strukturen der britischen Kolonialmacht festhielten.
In den heutigen USA gilt patriotisch als Synonym für amerikanisch. Immer noch ist die Lebensweise der Amerikaner gemeint und nicht zwingend das Land. Die USA sind lediglich das Land, welches durch ihre Verfassung genau diese Lebensweise garantiert, welche die Patrioten damals und heute noch meinen.
Auserwähltheit (American Exceptionalism)
Der Amerikanische Exzeptionalismus ist eine Ideologie, wonach sich die USA – aufgrund ihrer Geschichte – von allen anderen Staaten unterscheidet und etwas ganz Besonderes ist. So wird die USA bei vielen Amerikanern als ein besonderes Experiment begriffen.
Im Selbstverständnis der USA ist dieses Land das großartigste der Welt, weil es Freiheit und Menschenrechte garantiert. Im weiteren Selbstverständnis bedeutet dies, dass die USA eine Vorbildfunktion auf der Weltbühne einnehmen und ihre Werte in die Welt exportieren müssen. So sehen sie sich als einziges Volk, welches davon überzeugt ist, Gotteswerk zu verrichten, indem sie anderen Nationen ihr politisches und ihr wirtschaftliches System beibringen.
Frontier Narrativ
Der Patriotismus, also das Streben nach der amerikanischen Lebensweise, sollte nach Westen getragen werden. Als die USA gegründet worden sind, waren die Dreizehn Kolonien nur an der Ostküste. Bis 1848 schafften es die Amerikaner, sich bis zum Pazifik auszubreiten.
Bei der Landnahme gab es Konflikte mit Indigenen, welche unterdrückt, ermordet, vertrieben, umgesiedelt und umerzogen wurden. Aber dies geschah, laut den amerikanischen Siedlern, mit guter Absicht. Denn auch die Indigenen mussten befreit und Teil der patriotischen Lebensart werden. Nur so konnte man die guten Absichten und Lebensweisen in den Westen tragen.
Noch heute sehen sich die USA als eine Gesellschaft, welche neue Lebensräume braucht, um dort die Glorreiche Lebensweise zu exportieren. Freiheit wird demnach mit Expansion verknüpft. Und die ganze Nation definiert sich über Bewegung, Fortschritt und Transformation, niemals über Tradition.
Opfer Rolle
Die Opfer-Rolle passt normalerweise nicht zu einem Volk, welches sich als auserwählt, patriotisch und expandierend begreift. Dennoch beginnt der Gründungsmythos der USA mit einer Opferrolle. Die amerikanischen Kolonisten waren Opfer einer britischen Steuerpolitik, Willkür und Fremdherrschaft. Aber sie konnten sich daraus befreien.
Der heutige Opferkult in den USA lässt sich daran anknüpfen. Viele der heutigen Amerikaner sehen sich als Opfer eines Staatsapparates, welcher nicht funktioniert und welcher zudem Willkür fördert. In den USA nennt man dieses Phänomen „Deep State“.
Der Deep State ist ein Staat im Staat, welcher im Hintergrund läuft, aber in welchem Funktionäre alles dafür tun, damit es so bleibt – wie es ist. Da die Amerikaner generell Tradition ablehnen, freiheitsliebend sind und selbstbestimmend vorangehen wollen – trifft diese Verschwörungstheorie auf fruchtbaren Boden.
Welche Probleme entstanden mit der Gründung der USA und wirken bis heute nach?
Die USA haben als erster Staat der Welt in ihrer Verfassung diverse Menschen- und Grundrechte festgeschrieben. Aber eben nicht für alle Menschen. Eigentlich waren diese Rechte nur für eine Minderheit gedacht. Und zwar für hellhäutige, männliche Eliten.
Klassengesellschaft
Frauen hatten auch nach der Revolution keine Rechte. Schwarzafrikaner lebten immer noch als Sklaven. Indigene mussten der Siedlungspolitik der Amerikaner weichen.
Die Neue Welt bot Möglichkeiten für die Ersten, welche ankamen und den Aufstieg schafften. Und diese Aufsteigenden zementierten ihre Macht und ihren Besitz, so dass Neuankömmlinge weniger Chancen für den Aufstieg hatten. So schaffte die USA eine wirkliche Zwei- oder Mehrklassengesellschaft. Demnach bot die Revolution und die Unabhängigkeit auch keine Chancengleichheit für ärmere Menschen.
Politische und wirtschaftliche Teilhabe wird in den USA hochgehalten, oft verkündet und dennoch selten gelebt. Noch immer gibt es Armenviertel, Schulbildung hängt vom Einkommen ab und Gefängnisinsassen dürfen in den meisten Bundesstaaten überhaupt nicht wählen. Da Verbrechen immer Indikator für soziale Ungleichheit und Herkunft ist, schließt man so ganz bewusst die sozial schwächsten aus dem politischen System aus.
In einigen Bundesstaaten dürfen Vorbestrafte auch nicht wählen, wodurch sich die soziale Ungleichheit weiter zuspitzt.
Pursuit of Happiness
Aber dennoch konnte die USA einen Mythos um sich erschaffen, bei dem die ganze Welt daran glaubte, dass dieses Land die Menschenrechte schützen würde, sich für Minderheiten einsetzen und staatlich schützen würde. Selbst der Mythos, dass jeder den Aufstieg schaffen kann – hallte bis zur Jahrtausendwende nach. Die Autoren des Buches „Erzählende Affen“ beschreiben dieses Narrativ als Disneyland für Erwachsene.
Das amerikanische Narrativ ist ein modernes Märchen, welches seit der Gründung 1776 erzählt und hochgehalten wird. Es ist die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär. Schon in der Unabhängigkeitserklärung wird diese Geschichte als „pursuit of happiness“ erzählt. Gemeint ist damit, das Recht auf ein Streben nach Glück.
Seitdem wird diese Erzählung so erzählt, dass man sich nur genug anstrengen muss und irgendwann richtig viel Erfolg haben wird. Der Tellerwäscher kann wirklich Millionär werden, wenn er es denn wirklich will. Aus dieser Perspektive heraus entstand der Liberalismus, ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem – welches die USA nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa exportierten.
Ende des amerikanischen Traums
Aber dieser amerikanische Traum ist zu Ende erzählt. Und der Aufstieg auf den Sehnsuchtsberg ist für viele Amerikaner unerreichbar geworden. Stattdessen nehmen weiße Amerikaner ihre Welt als Warteschlange wahr.
Sie waren es bisher gewohnt, sich in dieser Schlange nicht ganz hinten anstellen zu müssen. Denn ganz hinten standen die Afroamerikaner, die Latinos, Frauen und irgendwelche Minderheiten. Der weiße Mann konnte sich in der Mitte anstellen und kam schneller zum amerikanischen Traum als die anderen. Grund dafür sind sozioökonomische Strukturen in den USA, welche geschaffen und zementiert wurden – damit nicht jeder die gleiche Chance hat.
Das Aufstiegsversprechen gab den Weißen immerhin genug Kraft zum Durchhalten. Der Glaube daran war alles, hielt die Gesellschaft zusammen und vermochte es, dass die weißen männlichen Amerikaner weiter an ihrem persönlichen amerikanischen Traum arbeiteten. Doch seit einigen Jahren erleben diese Amerikaner, dass es Vordrängler gibt.
Diese Vordrängler sind Schwarze, Latinos, Frauen oder einfach nur Minderheiten. Diese werden durch staatliche Gleichstellungsprogramme ebenfalls in die Mitte der Warteschlange gestellt. Der hellhäutige Amerikaner, für den eigentlich das Land der Freiheit erschaffen wurde, nimmt diese Gleichstellung als Bedrohung oder sogar als Verrat an der amerikanischen Sache wahr.
Diversität, Förderprogramme für Minderheiten und Frauenquoten sind für viele weiße Amerikaner deshalb höchst unamerikanisch.
Make America great again
Das Versprechen der Maga-Bewegung lautet deshalb: Make America great again. Aber eigentlich bedeutet dies: Wir schaffen Diversität und sämtliche Förderprogramme wieder ab. Somit müssen sich Frauen, Afroamerikaner und Minderheiten wieder ganz hinten anstellen. Der weiße männliche Amerikaner steht dann wieder in der Mitte.
Dadurch wird das Aufstiegsversprechen erneuert, welches zwar niemals funktioniert hatte, aber an welches alle nur fest glauben müssen – damit sie zufrieden einschlafen können.
Inszeniert wird die Maga-Erzählung durch eine Opferrolle. Der weiße amerikanische Mann wird als Opfer einer sich veränderten Gesellschaft dargestellt. Die Täter sind staatliche Funktionäre, welche einen Kulturkampf vollziehen – um alle aufrichtigen Amerikaner umzuerziehen. Doch tatsächlich geht es immer noch um die Warteschlange, bei der sich plötzlich Minderheiten in der Mitte anstellen dürfen. Der Kulturkampf ist somit nur die Projektionsfläche, welche den Amerikanern vorgespielt wird.
Maga verspricht, dass es genauso wie zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitsbewegung, noch einige Patrioten gibt. Und diese Patrioten werden sich der neu aufkommenden Willkür entgegenstellen. Und genauso wie damals kann der weiße Amerikaner aus seiner Opferrolle hinaustreten, sobald er sich zur Maga-Bewegung und Donald Trump bekennt.
Neue Feindbilder gleichen den alten der Unabhängigkeitsbewegung. Der Deep State ist der Willkürstaat bzw. die britische Krone von damals. Beim Kulturkampf geht es um die Lebensweise der Patrioten gegen die Bevormundung der Demokraten (vgl. britische Bevormundung).
Der aufrichtige Amerikaner ist immer noch hellhäutig und kämpft keineswegs für Frauenrechte oder für Minderheitenrechte. Stattdessen geht es um die Rückschau zu alten Werten und zur Frage für wen Amerika eigentlich gemacht wurde. Die Antwort ist einfach: für weiße männliche Eliten.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1607 | Englische Siedler gründen Jamestown im heutigen Virginia. Initiator der Kolonisierung ist das britische Unternehmen Virginia Company, welches vom britischen König Jakob I. eine Charta erhalten hat. Jamestown wird die erste dauerhafte britische Siedlung in Nordamerika sein. |
| 1620 | Das Segelschiff Mayflower erreicht die Halbinsel Cape Cod im heutigen Massachusetts. An Bord der Mayflower sind Puritaner, welche in der Neuen Welt ein gottgefälliges Gemeinwesen gründen wollen. Noch an Bord der Mayflower schließen die Pilgerväter den Mayflower Compact. |
| 1624 | Auf der Halbinsel Manhattan gründet die niederländische West-Indien-Kompanie die Kolonie Nieuw Nederland. Hauptort wird die Stadt New Amsterdam sein. |
| 1628 | Nördlich der Pilgerväter-Kolonie entsteht die ebenfalls von Puritanern geführte Massachusetts Bay Kolonie. Schnell wird Boston zum Handelszentrum der Kolonie und ganz Neuenglands. |
| 1632 | Der britische König Charles I. erteilt eine Charta zur Gründung einer neuen Kolonie in Nordamerika, welche als Zufluchtsort für Katholiken dienen soll. In dieser als Province of Maryland bekannten Kolonie finden Katholiken aus Europa, vor allem aus der Pfalz, einen sicheren Zufluchtsort. Schon bald lassen sich die ersten Protestanten in Maryland nieder und werden bis 1776 zur Mehrheit. |
| 1636 | Ein aus Massachusetts ausgewiesener Puritaner gründet die Provinz Providence Plantations, welche später mit Rhode Island verschmelzen wird. |
| 1638 | Am Delaware River entsteht die Kolonie Neuschweden. |
| 1655 | Die Niederländer erobern die Kolonie Neuschweden. |
| 1663 | Südlich von Virginia entsteht die Province von Carolina. |
| 1664 | England erobert die niederländischen Gebiete in Nordamerika. Aus New Amsterdam wird die Stadt New York. Aus dem ehemaligen Neuschweden entsteht die Kolonie New Jersey. |
| 1675 | Die Indigenen wehren sich gegen die Siedlungspolitik der britischen Kolonisten. Der King Philip’s War beginnt und endet ein Jahr später. Am Ende des Krieges hatten von 20.000 Ureinwohnern 3.000 ihr Leben verloren. Neben Gewalt sind Pocken und andere von den Europäern eingeschleppte Krankheiten ein Grund für die hohe Sterblichkeit der Indigenen. |
| 1681 | Der Quäker William Penn gründet die Kolonie Pennsylvania. Schon bald steigt diese zur größten Siedlung unter den Dreizehn auf. |
| 1691 | Plymouth Colony und Massachusetts Bay werden zur Kronkolonie Province of Massachusetts Bay. |
| 1707 | Durch die Acts of Union werden England und Schottland politisch miteinander verbunden. So entsteht das Königreich Großbritannien. |
| 1712 | Die Province of Carolina wird in einen Süd- und einen Nordteil geteilt. 1729 werden sowohl North Carolina als auch South Carolina zu britischen Kronkolonien. |
| 1721 | Robert Walpole wird leitender Minister Krone. Er verfolgt eine Politik der "weisen und heilsamen Vernachlässigung". Dadurch werden die Kolonien souveräner, weshalb sich die Siedler nach eigenen Vorstellungen einrichten können. |
| 1732 | Die Province of Georgia entsteht als letzte der Dreizehn Kolonien, aus welcher die USA hervorgehen wird. |
| 1754 | Der French and Indian War zwischen Großbritannien und Frankreich beginnt in Nordamerika. Sein europäisches Pendant ist der Siebenjährige Krieg als dritter Teil der Schlesienkriege, welcher zwei Jahre später beginnen wird. |
| 1757 | Das französische Militär nimmt mit Unterstützung der indigenen Bevölkerung das Fort William Henry ein. Die Indigenen fühlen sich von den Franzosen betrogen und greifen die abziehenden Briten erneut an. Beim Massaker sterben hunderte oder werden verschleppt. |
| 1763 | 10. Februar: Der Frieden von Paris beendet den French and Indian War zugunsten der Briten. Großbritannien bekommt sämtliche nordamerikanische Gebiete der Franzosen zugesprochen. Dazu gehören Kanada und ein Grenzstreifen zwischen den Appalachen und dem Mississippi-River. Die westlichen Gebiete Frankreichs gehen an Spanien. |
| 1763 | 7. Oktober: Nach dem Pontiac-Aufstand sichert die britische Krone den Indigenen das Siedlungsgebiet östlich der Appalachen zu. Die Königliche Proklamation von 1763 schafft zwar Frieden mit den Indigenen, erhöht aber das Unverständnis bei den englischen Kolonisten, welche für dieses Siedlungsgebiet im French and Indian War gekämpft hatten. |
| 1764 | Um die britischen Kolonisten an den Kriegsausgaben des French and Indian War zu beteiligen, erlässt die britische Regierung eine Zuckersteuer in den Kolonien. Das Zuckersteuergesetz (Sugar Act) stößt bei den Kolonisten auf Gegenwehr. Schmuggel und Bestechung nehmen zu. Auch darauf findet die britische Regierung eine Antwort. Der Sugar Act treibt die Rumbrennereien in der Neuen Welt an den Rand des Ruins. |
| 1765 | Abermals erlässt die britische Regierung ein Steuergesetz. Diesmal auf alle Papierwaren. Demnach werden Zeitungen, öffentliche Dokumente und selbst Spielkarten besteuert. Das Stempelsteuergesetz wirkt bis in den Alltag der Kolonisten hinein, wird als Zumutung und Bevormundung empfunden. Mit der Stempelsteuer beginnen die ersten Tumulte und Ausschreitungen, was von späteren Historikern als Beginn der Amerikanische Revolution gewertet werden wird. |
| 1766 | Das Stempelgesetz wird zurückgenommen. Denn die Kolonisten haben den Import britischer Waren boykottiert, was für die britische Volkswirtschaft erhebliche Einbußen brachte. Von diesem kleinen Sieg ist die Aktivistengruppe Sons of Liberty derart beflügelt, dass sie ihren Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft weiterführt. |
| 1767 | Die als Townhend Acts bezeichneten Steuergesetze werden erlassen. Fortan werden die Importe von Blei, Farben, Glas, Papier und Tee durch die Briten besteuert. |
| 1770 | 5. März: In Boston eskaliert ein Streit um eine nicht beglichene Friseurrechnung eines britischen Offiziers. Hunderte aufgebrachte Kolonisten bedrängen die britischen Soldaten, welche das Feuer eröffnen. Es sterben fünf Kolonisten. Der Vorfall wird von antibritischen Medien propagandistisch als Massaker von Boston aufbereitet. Dadurch verstärkt sich die antibritische Stimmung in den Kolonien und die Patrioten bekommen mehr Zulauf. |
| 1772 | Die Sons of Liberty überfallen die Gaspee, ein britisches Schiff - welches eingesetzt wurde, um Schmuggler zu verfolgen. Der Angriff wird vom britischen Mutterland nicht geahndet. Für die antibritischen Kolonisten ist dies ein entscheidendes Signal, dass Großbritannien seine Herrschaftsansprüche in den Kolonien nicht länger durchsetzen kann. |
| 1773 | Die Sons of Liberty überfallen im Hafen von London drei Schiffe der Royal Navy und schmeißen über dreihundert Kisten britischen Tees ins Hafenbecken. Begleitet werden die Aktivisten vom Beifall hunderter Schaulustiger. Der Vorfall geht in die Geschichte als Boston Tea Party ein. |
| 1774 | Die britische Regierung reagiert auf die Boston Tea Party mit dem Erlass von vier Zwangsgesetzen (Coercive Acts). Die Maßnahmen umfassen die Schließung des Bostoner Hafens und die Aufhebung der Selbstverwaltung von Massachusetts Bay. |
| 1774 | 5. September: Delegierte aus zwölf der Dreizehn Kolonien treffen sich in Philadelphia zum ersten Kontinentalkongress. Auf diesem Kongress beschließen die Kolonien fortan gemeinsam und als Einheit gegen die Briten aufzutreten. Außerdem wird die Aushebung einer gemeinsamen Armee (Kontinentalarmee) beschlossen. |
| 1775 | 19. August: Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg beginnt, nachdem es bei den Ortschaften Concord und Lexington zu ersten Gefechten zwischen dem britischen Militär und Aufständischen kam. |
| 1776 | 4. Juli: In Philadelphia verabschiedet der Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung. Am 2. August wird diese von 56 Delegierten unterschrieben. Damit ist die Unabhängigkeit der Dreizehn Kolonien beschlossene Sache, muss aber noch gegen die Briten erkämpft werden. |
| 1783 | 3. September: Der Frieden von Paris beendet den Unabhängigkeitskrieg der Dreizehn Kolonien zu deren Gunsten. Die Briten müssen die Vereinigten Kolonien Amerikas als souveräne Staaten anerkennen. |
| 1787 | In Philadelphia treten die Delegierten der Einzelstaaten zu einem Konvent zusammen. Das erklärte Ziel ist es, den Konföderationsartikel zu überarbeiten. Tatsächlich wird bei dieser Versammlung aber eine echte Verfassung erarbeitet. Die neue Verfassung sieht einen Präsidenten an der Spitze, welcher direkt gewählt wird. Jener Präsident ist Staatsoberhaupt und Regierungschef zugleich. Das Parlament (Kongress) besteht zukünftig aus zwei Kammern, welche demokratisch gewählt werden. |
| 1789 | Nachdem neun der dreizehn Kolonien die US-Verfassung ratifiziert haben, tritt diese am 4. März 1789 in Kraft. |
| 1789 | George Washington wird am 4. Februar 1789 zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Seine Amtszeit beginnt am 30. April 1789. |
| 1791 | Zehn Verfassungszusätze treten in Kraft, welche als Bill of Rights bekannt sind. Diese Grundrechte garantieren u.a. Meinungs- und Religionsfreiheit. |



