Bethlehem
Bethlehem ist eine Stadt im Westjordanland, welche zu den Palästinensischen Autonomiegebieten gehört und in der circa 30.000 Einwohner leben. Historisch bedeutend ist Bethlehem, da die Stadt, laut Neuem Testament der Bibel, als Geburtsstätte von Jesus Christus genannt wird. In der Spätantike wurde Bethlehem, neben Jerusalem, zum wichtigsten Pilgerort des Christentums.
Im Altertum war das Bethlehemer Gebiet ein Teil des Land Kanaan, welches vom Alten Ägypten kontrolliert wurde. Die Kanaanäer werden in der Bibel zusammen mit Räubern erwähnt. Das Alte Testament erwähnt Bethlehem als Efrata und als den Ort, an welchem Rahel (Stammesmutter der Israeliten) begraben wurde. Während der Eisenzeit kamen die Israeliten und besiedelten das Gebiet, welches ihnen von Gott als gelobtes Land versprochen wurde.
In der Antike wurde das gelobte Land von den Babyloniern, von den Persern, von den Griechen und schließlich von den Römern erobert. Das Mittelalter begann für Bethlehem mit der Islamischen Expansion, ging weiter mit den Kreuzzügen ins Heilige Land und endete unter Osmanischer Regentschaft. Diese überdauerte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Dann wurde das Gebiet zum britischen Mandatsgebiet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staat Israel (1948) gegründet. Im selben Jahr besetzte Jordanien die Stadt Bethlehem und das ganze Westjordanland. Doch im Sechstagekrieg (1967) eroberte Israel das Gebiet zurück und übergab es 1995 der Palästinensischen Autonomiebehörde (Oslo II Abkommen).
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Historische Zugehörigkeiten
- 3 Chronologie, Zeittafel
- 4 Was bedeutet Bethlehem auf Deutsch?
- 5 Welche Bedeutung hat Bethlehem in der Bibel?
- 5.1 Hungersnöte (Buch Rut, Boas und Rut)
- 5.2 Stadt Davids (Buch Samuel)
- 5.3 Begräbnisstätte von Rahel (Buch Mose, Genesis)
- 5.4 Schandtat von Gibea (Buch der Richter)
- 5.5 Flucht über Bethlehem (Buch Jeremia)
- 5.6 Geburtsort des Hoffnungsträgers (Buch Micha)
- 5.7 Geburtsort Jesu (Evangelien)
- 5.8 Stern von Bethlehem (Matthäus)
- 5.9 Kindermorde von Bethlehem (Matthäus)
Steckbrief
| Etymologie: | Haus des Brotes (Aramäisch, Hebräisch), Haus des Fleisches (Arabisch) |
| Alternativnamen: | Efrata (Alte Testament), Bit-Laḫmi (Amarna-Briefen), Beth-Lehem Judah (Tanach), Stadt Davids (Neue Testament) |
| Gründung: | um etwa 1400 v. Chr. |
| Land: | Staat Palästina bzw. Palästinensischen Autonomiegebiete (völkerrechtlicher Unterschied) |
| Region: | Westjordanland, Naher Osten, Levante |
| Historische Region: | Judäa, Gelobte Land, Heilige Land, Palästina, Stammesgebiet Ephraim |
| Einwohnerzahl: | 28.591 (Stand 2017) |
| Fläche: | 660 km² |
| Geburtskirche (Church of the Nativity): | Ort der Geburt von Jesus, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO |
| Krippenplatz (Manger Square): | Zentraler Ort vor der Geburtskirche |
| Omar-Moschee: | Direkt am Krippenplatz, Symbol des friedlichen Miteinanders der Religionen |
| Hirtenfelder (Shepherd’s Field): | Ort, an welchem die Engel den Hirten die Ankunft des Jesuskindes verkündet haben |
| Kloster Mar Saba: | Eines der ältesten Klöster der Welt, welches noch bewohnt wird. Es liegt 12 km südlich von Bethlehem. |
| Rahelgrab: | jüdischer Pilgerort, wird im Tanach erwähnt, steht im Judentum als Symbol für Israel und seine Trauer um das verlorene Volk Ephraim |
| König David: | König von Juda und Israel, wurde als Sohn des Isais in Bethlehem geboren, Zentralfigur im Judentum, Islam und Christentum |
| Jesus von Nazareth: | wurde als Sohn von Joseph und Maria in Bethlehem geboren, gilt im Christentum als Messias, im Judentum als Lehrer oder moralische Leitfigur ohne religiöse Bedeutung, im Islam als einer der letzten Propheten vor Mohammed |
| Herodes der Große: | wurde in Idumäa geboren, war zwischen 30 v. Chr. und 4. v. Chr. der König von Judäa, ließ in Bethlehem die Kinder ermorden - nachdem er von der Ankündigung des Messias erfahren hatte |
Historische Zugehörigkeiten |
|
| Zeit | Reich, Land oder Region |
| um 1800 v. Chr. | Land Kanaan unter ägyptischer Herrschaft (Mittleres Reich, Altes Ägypten) |
| um 1200 v. Chr. | Land der Philister (griechisch: Philistia = Palästina) |
| um 1100 v. Chr. | Landnahme der Israeliten |
| ca. 1047-930 v. Chr. | Vereinigte Königreich Israel |
| um 930-587 v. Chr. | Königreich Juda (Südreich Israels) |
| ca. 586-539 v. Chr. | Jehud (Provinz des Neubabylonischen Reiches) |
| ca. 539-332 v. Chr. | Yehud Medinta (Provinz des persischen Achämenidenreichs) |
| 332-323 v. Chr. | Alexanderreich (griechisch-makedonisch) |
| 323-198 v. Chr. | Teil des Ptolemäerreiches (griechisch-makedonisch) |
| 198-141 v. Chr. | Seleukidenreich (griechisch-makedonisch) |
| 141-37 v. Chr. | Hasmonäische Reich (jüdisches Reich in Judäa gegen die seleukidische Herrschaft) |
| 37-4 v. Chr. | Herodianisches Königreich (Klientelkönigreich der Römer, geführt von Herodes dem Großen) |
| 4 v. Chr. - 44 n. Chr. | herodische Tetrarchie (römischer Klientelstaat mit vier Söhnen des Herodes an der Spitze) |
| 44 - 135 n. Chr. | Judäa (römische Provinz) |
![]() Das Römische Reich und seine Provinzen im Jahre 117 n. Chr. zu der Zeit von Kaiser Trajan |
|
| 135 - 395 | Syria Palaestina (römische Provinz), eingerichtet nach dem Bar-Kochba-Aufstand (zweite römisch-jüdische Krieg) |
| 395 - 636 | Palaestina Prima (oströmische bzw. byzantinische Provinz) |
| 640 - 1071 | Jund Filasṭīn (islamische Provinz im Rashidun-Kalifat) |
| 1071 - 1099 | Teil des Seldschukenreichs (muslimisch) |
| 1099 - 1187 | Königreich Jerusalem (christlicher Kreuzfahrerstaat) |
| 1187 - 1229 | Ayyubiden-Sultanat (muslimisch) |
| 1229 - 1244 | Vertrag regelt die erneute Zuordnung zum Königreich Jerusalem |
| 1244 - 1250 | Wiederherstellung des Ayyubiden-Sultanats |
| 1250 - 1516 | Mamluken-Sultanat (muslimisch, Machtzentrum in Ägypten) |
| 1516 - 1831 | Osmanisches Reich (muslimisch, Machtzentrum in der heutigen Türkei) |
| 1831 - 1841 | Herrschaft der Muhammad Ali Dynastie (Machtzentrum Ägypten) |
| 1841 - 1918 | erneute Herrschaft der Osmanen |
| 1918 - 1920 | britisch-französische Verwaltungsbehörde (OETA) nach Ende des Ersten Weltkriegs und Untergang des Osmanischen Reichs (offiziell 1922) |
| 1920 - 1948 | britisches Mandatsgebiet Palästina |
| 1948 | Staat Israel (jüdisch) |
| 1948 - 1967 | Zwischen dem Palästinakrieg und dem Sechstagekrieg besetzt Jordanien die Stadt Bethlehem. |
| 1967 - 1995 | Staat Israel |
| seit 1995 | Israel übergibt Bethlehem der Palästinensische Autonomiebehörde (Oslo II Abkommen) |
Chronologie, Zeittafel |
|
| Datum | Ereignis |
| 3400 v. Chr. | Archäologische Funde deuten daraufhin, dass Bethlehem schon in der Bronzezeit dauerhaft besiedelt war. |
| 1400 v. Chr. | In den Amarna-Briefen zwischen Echnaton (Pharao Ägyptens) und Abdi-Ḫepa (ägyptischer Stadtfürst Jerusalems) wird die Stadt Bit-Laḫmi (spätere Bethlehem) erstmals erwähnt. Der Stadtfürst bittet seinen Pharao um Unterstützung gegen die Apiru, welche in der Stadt einen Aufstand anführen. |
| 7 v. Chr. | Jesus von Nazareth wird zwischen 7 v. Chr. und 4. v. Chr. entweder in Nazareth oder Bethlehem geboren. Er soll der prophezeite Nachkomme König Davids sein, welcher das Nordreich Israel und das Südreich (Königreich Juda) wieder vereinen soll. Fortan wird es im Judentum eine Splittergruppe geben, welche in Jesus den prophezeiten Messias erkennen. Aus dieser Splittergruppe wird nach dem Tod Jesu (30 n. Chr. ) das Urchristentum in Jerusalem entstehen. |
| um 312 | Der römische Kaiser Konstantin der Große fördert Bauprojekte in Bethlehem. Unter ihm wird mit dem Bau der Geburtskirche begonnen. |
| 326 | Zwischen 326 und 328 unternahm Kaiserin Helena (verwitwete Gemahlin von Kaiser Constantius I.) eine Reise nach Syrien-Palästin. Dort besuchte sie die Ruinen von Bethlehem. |
| 529 | Während der samaritanischen Aufstände wurde Bethlehem geplündert und die Geburtskirche wurde zerstört. |
| um 540 | Unter Kaiser Justinian I. wird die Geburtskirche wieder aufgebaut. |
| 614 | Persische Truppen des Sassanidenreichs fallen, mit Unterstützung der jüdischen Bevölkerung, in die Provinz Palestina Prima ein und erobern Bethlehem. |
| 640 | Islamische Truppen des Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb (kurz Omar) nehmen Bethlehem ein. Der Kalif verspricht, dass die Kirche der Geburt Jesu für christlichen Gebrauch erhalten bleiben würde. Gegenüber der Geburtskirche wurde zu Ehren des Kalifen die Omar-Moschee errichtet. |
| 1071 | Bethlehem fällt unter die Herrschaft der Seldschuken. |
| 1099 | Die Kreuzritter des Ersten Kreuzzug erobern Bethlehem. Der christlich-orthodoxe Klerus wurde von seinen Ämtern enthoben und durch lateinische Vertreter ersetzt. |
| 1100 | Der fränkische Graf Baldwin von Boulogne wird als Balduin I. zum ersten König von Jerusalem gekrönt. Krönungsort war Bethlehem. |
| 1187 | Saladin (erster Sultan Ägyptens) erobert Bethlehem. Fortan steht Bethlehem unter der Herrschaft der muslimischen Ayyubiden-Dynastie. |
| 1223 | Der Bischof von Bethlehem zieht aufgrund der muslimischen Herrschaft nach Clamecy (heutige Frankreich). Bis zur französischen Revolution (1789) bleibt Clamecy der Bischofssitz des Bistums Bethlehem. |
| 1229 | Durch einen Vertrag zwischen Kaiser Friedrich II. (römisch-deutsches Reich) und dem ayyubidischen Sultan al-Kamil wird Bethlehem ein Teil des Kreuzfahrerkönigreichs Jerusalem. Der Vertrag sichert einen zehnjährigen Waffenstillstand zu. |
| 1244 | Mit Auslaufen des Vertrages von 1229 erobern die sunnitisch-muslimischen Ayyubiden die Stadt Bethlehem zurück. |
| 1250 | Bethlehem wird Teil des Mamluken-Sultanats. Die Toleranz gegenüber Christen nimmt ab. Viele Christen verlassen den Ort. |
| 1516 | Die Osmanen ziehen in Bethlehem ein. Der Ort gilt zu diesem Zeitpunkt als weitestgehend verlassen. Es leben dort etwa 100 Menschen. |
| um 1590 | Unter osmanischen Herrschaft erblüht Bethlehem erneut. Viele Christen kommen zurück. Die Verwaltung der Geburtskirche wird zum Streitobjekt zwischen der katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche. |
| 1598 | Die Franziskaner gründen die erste ihrer Terra-Santa-Knabenschulen. |
| 1632 | Bei einer Volkszählung werden etwa 300 Haushalte in Bethlehem gezählt. Unter ihnen waren etwa 20 lateinische Familien. |
| 1831 | Der osmanischen Gouverneur in Ägypten (Muhammad Ali Pascha) begründet seine eigene Dynastie und beginnt 1831 die Invasion in Palästina und Syrien. Für die nächsten 10 Jahre fällt Bethlehem an die Alawiyya-Dynastie in Ägypten. |
| 1834 | Beginn des Palastinische Bauernaufstand gegen die ägyptische Wehrpflicht und Steuerpolitik. Aus Rache lässt der ägyptische General Ibrahim Pascha das muslimische Viertel abreißen. Christen blieben verschont. |
| 1834 | Fortan leben fast ausschließlich Christen in Bethlehem. |
| 1834 | Bei einem Erdbeben wird das Mar-Saba-Kloster fast vollständig zerstört. Auch die christlichen Wohnviertel werden weitestgehend zerstört. |
| 1841 | Bethlehem kam erneut unter osmanische Herrschaft und blieb dies bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. |
| 1841 | Der britisch-jüdische Unternehmer beginnt mit der Restaurierung des Rahelgrabes. |
| 1850 | Der Schweizer Missionar Samuel Gobat eröffnet in Bethlehem eine Schule, welche ab 1886 lutherisch ist. |
| 1852 | Der seit 1630 andauernde Streit zwischen lateinischen und griechischen Christen über den Zugang zu den Heiligen Stätten wird beigelegt. |
| 1920 | Im Ersten Weltkrieg besiegten die Engländer die Osmanen (Palästinafront). Danach wurde Bethlehem ein Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina. |
| 1947 | Die Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Teilung Palästinas nimmt Bethlehem in die internationale Enklave Jerusalem auf. |
| 1948 | Bethlehem wird Teil des neu gegründeten Staates Israel. Nach der Verkündung der israelischen Unabhängigkeitserklärung erklären die arabischen Staaten dem jüdischen Staat Israel den Krieg. Jordanien erobert während des Israelischen Unabhängigkeitskrieges die Stadt Bethlehem und hält diese besetzt. |
| 1950 | Die Flüchtlingslager Azza (Beit Jibrin Camp) und Aida entstehen unweit von Bethlehem und nehmen palästinensischen Flüchtlinge aus Israel auf. Diese wurden zuvor von den Israelis entrechtet und vertrieben. Der Zustrom von Flüchtlingen verwandelte Bethlehems christliche Mehrheit maßgeblich in eine muslimische. |
| 1963 | In Bethlehem leben etwa 60.000 Menschen. |
| 1967 | Im Sechstagekrieg erobert Israel die Stadt Bethlehem und den Rest vom Westjordanland von Jordanien zurück. Fortan übernahm Israel die Kontrolle über die Stadt. |
| 1967 | In Folge des Sechstageskrieges verringert sich Einwohnerzahl schlagartig und sinkt auf 14.000 Menschen. Der Großteil floh nach Jordanien. |
| 1989 | Im Zuge der Ersten Intifada wurde der 12-jährige Milad Anton Shahin von israelischen Soldaten erschossen. |
| 1995 | 21. Dezember: Gemäß des Oslo II Abkommens übergab Israel die Stadt Bethlehem an die Palästinensische Autonomiebehörde. Sämtliche israelische Truppen zogen sich aus Bethlehem zurück. |
| 2000 | Im Zuge der Zweiten Intifada zerstörten israelische Truppen eine Großteil der Infrastruktur Bethlehems. |
| 2002 | Die Operation Schutzschild begann am 29. März 2002 und führte zur Wiederbesetzung der unter palästinensischen Autonomieverwaltung stehenden Städte. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) belagerten vom 2. April bis 10. Mai 2002 die Geburtskirche von Bethlehem, nachdem palästinensische Kämpfer in der Kirche Zuflucht gesucht haben. |
| 2002 | Bau der israelische Sperranlagen nördlich von Bethlehem. Diese trennt Bethlehem von Jerusalem und kleineren palästinensischen Dörfern. Dadurch wird die Mobilität der palästinensischen Bewohner Bethlehems massiv eingeschränkt. Weiterhin ist Bethlehem von seiner Schwesterstadt Jerusalem abgeschnitten. |
| 2023 | Durch den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ist der Tourismus in Bethlehem stark zurückgegangen. |
Was bedeutet Bethlehem auf Deutsch?
Der Name „Bethlehem“ setzt sich aus den Teilen „Beth“ und „lehem“ zusammen. Der erste Wortteil („Beth“) bedeutet im Hebräischen und im Arabischen: „Haus“. Beim zweiten Wortbestandteil gehen die beiden Sprachen auseinander. So bedeutet „laehaem“ im Hebräischen „Brot“ und im Arabischen bedeutet es: „Fleisch“. Demnach lässt sich Bethlehem als „Haus des Brotes“ (hebräisch) oder „Haus des Fleisches“ (arabisch) übersetzen.
Andere Sprachwissenschaftler beteuern, dass der Wortbestandteil („lḥm“) auch als Kampf übersetzt werden kann. Demnach würde der Stadtname auch „Haus des Kampfes“ bedeuten. In den Mythologien der Babylonier und Akkader gab es zudem einen Gott, namens Lahmu. Diese Gottheit war einer der ersten Götter, welcher zusammen mit seiner Schwester „Lahamu“ aus dem Meer entstieg. Möglicherweise wurde Bethlehem auch nach diesem Gott benannt, wonach der Stadtname dann als „Haus des Lahmu“ übersetzt werden würde.
Welche Bedeutung hat Bethlehem in der Bibel?
Hungersnöte (Buch Rut, Boas und Rut)
Im Buch Rut (Alte Testament) wird von einer Hungersnot in Bethlehem berichtet. Diese Hungersnot ist der Auslöser für die ganze Ruth-Erzählung. Aufgrund der Notlage wandern Elimelech, seine Frau Noomi und die beiden Söhne ins Nachbarland Moab aus. Der Aufenthalt sollte nur vorübergehend sein. Doch nach zehn Jahren in Moab sterben Elimelech und die Söhne. Nur Noomi und die moabitischen Schwiegertöchter (Rut und Orpa) überleben.
Als die Frauen vom Ende der Hungersnot erfahren, machen sie sich auf den Weg zurück nach Bethlehem. Auf dem Rückweg drängt Noomi die Schwiegertöchter umzukehren und zu ihren moabitischen Herkunftsfamilien zurückzukehren. Sie sagt, dass die Frauen in Bethlehem keine Perspektive hätten – weshalb Orpa umkehrt. Doch Ruth bleibt an der Seite ihrer Schwiegermutter.
In Bethlehem wird Noomi herzlich empfangen, doch die Moabiterin Ruth wird ignoriert und ausgegrenzt. Sie arbeitet auf den Feldern, um sich und Noomi zu ernähren. Dabei fällt sie Boas auf. Dieser wird als fähiger, kraftvoller Mann beschrieben und ist ein Verwandter von Elimelech (Noomis verstorbenen Mann). In der Folgezeit schützt Boas die Moabiterin vor den Übergriffen der anderen Feldarbeiter. Außerdem sorgt er dafür, dass sie reichlich sammeln kann.
Obwohl Ruth als Moabiterin am Rande der Gesellschaft steht, nimmt Boas sie zur Frau. Damit sichert er die Zukunft von Ruth und Noomi. Gleichzeitig erhält er aber auch die Familienlinie.
Boas und Ruth bekommen dann einen Sohn, namens Obed. Dieser Obed wird im Stammbaum Jesu (Matthäus 1) als Vater von Isai und als Großvater von König David genannt.
Obwohl Bethlehem als das „Haus des Brotes“ übersetzt wird, wird in dieser Bibelerzählung eine Hungersnot skizziert, wodurch ein scharfer Kontrast entsteht. Das Brothaus bzw. der Ort des Segens Gottes erlebt Mangel, was theologisch als Prüfung oder Folge des damaligen gesellschaftlichen Zustands gedeutet wird. Themen wie Loyalität, Versorgung, göttliche Führung und Neuanfang werden genutzt, um diesen Mangel zu überwinden.
Stadt Davids (Buch Samuel)
Im 1. Buch Samuel Kapitel 17 (Altes Testament) wird der Kampf zwischen David und Goliath beschrieben. Letzterer war ein riesiger Krieger der Philister, welchen David mit Gotteshilfe und einer Steinschleuder besiegen konnte. In diesem Kapitel wird erwähnt, dass David der Sohn von Isai ist, welcher aus Bethlehem stammt. Weiterhin wird erwähnt, dass David oftmals von Saul nach Bethlehem ging, um die Schafe seines Vaters zu hüten.
Im Kapitel 16 des 1. Buchs Samuel spricht der Herr (Gott) zu Samuel und befiehlt ihn, nach Bethlehem zu reisen. Denn dort hat Gott einen auserwählt, welcher König werden soll. Dieser Bethlehemiter ist Sohn des Isai, also David. Samuel findet David, worauf dieser zum König gesalbt wird.
Im 2. Buch Samuel Kapitel 23 wird eine Bibelszene beschrieben, wonach David drei Helden nach Bethlehem schickte, um dort Wasser zu holen. Die Stadt Bethlehem war damals das Lager der Philister und Davids Armee lag auf der Bergfeste. Die drei Helden brachen ins Lager der Philister ein und schöpften Wasser aus dem Brunnen von Bethlehem. Dieses brachten sie zu David, welcher es für den Herrn vergoss.
Begräbnisstätte von Rahel (Buch Mose, Genesis)
Im 1. Buch Mose Kapitel 35 (Alte Testament) wird Benjamins Geburt und Rahels Tod beschrieben. Zunächst wird Jakob in Bethel von Gott gesegnet. Dann brechen Jakob und Rahel von Bethel nach Efrata auf. Unterwegs gebar die schwangere Rahel ihren Sohn und starb bei der Geburt. Sie wurde auf dem Wege nach Efrata beerdigt, was heute Bethlehem heißt (1. Mose 35, 19).
Jakob richtete einen Stein auf Rahels Grab und zog dann weiter. Bereits im 32. Kapitel des 1. Buch Mose erhielt Jakob den Namen „Israel“ von Gott (1.Mose 32, 29). Dieser Name bedeutet „Gott kämpft“ oder „der mit Gott ringt“.
Rahels Söhne
Die Kinder von Jakob waren die Israeliten. Insgesamt hatte er zwölf Söhne, weshalb es Zwölf Stämme Israels gab. Mit Rahel hatte er zwei Söhne: Josef und Benjamin. In der Bibel wird Rahel als Lieblingsfrau von Jakob erwähnt.
Benjamin wurde Stammvater des Stammes Benjamin, welcher Teil des Südreichs Juda war. Als sich die Zwölf Stämme Israels zum Königreich Israel vereinten, war Saul (aus dem Stamm Benjamin) ihr erster König.
Rahels ältester Sohn war Josef, welcher zu Benjamins Geburt bzw. ihrem Tod bereits 9 oder 10 Jahre alt war. Josef geriet in einen Konflikt mit seinen Halbbrüdern, welche neidisch auf ihn waren und deshalb seinen Tod vortäuschten. Er gerät in die Fänge von Sklavenhändlern, welche ihn nach Ägypten bringen. Dort wird er zum Traumdeuter und steigt schließlich zum Wesir auf (zweithöchste Mann im Staat).
Als in Israel eine Hungersnot ausbricht, kommen seine Brüder und Halbbrüder nach Ägypten. Josef gibt sich zu erkennen und verzeiht ihnen. Er stirbt im Alter von 110 Jahren und hinterlässt zwei Söhne: Ephraim und Manasse.
Vater Jakob (Israel) macht die beiden Söhne des Josefs zu Erben und gibt somit Josef das doppelte Erbe. Von seinen eigentlichen Söhnen erbt Levi kein Land. Stattdessen werden die Leviten zu Priestern und Diener am Heiligtum. Demnach kann das elfte (Josefs Teil) und zwölfte (Levis Teil) Gebiet auf Josephs Söhne übergehen.
Der Stamm Menasse war laut einer Volkszählung (4. Mose 26) der größte Stamm der Israeliten. Und der Stamm Ephraim wurde zum bedeutendsten Stamm im Nordreich Israel nach der Reichsteilung.
Schandtat von Gibea (Buch der Richter)
Im Buch der Richter Kapitel 19 (Alte Testament) wird beschrieben, dass ein Levit aus Ephraim eine Nebenfrau aus Bethlehem hatte. Diese Nebenfrau war einst erzürnt über den Levit und rennt zu ihrem Vater nach Bethlehem. Der Levit folgt ihr und versöhnt sich mit ihr.
Auf ihrer Rückreise übernachten sie in Gibea, wo den Leviten schlimmes angetan werden sollte. Als das Haus des Wirtes umstellt war, gab der Levit seine Nebenfrau heraus – welche von der ruchlosen Meute zu Tode vergewaltigt wird. Am nächsten Morgen teilt der Levit den Leichnam seiner Nebenfrau in 12 Teile und schickt die Leichenteile an die Zwölf Stämme. Damit wurden alle 12 von der Schandtat informiert.
Flucht über Bethlehem (Buch Jeremia)
Im Buch Jeremia Kapitel 41 (Zwölfprophetenbuch, Altes Testament) wird beschrieben, wie der Statthalter von Juda (Gedalja ben Ahikam) ermordet wurde. Sein Mörder war Jischmael ben Netanja, welcher aus der davidischen Königsfamilie stammte. Für Jischmael war Gedalja ein Usurpator und ein Symbol der babylonischen Fremdherrschaft. Demnach empfand er das Amt des Statthalters als eine Verletzung des eigenen Erbrechts und tötete Gedalja.
Im Volk genoss Jischmael großen Rückhalt. Und deshalb halfen ihm die Einwohner von Juda bei seiner Flucht nach Ägypten. In Buch Jeremia 41, 17 erzählt der Autor, dass die Flüchtigen in der Herberge Kimhams bei Bethlehem unterkamen, bevor sie weiter nach Ägypten reisten.
Geburtsort des Hoffnungsträgers (Buch Micha)
Im Buch Micha Kapitel 5 (Zwölfprophetenbuch, Alte Testament) kündigt der Prophet den kommenden Herrscher aus Bethlehem an. Dieser neue Hoffnungsträger soll in Bethlehem geboren werden und die Nachfolge von König David antreten.
In den Versen 3 und 4 des Kapitels beschreibt der Autor, dass dieser neue Herrscher den langersehnten Frieden bringen und Assur entgegentreten wird. Mit Assur ist das assyrische Großreich gemeint, welches als Symbol für militärische Dominanz und brutale Eroberungspolitik steht.
Geburtsort Jesu (Evangelien)
Die jüdische Splittergruppe aus welcher das Urchristentum hervorging, wollten die Prophezeiungen des Micha und anderer Propheten entsprechen. Als dann Jesus erschien und als Messias bzw. König der Juden gedeutet wurde, musste dieser zwingend aus Bethlehem sein. Denn nur so konnte sich die Prophezeiung erfüllen und Jesus der rechtmäßige Nachfolger von David sein.
Heute geht man davon aus, dass Jesus tatsächlich in Nazareth geboren wurde und die Weihnachtsgeschichte oder die Flucht nach Ägypten von den Evangelisten dazugeschrieben wurden, damit die Messias-Prophezeiung noch glaubwürdiger wird. Und deshalb steht im Matthäus 2 und auch in Lukas 2, dass der Geburtsort Jesu in Bethlehem sei (Neue Testament). Die Flucht über Ägypten und die Rückkehr nach Nazareth geschah laut den Evangelien aufgrund der Kindermorde von Bethlehem.
Stern von Bethlehem (Matthäus)
Im Matthäusevangelium (Neues Testament) wird erzählt, wie die Weisen aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem folgten – um den neugeborenen Messias zu finden. In der Weihnachtsgeschichte werden die Weisen aus dem Morgenland auch als Sterndeuter erwähnt. Und da Jesus Geburt – laut christlicher Erzähltradition – zu Weihnachten geboren wurde, wird der Stern auch als Weihnachtsstern bezeichnet.
Die Weihnachtsgeschichte des Matthäus beginnt damit, dass die Sterndeuter zu Herodes reisen und diesen zur Geburt des Messias befragen. Herodes fürchtet um seine Thronansprüche und bittet die Weisen, dass sie den Ort des Messias ausfindet machen und ihm davon berichten. Scheinheilig sagt Herodes, dass er den Ort kennen müsse, da er ebenfalls den Messias anbeten wolle. (Matthäus 2)
Kindermorde von Bethlehem (Matthäus)
Als die Weisen das Jesuskind in der Krippe finden, huldigen sie dem Messias – kehren aber nicht zu Herodes zurück. Als Herodes bemerkt, dass die Weisen nicht zurückkommen – lässt er alle Kinder in Bethlehem töten. Dadurch soll die Messiasprophezeiung (König der Juden) abgewendet werden, so dass er selbst Herrscher bleiben kann.
Die Heilige Familie (Jesus, Maria, Joseph) flieht – aufgrund der Kindermorde – nach Ägypten. Einige Zeit später erfahren sie von Herodes Tod und kehren nach Israel zurück. Doch ihr Zielort ist nicht Bethlehem, sondern Nazareth. Denn Joseph erfährt in einem Traum, dass er nach Nazareth anstatt nach Bethlehem reisen soll, da Archelaus der König in Juda ist. Deshalb zieht die Heilige Familie nach Nazareth um.



![Alte Ägypten (Mittleres Reich um 2000 v. Chr.) mit Einflussbereich in den Nahen Osten, Bildnachweis: Von Captain Blood - [1], <a rel="nofollow noopener" target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=656665](https://geschichte-sciodoo.de/wp-content/uploads/2026/01/Altes-Aegypten-Mittleres-Reich-300x201.jpg)






