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Baum von Jesse


Der Baum von Jesse – auch als Wurzel Jesse, Stamm Isais oder als Jessebaum bezeichnet – ist ein christliches Bildmotiv, wonach die Abstammung Jesu als Lebensbaum dargestellt wird. Aus diesem Motiv entstand die Verwendung des Stammbaums zur Darstellung einer Genealogie. Das ursprüngliche Motiv eines Jessebaums stammt aus einer Passage des Buches Jesaja, wonach aus Isais (Vater von König David) junge Triebe hervorgehen werden. Im Christentum und Judentum deutete man dies als Ankündigung des Messias. Aber nur die Christen sahen in Jesus von Nazareth die Wurzel Jesse bzw. die Erfüllung der Prophezeiung des Jesaja. Die entsprechenden Namen zu den Vorfahren Jesu liefert das Matthäusevangelium (Mt 1) und das Evangelium nach Lukas (Lk 3).

Steckbrief

Porto (Portugal), Baum von Jesse, Bildnachweis: Zacarias da Mata/shutterstock.com

Baum von Jesse


Wurzel Jesse
Alternativnamen:Jessebaum, Baum von Jesse, Jessewurzel
Bedeutung:Darstellung des Stammbaum Jesu
Glaubensgrundlage:Messiasprophezeiung aus Jesaja 11
Beispiele aus der Kirchenkunst
1140-50Jesse-Baum-Fenster in der Kathedrale von Chartres (Nordfrankreich)
um 1150Jesse-Tree-Fenster in der Cathedral and Metropolitical Church of Saint Peter in York (England)
um 1200 Jesse-Tree Fenster in der Kathedrale von Canterbury, England
1247Jesse Fenster in der Sainte-Chapelle in Paris
14. JahrhundertJesse Fenster der Wells Kathedrale (England)
Jesse Fenster in der Kathedrale von Wells, Bildnachweis: Jacek Wojnarowski/shutterstock.com

Jesse Fenster in der Kathedrale von Wells

14. JahrhundertJesse Fenster in der St. Mary's Church in Shrewsbury, England
15. JahrhundertJesse Fenster in der Kathedrale Notre-Dame in Zentralfrankreich
um 1870Jesse Tree von Sir Edward Burne-Jones
Jesse-Baum von Sir Edward Burne-Jones, Bildnachweis: Rawpixel/shutterstock.com

Tree of Jesse von Sir Edward Burne-Jones

Was ist die Wurzel Jesse?

Jesse bzw. Isai war im Alten Testament bzw. im Tanach der Vater von König David. Und David war König der Israeliten und Begründer der Dynastie David. Aus jener Dynastie soll, laut der Prophezeiung des Jesaja, ein Messias hervorgehen. Da im Christentum der Wanderprediger Jesus als Messias gesehen wird, stellt der Jessebaum eine Ahnenreihe von David bis Jesus dar. Damit soll seine dynastische Abstammung aus dem Haus David gezeigt werden.

Dargestellt wird meist eine Figur des Jesse, welche schläft oder liegt. Aus dieser Figur wachsen Zweigen heraus, wodurch der Lebensbaum entsteht. Jene Zweige sollen David und weitere König Israels darstellen. Die Krönung ist die Baumkrone, auf welcher dann die herrscherliche Darstellung von Maria mit dem Jesuskind platziert ist.

Wie entstand das Bildmotiv des Jessebaumes?

Die Blütezeit der Jessewurzel war das 12. und 13. Jahrhundert. In dieser Zeit tauchen die Lebensbäume Christi als Malerei (Buchmalerei, Glasmalerei) oder als Skulptur innerhalb sakraler Strukturen (z.B. in Kirchen, Altar) auf. Das Konzept zur Darstellung eines solchen Lebensbaumes liefert die Bibel:

„Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isais, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jesaja 11,1)

Während der Renaissance gab es eine Gegenbewegung zum Humanismus, welche auf Umkehr setzte und Gott wieder in den alleinigen Mittelpunkt rücken wollte. Während dieser Zeit (etwa 1460 bis 1530) erlebte die Jessewurzel einen zweiten Höhepunkt.

Wie lässt sich der Stammbaum Jesu anhand des Jessebaumes erklären?

siehe auch Hauptartikel: Genealogie Jesu
Der Stammbaum Jesu findet sich bei Lukas (Lk 3) und bei Matthäus (Mt 1). Während Matthäus den Stammbaum von Abraham zu Jesus skizziert, nutzt Lukas die umgekehrte Reihenfolge – beginnend bei Jesus und endend bei Adam bzw. Gott.

Beide Autoren stellen König David (Begründer des Königshauses) und Abraham (Stammvater der Israeliten) ins Zentrum ihrer Genealogie. Jesus fungiert hier als letztes Glied der Kette bzw. des Aufstieges (Baumkrone, Krönung). In der Bibel gilt Abraham als Stammvater der Israeliten (Gottesvolk) und Begründer des Glaubens an Gott. Jesus ist der Wiederhersteller bzw. Vollender beider Elemente (Volk, Glaube).

Genauso ist es bei der Dynastie. König David (Jesse als sein Vorfahre) war der Begründer der davidischen Königslinie. Und Jesus als der Messias gilt als deren Wiederhersteller bzw. Vollender. Im Jessebaum wird die königliche Abstammung Jesu dargestellt. Auf die Abstammung von Abraham wird traditionell verzichtet. Denn auch David stammt von Abraham ab, weshalb die israelitische Abstammung Jesu mit dem Jessebaum ebenfalls impliziert wird.

Wie findet sich die Prophetie Jesaja im Jessebaum wieder?

Das Buch Jesaja Kapitel 11 beinhaltet die wichtigsten messianischen Visionen des Alten Testaments. In diesem Text wird beschrieben, wie ein kommender Herrscher aus dem Haus David durch Gottes Geist geprägt und eine Zeit des vollkommenen Friedens bringen wird.

Spross aus Isais Wurzel

Das Kapitel 11 (Jesaja) beginnt mit der Beschreibung, dass aus dem „Baumstumpf Isais“ ein neuer Trieb hervorgehen wird. Mit dem „Baumstumpf Isais“ ist das Königsgeschlecht gemeint, welches von Isais (Vater Davids) ausgeht. Im weiteren Text steht, dass auf diesem Spross der Geist Gottes ruht. Damit gemeint ist, dass die Nachkommen Isais mit Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht gesegnet sind.

Gerechte Herrscher

Dieser kommende Herrscher soll laut Jesaja nicht nach äußeren Eindrücken herrschen. Stattdessen sorgt er für Gerechtigkeit gegenüber den Schwachen und Armen. Und er ist mächtig. Allein sein Wort hat Macht: Er „schlägt das Land mit dem Stock seines Mundes“. (Jesaja 11,4)

Universeller Friede

Laut Jesaja wird die ganze Erde von Erkenntnis des Herrn erfüllt sein. Dadurch wird überall Frieden herrschen. Mit vollkommenen Frieden beschreibt Jesaja, dass die Wölfe bei den Lämmern wohnen können, die Löwen werden Stroh essen, Rinder und Bären werden friedlich koexistieren.

Der Neid zwischen den Völkern und Menschen wird aufhören und die Feinde Judas werden ausgerottet werden. Der Spross Isais wird ein Zeichen für alle Völker sein und diese vereinen.

Messias-Legitimation

Im Christentum soll Jesus von Nazareth dieser Messias sein. Um die Messias-Prophezeiung zu erfüllen, muss Jesus zwingend aus dem Haus David kommen. Denn so steht es in der Jesaja- Prophetie. Deshalb richtet sich die Darstellung im Jessebaum ganz eindeutig an die Abstammungslinie Jesus-David-Isais.

Diese drei Figuren sind in jeder Jessewurzel enthalten. Mitunter werden drumherum andere König gezeigt, welche in ihrer zeitlichen Einordung zwischen Jesus und David standen. Aber David, Jesus und Isais (Jesse) als Wurzel (Ursache) der Dynastie findet sich in jedem Jessebaum wieder.

Wieso weist die Wurzel Jesse auf den Messias hin?

Der Messias muss von König David abstammen. Und diese Abstammung soll der Jessebaum darstellen. Im zweiten Buch Samuel Kapitel 23 Vers 5 wird der ewige Bund zwischen Gott und David erwähnt. Jener David war von Gott erwählt und seine Königslinie sollte bis in alle Ewigkeit herrschen. Dieser Gottesbund kann auch nicht durch menschliche Sünde vereitelt oder aufgehoben werden (2. Samuel 7,11-16).

Da nur das Haus David die Legitimation zur Herrschaft hatte, musste Jesus zwingend aus der davidischen Königslinie stammen. Sowohl das Lukas- als auch das Matthäusevangelium liefern die Vorfahren Jesu über David bis hin zu Abraham (Lukas bis Gott). Deshalb wird Jesus auch als:

  • Sohn Gottes
  • Sohn Davids
  • Sohn Abrahams
  • oder als Wurzel Jesse bezeichnet.

Der Messias (Erneuerer und Anführer) musste aus dem Haus David sein. Für die Gemeinde um Jesus war es deshalb umso wichtiger, Jesus in diese Königsdynastie zu rücken.

Welcher Unterschied besteht zwischen dem Spross und der Wurzel des Jessebaums?

Tatsächlich ist die Antwort ganz einfach: Die Wurzel (Isais) ist der Ursprung und der Spross oder Trieb sind die Nachkommen (von David bis Jesus). Dabei steht die Wurzel als Symbol für Autorität und göttliche Herkunft (Jes 11,10). Die Symbolik des Sprosses ist Erneuerung, Wiederherstellung, Wachstum, Neuanfang und Erfüllung der Verheißung.

Aber es wird doch komplizierter. Denn im Buch der Offenbarung 22,16 steht: „Ich bin die Wurzel und der Spross Davids“. Und dies löste eine theologische Debatte aus. Das Paradoxon wurde dann so interpretiert: Der Messias ist der verheißene König aus Davids Linie – und zugleich der göttliche Ursprung dieser Linie. Jesus ist demnach Beides (göttliche Herkunft und Autorität sowie Erneuerung und Vollendung).

Welche Symbolik hat der Jessebaum heute?

Der Baum von Jesse gilt bis heute als Symbol der königlichen Abstammung Jesu. Diese königliche Linie wurde mit der Babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert v. Chr. unterbrochen und mit der Ankunft des Messias fortgesetzt. Der Baum zeigt Jesus in einer Abstammungslinie zu König David, weshalb er als Erneuerer der davidischen Königsdynastie gilt. Dies macht ihn zum einzig wahren Anwärter auf die Messiaswürde.

Welche Jessebaum-Traditionen gibt es im Advent?

Die christlich interpretierte Heilsgeschichte beginnt bei der Schöpfung, geht weiter zum Sündenfall und endet gewöhnlich nach 12 Epochen in der Endzeit. Während der Vorweihnachtszeit weitet man die Heilungsgeschichte auf 24 Episoden aus.

Ein Baum oder ein Ast wird dann mit 24 Symbolen geschmückt. Und jedes Symbol steht dann für eine Bibelerzählung. Familien und Gemeinden kommen zusammen, lesen täglich eine bestimmte Bibelstelle und hängen gemeinsam das entsprechende Ornament an den Baum.

Die entsprechenden Bibelstellen sind oftmals so gewählt, dass sie die Ankündigung des Messias beinhalten (Alte Testament) oder von den Wundern Jesu berichten (Neue Testament).

Mit diesem Adventsbrauchtum werden die Alte und die Neue Bibel miteinander verknüpft. Auch dies hat eine Symbolik. So steht das Alte Testament für Moral, Werte und Brauchtum. Das Neue Testament steht für Erneuerung und Aufbruch.

Welche Weihnachtslieder nehmen Bezug auf den Baum von Jesse?

„Es ist ein Ros entsprungen“ ist ein kirchliches Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert. Eine Zeile im Liedtext lautet: “ Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“ Somit verweist das Lied auf die Prophezeiung des Jesaja 11.

„Veni, veni, Emmanuel“ ist ein weiteres Adventslied, welches ursprünglich in lateinischer Sprache erschien. In der deutschen Übersetzung lautet eine Zeile: „Komm, komm, Immanuel! …. Komm, o Spross des Jesse!“. Mit Immanuel ist der Messias gemeint. Denn im Buch Jesaja 7, 14 steht: „wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.“

Der Name „Immanuel“ war aber nicht als Rufname, sondern als Botschaft oder Bedeutungsaussage gedacht. Übersetzt bedeutet Immanuel: „Gott ist mit uns“. In Matthäus 2, Vers 22-23 verweist der Autor auf die Prophezeiung und erklärt die Namensgebung.


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