Gerasa
Gerasa oder Jerasch ist eine Stadt im Norden Jordaniens. Sie befindet sich etwa 40 km nördlich von Amman (Haupstadt Jordaniens). In Jerasch leben mehr als 40.000 Einwohner. Gegründet wurde die Stadt von den Griechen (Makedonen, Seleukiden oder Ptolemäer).
Unter den Römern wurde Gerasa eine Dekapolisstadt. Inschriften lassen vermuten, dass die Stadt von Alexander dem Großen und seinem General Perdikkas gegründet wurde. Mitunter wurde die Stadt auch als Antiochia am Goldenen Fluss bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurden die antiken Stadtruinen von der modernen Stadt überbaut.
Gerasa ist die besterhaltene Stadt der Dekapolis und gehört zu den am meist besuchten Stätten Jordaniens. Deshalb wird die Stadt gelegentlich auch als Pompeji des Ostens bezeichnet.
Im Neuen Testament der Bibel wird Gerasa als ein Ort der Besessenen erwähnt. In diesen Bibelerzählungen wird mitunter Gergesa als Synonym für Gerasa erwähnt.
Um 80 v. Chr. gehörte die Gegend zum Hasmonäischen Königreich, bevor es von den Römern kontrolliert wurde. Noch heute kann man in Gerasa zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wie das römische Theater, das Nymphäum, den Jupiter-Tempel oder den Tempel der Artemis anschauen.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Zeittafel, Chronologie
- 3 Wo lag Gerasa?
- 4 Wer hat Gerasa gegründet?
- 5 Welche Bedeutung hatte Gerasa während der Römerzeit?
- 6 Warum werden die römischen Ruinen Gerasas auch als Pompeji des Ostens bezeichnet?
- 7 Welche Bedeutung hat Gerasa in der Bibel?
- 8 Welche Sehenswürdigkeiten bietet Gerasa?
Steckbrief
| Alternativnamen: | Dscharasch (arabisch), Jarash, Jerash, Antiochia am Goldenen Fluss oder Antiochia am Chrysorrhoas, Stadt der Gerasener |
| Gründung: | frühestens 331 v. Chr. durch makedonische Soldaten |
| Lage: | Norden Jordaniens |
| Koordinaten: | 32°16′50"N 35°53′50"E |
| Ovales Forum: | großer Platz, umgeben von Säulenreihen |
| Cardo Maximus: | Hauptstraße der antiken Stadt, verbindet Forum, Tempel und Wohnbereiche |
| Hadriansbogen: | monumentales Stadttor |
| Artemis‑Tempel: | einer der bedeutendsten Tempel der Stadt, verweist auf den Artemiskult |
| Südtheater: | römisches Theater mit besonderer Akkustik, wird heute noch genutzt |
| Nordtheater: | römisches Theater, kleiner als das Südtheater, wurde für Ratsversammlungen genutzt |
| Nymphäum: | monumentaler Brunnen für die Trinkversorgung |
| Hippodrom: | Arena für Wagenrennen |
| Jerash Visitor Center | Startpunkt für Touren und Guides |
| Innenstadt | moderne Cafes, Restaurants und Souvenirläden, |
| Markt & Basar | lokale Speisen, Süßigkeiten, Gewürze und kleines Handwerk |
| Restaurants | Lebanese House Restaurant und Ya Hala Restaurant |
| Nikomachos von Gerasa | bedeutender Mathematiker und Philosph während der Römischen Kaiserzeit, lebte zwischen ca. 60 – ca. 120 n. Chr. |
| Schimon bar Giora | Widerstandskämpfer gegen die Römer im Jüdischen Krieg, wurde 71 n. Chr. hingerichtet |
Zeittafel, Chronologie |
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| Jahr | Ereignis |
| 331 v. Chr. | vermutliche Gründung durch die Makedonier (archäologisch nicht belegt) |
| um 100 v. Chr. | Die Hasmonäer (jüdische Dynastie), unter Führung von Alexander Jannäus, belagern und erobern Gerasa und gliedern es ins Königreich Judäa ein. |
| 93 v. Chr. | Der Nabatäerkönig Obodas I. besiegt Jannäus bei Gadara und beansprucht die Galaaditis mit Gerasa für sich. |
| um 80 v. Chr. | Rückeroberung der Hasmonäer durch Alexander Jannäus. Es folgen Zwangsjudaisierungen in den Städten von Jannäus. |
| 63 v. Chr. | Die Römer erobern Judäa, wodurch die jüdische Herrschaft endet. |
| ab 66 | Im Jüdischen Krieg gegen die Römer zählte Gerasa zu den wenigen nichtjüdischen Städten, welche Juden weder verfolgten noch töteten. Es sind sogar Berichte bekannt, wonach Juden zur Grenze begleitet wurden (Eskorte zum Schutz). |
| 67 | Beginn eigener Münzprägung |
| 106 | Gerasa wird Teil der römischen Provinz Arabia Petraea. |
| 129/130 | Kaiser Hadrian besucht Gerasa, Bau des Hadrianbogens |
| ab 400 | Byzantinischer Kirchenbau setzt ein. Gerasa ist jetzt Teil des byzantinischen Reichs (ehemals Oströmisches Reich). |
| 451 | Auf dem Konzil von Chalcedon nimmt Bischof Placcus aus Gerasa teil. Die Stadt ist nun christlicher Bischofssitz. |
| 530 | Bau einer byzantinischen Kirche über einen Mosaikboden mit hebräisch-aramäischen Inschriften. |
| 614 | Überfall durch die Perser (Sassaniden-Dynastie) |
| 614-636 | Sassaniden-Herrschaft bis zum Überfall der muslimischen Araber. |
| 636 | Eroberung der Araber (Islamische Expansion) und Eingliederung ins Rashidun-Kalifat |
| 658 | Bei einem Erdbeben wurde die Kathedrale von Gerasa zerstört. |
| ab 661 | Teil des Umayyaden-Kalifats |
| 749 | Ein Erdbeben hatte verheerende Folgen für Gerasa und die gesamte Region. Der Standort wurde allerdings nicht abrupt aufgegeben. Stattdessen setzte ein allmählicher Rückgang des Siedlungsbaus ein. In den nachfolgenden Jahren war Gerasa vermutlich unbewohnt. |
| 1121 | Während der Kreuzzüge eroberte Balduin II., König von Jerusalem, eine Festung in Jerash. Wohlmöglich war Gerasa während der Kreuzfahrerzeit unbewohnt. |
| 1596 | Während der Osmanischen Zeit war Jerash wieder bewohnt. Eine Volkszählung hatte 12 muslimische Haushalte in Jerash verzeichnet. |
| 1749 | Das römisch-katholische Bistum Gerasa wird neu geschaffen. Allerdings handelt es sich nur um ein Titularbistum mit einem geweihten Bischof (Titel) ohne eigene Diözese (Gebiet, Verwaltungsbereich). |
| 1838 | Jerash wird als Ruinenstadt beschrieben. |
| Ende des 19. Jahrhunderts | Wiederbesiedlung des Ortes durch Zirkassier (kaukasisches Volk) |
Wo lag Gerasa?
Gerasa lag an beiden Ufern des Wadi Jerasch, welcher in der Antike als Chrysorrhoas (deutsch: Goldfluss) bezeichnet wurde. Durch die Adschlun-Berge war die Gegend sehr feucht und demnach fruchtbar. Eine frühe Erstbesiedlung verweist auf die Jungsteinzeit und die frühe Bronzezeit.
Wer hat Gerasa gegründet?
Gerasa wurde wohlmöglich 331 v. Chr. gegründet. Altgriechische Inschriften in den Ruinen der Stadt deuten darauf, dass Alexander der Große (König von Makedonien) und sein General Perdikkas die Stadt gründeten.
Makedonier
Die Makedonier eroberten im Herbst 332 v. Chr. das Alte Ägypten, welches unter persischer Herrschaft stand. Im Frühjahr 331 v. Chr. gründeten die Makedonier die Stadt Alexandria im Norden Ägyptens und machten sich danach auf den Weg nach Mesopotamien, um den Rest des Perserreiches zu erobern.
Während des Alexanderfeldzugs gründete der Makedonier diverse griechisch-hellenistische Städte, welche als kulturelle Zentren des Hellenismus gedacht waren. In Jordanien waren die wichtigsten: Philadelphia (heute Amman), Gerasa (heute Jerash), Pella und Gadara (heute Umm Qais).
Allerdings fehlen für die persische und frühhellenistische Zeit diverse Begleitfunde (z.B. Keramik, Handelsware), weshalb man die Gründung durch Perdikkas oder einen anderen makedonischen General Alexanders ausschließt.
Seleukiden
Andere Quellen verweisen darauf, dass die Stadt als „Antiochia am Chrysorrhoas“ gegründet worden sei. Demnach könnte die Gründungsphase etwa 150 Jahre später vollzogen worden sein. Denn der Stadtname verweist darauf, dass die Stadt dem Seleukidenherrscher Antiochos IV. Epiphanes (reg. 175 v. Chr. – 164 v. Chr.) gewidmet war. Auch die Seleukiden waren makedonischer Herkunft.
Ptolemäer
Andere Quellen schreiben dem ägyptischen Pharao Ptolemaios II. (reg. 285 v. Chr. – 246 v. Chr.) die Stadtgründung zu. Auch die Ptolemäer waren eine griechisch-makedonische Dynastie, welche das Alte Ägypten seit dem Alexanderfeldzug regierten.
Welche Bedeutung hatte Gerasa während der Römerzeit?
Während der Römerzeit (61 v. Chr. – 4. Jhd. n. Chr.) wurde Gerasa ans römische Verkehrsnetz angeschlossen. Insgesamt drei große Römerstraßen führten nach Pella, Philadelphia (heutige Amman) und über Adraa (heutige Darʿa in Syrien) nach Bostra (Syrien). Von diesen Straßennetz sind teilweise noch Ruinen der einstigen Wachtürme und die antike Pflasterung erhalten. Man geht davon aus, dass diese Straßen zu Zeiten von Kaiser Trajan (reg. 98-117) erbaut wurden und bis ins 4. Jahrhundert genutzt wurden.
Im 1. Jahrhundert war Gerasa eine der bedeutendsten Städte und ein Knotenpunkt der römischen Provinz Arabien (Arabia Petraea). Die Römer sorgten für Sicherheit, wodurch sich die Bevölkerung dem Handel und dem Wohlstand widmen konnte. Zwischen 129 und 130 n. Chr. besuchte Kaiser Hadrian die Stadt. Ihm zu Ehren wurde ein Triumphbogen (Hadrianbogen) erbaut.
Teil der Dekapolis
Mit der römischen Eroberung (63 v. Chr.) durch den römischen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus wurde die Stadt in den Städtebund der Dekapolis eingebunden. Neben Gerasa waren die jordanischen Städte Philadelphia (heute Amman), Pella und Gadara (heute Umm Quais) ebenfalls Teil des Bundes.
Dieses Bündnis hatte für die Städte gewisse Vorteile. So waren sie teilautonom, konnten eigene Münzen prägen und hatten eine eigene Verwaltung. Lokale Fürsten, wie bspw. die Hasmonäer, hatten keinen Einfluss auf Politik und Wirtschaft. Denn die Städte standen unter römischen Schutz.
Zudem waren sie ans römische Straßennetz gebunden, wodurch sich Handel und Informationsfluss ergab. Es entstanden griechisch-römische Bauwerke, nach Vorbild einer griechischen Polis. Dazu gehörten Kolonnadenstraßen, Theater, Tempel und Foren.
Man schaffte so eine gemeinsame griechische Identität in einer überwiegend semitischen Umgebung. Gleichzeitig sorgte das Bündnis für einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung.
Warum werden die römischen Ruinen Gerasas auch als Pompeji des Ostens bezeichnet?
Die römischen Ruinen zeigen das Stadtbild im 3. und 4. Jahrhundert. Von einigen Historikern und Archäologen wird Gerasa als „Pompeji des Ostens“ bezeichnet. Denn ähnlich wie in Pompeji sind große Teile der Stadtstruktur erhalten geblieben und deshalb ein Segen für die Archäologie. Zu diesen Stadtstrukturen gehören: Tempel, Säulenstraßen, Theater, öffentliche Plätze und Stadttore.
Unter den Römern hatte Gerasa seinen kulturellen Höhepunkt erreicht. Mit der Reichsteilung und der Christianisierung wurde die Region im 4. Jahrhundert Teil des Oströmischen Reiches, welches später als Byzantinisches Reich bezeichnet wurde. Unter der byzantinischen Herrschaft entstanden Kirchenbauten. In der Spätantike wurde Gerasa zum Bischofssitz. Am Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.) nahm Bischof Placcus aus Gerasa teil.
Mit dem Erdbeben im Jahr 749 kam es zu einem stetigen Siedlungsrückgang, was aber dazu führte – dass die römisch-byzantinischee Stadt nicht überbaut wurde.
Die Anlage von Gerasa zeigt eindrucksvoll die griechisch-römische Stadtplanung (rechteckiges Straßennetz, zentrale Plätze). Tempel und Nymphäum dienten zur Ausübung der Religion. Fest- und Veranstaltungsorte sind das Hippodrom und die Theateranlagen. Der Triumphbogen und das Forum sind Orte des Zusammenkommens von Politik. Marktplätze wurden entlang der Straßen errichtet, genauso wie Werkstätten. Gerasa ist damit ein Lehrbuchbeispiel für römischen Städtebau.
Welche Bedeutung hat Gerasa in der Bibel?
In Gerasa heilt Jesus einen Mann von seiner Besessenheit. Von diesem Heilungswunder berichtet das Markusevangelium. Ein ganz ähnliches Heilungswunder wird im Matthäusevangelium beschrieben. Allerdings ist der Heilungsort dort nicht Gerasa sondern Gadara.
Ort des besessenen Gerasener und Heilung
In Markus 5 ist Gerasa der Schauplatz eines Heilungswunders Jesu. Ein Gerasener war von einem unreinen Geist (Dämon) besessen und wurde in einer Grabhöhle gefesselt. Niemand konnte ihn bändigen. Der Mann schrie und schlug um sich.
Besessen war der Gerasene (laut Mk 5, 15-16) von einer Schicksalsmacht, namens Legion. Jesus vertreibt den Dämon und ließ ihn in eine Herde Schweine fahren, welche daraufhin ins Meer rannten und dort ertranken.
Eine ähnliche Szene beschreibt das Matthäusevangelium (Mt 8, 28-34). Auch hier heilt Jesus einen Mann von seinem unreinen Geist und lässt den Dämon in eine Schweineherde fahren. Auch diese rennen ins Meer, um dort zu ertrinken. Doch in Matthäus 8 ist der Schauplatz nicht Gerasa sondern Gadara.
Wohlmöglich ist auch bei Markus eher Gadara als Gerasa gemeint. Denn Gerasa befindet sich nicht unmittelbar am See Genezareth, welcher in der Bibel als Galiläisches Meer bezeichnet wird.
Von Gerasa bis zum Ufer des Sees bzw. Meeres sind es mehr als 50 km Luftlinie. Stattdessen liegt Gadara in Sichtweite des Sees bzw. des Galiläischen Meeres. In einigen Bibelübersetzungen wird deshalb auch Gerasa durch Gadara ersetzt. Und der besessene Gerasener ist dann ein besessener Gergesener bzw. Gadarener.
Symbol für das Heidenland
In der Bibelerzählung von Markus 5 steht Gerasa symbolisch für das Gebiet der Heiden. Ganz bewusst spielt die Bibelszene in einer Gegend, welche für Juden als unrein galt.
Auch die Schweineherden und die Grabhöhle sind Elemente, welche das Unreine verstärken sollen. Doch Markus zeigt, dass Jesus den unreinen Geist besiegen konnte und somit auch Macht im Heidenland hatte. Somit gilt Gottesmacht überall und überschreitet kulturelle und religiöse Grenzen.
Symbol der Befreiung
Einige Bibelausleger sehen im Wort „Legion“ ein Synonym für die römische Besatzungsmacht. Die Befreiung des besessenen Gerasener ist demnach ein symbolischer Akt, welcher für das Ende der römischen Besatzung und das Ende der Unterdrückung stehen könnte.
Missionarischer Wendepunkt
Der Geheilte wird von Jesus gebeten, sein Heilungswunder in seiner Stadt zu erzählen. Er wird somit zu einem der ersten heidnischen Missionare der Jesuserzählung.
Welche Sehenswürdigkeiten bietet Gerasa?
Die Sehenswürdigkeiten und Bauwerke Gerasas stammen aus dem 1. bis 4. Jahrhundert. Sie gelten als Musterbeispiel römischer Urbanistik.
Ovales Forum
Das Forum von Gerasa ist ein birnenförmiger ovaler Platz mit Abmaßen von 80 x 90 Metern. Umgeben ist der Platz von Kolonnaden (Säulenreihen). Die ovale Form ist kein Zufall und kein Zeugnis schlechter Baukunst. Stattdessen wurde eine natürliche Senke überdeckt, weshalb die Baumeister einen 6 bis 8 Meter hohen Unterbau errichteten.
Das Forum bildet die Verbindung zwischen dem Tempel des Zeus, also dem Heiligtum, und der langen gesäumten Hauptstraße (Cardo Maximus). Rund um das Forum standen im 3. und 4. Jahrhundert noch Handwerksläden und öffentliche Gebäude. Es war demnach ein zentraler Platz der Zusammenkunft, genutzt für Handel, politische Versammlungen und Prozessionen.
Hadriansbogen
Der Hadriansbogen ist ein Triumphbogen mit drei Toren, welcher zu Ehren Kaiser Hadrians angefertigt wurde. Der Ehrenbogen entstand 129/130 n. Chr. als der Kaiser die Stadt Geresa besuchte.
Ursprünglich sollte der Bogen ein Eingangstor zum Südviertel der Stadt sein, um so ein Tor in Richtung Philadelphia (heutige Amman) entstehen zu lassen. Doch die Stadt wuchs nicht in Richtung Süden, sondern nach Norden in Richtung des Artemis-Tempels. Demnach bildet der Triumphbogen heute den Eingang zum Geresa-Rundgang.
Der Bogen misst 37,45 Meter in der Breite, ist 9,25 Meter tief und hat eine Höhe von 21 Meter. In den Jahren 2005 und 2007 wurde der Hadriansbogen restauriert.
Römisches Theater
Gerasa bietet drei Theateranlagen. Alle drei sind im griechisch-römischen Baustil erbaut.
Das bekannteste und größte Theater ist das Südtheater. Es entstand etwa 90 n. Chr. und liegt an der Westseite des Hügels neben dem Zeus-Heiligtum. Es wurde für öffentliche Aufführungen und kultische Zwecke genutzt. Es ist erstaunlich gut erhalten und bittet eine ganz besondere Akustik. Deshalb finden hier immer noch öffentliche Aufführungen (Jerash Festival) statt. Von den oberen Sitzreihen kann man die ganze Anlage überblicken.
Das Nordtheater wurde in mehreren Phasen im 2. und 3. Jahrhundert erbaut. Es befindet sich nördlich des Stadtzentrums und ist kleiner als Südtheater. Hier wurden vermutlich kleinere Veranstaltungen und politische Ratsversammlungen abgehalten.
Das kleinste Theater liegt etwa 2 km außerhalb der Stadt bei einem Wasserbecken der Birketein-Quelle. Das Birketein-Theater wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut und war bis in christliche Zeit ein Ort der inschriftlich bezeugten Maiumas-Feiern.
Zeus Tempel
Der Zeus-Tempel steht auf einem Platz, welcher schon in der Eisenzeit für Kultzwecke genutzt wurde. Und der Tempel des Zeus Olympios (griechisch) bzw. Jupiters (römisch) wurde darüber gebaut.
Zunächst wurde eine bis zu 100 m breite Terrasse angelegt, welche das Bauwerk trägt. Und diese Terrasse wird von einem massiven Unterbau, einem fast 90 m langen Tonnengewölbe, gestützt. In den Jahren 162 und 163 n. Chr. wurde der Rohbau des Tempels fertiggestellt, welcher in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder verbessert wurde.
Teile des Zeus- bzw. Jupitertempels wurden während des Jüdischen Kriegs (66-73 n. Chr.) zerstört und danach wieder aufgebaut. Auch während des Bar-Koschba-Aufstandes (132-136) wurde die Tempelanlage zerstört, um sie danach wieder aufzubauen. Heute sind die Außenwände mit Säulenresten noch gut sichtbar.
Artemis-Tempel
Das Heiligtum der Artemis ist der größte sakrale Komplex der Stadt und erstreckt sich über 320 Meter, beginnend von der östlichen Umzäunung bis zum Tempel. Begonnen wurde mit dem Bau des Heiligtums nach dem Bar-Kochba-Aufstand ab 136 n. Chr..
Das monumentale Tor wurde um 150 n. Chr. fertiggestellt. Der eigentliche Tempel wurde nie vollständig fertiggestellt. Heute stehen von dem Tempel noch 11 Säulen von den eigentlich 32 geplanten.
Der Tempel ruht auf einem Unterbau, bestehend aus unterirdischen Gewölben. Der Zugang zum Heiligtum erfolgte über eine Hauptstraße (Via Sacra), welche durch zwei Triumphbögen verlief. Diese Straße führte dann auf eine lange und breite Treppe, welche zu einer Zwischenterrasse führte. Von der Zwischenterrasse führte eine noch breitere Treppe hinauf zum Temenos-Hof. In der Mitte des Hofes stand der Tempel auf einer Grundfläche 53,80 × 22,70 Metern.
Von den einstmals 32 Säulen des Tempels sind heute noch 11 im recht guten Zustand erhalten. Von den 11 Säulen sind noch 9 mit korinthischen Kapitellen bedeckt. Die Höhe beträgt 13 Meter. In byzantinischen Zeiten wurde die Tempelanlage wohlmöglich als Kirche genutzt, später während der Umayyadenzeit auch als Werkstatt.
Artemis-Kult
Dieser Tempel-Weg über die Via Sacra, die beiden Treppen mit Zwischenterassen hinauf zum Hof war für Prozessionen gestaltet und betonte die Bedeutung der Göttin. Eigentlich war Artemis im antiken Griechenland die Jagdgöttin, die Beschützerin des Waldes, des Mondes und der Geburt. In späteren Zeiten wurde sie zur Schutzgöttin der Frau und der Kinder. In Gerasa war sie zu hellenistischen Zeiten die Schutzgöttin der Stadt, nachdem sie die Bedeutung einer älteren lokalen Gottheit übernahm.
Cardo Maximus
Der Cardo Maximus ist die Hauptstraße von Gerasa gewesen. Sie entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. und ist etwa 800 Meter lang. Sie war die Verbindungsstraße zwischen dem Marktplatz und dem nördlichen Stadttor. Entlang der Cardo Maximus ragten einst mehrere hundert Säulen, von denen heute noch etwa 500 erhalten sind.
Nymphäum
Das Nymphäum bzw. Nymphenheiligtum ist ein monumentaler Brunnen, welcher am Cardo Maximus errichtet wurde. Er diente zur Wasserversorgung und sollte als zentraler Ort die vielen kleinen Brunnen von Gerasa ergänzen.
Schon um 125 n. Chr. wurde ein Aquädukt erbaut und das Nymphäum folgte 190/191 n. Chr.. Der Grund für den Bau war, dass die Bevölkerung und somit der Wasserbedarf stetig stieg.

Das Nymphäum bestand aus einer halbrunden Apsis mit Gewölben. Daran schlossen sich zwei seitliche Schiffe an. Die Fassade war zweigeschossig und mit Reliefs, Paneelen und korinthischen Säulen verziert. Die untere Ebene sind Marmorplatten und die obere Ebene ist ein bemalter Stuck.
Heute zählt das Nymphäum zu den am besten erhaltenen Gebäuden der Stadt. Schon zur Römerzeit sollte das Nymphenheiligtum nicht nur die Hauptwasserversorgung sein, sondern auch den Wohlstand der Stadt repräsentieren.
Hippodrom
Das Hippodrom ist ein römischer Circus und liegt direkt hinter dem Hadrianbogen. Es war als Arena für Wagenrennen und vielleicht auch für Gladiatorenkämpfe gedacht.

Blick auf die Ausgrabungen am Hippodrom von Gerasa in Jerasch/caption]
Bei einer Länge von 265 m und einer Breite von 76 m gehört es zu den kleinsten Hippodromen der römischen Kultur. Dennoch behaupten Archäologen, dass das Hippodrom von Gerasa eines der am besten erhaltene römischen Hippodrome ist. So sind die Startboxen (Carceres), die eigentliche Rennbahn und auch Teile der Tribünen noch gut erhalten.
Gebaut wurde es im 2. Jahrhundert, wohlmöglich zu Zeiten Kaiser Hadrians. Zunächst wurde das Hippodrom für Wagenrennen genutzt. Im 4. Jahrhundert wurde es umgebaut, um es als Amphitheater für Arenakämpfe und andere Spiele nutzen zu können.
An der Stelle des Hippodroms befand sich vor dem Bau ein Friedhof und ein Steinbruch. Als Kaiser Adrian 129/130 die Stadt besuchte, wurden mehrere größere Bauprojekte angestoßen, weshalb man beide schloss und darüber das Hippodrom baute.
Kirchen
Die älteste Kirche in Gerasa ist die Kathedrale. Sie wurde etwa 400 n. Chr. erbaut. Das Gebäude befindet sich auf vier Terrassen. Wohlmöglich hat sich auf einer der Terrassen ein Tempel aus dem 1. Jahrhundert befunden. Die dort verehrte Gottheit wird als Dionysos (Gott des Weines) identifiziert.
Tor der Kathedralruinen in GerasaLaut dem Bericht von Epiphanios, dem Bischof von Salamis auf Zypern, fand in Gerasa im Jahr 375 ein Weinfest statt. Laut dem Bischof soll das christlich geprägte Kana-Weinwunder dazu gedient haben, die polytheistische Gottheit Dionysos zu verdrängen bzw. vergessen zu machen.
Im 5. bis 7. Jahrhundert entstanden verschiedene Kirchen in Gerasa:
- Theodosiuskirche, erbaut zwischen 494 und 496
- Prokopioskirche, erbaut zwischen 526 und 527
- Georgskirche, erbaut um 529
- Synagogenkirche (Umbau einer Synagoge) um 530 oder 531
- Johanneskirche, erbaut 531
- Kirche St. Cosmas und Damian, erbaut zu Ehren der Zwillingsbrüder – welche angeblich einen Märtyrertod starben (erbaut 533)
- Peter-und-Paul-Kirche, erbaut um 540
- Propyläenkirche, erbaut um 560
- Genesius-Kirche, erbaut um 611















