Simon Petrus
Simon Petrus war ein Anhänger des Jesus von Nazareth, welcher den Messias aus Galiläa im Norden Israels begleitete. Es wird angenommen, dass Petrus in Rom im Jahr 65 oder im Jahr 67 starb. Im Neuen Testament wird Simon Petrus als Jude erwähnt, welcher die Nachfolge von Jesus antreten solle. Deshalb predigte er vor den Aposteln und Jüngern, verbreitete die Botschaften von Jesus Christus und trug zur Missionierung der Lehre bei. Er wird in der Bibel als Apostel Petrus oder Petrus der Apostel erwähnt.
Nachdem Jesus durch die Kreuzigung starb, tritt Petrus als ein Augenzeuge der Auferstehung auf, dessen Zeugnis zur Wunderbildung beitrug. Zwischen 31 und 43 leitete Petrus die Jerusalemer Urgemeinde, als erste Gemeinschaft der Urchristen. Danach, in den Jahren zwischen 45 und 63, war Petrus der Patriarch von Antiochien, der Hauptstadt des Seleukidenreichs in der heutigen Türkei. Später soll Petrus in Rom als Oberhaupt der christlichen Gemeinde gedient haben, wo er ein Martyrium erlitt.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wer war Simon Petrus
- 3 Warum sehen sich Päpste als Nachfolger Petri
- 4 Warum treten nicht alle Kirchenoberhäupter die Nachfolge Petri an
- 5 Gab es den Heiligen Petrus wirklich
- 6 Was bedeutet Petrus
- 7 Woher stammte Simon Petrus
- 8 Wie wurde Simon Petrus zum Apostel berufen
- 9 Wie bekannte sich Simon Petrus zu Jesus
- 10 Warum hat Jesus die Füße von Simon Petrus gewaschen
- 11 Warum hat Petrus dann doch Jesus verleugnet
- 12 War Simon Petrus der erste Zeuge der Auferstehung
- 13 Was bedeuten die Schlüssel Petri
- 14 Was hat Petrus nach der Auferstehung gemacht
- 15 Wie starb Simon Petrus
- 16 Wo befindet sich das Petrusgrab
- 17 Wofür ist Simon Petrus bekannt
Steckbrief
| Bezeichnungen: | Heiliger Simon, Petrus der Apostel, Simeon, Kephas (aramäisch für Petrus), Shimon bar Yonah (aramäisch: Simon, Sohn des Jona) |
| Bedeutung: | erster Bischof von Rom (Papst), erster Bischof von Antiochia |
| Geboren: | 1 v. Chr. in Bethsaida in den Golanhöhen (damals römisches Reich, heute Israel) |
| Gestorben: | zwischen 64 und 68 n. Chr. in Rom im heutigen Italien (damals Römisches Reich) |
| Alter: | 63–68 Jahre |
| Beruf: | Fischer am See Genezareth, dann Apostel bzw. Jünger Jesu, später Bischof |
| Amtszeit: | Bischof von Rom: 33 bis 64 oder 68 |
| Nachfolger: | Bischof von Rom: Heilige Linus, Bischof von Antiochien: Euodius von Antiochien |
| Eltern: | Vater: Jonah oder Jona, Kurzform von Johannes Mutter: unbekannt |
| Geschwister: | Apostel Andreas |
| Ehefrau: | Name wird nicht in der Bibel erwähnt |
| Gedenktage: | 29. Juni: Gedenktag von Petrus und Paulus 18. Januar: Bekenntnistag des Heiligen Petrus 22. Februar: Cathedra-Petri-Fest (Festtag zum Stuhl des Heiligen Petrus) |
| Symbole: | Schlüssel Petri (Schlüssel zum Himmel), Pallium am Grab des heiligen Petrus als Berührungsreliquie, Petruskreuz (Kreuz kopfüber) |
| Basilika: | Petersdom in Rom (Memorialkirche) |
Wer war Simon Petrus
Simon Petrus war, laut dem Neuen Testament der Bibel, einer der zwölf Apostel von Jesu. Er tritt sowohl in allen vier Evangelien als auch in der Apostelgeschichte auf. Simon Petrus war zunächst Jude, wurde aber einer der ersten Führer der frühen christlichen Kirche.
Laut christlicher Überlieferung gründete Petrus das Patriarchat von Antiochia, von welchem die Christianisierung des Römischen Reiches ausging. Eine weitere christliche Tradition beschreibt Petrus auch als den ersten Bischof von Rom bzw. Papst. In Rom soll Petrus einen Märtyrertod gestorben sein, als Kaiser Nero ihn gekreuzigt hatte. Alle nachfolgenden Päpste sehen sich in der Nachfolge Petri.
Warum sehen sich Päpste als Nachfolger Petri
Die römisch-katholische Kirche erhebt einen sogenannten Primatsanspruch, wonach der Papst der geistige Führer der gesamten Christenheit sein soll. Jener Anspruch stützt sich auf das Narrativ, dass Jesus Christus den Apostel Petrus als seinen Nachfolger gewählt haben soll. Alle Päpste sehen sich als Vertreter Gottes auf Erden, weshalb sie sich als Nachfolger Jesu und auch Petris betrachten.
Und Rom galt in der Antike als Zentrum der Macht, da das Römische Reich dort seinen Ursprung hatte. In der Spätantike entstand dann die Romidee, wonach die Stadt das Machtzentrum des Christentums bleiben sollte. Demnach sollten alle Nachfolger Jesu auch Bischof von Rom sein.
Warum treten nicht alle Kirchenoberhäupter die Nachfolge Petri an
Das Papstprimat war Gegenstand des Morgenländischen Schismas (1054), woraufhin sich die orthodoxe Kirche von der römischen Kirche abspaltete.
Innerhalb der Westkirche blieb der Primatsanspruch erhalten, weshalb sich alle Kirchenoberhäupter weiterhin als Nachfolger Petri verstanden. Doch in der Ostkirche lehnte man das Papstprimat nach 1054 ab, weshalb in der christlich orthodoxen Kirche der Patriarchat von Konstantinopel zum Kirchenoberhaupt wurde.
Eine weitere Spaltung vollzog sich nach 1517 im Zuge der Reformation um Martin Luther. Auch die Protestanten lehnten das Papst- bzw. Petrusprimat ab. Deshalb ist der Papst auch in der evangelischen Kirche nicht der geistiger Führer.
Gab es den Heiligen Petrus wirklich
Alle historischen Quellen zu Simon Petrus stammen aus der christlichen Überlieferung. Biografische Angaben finden sich in den Evangelien, den Apostelbriefen und in der Apostelgeschichte des Lukas.
Die Bibel erwähnt nicht, dass Petrus sich in Rom aufgehalten haben soll. Der Aufenthalt in Rom und der Anspruch des Bischofs von Rom entstanden durch den Ersten Clemensbrief, welcher um 100 n. Chr. von Papst Clemens I. verfasst wurde. In diesem Brief beschreibt Clemens, dass Simon Petrus und Paulus von Tarsus ein Martyrium in Rom erlitten hatten, Zeugnis ablegten und dann zur Herrlichkeit gelangten.
Das vorbildliche Leiden des Petri und des Paulus wurden zum Vorbild vieler Christen und sind Bestandteil judenchristlicher Märtyrertheologie.
In allen vier Evangelien des Neuen Testaments wird Petrus als Simon, als Simeon (griechisch) oder Schim’on (hebräisch) erwähnt. In der Apostelgeschichte des Lukas wird er als Symeon erwähnt, was einer griechischen Wiedergabe des hebräischen Namens entspricht. Im Matthäusevangelium nennt Jesus seinen Jünger bei seinem Vaternamen: Simon Barjona („Simon, Sohn des Jona“).
Der Missionar Paulus von Tarsus nennt den Apostel meist Kephas bzw. Kefa, was übersetzt „Stein“ oder „Fels“ bedeutet. Jesus selbst soll seinen Jünger diesen Beinamen verliehen haben, was die Evangelien bestätigen. Von einigen Bibelforschern wird angenommen, dass Simon den Beinamen erst als Apostel der Jerusalemer Urgemeinde annahm. Andere Exegeten gehen davon aus, dass er den Beinamen schon im ersten Jüngerkreis trug.
Was bedeutet Petrus
Der Name Petrus stammt aus dem Griechischen „petros“, was „Fels“ oder „Stein“ bedeutet. Es ist die griechische Übersetzung des aramäischen Namens „Kephas“, welchen Jesus für Simon wählte (siehe vorheriger Abschnitt).
Im Matthäusevangelium 16,16-18 heißt es:
„Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“
Viele Bibelforscher schließen daraus, dass Petrus der Fels bzw. die tragende Säule war – auf welchen Jesus seine Kirche (Institution) bauen wollte. Simon wird somit eine tragende Rolle bei der Entstehung des Christentum (Kirche) innehaben. Diese Symbolrolle wurde unterstrichen, indem Jesus ihm die Schlüssel zum Himmelreich (Petri-Schlüssel) überreichte. Fortan sollte Petrus als Stellvertreter oder Nachfolger Jesu fungieren.
Ähnlich wie bei früheren Figuren in der Bibel wurde mit der Namensvergabe eine Sonderstellung oder Aufgabe zuteil. Genauso war es bei Abram („erhabener Vater“), welcher zu Abraham (Erzvater des Volkes Israel) wurde. Und genauso war es bei Jakob, welcher zu Israel (Stammvater der Israeliten) wurde.
Woher stammte Simon Petrus
Simon Petrus stammte, genauso wie Jesus, aus Galiläa. Im Markusevangelium wird beschrieben, dass Simon Petrus aufgrund seiner Sprache als Galiläer erkennbar war. Und im Johannesevangelium (1, 42) wird Simons Vater Johannes genannt. Jesus spricht ihn im Matthäusevangelium (16, 17) als Simon Barjona an, was aramäisch für „Simon – Sohn des Jona“ stehen könnte. Und Jona wird hier als Kurzform des Johannes gedeutet.
Einige Exegeten sprechen sich aber dafür aus, dass barjona als Adjektiv gemeint ist und „impulsiv“ oder „unbeherrscht“ bedeutet. Andere Bibelforscher weisen daraufhin, dass jüdische Freiheitskämpfer als barjonim (Plural) bezeichnet wurden. Demnach könnte Simon Petrus in früheren Tagen zu den Zeloten gezählt haben.
Simon hatte einen Bruder, namens Andreas. Alle Apostelgeschichten nennen Simon zuerst, weshalb man davon ausgeht, dass Simon der ältere der beiden Brüder war. Sowohl Simon als auch der Apostel Andreas waren Fischer am See Genezareth. Sie lebten zusammen mit Simons Frau und deren Mutter in eigenen Haus in Kafarnaum. Dies ist überliefert im Markusevangelium (21, 29 ff.), im Lukasevangelium (4,38) und im Matthäusevangelium (8, 14).
Auf den Überresten des Hauses von Simon und Andreas könnte später eine Pilgerstätte errichtet worden sein, welche die Jerusalemer Urgemeinde erbaut haben könnte. Dies vermuten Archäologen, welche in Kafarnaum auf den Überresten einer byzantinischen Kirche aus dem 5. Jahrhundert einige Mauerreste aus dem 1. Jahrhundert ausgegraben hatten.
Wie wurde Simon Petrus zum Apostel berufen
Laut dem Markusevangelium (1, 16) traf Jesus von Nazareth die beiden Fischer Simon und Andreas am See Genezareth in Nordisrael. Er forderte sie dazu auf, ihm zu folgen. Daraufhin warfen sie ihre Fischernetze weg und folgten Jesus.
Laut den Evangelien soll Jesus die Schwiegermutter des Simon von einem Fieber geheilt haben. Die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus wird im Markusevangelium (1, 29 – 31), im Matthäusevangelium (8, 14 – 15) und im Lukasevangelium (4, 38- 39) erwähnt. Sie gilt als eines der ersten Heilungswunder von Jesus und diente später als Vorlage verschiedenster Arbeiten der christlichen Kunst.
Laut dem Lukasevangelium (5, 1- 11) wurde Simon von Jesus zum Menschenfischer berufen, nachdem die Schwiegermutter geheilt und Jesus seine Antrittsrede in der Synagoge von Kafarnaum gehalten hatte. Auf die Berufung folgt ein unerwartet großer Fischfang. Hier nennt Lukas ihn zum ersten Mal: „Petrus“.
Der Apostel Matthäus stellt den Beinamen erst heraus, nachdem sich Simon zu Jesus als den Messias bekannt hatte. Daraufhin sagte er ihm zu, dass er ihm eine Kirche auf „diesen Felsen“ erbauen lassen werde. (Mt. 16).
Wie bekannte sich Simon Petrus zu Jesus
In den Evangelien taucht das Messiasbekenntnis an verschiedenen Stellen auf. Die bekannteste Textstelle steht im Matthäusevangelium 16, 13-20. Dort fragt Jesus seine Jünger für wen sie ihn halten. Und Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“
Mit diesen Worten wird ein zentraler Moment im Neuen Testament festgehalten. Denn Jesus spricht daraufhin Petrus eine besondere Rolle zu, welche im Matthäusevangelium 16,18 eindrucksvoll beschrieben ist. Dort heißt es: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus [griech. petros] und auf diesen Felsen [griech. petra] werde ich meine Kirche [ekklesia] bauen und die Mächte [griech. pylai, wörtlich Tore] der Unterwelt [griech. hades] werden sie nicht überwältigen.“
Warum hat Jesus die Füße von Simon Petrus gewaschen
Am Vorabend der Kreuzigung Jesu hat der Gottessohn seinen Jüngern die Füße gewaschen und anschließend mit einem Tuch getrocknet, welches ihm umgürtete. Die Fußwaschung ist eine zentrale Szene im Christentum, da der Messias gegenüber seinen Jüngern als Diener auftritt.
Doch laut dem Johannesevangelium 13,8 wollte sich Petrus nicht die Füße von Jesus waschen lassen, da er dies für einen Sklavendienst hielt. Doch Jesus sagte ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.“ Daraufhin bat Petrus darum, dass Jesus ihm nicht nur die Füße waschen solle, sondern auch die Hände und den Kopf.
In dieser Szene zeigt Jesus seinen Jüngern, wie sie mit anderen umgehen sollen. Und zwar dienend, liebevoll und ohne Machtgehabe.
Warum hat Petrus dann doch Jesus verleugnet
Auf dem Weg zum Ölberg bzw. zum letzten Abendmahl kündigt Jesus an, dass Petrus ihn – ehe der Hahn kräht – dreimal verleugnen wird. Doch laut dem Markusevangelium 14, 27-31 weisen diesen Vorwurf alle Jünger und auch Petrus von sich.
In der Nacht wird Jesus im Garten Getsemani auf dem Ölberg verhaftet. Das Johannesevangelium 18,10 erwähnt einen namenlosen Jünger – welcher die Verhaftung Jesu verhindern wollte. Und dieser Namenslose wird mit Petrus gleichgesetzt. Aber dennoch hatte Petrus versagt und konnte die Verhaftung nicht verhindern.
Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu als Messias vor dem Hohen Rat. Als dann am nächsten Morgen der Hahn kräht, erinnert sich Petrus an die Worte von Jesus und beginnt zu weinen.
Für die Verleugnung Perus gibt es vier Gründe:
- Angst um sein eigenen Leben.
- Überforderung und Schock
- falsche Erwartungen an Jesus, da sich der mächtige Gottessohn ohne Gegenwehr gefangen nehmen ließ
- Macht der Suggestion aufgrund der Vorhersage Jesu
Fakt ist, Petrus fehlte die Kraft – nach seinem Glauben gemäß zu handeln. Und zwar genau dann, als es darauf ankam. Einige Exegeten sehen darin eine Charakterschwäche von Petrus. Andere Bibelforscher sehen Petrus als Beispiel aller Jünger, welche Jesus im entscheidenden Augenblick verließen.
War Simon Petrus der erste Zeuge der Auferstehung
Petrus war einer der ersten Zeugen der Auferstehung Jesu. Hier berichten die Evangelien unterschiedliche Augenzeugenberichte. Laut dem ersten Korintherbrief, welcher ebenfalls ein Buch des Neuen Testaments ist – war Petrus der erste Augenzeuge der Auferstehung (1 Kor, 15,5). Hier heißt es: „Er erschien dem Kephas und danach den Zwölfen.“
Auch das Lukasevangelium 24,34 nennt Petrus als ersten Osterzeugen. Dort steht: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“
Im Johannesevangelium 20,11-18 wird Maria Magdalena als erste Osterzeugin erwähnt. Jesus trägt ihr auf, den Jüngern davon zu berichten. Erst am Abend erscheint Jesus auch den Jüngern.
Was bedeuten die Schlüssel Petri
Die Schlüssel Petri oder auch Papstschlüssel genannt, sind das Symbol für den Zugang zum Himmelreich. Im Matthäusevangelium 16,19 wird die Übergabe der Schlüssel von Jesus an Petrus beschrieben: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein“
Damit wurde Petrus zum Schließer vom Himmelreich und zum Behüter des Erdenreichs. Der goldene Schlüssel symbolisiert den Zugang zum Himmelreich und die Lösekraft des Petrus. Und der silberne Schlüssel steht für die Bindekraft des Petrus und die kirchliche Autorität auf Erden (Papstamt). Mit der Schlüsselübergabe tritt Petrus das Erbe Jesu an.
Laut Matthäusevangelium 16,13–20 erhält Petrus die Schlüssel in der Gegend von Caesarea Philippi, also bevor sie nach Jerusalem kamen und bevor Jesus die Passion antrat. Heute sind die Schlüssel Petri ein Symbol im Papstwappen als auch ein Symbol im Wappen von Vatikanstadt.
Was hat Petrus nach der Auferstehung gemacht
Der Heilige Geist kam zu Pfingsten auf die Jünger herab. Das Pfingstwunder ist im 2. Kapitel der Apostelgeschichte des Lukas beschrieben und gilt als Geburtsstunde der Kirche. Eine direkte Folge des Pfingstwunders war die Entstehung der Jerusalemer Urgemeinde, welche sich ab 30 n. Chr. konstituierte. Leiter und wohlmöglich auch Gründer der urchristlichen Gemeinde war Simon Petrus.
Leitende Figur der Jerusalemer Urgemeinde
Die Urgemeinde entstand nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu in Jerusalem. Ab 31 n.Chr. leitete Simon Petrus diese Urgemeinde und verkündete die Auferstehung Jesu als Wunderbeweis. In der Apostelgeschichte des Lukas wird Petrus als zentrale Figur dieser Urgemeinde dargestellt.
Missionierung
Petrus tritt als Sprecher der Jerusalemer Urgemeinde auf und bekennt sich öffentlich zu Jesus als Messias. Um die Gemeinde zu stärken, verfasst er zwei Briefe. Er besucht die Gemeinden in Lydda, Joppe und Samaria (Apg 8–10) und verkündet dort das Wunder der Auferstehung. Laut der Apg 9 wird im Jahr 31 oder 32 n. Chr. eine Gemeinde in Damaskus gegründet. In diesem Zeitraum wird auch Paulus von Tarsus berufen.
Taufe des Kornelius
Eine zentrales Ereignis der Missionstätigkeit der Urchristen war die Taufe des Hauptmann Kornelius. Laut der Apostelgeschichte des Lukas 2,41 erfolgte die Taufe einige Zeit nach Pfingsten und zu einem Zeitpunkt als die Urgemeinde bereits einige tausend jüdische Mitglieder hatte.
Laut der Apostelgeschichte 10,2 war Kornelius ein gottesfürchtiger römischer Centurio in Caesarea Maritima (Provinz Judäa). Er war Nichtjude und demnach war dessen Taufe die erste Heidenmission der Urgemeinde.
Laut der Bibelerzählung erschien dem Hauptmann ein Engel, welcher ihn aufforderte, den Apostel Simon Petrus zu sich holen zu lassen. Petrus wurde von Knechten des Kornelius in dessen Haus geführt. Dort warf sich der Centurio zu Füßen des Apostels. Doch Petrus erlaubte dem Hauptmann nicht, ihn zu verehren.
Laut der Apostelgeschichte 10,34 fiel der Heilige Geist bei der anschließenden Petruspredigt über alle Zuhörer. Damit wurde für Petrus klar, dass auch Nichtjuden ein Teil der Gemeinde sein können. Daraufhin befahl Petrus, dass Kornelius, seine Freunde und Verwandten getauft werden sollen (Apg 10,48). Damit wurde der Hauptmann zum ersten römischen Heidenchrist des Urchristentums.
Begründer der Gemeinde in Antiochia
Antiochia entspricht dem heutigen Ankara in der Türkei. Damals war Antiochia die Hauptstadt des Seleukidenreichs und neben Konstantinopel und Alexandria die bedeutendste Stadt im östlichen Mittelmeerraum. Im Jahr 34 n. Chr. wurde die Gemeinde in Antiochia gegründet, deren erster Patriarch Simon Petrus war.
Zeitweise gab es fünf Patriarchen des Christentums: in Rom, in Konstantinopel, in Jerusalem, in Alexandria und in Antiochia. Dem Patriarchen von Antiochia unterstanden bis ins Jahr 512 die Bischöfe in Syrien, Palästina, Mesopotamien, Armenien, Georgien und Indien.
Nach dem Schisma von 512 teilte sich die Kirche in eine chalkedonensische Fraktion, zu welcher das griechisch-orthodoxe Patriachat gehörte und in eine nicht-chalkedonensische Fraktion zu welcher die syrisch-orthodoxe Kirche gehörte.
Antiochenischer Zwischenfall
Der antiochenische Zwischenfall war ein öffentlicher Streit zwischen Petrus und Paulus von Tarsus, welcher sich wohlmöglich 34 n. Chr. zutrug.
Grund des Streites war, dass sich Heidenchristen, also alle Christen – welche zuvor keine Juden waren – nicht an jüdische Gesetze hielten. Konkret ging es um die Tischgemeinschaft, die Beschneidung und die Reinheitsvorschriften.
Petrus forderte diese Gesetze auch von Heidenchristen ein. Paulus warf ihm vor, sich selbst nicht an diese Gesetze zu halten. Denn er hatte mit Heidenchristen gegessen und damit gegen das jüdische Gesetz der Tischgemeinschaft verstoßen. Deshalb warf Paulus ihm vor: „nicht nach der Wahrheit des Evangeliums“ zu handeln.
Der Streit über die Einhaltung der mosaischen Gesetze (Regeln des Mose) war wichtig, da die Frage aufgeworfen wurde, ob man Christ sein kann – ohne vorher Jude gewesen zu sein. Paulus verfasste seine Auffassung im Galaterbrief (Gal 2,15-21) und konkretisierte seine Lehre im Römerbrief.
Der Konflikt belastete das Verhältnis zwischen Paulus und Petrus schwer, weshalb Paulus die Gemeinde in Antiochia verließ und eine eigene Heidenmission fortführte.
Aufenthalt in Rom
Ob Simon Petrus tatsächlich in Rom lebte, ist ungewiss. Der spätere Papst Clemens I. (reg. 88 – 97) beschreibt im Ersten Clemensbrief, dass Paulus von Tarsus in Rom enthauptet und dass Petrus in Rom gekreuzigt wurde. Dies gilt als Grundlage für eine Legendenerzählung, wonach Petrus in Rom ebenfalls eine Gemeinde gegründet haben könnte – aus welchem das Bischofsamt in Rom hervorging.
Christenverfolgung und Petrusbriefe
Unter dem römischen Kaiser Claudius begann im Jahr 49 n. Chr. die Christenverfolgung. Ursache war ein Edikt des Kaisers, welches nach dem Tod Jesu erlassen wurde und welches vorsah, alle Anhänger des „Chrestus“ aus Rom auszuweisen.
Die Ausbreitung des Christentums in einer polytheistischen Umgebung wurde als Zeichen der Unordnung betrachtet und es bestand der Verdacht, dass sich dadurch das Konfliktpotential erhöhte.
Unter Kaiser Nero erreichte die Christenverfolgung einen Höhepunkt. Denn der Kaiser ordnete eine zielgerichtete Verfolgung von allen Christen an, nachdem ein verheerender Brand große Teile von Rom einäscherte. Der Kaiser gab den Christen die Schuld, obwohl laut Tacitus auch das Gerücht kursierte, dass Nero selbst die Stadt anzünden ließ.
Bei einem großen Festspiel im privaten Garten Neros ließ der Kaiser öffentlich die Christen hinrichten. Viele Christen wurden verbrannt, da sie der Brandstiftung bezichtigt wurden und deshalb nach römischen Recht so hingerichtet werden sollten.
In dieser Zeit entstanden die Petrusbriefe. Im 1. Petrusbrief schreibt der Apostel Petrus diverse Ermutigungen an die Christenheit. Im Brief erinnert Petrus an den Leidensweg Christi und ermutigt alle Christen, diesem Weg zu folgen. Petrus ermunterte die Christenheit dazu – trotz der akuten Verfolgungssituation, weiterhin am Glauben an den Messias festzuhalten.
Geschlossen wird der Brief mit einem Gruß aus Babylon, welcher von späteren Bibelforschern als Tarnname für Rom gedeutet wird. Der 2. Petrusbrief wurde um 120 n. Chr. verfasst und lässt sich nicht eindeutig dem Apostel zuordnen.
Wie starb Simon Petrus
Laut dem Ersten Clemensbrief starb Simon Petrus zwischen 64 und 68 n. Chr. in Rom einen Märtyrertod. Er wurde während der Neronischen Christenverfolgung (ab 64 n. Chr.) verhaftet.
Laut christlicher Überlieferung soll Petrus durch die Milizen des Nero gekreuzigt wurden sein. Da er sich nicht würdigt fühlte, wie Jesus zu sterben, soll er kopfüber gekreuzigt wurden sein. Die genaue Kreuzigungsstelle soll der Circus des Kaisers Caligula gewesen sein, welcher an den Abhängen des Vatikanhügels erbaut worden war.

Kreuzigung Petri von Filippino Lippi
Obwohl weder das Todesdatum eindeutig geklärt und auch Rom als Hinrichtungsort nicht eindeutig belegt ist, wird beides in der Forschung weitgehend akzeptiert. Das umgedrehte Kreuz wurde ein Symbol des Simon Petrus.
Wo befindet sich das Petrusgrab
Das Petrusgrab befindet sich in der Vatikanischen Nekropole unter dem Petersdom. Dort wird das Grab des Petrus (Campus Petri) allerdings nur vermutet, da sich die Grabstelle in der Nähe vom eigentlichen Kreuzigungsort befindet.
Das Grab gilt als eine der heiligsten Stätten des Christentums und wurde in den 1940-er und 1950-er Jahren wiederentdeckt.
Bereits Eusebius von Caesarea erwähnte um 300 n. Chr. das Petrusgrab an dieser Stelle. Schon im 2. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine Ädikula errichtet, weshalb man davon ausgeht, dass der Heilige Petrus dort verehrt wurde.
Der Petersdom ist eine Memorialkirche des Apostels Petrus (St. Peter), welche seinen Namen trägt. Und über dem Grab ließ Kaiser Konstantin im Jahr 324 die erste Kirche errichten. Der Neubau des Petersdom begann ab 1506 durch den Baumeister Donato Bramante. Auftraggeber war Papst Julius II., welcher im Dom ein eigenes Grabmal realisieren lassen wollte. Spätere Baumeister der Renaissancezeit waren Raffael, Antonio da Sangallo der Jüngere und Michelangelo.
An jedem 29. Juni wird das Hochfest Peter und Paul (Petrus und Paulus) gefeiert. Am Vorabend des Festes werden die neuen Pallien (Band des Papstes) in einem goldenen Behälter am Petrusgrab aufbewahrt, wodurch sie zu einer Berührungsreliquie werden. Der Ort wird als Palliennische bezeichnet und befindet sich im Dominneren über dem vermuteten Petrusgrab.
Wofür ist Simon Petrus bekannt
Im Folgenden wird nochmals kurz angeführt, wofür Simon Petrus bekannt ist. Die jetzt aufgeführten Abschnitte wurden bereits behandelt, weshalb die folgenden Absätze als Zusammenfassung gelesen werden können.
Erster berufener Jünger
Simon Petrus war zusammen mit seinem Bruder Andreas der erste Jünger, welchen Jesus rekrutierte. Er gilt als Nachfolger Jesus, gehörte zum zentralen Kreis des Messias und war bei zentralen Ereignissen dabei, etwa der Verklärung und der Auferweckung der Tochter des Jairus.
Der Fels
Jesus gab Simon den Namen petros, was Fels bedeutet. Unklar ist, ob Jesus meinte – dass Simon eine Kirche für ihn auf einen Fels erbauen solle oder nicht. Doch Simon war auch eine tragende Säule der Jerusalemer Urgemeinde und Sprecher der Apostel.
Bekenner und Verleugner Jesu
Simon Petrus gilt als einer der ersten und deutlichsten Bekenner Jesu („Du bist der Christus“). Gleichzeitig verleugnete er den Messias dreifach während der Passion.
Zeuge der Auferstehung
Simon Petrus war, je nach Evangelium, entweder der erste Zeuge der Auferstehung Christi oder einer der ersten Zeugen.
Leiter der frühen Kirche
In Jerusalem gründeten die Urchristen nach der Auferstehung Jesu (Pfingstwunder) im Jahr 30 oder 31 n. Chr. eine Urgemeinde. Dort trat Simon Petrus als Prediger, Wundertäter und Gemeindeleiter auf.
Erster Bischof von Rom
Im Jahr 67 n. Chr. wird der Heilige Linus als erster Bischof von Rom ernannt. Der eigentliche Papsttitel wird erst im Jahr 384 eingeführt. Doch im 2. und 3. Jahrhundert ging man allgemein dazu über, nicht Linus – sondern Petrus – als ersten Bischof zu benennen. Seine Regierungszeit ist ungewiss und wird von 33 bis zu seinem Tod (64 bis 67/68) angenommen.
Leiter von Antiochia
Um 34 n. Chr. wurde die christliche Gemeinde in Antiochia von Simon Petrus gegründet. Sie gilt als frühes Zentrum des Urchristentums, von welchem die Missionierung des Christentums ausging.
Symbolfigur
Von Jesus bekam Simon den Schlüssel zum Himmelreich und den Schlüssel zum Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Beide Schlüssel sind heute Symbole im päpstlichen Wappen und auf der Fahne von Vatikanstadt.
Schutzpatron
Simon Petrus ist Schutzpatron von Rom, Trier, Posen in Polen und der Diözesen Osnabrück und Lausanne. Weiterhin ist er Schutzpatron einiger Personengruppen, wie den Päpsten, den Jungfrauen, den Beichtenden und den Büßern.
Aufgrund seines Fischerberufes gilt er außerdem als Schutzpatron für alle Berufsgruppen – welche mit einem Wasserhandwerk zu tun haben. Darunter sind Fischer, Netzemacher, Schiffsbrüchige, Schiffsbauer und Brückenbauer.
Petri Heil
Petri Heil ist die Grußformel für alle Fischer und Angler. Diese setzt sich aus dem Namen Petrus und dem Wort Heil zusammen. Letzteres bedeutet Erfolg oder Glück.
Die Angler wünschen sich untereinander die gleichen Fischerfolgsgeschichten, wie Petrus – welche im Lukasevangelium 5,1-11 und im Johannesevangelium 21,1-14 erzählt werden.



