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Römische Armee


Die römische Armee (lateinisch: Exercitus Romanus) ist ein Oberbegriff für die römischen Streitkräfte im Römischen Königreich (753-509 v.Chr.), in der Römischen Republik (509-27 v.Chr.), der Römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. – 284 n. Chr.) und dem Römischen Reich der Spätantike. Darüber hinaus bestand die römische Armee auch in den Nachfolgestaaten. So im Weströmischen Reich (395-476) und im Oströmischen Reich, welches im 6. Jahrhundert zum Byzantinischen Reich wurde. Demnach bestand die römische Armee bis zum Fall Konstantinopels (1453) und blickte auf eine Tradition von mehr als 2.200 Jahre zurück. Innerhalb der Armee gab es Großverbände, deren Zusammensetzung und Organisation immer wieder geändert wurden. Ein solch militärischer Großverband war die römische Legion. Innerhalb dieses Verbandes dienten Legionäre als Soldaten.

Steckbrief

Aufführung einer Schlachtformation der römischen Armee in Gerasa, Bildnachweis: Marinodenisenko / Shutterstock.com

Aufführung einer Schlachtformation der römischen Armee in Gerasa


Römische Armee
Hoheitszeichen:SPQR, Legionsadler (Aquila), Signum, Vexillum, Draco‑Standarte
Motto:Gloria Exercitus (deutsch: "Ruhm der Armee'')
Waffen:Gladius (Kurzschwert),
Pilum (Wurfspeer),
Hasta (Stoßlanze),
Pugio (Dolch),
Bögen und Schleudern (Fernwaffen der Auxilia),
Leichte Speere für Plänkler,
Ballista (Torsionsgeschütz),
Onager (Schleudergeschütz),
Rammböcke, Belagerungstürme, Katapulte
Schutzausrüstung:Galea (Helm),
Scutum (Schild),
Lorica hamata (Kettenhemd),
Lorica squamata (Schuppenpanzer),
Lorica segmentata (Segmentpanzer),
Ocreae (Beinschienen),
Caligae (Sandalen),
Umbo (Schildbuckel),
Subarmalis (Polsterung unter der Rüstung),
Oberbefehlshaber:König (Römisches Königreich) : 753–509 v. Chr.
Konsuln (Römische Republik): 509–27 v. Chr.
Kaiser (Römisches Kaiserreich, Byzantinisches Reich): ab 27 v. Chr. bis 1453
Truppenstärke
um 500 v. Chr.etwa 9.000 Mann
14 n. Chr.etwa 250.000 Mann, unter Kaiser Augustus erreichte die Truppenstärke einen frühen Höhepunkt, fortan wuchs die Anzahl der Soldaten
211 n. Chr.etwa 450.000 Mann, unter Septimius Severus erreichte die Truppenstärke ihren absoluten Höhepunkt
Aufbau
Legion4.000–6.000 Soldaten
Kohorte400–600 Soldaten
Manipel120–160 Soldaten
Zenturie80-100 Soldaten
Contubernium8-10 Soldaten
Offiziersstruktur
Legatus legionisKommandeur einer Legion
Tribuni militumStabsoffiziere
CenturionesOffiziere einer Zenturie
Primus pilusranghöchster Centurio der Legion

Signum der römischen Armee mit Legionsadler, S.P.Q.R., kaiserliches Porträt, Lorbeerkranz, Bildnachweis: marcovaldo / Shutterstock.com

Signum der römischen Armee mit Legionsadler, S.P.Q.R., kaiserliches Porträt und Lorbeerkranz

Wie unterschieden sich Legionäre und Auxiliartruppen?

Legionäre waren Großverbände von Soldaten mit römischen Bürgerrecht. In den Auxiliartruppen dienten Soldaten von befreundeten Völkern, also Nichtrömer. Sie ergänzten die römische Armee um Spezialfähigkeiten, wie Bogenschießen und Schleuderer.

Laut Tacitus soll die römische Armee zur Hälfte aus Auxilia bestanden haben. Diese deckten einige taktische Bereiche ab, die die Legionen nicht beherrschten oder für welche die Mannstärke fehlte. So waren die Auxilia sehr gut im Bogenschießen oder stellten Spezialtruppen, wie die Kamelreiter gegen die Araber. Eine weitere Aufgabe bestand in der Überwachung der Grenzen.

Die Auxiliarsoldaten erhielten weniger Sold als Legionäre. Dies war ein weiterer Grund für den Einsatz von Auxiliartruppen. Um die Nichtrömer an den römischen Staat zu binden, versprach man ihnen nach 25-jähriger Dienstzeit und einer ehrenhaften Entlassung das römische Bürgerrecht. So gewann Rom billige Soldaten, welche aufgrund der Versprechungen loyal waren und nach langer Dienstzeit das Reich gegenüber anderen Nichtrömern stabilisierten.

Mittels Auxiliartruppen und dem Loyalitätsbonus sorgte man demnach für nachhaltige Ruhe bei anderen Nichtrömern in deren Provinzen.

Wie lange dauerte der Dienst in der römischen Armee?

In der Römischen Republik (bis 107 v. Chr.) dauerte die Dienstzeit durchschnittlich sechs Jahre. Allerdings war die Dienstzeit an die Dauer eines Krieges gekoppelt. Denn die Römischen Bürger wurden für den Kriegsdienst eingezogen und nicht, um ein dauerhaftes Heer zu bilden. Somit variierte die Dienstzeit je nach Dauer eines Konflikts.

Durch die marianische Heeresreform entstand ab 107 v. Chr. eine Berufsarmee mit Vollzeitsoldaten. Die Dienstzeit wurde auf 16 Jahre und länger festgeschrieben. Im Prinzipat von Kaiser Augustus (ab 27 v. Chr.) wurde die Dienstzeit der kaiserlichen Berufssoldaten auf 20 bis 25 Jahre festgesetzt.

Die Dienstzeit der Auxiliartruppen (Nichtrömer) wurde ebenfalls auf 20 bis 25 Jahre festgeschrieben. Bei ehrenhafter Entlassung erhielten die Soldaten nach dem Ende ihrer Dienstzeit zumeist das römische Bürgerrecht.

Wer führte die römische Armee an?

Während der römischen Königszeit (753–509 v. Chr.) hatte der König den Oberbefehl über die Streitkräfte. Oftmals führte er das Heer persönlich in den Krieg.

Während der Römischen Republik (509–27 v. Chr.) lag der Oberbefehl bei den Konsuln. Jedes Jahr wurden zwei Konsuln gewählt. Und jeder Konsul führte eine Armee. In Krisenlagen (Römische Bürgerkriege) wurden Diktatoren zu Alleinherrschern, welche kurzzeitig den absoluten Oberbefehl hatten.

Schon während der Späten Republik wurde der Römische Senat immer schwächer und Feldherren unterhielten eigene Armeen. Solche Privatarmeen wurden zum wichtigsten Machtfaktor, wodurch die Bürgerkriege immer wieder neu entflammten.

Im Prinzipat und der Römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. – 476 n. Chr.) hatte der Kaiser zunächst nur den Oberbefehl über die kaiserliche Armee. Dessen Soldaten waren in den Kaiserprovinzen des Reiches stationiert und wurden vom Kaiser bezahlt. Die finanziellen Mittel für den Sold kamen aus den Kaiserprovinzen.

Das Gegenstück waren die Senatsprovinzen, welche militärisch und wirtschaftlich unbedeutender waren. Demnach floss weniger Geld in die Senatskasse, weshalb die Senatsarmee auch deutlich kleiner war. Demnach hatte der Senat keine militärische Macht. Und so bekam schon Kaiser Augustus 23 v. Chr. das Sonderrecht zur faktischen alleinigen Kontrolle über das Militär (imperium proconsulare maius).

Wie war die römische Armee aufgebaut?

Die römische Armee hatte verschiedene Ebenen in ihrer Kommandostruktur. Diese waren die Legion, die Manipel, die Kohorte oder die Zenturie. Die kleinste organisatorische Einheit war ein Contubernium.

Solche Ebenen finden sich heute noch im modernen Militär und werden dort als Großverband, Bataillon, Kompanie, Zug (Platoon) und Trupp (Gruppe, Squad) bezeichnet.

Neben den Legionen (Großverbänden) gab es im römischen Militär noch Auxiliartruppen, in welchen Nichtrömer dienten.

Legion

Die Legion war ein militärischer Großverband der römischen Armee. Innerhalb einer Legion waren 4.000 bis 6.000 Soldaten stationiert.

In der römischen Frühzeit war die Legion noch die Gesamtheit des Militärs gewesen. Doch im Zuge der Römischen Expansion wurde auch die Armee vergrößert. So gab es im 4. Jahrhundert v. Chr. bereits vier Legionen.

Als 107 v. Chr. Gaius Marius zum römischen Konsul gewählt wurde, setzte er eine Reihe von Heeresreformen um. Unter anderem wurde die Dienstzeit verlängert und die Besoldung erhöht. Aus der römischen Bürgermiliz entstand ein Berufsheer, bestehend aus Freiwilligen. Die Anzahl der Legionen stieg an. So gab es während der Römischen Kaiserzeit etwa 25 bis 30 Legionen.

Manipel

Die Schlachtordnung und räumliche Aufteilung innerhalb einer Legion wurde von der Treffen- bzw. Manipulartaktik bestimmt. Dabei standen die einzelnen Truppenteile so hintereinander, dass sie größtmögliche Bewegungsfreiheit hatten und sich gegenseitig unterstützen konnten.

Meist bestand eine Legion aus drei Treffen, zu denen 10 Manipel gehörten. Die Manipel in den ersten beiden Treffen hatte eine Stärke von 120 bis 160 Mann. Zum letzten Treffen gehörte nur 60 Mann. Dies war die Reserve. Jedes Manipel gliederte sich in zwei Centurien, welche von jeweils einem Centurio geführt wurde.

Kohorte

Die Heeresreform des Marius (107 v. Chr.) fasste die 30 Manipel mit je 160 Mann zu 10 Kohorten mit je 480 Mann zusammen. Diese Umstrukturierung war eine Erkenntnis aus den Kriegen auf Spanien. Denn größere Einheiten, wie die Kohorten, bedeuteten weniger Chaos im Gefecht. Gleichzeitig boten die 10 Kohorten gegenüber den 30 Manipeln eine klarere Struktur und schnellere Befehlswege.

Eine Kohorte bestand, je nach Zeitraum, aus 400 bis 600 Soldaten. Jede Legion bestand aus 10 Kohorten. Die erste Kohorte hatte eine Sonderstellung. In dieser ersten Kohorte war meist die doppelte Anzahl Soldaten eingeteilt. Außerdem war der ranghöchste Centurio der Legion (primus pilus) in der ersten Kohorte stationiert.

Zenturie

Eine Zenturie war die kleinste militärisch operierende Einheit. Sie bestand aus 100 Soldaten (später 80 Mann). Übersetzt bedeutet Centuria: Hundertschaft.

Der Anführer einer Zenturie wurde Centurio (Hundertschaftsführer) genannt. Solch Anführer stieg immer aus den Mannschaftsdienstgraden auf. Somit konnte jeder römischer Bürger auch Centurio werden. In der Frühen Republik wählten die Soldaten ihren Centurio selbst. Später wurde die Legion reformiert, weshalb die Legaten den Centurio wählten.

Contubernium

Ein Contubernium war die kleinste zusammenfassbare Einheit der römischen Armee. Der Begriff ist lateinisch und bedeutet übersetzt: Zeltgemeinschaft. Eine solche Zeltgemeinschaft bestand aus acht Soldaten, welche sich eben in Zelt- und Arbeitsgemeinschaften zusammentaten. Angeführt wurden diese häufig von einem Dienstältesten, welcher allerdings keinen offiziellen militärischen Rang hatte.

Im 2. Jahrhundert führte Kaiser Hadrian eine Heeresreform durch. Nun wurde die Anzahl der Soldaten eines Contuberniums von acht auf zehn erhöht. Außerdem wurde der Rang des decanus eingeführt, welcher nun in einem solchen Contubernium das Sagen hatte. Jener decanus würde heute einem Unteroffizier entsprechen.

So ein Contubernium hatte keine taktische Aufgabe. Es war demnach kein eigenständiger Kampfverband. Die Soldaten teilten sich lediglich das Zelt, hatten eine gemeinsame Ausrüstung und teilten sich alltägliche Arbeiten (z.B. Kochen, Wachdienst) im Lager.

Was machten Legaten, Tribunen und Zenturionen?

Legaten (Legati legionis) waren Legionskommandeure. Diese stammten aus dem senatorischen Adel und hatten strategische Entscheidungen zu treffen. Sie waren für die Verwaltung, Disziplin und Versorgung der Legion verantwortlich.

Zudem berichteten die Legaten dem Kaiser oder den Provinzstatthaltern. Ernannt wurden die Legaten vom römischen Kaiser. So ein Legionskommandeur ist eine militärische Funktion und kein Dienstrang. Im heutigen Militär würde der Kommandeur einer Legion dem Dienstrang eines Generals, Generalleutnants oder Generalmajors entsprechen.

Die Tribunen (Tribuni militum) waren Stabsoffiziere und die rechte Hand des Legaten. Sie unterstützten ihn in der Entscheidungsfindung, übernahmen Führungs- und Verwaltungsaufgaben, beaufsichtigten die Ausbildung und sorgten für Disziplin.

Während der Republik wurden die Tribunen vom römischen Volk gewählt. In der Kaiserzeit wurden Tribunen entweder vom Kaiser oder vom Statthalter ernannt. Oftmals stammten die Tribunen aus dem Adel und durchliefen die römische Ämterlaufbahn (cursus honorum).

Tribunen waren keine Frontoffiziere, nahmen nicht an operativen Entscheidungen teil und blieben Teil des Stabes. Heutige Stabsoffiziere haben den Dienstrang eines Majors, Oberstleutnants oder Obersts.

Die Zenturionen waren Frontoffiziere, welche eine Zenturie von ca. 80 Soldaten anführten. Es handelte sich um Offiziere, welche direkt aus den Mannschaftsdienstgraden aufgestiegen waren. In der Frühen Republik wurden Zenturios direkt von den Mannschaften gewählt. Während der Späten Republik bestimmten Konsuln und Feldherren die Zenturionen. In der Kaiserzeit wurde ein Zenturio vom Kaiser oder vom Legionskommandeur ernannt.

Die Zenturionen übernahmen bei Gefechten die direkte Führung, setzten Disziplin durch, kümmerten sich ansonsten um die Ausbildung und die Organisation im Feldlager. Der ranghöchste Zenturio war der primus pilus. Im heutigen Militär würde der Zenturio den Dienstrang eines Hauptmannes entsprechen (höchster unterer Offiziersdienstgrad).

Wie groß war die Römische Armee?

Bis 500 v. Chr. betrug das Standardaufbot der römischen Armee circa 9.000 Soldaten. Mehr war auch nicht nötig, um den Stadtstaat Rom zu beschützen. Im Jahr 396 v.Chr. eroberte Rom die Nachbarstadt Veji, welche bis dahin von den Etruskern kontrolliert wurde. Mit dieser Eroberung begann die Römische Expansion in Italien und in den Mittelmeerraum.

Truppenstärke der Mittleren Republik

Während der Mittleren Republik änderte sich die Militärtaktik der Römer. Anstelle einer einzigen großen Einheit (Phalanx) stellte man mehrere kleinere Einheiten (Manipel) auf und ordnete diese schachbrettartig auf dem Schlachtfeld an. Vermutlich übernahmen die Römer diese Taktik im Jahr 300 v. Chr. während den Samnitenkriegen (343-290 v. Chr.).

Während der Samniterkriege wurde die Standardabgabe auf vier Legionen (zwei pro Konsuln) verdoppelt, wodurch sich ein Aufgebot von 18.000 Mann ergab. Gleichzeitig zog ein neues Element in die römische Kriegsführung ein. Denn jede Legion wurde von einem verbündeten Verband, den sogenannten Alae, begleitet.

Während der Punischen Kriege (264-146 v. Chr.) kam ein drittes Element hinzu. Die Alae und Legionen wurden von der leichten Kavallerie aus Numidien, kretische Bogenschützen und balearische Schleuderer begleitet. Die Truppenstärke mitsamt der Verbündeten betrug etwa 40.000 Mann.

Truppenstärke in der Spätphase der Republik

In der späteren Phase der Römischen Republik war das Reich militärisch überdehnt, weshalb man neue Wege der Rekrutierung finden musste. Die Reformen des Gaius Marius (107 v. Chr.) schufen einen Ausweg. Das Heer wurde von einer Bürgerarmee zur Berufsarmee mit festen Dienstzeiten umgestaltet.

Truppenstärke im Römischen Kaiserreich

Fortan stieg die Anzahl der Rekruten dauerhaft. Im Prinzipat des Augustus (ab 27 v. Chr.) knüpfte man daran an, indem man eine Berufsarmee mit 25-jähriger Dienstzeit schuf. Unter Augustus stieg die Mannstärke auf 250.000 Soldaten an. Die Armee bestand aus 25 Legionen und ca. 250 Hilfsregimenter. Und die Anzahl zwischen Römern und Nichtrömern (Auxiliar) war nahezu ausgeglichen.

Die Truppenstärke erreichte im Jahr 211 einen Höhepunkt von etwa 450.000 (33 Legionen und ca. 400 Hilfsregimenter). Zu diesem Zeitpunkt übertrafen die Hilfstruppen die Legionäre erheblich. Bis ins Jahr 270 sank die Truppenstärke dann wieder erheblich. Gründe waren sicherlich die Pest und die großen Barbareninvasionen.

Unter Diokletian (reg. 284–305) wurde die Truppenstärke wieder auf ein Niveau wie im 2. Jahrhundert angehoben (etwa 400.000). Den Höhepunkt von 211 hatte man allerdings nie wieder erreicht.

Warum war die römische Disziplin so effektiv?

Militärische Disziplin steht auf fünf Säulen:

  • Drill, Ausbildung und Routinen
  • klare Führungsstrukturen und Befehlsketten
  • Kameradschaft und Teamgeist
  • Loyalität und Sinn für Verantwortung
  • Konsequenzen bei Fehlverhalten und Belohnungen bei vorbildlichen Verhalten

Drill und Ausbildung

Durch Drill und Ausbildung werden Routinen geschaffen, an welchen sich Soldaten orientieren können. Diese Routinen geben Sicherheit, schaffen aber auch einen Zustand von körperlicher Härte und geistiger Resilienz. Der militärische Drill im Römischen Reich bestand aus langen Märschen mit voller Ausrüstung, ständigen Formationswechseln im Laufschritt und dem Üben mit doppelt so schweren Waffen.

Führungsstruktur und Befehlskette

Die zweite Grundlage für Disziplin ist eine klare Befehlskette, welche immer eingehalten werden muss. In der römischen Armee gab es diese Hierarchie – welche beim Legionär begann, dann weiter zu den Optiones und Zenturionen überging.

Die Befehlskette endete bei den Tribunen und schließlich beim Legaten. Somit wusste jeder Soldat genau, wem er gehorchen musste und wer für was verantwortlich war. Besonders die Zenturionen sorgten für eiserne Disziplin, da dies im Gefecht überlebensnotwendig war.

Kameradschaft

Kameradschaft und Teamgeist sind weitere Treiber von Disziplin. Da Soldaten für lange Zeit zusammenleben, müssen sie sich gegenseitig unterstützen.

Auf dem Schlachtfeld wird der Nebenmann zum wichtigsten Menschen im Leben eines Soldaten. Diese Einsicht fördert Kameradschaft und Disziplin. Aufgrund der langen Dienstzeit in der Berufsarmee überdauerten die Kameradschaften in der römischen Legion mehrere Jahre, weshalb die Disziplin mit den Dienstjahren wuchs.

Kaiserliche Loyalität

Im Prinzipat bezahlte der Kaiser die Armee aus seiner Kaiserkasse. Demnach waren die Soldaten ihm gegenüber loyal.

Belohnungen und Strafen

Vorhersehbare Konsequenzen sind ein weitere Grundpfeiler für Disziplin. So gab es in der römischen Armee diverse Belohnungen bei guten Verhalten (Beuteteilen, Höherer Sold, Auszeichnungen, Beförderungen, Land bei Entlassung). Diese Anreize schufen eine Motivation bei den Soldaten, sich vorbildlich zu verhalten.

Im Gegenzug gab es vorhersehbare Bestrafungen bei Fehlverhalten. Diese bestanden im Auspeitschen, Degradierung, Einbehaltung des Soldes und sogar der Todesstrafe. So gab es die Dezimation (decimatio), bei welcher jeder zehnte Mann getötet wurde. Die Bestimmung, wer getötet werden würde, bestimmte ein Losverfahren. Solch kollektive Strafen wurden bei Meuterei oder Feigheit vor dem Feind verhängt, betrafen aber die ganze Einheit. Selbst Offiziere konnten per Los gezogen werden.

Welche Taktiken nutzte die römische Armee?

Phalanx

Die Phalanx war die klassische Taktik der Griechen gewesen. Und die Römer haben diese Taktik übernommen. In dieser Formation stellen sich alle Krieger dicht nebeneinander und halten ihre Schilde vor sich. Es entsteht so ein großer Block. Jene Formation schützt jeden Mann. Auch Pfeile und Lanzen können die Phalanx kaum durchdringen.

In der Phalanx-Formation rücken dann alle Krieger gleichmäßig vor, wobei der Schildschutz niemals aufgegeben wird. Neben der hohen Schutzwirkung wirkt sich das dichte Beisammenstehen auch auf die Moral der Krieger aus. Niemand verlässt die Phalanx, alle achten auf ihren Nebenmann – wodurch sich ein hoher Kameradschaftsgeist ergibt.

Darstellung der Phalanx Formation

Darstellung der Phalanx Formation

Aber die Phalanx hat auch Nachteile. Denn sobald die Formation einmal durchbrochen wurde, sind die Krieger schutzlos. Außerdem kann die Phalanx nur auf ebenen Boden wirkungsvoll eingesetzt werden. In abschüssigen Gelände verliert diese Formation an Bedeutung, wirkt sich mitunter auch nachteilig aus.

In den Samnitenkriegen (343-290 v. Chr.) kämpften die Römer auf bergigem Gelände, engen Tälern und auf waldigen Boden. In solchem Gelände bricht die Phalanx allzu oft auseinander. Bei den Römern reifte die Erkenntnis, dass man mit der Phalanx in Mittelitalien keinen Krieg gewinnen kann.

Manipulartaktik

Die Manipulartaktik besteht aus kleinen Blöcken (Manipeln), welche auf verschiedene Weise eingesetzt werden. Anders als bei der Phalanx ist die Legion nicht ein großer Block, sondern mehrere kleine Blöcke (Manipel). Dazu wurden die einzelnen Blöcke schachbrettartig verteilt und eine Tiefenstruktur mit drei Linien geschaffen.

In einer Linie standen die Hastati (junge Soldaten), in einer anderen die Principes (erfahrene Soldaten). Und die Triarii (Veteranen) standen auf einer dritten Linie.

Diese Tiefenstruktur ermöglichte, dass man hinten immer eine Reserve halten konnte. Außerdem konnte man die Truppenteile ständig austauschen, wodurch immer frische Soldaten in vorderster Linie standen.

Durch diese Taktik war es für die Römer möglich, sehr lange Gefechte auszuführen. Außerdem konnte man flexibler und schneller auf Anforderungen reagieren und Truppenteile sehr gut verschieben. Die Manipulartaktik machte Rom zur dominierenden Militärmacht Italiens.

Aber die Manipulartaktik hatte auch Nachteile. Da jede Einheit auf dem Schlachtfeld mehr oder weniger selbstständig vorging, man aber ein gemeinsames Ziel erreichen wollte, mussten die Truppenteile koordiniert werden. Dies erforderte einen hohen Grad an Ausbildung bei den Legionären. Gleichzeitig mussten die Befehlshaber auch sehr viel Führungsstärke und Erfahrung aufbringen.

Jeder Fehler in der Abstimmung führte dazu, dass eine Einheit geschwächt wurde. Im flachen Gelände konnte die Manipulartaktik auch niemals die Wucht einer Phalanx entfachen.

Kohortentaktik

In den großen Kriegen des Römischen Reichs (Karthago, Makedonien, Seleukiden) erwies sich die Manipulartaktik als schlecht. Denn der Führungsaufwand war zu groß. In einem Manipel kämpften 120 Mann und eine Legion mit 30 Manipeln war dementsprechend schwer zu steuern.

Deshalb wählte man eine Zwischenlösung zwischen Phalanx (1 Block) und den Manipeln (zu viele Blöcke). Und diese Zwischenlösung hieß Kohorte. In einer Kohorte wurden 480 Soldaten vereinheitlicht. Somit bestand eine Legion nicht mehr aus 30 Manipeln sondern aus 10 Kohorten, welche deutlich leichter zu steuern waren.

Die Kohorten boten mehr Masse und somit mehr Durchschlagskraft. Gerade gegen die makedonische Phalanx oder die numidische Reiterei war das entscheidend. Die Heeresreformen des Marius (107 v. Chr.) richtete sich klar an der Kohortenstruktur aus. Die alte Dreiteilung (Hastati, Principes, Triarii) entfiel.

Eine Kohorte konnte eigenständig kämpfen, ein Gelände halten oder durchbrechen, als Stoßtrupp eingesetzt werden oder als Reserve dienen. Die Kohorte war somit eine Mini-Legion.

Außerdem ließ sich die Kohorte wunderbar mit Auxiliartruppen kombinieren. So konnten Bogenschützen, Schleuderer und Kavallerie integriert werden und die ganze Legion wurde taktisch viel variabler.

Schildkrötenformation (testudo)

Die Schildkrötenformation (testudo) war eine Belagerungstaktik der Römer. Dabei stehen die Soldaten dicht nebeneinander. Die äußeren Reihen heben ihre Schilde und schützen so vor allen Angriffen von vorn, von hinten und von den Seiten. Zeitgleich heben die mittleren Reihen ebenfalls ihre Schilde über den Kopf und schützen so die Formation vor Angriffen von oben.

Nachstellung einer Schildkrötenformation (testudo), Von Neil Carey https://www.flickr.com/photos/ncarey/ - https://www.flickr.com/photos/ncarey/144042243/, <a rel="nofollow noopener" target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2428371

Nachstellung einer Schildkrötenformation (testudo)

Die Römer verwendeten diese Formation bei der Belagerung von Alesia (52 v. Chr.), der Belagerung von Jerusalem (70 n. Chr.), Belagerung von Masada (73/74 n. Chr.) und der Belagerung von Dura Europos (3. Jahrhundert n. Chr.).

Aber die Schildkrötenformation ist eine reine Defensivhaltung und eignet sich nicht bei Angriffen. Sie schützt vor Pfeilen und Wurfspeeren. Aber sobald die Formation durchbrochen wurde, muss die durchbrochene Reihe aufgefüllt werden. Und dies kostet enorme Koordination und Disziplin. Außerdem ist die Formation anfällig gegen schwere Geschosse (z. B. Ballisten).

Warum war die römische Armee so erfolgreich?

Die römische Armee war kein Haufen von Soldaten, sondern ein lebendiges System mit klarer Führung, eiserner Disziplin und festen Strukturen (Manipel, Kohorten, Legionen). Die Römer haben ein Gefecht nicht als reine Auseinandersetzung sondern als Kunstform begriffen. Und zu dieser Kunstform gehörten Feinabstimmung zwischen den Truppenteilen, Einbindung fremder Kompetenzen (Auxiliartruppen) und die Versorgung auf besten Nachschubwege.

Aufgrund ihrer Ausdehnung und ständigen Kriege waren die Römer nicht nur Meister des Krieges sondern auch Meister der Logistik. Keine andere Macht der Antike investierte so systematisch in Infrastruktur. So wurden überall Nachschubwege, Straßen und Militärlager errichtet. Wollte man den Feind umzingeln, baute man Straßen um den Feind herum.

An diesen Straßen entstanden Zwischenlager und Militärstützpunkte. Und so hatte man schnell neue Aufmarschgebiete mit einer stetigen Truppenstärke aufgebaut. So konnte die Armee über weite Strecken operieren, dauerhaft versorgt werden und selbst in Wintermonaten eine Belagerung halten. Die einzelnen Taktiken (Kohorte, Manipel) ließen Möglichkeiten zur Veränderung und Anpassung zu, wodurch sie schnell und flexibel auf dem Schlachtfeld reagieren konnten.


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