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Gadara


Kolonnadenstraße in Gadara, Bildnachweis: Kathryn Sullivan/shutterstock.com

Kolonnadenstraße in Gadara

Gadara war in der Antike eine griechisch-römische Stadt auf dem Gebiet des heutigen Jordanien. Unter den Römern wurde der Ort zur Dekapolisstadt. Die Stadt lag auf einem Hochplateau in der Nähe der heutigen Kleinstadt Umm Qais. Heute sind nur noch die Ruinen der Stadt erhalten, welche touristisch besucht werden können.

In Sichtnähe von Gadara liegt der See Genezareth und die israelische Stadt Tiberias. Außerdem ist Gadara der Schauplatz einer Bibelerzählung aus dem Neuen Testament. Laut dem Matthäusevangelium soll Jesus von Nazareth einen besessenen Gadarener geheilt haben.

Steckbrief

Karte Jordaniens mit Zielen für Touristen

Touristen-Karte Jordaniens mit Gadara im Norden


Gadara
Alternativnamen:Gedaris
Gründung:vor dem Jahr 218 v. Chr.
Lage:Norden Jordaniens
Koordinaten:32°39′23,54"N 35°40′39,65"E
Sehenswürdigkeiten im antiken Gadara
Cardo Maximus:kolonnadierte Hauptstraße
Westtheater:antikes Theater mit Blick auf den See Genezareth
Nymphäum:Brunnen zur Trinkwasserversorgung und römisches Bad
Ruinen:Basalt- und Kalksteinruinen
Touristische Ziele im modernen Umm Qais
Museum:Archaeological Museum of Umm Qais mit Ausstellungen aus römischer, byzantinischer und islamischer Zeit
Gadara Aqueduct:Teil eines über 100 km langen römischen Wasserleitungssystems
Bedeutende Persönlichkeiten
Menippos:griechischer Schriftsteller aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
Meleagros:griechischer Schriftsteller aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr.
Philodemos:hellenistischer epikureischer Philosoph, lebte zwischen 110 und 40 v. Chr.
Theodorus:griechischer Rhetoriker des 1. Jahrhunderts v. Chr. , gründete in Gadara eine rhetorische Schule
Demetrius:einflussreichster und bekanntester Freigelassener aus Gadara des 1. Jahrhunderts v. Chr.
Philo:Mathematiker, berechnete im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. einen ziemlichen genauen Wert von Pi (Kreiszahl)
Oenomaus:zynischer Philosoph des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Apsine:griechischer Rhetoriker aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.

Zeittafel, Chronologie

Jahr
Ereignis
um 333 v. Chr. Während des Alexanderfeldzug wird Gadara von den Makedonen erobert und zur makedonischen Festung.
323 v. Chr.Nach dem Tod Alexander des Großen wird die Region ein Teil des Ptolemäerreiches (Ptolemäer: griechisch-makedonische Dynastie).
218 v. Chr.Der griechische Historiker Polybios beschreibt Gadara als "stärksten Ort der Region".
um 200 v. Chr.Antiochos III. erobert die Region und integriert diese ins Seleukidenreich (griechisch-makedonische Dynastie).
um 100 v. Chr. Die Hasmonäer (jüdische Dynastie), unter Führung von Alexander Jannäus, erobern die Region und integrieren diese ins Hasmonäische Königreich (Judäa).
64/63 v. Chr.Der Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus erobert die Stadt für die Römer und macht den Ort zum Bestandteil der Dekapolis.
um 30 v. Chr.Gadara und andere Städte der Region Judäa werden dem jüdischen Klientelkönig Herodes unterstellt. Zuvor hatte Kaiser Augustus den Herodianer als König von Judäa bestätigt. Innerhalb des Herodianisches Königreich etabliert Herodes fünf Konzilien und fünf Reichsteile, welche von Räten regiert werden. Gadara wird Sitz einer solchen Räteversammlung.
4 v. Chr.Nach dem Tod von Herodes dem Großen wird Gadara eine bedeutende Stadt in der römischen Provinz Syria.
106 n. Chr.Unter Kaiser Trajan wird Gadara eine Stadt der römischen Provinz Arabia Petraea.
2. JahrhundertDas Gadara-Aquädukt entsteht und versorgt einige Städte der Dekapolis mit Trinkwasser.
395 n. Chr.Mit der Teilung des Römischen Reichs wird Gadara ein Teil des Oströmischen Reiches (später: Byzantinische Reich).
636Nach der Niederlage in der Schlacht am Jarmuk verlieren die Byzantiner ihre Besitztümer in Syrien und Palästina. Gadara gerät unter islamische Kontrolle.
749 Die ganze Region wird durch ein Erdbeben zerstört. Danach wird Gadara nicht wieder aufgebaut und Siedler verlassen sukzessiv den Ort.

Welche archäologischen Funde wurden in Gadara gemacht?

Gadara liegt ganz in der Nähe der Siedlungsstätte Tall Zira’a (deutsch: Hügel der Landwirtschaft), welche vor 5.000 Jahren erstmals besiedelt wurde. Die archäologische Erforschung zeigt, dass die Region um Tall Zira’a bereits in der Steinzeit besiedelt wurde und in der frühen Eisenzeit aufgegeben wurde.

Eisenzeit

In der späten Eisenzeit besiedelten die Israeliten das Gebiet, welches zur alttestamentlichen Zeit dem Königreich Israel unterstand. Als dann im 9. Jahrhundert v. Chr. die Region von den Aramäern und dann ein Jahrhundert später von den Assyrern erobert wurde, war das ganze Gebiet nur noch von dörflichen Siedlungen geprägt.

Aus der Perserzeit (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.) stammen Keramikscherben, aber es fehlt jegliche Architektur. Seit 2001 erfolgt die archäologische Erforschung von Gadara und Tall Zira’a im Rahmen des Gadara Region Projects.

Hellenistisch-römische und byzantinischen Zeit

Das Stadtbild der heute sichtbaren Ruinenstadt Gadara stammt aus der römischen Zeit. Die Stadt wurde von den Römern idealtypisch nach griechisch-römischer Stadtplanung angelegt. Dazu gehören zwei Theateranlagen, darunter das berühmte Westtheater aus schwarzen Basalt.

römische Theater von Gadara

römische Theater von Gadara

Ebenfalls typisch für römisch-griechische Urbanistik ist die Hauptstraße mit Säulenreihen (Kolonnaden), welche in römischen Städten als Cardo Maximus bezeichnet wird.

Römische Straße (Cardo Maximus) in Gadara, Bildnachweis: Nataliya Nazarova/shutterstock.com

Römische Straße (Cardo Maximus) in Gadara

Daneben existieren Monumentalbauten aus der römischen Zeit, welche das städtische Leben widerspiegeln. Dazu gehören die Thermen, das Nymphäum und diverse Tempelreste.

Ruinen des Nymphäums von Gadara, Bildnachweis: Kasbah/shutterstock.com

Ruinen des Nymphäums von Gadara

Die Stadtmauern, Stadttore und andere Befestigungsanlagen stammen aus der byzantinischen Zeit.

Wie wurde Gadara zur Dekapolis-Stadt?

Zunächst eroberten die Griechen bzw. Makedonen im 4. Jahrhundert v. Chr. den Nahen Osten, Teile Nordafrikas, Mesopotamiens und Zentralasiens. Der große Eroberer dieser Zeit war Alexander der Große, welcher dann in den eroberten Gebieten diverse Stützpunkte und Städte errichten ließ.

Alexanderreich (Baktriens Eroberung zwischen 330–327)

Karte des Alexanderreichs

Die Städte der Makedonen wurden nach griechischen Vorbild gebaut und sollten den Hellenismus in diesen Gebieten kulturell ausweiten. Zu diesen griechisch-hellenistischen Städten Jordaniens gehörten Gadara, Philadelphia oder Gerasa.

Nach dem Tod von Alexander (323 v. Chr. ) wurde das Alexanderreich unter seinen Generälen (Diadochen) aufgeteilt. Große Diadochenreiche waren das Ptolemäerreich in Ägypten oder das Seleukidenreich in Westasien und Südosteuropa.

Diadochenreiche

Die hellenistischen Nachfolgerreiche Alexanders (Diadochenreiche)

Beide Reiche (Ptolemäer, Seleukiden) kontrollierten zeitweise die Region um Gadara bis zum Aufstieg der Römer. Denn im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. begann Rom seine Expansion in den Mittelmeerraum, eroberte Karthago, das westliche Mittelmeer und schließlich auch den östlichen Mittelmeerraum (Nahen Osten).

Und im Jahr 63 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus das Jerusalemer Gebiet, nachdem ein innerer Machtkampf der Hasmonäer die Römer eingeladen hatte. Nun errichteten die Römer ein System der Zehnerstädte (Dekapolis) in den hellenistischen Städten. So wurden Philadelphia, Gadara oder auch Gerasa zu Vasallenstaaten Roms, genossen aber den Schutz der Römischen Republik (spätere Römische Reich).

Die 10 Orte der Dekapolis, Von Nichalp - Eigenes Werk, <a rel="nofollow noopener" target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=94343

Gadara im Städte-System der Dekapolis

Die Städte wurden über Römerstraßen miteinander verbunden, wodurch Handel und Informationsaustausch florierte. Gleichzeitig waren diese Dekapolisstädte weitestgehend unabhängig, hatten eine eigene Verwaltung und Münzprägung. Dadurch war ein kultureller und wirtschaftlicher Aufstieg möglich, weshalb die Dekapolisstädte umliegende Dörfer und Regionen kontrollierten.

Welche römischen Ruinen sind in Gadara erhalten?

Die römischen Ruinen Gadaras stammen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Heute noch sichtbar sind die Ruinen von drei großen Theateranlagen, die kolonnadierte Hauptstraße, eine römische Basilika, das Nymphäum, Reste der antiken Stadtmauer, Ruinen der einstigen Wohnanlagen und Werkstätten sowie einige Tempelreste.

Römische Theater

In Gadara existieren drei römische Theateranlagen. Das bekannteste ist das Westtheater, dessen Ruine noch verhältnismäßig gut erhalten ist. Es besteht aus schwarzen Basalt und von den Theaterplätzen kann man den See Genezareth erblicken.

antike Theater von Gadara

antike Theater von Gadara

Eingebettet ist das Westtheater in den Westabhang der Akropolis. Seine Sitzstufen bieten Platz für etwa 3.000 Zuschauer. Die jeweiligen Sitzreihen verteilen sich auf drei Stockwerke, welche keilförmig angelegt sind. Das Westtheater wurde beim Erdbeben von 749 teilweise zerstört.

Ruinen des Westtheaters von Gadara, Bildnachweis: Kasbah/shutterstock.com

Ruinen des Westtheaters von Gadara

Das größere Theater war das Nordtheater, welches Sitzplätze für etwa 6.000 Zuschauer bot. Die Ruinen eines dritten Theaters, welches deutlich kleiner als die beiden anderen war, existieren heute kaum noch.

Cardo Maximus

Der Cardo Maximus war die Hauptstraße von Gadara, welche die Stadt in Nord-Süd-Richtung durchzog. Entlang der Straße wurden Säulenreihen errichtet, welche heute teilweise noch erhalten sind. Am Rand der Straße wurden Werkstätten, Läden und öffentliche Gebäude errichtet – wie es typisch war in römischen Städten. Die Straße verläuft zwischen dem Westtheater und dem Ostteil der Stadt. Da der Straßenverlauf leicht erhöht ist, können Besucher das Yarmouk Tal und den See Genezareth erblicken.

Der Cardo Maximus (Hauptstraße) von Gadara, Bildnachweis: Nataliya Nazarova/shutterstock.com

Der Cardo Maximus (Hauptstraße) von Gadara

Nymphäum

Ein Nymphäum gehörte zu den repräsentativen Elementen einer römischen Stadt, hatte aber auch ein funktionellen Wert. Denn es diente der Trinkwasserversorgung. Das Nymphäum von Gadara hatte eine mehrstöckige Fassade mit Säulenarchitektur. Im unteren Bereich stand ein Trinkbrunnen. Verziert war das Nymphäum mit Muscheln, Reliefs und Statuen – was typisch war für diese römischen Gebäude.

Gadara Nymphäum, Bildnachweis: Keilholz/shutterstock.com

Gadara Nymphäum

Das Nymphäum befand sich direkt an der Cardo Maximus und war ein zentraler Ort des urbanen Stadtkerns. Hier kam man zusammen, um sich auszutauschen. Demnach waren solche Bauten nicht nur für die Trinkwasserversorgungen nötig oder als Prunkelement römischer Ingenieurkunst von Bedeutung, sondern dienten auch dem sozialen Austausch und Zusammenlebens.

Welche griechischen Gebäude wurden in Gadara entdeckt?

Im Jahr 2017 entdeckte man die Reste eines antiken Tempels in Gadara aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.. Der Tempel stammte demnach aus der hellenistischen Zeit und wurde bereits von den Makedonen (Griechen) erbaut. Man glaubt, dass dieser Tempel einst dem Meeresgott Poseidon gewidmet war. Die Tempelanlage bestand aus einer Vorhalle (Pronaos), einem Podium und einem Hauptraum (Naos). Außerdem wurden am Tempel diverse Keramikfragmente aus der hellenistischen Epoche gefunden.

Welche Kirchen wurden in Gadara entdeckt?

Bei Grabungen, welche seit 1974 vollzogen werden, wurde eine oströmisch-byzantinische Kirche freigelegt. In der Spätantike und dem Frühmittelalter war Gadara wohlmöglich der Sitz eines Suffraganbischofs, der dem Bischof von Scythopolis unterstellt war.

Kirchenterrassen von Gadara, Bildnachweis: Hamdan Yoshida/shutterstock.com

Kirchenterrassen von Gadara

Welche Bedeutung hatte Gadara in der Bibel?

Das Matthäusevangelium im Neuen Testament der Bibel beschreibt, wie Jesus einen Gadarener bzw. Gergesener heilt. Laut Matthäus 8 war der Mann von einem unreinen Geist besessen, welchen Jesus vertreibt. Der Dämon (unreine Geist) fährt nach der Austreibung in eine Schweineherde, welche dann ins Wasser stürzt und ersäuft.

Bibelszene: Jesus spricht mit dem besessenen Gerasener

Bibelszene: Jesus spricht mit dem besessenen Gadarener

Die Bibelerzählung zeigt, dass der Ort oder die Region jenseits des Jordans für Juden unheilig war. Demnach steht Gadara symbolisch für Heidentum und Unreinheit. Gleichzeitig zeigt die Szene aber auch, dass Jesus dieses Gebiet heilen kann und er Macht über Dämonen besitzt. Dadurch wird eindrucksvoll demonstriert, dass sich die Lehren Jesu auch auf heidnischem Gebiet ausbreiten lassen.


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