Frontier-Zeit und Westexpansion der USA
Die Frontier der USA war die Grenze der europäischen Siedler in Nordamerika. Allerdings war diese Grenze keine Grenzlinie, sondern eher eine Grenzzone oder ein Grenzland. Diese Grenze wurde bis 1890 immer weiter nach Westen verschoben, was zu Grenzkonflikten mit einheimischen Indianerstämmen führte.
Die Frontier-Zeit in Nordamerika begann 1620 mit der Landung der Pilgerväter und endete 1890 mit der Auflösung des Indianerterritoriums.
Zu Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775) verlief die Siedlungsgrenze der Europäer nur wenige hundert Kilometer westlich der Atlantikküste. Dahinter lag der sogenannte Wilde Westen.
Nachdem die Amerikaner den Unabhängigkeitskrieg 1783 gewonnen hatten, trat Großbritannien sämtliche Gebiete südlich der Großen Seen ab. Fortan erstreckte sich das Gebiet der USA bis an den Mississippi. Nun begann die eigentliche Westexpansion der USA.
Während man zur Zeit der Gründerväter in den USA noch die US-Verfassung schrieb und damit einen Lebensstil politisch zementierte, wollten die Amerikaner zur Frontier-Zeit jenen Lebensstil nach Westen tragen. Der erste Frontier-Präsident der USA war Andrew Jackson (reg. 1829-1837). Unter ihm wird das neue Amerika expansiver, demokratischer und individualistischer.
Bis 1848 hatte man den amerikanischen Westen entweder gekauft, annektiert, erobert oder zugesprochen bekommen. Das Gebiet der USA erstreckte sich fortan von der Atlantikküste im Osten bis zur Pazifikküste im Westen.
1890 erklärte die amerikanische Zensusbehörde die Zeit der Frontier offiziell als beendet. Der amerikanische Westen war mit Straßen und Eisenbahnlinien durchzogen, galt als besiedelt bzw. zivilisiert. Außerhalb der Indianerreservate gab es praktisch keine Gebiete mehr, in denen keine Einwanderer lebten.
Für das Selbstverständnis der USA war die Frontier-Zeit äußerst bedeutend. Denn die Erkenntnis aus eigener Kraft den Wilden Westen bezwingen zu können, war für die amerikanische Gesellschaft äußerst prägend und identitätsstiftend.
Die Indianerkriege endeten im Dezember 1890 mit dem Massaker von Wounded Knee, welches den Widerstand der Prärie-Indianer endgültig brach.
Inhalt
- 1 Steckbrief, Zeittafel mit Landkarten
- 2 Was bedeutet „Frontier“ in der US Geschichte?
- 3 Wer lebte im Grenzraum?
- 4 Was ist die Frontier These von Frederick Jackson Turner?
- 5 Wie beeinflusste die Frontier die amerikanische Gesellschaft?
- 6 Warum kam es zur Westexpansion der USA?
- 7 Wie hängt die Westexpansion mit Manifest Destiny zusammen?
- 8 Warum konnte sich die Frontier so schnell nach Westen ausdehnen?
- 9 Wo verlief die Frontier zu Beginn der Kolonialisierung Nordamerikas?
- 10 Welche Frontier-Konflikte gab es zu Beginn der Kolonialisierung Amerikas?
- 11 Warum glaubten die Kolonisten, dass sie die Indianer Virginias auslöschen sollten?
- 12 Welche europäischen Kolonialmächte kämpften an der amerikanischen Frontier?
- 13 Welche Auswirkungen hatte der King Philip’s War?
- 14 Welche Auswirkung hatten die Franzosen- und Indianerkriege auf die Frontier?
- 15 Welche Gebiete bekam die USA nach Ende des Unabhängigkeitskrieges?
- 16 Welche Bedeutung hatte der Louisiana Purchase für die Frontier?
- 17 Warum haben die USA die Republik Texas annektiert?
- 18 Welche Probleme entstanden durch die Westexpansion der USA?
- 19 Was versteht man unter dem Frontier-Mythos?
- 20 Warum ist die Frontier-Ideologie heute noch wichtig für die USA?
Steckbrief, Zeittafel mit Landkarten
| Übersetzung: | Grenze, Grenzgebiet, Grenzraum |
| Bedeutung: | Grenzgebiet in Nordamerika zwischen den USA (Zivilisation) und dem Wilden Westen. Ebenfalls definiert als Gebiet, welches zur USA gehörte - aber noch nicht als US-Bundesstaat den Vereinigten Staaten per Gesetz beigetreten war. |
| Zeitraum: | 1800-1890 |
| Davor: | Gründerzeit der USA |
| Danach: | US-Industrialisierung |
| Einbettung: | Amerikanischer Bürgerkrieg (1861-1865) zwischen Unionsstaaten (Nordstaaten) und den Konföderierten Staaten (Südstaaten) Amerikanische Grenzkriege (1609-1890) |
| Merkmale: | -Expansion der USA in den Westen -Verschiebung der Frontier-Linie nach Westen -Kriege mit den Indianern |
| Ideologie: | Manifest Destiny, Amerikanische Exzeptionalismus, Amerikanische Expansionismus |
| Meriwether Lewis & William Clark: Leiter der Lewis und Clark Expedition nach Westen (1804-1806) | |
| Daniel Boone: Grenzgänger und Gründer von Siedlungen in Kentucky, wurde zur Symbolfigur des frühen Westens | |
| Kit Carson: Trapper und Scout |
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| Wyatt Earp: Sheriff und Teilnehmer der Schießerei am O.K. Corral im Arizona-Territorium | |
| Jesse James oder Billy the Kid: zwei Outlaws, welche später zur Legende verklärt wurden | |
| Geronimo: Anführer der Apachen im Kampf gegen US‑ und mexikanische Truppen | |
| Sitting Bull: Anführer der Hunkpapa-Lakota-Sioux, Sieger bei der Schlacht am Little Bighorn (1876) | |
| Crazy Horse: Anführer der Lakota-Indianer | |
| Buffalo Bill Cody: Scout und späterer Showmen, der den Frontier‑Mythos weltweit verbreitete. | |
| Thomas Jefferson: Dritter Präsident der USA und Initiator des Louisiana‑Kaufs, der die Frontier massiv erweiterte. | |
| Andrew Jackson: Siebenter US-Präsident und Symbolfigur des Frontier‑Demokratismus (Demokratisierung des amerikanischen Westens mit expansiven Methoden) | |
| James K. Polk: Elfter Präsident der Vereinigten Staaten während der großen Westexpansion (Mexikanisch‑Amerikanischer Krieg). | |
| Lederstrumpf-Romane von James Fenimore Cooper (1789–1851) | |
| Durch Dick und Dünn von Mark Twain (1835-1910) | |
| The Luck of Roaring Camp von Francis Bret Harte (1836-1902) | |
| Der Virginier von Owen Wister (1860-1938) | |
| Der weite Himmel von Howard Hawks (1896-1977) | |
| 1783 | Durch den Frieden von Paris (Ende des Unabhängigkeitskrieges) bekommen die ehemaligen Dreizehn Kolonien Nordamerikas das Ostgebiet der USA bis zum Mississippi-River zugesprochen. Die Proklamationslinie von 1763, welche die Briten als Siedlungsgrenze gezogen haben, entfällt. |
| 1795 | Im Vertrag von Greenville überlassen mehrere Indianerstämme den Vereinigten Staaten große Teile des heutigen Bundesstaats Ohio. |
| 1803 | Der Louisiana Purchase schafft die Grundlage für die Frontier-Bewegung nach Westen. |
| 1819 | Adams-Onís-Vertrag: Spanien verkauft seine Kolonien Ost- und Westflorida für 5 Millionen Dollar an die USA. |
| 1845 | Die USA annektieren die Republik Texas, was den Amerikanisch-Mexikanischen Krieg auslöst. |
| 1846 | Großbritannien tritt im Zuge des Oregon-Kompromisses das Oregon-Territorium an die USA ab. |
| 1848 | Am Ende des amerikanisch-mexikanischen Krieges tritt Mexiko das Gebiet des heutigen Kalifornien an die USA ab. |
| 1853 | Die USA kaufen Grenzgebiete zu Mexiko (Gadsden-Kauf). |
| 1867 | Die USA kaufen für 7,2 Millionen Dollar das Territorium Alaskas von Russland. |
| 1898 | Die Vereinigten Staaten annektieren die Republik Hawaii. Das Gebiet wird am 14. Juni 1900 zum 50. Bundesstaat der USA. |
| 1959 | Alaska wird als 49. Bundesstaat in die Union aufgenommen. |
Was bedeutet „Frontier“ in der US Geschichte?
In der US-Geschichte ist die Frontier jener Grenzraum, welcher zwischen den europäischen Siedlungsgebieten und den indigenen Territorien Nordamerikas verlief. Frontier war demnach das Grenzgebiet zwischen europäischer Zivilisation und der Wildnis. Dieser Grenzraum war kein fester Strich auf irgendeiner Landkarte, sondern ein dynamisches Grenzgebiet – welches sich immer wieder verschob.
Mit den indigenen Ureinwohnern, welche vor den Europäern in Nordamerika lebten, hatte man keinen Grenzvertrag geschlossen – so dass man keine Karte mit einer klaren Grenze zeichnen konnte. Dadurch ergab sich für europäisch-amerikanische Siedler immer die rechtliche Möglichkeit entlang der Frontier, eine neue Heimat zu suchen.
Die Zensusbehörde der USA definierte das Frontier-Gebiet als im Allgemeinen unbesiedeltes Land mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als 2 Personen pro Quadratmeile. Dies entspricht etwa 0,77 Personen pro Quadratkilometer. Die Frontier-Linie markierte dann die äußere Grenze der europäisch-amerikanischen Besiedlung eines solchen Gebietes. Als Westen bezeichneten die Amerikaner jene Siedlungsgebiete, welche entlang dieser Grenzlinie neu gegründet wurden.
Wer lebte im Grenzraum?
Auf der europäischen Seite der Frontier (Grenzraumes) lebten Siedler, Bauern, Händler und Eisenbahnbauer. Diese werden als Frontiersmen, Frontierswomen oder Pioneers bezeichnet.
Auf der anderen Seite lebten zahlreiche unterschiedliche Indianerstämme, wie die Cherokee, Sioux, Apache, Comanche, Cheyenne oder Powhatan. Zwischen beiden Gruppen kam es zu Handel und kulturellem Austausch. Aber es gab auch Grenzkonflikte, Kriege und Vertreibungen.
Was ist die Frontier These von Frederick Jackson Turner?
Amerika gilt noch heute als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und als Land der Freiheit. Und diese Vorstellungen rühren auch davon, dass das Land für die damaligen Europäer grenzenlos erschien. Diese Tatsache griff Frederick Jackson Turner auf und formulierte daraus eine Theorie.
Laut seiner Theorie machten die Kolonisten an der Grenze eine sogenannte Frontiererfahrung. Die ständige Bewegung der Siedler, welche nach Westen zogen, ließ in ihnen ein Gefühl von Pragmatismus, Individualismus, Innovationskraft und Selbstständigkeit reifen. Von diesen Gefühlen bzw. Erfahrungen wurde die amerikanische Gesellschaft beflügelt und letztlich auch geformt (siehe nächster Abschnitt).
Wie beeinflusste die Frontier die amerikanische Gesellschaft?
Der amerikanische Westen bot kostenloses Land, erzeugte ein Gefühl von Chancengleichheit und grenzenloser Freiheit. Dies förderte den Optimismus, den Glauben an Fortschritt und Expansion sowie ein zukunftsorientiertes Denken.
Wenn die Kolonisten an irgendeiner Stelle nicht zurechtkamen, zogen sie weiter zur Frontierlinie und suchten ihr Glück dahinter. Genug Land war für alle da. Unter diesen Umständen wuchs bei den Amerikanern ein Gefühl von Selbstbestimmung, Risikobereitschaft, Zielorientierung und Sorgenfreiheit.
Letztlich bewirkten diese Gefühle, laut Turner, dass demokratisches Denken und ein Gemeinschaftssinn in den Köpfen der Amerikaner reifen konnte. Die Frontier sei daher ein Demokratiegenerator gewesen.
Die USA waren das erste Staat der Moderne, welcher auf eine Demokratie als Regierungsform setzte. Diese freiheitlichen Gedanken zogen neue Siedler an, welche sich von der Alten Welt abwandten und in der Neuen Welt ihr Glück suchten.
Doch wer dort zurechtkommen wollte, musste tüchtig sein, in Möglichkeiten denken und schließlich den Willen aufbringen, diese Möglichkeiten auch umzusetzen. Die USA wurden so zu einem Land der Tüchtigen, der Zukunftsdenker, der Freigeister, der Abenteurer und der Unternehmungslustigen.
Laut Turner waren es die Frontier-Erfahrungen, welche die Europäer zu Amerikanern machten, deren Werte auf Gleichheit, Demokratie und Optimismus, aber auch auf Individualismus , Selbstständigkeit und sogar Gewaltbereitschaft beruhten.
Heutige Amerikaner wissen, dass ihre Vorfahren das ganze Land und damit auch die ganze Wildnis mit Planwagen und Kutsche erobert hatten. Diese Tatenkraft und dieser Unternehmergeist wurde Teil der nationale Identität der USA.
Warum kam es zur Westexpansion der USA?
Die europäischen Siedler wurden immer mehr. Denn in Europa erhofften sich viele einen Neuanfang im grenzenlosen Amerika. Dementsprechend kamen immer mehr europäische Siedler in die Kolonien.
Lebten 1620 etwa 2.300 Kolonisten in Nordamerika, stieg die Zahl bis 1700 auf etwa 250.000 an. In den 1750-er Jahren lebten bereits 1,17 Mio. Kolonisten in Nordamerika und diese Zahl verdoppelte sich bis zum Ende des Jahrhunderts. Um 1850 lebten schätzungsweise 23 Mio. Amerikaner mit europäischen Wurzeln in Nordamerika. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren es knapp 63 Mio. Einwohner.
Die Neuankömmlinge wollten natürlich auch Land und drangen deshalb immer weiter nach Westen vor. Demnach verschob sich die Siedlungsgrenze und damit auch die Frontier immer weiter nach Westen. Der unstillbare Landhunger der Kolonisten bewirkte, dass sie die Gebiete der Indianer beanspruchten – was zu Grenzkonflikten führte.
Die Frontier war demnach der Raum, in welchem sich die Westexpansion abspielte. Dabei war der Prozess immer der gleiche. Die Siedler sickerten ins Grenzland bzw. in ein dünn besiedeltes Gebiet entlang der Frontier-Linie ein, wuchsen zur Mehrheit heran und erklärten dann ihre Unabhängigkeit. Dann ließ sich das unabhängige Gebiet von den Vereinigten Staaten eingemeinden. Noch nie haben so viele Menschen in so kurzer Zeit so viel Land besetzt, besiedelt und bebaut.
Wie hängt die Westexpansion mit Manifest Destiny zusammen?
Die Manifest Destiny war eine Ideologie der Amerikaner, welche darauf basierte – dass die amerikanische Lebensweise nach Westen getragen werden müsse. Laut dieser Ideologie waren die Amerikaner dazu bestimmt, sich westwärts über ganz Nordamerika auszudehnen. Demnach wurde die Westexpansion der USA durch die Manifest Destiny moralisch und auch religiös gestützt, gefördert und befeuert.
Begründet wurde diese Ideologie durch den Glauben an die amerikanische Sache und der Überlegenheit der weißen Zivilisation gegenüber der indigenen Kultur. Diese Form von Chauvinismus gilt als früheste Form des amerikanischen Imperialismus. Laut dem Historiker William Earl Weeks gab es drei Grundannahmen für die Manifest Destiny:
- Superiorität: Die amerikanische Nation war moralisch überlegen.
- Patriotismus: Die Welt würde durch die amerikanische Lebensweise erlöst werden.
- Gotteswille: Die Westexpansion sei das göttlich vorgegebene Schicksal der amerikanischen Nation.
Warum konnte sich die Frontier so schnell nach Westen ausdehnen?
Die Neue Welt glich einem Paradies für Abenteurer und für Gescheiterte, welche in Übersee nach einem Neuanfang suchten. Dies zog mehr Menschen an, welche einen enormen Tatendrang entwickelten. Amerika war der Platz für Menschen, welche ihr Glück suchten und für diesen Traum bereit waren, Risiken einzugehen.
Riesige Mengen an Ressourcen
Das Land bot alles im Überfluss. Es gab Böden in sämtlichen Klimazonen, ideal für den Anbau von Weizen bis Baumwolle. Zudem gab es Bodenschätze, wie Kohle, Erdgas, Erdöl und Eisenerze. Das Gold lockte Abenteurer an und löste einen regelrechten Goldrausch aus.
Ungestörte Entwicklung
Im Osten und im Westen sind die USA von etwa 8.000 Meeresküste umgeben, was ideal für den Ausbau von Häfen war und somit Seefahrt und den Handel mit Übersee begünstigte. Gleichzeitig schützte der Ozean sie vor ungebetenen Gästen.
Im 19. Jahrhundert war Kanada im Norden noch nicht dicht besiedelt, weshalb auch von dort keine Gefahr drohte. Der Süden mit Mexiko bot ebenfalls kaum Gefahren, weshalb sich die Amerikaner ungestört entwickeln durften.
Keine Kontrahenten
Die weißén Amerikaner konnten ein riesiges Land in Besitz nehmen, welches ihnen leer und grenzenlos erschien. Nur ein paar Indianer lebten dort, ansonsten nur Weite und ein unendlicher Raum für einen Neubeginn.
Die Indianer galten in ihren Augen als zivilisatorische Unterlegene, welche man entweder bekehren, verdrängen oder ausrotten sollte.
Ernstzunehmende Kontrahenten waren nur die europäischen Kolonialmächte, wie Spanien oder Frankreich, welchen neben den Briten in Nordamerika ebenfalls Kolonien hatten.
Aber nach der amerikanischen Unabhängigkeit von Großbritannien hatten die Amerikaner einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Spaniern und Franzosen. Denn sie waren Amerikaner und die beiden letzteren Nationen blieben Europäer. So hatten die Europäer lediglich Besitztümer in der Neuen Welt, doch die Amerikaner hatten eine Heimat. Besitz kann man verkaufen, sogar verlieren – Heimat nicht.
So kauften die Amerikaner sich Land von den Russen, von den Franzosen und von Spaniern. Geld war schließlich, aufgrund der riesigen Rohstoffmengen, genug da. Auch Kalifornien sollte von den Mexikanern abgekauft werden. Als diese sich weigerten, begann Gewalt und Krieg.
Ungebremste Siedlerkraft
Amerikas größte Ressource waren die Siedler. Diese kamen aus oben genannten Gründen, aber auch aufgrund des Freiheits-Versprechens, welches die USA abgaben. Freiheit meinte das Land. Gleichzeitig war aber auch die Freiheit von Fürstenwillkür, feudaler Leibeigenschaft, Zunftszwang und konfessioneller Intoleranz gemeint. Europa wurde als religiös-mittelalterliche Enge wahrgenommen, während Amerika die Freiheit und das Freisein in jeglicher Hinsicht versprach.
Wer nach Amerika kam, musste eine Überfahrt in Kauf nehmen und in der Neuen Welt erst einmal zurechtkommen. Demnach kamen bereits nur Menschen nach Amerika, welche an sich und an Amerika als Institution glaubten. Wer sich in Amerika behaupten wollte, musste tüchtig sein, in Möglichkeiten anstatt in Risiken denken und innovativ in der Umsetzung seiner Träume sein. Das Land wurde so zu einer Brutstätte für Gründerdasein und Unternehmertum.
Die Vereinigten Staaten wurde stark, weil sie privater Initiative, Unternehmenslust und persönlichen Wagemut nicht einschränkten, sondern freien Lauf ließen. Während in Europa durch Staaten und Traditionen klare Grenzen gezogen wurden, entfesselte in Amerika die Tatkraft der Siedler einen enormen Erwerbstrieb, welcher das Land über Jahrhunderte beflügelte. Zuerst versprachen die USA weitaus mehr als sie konnten. Doch mit der Zeit konnten sie tatsächlich umsetzen, was sie versprachen.
Der französische Historiker und Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft Alexis de Tocqueville schrieb hinsichtlich der USA:
„Es gibt vielleicht auf Erden kein Land, in dem man so wenig Müßige antrifft wie in Amerika und wo alle Arbeitenden so glühend nach Wohlstand trachten.“
Wo verlief die Frontier zu Beginn der Kolonialisierung Nordamerikas?
In Nordamerika unterhielten die Briten, die Franzosen, die Spanier und die Niederländer diverse Kolonien. Die britische Grenze verlief 1620 bei Jamestown in Virginia. Bis 1732 kamen weitere britische Kolonien hinzu, deren territoriale Ausdehnung sich auf mehrere hundert Kilometer westlich der Atlantikküste beschränkte.
Welche Frontier-Konflikte gab es zu Beginn der Kolonialisierung Amerikas?
Die sogenannten Dreizehn Kolonien von Nordamerika waren britisch und wurden zum Vorläufer der späteren USA.
Abenteurer, wie John Smith, schufen erste Landkarten der Grenzregionen um Jamestown und trugen Flüsse, Seen, Landschaften, aber auch die Siedlungsgebiete der indigenen Völker ein. Diese Landkarten wurden von späteren Siedlern genutzt, um weiter ins Grenzland vordringen zu können. Schon zu Beginn der Kolonialisierung Virginias begannen Konflikte mit indigenen Völkern, wie den Powhatan.
Die Jamestown-Kolonie wurde ab 1610 wirtschaftlich, als sich der Tabakpflanzer John Rolfe dort niederließ. Er experimentierte mit einer neuen Tabaksorte und machte den Virginia-Tabak letztlich zum Exportschlager. Durch Rolfes Hochzeit mit Pocahontas, einer Indianer-Prinzessin der Powhatan, wurde der Frieden gewahrt. Doch der Tabakanbau schuf die Grundlage für die Plantagenökonomie mit riesigen Sklavenplantagen. Dieser Umstand befeuerte den Landhunger der Briten.
Warum glaubten die Kolonisten, dass sie die Indianer Virginias auslöschen sollten?
Nach dem Tod von Pocahontas und dem Tod des Powhatan-Häuptlings nahmen die Indianer-Konflikte in Jamestown wieder zu. Das Jamestown-Massaker von 1622 wurde zu einem unumkehrbaren Wendepunkt der britischen Kolonialgeschichte in Nordamerika. Denn ab diesem Zeitpunkt wuchs bei den englischen Siedlern das Bewusstsein, dass mit den indigenen Völkern kein Frieden möglich ist. Danach nutzten die Engländer jene Ereignisse des Jamestown-Massakers zur moralische Legitimation, alle Indianer in Virginia auszulöschen.
Welche europäischen Kolonialmächte kämpften an der amerikanischen Frontier?
Das Siedlungsmuster der Franzosen, Spanier und Niederländer unterschied sich deutlich von den Briten. So siedelten lediglich ein paar tausend Franzosen im heutigen Kanada und ließen sich als Pelzhändler in kleineren Dörfern entlang der Großen Seen nieder.
Die Niederländer gründeten am Hudson River eine Kolonie, namens Nieuw Nederland mit New Amsterdam als Hauptort. Dort errichteten sie ebenfalls Pelzhandelsposten, drangen aber niemals weiter nach Westen vor.
1664 besetzten die Briten die niederländische Provinz und machten aus New Amsterdam die Stadt New York. Fortan nahm der Siedlungsdruck auf die indigene Bevölkerung immer weiter zu.
Welche Auswirkungen hatte der King Philip’s War?
Im Jahr 1675 kam es zu einem Aufstand der indigenen Bevölkerung in Neuengland gegen die englischen Kolonisten. Austragungsort war das südliche Neuengland, wo 1620 die Pilgerväter mit der Mayflower landeten. Der Häuptling der Indigenen wurde von den Briten als King Philip bezeichnet, weshalb der Krieg als King Philip’s War bekannt wurde.
Durch den Krieg starben etwa 2.000 europäische Kolonisten und mindestens doppelt so viele Indigene. Man schätzt, dass vor dem Krieg etwa 20.000 Ureinwohnern in diesem Gebiet lebten. Demnach starben mindestens zehn Prozent der indigenen Bevölkerung. Und schon deshalb gilt dieser Krieg als einer der blutigsten und folgenreichsten Kolonialkriege in der Geschichte Nordamerikas.
Außerdem hatte der King Philip’s War große Auswirkungen auf die Wechselbeziehungen zwischen Kolonisten und den Ureinwohnern Nordamerikas. Denn vor Kriegsbeginn existierten Handels- und Freundschaftsbeziehungen. Diese wurden dauerhaft zerstört.
Ursprünglich kamen die Pilgerväter 1620 nach Massachusetts, um dort eine gottesfürchtige Puritaner-Gemeinde aufzubauen. Mit den Ureinwohner baute man zunächst eine Beziehung auf und versuchte diese zum Christentum zu bekehren. Einer der bekanntesten Missionare war der puritanische Geistliche John Eliot. Viele Indigene ließen sich bekehren. Doch ab den 1660-er Jahren wurde Metacomet der Oberhäuptling der Wampanoag-Indianer, welcher die Ausbreitung der englischen Kolonisten verhindern wollte.
Der King Philip’s War fand bei der Plymouth-Colony (heutige Massachusetts) statt und hatte ganz ähnliche Auswirkungen, wie das Jamestown-Massaker in der Virginia-Colony. In beiden Fällen glaubten die englischen Kolonisten nicht mehr an einen dauerhaften Frieden mit den indigenen Nachbarn. Und in beiden Fällen wurden die Ereignisse so aufbereitet, um eine Vernichtung der Indianerstämme zu legitimieren.

Plymouth-Colony, Massachusetts (gegr. 1620) ist die zweitälteste britische Kolonie nach Virginia (Jamestown, 1607)
Welche Auswirkung hatten die Franzosen- und Indianerkriege auf die Frontier?
Die Franzosen- und Indianerkriege war eine Serie von Kriegen in Nordamerika zwischen Franzosen und Briten. Diese Konflikte, bei denen Indigene auf Seiten der Franzosen und später auch auf britische Seite kämpften, waren vollständig in die europäischen Erbfolgekriege eingebettet. Denn in allen Erbfolgekriegen standen die Briten immer auf der Gegenseite der Franzosen.
So war der King William’s War (1689–1697) das nordamerikanische Pendant zum Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-1697) und der Queen Anne’s War (1702–1713) das Pendant zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714).
Während des Österreichischen Erbfolgekrieges kam es in Nordamerika zum King George’s War zwischen Großbritannien und Frankreich. Der vierte Franzosen- und Indianerkrieg (French and Indian War) fand zwischen 1754 und 1763 statt und war der nordamerikanische Ausläufer zum Siebenjährigen Krieg in Europa.
Als 1763 der French and Indian War mit dem Frieden von Paris endete, bekamen die Briten sämtliche Gebiete der Franzosen bis zu den Großen Seen. Für die Kolonisten bedeutete dies, neues Siedlungsgebiet. Allerdings brach 1763 der Pontiac-Aufstand aus und die britische Regierung war gezwungen, eine Proklamationslinie zwischen ihren Kolonien und dem Indianergebiet zu ziehen.
Jenseits dieser Grenze durften die europäischen Siedler sich nicht niederlassen, was zum Verdruss führte. Denn schließlich fanden die Franzosen- und Indianerkriege für die meisten Amerikaner direkt vor ihrer Haustüre statt. Sie ertrugen die Kriegshandlungen, da ihnen neues Siedlungsgebiet von den Engländern versprochen wurde.
Die Kolonisten nahmen die königliche Proklamation von 1763 als eine Bevormundung oder Verrat wahr, was zu einer Grundlage für die Amerikanische Revolution (ab 1764) wurde. Unter dieser Prämisse war die Verabschiedung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 auch eine Loslösung von der englischen Siedlungspolitik.
Welche Gebiete bekam die USA nach Ende des Unabhängigkeitskrieges?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Am Ende des Krieges (1775-1783) akzeptierte Großbritannien die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten. Im Frieden von Paris (1783) wurde diese Souveränität festgehalten. Außerdem bekamen die Vereinigten Staaten sämtliche Kolonialgebiete der Briten in Nordamerika bis zum Mississippi zugesprochen. Damit konnten sich die ehemaligen Kolonien jenseits der Proklamationslinie (seit 1763) bis zum Mississippi ausdehnen, wodurch sich die territoriale Fläche des neu gegründeten Staates verdoppelte.
Welche Bedeutung hatte der Louisiana Purchase für die Frontier?
Der Louisiana Purchase war ein Kaufgeschäft der Amerikaner. Bei diesem Kaufgeschäft wurde die französische Kolonie Louisiana für fünfzehn Millionen Dollar bzw. achtzig Millionen französische Franc gekauft. Jenes Gebiet umfasste 2.144.476 km² Fläche, wodurch sich das Staatsterritorium der USA nochmals verdoppelte. Erstmals verschob sich die amerikanische Frontier bis zum Golf von Mexiko.
Der Louisiana-Kauf bewirkte aber noch mehr. Das neue Gebiet erstreckte sich vom Mississippi bis zu den Rocky Mountains. Und genau dieses Territorium sollte später als Frontier bezeichnet werden. Ohne diesen Erwerb hätte es die Westexpansion der USA niemals gegeben. Denn durch den Kauf wurde die Idee einer sich ständig nach Westen verschiebenden Grenze überhaupt erst möglich.
1804 entsandte US-Präsident Thomas Jefferson die Lewis-und-Clark-Expedition nach Westen, um einen Weg bis zur Pazifikküste zu finden. Diese Expedition wurde der symbolische Beginn der Frontier-Erzählung. Expeditionsleiter waren Meriwether Lewis und William Clark. Die Abenteurer dokumentierten die Tierwelt, Landschaften und indigene Völker. Diese Dokumentation ermöglichte, dass die Frontier-Bewegung für Siedler, Händler und das Militär eröffnet werden konnte.
Warum haben die USA die Republik Texas annektiert?
Texas hatte sich 1836 durch die Texas-Resolution von Mexiko losgelöst und war seit dem ein unabhängiger Staat. Da Mexiko mit einer Rückeroberung drohte, suchte die Republik Texas den Schutz der Vereinigten Staaten.
Im Sommer 1845 stimmte Texas einer Annexion zu und am 29. Dezember 1845 wurde Texas offiziell der 28. Bundesstaat der USA. Dies führte zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846-1848). In der Folge erhielten die USA weitere Gebiete Mexikos einschließlich jenes Gebiet, welches heute Kalifornien ist.
Welche Probleme entstanden durch die Westexpansion der USA?
Durch die Westexpansion wurde die Frage nach der Sklaverei immer deutlicher formuliert. Der Norden der USA war weitestgehend sklavenfrei und befürwortete, dass die neu hinzugewonnenen Gebiete ebenfalls keine Sklaverei zulassen sollten. Grund für die sklavenfreie Haltung des Nordens war, dass die Sklaverei im Industriezeitalter als ineffektiv galt, da man qualifiziertere Arbeiter brauchte.
Im Süden der USA gab es Sklavenplantagen, deren Wirtschaftskraft auf die Versklavung von Menschen basierte. Die Sklavenstaaten befürchteten, durch die Aufnahme von neuen sklavenfreien Staaten, im US-Senat immer mehr politische Macht zu verlieren.
Als dann 1820 das in den Norden reichende Missouri-Territorium als Sklavenstaat Missouri in die Union aufgenommen werden sollte, kam es zu einer weitreichenden politischen Debatte zwischen den Nord- und Südstaaten. Man einigte sich auf den Missouri-Kompromiss, wodurch Missouri als Sklavenstaat in die Union aufgenommen wurde, während jeder neue Staat nördlich der Compromise Line (36° 30′ Breitengrad) sklavenfrei werden sollte.
Das Ungleichgewicht zwischen Nord- und Südstaaten spitzte sich immer weiter zu, bis 1860 die Regierungen der Südstaaten ihren Austritt aus den USA erklärten. Sie gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Es kam zum Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), welchen die Nordstaaten (Unionsstaaten) gewannen.
Erst nach dem Krieg wurde die endgültige Abschaffung der Sklaverei in den USA umgesetzt. Der amerikanische Bürgerkrieg wird auch als Sezessionskrieg bezeichnet, da die Abspaltung (Sezession) der Südstaaten der direkte Auslöser des Krieges war.
Was versteht man unter dem Frontier-Mythos?
Der Frontier-Mythos ist ein Narrativ der US-amerikanischen Geschichte, wonach die amerikanische Nation an der Grenze zwischen „Zivilisation“ und „Wilderness“ entstanden sei. Die Frontiererfahrungen sollen die amerikanische Gesellschaft derart geprägt haben, dass typisch amerikanische Ideale genau dort geformt wurden (Mut, Individualismus, Freiheit). Dies entspricht weitestgehend der Frontier These von Frederick Jackson Turner.
Doch Kritiker dieser These sagen, dass dies reiner Mythos ist und nichts mit der historischen Realität zu tun habe. So wird der Wilde Westen romantisiert, die Unterdrückung der Indigenen als freiheitlicher Kulturkampf inszeniert und der eigentliche Landraub vollständig verschwiegen. Weiße Siedler werden als Pioniere dargestellt, welche die Wildnis allein zähmten, sich gegen Feinde und Unwetter behaupteten und inmitten dieser Lebensbedrohlichkeit neue Gesellschaften aufbauten. Jene Erzählungen finden sich in Westernromanen und Filmen.
Mittels Manifest Destiny konnte die Expansion als göttlicher Plan dargestellt werden, bei dem die Amerikaner als auserwähltes Volk auftreten und die amerikanische Sache (gottgewollte Ideologie) in die Welt tragen dürfen.
Kritiker der Frontier-These behaupten, dass die ganze Frontier-Erzählung ein rein amerikanisches Märchen ist, welches aber das Selbstverständnis der Amerikaner bis heute prägt. So wird das Bild eines Self-made-Man entworfen, welcher den amerikanischen Traum verwirklichen konnte. In der politischen Rhetorik finden sich Begriffe wie „new frontier“ und selbst Raumfahrtprogramme werden als „neue Frontier“ bezeichnet. Dadurch soll der amerikanische Self-made-Dream neu belebt werden.
Doch für Kritiker ist die Frontier-These ein reiner Mythos, weil die indigene Perspektive vollständig ausgeblendet wird. Wohlmöglich war es sogar der kulturelle Austausch mit den indigenen Ureinwohnern, welcher eine Besiedlung zwischen beiden Ozeanküsten möglich machte. Auf jeden Fall wird in der amerikanischen Selbsterzählung die Komplexität der Expansion stark reduziert, sogar deutlich verkürzt und die historische Gewalt völlig verharmlost.
Die Indigenen werden als Wilde dargestellt, welche den Frieden, die Harmonie und die Glorreiche Sache der Amerikaner ablehnten und deshalb gewalttätig wurden. Laut amerikanischer Vorstellung habe man sich gegen diese Wilden wehren müssen und ganz nebenbei ihr Land genommen. Demnach ist der Frontier-Mythos lediglich eine kulturelle Selbstbeschreibung und keine objektive Geschichte.
Warum ist die Frontier-Ideologie heute noch wichtig für die USA?
Symbol für Freiheit
Die Frontier steht in der US-amerikanischen Geschichte für Grenzenlosigkeit und Freiheit. Jene Ideale wurden und werden in Werbung gezielt eingesetzt. So wird die Route 66 als Straße beschrieben, in denen die grenzenlose Freiheit heute noch zu finden ist.
Die Zigarettenmarke Marlboro warb mit Cowboys, welche diese grenzenlose Freiheit auslebten. In Fernsehserien wie „Yellowstone“ wird diese freiheitsliebende Lebensweise als Kulturgut der Amerikaner verkauft, welche es zu beschützen gilt.
Die Freiheitsidee, welche an der Frontier möglicherweise entstanden ist, wurde zur amerikanischen Marke. So erklärt sich die USA selbst als Land der Freiheit, als Anführer der Freien Welt und als Bewahrer der Freiheit weltweit (Weltpolizist). Der Cowboy bzw. das Cowgirl stehen für die grenzenlose Freiheit einer Lebensweise. Jegliche Angriffe auf diese Lebensweise (z.B. Waffenverbot) werden als Angriffe auf die Freiheit gewertet.
Ursprung des amerikanischen Traums
Der amerikanische Traum ist, neben der Freiheit, das zweite große Narrativ der US-Geschichte. Gemeint ist, dass sich jedermann in den USA selbst verwirklichen und grenzenlosen Erfolg haben kann. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist demnach eine Keimzelle des Self-Made-Mannes, welcher es vom Tellerwäsche zum Millionär schaffen kann.
Jene Self-Made Idee findet ihren Ursprung im Frontier-Narrativ, wonach die Amerikaner im Grenzgebiet durch Innovationsfreude, Optimismus und durch Tatendrang geformt wurden. Die Kernbotschaft der USA ist demnach (neben der Freiheit) die Möglichkeit zu grenzenlosen Reichtum und Erfolg.
In Filmen und Fernsehserien wird dieser amerikanische Traum inszeniert. Beispiele sind Rocky, The Pursuit of Happyness, The Social Network oder Joy. Wenn Deutschland das Land der Dichter und Denker ist, dann ist Amerika das Land des grenzenlosen Aufstiegs.
kulturelles Leitmotiv für Innovation und Expansion
Während der Frontier-Zeit waren die USA durch die Manifest Destiny ideologisch geprägt. Laut dieser Ideologie war es nicht nur das Recht eines Amerikaners den Westen zu zivilisieren, sondern auch dessen Pflicht. Die Westexpansion war demnach kein freie Entscheidung, sondern eine gottgewollte Pflicht.
Jener Expansionsideologie fühlen sich die Amerikaner bis heute verpflichtet. Zwar werden heute keine Gebiete mehr dazugewonnen, aber Unternehmen müssen expandieren, sich vergrößern, neue Märkte erschließen usw..
Jene Ideen zur wirtschaftlichen Expansion finden sich heute weltweit, haben aber ihre Ursprünge im Liberalismus. Und jener Liberalismus als wirtschaftliche und politische Ideologie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf die europäischen Volkswirtschaften übertragen. Anhänger dieser Ideologie glauben daran, dass der meiste Wohlstand dann erreicht werden würde, wenn jeder Marktteilnehmer seine Gewinnabsichten maximiert. Die Expansion des Gewinns wurde so von einer rein amerikanischen zur weltweiten Sache.
Liberalismus in seiner Reinform greift das Freiheitsnarrativ auf, indem ein Wirtschaftsunternehmen maximale Freiheit genießen sollte. Der Staat gilt hier als Hindernis der wirtschaftlichen Freiheit und dessen Macht sollte daher stets begrenzt werden. Steuern, Abgaben und Gesetze sind für Liberalisten staatliche Instrumente, welche die Freiheit einschränken und somit Erfolg verhindern. Erfolg und Expansion sind im Liberalismus gleichbedeutend.






















