Siebenjähriger Krieg
Der Siebenjährige Krieg war ein globaler Konflikt, welcher 1756 begann und mit dem Frieden von Hubertusburg (1763) endete. Im Krieg beteiligt waren fast alle Großmächte Europas.
Schnell lagerte sich der Kriegsschauplatz auf die Kolonien und Überseegebiete der Europäer aus. Deshalb gehört der Siebenjährige Krieg in die Reihe der Kolonialkriege und wird mitunter auch als erster „Weltkrieg“ der Geschichte bezeichnet. In der amerikanischen Geschichte wird der Krieg in Nordamerika auch als French and Indian War („Franzosen- und Indianerkrieg“) bezeichnet.
Hauptursachen des Krieges waren territoriale Ansprüche zwischen Österreich und Preußen, sowie koloniale Machtkämpfe zwischen Frankreich und England.
Direkte Folgen des Siebenjährigen Krieges waren, dass das Königreich Preußen seinen Platz zwischen den Großmächten Europas bestätigte. Die Engländer gewannen Kolonialgebiete in Nordamerika dazu, welche zuvor den Franzosen gehörten.
Aber der Krieg belastete die Finanzkassen der Staaten, so dass Frankreich wirtschaftlich abstieg, während die Engländer sich über Steuereinnahmen das Geld aus den Dreizehn Kolonien wiederbeschaffen wollten. Diese Steuerpolitik führte zum Verdruss der Kolonisten und mündete schließlich in der Amerikanischen Revolution und der Abspaltung der Kolonien vom britischen Mutterland (Unabhängigkeitserklärung der USA, 1776).
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was war der Siebenjährige Krieg?
- 3 Warum begann der Siebenjährige Krieg?
- 4 Was war der Auslöser des Siebenjährigen Krieges?
- 5 Was war der Startschuss für den Siebenjährigen Krieg?
- 6 Warum kämpften Österreich und Preußen gegeneinander
- 7 Wie trug der anglo-französische Konflikt zum Siebenjährigen Krieg bei?
Steckbrief
| Beginn: | 17. Mai 1756 |
| Ende: | 10. Februar 1763 |
| Dauer: | 6 Jahre, 8 Monate, 3 Wochen und 3 Tage |
| Austragungsorte: | Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, Karibik, Atlantik, Indischer Ozean |
| Ursachen: | territoriale Rivalitäten zwischen Preußen und Österreich sowie koloniale Machtansprüche zwischen England und Frankreich |
| Auslöser: | Streit um Schlesien (Österreich vs. Preußen) und die Diplomatische Revolution (Österreich verbündet sich mit Erzfeinden Frankreich und Russland) |
| Persönlichkeiten: | Friedrich II. von Preußen gegen Maria Theresia von Österreich |
| Großbündnis: | Preußen & Großbritannien gegen Österreich, Frankreich & Russland |
| Einbettung: | anglo-französische Kriege seit 1159, Österreichisch-Preußische Rivalität seit dem Ersten Schlesischen Krieg (1740-1742), |
| preußische Koalition: | Preußen, Großbritannien, Kurhannover (Personalunion zwischen Königreich Hannover und England), Portugal (seit es 1762 von Frankreich und Spanien angegriffen wurde), Braunschweig-Lüneburg, Hessen-Kassel, Schaumburg-Lippe, Ziel Preußens: Verteidigung Schlesiens und Sicherung des Großmachtstatus, Ziel Englands: Schwächung Frankreichs im globalen Kolonialkonflikt |
| französische Koalition: | Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, Sachsen, Spanien (ab 1762 ein Verbündeter Frankreichs), Ziel Österreichs: Rückeroberung Schlesiens, Ziel Frankreichs: Schwächung Großbritanniens in Übersee, Ziel Russlands: Eindämmung preußischer Macht, Ziel Schwedens & Sachsens: regionale Interessen gegen Preußen, |
| Ergebnis: | Sieg der preußischen Koalition |
| 5. Mai 1762: | Frieden von Sankt Petersburg zwischen Preußen und dem Russischen Zarenreich |
| 22. Mai 1762: | Friede von Hamburg zwischen Preußen und Schweden |
| 10. Februar 1763: | Frieden von Paris zwischen Großbritannien und Frankreich (Ende des French and Indian War in Nordamerika) |
| 15. Februar 1763: | Friede von Hubertusburg zwischen Preußen, Österreich und Sachsen |
| Europa: | Status quo ante bellum: territoriale Vorkriegssituation wurde wieder hergestellt |
| Kolonialreiche: | England bekommt die nordamerikanischen Besitztümer Frankreichs östlich des Mississippis dazu, Spanien bekommt die nordamerikanischen Besitztümer Frankreichs westlich des Mississippis dazu, Spanien tritt Florida an Großbritannien ab, Großbritannien tritt Havanna und Manila an Spanien ab, |
| Russland: | keine territorialen Gewinne, aber Zugewinn an Einfluss in Osteuropa |
| Spanien: | bekam Louisiana von Frankreich, gab Florida an Großbritannien, Kolonialreich blieb insgesamt stabil |
| Frankreich: | größter Verlierer des Krieges, verlor fast alle nordamerikanischen Kolonien an Großbritannien (u. a. Kanada), verlor Einfluss in Indien, Anspruch einer großen Kolonialmacht war dahin, massive Staatsverschuldung führte später zur Französischen Revolution (1789) |
| Österreich: | Rückeroberung Schlesiens war gescheitert, Österreich blieb dennoch Großmacht |
| Sachsen: | bereits früh von Preußen besetzt, wurde wirtschaftlich ausgeblutet und ruiniert, |
| Schweden: | im Krieg gegen Preußen zeigte Schweden diverse Schwächen, verlor deshalb an Einfluss und Bedeutung als Großmacht |
| Preußen: | größter Gewinner des Krieges in Europa, Schlesien blieb preußisch, Preußens Status als europäische Großmacht wurde gestärkt |
| Großbritannien: | größter Gewinner des Krieges außerhalb Europas, das British Empire wird zur Weltmacht, französischen Kolonien gehen an England, enorme Kriegskosten fordern neue Steuergesetze für die Kolonien in Nordamerika (Stamp Act, Sugar Act), die neuen Steuererhebungen führen zur Loslösung der Dreizehn Kolonien in Nordamerika vom Britischen Empire |
| Portugal: | Verwüstungen im Landesinneren belasten die Staatsfinanzen enorm, Abhängigkeit von Großbritannien steigt, keine kolonialen Verluste |
Was war der Siebenjährige Krieg?
Der Siebenjährige Krieg war ein globaler Konflikt zwischen den Großmächten Europas. Da die Europäer untereinander Allianzen eingingen, wurden immer mehr Staaten in den Konflikt hineingezogen. Da sich England und Frankreich in einem Dauerkonflikt befanden, welcher auch in den Kolonialgebieten ausgetragen wurde, entflammte der Krieg auch in diesem Gebiet.
Warum begann der Siebenjährige Krieg?
Ursache für den Siebenjährigen Krieg waren territoriale Interessen zwischen Österreich und Preußen. Beide Staaten begehrten Schlesien. Und so kam es, dass Preußen am 16. Dezember 1740 in Schlesien einmarschierte.
Der Erste Schlesische Krieg dauerte bis 1742. Danach versuchte Österreich immer wieder, Schlesien zurückzuerobern. Und jenes Rückeroberungsziel sollte im Siebenjährigen Krieg verwirklicht werden.
Als sich dann 1756 die Österreicher mit den Franzosen verbündeten, stand Preußen isoliert da und brauchte starke Partner. Diesen fand Preußen in Großbritannien, welches mit Frankreich um die Kolonialgebiete in Nordamerika und Indien stritt. So entstanden zwei starke Allianzen, welche nur darauf warteten, den Krieg zu beginnen.
Was war der Auslöser des Siebenjährigen Krieges?
Auslöser des Siebenjährigen Krieges war eine Kriegserklärung von Großbritannien an Frankreich. Diese wurde am 17. Mai 1756 ausgestellt. Die Franzosen antworteten am 9. Juni mit einer eigenen Kriegserklärung an Großbritannien.
Was war der Startschuss für den Siebenjährigen Krieg?
Um der österreichisch-französischen Allianz zuvorzukommen, marschierte Preußen am 29. August 1756 in Sachsen ein. Der Einmarsch geschah ohne Vorankündigung und ohne Kriegserklärung. Dieses Ereignis gilt als Startschuss des Siebenjährigen Krieges.
Zuvor ist Sachsen dem Bündnis von Österreich und Frankreich beigetreten. Der Einmarsch Preußens war ein Präventivschlag, da vermutet wurde, dass Sachsen als Aufmarschgebiet genutzt werden würde. Durch den Einmarsch wollte Preußen eine Einkesselung verhindern.
Wie in jedem Krieg sah König Friedrich II. von Preußen sein Land am Abgrund. Und deshalb entschied er sich, zuerst zuzuschlagen, bevor er nicht mehr zuschlagen könne. Die nötige Kriegsstimmung ist immer entscheidend dafür, wer zuerst beginnt. Und diese wurde zuvor deutlich aufgeheizt, als Russland, Österreich und Frankreich beschlossen haben – Preußen zu zerschlagen.
Warum kämpften Österreich und Preußen gegeneinander
Wie bereits angedeutet, stritten Österreich und Preußen seit 1740/42 über Schlesien. Und das schlesische Land war der Hauptgrund, weshalb beide Staaten den Krieg wollten. Im Folgenden werden die Umstände des Ersten Schlesischen Krieges und dessen Nachwirkungen einzeln beschrieben (Deutsch-Österreichische Dualismus).
Habsburger-Dynastie in Schlesien
Am 20. Oktober 1740 starb Kaiser Karl VI. aus dem Haus Habsburg. Sein Erbe war seine Tochter Maria Theresia, welche zwar nicht Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches wurde, aber immerhin die Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen wurde.
Das schlesische Gebiet gehörte einst zu Böhmen und fiel 1526 an die österreichische Habsburger-Dynastie. Die Könige von Böhmen waren somit auch Herzöge von Schlesien. Und alle Könige von Böhmen kamen seit 1526 aus dem Haus Habsburg. Bis 1740 war dies auch kein Problem. Doch dann starb Kaiser Karl VI. ohne männlichen Erben.
Machtvakuum nach Karls Tod
Mit dem Tod des römisch-deutschen Kaisers rückte dessen Tochter als Nachfolgerin auf den böhmischen Thron. Viele europäische Staatsmänner sahen ein Machtvakuum aufkommen. Österreich wurde also angreifbar. Und König Friedrich II. von Preußen zweifelte die Legitimation von Maria Theresia an und erhob Anspruch auf einen Teil der habsburgischen Erblande.
Liegnitzer Erbverbrüderung
Den Anspruch auf Schlesien konnte König Friedrich II. von Preußen sogar rechtlich begründen. Denn angeblich gab es einen Vertrag von 1537 zwischen Herzog Friedrich II. von Liegnitz (Schlesien) und dem brandenburgischen Kurfürsten. In diesem Vertrag stand, dass die schlesischen Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wohlau an Brandenburg fallen sollen, sobald die schlesische Piasten-Linie ausstirbt.
Laut Friedrich II von Preußen starb die schlesische Piastenlinie mit Georg Wilhelm I. am 21. November 1675 aus. Da die männliche Habsburger bis 1740 auch König von Böhmen und Herzog von Schlesien waren, konnte er diesen Anspruch bisher nicht geltend machen.
Doch da Karl VI. ohne männlichen Erben starb, sollten die schlesischen Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wohlau an Brandenburg übergehen. Und da Brandenburg zum Königreich Preußen gehörte (Brandenburg-Preußen), sollte Schlesien ein Teil der Hohenzollernlande werden.
Eroberung Schlesiens
Preußen suchte sich fortan Verbündete und fand ziemlich viele Staaten, die an der Zerschlagung des Habsburgerreiches ein Interesse hatten. Am 16. Dezember 1740 führte Friedrich II. von Preußen seine Armee nach Schlesien. Die protestantische Bevölkerung begrüßte die Preußen als Befreier.
Ende Dezember war Schlesien von österreichischen Truppen geräumt. Der Schlesienkrieg dauerte allerdings etwa zwei Jahre und wurde im Frieden von Berlin am 28. Juli 1742 beendet.
Deutsch-Österreichischer Dualismus
Im Frieden von Berlin bekam Preußen das schlesische Gebiet zugesprochen und erweiterte sein Gebiet um etwa ein Drittel. Mit der Hinzunahme von Schlesien wuchsen auch die Finanzmittel und die Bevölkerungszahl wuchs ebenfalls um etwa ein Drittel.
Preußen rückte endgültig an den Tisch europäischer Großmächte auf und wurde zum Dauerrivalen der Habsburger aus Österreich. Beide Länder waren deutschsprachig und konkurrierten um die Hegemonialmacht im römisch-deutschen Reich und später im Deutschen Bund. Dieser Dualismus wurde erst 1866 im Preußisch-Österreichischer Krieg beigelegt, welchen ebenfalls Preußen gewann. In der Folge verabschiedete sich Österreich aus der deutschen Staatenwelt.
Wie trug der anglo-französische Konflikt zum Siebenjährigen Krieg bei?
Der Konflikt zwischen England und Frankreich existierte seit dem Hochmittelalter. Damals regierte das Haus Capet in Frankreich und das Haus Plantagenet in England. Das Haus Plantagenet war eigentlich das Haus Anjou-Plantagenêt, deren Ursprung in Frankreich (Grafschaft Anjou) lag. Von etwa 1150 bis zur Mitte des 13. Jahrhundert umfasste das Angevinische Reich (Haus Anjou-Plantagenet) die gesamte westliche Hälfte von Frankreich und das Königreich England.
Kriege zwischen Frankreich und England waren also vorprogrammiert. Aber wie kam es dazu, dass der englische König diverse Besitztümer in Frankreich haben konnte? Seinen Ursprung hat der anglo-französische Konflikt im 11. Jahrhundert. Denn im Jahr 1066 kamen die Normannen (Herzogtum Normandie) aus Nordfrankreich auf die britische Insel, um diese zu erobern. Der damalige Herzog der Normandie war Wilhelm der Eroberer, welcher seinen Anspruch auf den englischen Thron durchsetzen wollte.
Nach der Eroberung waren der Herzog der Normandie und der König von England dieselbe Person. Und das Haus Normandie stellte die englische Könige bis 1135. Danach folgte die Plantagenet-Dynastie, welche in der Grafschaft Anjou seinen Ursprung hatte. Es folgten im Hochmittelalter neun Anglo-Französische Kriege. Und immer ging es ums die Besitztümer des englischen Königs in Frankreich.
Im Spätmittelalter sind es noch drei Anglo-Französische Kriege. Doch der längste Krieg zwischen Frankreich und England im Spätmittelalter war der Hundertjährige Krieg von 1337 bis 1453.
In der Neuzeit nahm die englisch-französische Kriegstradition keineswegs ab. Allerdings sind es oftmals Begleitkriege, wie bei den französischen Religionskriegen oder den Hugenottenaufständen, bei denen England intervenierte. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) mischten Engländer und Franzosen mit, genauso im Österreichischen Erbfolgekrieg (1744-1748). Der Siebenjährige Krieg war nur eine Weiterführung der englisch-französischen Kriegstradition.