Dritter Weltkrieg
Der Dritte Weltkrieg ist ein Szenario über einen globalen Konflikt, welcher möglicherweise mit Atomwaffen ausgetragen werden würde. Am Rande eines solchen Weltkriegs stand die Welt im Jahr 1950 beim Ausbruch des Koreakrieges und im Jahr 1962 während der Kubakrise.
Grund für die Eskalationsmöglichkeiten beider Krisen waren die Bündnissysteme der beteiligten Länder. So stand auf der einen Seite der Osten mit der Sowjetunion als Führungsmacht, während die westliche Welt von der Supermacht USA geführt wurde. Beide Mächte glaubten an unterschiedliche Ideologien, wodurch sich unterschiedliche Werte, Regeln, Normen, moralische Ansprüche, Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle ergaben.
Eine kulturelle Annäherung von Ost und West ergab sich nach dem Fall der Berliner Mauer. Damit sank das Risiko eines Dritten Weltkriegs erheblich. Mittlerweile steigt das Risiko eines Dritten Weltkriegs wieder an, da internationale Spannungen zunehmen, Rüstungsausgaben ansteigen, das Völkerrecht und die internationale Nachkriegsordnung nicht eingehalten werden, die Vereinten Nationen an Unterstützung verlieren und diplomatische Beziehungen als nicht ausreichend erachtet werden.
Inhalt
Befindet sich die Welt im Dritten Weltkrieg?
Letztlich sehen einige Historiker den Kalten Krieg bereits als Dritten Weltkrieg. Denn die Stellvertreterkriege der USA und der Sowjetunion wurden auf sämtlichen Kontinenten ausgetragen und entsprechen demnach einer möglichen Definition von Weltkriegen.
Der Vierte Weltkrieg ist, laut anderen Historikern, der Krieg gegen den Terror (seit 2001). Auch dieser wurde auf verschiedenen Kontinenten ausgetragen und hat somit Weltkriegscharakter. Allerdings sind in beiden hypothetischen Weltkriegen die USA direkt involviert, weshalb von Vielen das Narrativ einer US-amerikanischen Weltkriegsbeteiligung als Verzerrung der amerikanischen Geschichte abgestuft wird.
Allgemeiner Konsens herrscht darüber, dass der Dritte Weltkrieg bereits mit dem Krieg in Nahost oder mit dem Ukrainekrieg begonnen haben könnte. Doch erst in der historischen Rückschau können zukünftige Historiker bewerten, ob derzeitige Krisen eine Vorphase des Dritten Weltkriegs gewesen waren oder nicht.
Wie wahrscheinlich ist ein Dritter Weltkrieg?
Sicherheitsexperten betonen immer wieder, dass die Risiken für den Ausbruch eines Dritten Weltkriegs sehr hoch seien. Der Grund dafür ist eine instabile Weltordnung, überlappende Krisen und globale Spannungen. So kann ein Krisenherd irgendwo auf der Welt zu einer Eskalation führen, wodurch Bündnissysteme und Allianzen greifen, welche dann einen Kaskadeneffekt auslösen.
Der Dritte Weltkrieg wird demnach nicht ausgelöst, weil die Weltgemeinschaft es so will, sondern weil eine unsichere Weltlage und systemische Risiken zur Eskalation führen, wodurch ein Kriegsbeginn unvermeidlich erscheinen könnte.
Wann beginnt der Dritte Weltkrieg?
Die Frage kann derzeit nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Denn es gibt keine seriöse Quelle, welche so eine Frage beantworten könne. Dies würde zudem bedeuten, dass es Kräfte geben würde – welche auf einen Dritten Weltkrieg hinarbeiten würden. Auch dies ist nicht belegt und höchstens Teil von Verschwörungserzählungen.
Doch wohlmöglich befinden wir uns jetzt gerade in einem Konflikt, welchen zukünftige Historiker als Beginn des Dritten Weltkriegs formulieren. Denn viele Großkonflikte entstehen nicht plötzlich, sondern bahnen sich an.
Dennoch bleibt der Dritte Weltkrieg unwahrscheinlich. Denn viele Experten gehen davon aus, dass das Konzept der Abschreckung weiterhin funktioniert. Das bedeutet, dass sich die Großmächte nicht direkt bekämpfen, da die Kosten für einen solchen Krieg zu hoch wären. Die Abschreckung mit Atomwaffen erhöht die Risiken nochmals exorbitant, wobei der Nutzen bei Erfolg sich nicht erhöht.
Die Stabilität durch Abschreckung funktioniert also weiterhin. Und weil die Risiken extrem hoch sind, versuchen alle Beteiligte eine Eskalation zu vermeiden. Deshalb existieren Gesprächskanäle zwischen Kontrahenten, direkte Hotlines und geheime Verhandlungen.
Was kann Auslöser für den Dritten Weltkrieg sein?
Viele Experten glauben, dass der Dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen könnte. Denn dort liegt das höchste Konfliktpotential derzeit. So kämpfen Schiiten gegen Sunniten. Die Palästinenserfrage ist ungeklärt und die Siedlungspolitik Israels fördert Terrorismus, will ihn aber verhindern bzw. eindämmen.
Nichtstaatliche Akteure, wie die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen oder die Hamas im Gaza, werden vom Iran unterstützt. In einem so explosiven Umfeld reicht mitunter ein Funke aus, um einen regionalen Konflikt in einen globalen Krieg zu überführen.
Andere Experten sehen den Russischen Angriffskrieg in der Ukraine als größtes Gefahrenpotential für den Weltfrieden. Diese Experten mahnen, falls Russland gewinnen sollte – der russische Landhunger nicht gestillt werden würde. Demnach würde Russland nach der Ukraine das Baltikum angreifen, um seinen Großmachtanspruch durchzusetzen. Ein Angriff auf baltische Staaten würde aber die NATO-Staaten in den Krieg ziehen, wodurch der Konflikt globale Ausmaße annehmen würde.
Das dritte Szenario ist ein Angriff der Chinesen auf Taiwan. Denn dann würden die USA in den Krieg intervenieren, wodurch sich zwei Supermächte gegenüber stehen könnten. Da die Chinesen mit Russland verbündet sind, würden die Russen dann Europa angreifen, um die NATO militärisch zu überdehnen.
Mitunter sind es aber mehrere Auslöser, wie die Geschichte zeigt. Diese werden jetzt einzeln beschrieben.
Eskalierende Krisen
Im Jahr 1914 brauchte es nur einen Funken, um den Ersten Weltkrieg auszulösen. Und dieser Funke war das Attentat in Sarajewo. Beim Attentat am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo (Bosnien, Balkan) erschossen. Daraufhin machte Österreich-Ungarn die Serben für den Mord verantwortlich und stellte ein Ultimatum. Die Serben akzeptierten fast alles, aber eben nicht vollständig.
Letztlich intervenierten die beiden Machtblöcke Europas (Entente, Mittelmächte), wodurch diese in den Konflikt hineingezogen wurden. Letztlich löste die Julikrise den Ersten Weltkrieg aus.
Aufrüstung und Kriegsstimmung
Möglich war der Ausbruch des Ersten Weltkriegs allerdings nur, weil alle europäischen Staaten im Vorfeld massiv aufgerüstet haben. Man verfolgte falsche Annahmen über mögliche Reaktionen des Rivalen, sah sich bedroht und rüstete immer auf.
Als man dann bis zu den Zähnen bewaffnet war, reichte der Funke von Sarajewo aus – um Europa in einen Weltkrieg zu verfangen. Somit wurde Aufrüstung zum wahren Kriegstreiber.
Dieser Aufrüstungsirrsinn wurde von den Europäern durchaus bemerkt, weshalb man Bündnisse schloss – welche den Krieg verhindern sollten. Doch die Kaskadeneffekte, welche innerhalb der Bündnissysteme wirkten, zogen letztlich alle Staaten in den Krieg.
Schlafwandler-Situation
Die Julikrise von 1914 wird von Historikern als „Schlafwandler“-Situation beschrieben. Alle Europäer wollten den Krieg vermeiden, rutschten aber in den Krieg hinein.
Viele Friedensaktivisten sehen in Aufrüstung immer das Potential für den Start eines neuen Weltkriegs, welchen dann auch keiner will – der aber aufgrund der Aufrüstungslogik irgendwann unvermeidbar werden könnte.
Großmachtstreben
Der zweite Weltkrieg war kein Versehen von irgendwelchen Schlafwandlern. Stattdessen gab es im Führer-Hauptquartier einen klaren Plan zum Errichten eines Großdeutschen Reichs. Jenes Großmachtstreben wurde bereits in Hitlers „Mein Kampf“ deutlich, als er das klare Ziel formulierte, neuen Lebensraum im Osten zu erschließen. Polen war dabei ein zentrales Ziel.
Das Deutsche Reich war mit der Nachkriegsordnung nach dem Ersten Weltkrieg unzufrieden. Um wieder am Tisch der europäischen Großmächte sitzen zu können, wollten die Nationalsozialisten einen großen Krieg beginnen, um so eine neue Machtposition in Europa zu erlangen.
Viele Sicherheitsexperten sehen Russlands Krieg in der Ukraine genau in diesem Kontext. Die Sowjetunion verlor den Kalten Krieg gegen den Westen. Seitdem fühlt sich Russland abgehängt vom Westen und versucht seinen Großmachtanspruch nun militärisch umzusetzen.
Globale Spannungen
Viele Krisenherde von heute sind Schnittstellen von Großmächten. So agieren in Nahost die USA, Israel und Russland indirekt. Letztere ist Unterstützer des Irans und war Unterstützer des syrischen Diktators Assad.
Im Syrischen Bürgerkrieg griff Russland ab 2015 aktiv ein und verhalf dem Assad-Regime bei der Rückgewinnung großer Teile des Staatsterritoriums. Dabei wurden ganze Städte von Russland zerbombt, welche damit ihre neuen Waffensysteme testeten und gleichzeitig dem Westen zeigte, wozu die russischen Streitkräfte in der Lage wären. Letztlich löste das russische Eingreifen im syrischen Bürgerkrieg eine Massenflucht der syrischen Bevölkerung aus, wodurch die Flüchtlingskrise von 2015 begann.
Im Ukrainekrieg agieren die NATO-Staaten an der Seite der Ukraine gegen Russland. Bei der Taiwanfrage agieren die USA gegen China. Und bei Konflikten im Südchinesischen Meer sind regionale US-Verbündete und China involviert.
Alle diese Krisen zeigen, dass mindestens zwei Großmächte als Kontrahenten in aktuellen Krisen involviert sind. Dadurch steigt das Gefahrenpotential eines regionalen Konflikts deutlich an, da durch das Bündnissystem der Großmacht solch ein Konflikt international ausgeweitet werden könnte.
Welche Konflikte auf der Welt könnten in einen Dritten Weltkrieg münden?
Taiwan-Frage
Die Taiwan-Frage ist ein Konflikt zwischen der Volksrepublik China (Festland) und der Republik China auf der Insel Taiwan. Gegenstand des Konflikts ist der internationale Status der Insel Taiwan. Dieser Konflikt besteht seit 1949 als die republikanische Führung Chinas – im Zuge der kommunistischen Machtergreifung – auf die Insel Taiwan floh. Seitdem betrachtet die Volksrepublik China (Festlandchina) die Republik China auf Taiwan als abtrünnige Provinz.
In den 1950-er Jahren gab es diverse Versuche, Taiwan militärisch zu erobern und gewaltsam in die Volksrepublik einzugliedern. Diese verebbten und in den 1980-er Jahren gab es erste Prozesse der gegenseitigen Annäherung, welche auf wirtschaftliche Abkommen basierten.
Seit 2013 nimmt der aggressive Kurs Pekings gegenüber Taiwan wieder zu. Denn Xi Jinping, der Staatspräsident von Festlandchina, machte es sich zur persönlichen Aufgabe – Taiwan in die Volksrepublik zu integrieren. Es folgten friedliche Treffen, um eine Annäherung zu erwirken.
Als dann 2016 Präsidentin Tsai Ing-wen zum Staatsoberhaupt Inselchinas gewählt wurde, nahm die Distanz wieder zu. Machthaber Xi drohte daraufhin mit militärischen Aktionen, um die separatistische Bewegung auf Taiwan zu stoppen.
US-Chinesischer Taiwan-Konflikt
Bedeutend ist Taiwan in der Halbleiter-Produktion. Die USA haben ein massives Interesse daran, dass diese Lieferketten stabil und nicht von China kontrolliert sind. Ein militärischer Konflikt zwischen China und Taiwan hätte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, da die Halbleiter in jedem elektrischen Gerät verbaut sind.
Eine Eroberung Taiwans würde zudem die Machtbalance in der Region zugunsten Chinas massiv verschieben, wodurch andere U-Verbündete (Japan, Südkorea) wohlmöglich unter Druck geraten.
Ein Krieg um Taiwan würde somit zwei Atommächte in einen direkten Krieg ziehen. Zwar halten sich die USA bei der Frage, ob sie Taiwan militärisch verteidigen würden, immer bedeckt – aber sie könnten es sich nicht leisten, Taiwan an China zu verlieren. Diese Unklarheit in der Taiwan-Frage hält China bisher davon ab, Taiwan anzugreifen. Gleichzeitig wird Taiwan davon abgehalten, die eigene Unabhängigkeit von Festlandchina auszurufen.
Ukrainekrieg
Russland ist ein Verbündeter Chinas. Diese Allianz ist historisch begründet, da die kommunistische Revolution in China von Russland initiiert worden ist. Dennoch positioniert sich China im russischen-ukrainischen Krieg eher neutral.
So wurde am 24. Februar 2023 in China ein Positionspapier vorgelegt, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Dieses Papier enthält zwölf Punkte um den Krieg zu beenden, friedliche Gespräche aufzubauen und weitere Eskalationen zu vermeiden, weshalb einige Beobachter darin durchaus eine Verhandlungslösung sehen. China-Kritiker sehen im Zwölf-Punkte-Plan lediglich einen Versuch Chinas, sein Image aufzupolieren.
Im Juli 2023 wurde eine Recherche der japanischen Zeitung Nikkei Asia bekannt, dass China mehrere zehntausend Drohnen an Russland geliefert haben soll. Viele Sicherheitsexperten glauben, dass eine chinesische Invasion auf Taiwan mit einer russischen Invasion auf einen NATO-Staat gekoppelt wäre. So würde man die NATO an zwei Fronten unter Druck setzen und militärisch überdehnen.
Dass der russisch-ukrainische Krieg schon allein das Gefahrenpotential eines Dritten Weltkriegs hat, ist unumstritten. Denn sobald Russland einen NATO-Staat angreift, würde Artikel 5 des NATO-Vertrages greifen, wodurch alle NATO-Partner in den Konflikt gezogen werden würden. Spätestens dann würde die Welt im Dritten Weltkrieg aufwachen.
Ob Russland einen NATO-Staat angreift, kann niemand voraussehen. Doch viele Sicherheitsexperten sagen voraus, dass Russland 2027 dazu in der Lage wäre.
Nordkorea-Konflikt
Nordkorea ist ein Verbündeter Russlands und Chinas. Alle drei Staaten verfügen über Atomwaffen, welche bis nach Japan oder in die USA reichen würden. Weiterhin liefert Nordkorea diverse Waffen an Russland und unterstützt so den ukrainisch-russischen Krieg.
Mittels Drohungen, Militärparaden und Atomwaffen-Tests erzeugt Nordkorea eine immer wiederkehrende Drohgebärde gegen den Westen und gegen Südkorea. Ein globaler Konflikt würde um Nordkorea erst dann entstehen, wenn die USA, China und Russland sich in einen möglichen Krieg hineinziehen lassen würden. Aber genau das versuchen, alle zu vermeiden.
Nahostkonflikt
Im Zentrum des Nahostkonfliktes steht die Palästinafrage und der Konflikt zwischen dem Iran und Israel. Die Europäer stehen an der Seite Israels, leisten diplomatische Unterstützung und gewährten in der Vergangenheit militärische Hilfe, allerdings nur in Form von Waffenlieferungen.
Ganz anders treten die USA auf. Diese stehen militärisch ganz klar auf der Seite Israels, unternehmen gemeinsame Manöver und dass obwohl der Staat kein NATO-Partner ist. Denn die USA haben ein erhebliches Interesse daran, die einzige Demokratie im Nahen Osten zu erhalten. Das Interesse der USA im Nahen Osten betrifft das Öl und das Gas, um Marktpreise stabil zu halten. Weiterhin will die USA wichtige Seehandelswege nach Asien schützen. In dieser Interessenlage ist Israel der wichtigste Partner der USA.
Der Iran ist mit Russland und China verbündet, lieferte Drohnen an Russland für den Ukrainekonflikt. Ziel aller drei Staaten ist es, den Einfluss der USA im Nahen Osten zurückzudrängen. In Israel sehen die Drei den verlängerten Arm der USA, um postkoloniale und imperialistische Interessen durchzusetzen. Für China ist der Iran ein wichtiger Baustein der Neuen Seidenstraße.
In einen Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran könnten China und Russland hineingezogen werden. Dann würde die NATO hineingezogen werden, da die Existenz des wichtigsten NATO-Staates bedroht sein könnte. Demnach kann solch ein Konflikt international eskalieren.
Narva-Szenario
Narva ist drittgrößte Stadt in Estland. Das Narva-Szenario beschreibt ein hypothetisches Szenario, bei dem Russland den NATO-Staat Estland angreift. Der Angriff erfolgt zunächst nur mit hybrider Kriegstaktik, genauso wie in der Anfangsphase des Ukrainekrieges. Doch anders als bei der Ukraine müsste dann die NATO dem Partner beistehen.
Eine solche Invasion könnte zwei Hintergedanken haben. So könnte der Angriff ein Test der NATO-Bereitschaft sein, den Artikel 5 des NATO-Beistandspaktes wirklich umzusetzen. Würden hier die NATO-Staaten versagen und Narva den Russen kampflos überlassen, wäre ein Dritter Weltkrieg wohlmöglich aufgeschoben aber nicht aufgehoben. Denn dann würde Russland, so die Experten, sich weiteres NATO-Gebiet einverleiben.
Ein zweiter Hintergedanke ist, dass die Narva-Invasion nicht ein Test – sondern der Auftakt einer großangelegten Invasion sein könne. Denn in Narva leben viele russischfreundliche Einwohner. Die Russen könnten, genauso wie bei der Annektierung der Krim ein Grund vortäuschen, weshalb man die russische Bevölkerung befreien müsse.
In diesem Szenario würde die Stadt Narva dann als Aufmarschgebiet dienen, von wo aus russisches Militär in einer mehrgleisigen Zangenbewegung alle drei baltischen Staaten erobern könne. In verschiedenen Teilszenarien könnten russische Streitkräfte von Narva ausgehend, die Vororte von Tallinn und Riga in maximal 60 Stunden erreichen. Und dies würde dann die militärischen Fähigkeiten der NATO im Ostseeraum erheblich einschränken.
Indisch-Pakistanische Grenzkonflikte
Zwischen Indien und Pakistan kam es ab 1947 zu diversen Grenzkonflikten. Beide Länder sind Atommächte. Früher gehörten beide Staaten zum Britischen Weltreich.
Nachdem sich die Briten aus Britisch-Indien zurückzogen, entstand eine islamische Pakistan-Bewegung, welche ein eigenes Land für die dort lebenden Muslime forderte. Mit der Teilung des Gebietes 1947 sollte auch eine religiöse Teilung verbunden sein. So zogen die Muslime nach Pakistan, während Indien hinduistisch blieb.
Doch viele Grenzverläufe wurden unpräzise formuliert. Außerdem gab es ethnische Gruppen, welche durch die Grenzen voneinander getrennt wurden. So gab es bspw. den Fürstenstaat Jammu und Kaschmir. Dieser war mehrheitlich muslimisch, aber sein Herrscher war Hindu. Der Herrscher entschied sich für Indien, was Pakistan nicht akzeptierte.
Deshalb begann 1947 der Erste Pakistanisch-Indische Krieg um Kaschmir. Auf den ersten Kaschmirkrieg folgte ab 1965 ein zweiter und schließlich 1971 ein dritter. Bis heute ist die Provinz Kaschmir der zentralste aller Grenzkonflikte zwischen Indien und Pakistan. Aber es gibt auch Konflikte um andere Provinzen, wie Punjab und Bengalen.
Bedeutendster Partner an der Seite Indiens im Indisch-Pakistanischen Grenzkonflikt ist Russland. Schon während des Kalten Krieges unterstützte die Sowjetunion den indischen Staat militärisch und finanziell bei der Kaschmirfrage.
Seit den 2000-er Jahren sehen die USA den indischen Staat als mögliches Gegengewicht zu China, weshalb auch deren Unterstützungsleistung zunahm. Im Kalten Krieg unterstützten die Vereinigten Staaten stattdessen Pakistan, da der pakistanische Staat ein Gegengewicht zum Bündnis der Sowjetunion und Indien darstellte.
Israel gilt heute als wichtigster Waffenlieferant Indiens bezüglich Drohnen, Raketenabwehr und Geheimdienstinformationen. Pakistans größter Unterstützer ist China.
Wenn ein Krieg um Kaschmir eskalierte sollte, wären mit Israel, USA, Russland, Indien, Pakistan und China gleich sechs Atommächte involviert.