Inkas
Die Inkas sind eine indigene Kultur in Südamerika, welche sich als Nachkommen der Inka-Zivilisation verstehen. Jene Zivilisation war eine Hochkultur in Südamerika. Zentrum ihres Reiches war die Stadt Cusco im Hochland Perus.
Zunächst herrschten die Inkas lediglich über das Königreich Cusco. Doch durch Kriege gegen Nachbarn eroberten die Inkas ab 1438 weite Teile der Westküste Südamerikas. Das „Reich aus vier Teilen“ (Inkareich) erstreckte sich im 15. und 16. Jahrhundert von Peru bis Chile. Es war das größte Imperium Amerikas während der präkolumbianischen Ära.
Erobert wurde das Inkareich 1533 von spanischen Conquistadoren, unter Führung von Francisco Pizarro. Die Spanier setzten ihren eigenen Inkaherrscher ein und gründeten den Neo-Inka-Staat. Ein Restwiderstand gegen die spanische Kolonialmacht dauerte in einigen Teilen des Inkareiches bis 1572 an. Dann fiel die letzte Inka-Festung und der letzte Herrscher (Tupac Amaru) wurde gefangen genommen und hingerichtet. Damit endete die politische Autorität des Inka-Staates endgültig. Fortan wurden die Teile des ehemaligen Reiches zu Gebieten des spanischen Vizekönigreichs Peru.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was bedeutet Inka
- 3 Wer waren die Inka?
- 4 Wie sahen die Inka aus?
- 5 Wann lebten die Inka?
- 6 Wo lebten die Inka?
- 7 Wie lebten die Inka?
- 8 Wie waren die Inka staatlich organisiert?
- 9 Welche Sprachen sprechen die Inka?
- 10 Welche Religion hatten die Inka?
- 11 Welche Errungenschaften hatten die Inka?
- 12 Warum waren die Inka eine Hochkultur?
- 13 Warum sind die Inka untergegangen?
- 14 Leben Inkas heute noch?
Steckbrief
| Bestehen seit: | etwa 1200 im Königreich Cusco, ab 1438 im Tawantinsuyu – das Reich aus vier Reichen (Inkareich) |
| Blütezeit: | um 1525 (größte Ausdehnung des Inkareichs) |
| Vorgänger: | Wari-Kultur, Killke-Kultur und Tiwanaku-Kultur |
| Religion: | Polytheismus mit regionalen und panregionalen Gottheiten mit dem Schöpfergott Wiraqucha an der Spitze |
| Herrschertitel: | Sapa Inka (einziger Inka) |
| Dynastien: | Hurin Cusco (deutsch: unteres Cusco) war die ältere, ursprüngliche Herrscherlinie Hanan Cusco (deutsch: oberes Cusco) war die jüngere, später aufsteigende Herrscherlinie, welche ab 1350 das Inkareich regierte |
| Erste Herrscher: | Manco Capac (reg. ca. 1200 - 1230): gilt als Sohn des Sonnengottes Inti und begründete das Königreich Cusco und die Dynastie der Hurin-Cusco |
| Letzter Herrscher: | Atahualpa (reg. 1527 - 1533) war letzte Inkaherrscher über das Gesamtreich vor der spanischen Eroberung Paullu Inca Túpac (reg. 1536 - 1539) war letzter Inkaherrscher, welchen die Spanier einsetzten Túpac Amaru (reg. 1571- 1572) war letzter Inkaherrscher des Inkawiderstandes in Vilcabamba |
| Sprachen: | Quechua, Aymara, Puquina, Muchik, Barbacoa und weitere Regionalsprachen |
| Schriftsystem: | Quipu bzw. Khipu (deutsch: Knoten) war die Knotenschrift der Inka |
| Medizin: | Medizin auf Pflanzenbasis: Koka (Schmerz- und Narkosemittel), Chili zur Desinfektion, Maca als Stärkungsmittel, sämtliche Kräuter als Mittel gegen Infektionen |
| Staatsaufbau: | Sapa Inka als absolute Macht (Sitz in Cusco), Apu (Gouverneure) setzten die Ordnung des Sapa Inka in den vier Reichsteilen (Tahuantinsuyu = Reich der vier Weltgegenden) durch Ayllus (Dorfgemeinschaften) wurden von Clans bzw. Großfamilien (niederer Adel) organisiert. Sie kümmerten sich um Landverteilung, Arbeitspflichten und die sozialen Angelegenheiten |
| Wirtschaft: | Der Inkastaat kontrollierte die Landwirtschaft, die Lagerhäuser (Qollqas), den Arbeitsdienst (Mit’a) sowie die Logistik (Straßenbau, Transportsysteme). Kakaobohnen waren gängiges Tausch- und Zahlungsmittel (Kakaogeld). |
| Gesellschaft: | Sapa Inka an der Spitze (wurde vergöttert), königliche Familie als Oberschicht, darunter die Adelsgeschlechter früherer Herrscher (Panacas), welche das Reich verwalteten Hatun Runa (das einfache Volk) arbeitete in der Landwirtschaft, im Militär oder erfüllte die Mit’a (staatlichen Arbeitsdienst). |
| um 1200 | Manco Capac (Hurin-Dynastie) gründet das Königreich Cusco |
| um 1350 | Inca Roca stürzt Capac Yupanqui (Hurin-Dynastie) und begründet die Herrschaft der Hanan-Dynastie. Fortan bezeichnen sich die Herrscher offiziell als Sapa Inka (deutsch: einziger Inka). |
| 1438 | Pachacutec Yupanqui kommt an die Macht und unterwirft das Volk der Chanka und schafft so das eigentliche Inkareich. |
| bis 1471 | Pachacutec Yupanqui erobert sämtliche Regionen um Cusco, Teile Boliviens und Nordperus. Deshalb wird Pachacútec auch als "Inka-Alexander" (siehe Alexander der Große), welcher die Basis für ein Großreich schuf. |
| bis 1493 | Unter Túpac Yupanqui erobern die Inkas das Chimu-Reich (Nordküste Perus), Teile von Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinen. |
| bis 1527 | Unter Huayna Cápac erobern die Inkas große Teile von Ecuador (bis Quito) und Teile Südkolumbiens. Das Inkareich hatte unter ihm seine größte Ausdehnung und erstreckte sich von Kolumbien bis Zentral-Chile. |
| ab 1527 | Machtkampf im Inkareich über die Nachfolge von Huayna Cápac zwischen seinen Söhnen Huáscar (residierte in Cusco) und Atahualpa (residierte in Quito) |
| 1533 | Huáscar wird im Auftrag Atahualpas ermordet. |
| 1533 | Hinrichtung Atahualpas durch die Spanier am 26. Juli 1533 |
| 1533 | Francisco Pizarro setzt Túpac Huallpa (Sohn von Huayna Cápac) als Sapa Inka ein. Doch dieser stirbt kurz darauf unter ungeklärten Umständen. |
| 1533 | Die Spanier setzten Manco Cápac II. (Sohn von Huayna Cápac) als neuen Sapa Inka ein. |
| 1536 | Manco Cápac II. revoltiert gegen die Fremdherrschaft der Spanier und flieht nach Vilcabamba. Von dort aus organisiert er den Inka-Widerstand gegen die Spanier. |
| 1539 | Vilcabamba wird Haupstadt des Neo-Inka-Staates. |
| 1572 | Die Spanier erobern Vilcabamba zusammen mit ihren indigenen Verbündeten, welche sich gegen die Inkaherrscher stellten. |
| 1572 | Túpac Amaru (Sohn von Manco Cápac II.) wird am 24. September 1572 von den Spaniern hingerichtet. Er war der letzte Inkaherrscher. |
Was bedeutet Inka
Ursprünglich war mit Inka ein Stamm gemeint, welcher vom Sonnengott Inti abstammte. Diese siedelten im Gebiet um Cusco. Später wurde der Adel als Inka bezeichnet. Da der Inkastaat theokratisch organisiert war, wurde die Gottesabstammung mit dem Herrschertitel gleichgesetzt. Deshalb bezeichneten sich die Inkaherrscher als Sapa Inka (einziger Inka) und verstanden sich als Sohn der Sonne (Inti Churin bzw. Intipchurin).
Das Inkareich wurde um das Jahr 1200 von Manco Capac gegründet, welcher sich als direkter Nachfahre des Sonnengotts und somit als ersten Inka sah. Doch der erste Herrscher, welcher sich offiziell als Inka bezeichnete, war Inca Roca. Dieser regierte das Königreich Cusco um das Jahr 1350.
Wer waren die Inka?
Die Inka waren eine indigene Kultur Südamerikas. Die Bezeichnung „Inka“ ist die Eigenbezeichnung des Volkes in seiner Sprache Quechua. Außerdem nannten sie ihren Herrscher Inka. Zur besseren Unterscheidung wird in diesem Artikel von Herrscher, Inkakönig oder dem Sapa Inka gesprochen. Letzteres ist eine weitere Eigenbezeichnung für den Inkakönig.
Die Inka waren ursprünglich ein lokaler Stamm in Südamerika, der durch kriegerische Erfolge herausstach. Daraufhin entstand ein Reich, in dem viele indigene Völker lebten. Regiert wurde dieses Reich von Nachkommen des Adels aus dem Stamm der Inka.
Das Inkareich nannten die Inka Tawantinsuyu. Übersetzen lässt sich dieses Wort als „Land der vier Teile“ oder „Reich der vier Weltgegenden“.
Die ersten Inkakönige (Sapa Inka) waren:
- Manco Capac von 1200 bis 1230
- Sinchi Roca von 1230 bis 1260
Aufgrund deren Vermächtnis wurden später die Bezeichnungen capac und sinchi in der Quechua-Sprache übernommen. Beide Wörter bedeuten Anführer oder Kriegsherr.
Wie sahen die Inka aus?
Die Inka zeichnen sich durch gewisse körperliche Merkmale aus. Sie verfolgten Schönheitsideale, die sie ebenfalls äußerlich veränderten.
Körperliche Merkmale
Als Volk der Andenregion besaßen die Inka eine für das Gebiet typische bronzefarbene Haut. Ihre Haare waren dunkel, ihre Augen für gewöhnlich braun. Im Vergleich mit anderen Gruppen hatten die Inka im Durchschnitt höhere Wangenknochen und breitere Gesichter.
Ihre durchschnittliche Körpergröße fiel eher klein aus. Außerdem war ihre Statur kompakt und kräftig. Das half ihnen, in der Höhenlage der Anden Wärme zu speichern. Vermutlich waren männliche Inka selten größer als 163 cm. Frauen waren im Schnitt um die 10 bis 15 cm kleiner.
Schönheitsideale
Die Inka praktizierten dauerhafte Veränderungen an ihrem Körper, um dem geltenden Schönheitsideal zu entsprechen. Eltern wickelten die Köpfe ihrer Säuglinge dafür in Tücher. Die Schädel wuchsen dadurch in die Länge, was archäologische Funde bestätigen.
Zudem dehnten vor allem Adelige und die Königsfamilie ihre Ohrläppchen mit Pflöcken. Am Ende dieser Praktik waren die Ohrläppchen so weit gedehnt, dass sie der Person auf den Schultern lagen.
Frisuren
Die Inka trugen ihre Haare häufig länger. Sie waren für gewöhnlich glatt. Je nach sozialem Stand konnten die Inka ihre Haare verzieren. Kopfbedeckungen wurden normalerweise nur von höher gestellten Inka getragen. Haarschmuck bestand selten aus Edelmetallen. Inka griffen dafür eher auf Textilien oder Muscheln zurück.
Kleidung
Die Inka stellten ihre Kleidung aus Wolle von Lamas und Alpakas her. Sie färbten sie mit natürlichen Farben, die sie aus Pflanzen gewannen. Typisch waren geometrische Muster und Streifen.
Männer trugen eine Tunika namens Uncu. Es reichte etwa bis zu den Knien. Frauen trugen noch längere Kleider, die Anaku hießen. Darüber trugen Männer einen Mantel namens Yacolla. Der für Frauen hieß Llicilla.
Die Ärmellänge und genaue Länge der Kleidungsstücke variierten im Reich. In höheren Lagen kleidete man sich dicker und länger, um gegen die Kälte geschützt zu sein.
Schmuck
Schmuck war unter den Inka beliebt. Es war aber nicht jeder Person erlaubt, jeden Schmuck zu tragen. Edelmetalle waren beispielsweise dem Adel und den Priestern vorbehalten. Schmuck aus Gold und Silber ist jedoch kaum überliefert. Das meiste wurde eingeschmolzen und nach Europa gebracht.
Daneben schmückten sich die Inka mit Muscheln, Lapislazuli oder einfach sehr fein gewebten Stoffen.
Wann lebten die Inka?
Die Inka herrschten etwa für drei Jahrhunderte, zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert in Südamerika. Sehr wahrscheinlich gingen ihrer Herrschaft kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Völkern voraus. Die Inka konnten diese für sich entscheiden. So lebten am Ende etwa 200 verschiedene ethnische Gruppen in ihrem Reich.
Wo lebten die Inka?
Die Inka lebten in Südamerika. Während ihrer Herrschaft dehnte sich ihr Reich immer weiter aus. Ursprünglich, etwa im 12. Jahrhundert, lebten sie in der Gegend um Cusco. Erst zwei Jahrhunderte später begann sich das Reich deutlich auszudehnen. Unter dem Inkakönig Pachacútec, der zwischen 1438 und 1471 regierte, verleibten sich die Inka das heutige Peru ein. In den anschließenden Jahrzehnten dehnten sie sich nach Süden aus.
Zu seiner Hochzeit bestand das Inkareich aus einer Fläche von etwa 950.000 km². Peru, Ecuador, Argentinien, Chile, Bolivien und Kolumbien gehörten, meist in Teilen, zu diesem Reich.
Die Hauptstadt Cusco
Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches und damit gleichzeitig das rituelle und politische Zentrum. Die Inka schmückten ihre Hauptstadt mit herausragenden Tempelanlagen und Palästen. Die Stadt sollte Besucher zum Staunen bringen und die Macht der Inka demonstrieren.
Um diese Stadt zu errichten, konstruierten die Inka zunächst ein maßstabsgerechtes Modell. Die Häuser bestanden aus Granit, den die Inka mit feuchtem Sand glattschliffen. Die Steine wurden so genau aneinandergesetzt, dass sie ohne Mörtel zusammenhalten. Teilweise setzten die Baumeister auch Mörtel ein, platzierten diesen aber versteckt.
Heute leben in Cusco etwa 112.000 Einwohner (Stand 2017). Die Stadt ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region in Peru.
Machu Picchu
Machu Picchu ist eine weitere wichtige Stadt der Inka. Sie wurde im 15. Jahrhundert erbaut und liegt auf einer Höhe von 2430 m zwischen den Gipfeln zweier Berge. Diese Berge heißen Huayna Picchu und ebenfalls Machu Picchu. Straßen verbanden die Stadt mit Cusco und Llactapata. Bei Touristen ist diese Art von Cusco nach Machu Picchu zu reisen, über die Inkapfade, bis heute beliebt.
Das Besondere an Machu Picchu ist, dass die Stadt an den Steilen Hängen eines Bergrückens liegt. Um Platz für Häuser zu schaffen, arbeiteten die Baumeister mit Terrassen. Dadurch fügt sich die Stadt natürlich in das Bild der Berge ein.
Vermutlich lebten in Machu Picchu etwa 1.000 Menschen. Heute ziehen die Ruinen jedes Jahr massenhaft Touristen an. 2017 waren es beispielsweise 1.411.000 Menschen, also etwa 3.900 Besucher am Tag.
Wie lebten die Inka?
Die Inka waren ein weit entwickeltes Volk. Dennoch war die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Bauern. Die oft trockenen Landstriche mussten durch Bewässerungssysteme fruchtbar gemacht werden. Sie bauten verschiedene Feldfrüchte wie Mais und Kartoffeln an. Die Ernten dokumentierten sie, um Engpässen vorzubeugen.
Die meisten Inka lebten in Dörfern. Das Leben war familiär geprägt. Allgegenwertig war der Glaube an ihre verschiedenen Götter. Kinderopfer brachten viele Familien wohl ohne Widerstand dar. Eltern eines auserwählten Kindes zu sein, ehrte die Familie.
Größere Dörfer waren in Viertel unterteilt. Hier zeigten sich die starken Klassenunterschiede. Bauern blieben unter sich, Handwerker ebenso. Adel und die königliche Familie bildeten die Spitze der Pyramide.
Die Lebensweise der Inka war sesshaft. Sie errichteten so gut wie immer Häuser aus Stein. Auch an den Küsten, an denen Stein schwer zu beschaffen war, finden sich Ruinen, die diese Vorliebe zeigen. Dafür zogen sie die aus den Steinbrüchen gehauenen Quader kilometerweit, wenn es sein musste.
Die Häuser waren rechteckig und besaßen ein Strohdach. Sie wurden normalerweise um einen zentralen Platz erbaut, der zum Gemeinschaftsgedanken beitrug. Um diesen Gedanken zu festigen, arbeiteten viele Inka eine Weile für das Reich. Es war auch üblich, dass Arbeiter je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Orten arbeiteten.
Die starken Höhenunterschiede in den Anden führten dazu, dass die Felder je nach Höhe nacheinander bewirtschaftet wurden. Um sich gegenseitig zu unterstützen, kamen die Bauern, deren Felder ruhten, in andere Höhen, um dort zu arbeiten. Als Dank teilten sie die Früchte ihrer Arbeit untereinander.
Wie waren die Inka staatlich organisiert?
An der Spitze des Inkareiches befand sich der Sapa Inka, also der König. Der Titel wurde für gewöhnlich an den erstgeborenen Sohn vererbt. An zweiter Stelle stand der höchste Priester, Willaq Umu. Zudem besaß der Sapa Inka einen Berater und Assistenten, der Inkap Rantin genannt wurde. Später, ab dem zehnten Regenten Túpac Yupanqui (1471 – 1493) stand dem König außerdem ein Rat aus 16 Adligen zur Seite.
Den Inka war ihr Gemeinschaftsgefühl sehr wichtig. Steuern wurden in Form von Militär- oder Arbeitsdienst entrichtet. Jeder Mann im kampffähigen Alter musste mindestens einmal in seinem Leben Militärdienst verrichten. Zudem stand er jederzeit als Soldat zur Verfügung.
Im Gegenzug sorgte der Sapa Inka dafür, dass Bewässerungsanlagen und Straßen gebaut wurden. Er stellte die Lebensmittelversorgung bei Missernten sicher, hielt Feste ab und sorgte für die Sicherheit seines Volkes in Kriegszeiten.
Dieses System funktionierte erstaunlich gut. In ländlicheren Regionen setzten die Bewohner es untereinander in Form des bereits beschriebenen Arbeiteraustausches ein.
Der Handel beschränkte sich dadurch meist auf Tauschhandel. Die vielfältigen Landstriche der Anden und die gute Infrastruktur der Inka machten ihn möglich. Bewohner der Küste konnten leicht verderblichen Fisch und Muscheln mit Bewohnern der Berge gegen Mais, Coca und Wolle tauschen. Die Edelmetalle, mit denen die Inka ihre Tempel reich schmückten, sahen sie nämlich nicht als Währung an. Sie dienten fast ausschließlich der Ausübung ihrer Religion.
Welche Sprachen sprechen die Inka?
Die Sprache der Inka heißt Quechua. Sie wird bis heute im Gebiet der Anden gesprochen und ist Amtssprache in Peru. Die weiteren Amtssprachen sind Spanisch und Aymara, die Sprache der gleichnamigen indigenen Bevölkerung der Hochanden.
Quechua wird von etwa zehn Millionen Menschen im gesamten Andenraum gesprochen (Stand 2015). Die Verbreitung der Sprache ist rückläufig. Kindern wird von ihren Eltern oft nur noch Spanisch beigebracht, sodass Quechua über längere Zeit gesehen aussterben wird.
Im Deutschen benutzen wir einige quechuanische Lehnworte. Lama, Alpaka, Pampa, Mate, Puma, Kondor, Coca und Quinoa. Inka ist ebenfalls die Eigenbezeichnung des Volkes auf Quechua.
Welche Religion hatten die Inka?
Die Inka waren polytheistisch. Ihre drei wichtigsten Götter waren der Schöpfergott Wiraqucha, der Sonnengott Inti und die Erdengöttin Pachamama. Außerdem gab es lokale Gottheiten.
Zentral war der Glaube an den Übergang ins Jenseits nach dem Tod eines Menschen. Der Mensch durfte nicht durch Verbrennen sterben, da dies seine Lebenskraft verschwinden ließ. Auch wenn die Leiche verbrannt wurde, war die Seele im Glauben der Inka verloren. Der König wurde wie ein Gott verehrt. Er sah sich als Nachfahre des Sonnengottes. Geopferte Kinder wurden dem Inkaglauben nach ebenfalls Götter.
Mythologische Abstammung
Jeder Inkastamm verband seine Abstammung mit einem heiligen Tier oder einem Stern. Allgemein waren die Inka überzeugt, Nachkommen der Sonne zu sein. Sie verehrten die Sonne so sehr, dass sie überall in ihrem Reich riesige Tempel zu ihren Ehren errichteten. Der größte stand in Cusco, wurde jedoch bei der spanischen Eroberung fast vollständig vernichtet. Lediglich schriftliche Überlieferungen geben noch Aufschluss darüber, wie prächtig er gewesen sein muss.
Die Inka verzierten ganze Wände und Mumien mit Gold und Silber. Beide Metalle waren für sie nur da, um ihren Göttern zu huldigen. Gold sahen sie als Schweiß der Sonne. Silber waren Tränen des Mondes. Beide, Sonne und Mond, waren Mann und Frau und gleichzeitig ein göttliches Geschwisterpaar. So lässt sich wohl auch herleiten, warum gegen Ende des Reiches das Herrscherpaar häufig aus Bruder und Schwester bestand.
Weltbild
Der Religion der Inka nach liegt die Erde auf dem Meer, welches gleichzeitig die Unterwelt darstellt. Der Titicacasee ist der Mittelpunkt der Welt und sein Wasser entspringt ebenfalls der Unterwelt. Die Berge sehen sie als Verbindungen zwischen Erde, Himmel und Unterwelt.
Diese sind die Brüste der Erdgöttin. Flüsse, die den Bergen entspringen und ins Tal fließen, sahen die Inka als Milch ihrer Göttin.
Das wichtigste Fest Inti Raymi
Inti Raymi war das wichtigste religiöse Fest der Inka. Es fand am 23. Juni, der Wintersonnenwende, statt.
Während Inti Raymi dankten die Inka ihren Göttern für das abgelaufene Jahr und beteten gleichzeitig für eine gute Ernte. Die Aussaat fand nämlich kurz nach dem Fest statt.
Zentraler Bestandteil des Festes war eine Prozession der 14 königlichen Mumien. Diese wurden bewirtet und durch Cusco getragen. Diese verstorbenen Könige verehrten die Inka wie ihre Götter. Sie baten sie bei dem Fest um Regen ohne Unwetter, sodass ihre Ernte gut ausfallen möge.
Religiöse Würdenträger
Die Tempel wurden von Priestern geleitet. Die Priester der Inka lebten vegetarisch und verzichteten auf Alkohol und Luxus. Sie fasteten oft, kleideten sich aber in fein gewebten Stoffen. Außerdem trug der höchste von ihnen, der Willaq Umu, eine goldene Kopfbedeckung mit einer Sonne darauf.
Der höchste Priester ernannte andere Priester und entließ sie. Er krönte den König der Inka und leitete die Trauung. Außerdem waren sie als Wahrsager tätig. Die Wahrsagung war ein zentraler Bestandteil des Lebens der Inka. Priester beobachteten die Bewegung einer Spinne, analysierten den Fall von Kokablättern oder Maiskörnern. Und sie lasen die Zukunft aus Innereien geopferter Tiere. Damit sagten sie den Ausgang von Schlachten voraus, bestimmten das Strafmaß für Verbrechen und diagnostizierten Krankheiten.
Eine andere wichtige Funktion hatten die Aklla, die erwählten Jungfrauen. Es handelte sich dabei um Mädchen, die mit fünf Jahren ihre Ausbildung begonnen. Sie lernten die Haushaltsführung, Kochen, Schneidern, Weben und Singen. Mit 13 war ihre Ausbildung beendet. Wer sich qualifizierte, lebte ein dem Sonnengott gewidmetes, streng keusches Leben.
Der König verschenkte diese Mädchen an Adelige, denen sie dienen sollten. Unklar ist, inwieweit ihre Keuschheit von da an bewahrt wurde. Zur völligen Keuschheit waren nur einige von ihnen über ihren 13. Geburtstag hinaus verpflichtet. Lediglich der Herrscher durfte über diese ausgewählte Gruppe verfügen.
Die Verletzung der Jungfräulichkeit dieser Mädchen war bei den Inka ein ungeheuerliches Verbrechen. Kam der Bruch heraus, bedeutete er den Tod des Verführers und des Mädchens. Darüber hinaus wurde ihre gesamte Familie und alle Bewohner ihres Heimatdorfes hingerichtet. Sogar Pflanzen und Tiere wurden dabei zerstört und getötet.
Opfer
Die indigenen Völker Mittelamerikas sind für ihre Menschenopfer bekannt. Auch in der Religion der Inka gehörten sie dazu. Allerdings machten sie einen deutlich geringeren Anteil an Opfern aus als es bei den Azteken der Fall war.
Geopfert wurden vorzugsweise Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren. Diese Kinder sollten freiwillig und glücklich in den Tod gehen, um die Götter gnädig zu stimmen. Sie wurden lebendig begraben, erdrosselt oder erschlagen. Zudem erhielten sie reiche Grabbeigaben und alkoholische Getränke. Letztere trugen wohl auch dazu bei, dass sie sich im Angesicht des Todes weniger wehrten.
Es wurden mehrere Mumien dieser geopferten Kinder gefunden, die Verletzungen aufweisen. Höchstwahrscheinlich sind diese Verletzungen entstanden, weil die Kinder am Ende in Panik ihrem sicheren Opfertod entkommen wollten. Priester schlugen die Kinder daraufhin oder fesselten sie so eng, dass Knochen brachen. Dann setzten sie sie in die Bergspalte, die ihr Grab werden sollte. Anschließend setzte der Tod recht schnell durch Erfrieren ein.
Andere Opfer, Tiere oder Lebensmittel, nahmen eine deutlich größere Rolle ein. Im späten Inkareich ersetzten Lamas die Menschenopfer fast vollständig. Während Inti Raymi wurden beispielsweise 10.000 Lamas geopfert. Auch Kokablätter, Muscheln und Maisbier wurden den Göttern dargebracht.
In Bolivien ist es in abgelegenen Bergregionen bis heute Brauch, beim Bau eines Hauses einen gedörrten Lamaembryo einzumauern. Der Embryo soll Haus und Bewohner schützen.
Welche Errungenschaften hatten die Inka?
Die Inka waren ein weitentwickeltes Volk, das einige Erfindungen vorweisen kann.
Knotenschrift
Bei der Knotenschrift handelt es sich um ein Schriftsystem, das durch Knoten in verschiedener Höhe und Menge an Seilen dargestellt wird. Sie heißt Quipu oder Khipu und ist bis heute nicht entschlüsselt. Vermutlich existierten zwei Systeme: eines, das Mengen erfasste und der Buchhaltung diente, und eines für Nachrichten.
Letzteres ist äußerst komplex. Um Silben darzustellen, nutzten die Inka verschiedene Tierhaare, die in insgesamt 14 unterschiedlichen Farben gefärbt sein konnten. Lesen konnten diese Nachrichten nur wenige Inka, die extra dafür ausgebildet wurden.
Kalender und Astronomie
Die Inka beobachteten den Himmel genau und berechneten daran den landwirtschaftlichen Zyklus. Sie erschufen einen Sonnenkalender. 1532/33 begann ihr Jahr am 3. Juni 1532 und endete am 2. Juni 1533.
Ihre Monate hatten 29 oder 30 Tage, eine Woche bestand aus zehn Tagen. Zusätzlich schoben sie zehn weitere Tage ein. So erreichten sie die nötige Anzahl an Tagen für eine Umrundung der Sonne. Für die Inka zeigte sich diese in Form desselben Sonnenlaufes am Himmel.
Infrastruktur
Die Inka hatten ein riesiges Reich zu verwalten. Dafür errichteten sie eine hervorragende Infrastruktur. Diese bestand aus befestigten Straßen aus Stein, Hängebrücken und Treppen.
Außerdem bildeten die Inka Chasquis aus. Das waren trainierte Läufer, die als Nachrichtensystem das gesamte Reich verbanden.
Die Chasquis hatten feste Strecken, die zwischen 15 und 42 Kilometer lang waren. Am Ende wartete ein anderer Läufer, der die Nachricht übernahm und den Lauf fortführte.
Zur Nachrichtenüberbringung hatten die Chasquis Schneckenhörner dabei. Dort bliesen sie hinein, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Nachricht führten sie in Form der Knotenschrift mit sich.
Zur Verteidigung waren die Chasquis in verschiedenen Kampftechniken ausgebildet. Das sollte verhindern, dass die Nachrichten in falsche Hände gerieten oder die Läufer auf ihrem Weg wilden Tieren zum Opfer fielen.
Landwirtschaft
Die Inka mussten die steile Landschaft der Anden nutzen lernen, um sich landwirtschaftlich zu versorgen. Dafür perfektionierten sie den Terrassenbau, kultivierten verschiedene Pflanzen, die unterschiedliche Anforderungen an ihren Boden haben, und nutzten Bewässerungssysteme. Diese leiteten Wasser aus Bergquellen durch Kanäle, sodass selbst trockene Landstriche in den Anden landwirtschaftlich nutzbar wurden. Feuchte Gebiete um Seen entwässerten sie erfolgreich.
Architektur
Die meisten Bauwerke der Inka sind heute verloren. Was übrig ist, zeigt jedoch ihr enormes Verständnis von Architektur. Ihre Tempel und Paläste kamen oft ohne Mörtel aus. Die Steine passten so perfekt ineinander, dass sie selbst Erdbeben standhielten. Außerdem schmückten die Inka ihre Bauwerke reich und richteten sie dem Lauf der Sonne oder nach den Sternen aus. Den genauen Zweck der so erbauten Tempelanlagen ist jedoch meist verloren. Die Spanier vernichteten bei ihren Eroberungszügen zu viel.
Medizin
Die Medizin der Inka konzentrierte sich auf Heilpflanzen. Diese wurden mit religiösen Ritualen gemeinsam angewandt. Die Inka glaubten daran, dass Krankheiten mit schlechten Handlungen zusammenhingen. Eine Heilung war daher nur mit rituellen Reinigungen möglich. Heilpflanzen der Inka waren unter anderem Kokablätter, Maca, Brennnessel, Katzenkralle und Achiote.
Teilweise besitzen diese Heilpflanzen desinfizierende Wirkungen. Den Inka war es daher erstaunlich oft möglich, Wunden zu behandeln, ohne dass diese sich entzündeten.
Zudem führten sie Schädeltrepanationen durch. Dabei wird ein Loch in den Schädelknochen gebohrt oder geschnitten. Durch dieses Loch ließen die Inka Flüssigkeit ablaufen.
Solche Operationen waren sehr gefährlich. Die Inka schafften es jedoch, eine erstaunlich hohe Überlebensrate zu erzielen. Etwa 80 % der Behandelten überlebten den Eingriff, was an Knochenfunden mit verheilten Operationswunden zu sehen ist.
Diese Trepanationen sollten Schmerzen lindern, Epilepsie behandeln und dienten in einigen Fällen wohl auch der Durchführung von religiösen Ritualen. Schmerzen aufgrund von erhöhtem Hirndruck können auf diese Weise tatsächlich gelindert werden. Epilepsie heilten die Inka auf diese Weise höchstwahrscheinlich nicht.
Zudem kämpften die Inka hauptsächlich mit Keulen und Steinschleudern. Die Wunden, die dabei entstanden, töteten langsam. Ein solches Schädeltrauma konnte durch eine Trepanation behandelt werden. Den Inka halfen also auch ihre bevorzugten Waffen dabei, geeignete Behandlungen zu finden.
Warum waren die Inka eine Hochkultur?
Die Inka erfüllen mehrere Kriterien einer Hochkultur. So waren sie deutlich weiterentwickelt als Nachbarvölker ihrer Zeit. Ihre Architektur war erstaunlich und in der Lage, Jahrhunderte zu überdauern. Sie besaßen ein funktionierendes Verwaltungssystem und schafften es, eine millionenschwere Bevölkerung durch ausgeklügelte landwirtschaftliche Hilfsmittel zu versorgen. Die Verwaltung gelang ihnen über weite Strecken. Der Sapa Inka setzte Gouverneure ein, die lokal agierten, Steuern eintrieben und große Mengen an Daten sammelten.
Warum sind die Inka untergegangen?
Der Untergang des Inkareiches geschah durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. 1572 fiel das Reich endgültig.
Vermutlich waren einige der Stärken der Inka mit Schuld an ihrem letztendlichen Untergang. Ihr außerordentlich gutes Straßensystem sorgte dafür, dass sich Krankheiten schnell ausbreiteten.
Krankheiten
Neben Pocken wüteten auch Typhus, Grippe und Masern in Mittelamerika. Von dort gelangten die Krankheiten über die Inkastraßen bis nach Peru. Die Inka waren also bereits geschwächt. Ihre Zahl von ungefähr 10 Millionen im Jahr 1527 schrumpfte rapide. Hinzu kam ein Erbfolgekrieg.
Die Krankheiten kamen den Spaniern zuvor. Bei einer Epidemie starb der amtierende Inkakönig Huayna Cápac. Sein Sohn Ninan Cuyuchi, den er zu seinem Nachfolger erklärt hatte, erlag der eingeschleppten Krankheit fast zeitgleich. So war das Reich führerlos und zwei Männer erhoben Anspruch auf den Thron.
Innere Zerrissenheit
Bei den Männern mit Thronanspruch handelte sich um weitere Söhne Huayna Cápacs: Huáscar und Atahualpa. Letzterer behauptete, der gemeinsame Vater habe vorgehabt, sein Reich unter ihm und seinem Halbbruder Huáscar aufzuteilen. Ob das so stimmt, ist heute nicht mehr rekonstruierbar. Huáscar war damit jedenfalls zunächst einverstanden und regierte die Südhälfte.
1529 soll Atahualpa Abgesandte nach Cusco zu seinem Halbbruder geschickt haben. Huáscar soll diese bis auf einen Mann getötet haben. Den letzten kleidete er in Frauenkleider und schickte ihn zu Atahualpa zurück. Durch diese Demütigung soll ein Bürgerkrieg ausgebrochen sein. Es könnte auch sein, dass Huáscar bereits zuvor Anspruch auf das gesamte Reich erhoben hatte. Möglicherweise fand diese Demütigung also gar nicht statt.
Erbfolgekriege
Die Heere der beiden Könige standen sich mehrmals gegenüber. Zunächst fuhr Atahualpa mehrere Siege ein. Bald stand er kurz vor Cusco. Bei den Kämpfen und dem Vorrücken halfen ihm Spione und sogar die Tochter Huáscars. Diese war in einen seiner Hauptmänner verliebt und teilte empfindliche Details über geplante Schlachten mit ihm.
Bei der letzten Schlacht schien Atahualpas Armee den Kürzeren zu ziehen. Sie mussten sich zurückziehen und entkamen nur knapp einem Feuer, das Huáscar in der Steppe legen ließ. Am nächsten Tag hatte er geplant, die letzten Reste der gegnerischen Armee zu vernichten. Allerdings wurde ein Offizier durch Atahualpa gefangen genommen und gefoltert. Am Ende verriet er die Pläne von Huáscar, sodass Atahualpa reagieren konnte.
Er lauerte seinem Halbbruder an einem Hohlweg auf. Ein Hohlweg ist ein Pfad, der durch jahrelange Nutzung durch Wägen eine kleine Schlucht gebildet hat. Dabei kam die Armee Huáscars um und er selbst geriet in Gefangenschaft.
Nun folgte eine grausame Rache an der Stadt Cusco. Man schätzt, dass bis zu einem Drittel der Bevölkerung brutal durch die Soldaten Atahualpas abgeschlachtet wurde. Funde bestätigen, dass diese Grausamkeit auch vor Säuglingen keinen Halt machte. Huáscar musste der Ermordung seiner gesamten Familie beiwohnen. Anschließend hatte Atahualpa geplant, als König das gesamte Inkareich zu regieren.
Die Spanier nutzten die Schwächephase
Diesen geschwächten Zustand nutzten die Spanier bei ihrem Eroberungszug durch Peru aus. Francisco Pizarro, ein spanischer Conquistador, war im April 1532 in Tumbes, einer Küstenstadt des Inkareiches, gelandet. Atahualpa hatte die Spanier bemerkt, sie aber nicht als Bedrohung wahrgenommen.
Pizarros Gefolgschaft umfasste etwa 160 Mann und Atahualpa war mit dem Bürgerkrieg beschäftigt. Die Spanier kamen daraufhin nach Cajamarca und blieben dort. Pizarro suchte erst am 15. November, als der Bürgerkrieg entschieden war, Atahualpa auf. Dieser stimmte zu, am Folgetag in die Stadt zu kommen, um mit den Spaniern zu sprechen.
Pizarro wollte Atahualpa eine Falle stellen. Er wusste, dass der König aufgrund seines brutalen Vorgehens äußerst unbeliebt war. Die Spanier hatten unter den Inkavölkern bereits Verbündete gefunden, die gegen Atahualpa vorgehen wollten.
Überliefert ist folgender Ablauf: Atahualpa wurde am 16. November 1532 mit mehreren Tausend Begleitern in einer Sänfte in die Stadt Cajamarca getragen. Auf dem zentralen Platz sprach ein spanischer Mönch mithilfe eines Dolmetschers zu dem Inkakönig. Er erzählte ihm vom Christentum. Atahualpa war davon wenig beeindruckt und fragte den Mönch, woher er all das wissen wolle. Der Mönch überreichte ihm daraufhin eine Bibel. Atahualpa soll sie an sein Ohr gehalten haben, um zu sehen, ob das Buch sprechen konnte. Als er nichts hörte, warf er es auf den Boden.
In dem Moment griffen Pizarros Männer an. Obwohl sie zahlenmäßig weit unterlegen waren, machten sie durch das Überraschungsmoment, die Pferde und die besseren Waffen kurzen Prozess mit Atahualpas Gefolge. Er selbst geriet in spanische Gefangenschaft.
Absetzung und Hinrichtung des letzten Inka-Herrschers
Zunächst stimmten die Spanier zu, Atahualpa gegen ein Lösegeld freizulassen. Atahualpa hatte die Höhe selbst bestimmt. Er bot den Spaniern an, ihnen Gold und Silber zu bringen. Das Gold sollte den Raum, in dem er sich gerade befand, bis zu einer Höhe von 2,75 m ausfüllen. Den Nebenraum wollte er auf dieselbe Weise zweimal mit Silber füllen lassen. Die Höhe hatte er bestimmt, indem er die Wand mit ausgetrecktem Arm berührt hatte. An der Stelle wurde eine Markierung vorgenommen.
Das Herbeischaffen der Edelmetalle dauerte Monate. Irgendwann wuchs in den Spaniern die Angst vor einem Widerstand der Inka. Deswegen inszenierten sie einen Scheinprozess. Atahualpa wurde darin zum Tode verurteilt. Vorgeworfen wurden ihm unter anderem Usurpation, Inzest, Brudermord und Götzendienerei. Das Urteil wurde am Tag darauf, dem 26. Juli 1533, vollstreckt. Dem Scheiterhaufen entging Atahualpa durch eine Taufe. Stattdessen wurde er erdrosselt und christlich begraben.
Einsetzen eines Vasallenherrschers
Pizarro setzte Atahualpas Bruder Manco Cápac II. auf den Thron und nahm Cusco ein. Bald darauf rebellierte Manco Cápac II jedoch gegen die Spanier und wollte die Hauptstadt zurückerobern. Er scheiterte und musste sich in die Berge von Vilcabamba zurückziehen. Dort regierten er und seine Nachfolge insgesamt noch 36 Jahre, bevor die Spanier Im Jahr 1572 ihre letzte Hochburg einnahmen. Damit war das Inkareich gefallen.
Leben Inkas heute noch?
Inka ist die Bezeichnung für Sprecher der Quechua-Sprache. Der Name Quechua ist die eigentlich bessere Bezeichnung für das historische Inkavolk. Denn als Inkas wurden ursprünglich nur das Herrschergeschlecht und später die Stammesfürsten bezeichnet. Demnach ist Inka eine Bezeichnung für einen Herrschertitel und nicht für ein Volk.
Die Quechua gibt es heute noch. Es ist das Volk der Tawantinsuyu. Etwa dreizehn Millionen Menschen gehören zur Bevölkerungsgruppe der Tawantinsuyu. Diese sprechen noch heute die Quechua-Sprache und sind demnach Nachkommen bzw. die letzten Verbliebenen des Inkavolkes.
Heute leben die Nachkommen der Inkas vor allem in Peru, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Argentinien.
Vor allem in Peru sind die Inkas damals und heute noch vertreten. In Teilen Perus ist Quechua eine weitere Amtssprache, neben Spanisch.
Eine Vorreiterrolle beim Erhalt der Quechua Sprache und somit der Inkakultur geht das Land Mexiko nach. Dort gibt es staatliche Organisationen, welche indigene Sprachen erfassen, archivieren und erhalten wollen. Ein großer Teil der Bevölkerung Mexikos hat indigene Vorfahren. So besitzen rund 15 % der rund 135.000.000 Einwohner Mexikos indigene Vorfahren. Diese sind allerdings recht unterschiedlich und umfassen die Mayas, Azteken, Inkas und weitere.