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Erster Kontinentalkongress


Der Erste Kontinentalkongress war eine Versammlung von Delegierten aus den Dreizehn Kolonien Nordamerikas. Diese Zusammenkunft fand zwischen dem 5. September und 26. Oktober 1774 in der Carpenters‘ Hall in Philadelphia statt. Insgesamt waren 56 Delegierte aus zwölf der Dreizehn Kolonien vertreten (Georgia fehlte).

Der spätere US-Präsident George Washington nahm als Delegierter der Colony of Virginia am Kongress teil. Weitere Prominente waren Roger Sherman (Connecticut), John Adams (Massachusetts), John Jay (New York) oder Richard Henry Lee (Virginia).

Viele der Delegierten nahmen auch am Zweiten Kontinentalkongress teil, auf welchem die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verabschiedet wurde. Deshalb wird ein Teil von ihnen, in der historischen Rückschau, zu den Gründervätern der USA gezählt.

Ziel des Ersten Kontinentalkongresses sollte es sein, eine gemeinsame Antwort gegen die Intolerable Acts der Briten zu finden. Auf der Versammlung wurde erstmals eine Einigkeit der Dreizehn Kolonien hergestellt. Demnach war diese Versammlung die erste De-facto Regierung der Vereinigten Staaten.

Zwar fand der Erste Kontinentalkongress noch während der Amerikanischen Revolution statt, aber bei dieser Versammlung wurde bereits der bevorstehende Unabhängigkeitskrieg vorbereitet. Auf dem anschließenden Zweiten Kontinentalkongress, welcher ab 1775 stattfand, wurde der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg dann organisiert.

Steckbrief

Aquarell-künstlerisches Bild der Versammlung des Kontinentalkongresses, KI-erzeugt, Bildnachweis: Shutterstock KI/shutterstock.com

Aquarell-künstlerisches Bild der Versammlung des Kontinentalkongresses (KI-erzeugt)


Erster Kontinentalkongress
Bedeutung:gemeinsame Antwort der Dreizehn Kolonien auf die Coercive Acts
Zeitraum:5. September bis 26. Oktober 1774
Versammlungsort:Carpenters' Hall in Philadelphia, Provinz Pennsylvania
Teilnehmer:56 Delegierte aus zwölf der Dreizehn Kolonien (außer Provinz Georgia)
Vorgänger:Albany-Kongress (1754), Stempelgesetz-Kongress (1765)
Nachfolger:Zweiter Kontinentalkongress (1775-1781)
Vorsitzener:Peyton Randolph, Henry Middleton
Sekretär:Charles Thomson
Ursachen:Stamp Act (1765), US-Revolution (ab 1764), Boston Tea Party (1773), Coercive Acts (1774)
Folgen:Handelsboykotte, Kontinentale Vereinigung, Petition an den König

Was war der Erste Kontinentalkongress?

Der erste Kontinentalkongress war eine Versammlung, an welcher zwölf der Dreizehn Kolonien teilnahmen. Ziel war es, eine gemeinsame Antwort gegen die Coercive Acts (Intolerable Acts) zu finden, welche die Briten 1774 erlassen hatten.

Warum wurde der Kongress einberufen?

Der Kongress sollte eine gemeinsame Reaktion der Dreizehn Kolonien auf die britischen Zwangsgesetze (Coercive Acts) formulieren. Diese wurden 1774 von den Briten erlassen, als Gegenreaktion auf den Bostoner Teesturm (Tea Party, 1773).

Ursachen

Die Coercive Acts waren eine Sammlung verschiedener Gesetze, um die Unruhen in den amerikanischen Kolonien einzudämmen. Insgesamt bestand die Sammlung aus fünf Einzelgesetzen:

  • Boston Port Act: Schließung des Bostoner Hafens
  • Massachusetts Government Act: Versammlungsverbot in allen Städten der Provinz Massachusetts Bay
  • Impartial Administration of Justice Act: Schutz der Rechtsprechung für britische Beamte in der Kolonie Massachusetts Bay
  • Quartering Act: Verpflichtung zur Unterbringung britischer Soldaten in den Wohnhäusern der Kolonisten
  • Quebec Act: Das Ohio-Tal sollte an die Provinz Quebec angeschlossen und somit für Siedlungen ausgeschlossen werden.

Reaktionen

Für die Kolonisten waren die Coercive Acts (coercive = Zwangsmittel) nicht hinnehmbar, weshalb man sie als Intolerable Acts (deutsch Unerträgliche Gesetze) bezeichnete. Insbesondere die Schließung des Hafens von Boston bedrohte die Volkswirtschaft der Kolonien, welche auf Exporte nach Europa und Asien angewiesen war.

Das Quartiergesetz, bei dem britische Soldaten in den Wohnstätten der Kolonisten untergebracht werden sollten, empfanden diese als Zumutung. Und die Sperrung des Ohio-Tals für Siedler wurde als Bevormundung aufgefasst.

Wann und wo fand der Erste Kontinentalkongress statt?

Der Erste Kontinentalkongress begann am 5. September 1774 und endete am 26. Oktober 1774. Austragungsort war die Carpenters’ Hall in Philadelphia.

Die Stadt war Hauptstadt der Provinz Pennsylvania und gehörte geografisch zu den Mittleren Kolonien. Demnach lag diese zentral und war für alle Delegierten erreichbar. Aber Philadelphia war damals auch die größte Stadt der Kolonien und ein Zentrum politischer Aktivität.

Karte der Dreizehn Kolonien

Karte der Dreizehn Kolonien

Die Carpenters‘ Hall gehörte der Carpenters’ Company, einer Handwerksgilde. Demnach war es ein neutraler Ort, welcher zu keiner politischen Fraktion gehörte und damit auch keine Loyalität zu einer bestimmten Gruppe symbolisierte. Diese Halle wurde erst 1774 fertiggestellt und bot einen großen Versammlungsraum mit guter Akustik.

Carpenter's Hall in Philadelphia, 2018, Bildnachweis: Enrico Della Pietra/shutterstock.com

Carpenter’s Hall

Somit war dieser Ort würdevoll, symbolträchtig und zugleich politisch neutral – da die Kolonien 1774 immer noch ihre eigenen Interessen vertraten. Die Wahl eines neutralen Bodens sollte den Einheitsgedanke aller Kolonien begünstigen bzw. nicht verhindern.

Wer nahm am Ersten Kontinentalkongress teil?

siehe auch Abschnitt: Teilnehmerliste des Ersten Kontinentalkongresses

Insgesamt nahmen 56 Delegierte aus zwölf der Dreizehn Kolonien am Ersten Kontinentalkongress teil. Nur die Provinz Georgia schickte keine Delegierten. Diese Kolonie war erst 1732 gegründet worden und war somit die jüngste nordamerikanische Kolonie der Briten. Aufgrund ihres kurzen Bestehens war die Kolonie noch sehr abhängig von den Briten, weshalb man sich gegen eine Verbrüderung aussprach bzw. einer Revolution gegen das britische Mutterland skeptisch gegenüber stand.

Was wurde auf dem Ersten Kontinentalkongress beschlossen?

Auf dem Ersten Kontinentalkongress wurde der Assoziationsartikel beschlossen. Dieser sah vor, sämtliche Warenimporte aus Großbritannien zu boykottieren. Der Importboykott wurde ab dem 1. Dezember 1774 verpflichtend für alle Dreizehn Kolonien.

Falls Großbritannien dann die Zwangsgesetze immer noch nicht zurücknehmen würde, sollte eine Verschärfung einsetzen. Diese Verschärfung sah vor, dass ab dem 10. September 1775 auch keine Waren mehr nach Großbritannien exportiert werden sollten.

Der Assoziationsartikel zeigte Wirkung und so sanken die Einfuhren aus Großbritannien im Jahr 1775 um 97 %.

Außerdem wurde der nächste Kongress für den 10. Mai 1775 vorbereitet.

Welche Folgen hatte der Kongress?

Die bedeutendste Folge des Ersten Kontinentalkongresses war Einigkeit. Denn fortan traten die Dreizehn Kolonien zusammen gegen die britische Kolonialmacht auf. Das Durchsetzen der Handelsboykotte in allen Kolonien war eine Konsequenz dieser Einigkeit.

Der amerikanische Unabhängigkeitsgedanke wurde erst durch die Veröffentlichung von Thomas Paines Pamphlet (Common Sense, 10. Januar 1776) wirklich mehrheitsfähig. Doch die Einheit der Dreizehn Kolonien, welche auf dem Kongress geboren wurde, war die Grundlage für solche Unabhängigkeitsbemühungen. Demnach wäre die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 ohne die zuvor geschaffene Einigkeit nicht zustande gekommen.

Wie hängt der Erste mit dem Zweiten Kontinentalkongress zusammen?

Der Erste Kontinentalkongress bereitete den Zweiten direkt vor. Zwei zentrale Beschlüsse wurden gefasst: der Handelsboykott und die Vorbereitung des Zweiten Kontinentalkongresses, dessen Einberufung auf den 10. Mai 1775 festgelegt wurde.

Teilnehmerliste

New Hampshire Colony (2 Delegierte)
Nathaniel Folsom: US-Politiker und ab 1776 Richter in Rockingham County
John Sullivan: US-Politiker und amerikanischer General im Unabhängigkeitskrieg, Anführer der Sullivan-Expedition 1779
Province of Massachusetts Bay (4 Delegierte)
John Adams: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, zweiter Präsident der Vereinigten Staaten
Samuel Adams: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Thomas Cushing: ab 1785 Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts
Robert Treat Paine: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Colony of Rhode Island and Providence Plantations (2 Delegierte)
Stephen Hopkins: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Samuel Ward: von 1762 bis 1763 der 31. und von 1765 bis 1767 der 33. Gouverneur der Colony of Rhode Island and Providence Plantations
Colony of Connecticut (3 Delegierte)
Silas Deane: späterer erster Diplomat der USA in einem anderen Land
Eliphalet Dyer: von 1774 bis 1779 und von 1782 bis 1783 ein Delegierter für Connecticut im Kontinentalkongress
Roger Sherman: US-amerikanischer Anwalt und Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung (Komitee der Fünf)
Province of New York (9 Delegierte)
John Alsop: Delegierter für New York zwischen 1774 und 1776
James Duane: Unterzeichner der Konföderationsartikel
John Jay: Diplomat während des Unabhängigkeitskrieges, später Außenminister der Vereinigten Staaten, Unterzeichner des Jay-Vertrages (1794) und US-Gründervater
Philip Livingston: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Isaac Low: nahm nur 1774 teil
Simon Boerum: Delegierter zwischen 1774 und 1775
John Haring: Delegierter von 1774 und zwischen 1785 und 1787
Henry Wisner: errichtete während des Unabhängigkeitskrieges drei Pulverfabriken für die Kontinentalarmee
William Floyd: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Province of New Jersey (5 Delegierte)
Stephen Crane: Delegierter zwischen 1774 und 1776
John De Hart: Delegierter zwischen 1774 und 1775, legte sein Mandat nieder als allmählich die Unabhängigkeit klar wurde, war gegen die Abspaltung
James Kinsey: Delegierter zwischen 1774 und 1775, wurde 1789 Chief Justice Vorsitzender Richter am New Jersey Supreme Court
William Livingston: Unterzeichner der US-Verfassung
Richard Smith: Delegierter zwischen 1774 und 1776, wurde 1776/77 Finanzminister für New Jersey
Province of Pennsylvania (8 Delegierte)
Edward Biddle: Delegierter zwischen 1774 und 1775, ab 1778 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Pennsylvania
John Dickinson: Unterzeichner der US-Verfassung
Joseph Galloway: Delegierter von 1774, verfolgte den Plan des Kompromisses mit Großbritannien, Gegner der Unabhängigkeitsbewegung, Loyalist
Charles Humphreys: Delegierter von 1774, stimmte im Juli 1776 gegen die Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung
Thomas Mifflin: Generalmajor im Unabhängigkeitskrieg
John Morton: Delegierter, der die entscheidende Stimme zu Gunsten der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten abgab
Samuel Rhoads: Delegierter 1774, wurde im selben Jahr der Bürgermeister von Philadelphia, Gründer und Vorstandsmitglied des Pennsylvania Hospital
George Ross: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Delaware Colony (3 Delegierte)
Thomas McKean: Offizier der Kontinentalarmee, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
George Read Sr.: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Caesar Rodney: Milizoffizier im Franzosen- und Indianerkrieg, Offizier im Unabhängigkeitskrieg, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Province of Maryland (5 Delegierte)
Samuel Chase: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, später Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten
Robert Goldsborough: Delegierter zwischen 1774 und 1776
Thomas Johnson: später beratender Richter des Obersten Gerichtshofes
William Paca: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Matthew Tilghman: Plantagenbesitzer, Delegierter für Maryland zwischen 1774 und 1776, ab 1776 Präsident des Abgeordnetenhauses von Maryland
Colony of Virginia (7 Delegierte)
Richard Bland: Delegierter Virginias zwischen 1774 bis 1775, wurde 1776 wieder ins Gremium gewählt, lehnte allerdings ab
Benjamin Harrison V: Plantagenbesitzer, Sklavenhalter, Pflanzer und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Patrick Henry: wurde 1765 ins das House of Burgesses in Virginia gewählt, war maßgeblich an der Verabschiedung der Virginia Resolves beteiligt, wurde später entschiedener Gegner der US-Verfassung (Federalists)
Richard Henry Lee: brachte die Lee-Resolution auf den Zweiten Kontinentalkongress ein, wodurch die Unabhängigkeitserklärung geschrieben und verabschiedet wurde, war Unterzeichner der US-Verfassung
Edmund Pendleton: Pflanzer, Jurist und Politiker, Delegierter für Virginia zwischen 1774 und 1775, war 1788 der Präsident jener Versammlung - die die Verfassung der Vereinigten Staaten für Virginia ratifizierte
Peyton Randolph: erste Präsident des Kontinentalkongresses
George Washington: Tabakpflanzer, Oberbefehlshaber im Unabhängigkeitskrieg, Präsident des US-Verfassungskonvent, erster Präsident der USA
Province of North Carolina (3 Delegierte)
Richard Caswell: erster und fünfter Gouverneur von North Carolina
Joseph Hewes: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
William Hooper: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Province of South Carolina (5 Delegierte)
Christopher Gadsden: Führer der Patriotenbewegung von South Carolina, Brigadegeneral in der Kontinentalarmee, Entwerfer der Gadsen-Flagge
Thomas Lynch Jr.: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung
Henry Middleton: zweite Präsident des Kontinentalkongresses
Edward Rutledge: Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der USA
John Rutledge: später zweiter Oberster Bundesrichter der USA

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