Pocahontas
Pocahontas war eine amerikanische Indigene vom Stamm der Powhatan. Ihr Vater war Wahunsonacock bzw. Wahnsenacaw, der Häuptling der Powhatan. Jener Stamm wird aufgrund, von sprachlichen Gemeinsamkeiten mit anderen Stämmen, zu den Algonkin gezählt.
Während der Kolonisierung Nordamerikas soll Pocahontas als Vermittlerin zwischen den Algonkin-Indianern und den weißen Kolonisten von Jamestown aufgetreten sein. Dadurch wurde sie zur Symbolfigur einer angeblich friedlichen Besiedlung Nordamerikas und Vermittlerin der Kulturen. Jener Geschichtsmythos einer Edlen Wilden wurde in Filmen zahlreich aufgegriffen und immer wieder bestätigt. Laut indigenen Quellen wurde Pocahontas vergewaltigt und zur Ehe mit John Rolfe gezwungen.
Letztlich starb Pocahontas mit 21 Jahren in England. Über ihren Sohn Thomas Rolfes hatte Pocahontas zahlreiche Nachfahren der weißen Oberschicht. Zu ihren Nachfahren gehören bspw. die frühere First Lady Nancy Reagan und George W. Bush (43. Präsident der USA).
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wer war Pocahontas?
- 3 Wann wurde Pocahontas geboren?
- 4 Wer waren Pocahontas Eltern?
- 5 Hieß Pocahontas wirklich Pocahontas?
- 6 Hat Pocahontas wirklich John Smith gerettet?
- 7 Wie alt war Pocahontas, als sie John Smith traf?
- 8 Wieso half Pocahontas den Siedlern?
- 9 Warum nahmen die Engländer Pocahontas gefangen?
- 10 Was geschah mit Pocahontas während der Gefangenschaft?
- 11 Warum sollte Pocahontas auf den Namen Rebecca getauft werden?
- 12 Warum war Pocahontas mit John Rolfe verheiratet?
- 13 War Pocahontas vorher schon einmal verheiratet gewesen?
- 14 Hatte Pocahontas ein Kind?
- 15 Warum fuhr Pocahontas nach England?
- 16 Wie ist Pocahontas wirklich gestorben?
- 17 Wo wurde Pocahontas begraben?
- 18 Welche Bedeutung hat Pocahontas in der amerikanischen Geschichte?
- 19 Was in der Darstellung von Pocahontas ist reiner Mythos?
Steckbrief
| Namen: | Amonute, Matoaka, Rebecca Rolfe |
| Bekannt für: | Verbindung zur Jamestown-Kolonie, Aufnahme in Schriften von John Smith und als Powhatan-Christin |
| Abstammung: | Algonkin (Powhatan-Konföderation) |
| Geboren: | um 1596 in Werowocomoco, Tsenacommacah (heutige Virginia, USA) |
| Gestorben: | März 1617 in Gravesend (England) |
| Alter: | etwa 21 Jahre |
| Ruhestätte: | St.-Georgs-Kirche in Gravesend (England) |
| Eltern: | Vater: Wahunsenacawh (Häuptling), Mutter: unbekannt, |
| Ehemann: | John Rolfe seit 1614 |
| Kinder: | Thomas Rolfe (1615-1680) |
| Wegbegleiter: | John Ratcliffe, John Smith, |
Wer war Pocahontas?
Pocahontas war die Tochter des Powhatan Häuptlings Wahunsonacock. Aufgrund von Zeitzeugenberichten trat Pocahontas als Vermittlerin zwischen den Powhatan und den englischen Siedlern in Jamestown (Kolonie Virginia) auf. Später hat sie aus politischen Motiven den Tabakpflanzer John Rolfe geheiratet. Mit ihm und einem gemeinsamen Sohn fuhr sie nach London. Dort wurde sie als zivilisierte Ureinwohnerin präsentiert und trat als Botschafterin ihres Volkes auf. Die Ehe zwischen ihr und John Rolfe sicherte einen achtjährigen Frieden zwischen den Powhatan und den Kolonisten in Virginia.
Wann wurde Pocahontas geboren?
Pocahontas wurde vermutlich um 1595/96 im heutigen Virginia (USA) geboren. In einer Schrift des englischen Kolonisten John Smith („A True Relation of Virginia“), welche 1608 geschrieben wurde, wird Pocahontas als zehnjähriges Kind erwähnt. In einem späteren Brief von 1616 erwähnt Smith, dass Pocahontas im Jahr 1608 etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen war. Demnach ergibt sich ein mögliches Geburtsjahr zwischen 1595 und 1598.
Wer waren Pocahontas Eltern?
Pocahontas Vater war Wahunsenacawh, der oberste Häuptling einer Stammesföderation im heutigen Virginia. In der Algonkin-Sprache wurde dieses Gebiet als Tsenacommacah bezeichnet.
Zum Gebiet gehörten die Region Tidewater in Virginia und Teile der Ostküste. In dieser Region lebten etwa dreißig Algonkin sprechende Stämme, welche gegenüber Wahunsonacock tributpflichtig waren.
Jener Zusammenschluss der Algonkin-Völker wird in der westlichen Geschichtsdarstellung als Powhatan-Konföderation bezeichnet. Demnach war Pocahontas Vater ein Oberhäuptling von Tsenacommacah bzw. der Powhatan.
Über Pocahontas Mutter ist wenig bekannt. Wie es bei den Powhatan üblich war, heiratete der Häuptling zahlreiche Frauen. Diese wurden weggeschickt, nachdem sie ein Kind bekommen und dieses abgestillt hatten. Der Häuptling kümmerte sich dann um seine Frauen, bis diese einen neuen Ehemann gefunden hatten.
Hieß Pocahontas wirklich Pocahontas?
Pocahontas war ein Kosename, welcher in den Algonkin-Sprachen etwa „Wildfang“ bedeutet. Manche Historiker interpretieren die Bedeutung des Namens als „spielerisch“ oder „widerspenstig“. In einem Bericht von William Strachey wird beschrieben, wie Pocahontas immer zum Fort von Jamestown kam, um mit den Jungen zu spielen.
Der richtige Name von Pocahontas war Amonute oder Matoaka. Laut dem Historiker William Stith verheimlichten die Ureinwohner den wahren Namen vor den Engländern, damit sie nichts von ihrer Häuptlings-Abstammung erfahren würden. Denn diese Information könnte nachteilig für die Powhatan gewesen sein.
Die Anthropologin Helen C. Rountree vermutete, dass Pocahontas ihren wahren Namen erst preisgab, nachdem sie von den Engländern getauft wurde. Während des Ersten Powhatan-Krieges zwischen den Kolonisten und den Ureinwohner wurde Pocahontas 1613 verschleppt. In der Gefangenschaft wurde sie von den Kolonisten dazu ermutigt oder gedrängt, zum Christentum zu konvertieren. Sie gab nach und wurde auf den Namen „Rebecca“ getauft.
Laut Helen C. Rountree gab sie erst zu diesem Zeitpunkt ihre wahre Identität als Amonute bekannt und versteckte sich nicht mehr hinter dem Namen „Pocahontas“. Demnach war Pocahontas auch ein Deckname, um in der Gefangenschaft nicht als Häuptlingstochter identifiziert zu werden.
Hat Pocahontas wirklich John Smith gerettet?
John Smith war ein Kolonist in Jamestown gewesen. Nachdem die Siedler 1607 in Jamestown ankamen, wurden sie von etwa zweihundert Powhatan-Kriegern überfallen. Sie konnten die Angriffe abwehren und begangen damit, den Ort mittels Wall und Fort zu sichern.
Aber die Angriffe waren nicht ihr einziges Problem. Denn die Siedler litten an Hunger und starben massenweise an dem schlechten Wasser des James-Rivers. Letztlich überlebten den ersten Winter nur 40 der insgesamt 243 Siedler.
Um an Nahrung zu kommen, suchte John Smith die Powhatan auf. Er arrangierte einen Tauschhandel, gab Äxte und Metallwaren ab und bekam dafür Nahrung.
Laut einem Bericht, welchen John Smith selbst verfasst hatte, wurde er im Winter 1607 von den Powhatan gefangen genommen und sollte am Marterpfahl sterben. Aber die Häuptlingstochter Pocahontas verliebte sich in Smith. Als der Häuptling dem Kolonisten gerade den Kopf abschlagen wollte, warf sich Pocahontas vor ihn, legte ihren Kopf auf seinen und verhinderte so den tödlichen Schlag.
Der Wahrheitsgehalt des Berichts wird allerdings angezweifelt. Stattdessen geht man davon aus, dass Smith in einem Aufnahmeritual der Powhatan eingebunden war und dies fehlinterpretierte.
Wie alt war Pocahontas, als sie John Smith traf?
Zum Zeitpunkt als Smith am Marterpfahl sterben sollte, war Pocahontas, laut Smith, etwa zehn Jahre alt. Dies beschreibt er 1608 in seiner Schrift: „A True Relation of Virginia“. Sie wird von Smith als Lieblingstochter des Häuptlings beschrieben, welche einen gewissen Einfluss auf ihren Vater ausübte. In einer späteren Schrift erwähnt Smith, dass Pocahontas zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens zwischen elf und dreizehn Jahren alt gewesen war.
Wieso half Pocahontas den Siedlern?
Anders als ihr Vater glaubte Pocahontas an eine friedvolle Koexistenz zwischen den Powhatan und den Siedlern. Deshalb bat sie ihren Vater darum, den Siedlern helfen zu dürfen. Dieser willigte ein und Pocahontas zeigte den Kolonisten, welche Pflanzen essbar waren und welche nicht. Dadurch bewahrte sie die Siedler vor dem Hungertod und trat als Vermittler zwischen den Kulturen auf.
Dass Pocahontas und John Smith eine Liebesbeziehung hatten, ist nicht belegt. Stattdessen müssen andere Motive ausschlaggebend für ihr Handeln gewesen sein. Vielleicht war es Mitgefühl, Neugierde aber auch die Gewissheit, die Streitigkeiten beenden zu müssen, um ihr eigenen Volk zu bewahren – kann ein Motiv gewesen sein.
Warum nahmen die Engländer Pocahontas gefangen?
1613 spitzte sich die politische Lage zwischen der Powhatan-Konföderation und den englischen Siedlern zu. Denn Häuptling Wahunsonacock wollte die Siedler nicht dauerhaft in seiner Umgebung haben.
Der Grund war Misstrauen. Denn die ersten Begegnungen zwischen den Weißen und den Ureinwohner waren von Gewalt geprägt gewesen. So waren 1570 bereits die Spanier im Siedlungsgebiet der Indigenen gelandet, massakrierten zwanzig Powhatan und hängten sie an ihre Schiffsmaste. Bei den Powhatan löste dieses Ereignis ein Trauma aus, welches sie weiterhin begleiten sollte, weshalb sie gegenüber Weißen immer skeptisch blieben.
Als sich dann 1607 die englischen Siedler in Jamestown niederließen, überfielen etwa 200 Powhatan-Krieger das Lager der Engländer. Seitdem stand die Beziehung zwischen Indigenen und Kolonisten immer auf einem instabilen Fundament.
Wohlmöglich aus Vorsorge entschied sich Wahunsonacock 1609, die Handelsbeziehung – welche er und John Smith im Winter 1607/8 geschlossen haben – aufzukündigen. Der Tauschhandel basierte auf Korn der Indianer gegen Metallwaren der Engländer. Durch die Aufkündigung des Tauschabkommens wurde den Engländern die Nahrungszufuhr gekappt. Diese reagierten mit Überfällen und Brandschatzung.
Endgültiger Auslöser für das Aufkündigen des Tauschhandels war, dass die Engländer den Häuptling zu einem westlichen König krönten, um ihn so zu einem Vasallen für die englische Krone zu machen.
Als dann die Engländer zu diplomatischen Gesprächen mit den Powhatan zusammenkamen, plante Häuptling Wahunsonacock ein Attentat auf John Smith. Pocahontas warnte die Engländer. Durch den Misserfolg des geplanten Hinterhalts wurde der Konflikt weiter verschärft und zu einem offenen Krieg.
Während des Ersten Powhatan-Krieges (1609-1614) wurde Pocahontas von den Engländern gefangen genommen und verschleppt. Dazu lockten sie die Indianer-Prinzessin auf ein Schiff bei Stafford und nahmen sie dort gefangen. Wohlmöglich wollten sie mit der Gefangennahme den Powhatan-Häuptling erpressen, um englische Gefangenen freizubekommen.
Was geschah mit Pocahontas während der Gefangenschaft?
Während ihrer Gefangenschaft kümmerte sich Alexander Whitaker um sie. Er unterrichtete Pocahontas im christlichen Glauben und ermutigte sie dazu, Jesus Christus als ihren Erlöser anzunehmen. Die junge Frau ließ sich dazu ermutigen bzw. drängen und konvertierte zum Christentum. Bei ihrer Taufe erhielt sie den Namen: Rebecca.
Warum sollte Pocahontas auf den Namen Rebecca getauft werden?
Rebekka war eine biblische Gestalt. In der Bibel war Rebekka die Frau von Isaak und Großnichte von Abraham. Sie galt als gottesfürchtig, tugendhaft, rein und war bekannt für ihre familiäre Loyalität.
Als die Engländer der Pocahontas den Namen der biblischen Figur gaben, sollte die Indigene genau diese Rolle einnehmen. Verknüpft war eine religiöse Botschaft – wonach Pocahontas als „Mutter zweier Nationen“ auftreten sollte. Denn die Söhne der biblischen Rebekka waren Jacob und Esau. Letzterer wurde Stammvater der Edomiter. Und Jacob wurde zum Stammvater der Zwölf Stämme Israels.
Mit der Annahme des Namens Rebekka sollte Pocahontas ebenfalls zu einer Stammesmutter erklärt werden, welche die Kulturen vereint. Letztlich verließ die biblische Rebekka auch ihre Heimat, um Isaak zu heiraten. Ähnliches hatten die Engländer mit Pocahontas auch vor, welche für die christliche Missionierung eingesetzt werden sollte.
In England wollte man Pocahontas vorführen und so eine Edle Wilde präsentieren – für die ein zivilisiertes Leben möglich ist. Dadurch wollte man den Missionierungswillen der christlichen Stammengländer wecken, um mehr Hilfsgelder für Jamestown abzuschöpfen. Aber um Vertrauen bei den Engländern zu erwecken, brauchte Pocahontas einen christlichen Namen.
Warum war Pocahontas mit John Rolfe verheiratet?
John Rolfe war ein Tabakbauer, welcher 1610 aus England kam und sich in Jamestown niederließ. In England war die neue Tabaksorte, welche John Rolfe in der Kolonie anbaute, ein Luxusgut. Schnell wurde der Jamestown-Tabak zum Exportschlager. Im April 1614 heiratete er die Häuptlingstochter Pocahontas, welche nun schon Rebekka hieß.
Die Ehe war ein politisches Manöver und geschah nicht aus Liebe oder Fleischeslust, wie sowohl Rolfe als auch Pocahontas erklärten. Laut Angaben von Pocahontas sollte die Ehe mit Rolfe den Frieden sichern und zum freundschaftlichen Miteinander der Kulturen beitragen. Den Angaben von Rolfe zufolge, geschah die Eheschließung mit Pocahontas zum Wohle der Siedlung, zur Ehre seines Landes und zum Ruhme Gottes. Laut den Indigenen wurde Pocahontas zur Ehe gezwungen und vergewaltigt.
Die Hochzeit führte zu einer achtjährigen Waffenruhe zwischen Powhatan und den Siedlern in Jamestown. Auch die Handelbeziehungen zwischen Kolonisten und Indianern wurden wieder aufgenommen. Letztlich sorgte die Ehe für eine Stabilität auf einem weiterhin wackligen Fundament. Erst nach dem Tod des Häuptlings Wahunsonacock (1618) wurde die Lage wieder feindseliger, was dann zum Jamestown-Massaker von 1622 und zum Zweiten Englischen Powhatankrieg (1644-1646) führte. Doch zu diesem Zeitpunkt war Pocahontas bereits in England verstorben.
War Pocahontas vorher schon einmal verheiratet gewesen?
Laut Berichten von William Strachey war Pocahontas vor der Ehe mit Rolfe bereits mit einem Krieger, namens Kocoum, verheiratet gewesen. Diese Ehe dauerte zwei Jahre. Angeblich sollen Kocoum und Pocahontas ein gemeinsames Kind, namens Ka-Okee, gehabt haben. Dieses Kind wurde von den Patawomecks aufgezogen.
Hatte Pocahontas ein Kind?
Ja, sie hatte entweder ein oder zwei Kinder. Ihr erstes Kind war Ka-Okee, welches von den Patawomecks aufgezogen wurde. Die historische Identität dieses Kindes gilt allerdings als nicht bestätigt und stützt sich lediglich auf einen Bericht von William Strachey aus dem Jahr 1616.
Pocahontas zweites Kind hieß Thomas und es entstand aus der Ehe mit John Rolfe. Dieser Thomas Rolfe wurde im Januar 1615 in Virginia geboren. Thomas gilt als das erste Kind in Virginia, welches von einer amerikanischen Ureinwohnerin und einen Europäer gezeugt wurde.
Die Familie Rolfe verließ im Jahr 1616 die Kolonie in Virginia, um nach England zu reisen. Dort starb Pocahontas an einer Krankheit. Da auch Thomas Rolfe krank gewesen war, ließ John Rolfe seinen Sohn bei seiner englischen Verwandtschaft und fuhr allein nach Amerika zurück.
Erst im Sommer 1635 kehrte Thomas nach Virginia zurück. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits tot. Er überließ ihm aber die Tabakplantagen und andere Besitztümer. In Virginia heirate Thomas dann die Tochter eines Grundbesitzers, namens Jane Poythress. Mit ihr hatte er ein Kind, welches ebenfalls Jane hieß.
Man nimmt an, dass etwa 100.000 Menschen von Thomas Rolfe abstammen könnten. Zu den bekanntesten gehören
- Edith Wilson, die Ehefrau von Woodrow Wilson (28. Präsident der USA)
- der Schauspieler Edward Norton („American History X“, „Fight Club“)
- George W. Bush (43. Präsident der USA)
- Nancy Reagan, die Ehefrau von Ronald Reagan (40. Präsident der USA)
- oder der Astronom Percival Lowell
Warum fuhr Pocahontas nach England?
1616 reisten Pocahontas, ihr Ehemann John und ihr gemeinsamer Sohn Thomas nach London. Begleitet wurden sie von einigen Indigenen. Die Siedler in Virginia erhofften sich, mit Pocahontas eine Edle Wilde präsentieren zu können, um so Hilfsgelder für Jamestown als Missionierungskolonie abzugreifen. Für ihr Volk trat Pocahontas als Botschafterin auf und wurde am englischen Hof als eine „Indianerprinzessin“ empfangen.
In England trafen Pocahontas und John Smith wieder aufeinander. Der Mann, welcher durch Pocahontas Einsatz gerettet wurde, kehrte bereits 1609 oder 1610 nach England zurück, nachdem er bei einer Schießpulverexplosion schwer verwundet wurde. Laut Smith Berichten war Pocahontas vom Eintreffen des Engländers überrascht, da sie ihn für tot gehalten hatte.
In England wurde Pocahontas bei der Adelselite sehr freundlich begrüßt. Sie galt als schön, gebildet und war äußerst beliebt bei der Elite. Im Frühjahr 1617 reisten die Rolfes wieder zurück nach Virginia.
Wie ist Pocahontas wirklich gestorben?
Kurz nach ihrer Abreise aus London erkrankte Pocahontas. Schon auf der ersten Etappe der Rückreise starb sie in Gravesend, noch bevor die Themse in die Nordsee mündet. Als Krankheit wurden eine Lungenentzündung, die Pocken, Tuberkulose oder Typhus diskutiert. Die genaue Ursache ihres Todes bleibt unklar.
Einige Erzählungen (historisch ungesichert) behaupten, dass das Wiedersehen mit John Smith einen starken Liebeskummer bei Pocahontas auslösten, an welchem sie letztlich gestorben sein soll.
Wo wurde Pocahontas begraben?
Pocahontas wurde am 21. März 1617 in der in der St George’s Church in Gravesend beigesetzt. Vermutlich wurde sie in einem unteren Gewölbe unter dem Kirchenchor begraben. Doch die Kirche brannte 1727 ab, weshalb der genaue Ort ihre Grabes heute unbekannt ist.
Welche Bedeutung hat Pocahontas in der amerikanischen Geschichte?
Pocahontas wurde zur Symbolfigur der Edlen Wilden stilisiert. Laut früherer Geschichtserzählung war sie freiwillig dazu bereit, ihre Kultur zugunsten der europäischen aufzugeben. Demnach wurde Pocahontas in der amerikanischen Gründungserzählung zu einer Figur gemacht, welche die Überlegenheit der westlichen Kultur sofort erkannte und bereitwillig annahm. Sie war, laut diesem Narrativ, bereits mit den Tugenden der sogenannten zivilisierten Welt geboren worden. Die Berichte von John Smiths Rettung untermauern dieses Narrativ.
In der Gründungserzählung der USA hatte Pocahontas als erste verstanden, dass ein harmonisches Zusammenleben der Kulturen nur möglich ist, wenn sich die Ureinwohner vollständig unterwerfen und die „bessere“ Kultur annehmen würden. Diese Harmonie wurde, laut diesen Erzählungen, immer wieder von „bösartigen Indianern“ gestört, welche gegen eine friedvolle Welt trachteten.
Da das historisch amerikanische Narrativ immer davon ausging, dass die europäische Kultur die bessere sei, bestätigte Pocahontas diese These. Dies wurde zum Anlass genommen, die Indigenen zu unterwerfen, sie zwanghaft zu christianisieren und so ihre Seelen zu retten.
Der aufkeimende Humanismus und die Aufklärung, wonach der Mensch als gottähnliches Wesen verehrt wird, unterstützte diese Anmaßung. Denn die sogenannte „menschliche Natur“, welche ein Synonym für Seele war, sollte gerettet werden. Und demnach konnte man die menschliche Natur der Ureinwohner nur retten, indem man sie einsperrte, versklavte und zu guten Christen umerziehen würde. Mit Pocahontas als Symbolfigur war dies gelungen, weshalb weitere Ureinwohner diesem Beispiel folgen sollten.
Was in der Darstellung von Pocahontas ist reiner Mythos?
Zum Mythos von Pocahontas trugen maßgeblich die Disney-Filme bei. Im Folgenden werden die Missverständnisse und historischen Fehler der Filme einzeln angeführt.
Disney-Film: Teil 1
Im ersten Teil der Filmreihe wird die Liebesgeschichte zwischen Pocahontas und John Smith behandelt, welcher sich nach anfänglicher Skepsis auf Seiten der Powhatan-Föderation begibt. Tatsächlich ist eine Liebeserzählung zwischen der zehnjährigen Pocahontas (im Film älter) und dem fünfzehn Jahre älteren John Smith historisch nicht belegt. Diese romantische Erzählung ist eine reine Disney Erfindung.
Auch dass John Smith hingerichtet werden sollte, ist historisch nicht belegt. Stattdessen handelte es sich wohlmöglich um ein Stammesritual, wie es in der Geschichte der First Nation an zahlreichen Beispielen überliefert ist.
Im Film wird außerdem der Krieg zwischen Powhatan und Siedlern wie ein Missverständnis gezeigt, welches durch Liebe gelöst werden könnte. Tatsächlich war es ein Konflikt um Land, Ideologie, Religion und Kultur. Der Landhunger der Engländer wurde zum Kulturkampf gemacht und propagandistisch so aufgeladen, als ob es um die Rettung der Seelen von Eingeboren geht. Im Film wird dieser Landhunger angedeutet, aber die christliche Legitimierung – welche die Engländer moralisch zur Kolonialisierung und Missionierung befähigte, fehlt.
Disney Film: Teil 2
Im zweiten Teil der Filmreihe wird von der Ehe mit John Rolfe und die Reise nach England erzählt. Dass Pocahontas in England stirbt, ist nicht Teil des Filmstoffs. Auch wird das Wiedersehen zwischen ihr und John Smith thematisiert, welches auch tatsächlich stattfand – sich aber nicht so abspielte. Denn Liebe war wohlmöglich nie im Spiel.
Im Film erkennt Pocahontas schließlich in John Rolfe ihre wahre Liebe und reist mit ihm zurück nach Amerika. Doch die Ehe zwischen ihr und John Rolfe war tatsächlich nie eine Liebesbeziehung. Sie war politisch motiviert. So wurde Pocahontas zuerst von den Siedlern gekidnappt, dann unter Zwang getauft und letztlich zur Ehe gezwungen. Sie war demnach mehr Geisel oder Sklavin als eine liebevolle Ehefrau.
Im Film wird Pocahontas in England gefeiert. Tatsächlich war sie für die Siedler aus Jamestown eine Propagandafigur, um eine Edle Wilde zu präsentieren – welche sich bereitwillig assimilieren ließ. Damit wollte man Investoren gewinnen und keine Herzen.
Dass der zweite Teil des Disneyfilmes für Pocahontas glücklich endet, soll die friedliche Assimilierung unterstreichen. Doch tatsächlich endete Pocahontas Reise nach England mit ihrem Tod, nachdem sie sich mit westlichen Zivilisationskrankheiten ansteckte – für die ihr Abwehrsystem nicht gewappnet war. Auf gleiche Weise starben Hunderttausende Indios in Südamerika und die indigenen Völker Nordamerikas.




