Jamestown
Jamestown in Virginia war die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika. Demnach war die Siedlung höchst bedeutend für die Gründungsgeschichte der USA.
Der Ort wurde nach dem englischen König James I. (Jakob I.) benannt. Er gilt als Keimzelle des Britischen Kolonialismus und des Britischen Empire.
Obwohl es die erste Siedlung in Nordamerika war, wird der Ort vom Gründungsmythos der Pilgerväter – welche mit der Mayflower in Plymouth landeten, überschattet. Doch die Mayflower landete erst 1620 im heutigen Massachusetts, während Jamestown bereits 1607 als Fort James gegründet wurde.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Wo lag die Jamestown-Kolonie?
- 3 Warum entschieden sich die Kolonisten genau für diesen Ort?
- 4 Wer gründete Jamestown und wer führte die Kolonie?
- 5 Warum wurde Jamestown gegründet?
- 6 Gab es Kolonialisierungsversuche vor Jamestown?
- 7 Wie verlief die Ankunft der englischen Siedler in Jamestown 1607?
- 8 Wie lebten die ersten Siedler in Jamestown?
- 9 Welche Probleme hatten die Siedler in Jamestown?
- 10 Wann kamen die ersten Frauen nach Jamestown?
- 11 Gab es Sklaven in Jamestown?
- 12 Welche Rolle spielte die Virginia Company bei der Entwicklung von Jamestown?
- 13 Wie viele Siedler starben in Jamestown?
- 14 Wie entwickelte sich die Beziehung der Siedler zu den Powhatan?
- 15 Wie überlebte Jamestown trotz der extremen Bedingungen?
- 16 Welche Rolle spielte Pocahontas für Jamestown?
- 17 Wie entwickelte sich Jamestown bis 1699?
- 18 Warum wurde Jamestown später so erfolgreich?
- 19 Was geschah mit Jamestown nach 1699?
- 20 Warum ist Jamestown historisch so wichtig für die Geschichte der USA?
- 21 Wie beeinflusste Jamestown die Kolonialgeschichte Nordamerikas?
- 22 Was wurde bei Ausgrabungen in Jamestown gefunden?
- 23 Was ist heute am historischen Ort zu sehen?
Steckbrief

Statue der Pocahontas in Jamestown
| Bedeutung: | erste englische Kolonie in Nordamerika, welche dauerhaft bestand |
| Gründung: | 14. Mai 1607 |
| Gründer: | Virginia Company (Virginia Company of London) |
| Benannt nach: | englischen König James I. (reg. 1603-1625) |
| Rechtsstatus: | bis 1624: Kolonie der Virginia Company ab 1624: englische Kronkolonie |
Wo lag die Jamestown-Kolonie?
Jamestown lag auf einer Insel im James-River. Diese Insel heißt heute Jamestown-Island und befindet sich etwa 80 km von der Atlantikküste entfernt. Verbunden ist die Insel mit dem Festland durch eine schmale Landbrücke.
Dieser Ort schien für die Kolonisten ideal zu sein. Denn die Landbrücke konnte gut gegen Angriffe von Land verteidigt werden. Außerdem war die Insel weit genug vom Atlantik entfernt, um sich vor Angriffen der Spanier zu schützen.
Warum entschieden sich die Kolonisten genau für diesen Ort?
Die Virginia Company of London (kurz: London Company) gab den Kolonisten klare Anweisungen für die Ortswahl mit. So hieß es, dass der Ort mindestens 100 km von der Küste entfernt liegen soll, um sich vor Übergriffen der Spanischen Flotte zu schützen. Außerdem sollte der Ort militärisch gut zu verteidigen sein und möglichst nicht im Siedlungsgebiet von Ureinwohnern liegen.
All diese Prämissen zogen die Kolonisten heran, als sie die Insel im James-River als Siedlungsort wählten. Die Nachteile des Ortes waren das Sumpfland, welches zu Trinkwasserknappheit und Krankheiten führte. Für die militärische Verteidigung war dies aber ein Vorteil, welchen die Siedler bei der Ortswahl heranzogen.
Wer gründete Jamestown und wer führte die Kolonie?
Die Gründungsgeschichte von Jamestown ist mit dem Abenteurer John Smith verknüpft, welcher einen Lebensbericht veröffentlichte. Aber er war nur einer von 143 Gründern der Siedlung.
Insgesamt segelten im April 1607 hundertdreiundvierzig Männer auf drei Schiffen der London Company nach Chesapeake Bay in Nordamerika. Viele von ihnen waren Abenteurer oder Zweitgeborene, welche der Verheißung nach Ruhm und Reichtum folgten.
Zu den bekannteste Mitgliedern dieser Gruppe gehörten John Smith, Edward Maria Wingfield und Christopher Newport. Alle drei waren ehemalige Soldaten. Der Rest der 143 Kolonisten waren meist Handwerker. So gab es etwa Schmiede, Steinmetze, Maurer, Schneider oder Schreiner. Frauen und Kinder gehörten nicht zur Gruppe. Diese sollten erst später nachkommen.
Angeführt wurden Kolonisten in Jamestown von Edward Maria Wingfield, welcher zum ersten Präsidenten gewählt wurde. Spätere Präsidenten waren John Ratcliffe (reg. 1607-1608), John Smith (reg. 1608-1609), George Percy (reg. 1609-1610), Thomas Gates (1610), Thomas West (1610-1618), George Yeardley (1619-1621) oder Francis Wyatt (1621-1624). Ab 1624 war Virginia eine englische Kronkolonie.
Warum wurde Jamestown gegründet?
Jamestown sollte die erste englische Kolonie in Nordamerika sein. Die Gründe für die Kolonisierung Nordamerikas waren wirtschaftliche aber auch religiöse. So glaubte man, dass man die dort lebenden Indianer zum Christentum bekehren müsse. Nur so würden die Seelen der Ureinwohner gerettet werden. Und so eine Mission gehörte zur Pflicht eines guten Christen.
Ein zweiter Grund war Silber und Gold, welches man in Nordamerika vermutete und welches für die englische Krone sichergestellt werden sollte. Der dritte Grund waren neue Absatzmärkte, welche es aufzubauen galt, sobald die Indianer bekehrt oder unterworfen wären. Weiterhin wollte man neue Produktionsstätten für eigene Produkte in Nordamerika errichten, da die Lohnkosten deutlich geringer waren als in England.
Gab es Kolonialisierungsversuche vor Jamestown?
Ja, es gab Kolonialisierungsversuche durch die Spanier im Jahr 1570 und durch die Briten im Jahr 1585.
Spanische Kolonialisierung im Jahr 1570
Die Spanier griffen 1561 in der Gegend um Virginia den Sohn des Häuptling der Powhatan auf. Die Spanier verschleppten den Häuptlingssohn, nannten ihn zuerst Paquiquino und später Don Luis. Zuerst in Spanien und später in Mexiko wurde Don Luis von Dominikanern und Jesuiten unterrichtet und zum Christen umerzogen. Er wurde auf eine Rolle als Übersetzer und Führer vorbereitet.
Neun Jahre später kamen spanische Jesuiten mit Don Luis zurück nach Nordamerika. Jetzt sollte der Häuptlingssohn die Jesuiten dabei unterstützen, die restlichen Powhatan zu bekehren. Doch als Don Luis zu seinem Stamm heimkehrte, veranlasste er die Tötung der Jesuiten.
Als die Spanier von der Tötung der Jesuiten erfuhren, entsandten sie eine Strafexpedition zu den Powhatan. In einem blutigen Krieg töteten sie 20 Indianer und hängten sie an ihren Schiffsmast. Zukünftig sollten die Indianer neuen Invasoren mit Skepsis und Ablehnung begegnen.
Britische Kolonialisierung im Jahr 1585
Die erste dauerhaft geplante Kolonie der Briten in Nordamerika war die Kolonie Roanoke Island. Diese befand sich an der Ostküste des heutigen North Carolina und wurde am 17. August 1585 gegründet. Man ließ dort 90 Männer, 17 Frauen und 11 Kinder zurück.
Im Jahr 1590 kehrten englische Schiffe zur Kolonie zurück. Von den Siedlern fehlte allerdings jede Spur. Auf einem Baum fanden die Engländer lediglich ein eingeschnitztes Wort („CROATOAN“), welches einen Hinweis auf den kleinen Indianerstamm der Hatteras lieferte.
Das Mysterium der Verloren Kolonie (The Lost Colony) wurde in diversen Filmen, Romanen oder Fernsehserien aufgegriffen und teilweise neu interpretiert.
Wie verlief die Ankunft der englischen Siedler in Jamestown 1607?
Nachdem die Briten an der Atlantikküste in der Chesapeake Bay ankamen, erkundeten sie zuerst den James River und fuhren flussaufwärts. Nach etwa 50 Meilen bzw. 80 km fanden sie eine Insel vor, welche als geeignete Siedlungsstelle in Betracht kam (siehe Abschnitt oben).
Am 14. Mai 1607 gingen sie dort an Land und sicherten den Landeplatz. Nach kurzer Zeit kam es zum Aufeinandertreffen mit etwa zweihundert Kriegern der Powhatan. Diese waren aufgrund ihrer Erfahrung mit den Spaniern feindlich gestimmt und griffen deshalb das Lager an. Es kam zu schweren Gefechten, welche erst durch Abfeuerung der Schiffskanonen beendet wurden.
Sofort nach Ende der Kampfhandlungen ordnete Edward Maria Wingfield den Bau eines Forts an. Dieses Fort wurde nach 19 Tagen fertiggestellt. Es war von einem Wall umgeben, welcher nach allen Seiten durch Schiffskanonen geschützt war. Eine Woche später segelte Christopher Newport mit Pyrit (Narrengold), welches er für echtes Gold hielt, zurück nach England.
Wie lebten die ersten Siedler in Jamestown?
Die Siedler hatten im Jahr ihrer Ankunft nur Probleme. So entnahmen sie das vermeintliche Trinkwasser aus dem James-River, welches allerdings zu salzig war. Das Trinken des Brackwassers führte zu Vergiftungen und Krankheiten (Durchfall, Typhus). Bis Ende September starb ungefähr die Hälfte aller Kolonisten. Den anschließenden Winter überlebten nur 40 Männer.
Die Umstände führten dazu, dass es zu Streitigkeiten in der Führung kam. Letztlich wurde Edward Maria Wingfield als erster Präsident der Kolonie abgesetzt. Auf ihn folgte John Ratcliffe.
Aber auch Ratcliffe konnte die Probleme der Kolonie nicht adäquat lösen, weshalb John Smith gegen ihn aufbegehrte. Im September 1608 löste dann schließlich Smith seinen Vorgänger ab und wurde neuer Präsident der Kolonie.
Welche Probleme hatten die Siedler in Jamestown?
Die ersten Probleme der Kolonisten war das Fehlen von Trinkwasser und die Nahrungsknappheit. Baumringanalysen zeigen, dass es zwischen 1606 und 1612 zu einer der schwersten Dürren seit 700 Jahren kam. Außerdem hatte man an Nahrungsknappheit vor der Abreise nicht gedacht. Die meisten Siedler waren Handwerker oder Gentlemen gewesen, weshalb kaum Landwirte auf dem ersten Schiff waren. Als man dann im Mai 1607 die Siedlung gründete, war die Anbauphase bereits vorbei. Somit blieb den Siedlern keine Möglichkeit vor dem Winter neues Getreide anzubauen.
Hinzu kamen Probleme mit den indigenen Ureinwohnern. Doch nach den ersten Angriffen lebten Kolonisten und Indianer zunächst in einer friedvollen Koexistenz. Es gab sogar Tauschhandel zwischen den Siedlern und Powhatan.
Erst nach dem Tod des Häuptlings spitzte sich die Lage wieder zu und fand im Jamestown-Massaker von 1622 einen ersten Höhepunkt. Die Englischen Powhatankriege dauerten bis 1644 und endeten mit der fast vollständigen Auslöschung der Powhatan.
Einzelne Überlebende wurden in Reservate gesteckt und zu Tributzahlungen in Form von Pelzen verpflichtet. Doch der Landhunger der Engländer hielt an, weshalb man damit begann, auch die Reservate zu besiedeln. Nach weiteren 40 Jahren war die Powhatan-Konföderation gänzlich vernichtet.
Wann kamen die ersten Frauen nach Jamestown?
Erst 1620, also dreizehn Jahre später, kamen 90 Frauen nach Jamestown. Der Grund für die verspätete Ansiedlung waren die oben geschilderten Probleme, mit denen man vor der Expedition bereits gerechnet hatte.
Gab es Sklaven in Jamestown?
Ja, das erste Sklavenschiff landete am 20. August 1619 in Jamestown. Es wurden die ersten zwanzig Sklaven aus Afrika nach Jamestown gebracht. Diese Afrikaner kamen höchstwahrscheinlich aus dem Königreich Ndongo im heutigen Angola. Dort wurden sie von portugiesischen Sklavenhändlern verschleppt und später von dem englischen Piratenschiff White Lion abgefangen.
Als am 20. August 1619 die ersten Sklaven das Schiff in Richtung Kolonie verließen, begann die institutionalisierten Sklaverei in den englischen Kolonien Nordamerikas. Dieses System überdauerte bis 1865 (13. Verfassungszusatz) und bildete eine Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg der USA.
Welche Rolle spielte die Virginia Company bei der Entwicklung von Jamestown?
Siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur Virginia Company
Die Virginia Company war ein Unternehmen, welches 1606 durch den englischen König James I. gegründet wurde. Es war ein Aktienunternehmen, welches Unternehmensanteile in Form von Aktien an gewillte Investoren verkaufte.
Mit der Gründung des Unternehmens wollte der englische Staat die Kolonisierung Nordamerikas finanzieren. Gleichzeitig sollte die Adelselite oder sonstige Wohlhabende am Aufschwung, welchen man sich durch die Kolonien erhoffte, partizipiert werden.
Die Virginia Company übernahm alle wirtschaftlichen Aufgaben für die Expedition und die spätere Kolonie. Das bedeutet, dass Schiffsbesatzung angeheuert und bezahlt wurden. Die Schiffe wurden in Auftrag gegeben und bezahlt. Erste Siedler wurden mit einem Versprechen auf Land in die Kolonie gelockt. Auch die Versorgung der Siedler mit Lebensmitteln, Werkzeugen und Waffen war Unternehmensaufgabe.
Bis zur Ankunft der ersten Sklaven aus Afrika setzte die Company auf ein System der begrenzten Leibeigenschaft (Indentured Servitude). Die Kolonisten verpflichteten sich für sieben Jahre Arbeitsdienst in der Kolonie, woraufhin sie danach mit Ländereien entlohnt werden sollten.
Aber die Company hatte auch rechtsstaatliche Aufgaben. So wurde der Präsident der Kolonie durch die Company ernannt. Das Unternehmen setzte Rechtsstaatlichkeit um, baute die Verwaltung auf und sorgte für den Schutz der Kolonie.
Investoren wurden mit dem Versprechen gewonnen, dass die Kolonien in Übersee große Profite abwerfen würden – an denen sie dann beteiligt werden würden.
Ohne die Virginia Company wäre der Aufbau von Jamestown so nicht möglich gewesen. Spätere Unternehmen orientierten sich an diesem Modell einer Joint Stock Company – bei dem sich die Investoren die Gewinne aber auch die Risiken teilen. Dadurch wurde die Company zu einem Pioniermodell für nachfolgende Kolonialunternehmen der frühen Globalisierung.
Wie viele Siedler starben in Jamestown?
Schon im ersten Sommer starb die Hälfte der Kolonisten aufgrund fehlender Trinkwasserversorgung. Sie tranken das Brackwasser des James-Rivers und wurden krank. Bereits sechs Wochen nach der Gründung starben die ersten Siedler an Krankheit und Vergiftung. Im September 1607 war die Anzahl der Kolonisten, aufgrund der Trinkwasserversorgung, halbiert.
Den ersten Winter bzw. das erste Jahr überlebten nur 40 von insgesamt 143 Männern. Sie starben an Hunger bzw. schlechter Lebensmittelversorgung.
Im darauffolgenden Sommer kamen weitere Kolonisten aus Europa. Doch eine beträchtliche Anzahl der 214 Siedler starb an Hunger im Jahr 1609/10. Dieser Winter war die schlimmste Phase in der Geschichte der Kolonie. Nur 60 Männer überlebten, wodurch die Todesrate etwa 72 % betrug.
Beim Jamestown-Massaker, während der Powhatan-Kriege von 1622, starben 347 Kolonisten. Die gesamte Einwohnerzahl der Kolonie betrug damals etwa 1200 Menschen.
Wie entwickelte sich die Beziehung der Siedler zu den Powhatan?
Die Beziehung zwischen den englischen Siedlern und den Powhatan entwickelte sich in über sechs Phasen. Zunächst gab es kriegerische Auseinandersetzungen, gefolgt von einer Phase der Koexistenz. Schließlich wurden die Indianer in den Powhatan-Kriegen ausgelöscht.
Phase 1: Misstrauen und erste Gewalt (1607)
Als 1607 die ersten Siedler in Jamestown landeten, waren die Powhatan ihnen gegenüber feindlich. Dies lag daran, dass 1562 die Spanier nach Nordamerika kamen, 20 Powhatan töteten und an ihre Schiffmaste hängten.
Dieses Trauma begleitete die Ureinwohner, weshalb man gegenüber dem Weißen Mann misstrauisch und feindlich war. Nur wenige Tage, nachdem die Kolonisten in Jamestown gelandet waren, griffen etwa 200 Powhatan-Krieger das Lager an. Erst durch den Einsatz ihrer Schiffskanonen konnten die Engländer den Angriff abwehren.
Phase 2: Koexistenz (1608-1609)
Aufgrund der Hungerlage in Jamestown begann John Smith damit, die Powhatan aufzusuchen und Handel mit ihnen zu treiben. Die Engländer bekamen Korn und gaben im Gegenzug Kupfer und Äxte.
Diese Handelsbeziehungen waren aber auf einem fragilen Fundament gestellt, da die Powhatan weiterhin misstrauisch blieben. Aber sie sahen Vorteile in den englischen Metallwaren, während die Engländer dringend Nahrung brauchten.
Nachdem die ersten Tauschgeschäfte erfolgreich waren, brach John Smith immer wieder zu neuen Handelsmissionen flussaufwärts auf. Dabei erkundete er die Flussregion und stellte so die Nahrungsversorgung der Siedlung sicher.
Phase 3: Erster Powhatan-Krieg (1609-1614)
Der Powhatan Häuptling Wahunsonacock sah in den Engländern weiterhin eine Bedrohung und wollte sie nicht dauerhaft in seinem Gebiet haben. Deshalb wurde 1609 die Nahrungszufuhr gedrosselt und schließlich ganz unterbunden.
Die Engländer reagierten mit Raubüberfällen, Brandschatzung und Gewalt. Daraufhin belagerten die Powhatan den Ort, wodurch die Kolonisten gänzlich von der Nahrungszufuhr abgeschnitten wurden.
Im Hungerwinter 1609/10 starb ein Großteil der Siedler. Von den 214 Siedlern überlebten nur 60 den Winter. Doch am 21. Mai 1610 trafen zwei Schiffe aus England ein, welche Nachschub und einen gewissen John Rolfe mitbrachten. Dieser war Landwirt und entwickelte in der Kolonie eine neue Tabaksorte.
Schließlich heiratete John Rolfe im April 1614 die Häuptlingstochter der Powhatan (Pocahontas), wodurch ein dauerhafterer Frieden zwischen den Indigenen und den Engländern erreicht wurde.
Phase 4: Frieden und neue Handelsbeziehungen (1614-1622)
Nachdem John Rolfe die Häuptlingstochter geheiratet hatte, hielt der Frieden bis zum Tod des Häuptlings an. Beide Seiten handelten miteinander. Es gab sogar einen informellen Austausch. Durch den Tabak, welchen John Rolfe anbaute, florierte die Kolonie auch wirtschaftlich.
Phase 5: Jamestown-Massaker (1622)
Als der Powhatan Häuptling Wahunsonacock im Jahr 1618 starb, folgte ihm sein Bruder Opechancanough. Dieser war bereits Häuptling der Pamunkey, der Mattaponi und Chickahominy. Und Opechancanough war durchaus feindlicher gegenüber den Engländern gestimmt als sein Bruder.
Am Karfreitag, dem 22. März 1622, kam es zum Jamestown-Massaker. Jenes Ereignis war das erste große Massaker der indigenen Bevölkerung an Weißen in Nordamerika. Unter Führung von Opechancanough überfielen die Indianer etwa 70 Farmen und Wohnstätten rundum Jamestown und töteten 347 der 1200 Siedler.
Anschließend kam es zu einer Versammlung zwischen den überlebenden Siedlern, Opechancanough und dessen Kriegern. Dabei fielen die Engländer über die Indianer her und töteten einen Großteil der Anwesenden.
Das Friedensprojekt zwischen Engländern und Indigenen war endgültig gescheitert. Häuptling Opechancanough gelang die Flucht. Die Ereignisse des Jamestown-Massakers wurden nun zur moralische Legitimation der Engländer, alle Indianer in Neuengland auszulöschen.
In den nächsten zwanzig Jahren wurde die Zahl der Indianer drastisch dezimiert. Letztlich zwangen die Engländer die Indigenen dazu, in Reservate auszuweichen. Dort waren die Indianer gegenüber den Engländern tributpflichtig und bezahlten mit Pelzen. Aber der Landhunger der Engländer nahm weiter zu, weshalb man die Indigenen auch aus den Reservaten verdrängte.
Phase 6: Zweite Englische Powhatankrieg (1644-1646)
Im Frühling 1644 führte Opechancanough einen letzten großen Angriff durch, bei dem 500 Kolonisten getötet wurden. Doch bei diesem Angriff wurde er selbst gefangengenommen und wenig später von einem Gefängniswärter erschossen.
Die letzten Überlebenden der Powhatan wurden 1646 von William Berkeley (Gouverneur von Virginia) zu einem Vertrag gezwungen, in welchem sie fast ihr ganzes Land den Engländern überlassen mussten.
Wie überlebte Jamestown trotz der extremen Bedingungen?
Jamestown überlebte nur durch glückliche Umstände bzw. Zufälle. Insgesamt gab es drei Wendepunkte in der Geschichte der Siedlung, welche ein Überleben weiterhin möglich machen sollten.
Erster Wendepunkt
Gleich zu Beginn der Siedlungsgründung sterben die Menschen an Hunger, Durst und Krankheit. Den Winter von 1607 überleben lediglich 40 Kolonisten.
Im Jahr 1608 erreicht, wohlmöglich in letzter Minute, ein englisches Schiff die Siedlung. Dieses Schiff bringt neue Lebensmittel und Handwerker. Durch die Kooperation von John Smith mit den Powhatan stabilisiert sich die Lage, weshalb die Kolonie ein weiteres Jahr überlebt.
Zweiter Wendepunkt
Während des Hungers 1609/10 sterben 214 der 274 Siedler. Die letzten 60 Siedler wollen die Kolonie im Sommer 1610 aufgeben und reisen bereits flussabwärts zum Atlantik.
Einen Tag nach ihrer Abreise kommt ihnen das Schiff von Lord De La Warr entgegen. Dieses hat neue Soldaten und Lebensmittel dabei. Der Lord zwingt die Überlebenden zur Umkehr.
Dritter Wendepunkt
Der entscheidende Wendepunkt, dass Jamestown langfristig erhielten blieb, war die Ankunft von John Rolfe im Jahr 1610. Denn durch den Tabakanbau florierte die Kolonie. Ab 1612 wurde die Siedlung wirtschaftlich tragfähig und 1614 wurde der Tabak zum Exportschlager Virginias.
Welche Rolle spielte Pocahontas für Jamestown?
Siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zu Pocahontas
Pocahontas war die Tochter des obersten Häuptlings der Powhatan-Konföderation. Anders als ihr Vater war Pocahontas den Weißen zugewandt. So brachte sie den Kolonisten bei, welche Pflanzen essbar waren und welche nicht. Wohlmöglich wäre die Siedlung ansonsten schon viel früher aufgegeben wurden.
Während des Ersten Powhatan-Krieges wurde Pocahontas von den Weißen gefangen genommen. Sie wurde zur Christin erzogen und schließlich auf den Namen Rebekka getauft. Nachdem sie dann auch noch John Rolfe geheiratet hatte, war die Inszenierung einer Edlen Wilden perfekt. Die Ehe zwischen der Indigenen und dem Engländer sicherte Jamestown eine achtjährige Friedenszeit.
Zusammen mit ihrem Ehemann reiste Pocahontas nach London, wo sie als tugendhafte Wilde rumgezeigt wurde. Letztlich wollte man so, Investoren für Jamestown anlocken. Obwohl Pocahontas wohlmöglich zur Ehe gezwungen wurde, trat sie in London dennoch als Botschafterin ihres Volkes auf. In der amerikanischen Geschichte wird sie als Vermittlerin der Kulturen gefeiert und als eine der ersten Indigenen, welche sich bereitwillig assimilieren ließen.
Wie entwickelte sich Jamestown bis 1699?
Jamestown blieb bis 1699 die Kolonialhauptstadt. Erst danach wurde der Regierungssitz nach Williamsburg in Virginia verlegt.
Während der Bacon’s Rebellion (1676) wurde Jamestown niedergebrannt. Anführer der Rebellion war Nathaniel Bacon, welcher eine vollständige Vertreibung der Indianer aus Virginia forderte. Der damalige Gouverneur Sir William Berkeley war dagegen. Um den Gouverneur und seine Anhänger aus Jamestown zu verjagen, steckten Bacon und dessen Anhänger die Stadt in Brand.
Nach dem Brand wurde die Legislative kurzzeitig nach Williamsburg verlegt. Aber Jamestown wurde wieder aufgebaut. Als dann 1698 das Regierungsgebäude erneut abrannte, verlegte man den Regierungssitz ab 1699 dauerhaft nach Williamsburg.
Warum wurde Jamestown später so erfolgreich?
Grund für den nachhaltigen Erfolg von Jamestown war das Tabakgeschäft. Als John Rolfe im Jahr 1610 nach Jamestown kam, begann der Aufstieg. Denn er brachte ungetestete Tabaksamen mit, welche er aus Bermuda hatte. Dort wuchsen die Tabakpflanzen wild, nachdem sie Jahre zuvor von gestrandeten Spaniern angepflanzt worden waren. Diese neue Tabaksorte wurde eine Exportartikel.
Der Umsatz im Tabakhandel von 1609 betrug etwa 20.000 Pfund. Im Jahr 1614 erntete John Rolfe erstmals den neuen Tabak. Und bereits 1627 betrug der Handelsumsatz an Tabak etwa 500.000 Pfund. Zwölf Jahre später betrug der Handelsumsatz bereits 24 Mio. Pfund. Ohne diesen Tabakanbau wäre die Kolonie vermutlich niemals wirtschaftlich gewesen und irgendwann aufgegeben wurden. Doch eine florierende Wirtschaft lockte immer neue Siedler an.
Die Grundlage für das Wirtschaftswachstum war aber auch politischer Natur. Denn in Jamestown wurde 1619 die erste gesetzgebende Versammlung in Nordamerika abgehalten. Durch die Gesetze entstand Sicherheit für die Bürger aber auch für Investoren. Dadurch wurde die Siedlung deutlich attraktiver. Als dann die Virginia Company scheiterte, wurde Jamestown zur englischen Kronkolonie. Dies bedeutete mehr Ressourcen und mehr Schutz, wodurch die Attraktivität noch weiter stieg.
Was geschah mit Jamestown nach 1699?
Da die Siedlung zu Gunsten von Williamsburg aufgegeben wurde, hat man diese im 18. Jahrhundert einfach vergessen. Ackerland war dort, wo einst Jamestown war.
Während der Amerikanischen Revolution und im Zweiten Unabhängigkeitskrieg von 1812 wurde in Jamestown ein Militärposten errichtet. Im Amerikanischen Bürgerkrieg bauten die Konföderierten ein Fort mit Erdwällen auf der Insel.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an die Keimzelle der USA. Und 1934 wurde Jamestown unter die Verwaltung des National Park Service gestellt. Ab 1994 begannen die Ausgrabungen, bei denen die Grundmauern der ersten Siedlung freigelegt wurden.
Seitdem ist Jamestown vor allem als Ausgrabungsstätte bekannt. Um Besucher anzulocken, welche die Ausgrabungen teilweise mit finanzieren sollen, wurden einzelne Fundstücke veröffentlicht und ein Freilichtmuseum erbaut.
Warum ist Jamestown historisch so wichtig für die Geschichte der USA?
Jamestown war die erste englische Siedlung in Nordamerika, welche dauerhaft bestand. Frühere Siedlungsprojekte – wie die Popham Colony oder Roanoke Island – waren gescheitert. Demnach findet die Gründung der Dreizehn Kolonien – aus welcher später die USA hervorgehen – in Jamestown ihren Ursprung (siehe auch nächster Abschnitt).
Wie beeinflusste Jamestown die Kolonialgeschichte Nordamerikas?
Jamestown gilt als Wendepunkt der Kolonialgeschichte Nordamerikas. Denn vor 1607 waren nur die Spanier und Franzosen in Nordamerika präsent. Mit Jamestown entstand nun die erste dauerhafte Kolonie der Briten. In der Folge wird das British Empire zum dominanten Machtfaktor in Nordamerika aufsteigen. Deshalb gilt Jamestown auch als Keimzelle des Britischen Weltreichs.
Die von John Rolfe eingesetzte Plantagenökonomie wird später die gesamte Südstaatengesellschaft prägen. Der Einsatz von afrikanischen Sklaven in Nordamerika, dessen System in Institutionen eingebettet ist, findet in Jamestown seinen Ursprung.
Die Konflikte mit den Powhatan prägten das Bild der Siedler nachhaltig. So wurden die Indianer als ein kulturloses Volk propagandiert, welches nur zu Gewalt und Krieg fähig ist. Diese Vorstellung prägte die gesamte Kolonialgeschichte Nordamerikas und wurde als Legitimation zur Unterwerfung, Vertreibung, Ermordung und Umerziehung der indigenen Bevölkerung herangezogen.
Die amerikanische Gesellschaft ist durchsetzt von einer Erzählung über Durchhaltevermögen und Einsatz. Der amerikanische Traum von Wohlstand und Freiheit findet bei dieser Erzählung genauso seine Wurzeln, wie die Vorstellung des Tellerwäschers, welcher Millionär werden kann. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann in der Vorstellung vieler Amerikaner genau diese Träume anbieten.
In Jamestown wurden Durchhaltevermögen, harte Arbeit und Einsatz erstmals unter Beweis gestellt. Es hat sich gelohnt, da die Briten in Nordamerika langfristig ankommen konnten. Deshalb ist Jamestown eine Bestätigung des amerikanischen Traums.
Was wurde bei Ausgrabungen in Jamestown gefunden?
Archäologen fanden in Jamestown vier Skelette früher Siedler. Man nimmt an, dass die Knochen zu den Gründern der Kolonie gehörten. Weiterhin wurde eine Schatulle gefunden, auf welcher ein „M“ eingraviert wurde. Die Bedeutung der Gravierung bleibt unklar.
Seit 1994 wird das Gelände systematisch erforscht. Es wurden Teile des ursprünglichen Forts von 1607 gefunden. Erstaunlicherweise konnten etwa 80 % des Forts aufgefunden werden.
Insgesamt wurden in Jamestown mehr als 3 Mio. archäologische Fundstücke sicher gestellt. Vieles davon ist Keramik, Schmuckstücke, religiöse Objekte oder Essbesteck. Durch die Funde lässt sich der Alltag in Jamestown ein stückweit rekonstruieren. Viele Artefakte tragen maßgeblich zum besseren Verständnis der kolonialen Frühgeschichte Nordamerikas bei.
Was ist heute am historischen Ort zu sehen?
Die moderne Besucheranlage besteht aus zwei Teilen, dem Originalschauplatz und einem großen Freilichtmuseum.
Der Originalschauplatz bietet die archäologischen Ausgrabungsstätten, an denen die Grundmauern und Umrisse des ursprünglichen James Fort zu sehen sind. Auch die Pocahontas-Statue steht am Originalschauplatz – dem Historic Jamestowne.
Im Jamestown Settlement (Freilichtmuseum) wurden die drei Schiffe, mit denen die Siedler nach Jamestown kamen, nachgebaut (Susan Constant, Godspeed und Discovery). Besucher können an Bord der Schiffe gehen und die verengten Lebensbedingen auf einem Schiff erfahren.
Im Indianerdorf soll die Lebensweise der Powhatan vermittelt werden. Ein nachgebautes Fort zeigt Häuser, Werkstätten und Verteidigungsanlagen. Diverse Handwerker demonstrieren, wie damals gearbeitet wurde.




