Abraham (Bibel)
Abraham ist im Tanach bzw. im Alten Testament ein hebräischer Patriarch. Er ist Vater von Isaak und Großvater von Jakob. Alle drei gelten als Erzväter der Israeliten. Ein weiterer Sohn Abrahams war Ismael. Dieser gilt als Stammvater der Ismaeliten (Araber).
Da Abraham sowohl im Christentum als auch im Judentum und im Islam eine zentrale Figur ist, werden diese Religionen auch als abrahamitische Religionen zusammengefasst.
Im Neuen Testament nennen Matthäus und Lukas ihn als einen Vorfahren Jesu. Während das Matthäusevangelium die Genealogie Jesu bei Abraham beginnt, setzt das Lukasevangelium bei Adam an und nennt Abraham erst einige Generationen später.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was bedeutet Abraham?
- 3 Wer war Abraham?
- 4 Wo lebte Abraham?
- 5 Was ist mit Abrahams Bund mit Gott gemeint?
- 6 Welche Verheißungen bekam Abraham von Gott?
- 7 Wie alt wurde Abraham?
- 8 Wer gehörte zur Familie Abrahams?
- 9 Warum wollte Abraham seinen Sohn Isaak opfern?
- 10 Warum war Abraham der Erzvater der Israeliten?
- 11 Welche Bedeutung hat Abraham im Judentum, Christentum und Islam?
- 12 Was lehrt uns die Geschichte von Abraham heute?
Steckbrief
| Bedeutung: | Begründer des Volks Israel, Begründer des Glaubens (Gottesbund), Prophet im Islam, zusammen mit Isaak und Jakob einer der drei hebräischen Patriarchen (Hirtenpatriarch) |
| Geboren: | zwischen 2200 v. Chr. und 1800 v. Chr. (Bronzezeit) in Ur in Chaldäa (Mesopotamien) |
| Gestorben: | zwischen 2000 v. Chr. und 1600 v. Chr. bei Hebron (heutige Westjordanland, Palästinensische Autonomiegebiete, damals Land Kanaan) |
| Grab: | Machpela-Höhle bei Hebron |
| Alter: | laut Bibel 175 Jahre |
| Vater: | Terach |
| Mutter: | Amathlai |
| Geschwister: | Zwei Brüder: Haran und Nahor |
| Ehefrauen: | Sara (Erzmutter Israels), Hagar (Konkubine, Nebenfrau), Ketura |
| Kinder: | 8 Söhne vom Ältesten zum Jüngsten: Ismael (mit Hagar), Isaak (mit Sara), Zimran (mit Ketura), Jokshan (mit Ketura), Medan (mit Ketura), Midian (mit Ketura), Ishbak (mit Ketura), Shuah (mit Ketura), |
| Verwandte: | Jakob bzw. Israel (Enkel), Esau (Enkel), Lot (Neffe), Zwölf Stämme Israels (Urenkel), Dina (Urenkel), Jesus von Nazareth (Laut Matthäus 1 und Lukas 3 liegen zwischen Abraham und Jesus etwa 40 Generationen, siehe Stammbaum Jesu) |
Was bedeutet Abraham?
Abraham hieß ursprünglich Abram bzw. im Hebräischen Avram. Dies bedeutet übersetzt: „Der Vater ist erhaben“ oder „Er ist dem Vater erhaben“. In Gen 17, 5 ändert Gott den Namen in Abraham um. Dieser Name bedeutet: „Vater der Menge an Völkern“. Die Namensänderung deutet an, dass Abraham beginnt den Bund mit Gott einzugehen.
Wer war Abraham?
Im Judentum geht man davon aus, dass Abraham der erste war, welcher den Bund mit Gott einging. Er ist somit der Begründer des Glaubens und wird dadurch auch zum Urheber des Volkes Israel.
Da das Christentum aus dem Judentum hervorging, wurde die Glaubenstradition übernommen. Für Christen ist Abraham ebenfalls der Vater des Glaubens. Im Islam gilt Abraham als bedeutender Prophet und als Begründer des Monotheismus. Im Koran wird Abraham als Ibrāhīm genannt.
Wo lebte Abraham?
Die Bibelerzählung über Abrahams Leben ist im 1. Buch Mose bzw. der Genesis enthalten. Ab Kapitel 11 werden die Erzvätergeschichten erzählt, welche mit Abraham beginnen. Es wird erzählt, dass Abraham aus Ur-Kasdim stammte. Die Stadt lag in Mesopotamien im heutigen Irak.
Ur gilt als einer der ersten Städte der Sumerer, deren Anfänge bis 4000 v. Chr. zurückreichen.
Laut Gen 11 zieht Terach, der Vater Abrahams, mit seinen Söhnen von Ur nach Harran um. Diese Stadt lag in der Nähe von Edessa, dem heutigen Şanlıurfa in der Türkei. Nachdem Terach in Harran starb, wird Abraham von Gott berufen. Gott fordert ihn auf, in ein Land zu ziehen, welches er ihm zeigen wird. In diesem Land soll Abraham zahlreiche Nachkommen haben und er wird zu einem Segen für alle Völker werden.
Abraham folgt Gottes Anweisungen und zieht mit seiner Frau Sara und seinem Neffen Lot über Shechem nach Hebron ins Land Kanaan (heutige Westjordanland). Als eine Hungersnot über das Land kommt, zieht die Familie kurzzeitig nach Ägypten um.
In Ägypten erfährt der Pharao von Saras Schönheit und lässt sie zu sich bringen. Um dem Tod zu entkommen, erzählen Sara und Abraham dem Pharao – dass Sara die Schwester Abrahams ist. Als die Lüge entlarvt wird, lässt der Pharao die Familie gehen. Sie kehren zurück nach Hebron, vermutlich mit den Geschenken des Pharaos. Denn in Gen 13 wird erzählt, dass Abraham reich ist.
Zurück in Hebron besitzen Abraham und sein Neffe Lot viele Schafe und Rinder. Zwischen den Hirten kommt es zum Streit, weshalb Lot nach Sodom ins Jordantal zieht. Abraham und Sara bleiben in der Nähe von Hebron. Einige Kriege führen Abraham nach Gerar und Beersheba. Letztlich stirbt er aber in Hebron.
Was ist mit Abrahams Bund mit Gott gemeint?
Der Bund Abrahams mit Gott ist eine zentrale Botschaft in der Bibel. Jenes Bündnis besteht darin, dass Gott diverse Versprechen und Zusagen macht. Im Gegenzug schenkt Abraham ihm bedingungsloses Vertrauen und Gehorsam. Ein Zeichen für den Bund zwischen Gott und Abraham soll die Beschneidung (Gen 17) sein.
Da eine Beschneidung dauerhaft ist und auch die Nachkommen Abrahams betrifft, symbolisiert der Eingriff eine Zugehörigkeit zum Gottesvolk und wird zum Identitätsmerkmal des Volkes. Gleichermaßen bedeutet die Beschneidung auch Reinheit und das äußere Zeichen soll auf eine innere Haltung hinweisen. Außerdem betrifft die Beschneidung alle Nachkommen Abrahams, weshalb das Bündnissymbol dauerhaft im Volk erhalten bleibt und eine starke kollektive Identität erschafft.
Abrahams Bund mit Gott ist der Startpunkt der biblischen Heilsgeschichte. Denn dieser Bund erklärt, warum sich das Volk Israel als Gottesvolk versteht und warum Abraham als Vater des Glaubens bezeichnet wird. Weiterhin wird durch den Gottesbund deutlich, warum sich alle Nachfahren Abrahams (Muslime, Christen, Juden) auf Abraham als zentrale Figur besinnen.
Welche Verheißungen bekam Abraham von Gott?
In der Bibel macht Gott mehrere Verheißungen (Zusagen) an Abraham. Diese werden in Gen 12, Gen 15 und 17 erwähnt. Jene Gotteszusagen bilden das Fundament des sogenannten Abraham-Bundes.
Volk
Als Erstes verspricht Gott, dass Abraham der Vater eines großen Volkes sein wird. Jene Nachkommenschaft soll so zahlreich sein, dass dies vergleichbar mit der Anzahl der Sterne am Himmel sein soll. Außerdem verspricht Gott, dass auch Könige und andere Herrscher aus dieser Nachkommenschaft hervorgehen werden.
Land
Das nächste zentrale Versprechen betrifft das Land Kanaan. Gott macht Abraham die Zusage, dass er und seine Nachkommen das Land Kanaan erben werden. Jenes Land wird später das Kerngebiet der Israeliten sein und ist heute Teil des Staates Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten.
Für Israelis und Juden ist das Land unmittelbar mit ihrem Glauben verbunden. Das Gebiet aufzugeben, würde bedeuten – den Glauben aufzugeben. Für Christen wurde das Gebiet im Mittelalter zum Heiligen Land erklärt, welches man vor Muslimen schützen musste. Es wurden Kreuzzüge unternommen, um christliche Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land zu errichten.
Segen
Das dritte Versprechen, welches Gott gibt – ist der Segen. Der Begriff lässt sich oberflächlich mit Glück oder Wohlstand gleichsetzen, geht theologisch aber durchaus tiefer. So wird Segen zu etwas Gestalterischen, wonach Gott führt, beschützt, begleitet und Möglichkeiten eröffnet.
Der Bund zu Gott stellt demnach den Rahmen dar und der Segen wird zur wirksamen Kraft dieser Gottesbeziehung.
Zunächst wird Abraham von Gott gesegnet. Aber er soll selbst auch der Segen für andere sein. Dazu sagt Gott: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Dadurch bekommt Abrahams Segen etwas Universelles, was für alle Menschen gilt. Er selbst wird zum Kanal des Segens. Und der Segen soll missionarisch wirken.
Die Idee der Missionierung wurde von Juden selbst nie übernommen, da sie sich immer für das auserwählte Volk hielten und dieser Anspruch exklusiv bleiben sollte. Doch das Christentum und der Islam griffen den Missionsgedanken und missionierten weltweit.
Besondere Beziehung zum Gottesvolk
Gott sagt: „Ich will dein Gott sein und der Gott deiner Nachkommen.“ Diese Aussage impliziert eine dauerhafte Verbindung zwischen Gott, Abraham und seinen Nachkommen. Somit werden er und seine Nachkommen zum Gottesvolk erklärt. Das Zeichen dieses Bundes soll die Beschneidung sein.
Der Bund mit Gott beinhaltet auch, dass Gott sein Volk beschützen wird. Abraham und seine Nachfahren werden von Gott geführt und beschützt werden. Und die Feinde Israels werden durch Gott bestraft werden.
Das Schutzversprechen ist gepaart mit einem Wohlstandsversprechen, wonach sämtliche Unternehmungen des Volkes zu Erfolg führen sollen. Der Ausspruch „Ich bin mit dir“ transportiert den Gedanken der Gottesbeziehung.
Wie alt wurde Abraham?
Laut der Bibel soll Abraham im Alter von 175 Jahren gestorben sein (Gen 25, 7- 10). Er wird in der Höhle Machpela begraben, in welcher er zuvor seine Frau Sara begraben hatte (Gen 23).
In der Bibel (Gen 11) soll Abraham bereits 75 Jahre alt gewesen sein, als er ins Land Kanaan aufbricht. Solch hohe Altersangabe ist typisch für Erzählungen der biblischen Urgeschichte. Auch andere Figuren der Genesis erreichen ein recht hohes Alter. So gibt bspw. die Bibel für Noah ein Lebensalter von 950 Jahren an (Gen 9, 29).
Das hohe Lebensalter steht symbolisch für Würde, Weisheit, Bedeutung und Gottesnähe. Aber das tatsächliche biologische Alter Abrahams ist unbekannt.
Wer gehörte zur Familie Abrahams?
Zu Abrahams Ursprungsfamilie gehören sein Vater Terach, seine Mutter Amathlai, sowie seine Brüder Haran und Nahor. Abrahams Frau war Sara. Mit seiner Geliebten Hagar zeugte Abraham seinen ältesten Sohn Ismael, welcher zum Stammvater der Ismaeliten wurde. Erst sein zweiter Sohn Isaak stammt von Sara. Nach Saras Tod wird Keturah zu seiner neuen Frau. Mit ihr hatte er nochmals 6 Söhne.
Terach (Abrahams Vater)
Terach ist laut dem Alten Testament der namentlich erwähnte Vater Abrahams. Er lebte zusammen mit seinen Kinder Haran, Nahor und Abraham in Ur in Mesopotamien.
In einigen rabbinischen Texten, wie dem Numeri Rabbah, wird Terach als Priester erwähnt. Er soll Götzenbilder hergestellt haben, welche sein Sohn Abraham zerschlug.
Laut der jüdischen Erzähltradition wollte Terah die Stadt Ur verlassen, um eine mysteriöse Reise nach Kanaan anzutreten. Demnach war Terach der Urheber der Reise nach Kanaan, welche dann sein Sohn Abraham fortsetzen sollte. In Harran (Şanlıurfa) stirbt Terah, woraufhin sein Sohn Abraham die Reise seines Vaters fortsetzt.
Haran (Abrahams Bruder)
Haran wird in Gen 11, 26-29 als ein Nachfahre Noahs erwähnt. Dort steht geschrieben, dass sein Vater Terah war. Demnach ist er ein Bruder Abrahams.
Haran hatte eine Tochter, namens Milka – welche später seinen jüngeren Bruder Nahor heiraten wird. Demnach heiratete die Tochter Harans ihren Onkel, was aber laut dem Gesetz Mose nicht verboten war.
Das Alte Testament erwähnt einen Sohn Harans, namens Lot, welcher Abraham und Terah auf ihrer Reise ins Land Kanaan begleiten wird. Zum Zeitpunkt der Abreise nach Kanaan war Haran bereits verstorben.
Nahor (Abrahams jüngerer Bruder)
Laut Gen 11, 26 soll Terach einen weiteren Sohn gehabt haben. Dieser hieß Nahor und war der jüngere Bruder Abrahams. Ob Nahor die Familie ins Land Kanaan begleitete, geht aus der Bibel nicht hervor.
Sara (Abrahams erste Frau)
Sara bzw. Sarai war Abrahams erste Frau, welche bereits in Ur zu ihm gehörte. Obwohl sie selbst nie die Verheißung Gottes erfahren hatte, begleitete sie ihren Mann ins Land Kanaan. Deshalb steht sie im Christentum als Symbol für Vertrauen und Beharrlichkeit.
Sara hatte mit Abraham einen Sohn, namens Isaak. Genau wie Abraham wurde auch Isaak zum Erzvater der Israeliten. Doch Isaaks Geburt gleicht einem Wunder, da Sara ihn erst mit 90 Jahren geboren hatte. Die lange Zeit der Kinderlosigkeit unterstreicht Saras Symbolkraft des Vertrauen und der Beharrlichkeit.
Im Judentum ist Sara die Erzmutter des Volks Israel, im Christentum eine Symbolfigur und im Islam eine respektierte Ahnfrau.
Hagar (Nebenfrau Abrahams)
Hagar war eine ägyptische Sklavin und Dienerin Saras. Aufgrund einer Hungersnot verlassen Abraham und seine Familie das Land Kanaan und reisen nach Ägypten.
In Ägypten fällt Sara aufgrund ihrer Schönheit auf und wird zum Pharao gebracht. Da nun Abraham befürchtet, dass er wegen Saras Schönheit getötet wird, bittet er sie – sich als seine Schwester auszugeben.
Der Pharao nimmt Sara in seinen Palast und gibt Abraham diverse Geschenke. Doch dies erzürnt Gott, weshalb er eingreift und Plagen auf das Haus des Pharaos schickt. Daraufhin gibt der Pharao seine Auserwählte zurück und die Familie zieht fort.
Die Dienerin Saras war Hagar. Da Sara lange Zeit kinderlos blieb, bot sie ihre Dienerin ihrem Ehemann an. Laut damaliger Rechtsauffassung würde das Kind der Sklavin als Kind der Herrin gelten.
Als Hagar dann das Kind erwartet, kommt es zum Konflikt mit Sara. Die Sklavin flieht in die Wüste, wo ihr ein Engel erscheint, sie zurückschickte und prophezeit, dass aus ihrem Sohn ein großes Volk hervorgehen wird. Sie gebärt Ismael, den Stammvater der Ismaeliten.
Ismael (ältester Sohn)
Ismael ist der Sohn von Abraham und der ägyptischen Sklavin Hagar. Nachdem Ismael geboren wurde, verschärft sich der Konflikt zwischen Sara und Hagar. In Eifersucht bittet Sara ihren Mann darum, die Sklavin und den Sohn wegzuschicken.
Gott versichert Abraham, dass Ismael nicht verloren gehen würde. Dann schickt Abraham beide in die Wüste. Dort können sie überleben, weil Gott ihnen hilft. Ismael wird schließlich der Stammvater der Ismaeliten (Araber). Damit entsteht eine zweite große Völkerlinie. Gleichzeitig entsteht die Verbindung zwischen Judentum, Islam und Christentum (abrahamitische Religionen).
Isaak (zweiter Sohn)
Als Sara 90 Jahre alt ist, gebärt sie Isaak. Im Judentum und Christentum gilt Isaak als der verheißene Sohn, also das Kind – welches Gott versprochen hatte. Sein Name bedeutet: „Er lacht“ und er gilt als zweiter Erzvater Israels, neben Abraham. Durch Isaak soll die Verheißung bestehen bleiben, wodurch der Bund mit Gott ebenfalls erhalten bleibt.
Sara besteht darauf, dass Isaak der Erbe bleibt und Ismael (Sohn der Hagar) vom Erbe ausgeschlossen wird. Damit wird Isaak zur zentralen Figur der israelischen Identität. Seine Kinder sind Jakob, welcher von Gott als Israel bezeichnet wird und Esau (Stammvater der Edomiter).
Isaak bliebt Träger der Bundesverheißung (Land, Segen, Nachkommenlinie Israels) und Ismael wird zum Träger seiner eigene Verheißung: Schutz in der Wüste durch Gott, zwölf Fürsten und großes Volk.
Ketura (zweite Frau Abrahams)
Nach Saras Tod erwähnt das Buch Genesis eine weitere Frau, namens Ketura (Gen 25,1). In manchen jüdischen Traditionen, wie dem Midrasch, wird Keturah mit Hagar gleichgesetzt.
Mit Keturah soll Abraham sechs weitere Söhne gehabt haben: Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach. Aber Abraham schickte die Söhne weg, damit diese Isaaks Erbe nicht bedrohen. Sie wurden dann zu Stammväter von sechs arabischen Stämmen, welche sich im Süden Israels ansiedelten.
Lot (Abrahams Neffe)
Lot ist Abrahams Neffe und Sohn von Haran. Er zählt zu den wichtigsten Nebenfiguren der Erzvätergeschichten. Denn er begleitet Abraham nach Kanaan, nach Ägypten und zurück.
Zwischen beiden besteht eine besonders enge Bindung. Während Abraham eine familiäre Verpflichtung gegenüber seinem Neffen verspürt, vertraut Lot seinem Onkel bedingungslos und geht mit ihm ins Unbekannte.
Doch nach der Rückkehr aus Ägypten kommt es zum Streit ums Weideland, wodurch sich die Wege der Beiden trennen. Abraham bleibt im Hügelland Kanaans, während Lot nahe Sodoms ins fruchtbare Jordantal zieht.
Als Sodom dann in einen Krieg gerät, wird Lot gefangen genommen. Daraufhin zieht Abraham los und befreit seinen Neffen. Doch aufgrund der Sündenlastigkeit will Gott die Stadt Sodom vernichten. Abraham bittet um Gnade bei Gott, wodurch Lot durch Engel gerettet wird.
Als Lots Familie aus der Stadt geführt werden, geben die Engel die klare Anweisung nicht zurückzuschauen. Doch Lots Frau widersteht nicht, blickt zurück und erstarrt zu einer Salzsäule (Gen 19,26). Damit weist die Bibel daraufhin, was geschieht – wenn man Gottes Anweisungen nicht Folge leistet.
Warum wollte Abraham seinen Sohn Isaak opfern?
Die Opferung Isaaks bzw. Bindung Isaaks wird in Genesis 22 beschrieben. Dort verkündet Gott, dass Abraham seinen Sohn Isaak opfern muss. Jener Isaak war der verheißene Sohn, auf welchen Sara und Abraham jahrzehntelang gewartet haben. Außerdem sollte Isaak das Erbe Abrahams antreten und so Träger des Bundes mit Gott sein. Dennoch fordert Gott dieses Opfer von Abraham ein, um ihn zu testen.
Abraham besteht den Test, da er bereit ist, seinen Sohn zu opfern. Damit wird das Vertrauen in Gott und somit auch der Bund mit Gott bestätigt. Offenbar glaubte Abraham, dass Gott keine Fehler macht oder dass Gott seinen Sohn wiederbeleben würde. Letztlich greift Gott in die Opferung ein und verhindert so Isaaks Tod.
Die theologische Frage hinter der Opferung Isaaks lautet nicht: „Warum soll Isaak sterben?“, sondern „Wie weit geht Abrahams Vertrauen zu Gott?“.
Im entscheidenden Moment greift ein Engel ein und ruft: „Tu dem Jungen nichts!“ Anstelle Isaaks wird dann ein Widder geopfert. Mit Verhinderung der Opferung Isaaks macht Gott schließlich auch deutlich, dass er keine Menschenopfer verlangt.
Diese Verachtung von Menschenopfern stand im klaren Gegensatz zu Kulten des Umlands. Denn im Tal Ben-Hinnom (Ge-Hinnom) wurden Kinder geopfert, um die Gottheit Molech (Moloch) zu huldigen. Die Bibel benennt solche Orte als Tofet, wo die Kanaaniter, Karthager und Phönizier religiöse Kinderopfer vollführt haben sollen.
Im Judentum wird die Opferung Isaaks als Symbolik für Abrahams Gehorsam und Gottes Barmherzigkeit verstanden. Das Christentum interpretiert die Bindung Isaaks als Vorausbild für Gottes eigenes Opfer (Kreuzigung Jesu, Gottessohn). Und Isaak trägt hier das Holz, ähnlich dem Kreuze, welches Jesus von Nazareth tragen musste.
Im Islam ist die Erzählung ebenfalls von zentraler Bedeutung. Der Fokus liegt auf Hingabe und Unterwerfung. Denn Islam kommt vom Verb aslama, was „sich ergeben“ oder „sich hingeben“ bedeutet.
Warum war Abraham der Erzvater der Israeliten?
Abraham ist der Urahn der Israeliten. Er besaß das Land Kanaan zwar nicht, aber einen kleinen Teil davon (Machpela-Höhle). Aber Gott gab ihm die Verheißung, dass seine Nachfahren das Land besitzen werden.
Nun kam Isaak als der verheißende Sohn zur Welt, welcher das Bündnis zwischen Gott und Abraham weiter trägt. Sein Sohn war Jakob, welcher von Gott zu Israel ernannt wird. Wegen einer Hungersnot mussten Jakob und seine Söhne das Land Kanaan wieder verlassen. Sie flohen nach Ägypten und geraten dort in die Sklaverei.
Erst nach 400 Jahren führt Mose die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs aus der ägyptischen Sklaverei zurück ins Land Kanaan (Buch Exodus). Im Land Kanaan entstehen dann die Zwölf Stämme Israels, welche das verheißene Land besiedeln. Diese Stämme werden als die Söhne Jakobs genannt. Aber eigentlich waren Jakobs Söhne nur die Stammväter dieser Stämme und wurden so nach 400 Jahren zu ihren Namensgebern.
Die Israeliten mussten somit erst in Ägypten zu einem Volk werden. Gottes Plan sah vor, dass Abrahams Nachkommen erst vier Generationen später zurückkehren werden (Gen 15). Somit hatte Gott einen größeren Plan und Moses die Aufgabe der Rückführung, nachdem das Volk Israels durch die ägyptische Gefangenschaft zusammengewachsen war. Die Ankunft der Zwölf Stämme (Israeliten) im Land Kanaan war keine Erstbesiedlung, sondern eine Rückkehr ins Land ihres Urahnen (Abraham).
Welche Bedeutung hat Abraham im Judentum, Christentum und Islam?
Im Judentum gilt Abraham als erster Patriarch. Ein Patriarch war ein Sippenoberhaupt, Ahn oder ein Stammvater mit besonderer Rolle. Und Abraham war der erste Erzvater der Israeliten, der erste Bundespartner Gottes und Stammvater anderer Völker (Ismaeliten), wodurch sich die jüdische mit der arabischen Welt vereint.
Durch seine Person wird Gott zu etwas Universellen für alle Völker. Weiterhin gilt Abrahams Lebensweg und seine Überzeugung als Symbol für Gottesvertrauen, Gehorsamkeit und Disziplin. Er gilt im Judentum als Vorbildfigur.
Im Christentum ist es ähnlich. Er steht als Urbild des Glaubens und ist ein Beispiel dafür, dass der Glauben auch Unmögliches möglich macht. Sein Leben beschreibt, wie Gottestreue über Generationen hinweg bestehen kann. Zudem ist er Teil der Heilsgeschichte, welche mit ihm beginnt und zu Jesus führt. Das Neue Testament nennt ihn „Vater aller Glaubenden“, weil sein Vertrauen auf Gott als Modell für christlichen Glauben gilt.
Im Islam heißt Abraham Ibrahim und gilt als einer der wichtigsten Propheten. Seine Hingabe zu Gott, insbesondere bei der Opferung Isaaks, ist Vorbild für Muslime. Das Opferfest (Eid al-Adha) erinnert an diese Bereitschaft. Über seinen Sohn Ismael ist Abraham ein Urvater der arabischen Stämme. Er gilt zusammen mit Ismael als Derjenige, welche die Kaaba wiedererrichtete. Als großer Prophet gilt er als spiritueller Vorahne und Wegbereiter des Propheten Mohammed.
Was lehrt uns die Geschichte von Abraham heute?
Im Zentrum der Geschichte von Abraham steht, dass drei Weltreligionen mit ihm ihren Anfang hatten. Damit gilt er als ein Symbol für Verwandtschaft trotz Vielfalt. Ein gemeinsamer Ursprung muss einen Dialog möglich machen können. Die Unterschiede müssen nicht Feindschaft bedeuten.
Abrahams Geschichte erinnert außerdem daran, dass man neue Wege bestreiten kann. Man kann die Sicherheit aufgeben und einen neuen Lebensweg einschlagen. Das Vertrauen und die Beharrlichkeit führen dann zum gewünschten Ergebnis.
Und manchmal beginnt etwas Neues erst, wenn man Vergangenes loslässt. So ließ Abraham seine Heimat Ur zurück, um ins Land Kanaan zu reisen. Er vertraute auf Gott und auf dessen Führung, obwohl Gottes Weg nicht immer sichtbar war.
Selbst im Moment der höchsten Unsicherheit (Isaaks Opfer) vertraute er auf Gottes Plan. Diese Zuversicht half ihm dabei, Krisen zu meistern, Fehler zu korrigieren und die Entwicklung voranzutreiben.
In Genesis 18 nimmt Abraham außerdem drei Fremde auf. Er behandelt sie wie Ehrengäste und erkennt das Heilige im Unbekannten. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.“ Dies macht ihn zum Vorbild für Völkerverständigung, Gastfreundschaft, Offenheit gegenüber Fremden und Respekt gegenüber jedem Menschen.







