Römische Bürgerkriege
Die Zeit der römischen Bürgerkriege war eine Phase in der Geschichte des Römischen Reiches. Begonnen haben die Bürgerkriege 133 v. Chr. als Folge der gescheiterten Reformen der Gracchus-Brüder. Beendet wurden die Bürgerkriege durch Octavian im Jahr 30 v. Chr..
In den mehr als hundert Jahren Bürgerkriegszeit fanden insgesamt drei große Bürgerkriege statt. Der erste fand zwischen Marius und Sulla (88–82 v. Chr.) statt. Dem folgte der Krieg zwischen Caesar und Pompeius (49–45 v. Chr.), welche sich zuvor in einem Bündnis arrangiert haben – dass als das Erste Triumvirat bezeichnet wurde. Der letzte Bürgerkrieg begann dann nach Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr..
Die Kontrahenten im letzten Bürgerkrieg waren die Caesarmörder auf der eine Seite und ein Dreimännerbündnis auf der anderen Seite. Jenes Männerbündnis nannte sich das Zweite Triumvirat und wollte den Mord an Caesar rächen und die alte Ordnung wiederherstellen. Nach der Rache an den Mördern Caesars zerfiel das Bündnis ebenfalls.
Zwischen den ehemaligen Bündnispartnern entflammte ein Krieg, welchen Octavian gewinnen konnte. Die Entscheidungsschlacht war die Seeschlacht von Actium (30 v.Chr.), welche den Bürgerkrieg beendete und auch den Ptolemäischen Krieg (gegen Ägypten) entscheidend beeinflusste.
Am Ende des Bürgerkriegs wurde der Prinzipat als neue Regierungsform eingeführt. Und Octavian wurde zum Augustus, dem ersten Kaiser Roms. Im Zuge der Eroberung des Octavians wurde das Ptolemäerreich in Ägypten zur römischen Provinz.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was waren die Ursachen der römischen Bürgerkriege?
- 3 Wer kämpfte gegen wen in den römischen Bürgerkriegen?
- 4 Wie beeinflussten die Gracchen die spätere Krisenzeit?
- 5 Dauerten die römischen Bürgerkriege wirklich mehr als 100 Jahre?
- 6 Wie verliefen die Bürgerkriege?
- 7 Welche Rolle spielte der Senat bei den römischen Bürgerkriegen?
- 8 Zu welchen Veränderungen kam es im römischen Heer durch die Bürgerkriege?
- 9 Warum begann Caesar den Bürgerkrieg?
- 10 Überschritt Caesar den Rubikon wirklich?
- 11 Was geschah im letzten römischen Bürgerkrieg?
- 12 Welche Rolle spielte Cleopatra im letzten römischen Bürgerkrieg?
- 13 Welche Folgen hatten die Bürgerkriege?
- 14 Chronologie und Zeittafel
Steckbrief
| Auslöser: | 133 v. Chr.: Ermordung von Tiberius Sempronius Gracchus |
| Ende: | 30 v. Chr.: Sieg Octavians über Marcus Antonius |
| Geschichtsepoche: | Antike (Zeit der Späten Republik) |
| Bedeutung: | -Kriege im Inneren des Römischen Reichs um den Machtanspruch -Transformationsprozess von der Republik zum Kaiserreich -Aufstieg der Militärmacht |
| Merkmale: | -Persönliche Heere statt Staatsarmeen -Normalisierung von politische Gewalt -Machtkämpfe zwischen Einzelpersonen -Schwäche der republikanischen Institutionen (Senat, Konsulat, Volksversammlungen) -Soziale und wirtschaftliche Spannungen wurden nie überwinden und blieben Konfliktstoff über alle Bürgerkriege -Propaganda und politische Inszenierung (eigene Münzen, Reden, öffentliche Spiele und Feindbilder) -Wiederholte Verfassungsbrüche (Sullas-Diktatur, Caesars Rubikon-Überschreitung, Triumvirate als nicht legale Machtblöcke) -Konzentration der Macht am Ende eines jeden Bürgerkriegs (Diktatur des Sulla, des Caesar oder Prinzipat des Octavian) -Republikanische Institutionen verloren Schritt für Schritt ihre Macht an einen starken Staatsmann |
| wirtschaftliche: | -Expansionsstreben Roms brachte soziale Gewinner und Verlierer hervor -Kleinbauern, welche Kriegsdienst leistete, konnten in dieser Zeit ihr Land nicht bestellen -Großgrundbesitzer bekamen vom Senat sog. Latifundien (Großländereien) auf denen sie Sklaven beschäftigten -Ungleichheit nahm immer weiter zu |
| politische: | -Gracchischen Reformen (benannt nach den Gracchus-Brüdern) sollten Gemeindeland zu Gunsten der Kleinbauern verteilen -Senat ist gegen die Verteilung -Zeit der Gracchischen Unruhen beginnt -> Senat spaltet sich dauerhaft in Optimaten (alte Ordnung) und Popularen (Reformer) -durch die Spaltung nimmt die Autorität des Senats immer weiter ab -Gewalt wird zum politischen Mittel der Durchsetzung -andauernder Machtverlust des Senats führt zu Machtgewinn der Feldherren (militärische Macht) |
| 133-121 v. Chr. | Gracchische Unruhen |
| 104 v. Chr. | Sklavenkrieg |
| 91-88 v. Chr. | Marsischer Krieg zwischen dem römischen Staat und italischen Stämmen, denen Rom das vollständige römische Bürgerrecht verweigerte |
| 88 v. Chr. | Sullas erster Marsch auf Rom |
| 83-81 v. Chr. | Sullas zweiter Bürgerkrieg |
| 73 v. Chr. | Spartacus-Aufstand |
| 82-72 v. Chr. | Sertorianische Krieg auf Hispania als Weiterführung des Krieges zwischen Marius und Sulla |
| 49-45 v. Chr. | Caesars Bürgerkrieg |
| 43-42 v.Chr. | Bürgerkrieg der Befreier (Caesarmörder) gegen das Zweite Triumvirat (Octavian, Marcus Antonius, Marcus Aemilius Lepidus) |
| 32-30 v. Chr. | Krieg von Actium zwischen Marcus Antonius und Octavian |
| politische: | -Abschaffung der Römischen Republik zugunsten des Prinzipat -Octavian wird römischer Kaiser und erlangt den Titel Augustus -Reformen des Augustus bewirken eine nachhaltige Friedenszeit (Pax Augusta) -Eingliederung Ägyptens als römische Provinz |
| wirtschaftliche: | -im Römische Reich beginnt eine kulturelle und wirtschaftliche Hochphase (Pax Romana) |
Was waren die Ursachen der römischen Bürgerkriege?
Die Ursachen der Bürgerkriege waren vielschichtet. So gab es politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Diese werden nun einzeln vorgetragen.
Wirtschaftliche Ursachen
Die Stadt Rom wurde 753 v. Chr. gegründet. Um etwa 510 v. Chr. wurde der letzte Etruskerkönig gestürzt und der Stadtstaat führte die Republik als Staatsform ein.
Das Expansionsstreben Roms begann 396 v. Chr. als die Konkurrenzstadt Veji erobert wurde. In den 200 Jahren danach eroberte die Römische Republik nahezu den gesamten Mittelmeerraum. Dazu wurden Soldaten benötigt. Und diese Soldaten kamen aus der eigenen Bevölkerung.
Und da die Kleinbauern sich, während der Kriegsjahre, nicht um ihre Höfe kümmern konnten – verarmten sie. Genauso erging es den Stadtbewohnern, welche ihrem Handwerk nicht nachgehen konnten. Sie kamen aus den Kriegen zurück, wurden mittellos und rutschten in städtische Proletariat ab.
Soziale Ursachen
Die Römische Expansion hatte aber auch Gewinner. So wurden einige Grundbesitzer, aufgrund der neuen Gebiete, immer reicher. Es entstand ein System von Großgrundbesitzern, welche politische Kontakte und die nötigen Zahlungsmittel hatten.
Um eine Grundversorgung der römischen Bevölkerung und des Heeres garantieren zu können, vergab Rom sogenannte Latifundien. Ein Latifundium war ein ausgedehntes Landgut von mehreren hundert Hektar. Auf den Feldern arbeiteten dann Sklaven. Somit wurde ein System geschaffen, welches Kleinbauern in die Armut drängte und Großgrundbesitzer bevorteilte.
Gracchischen Reformen
Der soziale Abstieg der Kleinbauern und der Aufstieg der Eliten spiegelte sich im römischen Senat wider. Zwei Brüder, namens Tiberius Sempronius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus, wollten daran etwas ändern.
Ersterer war Volkstribun, welcher 133 v. Chr. damit begann, Gemeindeland (ager publicus) ans städtische Proletariat zu verteilen. Seine Reformbemühungen endeten mit seiner Ermordung durch römische Eliten auf dem Marsfeld. Keiner seiner Mörder wurde angeklagt.
Sein jüngerer Bruder Gaius, ebenfalls Volkstribun, hatte ähnliche Ziele. Außerdem wollte er den Mord an seinen Bruder rächen. Zehn Jahre nach dem Mord an Tiberius wurden die Reformen in den Ackergesetze durch Gaius neu entflammt.
Ähnlich wie sein Bruder fand er keine Mehrheiten im Senat. Es kam zu Straßenkämpfen und seine Anhänger besetzten den Aventin-Hügel von Rom. Erstmals in der Geschichte Roms wurde der Staatsnotstand (senatus consultum ultimum) verhängt. Daraufhin wurden Gracchus Gefolgsleute zu hunderten erschlagen. Auf der Flucht versteckte er sich in einem Keller, zusammen mit seinem Sklaven Philokrates. Aufgrund der Ausweglosigkeit ließ sich Gaius von seinem Sklaven erschlagen.
Der Staatsnotstand von 121 v. Chr. war ein Vorgeschmack auf die andauernden römischen Bürgerkriege der nächsten hundert Jahre. Laut dem Historiker Paulus Orosius starben auf dem Aventin-Hügel 250 Mann im Kampf und etwa 3.000 wurden später hingerichtet.
Politische Ursachen
Die Verfassung der Römischen Republik war für den Stadtstaat Rom entworfen wurden. Für die Verwaltung eines Weltreichs waren die Institutionen (Senat, Volksversammlung) nicht geeignet. So waren Entscheidungswege einfach zu lang, zu behäbig und zu kompliziert. Oftmals wurden Reformen blockiert, weil jede Seite Angst hatte, Macht einzubüßen.
Diese politische Überforderung führte dazu, dass sich der Senat immer weiter spaltete. Es entstanden zwei Lager, die Popularen und die Optimaten. Da ihre Reformen in den politischen Institutionen nicht durchgesetzt werden konnten, griffen sie zu drastischeren Maßnahmen. Die Gewalt nahm zu, wie die Ermordung der Gracchen zeigt.
Wer kämpfte gegen wen in den römischen Bürgerkriegen?
Optimaten vs. Popularen
Die Optimaten („die Besten“) stützten sich auf die Macht der Senatsaristokratie. Ihre Abgeordneten kamen aus dem Adel und anderer Machtelite Roms. Sie wollten ihre Macht behalten und deshalb den Senat und seine bestehenden politischen Strukturen stärken.
Ihre Gegner waren die Popularen (popularis = volksfreundlich). Zu ihnen gehörten Politiker, welche das Volk als Machtbasis nutzten, um gegen den Senat politisch vorzugehen. Mittels Volksversammlungen und Volkstribunen wollten sie Gesetze gegen den Senat durchsetzen. So setzen sie sich für die Belange des Volkes ein. Ihre Ziele waren Landreformen, Schuldenentlastung oder die Versorgung der Armen.
Die Ziele der beiden politischen Lager konnten nicht vereinbart werden, wodurch die politische Arbeit immer weiter ins Stocken geriet. Beide Lager blockierten einander, nutzten Vetos zur Verhinderung und betrieben über ihre Vertreter persönliche Machtkämpfe gegeneinander. Letztlich schlugen die Machtkämpfe in Gewalt um, welche sich auf den offenen Straßen Roms zwischen Anhängern beider Lager abspielte.
Marius vs. Sulla
Der erste große römische Bürgerkrieg fand zwischen Marius und Sulla statt. Ausgelöst wurde dieser Krieg als die Popularen im Senat, unter Führung von Marius, dem General Sulla das Kommando im Krieg gegen Mithridates VI. (König von Pontos) entzogen. Daraufhin zog Silla mit seinen Truppen nach Rom und erzwang die Rückgabe des Kommandos.
Nun kam es zum Bürgerkrieg in zwei Akten: 88 – 87 v. Chr. zieht Sulla gegen Rom und vertreibt Marius. Wegen des Krieges gegen König Mithridates VI. muss Sulla Rom erneut verlassen. Die Gunst der Stunde nutzen die Popularen, um sich die Macht zurückerobern. Während der Kämpfe werden viele Senatsmitglieder der Optimaten getötet. Nach der Machtübernahme kommt es zu blutigen Säuberungen.
Im zweiten Akt kehrt Sulla 82 v. Chr. erneut zurück. Unterstützt wird er von Gnaeus Pompeius Magnus. Die Popularen werden vertrieben. Und Sulla errichtet seinerseits ebenfalls eine Diktatur. Gegen die Anhänger des Marius werden Proskriptionen (Ächtungen) verhängt. Sein alter Kontrahent Marius starb bereits 86 v. Chr. im Amt als Konsuln an einer Rippenfellentzündung (so wird es vermutet).
Pompeius vs. Caesar
Der zweite große Bürgerkrieg fand zwischen Caesar und Pompeius (49-45 v. Chr.) statt. Vorausgegangen war eine Vereinbarung, welche Gaius Iulius Caesar, Gnaeus Pompeius Magnus und Marcus Licinius Crassus trafen. Jene Vereinbarung war ein Machtbündnis zwischen den drei Staatsmännern, welches sicherstellen sollte – dass keine politische Entscheidung gegen ihren Willen getroffen werden konnte.
Dieses Bündnis wird als das Erste Triumvirat bezeichnet. Als dann Crassus und Caesars Tochter Julia (Ehefrau des Pompeius) gestorben war – fehlten zwei Personen – welche die Machtpolitiker verbinden konnten. Fortan wurde die Rivalität stärker. So näherte sich Pompeius immer mehr dem Senat an, während Caesars Einfluss durch die Erfolge im Gallischen Krieg wuchsen. Als der Senat im Jahr 49 v. Chr. Caesar zwang, sein Heer aufzulösen – wurde der zweite Bürgerkrieg ausgelöst. In der Folge erobert Caesar Rom, wird Diktator auf Lebenszeit und der Senat wird faktisch machtlos.
Dies ist das eigentliche Ende der Römischen Republik. Doch am 15. März 44 v. Chr. wurde Caesar von einer Gruppe Senatoren ermordet. Um Caesars Mörder zu bestrafen und die Kontrolle über den Staat sichern, wurde das Zweite Triumvirat gegründet.
Octavian vs. Marcus Antonius
Das Zweite Triumvirat bestand aus Octavian, Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus. Nachdem man die Caesarmörder gefasst und besiegt hatte, zerfiel das Bündnis. So wurde Lepidus 36 v. Chr. entmachtet und zwischen Octavian und Marcus Antonius wuchs die Rivalität.
Antonius ging Bündnis mit Kleopatra VII. von Ägypten ein. In der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) besiegte Octavian seinen Kontrahenten. In der Folge wurde der Prinzipat eingeführt und Octavian wurde Augustus, der erste Kaiser von Rom.
Wie beeinflussten die Gracchen die spätere Krisenzeit?
Die Gracchenzeit (133–121 v. Chr.) war zwar nicht die Ursache für den römischen Bürgerkrieg, aber deren Auslöser. Beide Gracchus-Brüder – Tiberius und Gaius – stießen Reformversuche an, um die Adelseliten zu entmachten und dem Volk etwas zuzugestehen. Dies war notwendig, da die soziale Spaltung in der römischen Gesellschaft tief war (siehe Abschnitt Ursachen des römischen Bürgerkriegs).
Jene Reformversuche schufen dann genau die Konfliktlinien, welche später zu den Bürgerkriegen führten. Man kann deshalb durchaus sagen, dass die Gracchenzeit eine Spirale in Gang setzte, welche zu den endlosen Bürgerkriegen führte.
Tabubruch
Mit dem Mord an Tiberius Gracchus 133 v. Chr. wurde erstmals seit langem ein politischer Gegner ermordet. Dies war ein Tabubruch und wurde zum Wendepunkt in der Geschichte der Römischen Republik.
Aufkommen politischer Gewalt
Nach dem Mord an Tiberius Gracchus zeigte der Senat, dass er Reformen notfalls mit Gewalt stoppt. Die Gewalt wurde zu einem legitimen Mittel der Politik. Durch die Notstandsverordnung des Senats (Senatus consultum ultimum) ging man 121 v. Chr. gegen die Anhänger von Gaius Gracchus (jüngeren Bruder) vor.
Bei der Niederschlagung der Revolte starben mehrere hundert Menschen. Im Umfeld der Revolte wurden mehrere tausend hingerichtet. Die Gewalt als politisches Mittel ist mit dem oben genannten Tabubruch ins römische Denken eingezogen und hat die Atmosphäre nachhaltig vergiftet.
Spaltung der Republik
Vor den Gracchen gab es zwar Rivalitäten im Senat, aber keine festen Frontlinien. Nach dem Mord und dem Aufruhr wurde der Senat tief gespalten. Die Optimaten wollten die alte Ordnung bewahren, während die Popularen sie zu Gunsten des Volkes verändern wollten. Diese Lagerbildung prägt die gesamte spätere Krisenzeit – sei es bei Marius gegen Sulla oder bei Caesar gegen Pompeius.
Soziale Konflikte blieben dauerhaft
Die Gracchen stießen erstmals überhaupt eine Debatte über Landverteilung, Machtmissbrauch von Eliten und die Armut von Kleinbauern an. Diese Themen verschwanden bis zum Ende der Bürgerkriege nicht mehr. Es waren die Konfliktlinien, an welche sich die Popularen und die Optimaten gleichermaßen ausrichteten.
Senat verlor an Autorität
Beide Gracchusbrüder – sowohl Tiberius als auch Gaius später – waren Volkstribune. Und beide zeigten in der Verantwortung dieses Amtes, dass man Gesetze in der Volksversammlung vorlegen kann und somit den Senat umgehen kann. Somit war der Senat keineswegs unantastbar. Und die Volksgesetzgebung kann die Machtelite aushebeln. Später nutzen Marius, Sulla und Caesar genau diese Mechanismen.
Volk wurde politisiert
Die Gracchen mobilisierten das Volk gegen den Senat. Somit wurde das Volk zu einem Werkzeug politischer Macht. Spätere Politiker setzten das Volk genauso ein. So konnte Marius seine Heeresreformen durchbringen und Caesar seine Popularität ausnutzen.
Lernen aus Fehlern
Die Gracchen hatten großartige Ideen, ein Volk – welches dahinter stand – aber keine militärische Macht – um dies durchzusetzen. Spätere Politiker sahen genau dort den Fehler. Denn für das Umsetzen für Reformen brauchte man ein Heer, weshalb Feldherren begannen, ihre Militärmacht politisch einzusetzen.
Dauerten die römischen Bürgerkriege wirklich mehr als 100 Jahre?
Tatsächlich dauerten die Bürgerkriege mehr als 100 Jahre. Sie hatten ihren Auslöser mit der Ermordung von Tiberius Gracchus (133 v. Chr.), dem Älteren der Gracchus-Brüder. Dies war der erste große politische Gewaltakt. Danach radikalisierten sich die Optimaten und Popularen immer mehr, weshalb es zu einer Reihe von Bürgerkriegen kam. Diese Gewaltspirale endete erst mit dem Sieg Octavians über Antonius und Kleopatra (30 v. Chr.).
Zu den Römischen Bürgerkriegen gehören folgende Auseinandersetzungen:
- Gracchische Unruhen
- Bundesgenossenkrieg
- Der Krieg zwischen Marius und Sulla
- Sertorianische Krieg
- Spartacus-Aufstand
- der Krieg zwischen Caesar und Pompeius
- der Entscheidungskrieg zwischen Antonius vs. Octavian
Die Bürgerkriege dauerten deshalb so lang, weil wirkliche Probleme nie gelöst wurden. So bestanden strukturelle Probleme (soziale Ungleichheit, Machtkampf zwischen Senat und Volk) auch nach den Einzelkriegen weiterhin.
Die Heeresreform ermöglichte, dass Feldheeren immer mehr Macht bekamen, woraus sich Rivalitäten ergaben. Und nachdem die Kriege zwischen den Feldheeren beendet waren, gab es neue Spannungen. Denn die Macht des Militärs machte politische Kompromisse unmöglich.
Wie verliefen die Bürgerkriege?
Der Verlauf der römischen Bürgerkriege lässt sich in 6 Phasen einteilen:
- Gracchenkrise (133-121 v.Chr.)
- Sulla-Diktatur (88-82 v.Chr.)
- Aufstieg des Pompeius und Zerfall der Republik (70-50 v. Chr.)
- Caesars Krieg gegen Pompeius (49-45 v.Chr.)
- Machtkampf nach Caesars Tod (44-31 v.Chr.)
- Krieg Octavian, Antonius und Kleopatra (32-31 v.Chr.)
| Abschnitt | Beschreibung |
|---|---|
| Gracchenkrise (133-121 v.Chr.) | Tiberius und Gaius Gracchus versuchten Reformen umzusetzen. Es ging um Landverteilung, Armut und Beschränkung der Mächtigen aus der Oberschicht. Tiberius wurde ermordet und Gaius wurde so sehr bedrängt, dass er seinen eigenen Tod veranlasste. Die Folge war, dass Gewalt zum legitimen politischen Mittel der der Durchsetzung wurde. |
| Sulla-Diktatur (88-82 v.Chr.) | Ein Streit zwischen dem Kommandeur Sulla und dem Senat führt dazu, dass Sulla sein Kommando abgegeben sollte. Er widersetzt sich und führt seine Armee gegen Rom. Er war der erste römische Feldheer, welcher dies vollbrachte. In Rom kommt es zum Bürgerkrieg zwischen den Anhängern von Marius (Popularen) und Sulla (Optimaten). Sulla siegt letztlich und errichtet eine Diktatur. |
| Aufstieg des Pompeius und Zerfall der Republik (70-50 v. Chr.) | Das politische Geschehen in Rom wird von Pompeius und Crassus dominiert. Um ihre Interessen durchzusetzen, gründen sie ein Männerbündnis (Erste Triumvirat). Ins Bündnis nehmen sie auch Julius Caesar als Juniorpartner auf. Mit diesem Bündnis wollen sie sicherstellen, dass der Senat keine Beschlüsse gegen ihre Interessen durchsetzt. Da die drei zu den mächtigsten Figuren auf der politischen Bühne in Rom zählen, wird der Senat stark geschwächt. Nach dem Tod von Crassus zerfällt das Bündnis. Zwischen Caesar und Pompeius kommt es zur Rivalität. |
| Caesars Krieg gegen Pompeius (49-45 v.Chr.) | Caesars Bürgerkrieg ist der berühmteste. Er soll sein Amt niederlegen und sich vor dem Senat verantworten. Daraufhin überschreitet Caesar mit seinem Heer den Rubikon (Grenzfluss), was einer Kriegserklärung gleicht. Caesar erobert Rom und macht sich zum Alleinherrscher. |
| Machtkampf nach Caesars Tod (44-31 v.Chr.) | Caesar wird 44 v. Chr. ermordet. Der spätere Kaiser Octavian und Marcus Antonius (damaliger Konsuln) gehen ein Bündnis ein, um die Mörder Caesars zu finden. Sie schlagen die Caesar-Attentäter in der Schlacht bei Philippi (42 v. Chr.). Danach zerbricht das Bündnis bei der Frage, wer das Römische Reich beherrschen solle. |
| Krieg Octavian, Antonius und Kleopatra (32-31 v.Chr.) | Zwischen Octavian (spätere Augustus) und Marc Antonius kommt es zum Krieg über die Nachfolge Caesars. Letztere verbündet sich mit Kleopatra VII. aus Ägypten. Somit wird das ägyptische Ptolemäerreich ebenfalls in den Krieg hineingezogen. In der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) besiegt Octavian seine Kontrahenten und erobert anschließend Ägypten. |
Welche Rolle spielte der Senat bei den römischen Bürgerkriegen?
Der Senat spielte eine entscheidende Rolle bei den Bürgerkriegen. Denn das Volk wollte Veränderungen, zu welchen der Senat entweder nicht in der Lage war oder diese nicht umsetzen wollte.
Die Institutionen der Römischen Republik standen auf zwei Säulen: dem römischen Senat und dem Volk (populus). Dies wurde mit dem Motto der Republik „Senatus Populusque Romanus“ (kurz: S.P.Q.R) deutlich.
Der Senat war eine Versammlung, welche im Wesentlichen eine Vertretung des Amtsadels darstellte. Es war das höchste und angesehenste Gremium des Staates. Die zweite Säule des Staates war das Volk (populus), welches sich in Gestalt verschiedener Versammlungen (comitia) zusammenschloss.
Abnehmende Macht des Senats
Der Senat, als oberste Institution, hatte zwei Aufgaben: Sicherung der Macht der Adelsfamilien und Verhinderung eines Rückfalls in eine Monarchie (Tyrannis). Demnach war der römische Staat eine Aristokratie gewesen, welche die Belange der Adelselite (Patrizier) und des Senatadels schützte. Aber es gab auch demokratische Elemente, in Form von Volksvertretung und Volkstribunen.
Die Volksvertretung konnte Gesetze beschließen, welche für alle Bürger galten. Jene Gesetze standen dann auch über den Beschlüssen des Senats. Über die Volksversammlungen wählte das Volk wichtige Amtsträger, wie den Konsuln, Prätoren oder Quaestoren.
Auch das Amt des Volkstribun (Tribuni plebis) war äußerst mächtig. Denn dieser Amtsträger konnte Gesetzesvorschläge, Senatsbeschlüsse und Magistratsentscheidungen blockieren. Weiterhin konnte der Amtsträger eigene Gesetzesvorschläge in die Volksversammlung einbringen.
Aber das politische System hatte Fehler. So gab es zwar ein Wahlrecht für jeden erwachsenen Mann mit vollen römischen Bürgerrecht (cives Romani). Aber dieses Wahlrecht konnten Wahlberechtigte nur an ausgewählten Plätzen in der Stadt Rom wahrnehmen. Somit funktionierte der römische Staat recht gut, als dieser noch ein Stadtstaat war. Als dann das Römische Reich immer größer wurde und Millionen Menschen beherbergte, funktionierte das politischen System überhaupt nicht mehr.
Wie bereits beschrieben, spaltete sich der immer unfähigere Senat in zwei Lager: die Optimaten (Adelselite) und die Popularen. Letztere nutzten die Volksvertreter dazu, ihre eigenen Gesetze durch den Senat bringen zu können. So konnten sie mit Hilfe des Volkstribunen sämtliche Reformen gegen den Willen des Senats durchzusetzen. Der Senat reagierte mit Gewalt, Blockaden und dem senatus consultum ultimum.
Senatus consultum ultimum – die „Notstandsbefugnis“
Um Schaden vom Staat abzuhalten, verhängte der Senat ein sogenanntes Notstandsbefugnis (Senatus consultum ultimum). Dieser Beschluss stattete den Konsuln mit diktatorischen Notstandsrechten aus. So konnte der Senat den Ausnahmezustand ausrufen und den Konsuln diktatorische Vollmachten übertragen.
Dadurch wurden zwar Gewaltanwendungen, Hinrichtungen römischer Bürger ohne Gerichtsurteil und Truppenaushebungen möglich. Allerdings schützte das Befugnis nicht vor späterer Anklage. Denn die Popularen erkannten die Rechtmäßigkeit dieser Befugnisse nie an. Oftmals wurden diese Befugnisse gegen Einzelpersonen und deren Anhänger eingesetzt. So gegen:
- Gaius Gracchus (121 v. Chr.)
- Saturninus (100 v. Chr.)
- Sulla (83 v. Chr.)
- Catilina (63 v. Chr.)
- Caesar (49 v. Chr.)
Militärischer Kontrollverlust
Im Jahr 107 v. Chr. wurde der Feldherr Gaius Marius zum Konsuln gewählt. Seine Militärreformen gehören zu den folgenreichsten in der Geschichte der Römischen Republik. Denn er machte aus der Bürgerarmee ein Berufsheer, indem er das Heer für besitzlose Bürger öffnete.
In Zeiten zuvor musste man Land vorweisen können, um zu dienen. Da nun auch Besitzlose zum Militär durften, rüstete der Staat seine Soldaten selbst aus. Früher mussten Soldaten selbst für ihre Ausrüstung bezahlen. Außerdem hob Marius die Dienstzeit auf 16 Jahre und länger an, wodurch eine Armee von Vollzeitsoldaten entstand – anders als früher, als man auf saisonale Milizen setzte.
Die Schaffung neuer Rekrutierungsmöglichkeiten war für Marius extrem wichtig. Denn die Kriege gegen Jugurtha und später gegen Kimbern und Teutonen waren existenzielle Bedrohungen.
Die wirklich entscheidende Militärreform war, dass Gaius seinen Veteranen diverse Besitztümer versprach. So bekamen sie Land nach dem Dienst. Dies war zwar notwendig, da die Veteranen nicht mittellos sein sollten, hatte aber Folgen. Denn es entstand ein völlig anderes Loyalitätsverhältnis.
Fortan waren Soldaten ihrem Dienstherren dankbar und fühlten sich ihm gegenüber verpflichtet. Dementsprechend sank die Loyalität gegenüber dem Staat und somit auch gegenüber dem Senat.
Dies wurde zum Kernproblem des Senats. Denn Generäle bekamen so eine Privatarmee. Der General versprach seinen Soldaten das Land nach der Dienstzeit und bekam im Gegenzug die Loyalität seiner Männer. Und das machte Männer wie Marius, Sulla, Pompeius, Caesar oder Antonius politisch übermächtig.
Der Senat verlor zunehmend die Kontrolle über das Militär und konnte somit von einflussreichen Feldherren unter Druck gesetzt werden. Dadurch wurden Bürgerkriege möglich, eigentlich unvermeidbar.
Zu welchen Veränderungen kam es im römischen Heer durch die Bürgerkriege?
Die Bürgerkriege und auch die Kriege gegen Teutonen, Kimbern und König Jugurtha von Numidien forderten mehr Soldaten. Deshalb beschloss Gaius Marius als er 107 v. Chr. zum Konsul wurde, eine weitreichende Militärreform.
Vom Bürgerherr zum Berufsherr
Die Rekrutierung sollte vereinfacht werden. So konnten fortan auch Besitzlose in der Legion dienen. Zuvor durften nur Männer mit Landbesitz ihren Wehrdienst leisten. Der römische Staat stattete seine Soldaten mit der nötigen Ausrüstung aus, was ebenfalls neu war. Denn in den Jahren zuvor mussten die Soldaten selbst für Ausrüstung aufkommen.
Außerdem wurde die Dienstzeit auf 16 Jahre erhöht, weshalb man fortan auf eine Vollzeitarmee zurückgreifen konnte. In den Jahren zuvor diente die eingezogene Bürgerarmee nur als saisonale Milizen. Anstelle des Bürgeraufgebots entstand durch die Reformen des Marius ein Berufsheer.
Und dieses Berufsheer sollte finanziell abgesichert sein, weshalb man Veteranen diverse Landbesitztümer nach ihrer aktiven Dienstzeit versprach. Die Entscheidung für Landzuweisungen der Veteranen trafen die Feldherren.
Loyalitätsänderungen
Dadurch, dass die Feldherren darüber entschieden – welche Landbesitze an welche Veteranen verteilt wurden, änderte sich die Loyalität der Truppe. Die Soldaten fühlten sich gegenüber ihrem Feldherren verpflichtet und nicht gegenüber dem Senat in Rom.
Ganz konkret bedeutet dies: In den Bürgerkriegen kämpften die Soldaten nicht für Rom, sondern für Caesar, Sulla, Marius, Pompeius, Octavian oder Marcus Antonius.
Bessere Armee
Durch die ständigen Kriege wurde das Militär immer besser. So wurden Logistikwege besser ausgebaut. Die Soldaten hatten mehr Gefechtserfahrung. Da der Staat für die Versorgung aufkam, wurde die Ausrüstung immer einheitlicher. Und da man gegenüber seinen Feldheeren loyal auftrat, verbesserte sich auch die Disziplin in der Truppe.
Machtfaktor
Jeder Feldherr, welcher politische Macht auf den Senat ausüben wollte, musste dies über militärische Macht tun. Und da die Militärreformen die Veteranenversorgung an den Feldherren knüpften, entstanden so kleine Privatarmeen.
Jeder Feldherr, welche mehr Macht wollte, musste seine Privatarmee weiter ausbauen – mehr Legionen haben in unterschiedlichen Gegenden. Mit diesem militärischen Druckmittel entschieden Feldherren und Legionen über Machtwechsel des Senats, über Wahlen und Gesetze.
Armee des Prinzipats
Als Octavian den letzten römischen Bürgerkrieg gewann, stieß er neue militärische Reformen an. So wurde die Veteranenkasse verstaatlicht. Damit schwand die Macht der Feldherren erheblich. Weiterhin erhielten Soldaten einen monatlichen Sold und gute Versorgung. Damit sicherte sich Octavian die Loyalität zum Kaiser.
Die römische Legion wurde von den Auxiliartruppen (Grenztruppen in den Provinzen) getrennt, wodurch es nicht zu Neid und Missgunst kam. Mit diesen Reformen beendete er die chaotische Bürgerkriegsphase und machte das Heer zum Fundament des Prinzipats.
Warum begann Caesar den Bürgerkrieg?
Caesar begann einen Bürgerkrieg gegen Rom (Senat und Pompeius), weil dieser ihn dazu aufforderte, seine Armee aufzugeben und als Privatmann nach Rom zurückzukehren. Dort wollte man ihn wegen Amtsverletzung anklagen. Caesar hätte diesem Beschluss nachkommen oder gegen Rom einen Bürgerkrieg entfachen können. Er entschied zu Letzteren.
Im Folgenden werden die Gründe, welche zum Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar führten – einzeln erläutert.
Erste Triumvirat
Um das Jahr 70 v. Chr. gehörte der Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus zu einem der wichtigsten Akteure der römischen Politik. Einer seiner Verbündeten war Marcus Licinius Crassus, welcher für sein Reichtum bekannt war.
Als im Jahr 60 v. Chr. der römische Senat sich weigerte, die Versorgungsleistung von Pompeius Veteranen anzuerkennen, schlossen beide Männer ein Bündnis (Erste Triumvirat). Als Juniorpartner nahmen sie Julius Caesar dazu und unterstützten ihn bei seiner Wahl zum Konsuln (59 v. Chr.).
Das Männerbündnis hatte das Ziel, sich gegen die Beschlüsse des Senats gegenseitig zu unterstützen. Nichts im Staate solle geschehen, was einem von den dreien missfallen könnte.
Caesars militärische Macht
Nach Ende seine Amtsjahres als Konsuln übernahm Caesar traditionell die Verwaltung einer römischen Provinz. Seine Wahl fiel auf Gallia cisalpina. Diese Provinz wurde zur Ausgangsbasis seines Aufstiegs als bedeutender Feldherr.
Im Gallischen Krieg (58-51 v.Chr.) eroberte Caesar ganz Gallien bis zur Rheingrenze. Dieser Krieg brachte ihn enorme Reichtümer und militärische Macht, welche durch die Militärreformen (Privatarmee) auch politische Macht bedeutete.
Der reiche Crassus starb 53 v. Chr. im Partherkrieg. Diese Person war das Bindeglied zwischen Caesar und Pompeius im Dreierbündnis (Triumvirat) gewesen. Als dann Caesars Tochter Julia, welche zugleich auch Pompeius Ehefrau gewesen war, im Kindbett starb – zerbrach das Verhältnis zwischen Caesar und Pompeius endgültig.
Pompeius näherte sich dem Senat (Optimaten) an und heiratete Cornelia, die Tochter des bedeutenden Aristokraten Metellus Scipio. Dieser hatte eine starke Abneigung gegen Caesar und war ein Verteidiger der alten Republik (Optimaten).
Zwischen Caesar und Pompeius begann eine offene Rivalität. Pompeius wurde 52 v. Chr. zum alleinigen Konsul (consul sine collega) gewählt. In diesem Amt war er der mächtigste Mann im Staat. Allerdings konnte seine Macht durch einen militärisch starken und reichen Caesar in Gallien bedroht werden, wenn dieser heimkehrte. Damit war Caesar der dominierende Militärfaktor im Staat – stärker als Pompeius selbst.
Niederlegung des Amtes
Im Jahr 49 v. Chr. beschloss der Senat, unter der Einflussnahme von Pompeius, dass Caesar sein Heer auflösen und allein nach Rom heimkehren müsse. Man wollte ihn dort wegen Amtsmissbrauch anklagen.
Angeblich gab es Rechtsbrüche während seines Konsulats 59 v. Chr.. Auch Bestechungsvorwürfe und unrechtmäßige Gewaltanwendung standen im Raum.
Nun kommt eine entscheidende Rechtsfolge. Denn als Prokonsul in Gallien genoss Caesar Amtsimmunität. Sobald er das Amt niederlegen würde, könnte man ihn als Privatmann anklagen. Und diese Gerichtsverfahren sollten ihn politisch vernichten, was Caesar wusste. Ihm blieben also nur zwei Möglichkeiten:
- sein Amt, seine Armee aufgeben und sich dem Senat fügen
- oder seine Stellung zu retten, indem er einen Bürgerkrieg beginnt
Caesar entschied sich für Letzteres und begann einen Bürgerkrieg gegen Pompeius und den Senat. Mit seinen Truppen überschritt er den Rubikon, den Grenzfluss in Norditalien.
Als Caesar gegen Rom marschierte, räumte Pompeius die Stadt. Nach der Eroberung Roms schaltete Caesar die Truppen von Pompeius in Spanien aus und danach in Griechenland. In der Schlacht von Pharsalos (48 v. Chr.) wurde Pompeius geschlagen und kurze Zeit später in Ägypten ermordet. Caesar konnte sich dann zum Alleinherrscher in Rom aufschwingen.
Überschritt Caesar den Rubikon wirklich?
Laut Geschichtsdarstellung soll Caesar den Grenzfluss Rubikon im Jahr 49 v. Chr. überschritten und gesagt haben: „Alea iacta est“. Übersetzt bedeutet dies: „Die Würfel sind gefallen.“, womit ein unumkehrbarer Entschluss zum Ausdruck gebracht werden sollte.
Der Grenzübertritt mit Legion galt als Kriegserklärung gegen den Senat. Denn ein Feldherr durfte keine Truppen in Italien führen. Antike Autoren, wie Plutarch, Sueton und Cassius Dio beschreiben den Grenzübertritt am Rubikon. Allerdings schrieb Plutarch, dass Caesar den berühmten Satz auf Griechisch gesagt haben könnte.
Ob mit dem Grenzfluss Rubikon auch der heutige Fluss Rubicone in der Emilia-Romagna gemeint war, ist ebenfalls strittig. Zwar wird der Rubikon als Grenzfluss des Römischen Reiches zur römischen Provinz Gallia cisalpina in antiken Quellen namentlich erwähnt. Doch die Quellen erwähnen nicht – wo sich dieser Fluss befand. Der heutige Rubikon-Fluss, von dem man annimmt, dass dieser der antike Grenzfluss war – wurde erst 1933 in Anlehnung an den geschichtsträchtigen Namen so benannt.
Was geschah im letzten römischen Bürgerkrieg?
Der letzte römische Bürgerkrieg war der Machtkampf zwischen Octavian und Marcus Antonius. Wie schon zuvor bei Caesar und Pompeius waren auch Octavian und Marcus Antonius einstige Verbündete gewesen. Grund des Bündnisse war der Mord an Caesar.
Zwangsbündnis zwischen Octavian und Antonius
Julius Caesar wurde durch 60 Senatsmitglieder inmitten einer Versammlung ermordet (44 v. Chr.). Anführer der Verschwörung waren Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus.
Ziel der Verschwörer war es, die Diktatur zu beenden und die Macht der Adelselite im Senat wiederherzustellen. Doch der Plan war illusorisch, denn die Macht fiel zu diesem Zeitpunkt genau dem zu, welcher die größte Streitmacht aufstellen konnte.
Caesars eingesetzter Erbe war Octavian. Zusammen mit den Feldherren Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus gründeten sie das Zweite Triumvirat. Anders als das Erste Triumvirat war dieses Männerbündnis rechtlich abgesichert. Ziel war es, die alte Ordnung wiederherzustellen und die Caesarmörder zu besiegen.
In der Schlacht von Philippi (42 v. Chr.) wurden die Heere von Cassius und Brutus besiegt. Nach dieser Schlacht ging es nicht mehr um die Frage, wie man die Römische Republik stabilisieren könnte – sondern darum, was anstelle der Römischen Republik entstehen sollte.
Aufteilung zwischen Octavian und Antonius
Nach Philippi wurde das Zwangsbündnis (Zweite Triumvirat) aufgelöst. Da Caesar kein Testament hinterlassen hatte, stritten Octavian und Antonius um die Nachfolge. Lepidus hatte man schnell entmachtet. Doch Marcus Antonius war Konsul, weshalb er Caesars Erbe beanspruchte. Gleichzeitig beanspruchte aber auch Octavian dessen politisches Erbe, da er von Caesar adoptiert worden war.
Zunächst einigte man sich darauf, das Reich aufzuteilen. So bekam Octavian den Westen, während Marcus Antonius den Osten bekam. Doch die Aufteilung führte zu neueren Konflikten. Denn Beide beanspruchten Ressourcen (Veteranen, Rohstoffe, Handelswege) aus der jeweils anderen Reichshälfte. So blieb der Konflikt bestehen. Jeder wollte das ganze Reich.
Krieg zwischen Octavian und Marcus Antonius
Der Konflikt verschärfte sich als Marcus Antonius ein Bündnis mit Kleopatra VII. einging. Dieses Bündnis nutzte Octavian, um den Konflikt mit seinen Kontrahenten ideologisch aufzuladen.
So sagte er, dass Antonius durch die orientalische Königin manipuliert werden würde. Und dieser Umstand würde Rom schwächen. Somit würde Kleopatra die römische Ordnung bedrohen. Daraufhin erklärt der römische Senat den Ptolemäern in Ägypten den Krieg (32 v.Chr.). Natürlich war Kleopatra für Octavius lediglich ein Mittel zum Zweck, damit der Senat seinem Kontrahenten Octavius den Krieg erklären würde.
Die entscheidende Schlacht des Bürgerkrieges zwischen Octavian und Marcus Antonius fand im Jahr 31 v. Chr. bei Actium vor der Westküste Griechenlands statt. In dieser Seeschlacht besiegt Octavian seine Kontrahenten Antonius und Kleopatra entscheidend. Die Unterlegenen fliehen nach Ägypten, werden von Octavian verfolgt. Dort begeht Antonius Selbstmord. Kleopatra folgt kurz darauf. Ägypten wird zur römischen Provinz.
Welche Rolle spielte Cleopatra im letzten römischen Bürgerkrieg?
Im letzten römischen Bürgerkrieg hatte Kleopatra VII. eine bedeutende Sonderrolle. Die ägyptische Herrscherin war Verbündete von Marcus Antonius im Krieg gegen Octavian. Darüber hinaus war sie Geldgeberin für Octavian, dessen Geliebte und wurde zum Hassobjekt der Römer.
Unterstützung von Marcus Antonius
Nach der Aufteilung des Reiches kontrollierte Marcus Antonius zwar den Osten des Reiches. Doch es fehlte ihm an Geld, Schiffen, stabilen Versorgungslinien und Truppen. All dies stellte Kleopatra bereit.
Aber sie unterstützte nicht nur den Herrschaftsanspruch von Antonius, sondern lieferte auch konkrete militärische Unterstützung. In der Schlacht von Actium (31 v. Chr.), welche den Kriegsverlauf ganz entscheidend zu Gunsten Octavian legte – war die ägyptische Flotte direkt beteiligt. Als Kleopatra ihre Flotte abzieht, verliert Antonius die Schlacht.
Feindbild Roms
Das Bündnis mit Kleopatra zerstörte aber den Ruf von Antonius in Rom. So sahen die Römer die Ägypterin als Verführerin. Sie stand für Dekadenz und Sittenverfall.
Dieses Bild nutzte Octavian geschickt, um es ideologisch aufzuladen. Er warnte vor der Ägypterin und sorgte dafür, dass die Römer in ihr eine Gefahr für die römischen Werte sahen. So konnte er das Volk und den Senat gegen Kleopatra aufheizen und dadurch bewirken, dass die Römer den Ägyptern den Krieg erklärten.
Fortan stand Octavian die ganze römische Armee zur Verfügung, um den Krieg gegen Marcus Antonius zu führen.
Im letzten römischen Bürgerkrieg war Kleopatra demnach eine Schlüsselfigur. Und obwohl sie an der Seite von Marcus Antonius stand und dessen Machtbasis war, nutzte sie als Hassobjekt seinen Kontrahenten fast noch mehr. Dadurch wurde sie letztlich der Schlüssel zu Octavians Sieg und dem Ende des Ptolemäerreiches in Ägypten.
Welche Folgen hatten die Bürgerkriege?
Die Römer waren kriegsmüde. Und anders als Caesar wusste Octavian, wie man diese Kriegsmüdigkeit zu nutzen hatte. Der Senat hatte aufgrund der Militärreformen keine militärische Macht. Demnach konnte ein Feldherr, wie Octavius es war, seine politischen Macht durch militärische Stärke durchsetzen. Er etablierte den Prinzipat als Alleinherrschaft. Octavian ließ sich zum Augustus machen und wurde der erste Kaiser Roms.
Die Römer akzeptierten die Diktatur, auch deshalb – weil die neue Staatsform in einem republikanischen Gewand daherkam. So blieben republikanische Institutionen (Senat) und Symbole (SPQR) erhalten, obwohl es sich faktisch um eine Monarchie handelte. Der Senat hatte fortan lediglich die Aufgabe, die Beschlüsse des Princeps (Kaisers) zu bestätigen. Das Römische Reich trat durch das Prinzipat eine jahrhundertelange Friedenszeit an, welche als Pax Romana bzw. Pax Augusta bezeichnet wurde.
Noch hundert Jahr später beklagte Tacitus den Untergang der Römischen Republik. Demnach war den Römern durchaus bewusst, dass sie ein freiheitliches System aufgegeben und durch die Herrschaft eines Tyrannen (Monarchen) ersetzt hatten. Aber der Frieden, welcher durch Augustus Prinzipat einsetzte, ließ die verhüllte Diktatur im glanzvollen Licht erstrahlen.
Chronologie und Zeittafel
| Kalenderjahr | Ereignis |
|---|---|
| 133 v. Chr. | Land- und Sozialreformen der Gracchen scheitern, Tiberius Sempronius Gracchus wird von politischen Gegnern ermordet |
| um 123 v. Chr. | Gaius Sempronius Gracchus wird Volkstribun und greift die Reformversuche seines verstorbenen Bruders wieder auf. |
| 121 v. Chr. | Anhänger von Gaius Gracchus töteten einen Liktor namens Antullius. Der römische Senat verhängt daraufhin den Staatsnotstand (senatus consultum ultimum). Etwa 250 Anhänger von Gracchus werden gleich getötet. Mehrere tausend werden später hingerichtet. Aufgrund der Ausweglosigkeit lässt sich Gaius Gracchus von seinem Sklaven töten. |
| 107 v. Chr. | Gaius Marius wird römischer Konsul und leitet Militärreformen ein. |
| 91 v. Chr. | Der Bundesgenossenkrieg zwischen Rom und italischen Völkern beginnt. Grund für den Krieg ist, dass die Italiker kein vollwertiges römisches Bürgerrecht bekommen. Der Bundesgenossenkrieg endet 89 v. Chr. mit einem Sieg Roms. |
| 88 v. Chr. | Lucius Cornelius Sulla wurde zum Konsul gewählt. |
| 88 v. Chr. | Während Sulla im Krieg gegen König Mithridates VI. ist, vollziehen die Popularen einen Putsch in Rom. Der Senat fordert Sulla auf, sein Kommando niederzulegen - woraufhin dieser gegen Rom zieht. Sulla erobert Rom und vertreibt Marius und seine Anhänger. |
| 87 v. Chr. | Da Sulla sich wieder dem Krieg gegen König Mithridates VI. können die Popularen den römischen Senat zurückerobern. Unter Führung von Gaius Marius errichten sie eine Schreckensherrschaft. Neuer Konsul wird Lucius Cornelius Cinna. Doch die Republik gleicht faktisch einer Diktatur. |
| 82 v. Chr. | Sulla kehrt nach Rom zurück und besiegt die Popularen mit Unterstützung von Gnaeus Pompeius Magnus. Dann errichtet er seinerseits eine Diktatur. |
| 79 v. Chr. | Sulla tritt aus dem Amt zurück, nachdem er die alte Ordnung wiederhergestellt und bewahrt hatte. |
| 70 v. Chr. | Pompeius und Marcus Licinius Crassus gehören zu den prägendsten Figuren der politischen Bühne Roms. Obwohl beide, genau wie Sulla auch, zu den Optimaten gehören - machen sie Sullas Gesetze weitestgehend rückgängig. |
| 60 v. Chr. | Nachdem der römische Senat die Versorgung von Pompeius Veteranen nicht bewilligte, gründen er und Crassus das Erste Triumvirat. Sie nehmen Julius Caesar als Juniorpartner auf - obwohl dieser zum Lager der Popularen gehörte. |
| 59 v. Chr. | Caesar wird zum Konsul gewählt. |
| 58 v. Chr. | Nach seinem Jahr als Konsul übernimmt Caesar die Verwaltung einer Provinz. Er wählt Gallien (Gallia cisalpina). |
| 54 v. Chr. | Iulia, die Tochter von Caesar und Ehefrau des Pompeius, stirbt im Kindbett. Die Ehe zwischen beiden war 59 v. Chr. von Julius Caesar arrangiert wurden, um das politisches Zweckbündnis zwischen ihm und Pompeius zu stärken. Nach Iulias Tod wollte Caesar seine Triumviratspolitik fortsetzen, indem er seine Großnichte Octavia Minor seinen Bündnisparter als Ehefrau anbot. Doch Pompeius lehnte das Angebot ab. Mit Iulias Tod erlosch Pompeius familiäre Bindung an die Julier. |
| 53 v. Chr. | Marcus Licinius Crassus erleidet in der Schlacht bei Carrhae (Partherkriege) eine schwere Niederlage. Bei anschließenden Kapitulationsverhandlungen mit dem parthischen Feldherrn Surenas wird Crassus getötet und enthauptet. Der Tod des Verbündeten wirkt sich nachteilig auf das Dreierbündnis (Triumvirat) aus, da Crassus das Verbindungsstück zwischen Caesar und Pompeius war. |
| 52 v. Chr. | Pompeius wird zum alleinigen Konsul (consul sine collega) gewählt. |
| 51 v. Chr. | In den Gallischen Kriegen hat Caesar die Provinz vollständig bis zum linken Rheinufer unterworfen. Dieser Krieg brachte ihn Wohlstand, Ansehen und militärische Macht. |
| 49 v. Chr. | Caesar erhält von Pompeius die Order, sein Amt als Prokonsul von Gallien niederzulegen und ohne Heer nach Rom zurückzukehren. Daraufhin überquerte Caesar den Rubikon zusammen mit seinem Heer, was einer Kriegserklärung gleicht. Er marschiert nach Rom, welches von Pompeius evakuiert wurde und verfolgt dann die Truppen des Pompeius nach Hispanien. |
| 48 v. Chr. | In der Schlacht von Pharsalos (Griechenland) schlägt Caesar die Truppen des Pompeius. Nach der Niederlage flüchtet Pompeius nach Ägypten. Dort wird er vom römischen Offizier Lucius Septimius niedergestochen. Danach stechen auch Achillas und der Centurio Salvius auf den Verwundeten ein. Pompeius stirbt am 28. September 48 v. Chr., einen Tag vor seinem 58. Geburtstag. |
| 46 v. Chr. | In der Schlacht bei Thapsus besiegt Caesar die Truppen der Senatspartei und erobert Nordafrika zurück. |
| 45 v. Chr. | In der Schlacht von Munda (Spanien) besiegt Caesar die letzten Truppen des Senats. Bei der Schlacht stirbt u.A. Gnaeus Pompeius Magnus der Jüngere, der älteste Sohn von Caesars Rivalen. |
| 45 v. Chr. | Zurück in Rom wird Caesar zum Diktator auf Lebenszeit gewählt. |






