Stamp Act
Der Stamp Act (deutsch: Stempelgesetz oder Stempelsteuergesetz) war ein Gesetz, welches die britische Regierung am 22. März 1765 verhängte. Laut diesem Gesetz sollten auf alle Dokumenten in den britischen Kolonien Nordamerikas eine Stempelsteuer erhoben werden.
Ziel war es, die enormen finanziellen Einbußen – welche dem britischen Staat durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) entstanden waren – auszugleichen.
In den Dreizehn Kolonien wurde die neue Steuer stark kritisiert und führte zu einer Radikalisierung, welche letztlich in der Amerikanischen Revolution und der Amerikanischen Unabhängigkeit endete.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was war der Stamp Act?
- 3 Welche Dokumente und Waren mussten mit Stempelmarken versehen werden?
- 4 Warum führte Großbritannien den Stamp Act ein?
- 5 Wie hing der Stamp Act mit dem Siebenjährigen Krieg zusammen?
- 6 Warum sollten die Kolonien für britische Truppen bezahlen?
- 7 Warum war der Stamp Act so umstritten?
- 8 Warum wurde „No taxation without representation“ das Schlagwort zur Stempelsteuer?
- 9 Wie unterschied sich der Stamp Act von früheren Steuern wie dem Sugar Act?
- 10 Lag beim Stamp Act eine virtuelle Repräsentation vor?
- 11 Warum sahen die Kolonisten den Stamp Act als Angriff auf ihre Rechte?
- 12 Wie reagierten die Kolonien auf den Stamp Act?
- 13 Welche Rolle spielten die Sons of Liberty?
- 14 Was geschah beim Stamp Act Congress 1765?
- 15 Welche Beschlüsse fassten die Kolonien?
- 16 Warum wurde der Stamp Act 1766 wieder aufgehoben?
- 17 Welche wirtschaftlichen Folgen hatten die Stamp Act Boykotte für Großbritannien?
- 18 Welche Bedeutung hatte der Stamp Act für die Amerikanische Revolution?
- 19 Warum war der Stamp Act die erste direkte Steuer auf die Kolonisten?
- 20 Weitere Artikel zur USA
Steckbrief
| Übersetzung: | Stempelgesetz, Stempelsteuergesetz, Stempelakte, Steuermarkengesetz, |
| Eigentliche Name: | Duties in American Colonies Act 1765 |
| Bedeutung: | Erhebung von Steuern auf alle Papierwaren in den englischen Kolonien Nordamerikas |
| Initiator: | George Grenville (britischer Abgeordneter, Schatzmeister, Premierminister) |
| Beschluss: | 22. März 1765 |
| Einführung: | 1. November 1765 |
| Rücknahme: | 1. Mai 1766 (Deklarationsgesetz) |
| Folgen: | -Straßenproteste und Mobs in den Kolonien -Handelsboykotte auf englische Warenimporte -Beginn einer Ideologische Lossagung von Großbritannien -Ursache bzw. Auslöser der ersten Phase der Amerikanischen Revolution |
Was war der Stamp Act?
Der Stamp Act war ein Gesetz, welches den britischen Kolonien in Nordamerika eine direkte Steuer auferlegte. Gleichzeitig wurde verlangt, dass gedruckte Materialien in den Kolonien auf britischen Papier gedruckt werden.
Jenes Papier sollte ausschließlich aus dem englischen Mutterland importiert werden und enthielt die Steuermarke. Das Gesetz schrieb weiterhin vor, dass die Drucke mit britischen Pfund und nicht mit kolonialem Papiergeld bezahlt werden.
Welche Dokumente und Waren mussten mit Stempelmarken versehen werden?
Gedruckte Materialien umfassten Rechtsdokumente (Verträge, Urkunden), aber auch Zeitschriften, Spielkarten, Zeitungen und Zeitschriften. All diese Waren sollte eine Stempelmarke enthalten, worauf wiederum eine Steuer anfiel.
Solche Stempelgesetzte waren in Großbritannien bereits gängige Praxis und zudem höchst effizient. Denn indem auf offiziellen Rechtsdokumenten ein Stempel verlangt wurde, musste dieser gesetzt werden, damit das Dokument seine Gültigkeit erlangte. Ein offizielles Dokument ohne Stempel wäre nach britischen Recht null und nichtig gewesen. Das System war somit selbstregulierend.
Warum führte Großbritannien den Stamp Act ein?
Der Stamp Act wurde eingeführt, um Truppen zu finanzieren, welche nach dem Siebenjährigen Krieg in Nordamerika stationiert waren. Laut der britischen Regierung diente die Militärpräsenz in Nordamerika dem Schutz der Kolonisten. Geschützt werden sollten die Kolonien vor Vergeltungsaktionen der Franzosen und der Indigenen Völker.
Wie hing der Stamp Act mit dem Siebenjährigen Krieg zusammen?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Siebenjährigen Krieg
Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) war ein Krieg zwischen den europäischen Großmächten. Jedoch verlagerten sich die Kriegsschauplätze ganz schnell in die Kolonien der Europäer.
In Nordamerika kämpften die Briten gegen eine Allianz der Franzosen und der indigenen Völker. Letztlich konnten die Briten im Frieden von Paris deutliche Gebietsgewinne in Nordamerika aushandeln. So wurde bspw. Kanada britisch, welches zuvor noch französisches Kolonialgebiet war.
Aber der Krieg musste bezahlt werden, weshalb die britische Regierung die Kolonien in Nordamerika daran beteiligen wollte. Der Stamp Act war demnach eine Gelegenheit in den Kolonien neue Steuern zu erheben, um die gebeutelte Staatskasse wieder aufzufüllen.
Warum sollten die Kolonien für britische Truppen bezahlen?
Die Dreizehn Kolonien befanden sich in britischen Besitz. Demnach glaubte die britische Regierung, dass das Mutterland das Recht habe, seine Kolonien zu besteuern.
Die Glorious Revolution (1688-1689) hatte in Großbritannien das Recht zur parlamentarischen Vorherrschaft etabliert. Dieses Rechtsverständnis wurde von Großbritannien in die Kolonien transferiert. Demnach hielt sich das Britische Empire die Kontrolle über den kolonialen Handel und der Produktion kolonialer Waren vor. Und da man Handel und Warenproduktion aus London kontrollierte, konnte man auch deren Steuererhebung kontrollieren.
Warum war der Stamp Act so umstritten?
In den Dreizehn Kolonien glaubte man nicht an eine Bedrohung durch Franzosen und Indigene, wie es die britische Regierung aus London beschrieb. Stattdessen empfand man den Stamp Act als eine Überstülpung und Bevormundung.
Die Kolonisten sahen zwar die britischen Truppen vor der Haustür. Aber man glaubte in den Kolonien, dass diese Offiziere aus der britischen Armee aussortiert wurden und nun eine Abfindung bekommen sollten. Und diese Abfindung sollten nun die Kolonisten in Form der Stempelsteuer bezahlen.
Gleichzeitig fühlten sich die Kolonisten im britischen Parlament nicht vertreten, weshalb man die Steuer auch als Einmischung von außen begriff (siehe nächster Abschnitt).
Warum wurde „No taxation without representation“ das Schlagwort zur Stempelsteuer?
„No taxation without representation“ bedeutet: „keine Steuern ohne gesetzliche Vertretung“. Dieser Schlachtruf wurde publik, nachdem die neue Steuer erhoben wurden. Zudem wurden britische Amtsträger mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet, um die Einfuhr von Schmuggelware zu verhindern.
In der Argumentation der Kolonisten trat zunehmend das Argument auf, dass das britische Parlament keine Steuern in den Kolonien erheben darf – da die Kolonisten in diesem Parlament nicht vertreten waren. Dies empfanden die Kolonisten als ungerechte Behandlung und als Verstoß gegen ihre politischen Rechte. Sie beriefen sich auf die Bill of Rights von 1689, welche die politische Vertretung als Grundrecht festlegte.
Das Argument „Nicht-Vertreten-Zu-Sein“ wurde durch das Schlagwort auf den Punkt gebracht. Man empfand die Gesetze aus dem britischen Mutterland als ein Überstülpen, bei dem man kein Mitspracherecht hatte – was aber die Bill of Rights seit 1689 garantierten.
Erster Prediger, welcher das Schlagwort gebrauchte, war Jonathan Mayhew.
Wie unterschied sich der Stamp Act von früheren Steuern wie dem Sugar Act?
Der Stamp Act von 1765 war eine direkte Steuer auf Papierprodukte innerhalb der Kolonie. Ein Jahr zuvor wurde der Sugar Act beschlossen, welcher nur den Import auf Zucker und Melasse besteuerte. Während der Sugar Act nur den Handel traf, belastete der Stamp Act das gesamte Innenleben der Kolonie.
Der Sugar Act wurde am Hafen erhoben. Somit wurden Händler, Kaufleute und die Hafenwirtschaft mit dem Zoll belastet. Der Stamp Act traf aber jeden Kolonisten. Denn jedes Buch (Studenten), jeder Brief, jede Zeitung und jede Akte war betroffen. Durch die höheren Preise hätten ganze Berufsgruppen verdrängt werden können. Man besteuerte also das Papier, auf welchem gedruckt wurde, machte es demnach künstlich teurer und verdrängt mittelfristig die Personen, welche es benutzen.
Lag beim Stamp Act eine virtuelle Repräsentation vor?
Virtuelle Repräsentation bedeutet, dass Menschen ohne Wahlrecht durch einen Abgeordneten im Parlament vertreten werden, den sie selbst nicht wählen können. Die Theorie der virtuellen Repräsentation sieht vor, dass Mitglieder des britischen Parlaments für alle Untertanen sprechen dürfen – auch für die Diejenigen, welche sie nicht wählen können. Denn schließlich sind auch die Nichtwähler dann virtuell repräsentiert. Das war die englische Antwort auf „No taxation without representation“.
Doch das Parlament ist für die Kolonisten niemals repräsentativ, da sie sich bzw. ihre Stimme nicht wiederfinden.
In der Kolonialzeit lag genau das vor. Parlamente aus den Mutterländern bestimmten über die Lebenswirklichkeit von Kolonisten, welche sie niemals gewählt haben. Als der Stamp Act 1765 auf den Weg gebracht wurde, geschah dessen Einführung durch das britische Parlament. Die Kolonisten wählten aber niemanden aus diesem Parlament, weshalb der Stamp Act zum Symbol einer virtuellen Repräsentation wurde. Stattdessen wählten die Kolonisten eigene Parlamente in ihren jeweiligen Kolonien. Hätten diese Parlamente den Stamp Act gefordert, hätten sie wohlmöglich die Zustimmung ihrer Bürger erhalten.
Warum sahen die Kolonisten den Stamp Act als Angriff auf ihre Rechte?
Die Stempelsteuer hatte eine Lenkungswirkung. Denn nicht alle Stempel wurden in gleicher Weise besteuert. So wurde die höchste Steuer auf Anwaltslizenzen erhoben. Damit sollte das Wachstum dieser Berufsklasse in den Kolonien stark eingeschränkt werden.
Zudem umfasste die Steuer auf Gerichtsdokumente nur Gerichte in kirchlicher Zuständigkeit. Aber solche Gerichte gab es in den Dreizehn Kolonien nicht. Denn viele Kolonisten und deren Vorfahren sind aus England geflohen, um genau solchen staatlich sanktionierten religiösen Institutionen zu entkommen.
Mit Einführung der Stempelsteuer für Gerichtsakten solcher Institutionen befürchteten viele Kolonisten, dass die Engländer die alten Traditionen in der Neuen Welt wieder aufbauen wollten. Und die Kolonisten glaubten an das Recht der Freiheit, dies selbst entscheiden zu dürfen.
Entscheidend war allerdings, dass der Stamp Act eine interne Steuer war. Frühere Steuern auf Zucker (Sugar Act) beschränkten sich auf den Handel, waren also nach außen gerichtet. Die Stempelsteuer war nach innen gerichtet. Besteuert werden sollte das öffentliche Leben der Kolonisten. Demnach hatte der Stamp Act eine weitreichende Wirkung auf das Leben der Kolonisten und deren Wirtschaft.
Viele Kolonisten glaubten daher, dass sie in ihren Rechten beschnitten werden. Man glaubte, dass lokale Gerichte mittelfristig durch britische Gerichte ersetzt werden sollten. Berufe, wie eben die Anwälte, sollten aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden. Die Stempelsteuer auf Spielkarten und Würfel sollten das Glücksspiel unterbinden. Und die Steuern auf Zeitschriften und Zeitungen sollten das Recht der öffentlichen Information und Meinungsfreiheit verhindern.
Wie reagierten die Kolonien auf den Stamp Act?
Virginia Resolves
In der Colony of Virginia wurden am 29. Mai 1765 die Virginia Resolves verabschiedet. Jene Resolutionen waren eine direkte Antwort auf die Stempelgesetze. Federführend bei der Formulierung der Resolutionen war Patrick Henry, ein Abgeordneter aus dem Virginia House of Burgesses.
In den Beschlüssen wurde der Stamp Act grundlegend abgelehnt. Henry erinnerte an das Schicksal von Julius Caesar und dem englischen König Charles I., welche beide aufgrund der Tyrannei ermordet wurden. Er bekundete, dass ausschließlich das Parlament von Virginia das Recht habe, Steuern zu erheben. Und da der Stamp Act ohne die Zustimmung der Kolonisten beschlossen wurde, sei er rechtswidrig bzw. nicht rechtskräftig.
Die Virginia Resolves wurden in der Folge in allen Kolonien gedruckt und verbreitet. Jene radikalen Forderungen wirkten wie Zunder in der aufgeheizten Stimmung. Demnach wurde Virginia zur Keimzelle einer Ideologie, welche zur Amerikanischen Revolution und zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führte.
Zeitungsproteste und Anrufe
Um 1760 umfasste die Zeitungsindustrie in den Dreizehn Kolonien etwa 24 Wochenzeitungen.
Benjamin Franklin, damals noch Drucker und Verleger, organisierte ein Netzwerk von sämtlichen Zeitungshäusern in allen Kolonien. Alle berichteten über Vorkommnisse in allen Dreizehn Kolonien. Dadurch entwickelte die Presse eine enorme Oppositionskraft gegen das Stempelgesetz.
Die meisten Zeitungsartikel setzten Besteuerung ohne Vertretung mit Despotismus und Tyrannei gleich. In der Folge entwickelte sich in allen Dreizehn Kolonien ein gemeinsames Protestvokabular.
Aber es gab auch Konkurrenzideen. Denn einige Zeitungshäuser wurden von der britischen Krone finanziert und äußerten sich zurückhaltender und wohlwollender. Doch für die meisten Verlage war die Stempelsteuer ein Angriff auf die Presse und wurde genauso beschrieben.
William Bradford, ein Drucker und Verleger aus Philadelphia, wurde ein Anführer der Sons of Liberty. Auf seiner Wochenzeitung „Pennsylvania Journal“ fügte er einen Totenkopf hinzu. Darum positionierte er die Headline „the fatal stamp“.
Öffentliche Straßenproteste
Während die Parlamente mit Resolutionen reagierten, zog es die einfachen Bürger der Kolonien auf die Straße.
Kundgebungen und Straßenproteste verliefen nicht immer gewaltfrei. So wurde bspw. die Nachbildung des Andrew Oliver, einem Briefmarkenverteiler aus Massachusetts, am 14. August 1765 an einer Ulme symbolisch gehängt. Die Ulme wurde zum Symbol der Freiheit und ist heute als Liberty Tree (Freiheitsbaum) bekannt.
Später nahm Ebenezer MacIntosh, ein Schuhmacher aus Boston, die Puppe ab und brachte sie zum Haus von Andrew Oliver. Er schnitt der Puppe den Kopf ab und verbrannte sie – zusammen mit Olivers Stallhaus, Kutsche und Chaise. Der Mob weitete sich aus, weshalb Andrew Oliver von seinen Pflichten als Briefmarkenbeamter zurücktrat.
Widerstand und Gewalt
Der Rücktritt des Andrew Olivers war Anlass dafür, dass Proteste und die Androhung von Gewalt in den Kolonien zunahm. In allen Kolonien versammelten sich Mitglieder der Mittel- und Oberschicht, um ein Netzwerk zu bilden. Schon bald nannten sie sich Sons of Liberty (Söhne der Freiheit).
Diese kolonialen Widerstandstruppen verbrannten öffentlich Bilder von britischen Beamten, schikanierten Beamten und zwangen die Durchsetzer des Stempelgesetzes zum Rücktritt.
Am 27. August 1765 baute eine Menschenmenge einen Galgen in Newport, Rhode Island. An den Galgen wurden die Bilder von drei Briefmarkenhändler gehängt. In der Nacht wurde die Menge von John Weber zu den Häusern der Briefmarkenhändler geführt, wo sie dann Mauern, Zäune, Kunst, Möbel und Wein zerstörten.
Die erste Briefmarkenlieferung erreichte am 24. Oktober 1765 den Hafen von New York. Dort wurde das Schiff von einer wütenden Menge empfangen. Die Kaufleute in New York trafen sich am 31. Oktober und beschlossen, keine englischen Waren mehr zu kaufen.
Nach vier Tagen griffen Tausende das Haus des New Yorker Gouverneurs Cadwallader Colden an. Die Unruhen in New York sorgten dafür, dass zahlreiche Briefmarkenhändler flohen. In New York City hielten die Massenproteste bis zum Jahresende an. Die örtliche Sons of Liberty hatte Schwierigkeiten, den Protest in Zaum zu halten.
Importboykott
Einige Kaufleute aus New York erkannten, dass die Wirtschaft des britischen Mutterlandes stark vom kolonialen Import abhängig war. Würden die Kolonien keine englischen Waren mehr kaufen, so müssten die Briten das Stempelgesetz zurücknehmen – so die Aussage der Kaufleute. Deshalb beschlossen 200 Kaufleute aus New York einen Importboykott englischer Waren. Über koloniale Netzwerke breitete sich dieser Nichtimportgedanke über sämtliche Kolonien aus, weshalb diese ebenfalls den Kauf englischer Waren verweigerten.
Welche Rolle spielten die Sons of Liberty?
Die Sons of Liberty waren eine geheime Widerstandsgruppe, welche sich ab 1765 formierte. Zunächst protestierten sie gegen britische Steuern und Eingriffe. Zu ihren bekannten Mitgliedern gehörten u. a. Samuel Adams, John Hancock und Paul Revere.
Die Gruppe entstand als direkte Reaktion auf den Stamp Act. Organisiert wurden Proteste, aber auch Boykotte, Sabotagen und öffentliche Aktionen. Damit zwang die Gruppe die Briten dazu, den Stamp Act zurückzunehmen. Demnach sorgten die Sons of Liberty für die ersten Erfolge der Kolonisten.
Mit ihren Aktionen schufen sie sich ein breites Publikum und eine breite Unterstützungsbasis bei den Kolonisten. Ihre Methoden reichten von Pamphleten, hin zu Massenprotesten und sogar zur Schikane und Einschüchterung britischer Beamter und Steuereintreiber.
In kurzer Zeit entstand ein Netzwerk, welches über alle Dreizehn Kolonien reichte. Aus diesen Strukturen entstand später die Committees of Correspondence, welche eine Art Kommunikationsnetzwerk zwischen den Kolonien bildete. Auf Grundlage dieser Strukturen konnte der Erste Kontinentalkongress, den Widerstand während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges organisieren.
Was geschah beim Stamp Act Congress 1765?
Der Stamp Act Congress fand im Oktober 1765 statt. Dabei waren siebenundzwanzig Delegierte aus neun Kolonien. Ziel des Kongresses war es, gemeinsame Petitionen gegen das Stempelgesetz zu formulieren. In diesen Petitionen sollte ganz klar ausformuliert werden, warum das britische Parlament nicht das Recht habe, Steuern in den Kolonien zu erheben.
Unter den Delegierten waren Anwälte, Kaufleute, Plantagenbesitzer und Grundbesitzer. Alle waren in irgendeinem Amt vertreten, welches sie für ihre Kolonie vertraten.
Am Ende des viertägigen Kongresses legten die Delegierten ein Dokument mit dem Titel „The Declaration of Rights and Grievances“ vor. In diesem Pamphlet wurden vierzehn Punkte des kolonialen Protestes deutlich. Im Mittelpunkt der Argumentation stand die Formulierung, dass die Kolonisten sämtliche Entscheidungsträger – welche über das Stamp Act entschieden haben – nicht gewählt haben.
Im Grunde genommen war es eine Erklärung, ähnlich wie die Virginia Resolves, eben nur für alle Kolonien. Aber die Argumentation ging noch weiter. So beschreibt die Erklärung auch, dass die Kolonisten von Natur aus gewisse Rechte haben, allein deshalb – weil sie Menschen seien. Sowohl Massachusetts als auch Pennsylvania brachten das Menschenrechtsthema in getrennten Resolutionen noch direkter vor.
Welche Beschlüsse fassten die Kolonien?
Die Beschlüsse des Stamp Act Kongresses wurden am 19. Oktober 1965 verabschiedet. Das Ergebnis trug den Titel: „The Declaration of Rights and Grievances“ (deutsch: „Erklärung der Rechte und Beschwerden“).
- Kolonisten schulden der Krone „die gleiche Loyalität“, die „Untertanen, die im Reich geboren wurden“ schulden
- Kolonisten schulden dem Parlament „alle gebührende Unterordnung“.
- Kolonisten besaßen alle Rechte der Engländer.
- Ein Geschworenenprozess ist ein Recht.
- Die Nutzung der Admiralitätsgerichte war missbräuchlich.
- Ohne Wahlrecht konnte das Parlament die Kolonisten nicht vertreten.
- Nur die Kolonialversammlungen hatten das Recht, die Kolonien zu besteuern.
Durch diese Argumentation sollte deutlich werden, dass der Beschluss – das Stamp Act abzulehnen, im britischen Rechtskanon vorkommt.
Warum wurde der Stamp Act 1766 wieder aufgehoben?
Premierminister George Grenville wurde am 10. Juli 1765 abgelöst. Er war Initiator und Wegbereiter des Stamp Act. Mit dem Wegfall seiner Personalie widmete sich das englische Parlament stärker dem Widerstand in den Kolonien.
Einige Abgeordnete sprachen sich dafür aus, dass das Gesetz trotz des kolonialen Widerstandes strikt durchzusetzen sei. Sie befürchteten durch einen Rückzug einen Präzedenzfall zu schaffen, welcher spätere Steuergesetze verhindern würde. Andere sahen die wirtschaftlichen Ausmaße, welche der Handelsboykott und die wirtschaftliche Misere in den Kolonien verursachte.
Außerhalb des Parlaments trafen sich britische Kaufleute, welche direkte Konsequenzen des Handelsboykott der Kolonien spürten. Sie kontaktierten ihre Bekannten im Parlament und sprachen sich für die Zurücknahme des Stempelgesetzes aus. Unterstützt wurden sie dabei von Lord Rockingham, dem späteren Premierminister Englands.
Als das Parlament am 14. Januar 1766 wieder zusammentrat, schlug das Rockingham-Kabinett formell die Aufhebung vor. Einige Abgeordnete argumentierten, dass das Grenville-Vorgehen völlig falsch gewesen sei. William Pitt behauptete sogar, dass die Theorie der virtuellen Repräsentation „die verachtenswerteste Idee sei, die je in den Kopf des Menschen eingedrungen ist“.
Schließlich wurde am 21. Februar 1766 das Aufhebungsgesetz eingebracht, welches mit 276 zu 168 Stimmen angenommen wurde.
Welche wirtschaftlichen Folgen hatten die Stamp Act Boykotte für Großbritannien?
Die Stamp Act Boykotte waren keineswegs existenzbedrohend für das British Empire, aber dennoch so massiv – dass das Stempelgesetz zurückgenommen wurde. Denn die englische Wirtschaft war auf den Export in die Kolonien angewiesen gewesen. Durch die Boykotte wurden ganz gezielt keine englischen Waren mehr gekauft, was zum Rückgang der Exporte führte. Die Lagerbestände in England wuchsen an und viele Hersteller hatten Liquiditätsprobleme.
Diese Boykotte trafen England in einer ohnehin schwierigen Finanzlage. Der Siebenjährige Krieg war seit zwei Jahren vorbei. Aber die Kriegskasse musste weiterhin gefüllt bleiben. Denn Soldaten erwarteten ihren Sold, die Kriegswirtschaft war noch nicht zurückgebaut usw.. Der Stamp Act sollte diese angespannte Finanzlage stabilisieren. Stattdessen brach die Wirtschaft ein und die finanzielle Lage verschärfte sich weiter.
Als dann die britischen Kaufleute durch Petitionen den nötigen Druck aufs Parlament aufbauten, lenkte die Regierung ein und nahm den Stamp Act zurück.
Welche Bedeutung hatte der Stamp Act für die Amerikanische Revolution?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur Amerikanischen Revolution
Der Stamp Act war Auslöser der Vorphase bzw. ersten Phase der Amerikanischen Revolution. Durch die Einführung des Stempelgesetzes wurden die Spannungen zwischen den Dreizehn Kolonien und dem englischen Mutterland verschärft. Es entwickelte sich eine Protestkultur und eine Ideologie, sich von England loszusagen. Diese entlud sich auf der Straße als öffentlicher Protest allgegenwärtig wurde.
Als dann der Stamp Act zurückgenommen wurde, blieb das Misstrauen gegenüber den Engländern bestehen. Gleichzeitig reifte aber auch die Erkenntnis, dass mit Protest ein Umsturz möglich sein könne. Die Idee einer amerikanischen Unabhängigkeit und diese mittels Protestaktionen bzw. einer Revolution durchzusetzen, wurde 1765 mit Einführung der Stamp Act geboren.
Warum war der Stamp Act die erste direkte Steuer auf die Kolonisten?
Der Stamp Act war die erste direkte Steuern auf die Kolonisten, weil sie direkt in der Kolonie anfiel und auf jeden Kolonisten wirkte. Das öffentliche Leben wurde besteuert. Und zwar jede Aktion im Alltagsleben der Kolonisten, welche irgendwie mit Papier zu tun hatte. Demnach hatte solch ein direkte Steuer eine Lenkungswirkung. Es gab zwar keine Verbote, dennoch wurde das Verhalten der Kolonisten indirekt durch die veränderten Preise gelenkt.
Alle Steuern zuvor waren Zölle, welche nicht jeder Kolonist tragen musste. So war der Sugar Act ein Zoll, welcher auf den Import von Zucker und Melasse erhoben wurde. Diesen bezahlten nur Händler, welche Zucker importierten.
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| Politik: | Amerikanische Revolution, Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Unabhängigkeitserklärung der USA |
| Recht und Gesetz: | Stamp Act, Sugar Act, |
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