Geschichte Virginias
Virginia ist ein US-Bundesstaat an der Ostküste der USA. Hauptstadt ist Richmond. Der Bundesstaat ging 1776 aus der Kolonie Virginia hervor, welche 1607 von englischen Siedlern gegründet worden war. Die wichtigste Stadt der Kolonie war Jamestown, welche bis 1699 auch die erste Hauptstadt der Virginia Kolonie war. Danach wurde Jamestown von Williamsburg abgelöst.
In Virginia bauten englische Kolonisten einen neuen Tabak an, welcher nicht so bitter wie der Aztekentabak war – welchen die Spanier vertrieben. Bedeutender Pflanzer war John Rolfe, welcher die sogenannte Plantagenökonomie in Nordamerika etablierte. Jenes Wirtschafts- und Sozialsystem basierte auf Sklaverei.
Bis 1776 blieb Virginia eine der Dreizehn Kolonien in Nordamerika. Am 4. Juli 1776 sagten sich diese Dreizehn Kolonien mit der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien los. In der Folge entstand das Commonwealth of Virginia, einer der dreizehn Gründerstaaten der USA.
Während des US-Bürgerkriegs (1861-1865) gehörte Virginia zur Konföderation (Sklavenhalterstaaten). Die nordwestlichen Countys von Virginia hielten weiterhin zur Union, sagten sich vom Staat los und wurden Teil der Unionsstaaten. Dieser Teil wurde, noch während des Krieges, zu West Virginia und somit zum 35. Bundesstaat der USA.
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was bedeutet Virginia?
- 3 Wer gründete Virginia?
- 4 Wann wurde Virginia gegründet?
- 5 War Jamestown-Virginia die erste englische Kolonie Nordamerikas?
- 6 Wer lebte vor den Engländern in Virginia?
- 7 Welche Bedeutung hatte der Virginia-Tabak für die Kolonie?
- 8 Warum wurde der Virginia-Tabak zum Exportschlager?
- 9 Wie prägte die Virginia-Plantagenwirtschaft die nordamerikanische Gesellschaft?
- 10 Welche Bedeutung hatte Virginia in der Amerikanischen Revolution?
- 11 Welche Bedeutung hatte Virginia im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg?
- 12 Was ist die Virginia Declaration of Rights?
- 13 Welche Bedeutung hatte der Virginia-Plan bei der Gestaltung der neuen US-Verfassung?
- 14 Warum war Virginia politisch so einflussreich?
- 15 Welche Gründerväter der USA kamen aus Virginia?
- 16 Welche Bedeutung hatte Virginia im Sezessionskrieg?
- 17 Wie entwickelte sich Virginia nach dem Bürgerkrieg?
- 18 Wann schaffte Virginia die Todesstrafe ab?
- 19 Seit wann ist Cannabis in Virginia legal?
Steckbrief
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| Land: | Vereinigte Staaten von Amerika (USA) |
| Anrainer: | Maryland (Norden), Washington, D.C. (Nordosten), West Virginia (Nordwesten), Kentucky (Westen), North Carolina (Süden), Tennessee (Südwesten), Atlantik (Osten) |
| Fläche: | 110.785,67 km² (Platz 35 der US-Rangliste) |
| Einwohnerzahl: | 8.631.393 (Platz 12 der US-Rangliste) |
| Hauptstadt: | Richmond |
| Größte Stadt: | Virginia Beach |
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| Flüsse: | Roanoke River (ca. 660 km), James River (ca. 560 km), New River (ca. 510 km), Clinch River (ca. 480 km), Dan River (ca. 344 km), Rappahannock River (ca. 314 km) |
| Berge: | Mount Rogers (1.746 m), Whitetop Mountain (1.682 m) |
| Gegründet: | 1607 als Jamestown-Kolonie |
| Teil d. Union: | 25. Juni 1788 |
Was bedeutet Virginia?
Virginia bedeutet Land der Jungfrau. Der Name geht auf die englische Königin Elisabeth I. zurück. Diese regierte zwischen 1558 und 1603 das englische Königreich. Sie blieb unverheiratet, hatte auch keine Kinder und wurde deshalb auch als Virgin Queen bezeichnet.
Zunächst bezeichneten die Briten das gesamte Gebiet in Nordamerika, auf welches sie ihren Anspruch erhoben, als Virginia. Später wurde nur noch das Gebiet um Jamestown als Virginia bezeichnet. Die anderen Kolonien der Briten nannten sich anders.
Die Briten erkundeten das nordamerikanische Gebiet bereits seit den 1580-er Jahren. Herausragende Figur war Sir Walter Raleigh, welcher unter Elisabeth I. zum Vizeadmiral wurde. Zu Ehren der Königin bezeichneten die Briten das erkundete Gebiet in Nordamerika als Virginia, also Land der Jungfrau.
Da Königin Elisabeth die Nachkommen fehlten, rückte nach ihrem Tod der Sohn ihre Cousine auf den Thron. Jener Sohn von Maria Stuart war James VI. von Schottland, welcher dann als James I. von England neuer König wurde. Unter ihm begann die dauerhafte Besiedlung Virginias.
Wer gründete Virginia?
Virginia wurde von einem Handelsunternehmen gegründet. Diese hieß Virginia Company. Dieses Wirtschaftsunternehmen wurde vom englischen König James I. urkundlich beglaubigt und hatte den Auftrag, in der Neuen Welt eine englische Kolonie zu gründen.
Vorherige Versuche mit rein staatlichen Mitteln waren gescheitert. So etwa die Besiedlung von Neufundland durch Sir Humphrey Gilbert im Jahr 1583. Auch der Aufbau der Roanake-Colony im heutigen North Carolina war gescheitert. Letztere wurde durch Sir Walter Raleigh in den späten 1580-er Jahren gegründet. Als dann die Engländer 1590 zur Kolonie zurückkehrten, waren die Siedler verschwunden.
In beiden Fällen stattete der englischen Staat zwei Grundbesitzer mit Geld und Privilegien aus. Mit der Virginia Company sollte nun eine Aktiengesellschaft die Kolonisierung in Amerika voranbringen.
Die Virginia Company betrieb ab 1606 eine Marketingkampagne, um Investorengelder einzusammeln und freiwillige Kolonisten zu rekrutieren. Als dann 1607 in Jamestown die erste dauerhafte Kolonie der Engländer entstand, wurde diese von der Company verwaltet. So ernannte das Unternehmen den Präsidenten von Jamestown, sorgte für wiederkehrende Versorgungsschiffe mit Lebensmitteln, neuen Siedlern und Soldaten.
Wann wurde Virginia gegründet?
Jamestown wurde am 14. Mai 1607 gegründet. Mit Jamestown begann die endgültige Kolonialisierung Amerikas durch die Briten und die Geschichte von Virginia als europäische Kolonie. Von den insgesamt 243 Siedlern in Jamestown überlebten nur etwa vierzig den ersten Winter. Zu den akuten Problemen der Jamestown-Kolonie gehörten: Nahrungsknappheit, schlechtes Trinkwasser und Konflikte mit den Ureinwohnern (Powhatan).

Luftaufnahme der historischen Kolonie Jamestown
War Jamestown-Virginia die erste englische Kolonie Nordamerikas?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zu Jamestown
Vor Jamestown gab es zwei Kolonisierungsversuche der Briten in Nordamerika, welche allerdings gescheitert waren. Der erste Versuch war die Einnahme von Neufundland durch Sir Humphrey Gilbert im Jahr 1583.
Tatsächlich schaffte es Sir Humphrey Gilbert, in Neufundland zu landen. Er überreichte den dort ansässigen Fischern einen Brief der englischen Königin und nahm das Gebiet für England in Besitz. Auf der Rückreise geriet die englische Flotte in einen Sturm, bei dem auch Sir Humphrey Gilbert ertrank. Für die nächsten Jahrzehnte unternahm die englische Krone keinen weiteren Versuch, Neufundland zu kolonisieren.
Der zweite Kolonialisierungsversuch bestand im Aufbau der Roanoke-Kolonie im heutigen North Carolina. Am 17. August 1585 wurde diese Kolonie von 108 Siedlern gegründet. Es sollte die erste dauerhafte englische Kolonie in Nordamerika sein.
Ähnlich wie 1607 in Jamestown bestand das Problem, dass die Siedler zu spät in der Neuen Welt ankamen. Im August kann man keine Nutzpflanzen mehr anbauen, weshalb der erste Winter irgendwie überlebt werden musste. Admiral Richard Grenville ließ die Siedler zurück und versprach mit einem neuen Versorgungsschiff aus England wieder zu kommen.
Erst am 22. Juli 1587 kehrten die Engländer zurück und fanden die Siedlung verlassen vor. An einem Baum war das Wort „Croatoan“ eingeschnitzt worden. Jene Croatoan war ein indigener Stamm der Algonkin-Sprachgruppe.
Wer lebte vor den Engländern in Virginia?
In Virginia lebten verschiedene Volksgruppen der Algonkin-Sprachgruppe. Dazu gehörten die Rappahannock, die Chickahominy und etwa 30 Stämme, welche sich zur Powhatan-Konföderation zusammenschlossen.
Die einzelnen Stämme der Konföderation lebten in Koexistenz an den Ufern des James Rivers, York Rivers und Payankatank Rivers sowie deren Nebenflüssen. Anführer der Konföderation war ein Oberhäuptling vom Stamm der Powhatan.
Der Zusammenschluss erfolgte als Konsequenz aus der englischen Kolonisation. Um 1607 lebten etwa 14.000 bis 20.000 Mitglieder der Powhatan-Konföderation in Virginia.
Welche Bedeutung hatte der Virginia-Tabak für die Kolonie?
siehe auch Hauptartikel: Geschichte des Tabaks
Die Jamestown-Kolonie sollte bis 1610 mehrfach aufgegeben werden. Zwar brachte die Virginia Company of London immer wieder neue Siedler aus England in die Neue Welt, doch die angesprochenen Probleme von Jamestown rafften die Kolonisten massenhaft dahin.
Im Mai 1610 landete John Rolfe in der Jamestown-Kolonie. Dieser brachte Tabaksamen mit, welche er von den Bermudainseln Trinidad hatte. Erst durch den Tabakanbau wurde Virginia wirtschaftlich stabil. Dies wiederum konnte die Virginia Company nutzen, um neue Investoren anzusprechen oder neue Kolonisten von einem Leben in der Neuen Welt zu überzeugen. Später heiratete John Rolfe die Tochter des Powhatan-Häuptlings, welche unter dem Namen Pocahontas bekannt war.

Pocahontas Statue (alias Rebecca Rolfe) in Jamestown
Warum wurde der Virginia-Tabak zum Exportschlager?
Der Virginia-Tabak, welchen John Rolfe anbaute – wurde zum Exportschlager. Der Tabakpflanzer gab ihm den Namen: Orinoco-Tabak.
Anders als der Tabak, welchen die Spanier auf dem Weltmarkt anboten, war der Tabak aus Virginia deutlich süßer. Denn John Rolfe experimentierte bei der Zucht und schuf so eine ganz neue Tabaksorte, welche in Europa heißbegehrt war.
Betrug das Handelsvolumen an Tabak im Jahr 1609 etwa 200.000 Pfund, verdoppelte sich dieses bis 1627. Und bereits zum Ende der 1630-er Jahre betrug das Handelsvolumen von Virginia-Tabak mehr als 24 Mio. Pfund.
Wie prägte die Virginia-Plantagenwirtschaft die nordamerikanische Gesellschaft?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur Plantagenökonomie
Der Tabakanbau veränderte auch die Gesellschaft in den Kolonien. Bis 1619 wurde in Jamestown und Virginia auf ein System der begrenzten Leibeigenschaft (Indentured Servitude) gesetzt.
Dazu wurden in England freiwillige Kolonisten von der Virginia Company rekrutiert. Diesen wurde etwas Land in der Neuen Welt oder Geld versprochen, wenn sie ihre Arbeitskraft für sieben Jahre an die Company abtreten würden. Sie waren demnach Arbeitssklaven auf Zeit.
Als dann aber die Tabaknachfrage in den späten 1610-er Jahren deutlich anstieg, reichten die englischen Arbeiter bei weitem nicht mehr aus. Man setzte fortan auf afrikanische Sklaven. Und so landete am 20. August 1619 das erste Sklavenschiff in Jamestown. An Bord waren zwanzig Sklaven aus Afrika, welche zuvor von Portugiesen verschleppt worden waren.
Der Tabakanbau sorgte demnach für eine enorme Nachfrage nach Arbeitern, welche durch Sklaven gedeckt werden musste. Mit der Ankunft des ersten Sklavenschiffs in Jamestown (1619), begann die institutionalisierten Sklaverei in Nordamerika.
Welche Bedeutung hatte Virginia in der Amerikanischen Revolution?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zur amerikanischen Revolution
Die Amerikanische Revolution war ein Unabhängigkeitskampf der europäischen Kolonisten gegen die Kolonialherrschaft der Briten. Diese Revolutionszeit begann nach dem Siebenjährigen Krieg (1754-1763), da die Briten neue Steuern und Stempelgesetze in den Dreizehn Kolonien erhoben.
Als 1765 das Stempelgesetz (Stamp Act) verabschiedet wurde, welches die neuen Steuern für die britischen Kolonien in Nordamerika vorsah – kam es zu einer Gegenreaktion in Virginia. Unter Federführung von Patrick Henry wurden die Virginia Resolves verfasst. In diesen Resolutionen betonten die Autoren, dass Virginia nur von einer parlamentarischen Versammlung besteuert werden könne, die von Virginianern gewählt worden war.
Diese Resolutionen waren so radikal, dass sie in den anderen Kolonien wie ein Funke wirkten. Demnach war Virginia die ideologische Keimzelle der Revolution.
Im Zentrum der Amerikanischen Revolution stand die Untergrundbewegung „Sons of Liberty“, deren Hauptquartier wohlmöglich in New York war. Aber im März 1766 entstanden in Virginia lokale Ableger der Sons of Liberty. Und im Dezember 1773 stürmten Aktivisten der Sons of Liberty drei Schiffe im Hafen in Boston und warfen 342 Kisten Tee der britischen East India Company ins Wasser.
Die Boston Tea Party führte zu Zwangsgesetzen (Coercive Acts) der Briten, welche auf eine breite Ablehnung in den Dreizehn Kolonien stießen.
Aufgrund dieser unerträglichen Zwangsgesetze brachte Virginia den Vorschlag ein, gemeinsam gegen die britische Regierung zu arbeiten. Daraufhin kam es im September 1774 zum ersten Kontinentalkongress. Auf diesem Kongress trat George Washington als Vertreter Virginias auf.
Zu den Beschlüssen des Kongresses gehörten die Ausbildung einer eigenen Kontinentalarmee und das Verhängen von Wirtschaftssanktionen gegen Großbritannien. Letztlich führte dies zu einer weiteren Eskalation des Konflikt, weshalb im April 1775 der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach.
Welche Bedeutung hatte Virginia im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg?
siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Virginia war militärisches Zentrum des Unabhängigkeitskrieges im Süden. Oberbefehlshaber George Washington kam aus Virginia, war vor dem Krieg ein Pflanzer gewesen und trat als Delegierter Virginias beim ersten Kontinentalkongress auf (1774).
In der Frühphase des Unabhängigkeitskrieges kämpfte Virginias Armee in Schlachten des Nordens (Neuengland). Die Kolonie stellte große Kontingente an Soldaten bereit. Ab 1780 war Virginia der Hauptschauplatz der britischen Südstrategie. Denn die Briten erhofften sich, mehr Loyalisten im Süden zu finden.
Letztlich wurde der amerikanische Unabhängigkeitskrieg in Virginia entschieden als die Briten bei der Belagerung von Yorktown (1781) aufgaben. Die Kapitulation von Yorktown beendete faktisch den Krieg.
Was ist die Virginia Declaration of Rights?
Die Virginia Declaration of Rights wurde am 12. Juni 1776 einstimmig verabschiedet. In diesem Papier wurden die Grundrechte von Virginia festgehalten. Verfasst wurde das Papier hauptsächlich von George Mason im Umfeld der Unabhängigkeitsbewegung. Jener Text wurde später zu einer Vorlage bei der Ausformulierung der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien (4. Juli 1776).
Bereits im Mai 1776 erklärte sich Virginia für unabhängig. Auf dem zweiten Kontinentalkongress im Juni 1776 warb Virginia dann dafür, dass sich auch andere Kolonien als unabhängig erklären würden. Dementsprechend brachte der Delegierte aus Virginia, namens Richard Henry Lee, eine Resolution auf dem Kontinentalkongress ein.
Diese Resolution wurde am 2. Juni 1776 angenommen, was dem eigentlichen Beschluss einer geschlossenen Unabhängigkeit aller Dreizehn Kolonien entsprach. Die spätere Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 war dann die rechtliche und moralische Begründung der Lee-Resolution.
Einer der bedeutendsten Autoren der Unabhängigkeitserklärung war Thomas Jefferson, welcher Anwalt und Politiker aus Virginia war. Dieser nutzte u.a. die virginische Verfassung (Virginia Declaration of Rights) als Vorlage, um die Unabhängigkeitserklärung zu schreiben.
Welche Bedeutung hatte der Virginia-Plan bei der Gestaltung der neuen US-Verfassung?
1787 trafen sich Delegierte aus allen Dreizehn Staaten zum Verfassungskonvent in Philadelphia.
Eigentlich sollten nur die Konföderationsartikel, welche schon während des Unabhängigkeitskrieges beschlossen wurden, überarbeitet werden. Aber diese Verfassung galt als gescheitert, da die Zentralregierung sehr schwach gehalten wurde, was dazu führte – dass die Bundesstaaten jeweils für sich agierten. Dies führte zu Handelskonflikten unter den Staaten und zu allumfassenden Wirtschaftskrisen der jungen Nation.
Der Virginia-Plan sah nun das Aufsetzen einer völlig neuen Verfassung vor. Diese sollte die Zentralregierung stärker machen. Am Verfassungskonvent zur Ausarbeitung einer neuen US-Verfassung nahmen 55 Delegierte aus zwölf Bundesstaaten teil. Nur Rhode Island schickte keinen Delegierten.
Der Virginia-Plan umfasste fünfzehn Vorschläge, welche die verschiedene Aspekte des neuen Regierungssystems regeln sollten. Zentraler Knackpunkt war die Zweikammer Legislative, welche sich aus Repräsentantenhaus und Senat zusammensetzte. Beide Kammern sollten nach Bevölkerungsanzahl zusammengesetzt werden.
Da Virginia zu den Sklavenstaaten zählte, wollte man jeden Sklaven als Bevölkerungseinheit mitzählen, obwohl die Sklaven überhaupt kein Wahlrecht hatten. Dies hätte die politische Mitsprache Virginias deutlich verbessert, was natürlich den kleinen Staaten mit weniger Einwohnern missfiel. Diese legten den New Jersey Plan vor, wonach jeder Staat – egal mit welcher Einwohnerzahl – nur eine Stimme im Parlament gehabt hätte.
Die Lösung war der Connecticut Kompromiss. Dieser sah vor, dass es ein Zweikammerparlament mit Verhältniswahl im Repräsentantenhaus und gleicher Vertretung im Senat geben soll. Am 16. Juli wurde der Connecticut-Kompromiss zur Abstimmung vorgelegt und schließlich genehmigt.
Warum war Virginia politisch so einflussreich?
Ein Problem des Verfassungskonvent blieb die Zählung der Sklaven. Deshalb einigte man sich am 12. Juli 1787 auf einen Drei-Fünftel-Kompromiss. Man zählte also nur drei Fünftel der Sklavenbevölkerung jedes Bundesstaates zur Gesamtbevölkerung dieses Bundesstaates.
Dies brachte für Virginia als Sklavenstaat immer noch mehr politische Macht als für den sklavenfreien Norden. Freie Schwarze und Vertragsarbeiter unterlagen diesem Kompromiss nicht und wurden als volle Person zur Vertretung hinzugezählt.
Virginia war die flächengrößte und bevölkerungsreichste Kolonie der Dreizehn. Mehr Menschen bedeuteten mehr Steuereinnahmen, mehr Milizsoldaten und mehr politische Repräsentation. Außerdem wurde das Parlament von Virginia bereits 1619 in Jamestown gegründet. Jene Volksvertretung hieß House of Burgesses und war das erste gewählte Parlament in Nordamerika.
Da Virginia die erste britische Kolonie in Nordamerika war, hatte der Standort auch einen wirtschaftlichen Vorsprung. So wurde in Jamestown der berühmte Virginia-Tabak angebaut. Die ersten Sklavenschiffe brachten afrikanische Unfreie nach Jamestown, um dort als Arbeitssklaven zu arbeiten.
Hinzu kam, dass viele Intellektuelle aus Virginia kamen. So war George Washington ein Plantagenbesitzer aus Virginia, bevor er Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde. 1789 wurde er erste Präsident der Vereinigten Staaten. Zur Virginia-Dynastie gehörten drei weitere US-Präsidenten: Thomas Jefferson, James Madison und James Monroe.
Welche Gründerväter der USA kamen aus Virginia?
siehe auch Hauptartikel: Gründerväter der USA
Bei den US-amerikanischen Gründervätern unterscheidet man zwischen zwei Gruppen. Der erste Personenkreis sind diejenigen, welche 1776 die US-Unabhängigkeitserklärung verabschiedeten und der zweite Personenkreis sind jene, welche 1787 die US-Verfassung unterzeichneten.
Aus Virginia kamen insgesamt sieben Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung und drei Unterzeichner der US-Verfassung. Weitere sechs Personen aus Virginia werden zum erweiterten Kreis der Gründerväter gezählt, da auch ihr Beitrag bei der Entstehung der USA bedeutend war.
| Unabhängigkeitserklärung: | George Wythe, Richard Henry Lee, Thomas Jefferson, Benjamin Harrison, Thomas Nelson Jr., Francis Lightfoot Lee, Carter Braxton |
| US-Verfassung: | George Washington (Präsident des Verfassungskonvents), John Blair, James Madison Jr. |
| Weitere: | Patrick Henry, Henry Lee III., John Marshall, George Mason, Edmund Randolph, Peyton Randolph |
Welche Bedeutung hatte Virginia im Sezessionskrieg?
Auch der Sezessionskrieg (1861-1865) wurde in Virginia entschieden. Denn in Appomattox Court House in Virginia ergab sich Robert E. Lee den Unionstruppen am 9. April 1865, wodurch der Bürgerkrieg faktisch endete. Während des Krieges war Virginia der Schauplatz von etwa der Hälfte aller Schlachten des Bürgerkriegs.
Virginischer Oberbefehlshaber des Südens
Einer der bedeutendsten Heerführer des Bürgerkrieges war der Oberbefehlshaber der Südstaatenarmee, namens Robert Edward Lee. Dieser hatte vor dem Krieg in der US-Armee gedient und sollte die Unionsarmee gegen den Süden anführen. Doch er lehnte das Angebot von Abraham Lincoln ab, da er sich seinem Heimatstaat Virginia zu sehr verbunden fühlte. Während des Krieges gewann er zahlreiche, ausweglose Schlachten gegen die Truppen der Nordstaaten – was ihn nachhaltigen Ruhm einbrachte.
Anschluss an die Konföderierten
Die Ursache für den Amerikanischen Bürgerkrieg war der Streit um die Sklaverei. Denn während der Westexpansion der USA kamen immer neue Gebiete hinzu und die Frontier verschob sich stückchenweise nach Westen. Im US-Kongress diskutierte man darüber, ob diese neuen Staaten die Sklaverei annehmen oder verbieten sollten. Virginia und viele andere US-Südstaaten waren für die Aufnahme neuer Sklavenstaaten, was dem Norden missfiel.
Als dann Abraham Lincoln im Jahr 1860 ins Amt des Präsidenten gewählt wurde, trat zuerst South Carolina im Dezember des gleichen Jahres aus der Union aus. Im darauffolgenden Jahr folgten zehn weitere Staaten dem Beispiel von South Carolina. Der Staat Virginia verabschiedete am 17. April 1861 seine Austrittserklärung aus der Union.
Am 7. Mai 1861 trat Virginia den Konföderierten Staaten von Amerika bei. Der Amerikanische Bürgerkrieg war ein Krieg zwischen den Unionsstaaten im Norden und den Konföderierten Staaten im Süden, welche um ihre Unabhängigkeit kämpften. Letztlich verloren die Südstaaten den Krieg und wurden nach Kriegsende (1865) wieder in die Union integriert.
Herz des Südens und Trennung von West-Virginia
Hauptstadt der Konföderierten Staaten wurde 1861 Richmond in Virginia, wodurch der Staat zum Herzen des Südens wurde. Doch die nordwestlichen Countys Virginias lehnten die Sezession (Austritt aus der Union) ab. Deshalb schlossen sich diese Countys 1863 der Union an, wodurch der US-Bundesstaat West Virginia entstand. Etwa 30.000 Soldaten aus West-Virginia kämpften fortan auf der Seite der Union (Nordstaaten), während 155.000 aus Virginia für die Konföderation kämpften.
Wie entwickelte sich Virginia nach dem Bürgerkrieg?
Nach dem Bürgerkrieg war Virginia, genauso wie die restlichen Südstaaten, von den Unionsstaaten besetzt. Die Besetzung geschah im Rahmen der Reconstruction. Es sollte ein Wiederaufbau der Infrastruktur und eine Wiederbelebung der Wirtschaft einsetzen. Doch Virginia, welches im Bürgerkrieg weitgehend verwüstet wurde, blieb wirtschaftlich schwach. Die Städte Richmond und Petersburg waren besonders betroffen, da diese im Bürgerkrieg monatelang belagert wurden.
Da der 13. Zusatzartikel der US-Verfassung die Sklaverei verbot, brach in Virginia die Plantagenökonomie zusammen. Während der Reconstruction wurde der Süden in fünf Militärprovinzen unterteilt. Virginia gehörte zum Militärdistrikt Nr. 1. Eine neue Verfassung wurde aufgesetzt, welche die Zusatzartikel einführte, aber auch die Macht der Teilstaaten stärker einschränkte. Virginia wurde am 26. Januar 1870 wieder offiziell in die Union aufgenommen.
Ab 1877 wurde die demokratische Partei im Süden wieder stärker und verdrängte republikanische Kräfte. Fortan wurden die Parlamente in sämtlichen Südstaaten wieder von weißen Eliten geführt.
Schon in den 1870-er Jahren wurden die Jim Crow Gesetze auf den Weg gebracht. Diese Gesetze sahen eine klare Rassentrennung für öffentliche Einrichtungen vor, wodurch der 14. Zusatzartikel (Gleiches Recht für alle) zunehmend ausgehöhlt wurde.
Zwar wurde das Verbot der Sklaverei (13. Zusatzartikel) niemals wieder abgeschafft, doch fortan entstand eine Zweiklassengesellschaft in Virginia und dem restlichen Süden. Im Jahr 1902 gab es in Virginia eine Verfassungsänderung, wodurch viele Schwarze von der Wahl ausgeschlossen wurden. Somit wurde auch der 15. Zusatzartikel der US-Verfassung in Virginia ausgehebelt.
Als dann in den 1960-er Jahren die demokratischen Bürgerrechtler John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson als US-Präsidenten kandidierten, veränderte sich das Wahlverhalten in Virginia. Fortan wählten mehr Menschen die Republikaner. Doch durch den Civil Rights Act (1964) und den Voting Rights Act (1965) wurden die Bürgerrechte für Schwarze wiederhergestellt.
Wann schaffte Virginia die Todesstrafe ab?
Zwischen 1972 und 1976 wurde die Todesstrafe in der ganzen USA außer Kraft gesetzt. Grund dafür war ein Urteil des Supreme Court, welches die Todesstrafe für willkürlich und verfassungswidrig hielt. Sämtliche US-Bundesstaaten mussten daraufhin ihre Gesetze überarbeiten.
Im Jahr 1976 führte Virginia die Todesstrafe wieder ein. Bis 2017 fanden 113 Exekutionen statt, wodurch Virginia den zweiten Platz hinter Texas im Ranking um die meisten Hinrichtungen einnahm. Am 3. Februar 2021 stimmte der Senat Virginias für die Abschaffung der Todesstrafe. Das Gesetz trat am 24. März 2021 in Kraft. Damit war Virginia der erste der klassischen Südstaaten, welcher die Todesstrafe abschaffte.
Seit wann ist Cannabis in Virginia legal?
In Virginia ist der Besitz und der Eigenanbau von Cannabis seit 2021 legal. Der Anbau für Fremde und der Verkauf von Cannabis sind noch verboten. Erwachsene ab 21 Jahre dürfen in Virginia bis zu einer Unze Cannabis besitzen. Für den Eigenanbau sind vier Pflanzen erlaubt.
Die Generalversammlung hat 2026 ein Gesetz erlassen, welches einen regulierten Cannabis Markt schaffen soll. Lizenzen sollen im Herbst 2026 vergeben werden. Der Verkauf von Cannabis soll dann ab 2027 folgen.














