Virginia Company
Als Virginia Company werden zwei englische Aktiengesellschaften bezeichnet, welche 1606 mit einer Lizenz vom englischen König James I. gegründet wurden: die London Company und die Plymouth Company.
Beide Gesellschaften sollten Siedlungen in Nordamerika errichten, versorgen und unterhalten. Ziel war es, den nordamerikanischen Kontinent für England, zu kolonisieren.
Beide Companies hatten unterschiedliche Gebiete für ihren Siedlungsanspruch zugewiesen bekommen. So durfte die London Company (Virginia Company of London) nur Gebiete, welche sich südlich des 41. Breitengrades und nördlich des 34. Breitengrades lagen, erschließen. Auf dieser Grundlage errichtete die Company den Ort Jamestown am 14. Mai 1607 im heutigen Virginia.
Die Plymouth Company (Virginia Company of Plymouth) sollte eine weitere englische Kolonie etwas nördlicher errichten. Ihr zugewiesenes Gebiet erstreckte sich zwischen dem 38. Breitengrad und dem 45. Breitengrad. Die Plymouth Company errichtete am 13. August 1607 die Siedlung Popham (das heutige Phippsburg).
Inhalt
- 1 Steckbrief
- 2 Was war die Virginia Company?
- 3 Warum gab es nach 1609 nur noch eine Virginia Company?
- 4 Warum wurde die Virginia Company gegründet?
- 5 Welche Aufgaben hatte die Virginia Company?
- 6 Wie war die Virginia Company organisiert?
- 7 Wie funktionierte die Virginia Company als Aktiengesellschaft?
- 8 Was erwarteten die Investoren der Virginia Company?
- 9 Welche Waren wurden später tatsächlich profitabel?
- 10 Wie waren die Arbeitsbedingungen in der frühen Virginia Company Kolonie?
- 11 Welche Rolle spielte die Virginia Company bei Jamestown?
- 12 Warum scheiterte die Virginia Company?
- 13 Welche Bedeutung hatte die Virginia Company langfristig?
Steckbrief
| Handelsname: | Virginia Company |
| Sparten: | Seetransport, Handel |
| Produkte: | Nutzpflanzen, Holz, Tabak |
| Abteilungen: | -Virginias Company of Plymouth (1606-1609), -Virginia Company of London (1606-1624) |
| Gründung: | 10. April 1606 in Westminster (England) |
| Gründer: | König James I. von England |
| Auflösung: | 24. Mai 1624 |
| Hauptsitz: | London, England |
Was war die Virginia Company?
Als Virginia Company werden zwei Aktiengesellschaften zusammengefasst, welche 1606 von König James I. gegründet wurden. Ziel beider Gesellschaften war es, den nordamerikanischen Kontinent für die englische Krone zu kolonisieren.
Die Plymouth Company sollte eine Kolonie im Norden Virginias errichten. Unternehmenssitz war in Plymouth im Südwesten Englands, daher der Name. Ihr zugewiesenes Kolonialgebiet erstreckte sich entlang der nordamerikanische Küste vom 38. Breitengrad bis zum 45. Breitengrad. Geografisch entsprach dies dem Gebiet von der Mündung des Potomac Rivers (38. Breitengrad) bis zur Mündung des St. Croix Rivers (45. Breitengrad).
Die London Company war die zweite Virginia Company, welche ebenfalls 1606 durch eine königliche Urkunde von James I. gegründet und bestätigt wurde. Der Unternehmenssitz war in London. Das zugewiesene Gebiet der London Company erstreckte sich entlang der nordamerikanischen Küste vom 34. Breitengrad bei Cape Fear bis zum Long Island Sund am 41. Breitengrad.
Außerdem gab es die Anweisung, dass die jeweiligen Kolonien einen Abstand von 160 km zueinander einhalten müssen.
An der Chesapeake Bay gründete 1607 die London Company auf einer Insel im James River den Ort Jamestown. Dies war die erste dauerhafte Kolonie der Engländer in Nordamerika.
Warum gab es nach 1609 nur noch eine Virginia Company?
Die Plymouth Company gründete ebenfalls 1607 die Popham-Kolonie, welche aber bereits 1609 aufgegeben wurde. Daraufhin wurde auch die Plymouth Company aufgelöst. Das Gebiet der Plymouth Company wurde dann der London Company zugesprochen, weshalb es fortan nur noch eine Virginia Company gab.
Warum wurde die Virginia Company gegründet?
Ziel der Virginia Company war es, die Teilhabe der Engländer bei der Kolonialisierung Nordamerikas zu sichern. Man versprach sich:
- wirtschaftliche Gewinne (Gold, Silber, Handel)
- Ausweitung englischer Macht und Einflusssphäre
- eine Konkurrenz zu Spanien und Frankreich aufzubauen
Welche Aufgaben hatte die Virginia Company?
Erstmal ging es nur darum, die Expedition in die Neue Welt zu finanzieren. So wurden Schiffe und Proviant gekauft, eine Mannschaft angeheuert. Dies alles geschah mit dem Geld der beiden Aktiengesellschaften. Die Schiffe der ersten Expeditionen waren die Susan Constant, Godspeed und Discovery.
Nachdem ein bestimmtes Gebiet in Besitz der Company war, ging es darum, die Menschen dort zu versorgen. Handwerker, Ackerbauern und selbst Soldaten mussten nach Übersee. Dies finanzierte die Virginia Company ebenfalls.
Die Company stellte zudem die politische Ordnung in Virginia her. Das Unternehmen ernannte den Präsidenten der Kolonie. Die Company kümmerte sich um die Verwaltung, das Rechtswesen und die Verteidigung der Kolonie. Somit war es nicht nur ein reines Wirtschaftsunternehmen, sondern hatte auch staatliche Aufgaben. Das Unternehmen war somit die Regierungs- und Ordnungsmacht der Kolonie.
Wie war die Virginia Company organisiert?
Die Virginia Company war eine sogenannte Joint Stock Company. Das bedeutet, dass es Investoren gab – welche gewisse Anteile am Unternehmen kauften. Mit dem Geld der Investoren wurden die Kolonialprojekte umgesetzt.
Wie funktionierte die Virginia Company als Aktiengesellschaft?
Als Aktiengesellschaft war die Virginia Company ein echtes Wirtschaftsunternehmen, welches Umsatz und Gewinne erzielen musste.
Man brauchte zunächst Investoren, welche Anteile des Unternehmens in Form von Aktien kaufen. Deshalb musste man Werbung für die Kolonie und für die Company machen. So setzte die Virginia Company eine der ersten großen Marketingkampanien der Geschichte um. Es wurden Flugblätter verteilt und Lotterien veranstaltet, um Geld einzusammeln.
Gleichzeitig brauchte man in den Kolonien permanenten Nachschub an Siedlern. Somit mussten nicht nur Investoren an den Erfolg der Kolonie glauben, sondern auch Handwerker und Landwirte, welche man in den Kolonialgebieten ansiedeln wollte. Auch diese wurden gezielt angesprochen, geworben und rekrutiert.
Es wurde ein System der zeitlich begrenzten Leibeigenschaft (Indentured Servitude) geschaffen. Man versprach den Arbeitern etwas Land oder Geld, wenn diese sich für 7 Jahre als Arbeiter der Company verpflichten würden.
Ziel war es aber, aus den Kolonien direkte Profite zu erwirtschaften. Die Investoren waren nur Geldgeber, welche den zukünftigen Kolonialprofit finanzieren und später einen Anteil am Gewinn bekommen sollten. Frühe Profite erhoffte sich die Company und ihre Geldgeber durch das Abschöpfen von Gold und Silber. Später sollten Gewinne aus Produktionsstätten (Pech, Glas, Teer, Pottasche) erfolgen. Letztlich wurde Tabak zum Exportschlager in Jamestown, nachdem ab 1610 John Rolfe dort eine neue Tabakpflanze anbaute.
Was erwarteten die Investoren der Virginia Company?
Investoren der Virginia Company erhofften sich, an den Gewinnen in den Kolonien partizipiert zu werden. Kurzfristige Gewinne sollten aus Rohstoffen fließen, deren Vorkommen man in Virginia erhoffte.
Diese erhofften Rohstoffe waren Gold, Silber, Holz und Edelsteine. Besonders Holz war wichtig, da die Wälder Englands zu großen Teilen schon gerodet waren.
Mittelfristige Gewinne sollten dann durch Produktionsstätte entstehen. Insbesondere die Glasherstellung, aber auch die Bier- und Weinproduktion ließ erwartbaren Erfolg zu.
Der tatsächliche Gewinn floss ab 1612/14 aus dem Tabakanbau in Jamestown. Betrug das Handelsvolumen an Tabak in den ersten Jahren noch etwa 200.000 Pfund, stieg dieses bis 1639 auf 24 Mio. Pfund.
Gleichzeitig rechneten Investoren auch mit einer Wertsteigerung ihrer Unternehmensanteile (Aktie). Sobald die Kolonie wirtschaftlich stabil läuft und Gewinne erzielt, sollte sich der Wert der Virginia Company steigern – wodurch auch der bereits gekaufte Anteil eines Investors im Wert ansteigt.
Aber Investoren folgten nicht nur rein wirtschaftlichen Zielen, wenn sie in die Virginia Company investierten. Denn sie investierten auch in die Zukunft Englands.
Es war eine Investition zu Prestigezwecken für den Adel. Man wollte ein Teil sein vom kolonialen Aufstieg des Königreichs sein und an der zukünftigen Macht des Imperiums teilhaben. Demnach war die Investition auch ein Statussymbol und ein Ausdruck von Macht und Einfluss.
Als man damit begann, die Powhatan in Jamestown zu christianisieren – war der Kauf einer Aktie der Virginia Company zugleich auch ein moralisch-religiöser Akt. Denn damit wurden die Missionierungsgedanken geschürt und man leistete seinen Beitrag zur Zivilisierung in der Neuen Welt. Da mit der Christianisierung die Seelen der Ureinwohner gerettet werden sollten, war das Kauf der Aktie auch ein humanistischer Akt.
Welche Waren wurden später tatsächlich profitabel?
Nur die Tabakindustrie war für die Kolonie wirklich profitabel. Das ersehnte Gold und Silber gab es kaum. Und die Produktion von Pottasche, Glas, Pech und Teer war in Europa viel kostengünstiger.
Als man dann versuchte, Bier und Wein herzustellen, erzielte man kaum nennenswerte Profite. Denn die Ressourcen für solche Produktionsketten fehlten.
Demnach war der Tabakanbau ab 1610/14 durch John Rolfe die einzig nennenswerte Einnahmequelle der Kolonie. Der Virginia Tabak wurde zum Exportschlager und zum Cash Crop. Hier der Anstieg des Handelsvolumens an Virginia Tabak.
- 1609: 20.000 Pfund
- 1627: 500.000 Pfund
- 1662: 24 Mio. Pfund
Wie waren die Arbeitsbedingungen in der frühen Virginia Company Kolonie?
Die Arbeitsbedingungen waren bis 1619 extrem hart, gefährlich und mitunter auch grausam. Denn die Kolonisten waren nicht frei, sondern arbeiteten zunächst als Vertragssklaven im Auftrag der Company.
Die Arbeiter verpflichteten sich gegenüber der Company einen Kolonialdienst von sieben Jahren zu erbringen. Im Ausgleich wurden sie in die Kolonie gebracht, mit Proviant versorgt und nach ihrer Dienstzeit mit Land und einer Geldprämie entlohnt. Dieses System der zeitlich begrenzten Leibeigenschaft nennt sich: Indentured Servitude.
Eigentlich sollten die Kolonisten in Jamestown oder auch Plymouth diverse Rohstoffe abschöpfen, Produktionsstätten aufbauen und Gewinne erzielen. Aber die Realität war eine andere. Nur wenige überlebten die ersten Monate.
In Jamestown begann das Sterben etwa sechs Wochen nach Ankunft, da die Kolonisten das salzige Brackwasser des James-Flusses tranken und daran starben. Den ersten Winter überlebten nur 40 der 243 Männer. Neben der schlechten Wasserversorgung kämpften die Kolonisten gegen Hunger, Krankheiten und die wiederkehrenden Angriffe der Powhatan, welche die Siedler nicht in ihrem Stammesgebiet haben wollten.
Ein Leben unter solchen Bedingungen gelingt nur, wenn eine strikte Disziplin vorhanden ist. Und deshalb wurden sämtliche Vorstöße, wie Diebstahl, Arbeitsverweigerung oder jeglicher Ungehorsam, hart bestraft. Die Kolonien waren reine Arbeits- und Überlebensgemeinschaften unter quasi-militärischer Kontrolle.
Erst nach Ablauf der sieben Jahre waren die Arbeiter wieder freie Menschen. In den sieben Jahren gehörte jeglicher Besitz nicht ihnen sondern der Company. Außerdem gehörte der Company die Arbeitskraft des Arbeiters. So konnte die Company jegliche Arbeit einfordern, ganz gleich wie schwer oder risikoreich diese war. Sämtliche Erträge, welche der Arbeiter erwirtschaftete, gehörten ebenfalls der Company und nicht dem Arbeiter.
Als dann 1619 die ersten afrikanischen Sklaven in die Kolonien exportiert wurden, änderte sich das Leben der Kolonisten schlagartig. Denn fortan waren die Afrikaner zu den Sklavendiensten verdammt.
Welche Rolle spielte die Virginia Company bei Jamestown?
Siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zu Jamestown
Jamestown war eine Kolonie der Virginia Company of London und die erste englische Kolonie in Nordamerika, welche dauerhaft existierte. Genauso wie bei jedem anderen Wirtschaftsunternehmen musste die Company zunächst freiwillige Siedler für Jamestown anwerben. Man brauchte Investoren, welche die Überfahrt und den Proviant bezahlen würden.
Nachdem Jamestown 1607 gegründet worden war, musste die Kolonie noch dauerhaft mit Lebensmitteln, neuen Kolonisten, Werkzeugen und Waffen versorgt werden. All dies übernahm die Virginia Company für ihre Kolonie.
Die erste Rechtsprechung bzw. Generalversammlung wurde 1619 abgehalten. Auch dies geschah auf Initiative der Virginia Company. Die Gesellschaft ernannte den Präsidenten der Kolonie und später auch die Gouverneure. Das Unternehmen hatte staatliche Aufgaben in einem wirtschaftlichen Format mit Gewinnabsichten gegossen.
Als 1610 der Tabakanbau in Jamestown durch John Rolfe begann wurde die Kolonie wirtschaftlich. Bis dahin war man nur auf das Vertrauen der Geldgeber angewiesen.
Am 20. August 1619 landete das erste Sklavenschiff in Jamestown. Die Arbeitssklaven kamen aus Afrika, wurden von portugiesischen Sklavenschiffen gekapert und sollten nun den Tabakanbau in der Neuen Welt realisieren.
Nachdem man Pocahontas zum Christentum bewegt bzw. gedrängt hatte, initiierte die Virginia Company eine Überfahrt nach London (1616). Dort wurde Pocahontas als Indianerprinzessin vorgestellt. Und man zeigte, dass sich die Powhatan zivilisieren lassen.
Die Edle Wilde sollte neue Geldgeber anlocken, um neben der Tabakindustrie auch eine Missionierungsindustrie voranzubringen. Man erhoffte sich, nachdem die Powhatan zu Christen geworden sind, neue Absatzmärkte und neue Produktionsstätten zu erschließen.
Warum scheiterte die Virginia Company?
Das Scheitern der Virginia Company begann nach dem Jamestown Massaker von 1622. Dabei starben 347 Siedler durch Angriffe der Powhatan-Konföderation. Insgesamt lebten damals etwa 1.200 Kolonisten in Jamestown und Umgebung. Demnach wurde etwa ein Viertel der europäischen Siedler massakriert.
Die Lage der Virginia Company war zu diesem Zeitpunkt bereits angespannt, da man große Mengen Tabak in die Niederlande exportieren wollte und schon Investoren gewonnen hatte. Doch dann wurde das Privileg der Handelsfreiheit durch den Privy Council (Gremium des Königs) verboten. So geriet das Unternehmen ab 1621 in eine wirtschaftliche Schieflage, bei der Dividenden nicht mehr gezahlt werden konnten.
Diese Umstände machten Anleger misstrauisch, weshalb weitere Investoren absprangen. Demnach verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Virginia Company, durch den Überfall auf Jamestown im März 1622, zunehmend: von miserabel zu katastrophal.
Als dann die englische Krone der Gesellschaftsvertretung der Company eine neue Satzung vorschlugen, lehnten diese ab. Das Vertrauen in die Company war durch das Massaker derart erschüttert worden, dass selbst die Gesellschaftsvertretung nicht länger daran glaubte.
Aber König James I. wollte seine Kolonie nicht aufgeben, weshalb der Status von Jamestown 1624 geändert wurde. Fortan war es eine königliche Kolonie, welche von einem Gouverneur verwaltet werden sollte, der vom König ernannt wurde.
Welche Bedeutung hatte die Virginia Company langfristig?
In der Kolonialgeschichte Nordamerikas war die Virginia Company dahingehend bedeutend, dass durch ihren Einsatz die Siedlung Jamestown gegründet werden konnte. Ohne den Einsatz der Aktiengesellschaft hätte es diese Entwicklung nicht gegeben.
Da Jamestown auch die erste englische Siedlung in Nordamerika war, welche auch funktionierte – legte die Company den Grundstein für die Kolonialisierung Nordamerikas durch die Engländer.
Außerdem führte die Virginia Company 1618/21 die „Great Charter“ in Jamestown ein. Dabei wurde das Militärrecht durch ein Gewohnheitsrecht ersetzt. Weiterhin wurde durch die Great Charter der Landbesitz für Siedler geregelt und ein repräsentatives Parlament in Form einer gewählten Versammlung geschaffen (House of Burgesses, 1619). Somit übertrug die Company den Siedlern eine frühe Form der Selbstverwaltung, was ein Meilenstein in der amerikanischen Demokratie war.
Die Virginia Company war eine Aktiengesellschaft, welche eine Kolonie in Besitz hatte und diese finanzierte. Das Modell einer solchen Joint Stock Company bestand darin, dass sich viele Investoren die Gewinne aber auch die Risiken teilen.
Und da die Virginia Company bis 1624 durchaus erfolgreich agierte, wurden solche Aktiengesellschaften überall in Europa gegründet. Kolonialunternehmen und Handelsgesellschaften waren das Bild einer frühen Globalisierung und wurden zum Prototypen moderner Unternehmensfinanzierungen.

